|
Ruta de viaje
Buenos Aires
Buenos Aires-Bahia Blanca
Bahia Blanca
Bahia Blanca-Puerto
Madryn
Puerto
Madryn
Puerto
Madryn-San Carlos de Bariloche
San
Carlos de Bariloche
San
Carlos de Bariloche-Mendoza
Mendoza
Mendoza-Cordoba-Mar
del Plata
Mar
del Plata
Mar del Plata-Bahia Blanca-Comodoro Rivadavia-Rio Gallegos-El
Calafate
El Calafate
El Calafate-Puerto Natales (Chile)
Ushuaia
Ushuaia-Rio Gallegos-Comodoro Rivadavia-Esquel
Esquel-San
Carlos de Bariloche-Puerto Montt (Chile)
Salta
Salta-Corrientes
Corrientes
Corrientes-Asunción (Paraguay)
Puerto Iguazú
Puerto Iguazú-Foz do Iguaçu (Brasilien)
Buenos Aires
Buenos Aires-San Miguel de Tucuman
San
Miguel de Tucuman
San Miguel de Tucuman-Tafi del Valle
Tafi del Valle-Santa
Maria
Santa Maria
Santa
Maria-Cafayate
Cafayate-Salta-San Antonio de los Cobres
San Antonio de los Cobres
San Antonio de los Cobres-Salta-Jujuy
Jujuy
Jujuy-Humahuaca
Humahuaca
Humahuaca-La
Quiaca-Villazón (Bolivien)
Pocitos-Mendoza
Mendoza
Mendoza-Buenos Aires
Buenos Aires
Buenos Aires-Las Palmas de Gran Canaria
(Spanien)
Buenos Aires
Samstag 12. November
Heute morgen um 07.00 Uhr klingelt
der Wecker. Unser Frachtschiff "Calaparana", mit dem wir die Strecke von
Barcelona über den Atlantik gefahren sind (siehe
Reporte Frachtschiffsreise), hat
am Hafen von Buenos Aires angelegt. Für Marco und mich heisst es nun
unsere Suite aufzuräumen und den Rucksack zu packen. Wir bekommen zum
letzten Mal ein Frühstück an Bord und verabschieden uns anschliessend
von der Crew. Etwas wehmütig verlassen wir zusammen mit Pierre, einem
Franzosen, der dieselbe Route gereist ist wie wir, das Schiff. Wir
werden von zwei argentinischen Zollbeamten am Hafen abgeholt und mit dem
Auto zum Zoll gefahren, wo wir die Einreiseformulare unterschreiben und
unsere Reisepässe zurückbekommen. Das ganze Prozedere ist reine
Formsache und dauert gerade einmal 30 Minuten, was uns sehr überrascht. Etwas später
werden wir von einem der Zollbeamten sogar in das Stadtzentrum gefahren. Als er
erfährt, dass wir noch keine Übernachtungsmöglichkeit haben, empfiehlt
er uns ein günstiges Hotel und lädt uns in der Nähe aus. Leider ist das
Hotel vollkommen ausgebucht und wir müssen weitersuchen. Der nette
Chauffeur hat uns noch gesagt, dass es im Stadtkreis "San Telmo"
auch noch einige Hotels gibt. Marco zückt einen kleinen Stadtplan, der im
kleinen Stadtführer von Buenos Aires enthalten ist und navigiert uns in
die richtige Richtung. Wir merken aber bald, dass die Strecke zu Fuss
und mit unseren schweren Rucksäcken etwas weit ist und so nehmen wir an
einer Kreuzung ein Taxi. Der Taxifahrer fährt uns an den "Plaza
Dorrego", das Zentrum von "San Telmo". Leider kennt er kein Hotel, in
das wir gehen könnten, weiss aber, dass hier in der Nähe eine "Agencia
de turismo" ist. Wir irren etwas umher, fragen ein paar Leute nach dem Touristinfo
und finden es auch tatsächlich. Die nette Señorita, die hier arbeitet, hilft uns
mit einer Hotelliste weiter, und die Suche beginnt von vorne. Nach einem
Fehlversuch finden wir dank Pierre ein günstiges Hotel (Hotel Bolivar,
Calle Bolivar 886, Tel. 4361-5105),
wo wir für drei Nächte unterkommen.
Es ist ein sehr einfaches, altes im Kolonialstiel erbautes Hotel.
Bevor wir uns entscheiden zu bleiben, dürfen wir die Zimmer sehen. Marco
und ich bekommen nach einer kleinen Vehandlungsdebatte ein Zimmer
mit Fenster, das allerdings erst heute Nachmittag bezugsbereit ist. WC
und Lavabo befinden sich auf dem Flur gleich neben unserem Zimmer. Die
Dusche ist etwas weiter um ein paar Ecken herum
erreichbar. Vor unserem Zimmerfenster befindet sich gleich eine
Terrasse. Ausserdem ist es auf dieser
Seite des Hauses sehr ruhig, da hier keine Strasse vorbeiführt. Pierre
hat weniger Glück, für ihn hat es nur noch ein Zimmer ohne Fenster.
Morgen wird aber eines mit Fenster frei, in das er dann umziehen kann.
Jetzt stellen wir erst einmal unser Gepäck ein und gehen auf die Suche
nach etwas Ess- und Trinkbarem. Gleich an der nächsten Kreuzung gibt es drei kleine
Restaurants. Bei einem Glas Wein und einem
kleinen Lunch sprechen wir noch einmal über die vergangenen zwei Wochen
auf See, über unsere Destinationen und dass Buenos Aires gar nicht so viel
anders funktioniert wie eine Grossstadt in Europa. Während wir plaudern
und unseren Wein geniessen, kommt ein ca. 10 Jahre altes Mädchen an
unseren Tisch und will uns ein kleines Plüschtierchen verkaufen. Die
Kleine tut uns leid, aber wir haben echt keine Verwendung für so was.
Auch haben wir kein Bonbon bei uns, das wir ihr wenigstens schenken
könnten. Marco und ich beschliessen heute noch ein Pack Bonbons zu
besorgen. Zurück im Hotel beziehen wir unsere Schläge, denn anders kann
man die Zimmer mit den Eisenbetten, den alten Türen und den alten
Wänden, wo die Farbe abblättert, nicht bezeichnen. Für 25 Pesos, pro
Nacht, dass sind ungefähr 8 Dollars, ist es aber ganz passabel. Ausserdem empfangen wir
sogar ein Wireless - Signal, das wir natürlich gleich nutzen, um Mails zu
schreiben. Marco und ich haben uns noch noch nicht ganz daran gewöhnt
wieder festen Boden unter unseren Füssen zu haben. Wir schwanken noch
ein bisschen und haben das Gefühl, noch auf dem Schiff zu sein.
Mittlerweile ist es 15.00 Uhr, genau die richtige Zeit eine Siesta zu
machen. Während Marco tief und fest schläft, schreibe ich deutsche,
englische und spanische E- Mails nach Europa. Zwei Stunden später sind
wir ziemlich in Eile, denn wir müssen nun endlich in ein "Locutorio", um
mit unseren Eltern zu telefonieren. Immerhin ist es in der Schweiz schon
21.00 Uhr! "Locutorios" und Internetstationen gibt es beinahe an jeder
Ecke, und so brauchen wir nicht lange, um eines zu finden. Für 10 Minuten
Telefonieren bezahlen wir je 24 Pesos, ungefähr 11 Franken! Danach gehen
wir in einen Supermercado, um eine Flasche Wasser und einen Sack Bonbons
zu kaufen. Um 19.00
Uhr haben wir uns mit Pierre in der "Restro-Bar" verabredet. Zusammen
verbringen wir einen sehr schönen Abend rund um den idyllischen "Plaza
Dorrego". Pierre erzählt uns, dass er
heute schon durch einen rechten Teil der Innenstadt spaziert ist, während wir
uns heute erst einmal an das Treiben an Land gewöhnen mussten. Morgen
werden aber auch wir zwei die Stadt unter die Füsse nehmen. Um
23.00 Uhr gehen wir ins Hotel zurück, damit wir morgen fit sind.
Sonntag 13. November
Ich habe alles andere als gut geschlafen, da mein
Bett eher einer Badewanne gleicht. Marco hat es da ein bisschen besser
erwischt und ist ausgeruht und wach. Nach einer erfrischenden Dusche
geht es aber auch mir schon viel besser, und ich bin bereit für neue
Abenteuer. Draussen ist herrlichstes, sonniges Sommerwetter! Um 09.00
Uhr sind wir mit Pierre in der
"Restro-Bar" zum Frühstück verabredet. Die
Bar hat
aber noch geschlossen, und so setzen wir uns ins Restaurant gegenüber.
Von Pierre ist noch nichts zu sehen, ob er wohl verschlafen hat? Bei
Café con leche und Croissant treiben wir den letzten Rest Schlaf aus den
Augen und besprechen den heutigen Tag. Fürs erste wollen wir den
Stadtkreis "San Telmo" etwas genauer
kennen lernen. Um 09.30 Uhr ist von Pierre immer noch nichts zu sehen.
Er hat wohl tatsächlich verschlafen. Marco und ich werden später am Tag
im Hotel an seine Türe
klopfen. Jetzt gehen wir auf jeden Fall zum "Plaza Dorrego", wo
laut Guías jeden Sonntag ein Flohmarkt statt finden soll. Und
tatsächlich ist der ganze Platz voll mit Ständen. Staunend schlendern
wir durch den herrlichen Antiquitätenmarkt, wo man vom Silberbesteck,
Spazierstock, Taschenuhren bis zu antiken Telefonapparaten alles kaufen
kann. Wir spazieren noch etwa eine Stunde im Quartier herum. Da hier der ganze Stadtteil
wie ein Schachbrettmuster gebaut ist und wir wie in einem grossen
Viereck gelaufen sind, kommen wir wieder am Restaurant "Aconcagua"
vorbei, wo wir gefrühstückt haben. Marco sagt zum Scherz, dass Pierre
jetzt vielleicht hier sitzt und Kaffe trinkt. Kaum hat er dies
ausgesprochen, sehe ich ihn tatsächlich winken! Wir setzen uns also zu
ihm. Er sagt uns, dass er morgen Abend mit dem Nachtbus nach Mendoza
weiterreisen wird. Bevor
wir uns auf den Weg machen, verabreden wir uns noch auf 19.00 Uhr in der
Bar gegenüber der "Restro-Bar". Marco und ich wollen nun endlich zum "Plaza
de Mayo". Dort befindet sich auch das "Casa Rosada", wo Eva Perron, die berühmte
Evita, Geschichte in Buenos Aires geschrieben hat. Da wir auch die
riesige "Avenida 9 de Julio" sehen wollen, machen wir einen kleinen
Umweg. Die Avenida ist tatsächlich beeindruckend lang und breit. In
beide Fahrtrichtungen führen etwa zehn Spuren durch die Stadt. In der Mitte
sind die Strassen durch grüne Flächen, so gross wie Parkanlagen, aufgelockert.
Weiter rechts führt die "Avenida de Mayo" zum "Plaza de Mayo" mit dem "Casa
Rosada", wohl
die berühmteste Sehenswürdigkeit von Buenos Aires. Hier treffen wir auf Touristen aller Nationen und Kontinente, und mitten unter ihnen sind
wir aus der kleinen Schweiz. Wir können es irgendwie immer noch nicht
ganz fassen, dass wir tatsächlich in Südamerika sind. Das Leben und die
Kultur hier in Argentiniens Hauptstadt ist auch wirklich nicht viel
anders als bei uns in Europa. Nachdem wir genug gesehen, gestaunt und
fotografiert haben, machen wir uns auf den Weg zur berühmten
Fussgängerzone an der "Calle Florida". Hier ist es typisch touristisch.
Die Strasse ist von teuren Geschäften, Restaurants und Bars gesäumt. Wir
können an diesem Teil der Stadt nicht wirklich etwas Spannendes oder
Interessantes abgewinnen. In einem Café trinken wir ein Cola. Hier
kommen einige Kinder mit zerlumpten Kleidern und betteln um Geld. Heute
habe ich die Bonbons bei mir, und ich biete ihnen welche an. Da habe ich
aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die Kleinen wollen Geld
und nichts anderes! Geld bekommen sie aber von uns keines, denn wir sind
uns fast sicher, dass sie dieses den Müttern abliefern müssen, die damit
eventuell Drogen oder Alkohol kaufen. Natürlich tun uns die Kleinen
leid, aber machen können wir trotzdem nichts. Bald darauf verlassen wir
die Floridastrasse und machen uns auf den Weg zum wunderschönen "Parque
San Martin". Weiter die Strasse herunter befindet sich
der Bahnhof Retiro und die Busstation San Martin. Der Bahnhof
besteht aus drei Gebäuden. Hier sehen wir nur Fahrpläne für Verbindungen aus
dem Stadtzentrum in die Vororte. Uns wird wieder einmal bewusst, welche
Grösse diese Stadt mit ihren 12 Millionen Einwohnern hat! Im und
ausserhalb des Bahnhofs gibt es viele Geschäfte, Restaurants und
Imbissbuden.
Anscheinend treffen sich hier die Einheimischen am Sonntag, denn überall
ist viel Volk unterwegs. An der riesigen Busstation müssen wir uns als
erstes einmal mit dem System vertraut machen. Es ist aber durchaus
unkompliziert, denn die Ticketverkaufsstellen, "Boleterias", sind mit
Farben gekennzeichnet, die anzeigen, in welche Richtung die Busse fahren, oder ob
es internationale
Verbindungen sind. Marco und ich interessieren uns für
den Süden, Patagonien, und suchen die blau
gekennzeichneten Schalter. Viele Busse fahren nach "Mar del Plata", einem der wichtigsten Ferienziele der Einheimischen, und nach "Bahia
Blanca". Generell scheinen die Busse sehr komfortabel zu sein, denn alle
Unternehmen bieten für die Nachtfahrten "Cama noche" an. Es
sind breite Sessel, die man je nach Luxusklasse ganz nach hinten verstellen kann,
sodass schlussendlich ein Bett daraus wird. Wir schreiben uns ein paar
Informationen auf und machen uns auf den Weg ins Hotel. Da wir beide
keine Lust haben den ganzen Weg zu Fuss zurück zu gehen, suchen wir einen Bus in Richtung "San Telmo". Da es aber so viel
Busse in alle Himmelsrichtungen gibt, ist es nicht ganz einfach den
Richtigen zu finden. Ich frage einen offiziell scheinenden "Caballero"
nach der Busnummer zur "Calle Bolivar". Zu meiner Freude versteht er
mein Spanisch und zeigt direkt auf die Haltestelle nebenan mit der
Nummer 22. "Muchas gracias Señor!" Die Stadtbusse werden hier "Colectivos"
genannt und sind keine Sammeltaxis, wie Marco immer glaubte. Eine nette,
pummelige Señora mit Rosakleid und viel rosa Lippenstift spricht uns an
und fragt uns, wohin wir wollen. Anscheinend sehen wir immer noch etwas
hilflos aus. Die Señora sagt uns, dass das "Boleto" 80 Centavos pro
Person kostet. Auch sie steigt mit uns in den Bus Nr. 22. Während der
Fahrt schwatzen wir über dies und das. Einiges verstehen wir und einiges
auch nicht, denn der südamerikanische Dialekt unterscheidet sich von dem uns bekannten Castellano. An der "Calle Bolivar" ist für
Marco und mich die Reise zu Ende, und wir verabschieden uns von der "Señora
rosa". Die
Bushaltestelle befindet sich sehr nahe bei unserem Hotel. Via Internet
stellen wir nach ein paar Recherchen über
Zug- und Busfahrten fest, dass es sehr wohl Bahnlinien
nach Patagonien gibt und eine Zugfahrt wesentlich günstiger ist. Die
nationalen und internationalen Bahnlinien werden aber nicht jeden Tag
bedient. Wir werden dann morgen einmal in der "Agencia de Turismo"
nachfragen. Jetzt ist erst einmal Siesta angesagt. Ich bereite mir aus
sämtlichen Wolldecken ein Bett am Boden, denn die Matratze ist wie eine
Wippe geformt, und ich bekomme schon Rückenschmerzen, wenn ich sie nur
anschaue. Auf dem Boden ist es zwar etwas hart, dafür flach, und ich
schlafe tatsächlich ein. Erst zwei Stunden später erwache ich wieder.
Marco schläft immer noch wie ein Stein, den ich nun aber wecke. Draussen
haben sich mittlerweile immer mehr Wolken gebildet und ein kühler Wind
ist aufgezogen. Ja es ist immer noch Frühling in Argentinien. Regnen tut
es aber nicht, und es ist trotzdem noch herrlich warm. Um 19.00 Uhr sind
wir wieder mit Pierre verabredet. Bei einem kleinen Apero sprechen Sobre
nosotrosere Reisepläne, und Pierre gibt uns noch ein paar Anregungen und Tipps, die wir sogleich aufschreiben. Für das Nachtessen gehen wir ins
Restaurant "Del Anticuario". Wir bestellen die
Spezialität des Hauses, Parillas, was Gegrilltes bedeutet. Auf einem
heissen, mit Kohlen gefülltem Rechaud bekommen wir verschiedene Sorten
Fleisch, Würste und Innereien serviert. Dazu essen wir Salat und trinken
eine gute Flasche argentinischen Rotwein. Für dieses üppige,
delikate Abendessen bezahlen wir gerade mal 55 Pesos = ca. 20 Franken.
Wir können dieses Restaurant nur weiterempfehlen. Es befindet sich im
Stadtteil "San Telmo" an der "Calle Defensa" 963. Aussen am Fenster des
Restaurants steht allerdings immer noch der alte Name, "La Vieja
Rotiseria".
Montag 14. November
Um 09.00 Uhr sind wir mit Pierre im Restaurant
"Aconcagua" zum Kaffee verabredet. Wir tauschen unsere E-Mail Adressen
aus und verabschieden uns, denn Pierre fährt heute nach Mendoza weiter.
Marco und ich gehen zum Touristinfo, wir wollen uns erkundigen, wo sich
der Bahnhof befindet, von wo aus die Züge die internationalen Strecken
bedienen. Wir haben aber leider Pech, denn das Büro hat nur am
Wochenende geöffnet. So machen wir uns auf gut Glück auf die Suche nach
dem Bahnhof "Constitucion". Auf dem Weg durch die Stadt kaufen wir in
einem Früchteladen 4 Mandarinen für nur 50 Centavos! Generell fällt uns
auf, dass das Gemüse, die Früchte, Fleisch und Käse sehr schön und
ästhetisch präsentiert werden, was geradezu zum einkaufen einlädt. Wir
spazieren in Richtung "Parque Lezama", wobei wir mehrere
Hundespazierführer antreffen. Teilweise führen sie an beiden Händen bis
zu 10 Tiere jeder Grösse Gassi! Wir durchqueren die schöne Grünanlage
des Parkes und gelangen über eine grosse breite Strasse in das Quartier
"La Boca". Ursprünglich haben sich hier laut Guías die
ausgewanderten Italiener angesiedelt. Das italienische Flair mit den
Pizzerien und den Strassencafés ist immer noch spürbar. An einer
Strassenkreuzung machen Marco und ich Halt, denn wir müssen uns erst
einmal orientieren, wo der Bahnhof ist, den wir eigentlich suchen. Wir
haben nämlich keinen Stadtplan bei uns, was ziemlich dämlich ist. Ich
beschliesse, einen älteren Herrn nach dem Weg zu fragen. Es stellt sich
heraus, dass er ursprünglich aus Italien, von der Insel Ischia kommt. Er
lebt aber schon sehr lange hier in Buenos Aires. Er rät uns dringend ab
zum Bahnhof zu gehen. Es soll ziemlich gefährlich sein und viele
Taschendiebe geben. Wir plaudern noch ein wenig mit ihm und er erzählt
uns, dass seine ganze Familie in Italien lebt, und er sie ab und zu
besuchen geht. Auf uns macht er einen traurigen und von Heimweh
geplagten Eindruck. Er tut uns fast ein bisschen Leid, als wir ihn
wieder alleine auf der Strasse stehen lassen, um noch etwas im Quartier
herumzuspazieren. Bevor wir zurück gehen, trinken wir in einer
Quartierbeiz noch einen Kaffee und ruhen uns etwas aus. Für den Rückweg
wählen wir eine andere Route und gehen durch ein schön gelegenes,
ruhiges Wohnviertel. Im Hotel angekommen versucht Marco, ob die gestrige
Wireless-Internetverbindung noch vorhanden ist. Leider empfangen wir
heute nur ein schlechtes, schwaches Signal. Es reicht aber gerade noch,
um etwas über die Stadt Bahia Blanca zu lesen. Viel finden wir
allerdings nicht heraus. Langsam müssen wir uns beeilen, denn es ist
schon nach 17.00 Uhr, und wir wollen heute noch die Tickets für den
morgigen Trip kaufen. An der Hotelrezeption fragen wir den jungen "Caballero",
der hier arbeitet, ob er Bahia Blanca kennt. Er meint, es sei da eher
ruhig und nicht so viel los wie hier in Buenos Aires. Er bestätigt uns
aber, dass man da gut hin gehen kann und es da auch Hotels gibt. Marco
und ich suchen jetzt erst einmal die Bushaltestelle, von der aus wir den
"Colectivo" Nr. 126 Richtung "Retiro" nehmen wollen. Dummerweise haben
wir aber kein Münz bei uns, denn in den "Colectivos" kann man nur mit
Münzen bezahlen. Also wieder raus aus dem Bus und in den nächsten Kiosk,
wo wir Kaugummis kaufen und Münz bekommen. Das Busnetz ist auf dieser
Strecke sehr dicht befahren, und wir müssen nicht lange auf den nächsten
warten. An der "Estacion San Martin" kaufen wir beim Busunternehmen "Plusmar"
zwei Tickets für die morgige Nachtfahrt nach Bahia Blanca. Für den
Ticketkauf, wird ein Pass oder eine Kopie davon verlangt. Wir raten
immer eine Passkopie bei sich zu haben, denn man weiss ja nie, für was
sie alles nützlich sein kann. Mit dem "Colectivo" Nr. 28 fahren wir
wieder zurück an die "Calle Bolivar". Auf der Fahrt kommen wir noch an
einer riesigen Demonstration am "Plaza de Mayo" vorbei. Eine
Hauptstrasse ist gesperrt, und es herrscht ein ziemliches Chaos. Auch
die Polizei ist in Vollmontur in umfangreichem Einsatz. Marco und ich
sind froh, im Bus zu sitzen und nicht zu Fuss unterwegs zu sein. Zurück
im Hotel machen wir uns fürs Abendprogramm fit. In einer kleinen
gemütlichen Pizzeria essen wir ein preiswertes sehr feines Abendessen.
Plötzlich fängt es draussen an zu regnen. Wir beschliessen das schlechte
Wetter abzuwarten. Es regnet aber immer stärker, zudem blitzt und
donnert es kräftig. Es bleibt uns also nichts anderes übrig als durch
den Regen ins Hotel zu gehen. Unser Hotel ist glücklicherweise gleich um
die Ecke, und so werden wir nicht all zu nass. Vor unserer Türe ins
Hotelzimmer hat sich eine Pfütze gebildet, denn das Dach ist undicht. In
unserem Zimmer ist aber zum Glück alles dicht und trocken. Marco ist
heute ganz der Gentlemen und bietet mir sein Bett an. Er selbst legt
sich auf das improvisierte Bett am Boden.
nach
oben
Buenos Aires - Bahia Blanca
Dienstag 15. November
Wie jeden Morgen gehen wir auch heute wieder ins
Restaurant "Aconcagua" zum
Kaffee. Bevor wir im Hotel unsere Rucksäcke packen, müssen wir noch bei
der Bank vorbei, um einige Pesos abzuheben. Auf dem Weg treffen wir den
Kellner von gestern an. Er steht vor einem Kiosk und scheint tagsüber
hier zu arbeiten. Er erkennt uns auch und begrüsst uns mit einem lauten
"Hola" und einem breiten Grinsen. Nachdem wir unsere sieben Sachen
zusammengepackt und das Zimmer noch ein bisschen aufgeräumt haben,
bezahlen wir an der Rezeption 69 Pesos für die drei Nächte. Das Gepäck
dürfen wir hier im Hotel in einem geschlossenen Raum einstellen. Jetzt
machen wir uns auf die Suche nach einem Uhrenladen. Nachdem wir schon
eine Weile herumspaziert sind, findet Marco ein kleines Uhrengeschäft.
Tatsächlich kann der Uhrmacher Marcos billige Migrosuhr mit einer neuen
Batterie bestücken. Er reinigt sie auch noch sorgfältig und erklärt,
dass sie nun wieder für zwei Jahre laufen sollte. Vom Uhrengeschäft aus
gehen wir ein paar Strassen weiter und sprechen etwas miteinander.
Plötzlich winkt uns eine ältere Dame zu. Wir bleiben stehen, die Frau
kommt auf uns zu und spricht uns in unserer Landessprache an. Sie ist
vor 35 Jahren nach Argentinien ausgewandert und wohnt seit dem im
gleichen Häuserblock hier in Buenos Aires. Sie erzählt uns, dass es ihr
in dieser Stadt am Anfang gar nicht gefallen hat und sie grosses Heimweh
nach der Schweiz hatte. Mit der Zeit hat sie sich aber an das Leben hier
gewöhnt. Jetzt, sagt sie, kann sie sich nicht mehr vorstellen in die
Schweiz zurückzukehren. Auch als ihr Mann vor einigen Jahren gestorben
ist, ist es für sie kein Thema gewesen. Zwei mal im Jahr besucht sie
ihre Tochter, die zwar in Buenos Aires geboren und aufgewachsen ist,
aber bereits seit 14 Jahren in der Schweiz lebt. Nach dem interessanten
Gespräch mit unserer Landsmännin gehen wir, ein paar Strassen weiter, im
Geschäftsviertel für die Mittagspause in ein Restaurant. Frisch gestärkt
schlendern wir der "Avenida de Mayo" entlang hinunter zum "Plaza de
Mayo", um vom "Casa Rosada" noch einmal ein paar Fotos zu machen. Danach
spazieren wir ins Viertel "San Telmo" zurück, setzen uns am "Plaza
Dorrego" in ein Gartenrestaurant und bleiben für zwei Stunden an diesem
schönen Platz. Ein Sänger gibt alte argentinische Lieder zum Besten.
Anschliessend wird er durch einen jüngeren Landsmann mit Gitarre
abgelöst, der modernere Lieder singt. Schlussendlich können wir sogar
noch zusehen, wie ein Paar den Tangotanz vorführt. Auch werden wir von
einem Mann angesprochen, der uns die argentinische Variante der
Arbeitslosenzeitung verkaufen will, was wir dankend ablehnen.
Mittlerweile ist es etwa 17.00 Uhr geworden, und wir gehen ins Hotel, um
unser Gepäck abzuholen. Schwer beladen fahren mit dem "Colectivo" zum "Retiro".
Hier herrscht um diese Zeit Rush Hour! Es sind massenhaft Leute
unterwegs, und man muss aufpassen einander in diesem Getümmel nicht zu
verlieren. An der "Estacion San Martin" geben wir im Keller unsere
Rucksäcke am Gepäckschalter ab und gehen in den "Parque San Martin",
setzen uns ins Gras und geniessen die Abendsonne. Um 18.45 Uhr
marschieren vier uniformierte Männer im Gleichschritt um die
Fahnenstange und ziehen in feierlichem Zeremoniell die argentinische
Flagge ein. Laut Guías findet dies jeden Abend um 19.00 Uhr statt.
In der Abenddämmerung spazieren wir wieder zur Bushaltestelle zurück. Es
sind immer noch massenhaft Leute unterwegs, die wahrscheinlich auf den
Zug oder Bus müssen. In einem Restaurant gleich vor der Busstation essen
wir noch etwas kleines, bevor wir unser Gepäck holen und unseren Bus
suchen, der um 23.00 Uhr los fährt. Um 22.45 Uhr trudelt der
doppelstöckige "Plusmar"-Bus auf der Plattform 15 ein. Das
Gepäck wird zu unserer grossen Überraschung sorgfältig in den Bauch des
Busses eingeräumt. Für jeden unserer Rucksäcke bekommen wir eine Nummer,
die wir bei der Ankunft in "Bahia Blanca" dann vorweisen müssen. Wir stellen fest,
dass wir die unbequemsten und lautesten Plätze erhalten haben, nämlich
im oberen Stock zuhinterst. Die Lüftung dröhnt einem in die Ohren, und
die breiten, gemütlichen Sessel kann man aus Platzmangel nicht komplett
zu einem Bett formen. Trotzdem scheint es eine angenehme Fahrt zu
werden.
nach
oben
Bahia Blanca
Mittwoch 16. November
Der Nachtbus fährt ohne Halt die ganze Nacht durch.
Obwohl Marco und ich die schlechtesten Plätze zugewiesen bekommen
haben, schlafen wir einigermassen durch. Von der Landschaft bekommen wir
natürlich nicht viel zu sehen. Marco meint aber zu erkennen, dass wir
eine ziemlich öde, flache Gegend ohne viele Häuser durchqueren. An den
Schlaglöchern zu beurteilen, die ich in dieser Nacht deutlich spüre,
kann das durchaus zutreffen. Um 07.00 Uhr erreichen wir die Busstation
von "Bahia Blanca", etwas ausserhalb der Stadt. Unsere Rucksäcke haben die Reise im
Kofferraum sehr gut überstanden. Wir sind noch einmal erstaunt darüber,
wie wunderbar das Gepäck-konzept klappt. Gleich neben den
Plattformen in einem kleinen Gebäude gibt es ein Touristinfo.
Der sehr nette "Caballero", der hier arbeitet, gibt uns eine Stadtkarte,
worauf er die drei preiswertesten Hotels einzeichnet. Ausserdem gibt er
uns noch ein paar Broschüren mit auf den Weg. Mit dem Taxi fahren wir
ins Stadtzentrum zum "Hotel Bayon" an der "Calle Chiclana" 487, wo wir für
zwei Nächte ein Doppelzimmer mit Dusche und WC buchen. Ich kann der
Versuchung, mich in ein bequemes Bett zu legen, nicht widerstehen und
schlafe auch gleich ein. Zwei Stunden später sind wir wieder fit und
erkunden "Bahia Blanca". Die Stadt kommt uns im Vergleich zu Buenos
Aires ruhig vor, es hat relativ wenig Verkehr
auf den Strassen. Das Geschäftsleben spielt sich rund ums Zentrum, dem "Plaza Rivadavia" ab.
Hier im Süden wird wie in den südeuropäischen Ländern eine Siesta
abgehalten. Viele Geschäfte
schliessen am Nachmittag für drei Stunden. Dafür beginnt die eigentliche Rush Hour erst ab 20.00 Uhr, die Einheimischen essen erst gegen 22.00 Uhr.
Wie Buenos Aires ist auch diese Stadt im Schachbrettmuster gebaut.
Dadurch fällt es einem leicht sich mir einem Stadtplan zu orientieren.
Hier in "Bahia Blanca" fällt uns auf, dass der Unterschied zwischen arm
und reich viel geringer ist. Die Leute, die uns auf der Strasse
begegnen, sind alle gut gekleidet und scheinen einer Arbeit nach gehen
zu können. Auch gibt es hier keine Kinder, die auf der Strasse betteln
müssen.
Donnerstag 17. November
Heute haben wir uns zu unserem Unmut verschlafen.
Erst um 11.00 Uhr verlassen wir das Hotel, um an die Autobusstation zu
gehen. Wir wollen heute als erstes die Tickets nach "Puerto Madryn"
kaufen. Wir entschliessen uns dieses Mal am Tag zu reisen, damit wir
etwas von der Landschaft mitbekommen. Wir ergattern uns gerade noch die
letzten beiden Sessel nebeneinander, und diese sind schön in der Mitte
des Busses und nicht wie befürchtet zu hinterst. Nach einem stärkenden
Kaffee nehmen wir den Rückweg in die Innenstadt wieder unter die Füsse.
Uns ist gestern schon aufgefallen, dass es in dieser Stadt sehr viele
Hunde gibt, die auf der Strasse leben. Überall liegen sie faul unter
einem Baum oder traben durch die Strassen. Erstaunlicherweise sehen alle
ziemlich gepflegt und wohlgenährt aus, sie kläffen auch nicht herum und
lassen die Passanten in Frieden. Gleich gegenüber unseres Hotels gibt es ein Kino,
was uns auf die Idee bringt uns heute Abend einen spanischen Film
anzusehen. Das Kino Plaza in der Innenstadt zeigt "Die Legende des Zorro"
mit Untertitel, genau das Richtige für Marco und mich. Das Kino befindet
sich in einem Einkaufszentrum und bietet für ca. 600 Leute Platz. Die
Leinwand ist supergross und schön. In diesem riesigen Kino sind wir
gerade mal zu acht, die den Film ansehen. Marco und ich verstehen
ziemlich viel, obwohl es entgegen unserer Information keine Untertitel
hat. Zurück im Hotel bezahlen wir bei dem sehr netten Besitzer die zwei
Nächte und bitten ihn für morgen früh um 07.00 Uhr ein Taxi zu
bestellen. Ausserdem verabschieden wir uns von den drei schönen
langhaarigen Hotelkatzen.
nach
oben
Bahia Blanca - Puerto Madryn
Freitag 18. November
Um 07.00 Uhr steht wie gewünscht unser Taxi vor dem
Hotel, mit dem wir nun zur Busstation fahren. Mit etwas Verspätung fährt
um 08.30 Uhr der Bus der Firma "Andesmar" Richtung "Puerto Madryn".
Dieses Mal haben wir sehr komfortable breite Sessel im oberen Teil in
der Mitte des Busses. Zuerst muss der Bus an einer nahe gelegenen
Tankstelle auftanken. Wir beobachten etwas, das uns das Blut in den
Adern gefrieren lässt. Ein Truckfahrer raucht doch tatsächlich eine
Zigarette, während er seine Karre voll tankt! So etwas fahrlässiges
haben wir noch nie gesehen, und wir sind froh, als sich unser Bus in
Bewegung setzt und diesen brandgefährlichen Ort verlässt. Die zehnstündige Fahrt führt uns zunächst durch einen
kleinen Teil der fruchtbaren Pampas. In dieser Topf ebenen Landschaft
gibt es sehr viele Rinder-, Pferde-, und auch Schafherden. Weit und
breit ist aber kein Haus zu sehen, und wir bekommen den Eindruck, dass
die Tiere in ihren grossen eingezäunten Territorien einigermassen
selbständig leben. In grossen Abständen von vielen Kilometern begegnen
wir einem Bauernhof mit Silos und bescheidenen Hütten. Bevor wir den
"Rio Colorado" passieren, gibt es eine Fahrzeugkontrolle, denn hier
beginnt Patagonien. Der erste Halt ist in "Carmen de Patagones" und "Viedma" am "Rio Negro". Nach einer weiteren
Fahrzeugkontrolle an der Grenze der Provinz "Buenos Aires" zur Provinz
"Rio Negro" geht die Reise westwärts weiter. Nun ist die
Landschaft weitaus steppenähnlicher, und man trifft nur noch selten auf
Kühe und Pferde dafür um so mehr auf Schafe. Sogar ein paar
straussenähnliche Vögel können wir erkennen. Der nächste Halt ist in
"San Antonio Oeste". Hier windet es so stark, dass der trockene Sand in
der Luft herumwirbelt. Marco und ich sind
beeindruckt von der schnurgeraden und einzigen Strasse weit und breit,
die uns durch diese wunderbare, weitgehend von Menschen unberührte Natur in den Süden führt.
Einzig der Zaun und die Abfallresten entlang der asphaltierten Strasse
weisen auf eine Zivilisation hin. Gelegentlich zeigt ein Strassenschild
zu einer "Granja", eine Farm mitten in dieser riesigen
Steppenlandschaft. Der nächste Halt ist in "Sierra Grande", nun sind es
noch knapp 200 km bis Puerto Madryn. Der Service an
Bord, der im Preis inbegriffen ist, ist einsame Klasse und das
genialste, was wir je auf einer Busreise erlebt haben. Während der Fahrt
werden wir vom Steward Gabriel mit Kaffee, Biskuits, Sandwich und
Getränken bedient. Sogar ein Bingo-Spiel wird uns geboten, leider
gewinnen weder Marco noch ich einen Preis. Nach einem letzten Halt in
"Las Grutas" in der Provinz "Chubut" kommen wir ungefähr um 19.15 Uhr in "Puerto Madryn" an. An den vielen Reisebüros erkennen wir, dass
wir in einem richtigen Touristengebiet Argentiniens sind. Da die Stadt
nicht sehr gross ist, gehen wir zu Fuss zum Hotel "Vaskonia", das uns
vom Touristinfo an der Busstation empfohlen wurde. Hier buchen wir ein
Doppelzimmer mit Dusche, WC und Satelliten TV für eine Woche und
bezahlen 350 Pesos zum voraus. Wir merken, dass hier die Preise
allgemein teurer sind als in Buenos Aires oder in Bahia Blanca, typisch
touristisch halt.
nach
oben
Puerto Madryn
Samstag 19. November
Gleich neben unserem Hotel scheint eine Disco zu
sein, denn ab Mitternacht bis um 05.00 Uhr dröhnt uns laute Musik in die
Ohren! Zum Glück hat Marco an die Ohrstöpsel gedacht. Nach dem ersten
Kaffee heute morgen gehen wir ans Meer spazieren. Heute windet es
ziemlich stark, und wir werden einige Male von starken Böen beinahe
fortgefegt. Der Sand, den es dabei durch die Luft wirbelt, setzt sich in
unseren Kleidern und Augen ab. Nach einer halben Stunde kehren wir in
das Stadtzentrum zurück. Wir planen für die nächste Woche die Halbinsel
"Valdes" zu besuchen, um Wale, Pinguine, Seelöwen und andere
Meeressäuger zu sehen. Im "Officina de tourismo" lassen wir uns mit
vielen Informationen über Fahrten dorthin und in andere benachbarte Orte
eindecken. Ausserdem bekommen wir gleich noch das Kinoprogramm. Nach
einer kleinen Mittagspause gehen wir zum "Terminal de Omnibus" und
schreiben uns die Fahrpläne der Busunternehmen für die Weiterreise nach
"Rio Gallegos" heraus. Somit sind unsere Recherchen für heute
abgeschlossen. Wir geniessen es, dass die Ferien-Hochsaison in
Argentinien noch nicht begonnen hat, und sich die Menschenmengen noch
sehr in Grenzen halten. Ab Mitte Dezember bis Februar ist in Argentinien
Sommer, und die Touristen kommen von überall her um in "Puerto Madryn"
Urlaub zu machen. Von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr schauen wir in unserem
Zimmer über den argentinischen Sattelitensender "ESPN" den Fussballmatch
Real Madrid - Barcelona. Kurz vor Spielende steht es 0:2 für Barça, und
prompt fällt im ganzen Hotel der Strom aus! Leider erfahren wir nicht
mehr, ob das Ergebnis geblieben ist, aber wir nehmen es einmal an. Heute
Abend gehen wir zur Nachtvorstellung um 22.30 Uhr ins Kino, um den Film
"Plan de Vuelo" mit Jodie Foster zu schauen. So können wir dem Lärm der
Disco wenigstens ein paar Stunden ausweichen.
Sonntag 20. November
Heute ist es lange nicht mehr so windig wie gestern.
Es ist aber recht kühl, und so wird aus unserem Vorhaben an den Strand
zu liegen nichts. Stattdessen machen wir uns heute einen gemütlichen
Sonntag und fahren mit dem Regionalbus um 13.30 Uhr in die Nachbarstadt
"Trelew". Die einstündige Fahrt führt uns an einer öden, flachen, mit
Büschen bewachsenen Steppenlandschaft vorbei. Die Strasse ist zu unserem
Erstaunen sehr gut ausgebaut und nicht mit Schlaglöchern übersäht. Am
Sonntag ist in "Trelew" nicht viel los, und so treffen wir eine sehr
ruhige Stadt an. Uns fällt auch auf, dass es hier im Gegensatz zu
"Puerto Madryn" nicht sehr viele Hotels gibt. Gleich am Anfang der Stadt
hat es ein sehr bekanntes Museum mit Ausgrabungen von Dinosauriern, die
vor Millionen Jahren einmal hier in Patagonien gelebt haben sollen.
Marco und ich gehen aber nicht ins Museum, sondern machen einen kleinen
Spaziergang durch den Ort am "Plaza Independencia" vorbei. Bei einer
kleinen Rast in einer "Heladeria" gönnt sich Marco für 2,75 Pesos ein
grosses, selbst gemachtes Glacé á la Mövenpick. Unter der grossen
Auswahl von Glacesorten bieten sie sogar "Chocolata Suiza" an. Um 16.00 Uhr fahren wir
mit dem Bus wieder nach "Puerto Madryn" zurück. Am frühen Abend ist
die Temperatur angenehm warm, und wir entschliessen uns am Meer joggen zu gehen. Die Ebbe hat eingesetzt, und wir treffen einen schön, breiten
Strand mit feinem Sand an.
Montag 21. November
Den heutigen Tag wollen wir nutzen, um die
Walbesichtigungstouren zu organisieren. Als erstes setzen wir uns in ein
Internetcafé, um den Wetterbericht für dir nächsten Tage zu
recherchieren. Für Dienstag und Mittwoch sind die besten Prognosen
vorausgesagt, und so entscheiden wir uns an einem von diesen Tagen den
Trip zur Halbinsel Valdes zu buchen. Bevor wir das Reisebüro "Whales
patagonia Tourisme", das uns zweifach empfohlen wurde, an der "Calle
Mitre" 139 aufsuchen, müssen wir aber erst Geld abheben. Das ist heute
gar kein einfaches Unternehmen. Marcos Postkarte funktioniert bei keinem
der vielen Geldautomaten, die wir aufsuchen. Nach einer Stunde
vergeblicher Versuche geben wir auf und gehen zurück ins Hotel, um die
Maestro-Karte zu holen. Und siehe da, die funktioniert einwandfrei.
Anscheinend hat das Visa Plus-System ein Problem heute. Aus solchen
Gründen empfehlen wir Karten des Visa Plus-Systems und des
Maestro-Systems auf eine Reise mitzunehmen. Nachdem wir das Geldproblem
gelöst haben, können wir nun endlich in das genannte Reisebüro gehen.
Wir werden von einer jungen Señorita herzlich empfangen und von ihr
ausführlich und kompetent beraten. Ausserdem zeigt sie uns in einem Buch
Fotos von der Tier- und Pflanzenwelt auf der Halbinsel Valdés, das
UNESCO Naturschutzgebiet. Schlussendlich buchen wir den Ganztagestrip
für 190 Pesos pro Person. Im Preis inbegriffen ist die ganze Rundfahrt
durch die Insel, eine Bootsfahrt zu den Walen und der Eintritt in das
Naturschutzgebiet, der obligatorisch für jedermann ist. Den heutigen
Abend gestalten wir gemütlich in unserem Hotelzimmer. Während ich eine
Pizza besorge, palavert Marco mit unseren Nachbarn, einem finnischen
Ehepaar, das einen Monat in Argentinien herumreist. Sie werden morgen
weiter in den Süden Patagoniens reisen. Sie empfehlen uns unbedingt das
Naturhistorische Museum "Ecocentro" hier in "Puerto Madryn" zu besuchen.
Bei Pizza und Salat besprechen Marco und ich dann auch gleich unsere
Pläne für morgen und schauen uns noch einen Film im TV an.
Dienstag 22. November
Ein wunderschöner sonniger Tag lädt uns heute ein zu
Fuss zum Museum "Ecocentro" zu gehen. Der Fussweg führt uns alles der
Bucht und dem Meer entlang, bis uns eine breite Strasse zum Museum
führt. Im gesamten sind wir etwa eine Stunde unterwegs, lassen uns von
der Sonne anstrahlen und beobachten einige Seevögel, die in der Bucht zu
wohnen scheinen. Das Museum ist wirklich sehr schön, und der Eintritt
kostet pro Person gerade mal 15 Pesos. Auf spanisch und englisch ist auf
vielen Wänden beschrieben, welche Meerestiere in dieser wunderbaren
Natur um die Halbinsel Valdés leben. Auch ein paar Dokumentationsfilme
veranschaulichen uns das Leben der Wale, Seehunde, Seeelefanten,
Pinguine und der Seevögel. Zu guter Letzt suchen wir noch die
Museumsbibliothek auf. Hier liegen unter anderem viele wundeschöne
Bücher über die verschiedenen Provinzen Argentiniens zur Ansicht auf.
Marco und ich nutzen das Angebot und schreiben uns die schönen Gegenden
heraus, die wir auf unserer Argentinienreise besuchen wollen. Draussen
haben Wolken den Himmel etwas verdunkelt, und wir machen uns langsam auf
den Heimweg. Der starke Wind, der nun wieder bläst, schlägt uns
entgegen, und wir müssen manchmal gegen recht starke Böen ankämpfen.
Zurück in der Stadt gehen wir noch in das grosse Einkaufszentrum vis à
vis unseres Hotels, um uns mit Wasser, Bier und frischen Früchten
einzudecken.
Mittwoch 23. November
Heute morgen um 06.00 Uhr werde ich von dem
durchdringenden Klingeln des Weckers aus dem Schlaf gerissen. Marco und
ich machen heute nämlich den geführten Ausflug zu der Halbinsel Valdés.
Mit einer beträchtlichen Verspätung von etwa einer halben Stunde trudelt
um 07.15 Uhr
endlich der Minibus vor unserem Hotel ein. Zusammen mit 12 weiteren
Touristen, unter ihnen auch ein Berner, dem Fahrer Fernando und der
Reiseleiterin Soledad, führt die Fahrt durch die öde mit Büschen und wenig
Gräsern bewachsene Steppe. Diese für Patagonien typische
Steppenlandschaft bedeckt auch die gesamte Fläche der Halbinsel. In dieser Gegend gibt es vor
allem viele Schafe, die sich von den Büschen und Sträuchern ernähren.
Nachdem wir den "Zoll" passiert haben, wo die obligaten 35 Pesos
Eintritt pro Person
bezahlt werden müssen, geht die Fahrt weiter. Hier windet es ziemlich
stark, und das bedeutet, dass die Bootsfahrt zu den Walen nicht wie
geplant am Morgen stattfinden kann. So wird die Route geändert, und es
geht jetzt erst einmal zum Punta Norte. Soledad, die Reiseleiterin
reicht einen speziellen Becher mit Matetee, dem Nationalgetränk, herum.
Der Tee wird mit frischen Blättern aufgebrüht und mit einem speziellen
Strohhalm getrunken. Der Tee schmeckt sehr herb und bitter und ist nicht
gerade mein Favorit. Die Einheimischen trinken Mate literweise und
schleppen, wohin sie auch gehen, einen Thermoskrug mit heissem Wasser
mit, um jeder Zeit einen Tee aufbrühen zu können. Auf der Fahrt halten
wir einige Male mitten auf der Strasse an, denn hier können wir Maras
sehen.
Sie gehören zu den Nagetieren und sind mit den Meerschweinchen verwandt.
Ihr Aussehen ähnelt dem der uns bekannten Feldhasen. Am Punto Norte
beobachten wir aus einiger Entfernung südliche Seeelefanten. Seeelefanten gehören zur Familie der
Hunds-robben. Sie erhielten ihren Namen, weil die Nasen der männlichen
Tiere an einen kleinen Rüssel erinnert. Seeelefanten sind nur zur
Paarungszeit, zwischen August und November, zum Gebären und im Sommer, während sie sich häuten, an den
Küsten anzutreffen. Die restliche Zeit verbringen sie im Meer. Da diese
Tiere vor allem für das Leben im Wasser geschaffen sind, können sie sich
an Land nur sehr langsam und träge fortbewegen. Meistens liegen sie wie
Steine bockstill im Sand und dösen. Nach etwa einer Stunde geht die
Fahrt zum "Punta Cantor" weiter. Auf dieser Strecke sehen wir grosse
Vögel, "Choicos" oder so ähnlich, die mit den australischen Straussen
verwandt sind. Sie sind etwas kleiner als ihre grossen Verwandten,
ähneln ihnen aber sehr. Die kleine Kolonie Magellan-Pinguine, die hier
am "Punta Cantor" lebt,
lässt sich von den Touristen nicht im geringsten aus der Ruhe bringen.
Marco kann sogar ein Foto von einem Jungtier mit seiner Mutter machen.
Hier bleiben wir leider nur gerade 10 Minuten. Marco und ich hätten den
lustigen Pinguinen noch Stunden lang zusehen können. Ein bisschen weiter
in den Dünen des "Punta Cantor" können wir noch einmal eine Gruppe
Seeelefanten beobachten. Hier sehen wir vor allem Weibchen und junge
Tiere. Auf der Fahrt vorbei an
den beiden Meersalz-Salinen und weiter zum Puerto Pirámides treffen
wir auf lamaähnliche und mit dem Kamel verwandte Tiere, den Guanakos.
Sie sind meistens in einer Gruppe von drei Tieren anzutreffen. Wie die
Schafe ernähren auch sie sich von den Sträuchern und Steppengräsern. So
wie ich Soledad verstanden habe, ist es den Schafen
und Guankos möglich aus den Blättern der Sträucher Wasser aufzunehmen,
und sie können daher in dieser trockenen Gegend gut leben. In Puerto
Pirámides ist es zum Glück nicht mehr ganz so windig, und wir können mit
dem Boot aufs Meer hinaus. Schon ein paar wenige Meter vom Hafen
entfernt sehen wir eine Schwanzflosse eines Wales aus dem Wasser ragen.
Der Bootstrip dauert zwei Stunden und ist wunderschön und spannend. Wir
sehen etwa 10 dieser schönen imposanten Tiere. Vielfach ist eine Mutter
mit ihrem Jungen unterwegs, die Seite an Seite zusammen schwimmen. Die Wale, die
in dieser Region leben, sind südliche Glattwale und gehören zu der
Familie der Bartwale. Mit ihren Barten im Rachen filtern sie Krill und
Plankton aus dem Wasser. Südliche Glattwale erreichen eine Länge von 11
bis 18 Meter und sind durch grosse Schwielen am Kopf gekennzeichnet. Die
zwei Stunden sind viel zu schnell vorbei und schon müssen wir uns von
den wunderbaren Tieren wieder verabschieden. Um etwa 18.00 Uhr treten
wir die Rückreise mit dem Minibus wieder an. Eine Stunde später kommen
wir müde von dem langen und erlebnisreichen Tag ins Hotel zurück. Wir
haben heute sage und schreibe ca. 400 km zurückgelegt und davon das
meiste über holprige Naturstrassen. Nach einer wohltuenden Dusche gehen
Marco und ich noch etwas kleines essen, bevor wir in unsere Betten
fallen und einschlafen.
Donnerstag 24. November
Heute ist Marcos Geburtstag! Ich schleiche mich am
Morgen leise
aus dem Zimmer und überrasche ihn mit Frühstück, Geburtstagskerzen und
einer Rose. Heute müssen wir noch einiges organisieren für unsere
morgige Weiterreise. Erst einmal bringen wir aber die schmutzige Wäsche
in die "Lavanderia". Wir dürfen die Wäsche deponieren, bekommen einen
Zettel mit meinem Namen, mit dem wir die frische und trockene Wäsche um
20.00 Uhr wieder abholen können. In einem Internetcafé schauen wir auf
der Wetterseite, wie die Prognosen für den Süden sind. Leider verspricht
die Vorhersage nicht viel Erfreuliches. Nach einiger Diskussion, Kaffee
und Entscheidungsschwierigkeiten entschliessen wir uns schlussendlich
für die Reise nach Bariloche. Es soll da sehr viele schöne Seen,
wunderbare Natur und Berge geben. Ausserdem ist es nicht all zu weit vom
Süden entfernt. Nach dem wir die Tickets bei dem uns gut bekannten
Busunternehmen Andesmar gekauft haben, suchen wir die Post. Wir wollen
morgen alle unsere Digitalbilder auf CD brennen und in die Schweiz
schicken. Bei all der Organisation bleibt leider Marcos Geburtstag etwas
auf der Strecke. Am früheren Abend stossen wir dann aber mit einem
argentinischen Sekt auf Marcos Wohl an und gehen anschliessend ins Kino,
um den neuesten Harry Potter Film auf spanisch zu sehen. Zugegeben
verstehen wir nicht alles, was gesprochen wird. Der Film ist aber sehr
schön gemacht, und es ist ein Vergnügen ihn zu sehen. Unsere Wäsche, die
wir nach der Kinovorstellung abholen, ist nicht nur trocken und sauber, sondern auch noch
feinsäuberlich zusammengefaltet und in Plastiksäcken verpackt! Der ganze
Service für zwei Ladungen Wäsche kostet uns gerade einmal 18 Pesos!
Nach einem sehr feinen Abendessen im gediegenen, stimmungsvollen
Restaurant "Estela" geht ein schöner, wiederum ereignisreicher Tag in
Argentinien zu Ende.
Freitag 25. November
Mit mittlerweile viel Routine packen wir heute morgen
unsere Rucksäcke, die wir anschliessend im Hotel für 6 Pesos in einem
abgeschlossenen Raum einstellen. Nach dem ersten Kaffee suchen wir uns
eine Internetstation, bei der wir die Fotos vom USB-Stick auf CD brennen
können. Beim Internetanbieter "Telecom" können wir auch gleich zwei CD's
kaufen, und der Brennvorgang klappt tadellos. Mittlerweile ist es 13.00
Uhr geworden, und die Post hat leider schon Siesta Pause. Wir gehen also
an den Strand, setzen uns auf eine Bank und geniessen die wunderbare
Sonne, die von einem blauen Himmel herunter strahlt. Es geht zwar auch
heute ein leichter bis heftiger Wind, aber er ist wenigstens nicht kalt.
Um 16.00 Uhr bringen wir dann die Postkarten und das Päckchen mit den
CD's zur Post, was uns 49 Pesos kostet. Im Gegensatz zu anderem ist Post
nach Europa zu verschicken in Argentinien eine ziemlich teure
Angelegenheit. Wir haben jetzt noch 4 Stunden Zeit bis wir zur
Busstation müssen und nutzen diese um einzukaufen, im Park zu picknicken
und am Strand zu spazieren. Uns fällt auf, dass am frühen Abend viele
Einheimische den Park aufsuchen, vom Kleinkind und verliebten Paar bis
zur Grossmutter. Um 22.45 Uhr, mit einer ganzen Stunde Verspätung, fährt
dann endlich auch unser Bus Richtung Neuquén ein. In der ersten Klasse,
im unteren Teil des Busses, haben wir aber für den Zweitklassepreis
super schöne, breite Ledersessel bekommen, da oben keine Plätze mehr
frei waren. Hier bekommen wir sogar ein warmes Abendessen, bestehend aus
einem Fleischklösschen und Kartoffelstock, serviert.
nach
oben
Puerto Madryn - San
Carlos de Bariloche
Samstag 26. November
In den breiten Ledersesseln, die man beinahe zu einem
Bett umfunktionieren kann, schlafe ich immer wieder für ein bis zwei
Stunden ein. Das Einzige, was wir vermissen, ist eine Decke, denn im Bus
ist es wegen der Klimaanlage recht kühl. Als wir uns langsam "Neuquén"
nähern, wird die Gegend immer grüner und fruchtbarer. Wir fahren an
riesigen Obstplantagen und Reben vorbei. Hier wachsen auch nicht nur
kleine Büsche, sondern schöne grosse Bäume. Um ca. 08.45 Uhr kommen wir
in "Neuquén" an. Hier müssen wir in den Bus nach "San Carlos de
Bariloche" umsteigen. Der Busbahnhof in "Neuquén" erinnert an einen
Flughafen, denn unser Gepäck wird vom Bus aus auf ein Rollband gelegt,
und wir können es im Ankunftsraum in Empfang nehmen. Marco und ich
müssen uns beeilen, um den Anschlussbus nicht zu verpassen. Durch die
Verspätung des ersten Busses reicht es nicht einmal mehr für einen
Kaffee. Aber das ist halb so schlimm, denn uns wurde versprochen, dass
ein Frühstück serviert wird. Ein kanadisches Paar aus Quebec, das im
selben Bus wie wir nach "Neuquén" reiste, treffen wir beim Umsteigen
wieder an. Sie haben das selbe Ziel wie wir. Dieser Bus fährt pünktlich
um 09.10 Uhr ab. Wir fahren bestimmt zwei Stunden ohne Halt durchs Land.
Hier ist die Gegend ähnlich wie in anderen Gebieten Patagoniens,
steppenähnlich und mit vielen Büschen bewachsen. Der Unterschied ist,
dass wir ab und zu an einem kleinen See vorbeifahren, und die Gegend ist
insgesamt grüner. Wir sehen vereinzelte kleine Rinder- und Pferdeherden,
dafür aber keine Schafe. "Piedra del Aquila" scheint ein kleiner
Touristenort zu sein. Hier macht der Bus eine grössere Pause, und einige
Passagiere steigen aus, um zu rauchen oder sich etwas zu Essen zu
kaufen. Da der Buschauffeur kein Wort darüber verloren hat, wie lange er
Pause macht, getrauen wir uns nicht so recht den Bus zu verlassen. Dabei
hätten wir so gerne einen Kaffee gehabt! Entgegen unserer Hoffnungen
wurde bis jetzt noch kein Frühstück serviert, und dabei ist es bereits
schon 12.30 Uhr, als der Bus wieder weiter fährt! Zum Mittagessen werden
uns dann aber die obligaten Sandwiches und Getränke offeriert. Wir
sitzen seit "Neuquén" auch nicht mehr in der ersten Klasse, sondern im
oberen Stock in der hintersten Reihe. Das heisst aber auf keinen Fall,
dass es hier unbequem ist, im Gegenteil. Die bequemen, gepolsterten
etwas schmaleren Sessel lassen sich verstellen, und auch hier hat man
genügend Beinfreiheit. Leider ist auch in diesem Bus die Klimaanlage auf
Kühlschranktemperatur eingestellt! Unsere Fahrt führt uns nun entlang
des "Rio Negro". Der Fluss schlängelt sich durch die karge, hügelige
Landschaft. An einem Ort ist der Fluss breit wie ein See mit vielen
Vergabelungen, ein schönes Naturschauspiel in einer unberührten Gegend
ohne Zivilisation. Der Bus klettert einen kleinen Pass hoch, wo wir zum
ersten Mal am Horizont die schneebedeckten Berge der Anden erblicken.
Die Gegend wird grüner, wir sehen den "Lago Nahuel Huapi" und den
Nationalpark mit Wäldern mit grossen Nadel- und Laubbäumen. Wir nähern
uns "San Carlos de Bariloche". Die kleine Busstation von Bariloche liegt
etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Hier weht uns ein kalter, nasser
Wind um die Nase. Kaum steigen wir aus dem Bus, werden wir auch schon
von einer Lady angesprochen, die uns ein Hotelzimmer für 70 Pesos
andrehen will. Wir lehnen dankend ab, denn erst wollen wir unser Gepäck
in Empfang nehmen und uns zweitens lieber alleine ein günstigeres Hotel
in der Stadt suchen. Am Touristinfo bekommen wir einen Stadtplan und
eine Liste mit allen Hotels. Ausserdem erklärt uns die nette Señora, wo
hier die Bushaltestelle ist, von wo alle halbe Stunde ein Bus ins
Zentrum fährt. Kurz darauf sitzen wir auch schon im Bus Nr. 20 und
steigen fünf Minuten später in der City wieder aus. Das erste Hotel, in
dem wir ein Zimmer suchen, ist ausgebucht, das zweite ist uns mit 90
Pesos zu teuer, und ausserdem ist uns der "Conserje" unsympathisch. Im
dritten Hotel ist uns der Receptionist zwar sympathisch, aber auch hier
sind die Zimmer mit 75 Pesos zu teuer. In der sympathischen,
freundlichen und heimeligen Hosteria "Arequery" bekommen wir tatsächlich
ein wunderschönes, ruhiges Zimmer mit Holzboden und Heizung für 50 Pesos
inklusive Frühstück! Nachdem wir uns häuslich eingerichtet und
aufgewärmt haben, wollen wir uns etwas in der Stadt umsehen. Die
äusserst nette Dame an der Rezeption erklärt uns noch die Umgebung um
Bariloche und schlägt uns auch gleich ein paar Ausflüge vor, die man von
hier aus mit dem öffentlichen Bus machen kann. Ausgestattet mit vielen
Informationen machen wir uns um etwa 17.00 Uhr endlich auf die Suche
nach einem Kaffee. Als wir in einem Pub, nicht weit weg von unserem
Hotel, einen freien Platz suchen, winken uns plötzlich zwei Männer zu.
Es ist tatsächlich Marcos ehemaliger Lehrer an der HTL, Rolf Wäspe und
dessen Sohn Martin. So ein Zufall! Da reist man durch die halbe Welt,
und Marco trifft Leute, die er bestimmt 4 Jahre nicht mehr gesehen hat.
Wir setzen uns natürlich zu ihnen. Rolf ist schon seit dem Jahr 2001
pensioniert und seitdem ständig auf Reisen durch ganz Südamerika.
Natürlich quetschen wir ihn über alles mögliche aus. Wir machen auch
gleich ab, dass wir uns morgen zum Abendessen noch einmal treffen
werden. Mittlerweile hat es draussen angefangen zu regnen, und die
Temperaturen sind in den Keller gesunken. Marco und ich kaufen im
Supermercado noch ein paar Früchte ein, bevor wir in einem kleinen
Restaurant gleich bei unserem Hotel bei diesem kalten Wetter eine heisse
Suppe essen. Während die Suppe uns wärmt, lesen wir auf einem Plakat,
das an der Wand hängt, den Spruch, "El que saber comer, sabe esperar",
was so viel heisst wie, "Derjenige, der weiss, wie man gut isst, der kann
auch darauf warten." Auf Grund aktueller Begebenheiten funktioniert
Marco den Spruch kurzerhand um: "El que saber viajar con Andesmar, sabe
esperar" = " Derjenige der mit Andesmar reist, weiss was es heisst
warten zu müssen."
nach
oben
San Carlos de Bariloche
Sonntag 27. November
Um 08.30 Uhr werde ich tatsächlich von strahlendem
Sonnenschein geweckt. Also nichts wie aus den Federn. Beim Frühstück
besprechen wir, was wir heute machen wollen. Die ältere Frau, die uns
das Frühstück serviert, empfiehlt uns, mit dem Bus zum "Puerto Pañuelo"
zu fahren. Von da aus könne man eine Bootsfahrt zur bekannten Insel
Victoria machen. Um 10.00 Uhr sind wir startklar und gehen zur
Bushaltestelle, wo 10 Minuten später der Bus Nr. 20 einfährt, der uns
nach "Puerto Pañuelo" bringt. Die Fahrt ist wunderschön und führt uns
dem "Lago Nahuel Nuapi" entlang. Überall blühen hier Sträucher mit
gelben Blüten, auch viele Nadelbäume und Laubbäume säumen den Weg. Um
11.00 Uhr steigen wir am Hafen aus und fragen am Schalter, wann das
nächste Boot zur Victoria-Insel fährt. Leider fährt heute aber kein
Schiff, da anscheinend irgendein Feiertag der Seefahrer ist. Die nette
Señora gibt uns aber noch eine Karte mit den Zeiten, wo normalerweise
die Boote von hier zur Insel abfahren und noch andere
Ausflugsmöglichkeiten. Erst jetzt erkennen Marco und ich, dass dieses
ganze Gebiet um Bariloche in einem Nationalpark liegt. In diesem
Nationalpark ist ausserdem ein Naturreservat, zu dem auch die Insel
Victoria gehört. Nach den vielen Informationen müssen wir jetzt erst
einmal besprechen, was wir jetzt machen wollen. Da wir meinen, "Llao-Llao"
sei ein Dorf, entschliessen wir uns einen Spaziergang dahin zu machen.
Es stellt sich aber heraus, dass "Llao-Llao" eben dieses Naturreservat
ist. Da wir für eine Wanderung durch dieses Reservat nicht unbedingt gut
vorbereitet sind, kehren wir wieder um und spazieren stattdessen den
Hügel hinauf zu dem berühmten Hotel, das gleich heisst, wie das
Reservat. Leider haben sich über uns dunkle, Unheil verkündende Wolken
zusammengebraut, und auch der Wind ist giftig und kalt. Als wir beim
wunderschönen, grossen, mit viel Holz gebauten fünf Sterne Hotel "Llao-Llao"
ankommen, beginnt es sogar zu regnen. Bevor wir uns ins Hotel wagen, um
zu fragen, ob wir zwei einfache Wanderer in diesem prunkvollen Haus
einen Kaffee trinken dürfen, fotografiert Marco einen uns unbekannten
Vogel. Er stolziert auf dem Rasen des Kreisels bei der Hoteleinfahrt
umher. Eine Frau, die gerade aus dem Hotel kommt, erklärt uns, dass
dieser Vogel "Tero" heisst, da er beim Fliegen anscheinend "tero, tero,
tero" ruft. Der Securitas in der Hotellobby ist sehr nett, und wir
dürfen hier selbstverständlich einen Kaffee trinken. Wir bekommen sogar
die Erlaubnis uns ein bisschen im Hotel umzusehen, nur Fotos dürfen wir
keine machen. Dieses Luxushotel ist atemberaubend und unbeschreiblich.
Marco und ich finden, dass auch wir nicht abgeneigt wären, hier einmal
eine Woche Wellnessferien zu verbringen. Den Kaffee trinken wir an einer
grossen Fensterfront mitten im Restaurant, wo gerade das Mittagsbuffet
aufgebaut wird. Mit unserer nicht gerade eleganten Kleidung kommen wir
uns schon ein bisschen fehl am Platz vor. Während wir den teuersten
Kaffee unserer bisherigen Reise durch Argentinien schlürfen, regnet es
draussen immer stärker. Wir entschliessen uns, mit dem Bus wieder in die
Stadt Bariloche zu fahren, da es keinen Sinn hat bei diesem Wetter mit
dem Sessellift auf den Aussichtspunkt "Cerro Campanario" zu gondeln.
Zurück im Hotel kriechen wir erst einmal tief unter die Bettdecke, um
uns wieder aufzuwärmen. Heute wird das Wetter leider kein bisschen
besser, und es regnet, was das Zeug hält. Später am Nachmittag wagen wir
es aber doch noch einmal hinaus, setzen uns mit dem Notebook bewaffnet
in ein wunderschönes Restaurant, trinken heisse Getränke und schreiben an
unseren Berichten. Um 20.00 Uhr sind wir im Pub mit Rolf und Martin
verabredet. Mit ihnen speisen wir in einem gut geheizten, sehr guten
Restaurant, sprechen über das Reisen und erleben einen sehr schönen
Abend. Nach dem Austausch der E-Mail Adressen verabschieden wir uns ca.
um 23.30 Uhr. Morgen werden Rolf und Martin nach Mendoza weiterreisen.
Montag 28. November
Auch heute Morgen werden wir wieder von der Sonne
geweckt. Wir beeilen uns und gehen wieder auf denselben Bus, der um
10.10 Uhr nach "Campanario" fährt. Wir wollen heute unbedingt mit dem
Sessellift auf den "Cerro Campanario" fahren. Heute weht ein
ausgesprochen kalter Wind, und es ist, wenn überhaupt, nicht viel über
0°! Die Fahrt mit dem Sessellift ist zum Glück nicht ganz so windig, da
die Strecke durch den Nadelwald etwas geschützt ist. Oben angekommen
treffen wir eine atemberaubend, schöne Aussicht auf den ganzen
Nationalpark an. Die schönen Seen, die Wälder, die Insel Victoria, die
"Peninsula San Pedro", den "Parque llao-Llao" und schneebedeckte Berge
können wir von hier aus sehen. Trotz des nun wirklich eiskalten Windes
ist uns heute das Wetter hold. Die Sonne scheint zwischen einzelnen und
ungefährlichen Wolken hindurch, und es entstehen wunderbare
Erinnerungsfotos. Nach einer Stunde Staunen und Frieren wärmen wir uns
im Restaurant mit heissem Kaffee etwas auf. Hier treffen wir auf einen
schweizerdeutsch sprechenden Kellner, dessen Eltern von Schaffhausen
hierher ausgewandert sind. Er selber ist hier geboren und aufgewachsen.
Er rät uns dann auch ab, die Schweizerkolonie mit Museum zu besuchen. Er
erklärt uns aber noch, dass die Chilenen ursprünglich die Stadt
Bariloche gegründet haben, und die Schweizer das Gebiet rund um die
Stadt erschlossen haben. Nach diesen neuen Eindrücken und Erkenntnissen
fahren wir mit der Bahn wieder zurück und warten auf den nächsten Bus in
die Stadt. Im Stadtzentrum ist es kein bisschen wärmer als in der
Höhe, obwohl die Sonne senkrecht über uns am Mittagshimmel steht. Der
Wind ist eisig kalt, und wir suchen bald die Wärme unseres heimeligen
Hotelzimmers auf. Nachdem wir wieder etwas aufgewärmt sind, wartet noch
ein bisschen Arbeit auf uns. Morgen ist wieder Reisetag, und wir wissen
immer noch nicht, wohin wir wollen. In der Internetstation gleich neben
unserem Hotel konsultieren wir alle möglichen Wetterseiten, die uns aber
alle das gleich sagen: Das Wetter im Süden ist eisig kalt, und es
regnet. Jetzt kommt also Plan B zum Einsatz. Wir reisen erst einmal
weiter in den Norden nach Mendoza. Am "Terminal de Omnibus" buchen wir
über "Andesmar" zwei Tickets. Jetzt da unsere Weiterreise gesichert ist,
setzen wir uns in das Pilgrim-Pub und haben hier sogar ein
Wireless-Signal, das wir sogleich nutzen, um E-Mails zu verschicken.
Nach einem letzten gemütlichen Abend an diesem schönen Ort ist es Zeit
unser warmes Nest aufzusuchen.
nach
oben
San Carlos de Bariloche -
Mendoza
Dienstag 29. November
Da wir erst um 12.15 Uhr am Busbahnhof sein müssen,
bleibt uns noch genügend Zeit heute morgen nach dem Packen gemütlich zu
frühstücken. Die sehr nette ältere Dame, die uns jeden Morgen mit Kaffee
und "Media Lunas" = Gipfeli bedient, bittet uns der Touristin aus
Neuseeland, die nur englisch spricht und gleich am Tisch hinter uns
sitzt, zu erklären, wann man mit den Bussen welche Ausflüge machen kann.
Natürlich machen wir das und sind sehr stolz, dass wir uns in den drei
Tagen, die wir hier verbrachten, schon so gut auskennen. Eine Stunde
später verabschieden wir uns von dem netten Hotel, schreiben uns auf
schweizerdeutsch ins Gästebuch ein und werden von der Hoteldame mit dem
obligaten argentinischen Kuss auf die rechte Wange verabschiedet. Wir
können dieses freundliche und familiäre, schöne Hotel "Hosteria Arequery"
wärmstens weiterempfehlen! Am Busbahnhof sind wir ca. eine Stunde zu
früh, die wir aber mit Kaffee trinken und diskutieren locker
überbrücken. Dieses Mal trifft sogar der Bus pünktlich ein. Unsere "Semi-Cama"
Sessel befinden sich in der vorderen Hälfte der oberen Etage. Hier
werden wir die nächsten 19 Stunden verbringen. Cristian, der Steward auf
dieser Fahrt, verwöhnt uns mit zwei warmen Mahlzeiten, Kaffee, Getränken
und 4 Filmen. Beim obligaten "Andesmar-Bingo-Spiel" gewinnen Marco und
ich sogar noch eine Flasche Rotwein.
nach
oben
Mendoza
Mittwoch 30. November
Ca. um 07.30 Uhr kommen wir am grossen "Terminal de
Omnibus" von Mendoza an. Am Informationsschalter erkundigen wir uns nach
einem Stadtplan und einer Hotelliste, welche wir von einem freundlichen,
jungen Caballero bekommen. Nach Kaffee und "Media Luna" lassen wir uns
per Taxi zum "Plaza Indenpendencia" im Stadtzentrum fahren. Von hier aus
begeben wir uns zu Fuss auf Hotelsuche. Im Hotel "Mayo" finden wir für
drei Nächte ein einfaches Doppelzimmer. Am Nachmittag nehmen wir das "Microcentro",
wie die Innenstadt genannt wird, etwas genauer unter die Lupe. Im
Zentrum steht der "Plaza Independencia", der von 4 weiteren kleineren,
quadratischen Plätzen symmetrisch umgeben ist. Zwischen diesen Plätzen
und in der ganzen Innenstadt sind alle Strassen auch in dieser Stadt im
Schachbrettmuster angeordnet. Das Zentrum ist nicht wirklich klein, wie
es vom Namen "Microcentro" her vermuten lässt. Die Strassen sind fast
überall mit schönen grossen Platanenbäumen gesäumt. Diese wunderschönen
Laubbäume ähneln den uns bekannten Ahornbäumen sehr. Wegen diesen
Plätzen und all den vielen Bäumen ist Mendoza eine der grünsten
Grossstädte, die wir je gesehen haben. Uns gefällt der erste Eindruck.
Die Menschen, die in dieser Stadt leben, strahlen eine echte, lebendige,
uns willkommen heissende Freundlichkeit aus. Nach dieser ersten
Erkundigungstour buchen wir für morgen in einem der unzähligen
Reisebüros eine Exkursion mit Minibus in die Bergwelt der Provinz
Mendoza. Wir wollen die Gegend und die hohen Berge fürs erste mit vier
Rädern erkundigen, bevor wir eventuell an einer geführten Wanderung
teilnehmen. Am Abend essen wir im "Café Meditarraneo's" "Picadas" und
trinken "Andes-Bier" dazu. "Picadas" sind auf einer Platte angerichtete
kleine Häppchen, den spanischen Tapas ähnlich.
Donnerstag 1. Dezember
Nach dem Frühstück werden wir um 08.00 Uhr vom
Minibus im Hotel abgeholt. Nach uns werden auch noch weitere Gäste in
verschiedenen Hotels in und ausserhalb der Stadt eingesammelt. Mit dem
Fahrer und der Guíasin sind wir schlussendlich 15 Leute. Als
erstes geht die Fahrt nach "Maipu" und "Luján de Cuyo", den zwei
wichtigsten Weinanbaugebieten von Mendoza. Hier überqueren wir das erste
Mal den "Rio Mendoza", den Fluss, dem wir heute den ganzen Tag folgen
werden. In diesem ersten Teil der Strecke sehen wir auch Ölraffinerien.
Das gewonnene Öl und Gas aus Argentinien wird laut Carina, unserer
Guíasin, teilweise nach Chile exportiert. Die "Ruta 7", auf der
wir heute fahren, ist auch eine der wichtigsten Passstrassen über die
Anden, die Chile und Argentinien verbindet. Hier herrsch reger
Lastwagenverkehr, da es die Handelsroute von Brasilien, Uruguay und
Argentinien nach Chile ist. Die zweispurige Strasse wird nun steiler und
kurviger, und wir können die ersten Vorgebirge sehen. Leider hängen ein
paar Wolken im Himmel, die uns auf den ersten Blick nicht unbedingt
gefallen. Je weiter wir fahren und langsam aber stetig in die Höhe
gelangen, scheint die Sonne immer mehr, und die Wolken verziehen sich.
In "Potrerillos" machen wir den ersten Halt, wo wir uns die Beine
vertreten können und in einem Restaurant das Bad benutzen dürfen. Danach
geht die Fahrt weiter durch das "Valle Potrerillos". Während wir die
wunderbare Natur und das geniale Farbenspiel der verschiedenen Gesteine
der Berge betrachten, erklärt uns Carina alles über die Entstehung der
Anden, der Beschaffenheit des Gesteins und die Fauna, die uns umgibt.
Wir sind sehr beeindruckt über die weiten, breiten Täler, die in diesem
Hochland liegen. Es ist kein steiler Pass, der uns immer höher in die
Berge führt, sondern der Weg führt uns einem breiten, wuchtigen Tal
entlang die 190 km lange Strecke langsam und stetig immer höher hinauf.
Der Strasse entlang können wir Schienen erkennen. 1910 bis 1980 fuhr
hier ein Zug über die Anden nach Chile. Ursprünglich wurde diese
gewaltige Eisenbahnlinie nur für den Gütertransport gebaut. In den
letzten Jahren ihrer Rentabilität wurde sie dann auch für Passagiere und
vor allem als Touristenattraktion genutzt. 1980 fuhr der Zug das letzte
Mal über diesen Pass, danach wurde die Strecke still gelegt und
verwahrlost. Es würde heute viel zu viel kosten, die Strecke wieder in
Stand zu setzen. Unser nächstes Ziel ist "Uspallata", ein weiteres
kleines Dorf im gleichnamigen Tal. Von hier aus können wir hier und da
schon den einen und anderen hohen Berg herausragen sehen. An der "Puente
de Picheuta", auf einem Teil der alten "Ruta 7", machen wir den nächsten
Halt. Diese ursprüngliche Route, die Argentinien mit Chile verband,
wurde, so viel ich verstanden habe, im 18 Jahrhundert von einem gewissen
"O'Higgins" in der Kolonialzeit realisiert. Eine alte Brücke, die
"Puente de Picheuta", ist noch sehr gut zu erkennen und führt über einen
Fluss, dessen Wasser anscheinend gut für die Potenz ist. Man dürfe aber
nur zwei bis maximal drei Mal davon trinken, ansonsten könne es sogar
das umgekehrte bewirken. Weiter geht es immer tiefer in das Andengebiet
und am "Punta de Vacas" vorbei, wo der alte Zoll steht. In "Penitentes",
einem bekannten Skigebiet, sind wir bereits auf ca. 2600 M.ü.M. Hier
haben wir die Gelegenheit mit einem Sessellift auf 2800 M.ü.M zu fahren
und den gewaltigen Ausblick auf die wunderschöne, faszinierende Bergwelt
zu bestaunen. Faszinierend ist auch das Wetter. Wir haben seit dem
Mittag blauen, wolkenlosen Himmel und eine Sonne, die sogar in dieser
Höhe angenehme Temperaturen zaubert. Beim nächsten Halt sehen wir
endlich den höchsten Berg Amerikas, den 6960 Meter hohen "Aconcagua"!
Selbst Carina, unsere "Guía", die bestimmt nicht das erste Mal hier oben
ist, scheint beeindruckt. Sie ist vor allem darüber erstaunt, dass keine
einzige Wolke den Berg umhüllt. Wir sind überzeugt, dass es keinen Berg
in den Schweizer Alpen gibt, der mit solcher Wucht und Kraft in den
Himmel hinaufragt. Bei 3151 M.ü.M befindet sich "Las Cuevas" der letzte
Punkt auf argentinischem Boden, bevor die Route 7 durch ein 3 km langes
Tunnel, das "Tunel international", über die Grenze nach Chile führt. Der
Tunnel wurde ursprünglich für die Eisenbahn gebaut. Nachdem diese Linie
still gelegt wurde, baute man den Tunnel 1980 für den Schwerverkehr aus.
In "Las Cuevas" machen wir eine Stunde Pause, wo wir die Möglichkeit
haben im Bergrestaurant etwas zu essen und zu trinken oder draussen
umher zu spazieren. Marco und ich gehen nach einer kleinen
Verschnaufpause bei einem Kaffee, uns ist es durch den schnellen
Höhenunterschied etwas schwindelig geworden, spazieren. Hier oben
brauchen wir nun unsere Jacken, denn es bläst ein kalter Wind, und
ausserdem liegt auf dieser Höhe an manchen Stellen noch Schnee. Auf der
Rückfahrt, die wir um 15.00 Uhr antreten, machen wir an der Brücke der
Inkas einen letzten Halt. Die Brücke besteht aus Schwefelgestein und
entstand durch die natürlichen Kräfte des Wassers, das sich immer mehr
durch den Stein frass. Das Wasser entspringt aus drei verschiedenen
Thermalquellen. Die Farben des Wassers und des gelben Gesteins sehen
fast ein bisschen surreal aus. Überbleibsel eines alten Kurhotels
erinnern an Zeiten, wo die Leute zu Kurzwecken hierher gekommen sind.
Heute trifft man hier einen kleinen Touristenort an, von wo aus man
wandern, Ski fahren und andere alpinen Sportarten betreiben kann. Um
etwa 19.15 Uhr treffen wir müde und etwas schwindlig von den vielen
faszinierenden Eindrücken im Hotel ein. Nach einer Stunde Schlaf sind
wir dann aber wieder fit, um in einer wunderbaren, günstigen "Parillada"
= Grill, mit immensem Angebot am Buffet, zu Abend zu essen. Heute
erlebten wir einen der schönsten und eindrücklichsten Tage, seit wir vor
drei Wochen in Argentinien angekommen sind.
Freitag 2. Dezember
Nach einem späten Frühstück um 10.15 Uhr machen wir
uns zu Fuss auf zum "Parque San Martin". Leider ist der Himmel heute
ziemlich bedeckt, und die Sonne versteckt sich hinter dichten Wolken.
Der riesige Park am Stadtrand ist 354 Hektaren gross, und es führen
Strassen und Fusswege durch diese mit 300 verschiedenen Pflanzen und
Bäumen bewachsene grüne Oase. Sogar ein Zoo soll es hier geben. Ein paar
Meter vom Eingang entfernt befindet sich ein Touristen
Informations-Büro. Laut unseren Informationen kann man hier organisierte
Busfahrten durch den ganzen Park für 4.50 Pesos machen. In einer halben
Stunde wird die nächste Tour statt finden. Wir setzen uns also erst
einmal ins Café. Nach einer Dreiviertelstunde läuft in Sachen Rundfahrt
aber immer noch nichts. Marco und ich haben keine Lust noch länger
rumzuhocken und entscheiden uns zu Fuss zum See zu gehen, der gleich am
Anfang des Parks liegt. Der wunderschön angelegte "Lago de Regata" lädt
uns ein, ihm entlang zu spazieren. Da wir heute noch einige Dinge
organisieren wollen, kehren wir nach einer Stunde via Universität und
angrenzendem Studentenviertel wieder in die Stadt zurück. Wir wollen
heute noch ein etwas ruhigeres und günstigeres Hotel finden. Wir haben
uns inzwischen entschieden noch drei bis vier Tage in dieser schönen
Stadt zu bleiben und in aller Ruhe einige nahe gelegene Regionen der
Provinz Mendoza kennen zu lernen. Wir finden heute heraus, worin sich
Hotels und Hostels unterscheiden. Hotels sind die etwas teureren
Unterkünfte von der Kategorie 5 bis 1 Stern. Hostels sind so etwas
ähnliches wie Jugendherbergen und bieten nur wenige Doppelzimmer an.
Meistens sind in einem Zimmer 4 bis 6 Leute einquartiert. In Hostels
steht einem oft auch eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung. Im äusserst
sympathischen Hostel "Huellas Andina" reservieren wir ab morgen vier
Nächte. Heute Abend haben wir uns per Mail mit Rolf und Martin
verabredet. Pünktlich um 20.00 Uhr treffen wir die beiden tatsächlich im
"Café Mediterraneo's" an. Zusammen verbringen wir bei einem guten
Abendessen einen herrlich lauen Sommerabend.
Samstag 3. Dezember
Heute ziehen wir mit Sack und Pack ins Hostel "Huellas
Andina" um. Unser gemütliches, einfaches Zimmer befindet sich im 1.
Stock gleich neben einer schönen Terrasse, die wir nutzen dürfen.
Nachdem wir uns häuslich eingerichtet haben, brauchen wir erst einmal
eine kleine Siesta. Danach gehen wir in die Stadt. Bei "LUMA-Tours", dem
Reisebüro bei dem wir schon die Tour in die Berge gebucht haben,
reservieren wir für Montag eine Führung durch die Bodegas der Region.
Bevor wir ins Hostel zurückkehren, kaufen wir noch unser heutiges
Abendessen und das Frühstück für Morgen ein. Wir haben ja jetzt eine
Küche, die wir benützen können. Den heutigen wunderbar warmen
Sommerabend verbringen wir auf der Terrasse, trinken den Andesmar-Wein
und schreiben Reportes.
Sonntag 4. Dezember
Eine strahlende und warme Sonne empfängt uns heute
morgen. In unserem schönen, gemütlichen und ruhigen Zimmer haben wir so
richtig gut und lange geschlafen. Nach einem ausführlichen selbst
gemachten Frühstück gehen wir zu Fuss in den "Parque San Martin". Heute
hat es viel mehr Leute im Park als letztes Mal, und sogar die Rundfahrt
durch den Park findet fünf Minuten nach unserer Ankunft für 4,50 Pesos
pro Person statt. Der Fahrer, der zugleich auch den Job als "Guía" =
Führer macht, stellt sich als Omar vor. Er werde die Fahrt nur in
Spanisch dokumentieren, werde aber sehr langsam sprechen. Das macht er
dann auch. Er spricht sogar so langsam und deutlich, dass auch
derjenige, der wirklich kein Spanisch kann, etwas versteht. Der Park ist
wirklich gewaltig weit und gross. Die Fahrt geht vorbei am uns bekannten
See, an vielen schönen grünen Plätzen, Monumenten und Bäumen. Die
Strassen sind übrigens alle mit Baumnamen versehen, welche auch die
Strassen säumen. Weiter geht es dann zu Tennis- und Fussballplätzen, zum
Zoo und dann die Strasse hinauf zum "Cerro de la Gloria". Oben
angekommen hat man einen wunderbaren Blick auf die Vorgebirge der Anden
und auf die Stadt Mendoza. Nach einer halben Stunde Pause, in der wir
das Monument des "San Martin" bewundern und Fotos von der Umgebung
machen, nehmen wir die Rückfahrt wieder in Angriff. Beim Runterfahren
sehen wir auch noch das alte griechische Amphitheater, das für
irgendwelche Festivals der Andenregionen genutzt wird. Am Zoo hat man
nun die Gelegenheit auszusteigen, zwei Stunden die Tiere zu bewundern,
bis man dann vom nächsten Bus wieder abgeholt wird. Marco und ich fahren
aber ohne den Zoo
zu besuchen zurück zum Eingang. Nach der
schönen, interessanten Rundfahrt spazieren Marco und ich zurück in die
Stadt. Zufälligerweise treffen wir Rolf auf der Strasse, trinken
zusammen Kaffee und verabreden uns zum Nachtessen. Jetzt wird es Zeit
ins Hostel zurückzukehren, denn heute steht um 15.00 Uhr Fussball, Villa
Real gegen Barcelona, auf dem Plan. Ausgerüstet mit Bier und Knabbereien
besetzen wir den Gemeinschaftsfernseher im Hostel und erfreuen uns zwei
Stunden lang am Spiel von Barça, die dann auch prompt 0:2 gewinnen. Bei
einem vorzüglichen Abendessen im Restaurant erleben wir einen
letzten wunderschönen Abend mit Rolf und Martin, bevor sie morgen nach
"Buenos Aires" fliegen und bald wieder in die Schweiz zurück müssen.
Montag 5. Dezember
Heute schlafen wir lange aus, denn gestern wurde es
ziemlich spät, da wir mit Martin nach dem Abendessen noch um die Häuser
zogen. Auch heute scheint die Sonne von einem strahlend blauen Himmel
herunter, es ist aber nicht ganz so heiss wie gestern. Marco will sich
hier in Mendoza noch eine neue Brille machen lassen, deshalb gehen wir
an die "Calle San Martin", die Einkaufsstrasse der Stadt. Im
Optikergeschäft "Vision" finden wir einen kompetenten freundlichen
Optiker, der dann auch ein Brillengestell findet, das genau Marco's
Geschmack entspricht. Die Brille wird am Mittwoch fertig sein und genau
298 Pesos kosten! Da wir nicht unbedingt damit gerechnet haben, dass wir
die Brille vorauszahlen müssen, haben wir zu wenig Geld dabei. Wir
versprechen das Geld nach der Weindegustation um ca. 20.00 Uhr vorbei zu
bringen. Apropos Weindegustation, wir müssen uns langsam sputen, um
rechtzeitig um 14.30 Uhr abholbereit im Hostel zu sein! Wir schaffen es
aber auf die Minute und werden pünktlich mit einem Minibus abgeholt. Wir
fahren nach "Maipu", wo wir als erstes die industrielle Bodega "Baudron"
besuchen. Vor der Bodega sind in neun verschiedenen Töpfen alle
Rebensorten angepflanzt, die in Mendoza zur Weinproduktion angebaut
werden. Die Trauben für Rotweine sind (sortiert nach der Intensität des
Geschmackes): Cabarnet, Syrah, Tempranillo, Malbec, und Merlot. Malbec ist die Sorte, die in
Mendoza am meisten angebaut wird. Ausserdem existieren noch die weniger
verbreiteten Sorten Bonarda und Pinot Noir. Trauben für Weissweine sind Chardonnay
und Chenin. Wir werden von einer "Dama" durch die Bodega geführt, die
uns als erstes mitteilt, dass die meisten Bodegas, wie auch diese,
Familienbetriebe seien. Jetzt kann die Führung beginnen, und sie erklärt
uns, wie der Wein aus den Trauben entsteht. Nachdem die Trauben vom Laub
getrennt werden, werden sie maschinell gereinigt und gepresst, dann
gelangen sie durch ein Rohr in grosse "Betonhöhlen", wo die Gärung der
Früchte stattfindet. Die jungen, günstigeren Weine werden gleich danach
vor Ort in Flaschen abgefüllt und in Schachteln verpackt. Der etwas
teurere Wein (Cosecha) wird nach der ersten Gärung in grosse Holzfässer
abgefüllt und dort zwei Jahre gelagert, bevor er in Flaschen abgefüllt
wird. Ganz zuletzt zeigt sie uns auch noch den Keller, wo die
Spitzenweine in Eichenfässern drei bis fünf Jahre gelagert werden, bevor
auch sie zum Verkauf in die Flaschen gelangen. Die "Dama" betont immer
wieder, dass die ganze Weinproduktion ein rein natürlicher Prozess sei
und keinerlei Chemie zugesetzt wird. Nach den ausführlichen und
interessanten Erklärungen degustieren wir einen Chardonnay und einen
Malbec. Vor dem Probieren werden wir aber erst einmal in die hohe Kunst
des Degustierens eingeführt. 1. Der Wein wird im Glas geschwenkt und auf
Farbe und Konsistenz geprüft. 2. Der Wein wir abermals geschwenkt und
auf den Geruch geprüft. 3. Der Wein wird probiert, indem man einen
Schluck in den Mund nimmt, ihn dort etwas im Gaumen behält und dann
langsam runterschluckt. Obwohl Marco und ich all das befolgen, munden
uns beide Weine nicht wirklich. Wir scheinen aber die einzigen zu sein,
denen es so geht, denn alle anderen Bodegabesucher kaufen nach der
Degustation mindestens eine Flasche. Nach etwa einer Stunde fahren wir
weiter zu der kleineren, traditionellen Bodega "Viña el Cerno". Auch
hier bekommen wir eine Führung durch alle Räumlichkeiten. Diese Bodega
ist aber sehr viel kleiner, und das meiste wird hier noch von Hand
gemacht. Auch das Abfüllen des Weines in die Flaschen und das
Etikettieren ist Handarbeit. Die jungen Weine, die auch hier gleich nach
dem ersten Gärungsprozess in den "Betonhöhlen" in Flaschen abgefüllt
werden, werden "Wayna" genannt. Jedoch bleiben diese Weine noch ca. ein
halbes Jahr im eigenen Keller. Auch führt diese Bodega eine
Qualitätslinie, wo die Weine 2 Jahre und länger in den eigenen
Holzfässern gelagert wird. Nach der Führung dürfen wir auch hier zwei
Weine, einen Cabernet und einen Malbec, degustieren, und auch hier
werden wir erst in die Degustation eingeführt, und auch hier wird
speziell betont, dass Wein ein Naturprodukt ohne Chemie ist. Diese
Weine, die wir probieren, schmecken wirklich sehr gut. Wir kaufen aber
auch hier keinen Wein. Diese Weine, die hier produziert werden, geraten
nie in den offenen Verkauf, sondern werden nur in der Bodega selber und
in auserlesenen Restaurants von Buenos Aires angeboten. Jetzt geht die
Fahrt weiter zu einer kleinen Familien- Olivenölproduktionsfabrik. Unter
uralten Olivenbäumen werden wir von einem Herrn über die vielen
verschiedenen Olivensorten und die diversen Pressvorgänge aufgeklärt.
Wir bekommen dann auch noch die Maschinen und Pressen zu sehen, was sehr
eindrücklich ist. In dieser "Fabrik" wird aber nicht nur Olivenöl
hergestellt, sondern auch noch verschiedene andere Produkte wie
getrocknete Tomaten, Senf, Balsamico Essig, eingelegte Oliven und
verschiedene Olivenpasten. Zum Schluss können wir noch einige dieser
Produkte, wie weisse und schwarze Olivenpaste, Brot mit Olivenöl und
getrocknete Tomaten, die hier hergestellt werden, probieren. Wir kaufen
dann auch ein Glas der hervorragend guten in Öl eingelegten Tomaten.
Nach dieser Führung sind Marco und ich fast ein bisschen erschlagen von
den vielen Informationen des heutigen Nachmittages und würden gerne
zurück ins Hotel. Aber jetzt steht uns noch der Besuch der "Iglesia de
la Carrodilla" bevor. Wie ich verstanden habe, wird in dieser Kirche die
Schutzpatronin "La Virgen de Carrodilla" dieses Weinanbaugebiets
verehrt. Heute Abend machen wir ein einfaches Mahl zu Hause und sind
wieder einmal froh, dass wir hier im Hostel eine Küche haben.
Dienstag 6. Dezember
Heute steht wieder einmal ein bisschen Organisation
unserer Weiterreise auf dem Plan. Nach heftigen Diskussionen und
Recherchen im Internet entschliessen wir uns für folgendes: Morgen
reisen wir mit dem Nachtbus nach "Cordoba", wo wir etwa 7 Stunden
bleiben werden, bevor wir dann mit einem anderen Bus auch wieder über
Nacht nach "Mar del Plata" weiterreisen. Dort wollen wir einige Tage
bleiben und dann endlich den Süden in Angriff nehmen. Nachdem wir uns zu
dieser Entscheidung durchgerungen haben, fahren wir mit dem Taxi, denn
das Bussystem haben wir hier gar nicht im Griff, zum "Terminal de
Omnibus" und kaufen die entsprechenden Tickets für morgen und
übermorgen. Nach getaner Arbeit kehren wir ins Hostel zurück, machen
Siesta und schreiben E-Mails. Am späteren Nachmittag gehe ich an die
"Calle las Heras", wo sich der älteste Markt von Mendoza befindet. Im
Markt, der mich nicht unbedingt so beeindruckt wie diejenigen in
Spanien, kaufe ich zum "Samichlaus" Nüssli und Kirschen ein. Hier in
Argentinien ist ja schliesslich Sommeranfang und Kirschenzeit! Auf dem
Balkon vor unserem Zimmer machen Marco und ich "Samichlausaperitiv".
Später nach einem ausführlichen Spaziergang durch das uns nun sehr
vertraute Mikrozentrum speisen wir in der "Parilla Caro Pepe". Wir essen
schon zum zweiten Mal hier und finden es eines der besten Restaurants in
Mendoza. Das ganze Essen ist auf verschiedenen Buffets aufgebaut. Am Grill
ist ein Grillmeister, der einem die Fleischstücke auf den Teller legt,
die man wünscht, am Pastabuffet steht ein Koch, der einem die Teigwaren
nach Wunsch frisch zubereitet und nebenbei auch noch süsse, flambierte Crèpes zaubert. Man kann so viel essen, wie man will und bezahlt unter
der Woche pro Person 15 Pesos und am Wochenende 18 Pesos! Ausserdem
bieten sie Spitzenweine aus allen bekannten Bodegas von Mendoza an.
nach
oben
Mendoza - Cordoba - Mar del
Plata
Mittwoch 7. Dezember
Heute ist Reisetag, was bedeutet, dass wir packen und
die Hotelrechnung bezahlen müssen. Das ist mittlerweile aber Routine und
braucht gerade mal vor dem Frühstück eine Stunde Zeit. Danach gehen wir
ins Optikergeschäft "Vision", wo Marco seine perfekt verarbeitete Brille
abholen kann. Als kleine Aufmerksamkeit bekommt er sogar noch eine
Flasche Malbec-Wein! Wow! Den Nachmittag verbringen wir mit
Kaffeetrinken, Park fotografieren und Coiffeurbesuch (Isabella). Danach
dürfen wir im Hostel noch einmal das Internet benutzen, auf dem Notebook
Reportes verfassen und warten, bis wir auf den Bus müssen.
Pünktlich um 21.30 fährt unser Bus in Richtung "Cordoba" los. Dieses Mal
reisen wir mit dem Unternehmen "Chevallier". Wir sind etwas enttäuscht,
dass hier kein bisschen Service, wie wir es von "Andesmar" gewohnt sind,
geboten wird. Naja, ein Film wird dann doch noch gezeigt, und danach
machen wir es uns in unseren Sesseln für die Nacht gemütlich.
Donnerstag 8. Dezember
Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht kommen wir
um ca. 07.30 Uhr am "Terminal de Omnibus" von "Cordoba" an. Nach einem
Kaffee können wir uns dann auf einer Toilette etwas frisch machen. In
der Nähe finden wir auch gleich Schliessfächer, von denen wir zwei für
unser Gepäck mit Ein-Peso-Münzen füttern. Am Informationsschalter
besorgen wir uns noch einen Stadtplan und eine Information über die
Citytour durch "Cordoba". Da sich der Busbahnhof mitten in der Stadt
befindet, können wir zu Fuss zum Plaza San Martin gehen, wo sich laut
Marco's Recherchen eine der ältesten Kirchen von Argentinien, die "Iglesia
Catedral" befindet. Wir finden den "Parque" mit der Kirche auf Anhieb
und schlendern von hier aus ein bisschen durch die grosse
Fussgängerzone, kaufen die Tickets für die Stadtrundfahrt und trinken
Kaffee. Um 10.00 Uhr wartet schon der offene alte, original
doppelstöckige Londonerbus auf uns. Marco und ich sind bis kurz vor der
Abfahrt die einzigen Gäste für diese Citytour. Es gesellt sich dann aber
noch ein argentinisches Ehepaar aus "Mar del Plata" zu uns. Marina,
unsere "Guía" und Victor, der Fahrer, geben sich für uns vier Personen
aber echt so viel Mühe, wie wenn der Bus voll besetzt wäre. Marina sitzt
mit dem Mikrofon bei uns auf dem Dach des Busses und erklärt uns alle
Sehenswürdigkeiten von "Cordoba", an denen wir bei unserer Tour
vorbeifahren. Auch diese argentinische Stadt wird durch viele kleinere
und grössere Plätze aufgelockert. Das besondere an "Cordoba" sind aber,
so glaube ich, die vielen Kirchen, die in der ganzen Stadt verteilt
sind. Laut Marina gibt es in dieser Stadt auch kein Spiel-Casino, wie
wir sie sonst in allen anderen Orten angetroffen haben, weil es hier
neben all den Gotteshäusern auch viele Klöster gibt. Nach der sehr
interessanten Stadtrundfahrt verabschieden wir uns von Marina, Victor
und dem argentinischen Ehepaar, spazieren noch etwas in der Innenstadt
herum und sonnen uns am "Plaza San Martin". "Cordoba" scheint eine
lebendige, freundliche Stadt zu sein, die wir in diesen wenigen Stunden
kennen gelernt haben. Am Nachmittag gehen wir noch in eine authentische,
argentinische Bar, in der aus einer "Jukebox" rhythmische, lateinische
Musik gespielt wird. Dort essen wir etwas kleines, bevor wir zum
Busbahnhof zurück gehen, wo um 15.45 unser Bus der Firma "MERCO-BUS,
PLUS-ULTRA" auf uns wartet. Auch bei diesem Busunternehmen ist kein
Service inbegriffen. Zum Glück machen wir nach ein paar Stunden einen
halbstündigen Halt, wo wir einen Kaffe trinken und ein Sandwich fürs
Abendessen kaufen können.
nach
oben
Mar del
Plata
Freitag 9. Dezember
Um ca. 08.00 Uhr kommen wir in "Mar del Plata" an.
Gleich nachdem wir unser Gepäck in Empfang genommen haben, spricht uns
eine freundliche "Señora" an, die uns ein Hotelzimmer für 40 Pesos pro
Nacht inklusive Frühstück anbietet. Marco und ich erklären uns bereit
uns das Zimmer einmal anzuschauen und werden von der Frau im eigenen
Auto zum Hotel "Edelweiss" gefahren. Von den zwei Zimmern, die uns
gezeigt werden, nehmen wir das erste. Das Hotel liegt sehr nahe am
Stadtzentrum, und unser Zimmer, das in einen Innenhof zeigt, ist
ausserordentlich ruhig. Nachdem wir geduscht und uns eingerichtet haben,
bezahlen wir an der Rezeption die drei Nächte, die wir hier verbringen
werden und bekommen danach gleich ein Frühstück serviert, was wir sehr
zuvorkommend und nett finden. Jetzt haben wir wieder Energie, um das "Oficina
de Turismo" zu suchen und die Stadt zu entdecken. Das
Informationsbüro ist am "Plaza Colon", wo sich auch das berühmte und
grösste Casino der Welt befindet. Eine sehr nette Lady gibt uns einen
Stadtplan und viele nützliche Informationen über die Region um "Mar del
Plata" mit auf den Weg. Nach einer ersten
Erkundigungstour durch die Fussgängerzone und die schöne breite
Hauptstrasse, die "Avenida Colon",
gehen wir ins Hotel und machen drei Stunden Siesta. Um 20.00 Uhr sind
wir wieder fit für den Ausgang. Es weht uns ein kalter Wind entgegen,
und wir sind froh, dass wir unsere Jacken dabei haben. Die Stadt kommt
uns jetzt, wo es dunkel ist, riesig und unübersichtlich vor. Es hat auch
sehr viel Verkehr auf allen Strassen, viele Leute auf den Gassen, es
herrscht viel Betrieb und Hektik, was uns nicht so behagt. Wir brauchen
dann auch eine geschlagene Stunde, bis wir eine schöne Bar finden, wo
wir zum Apero einen "Copa vino tinto" trinken können. Zum Abendessen
gehen wir in einen der unzähligen "Tenedor Libre", was so viel bedeutet
wie ein riesiges Buffet mit Grill (Parilla). Wir können uns vom Buffet
bedienen, so oft wir wollen und bezahlen zusammen für das hervorragende
Essen mit Wein 32 Pesos!
Samstag 10. Dezember
Nach erholsamem, ruhigem Schlaf, wieder einmal in
einem richtigen Bett, bekommen wir auch heute ein Frühstück mit Kaffee
und "Media Lunas" serviert. Jetzt gehen wir als erstes zum "Terminal de
Omnibus" und kaufen alle Tickets für die von uns im Internet
recherchierte Reise von hier aus bis nach Rio Gallegos". Am Montag
werden wir es nun endlich wagen, ganz in den Süden Patagoniens zu
reisen. Wir nehmen uns aber vor hier in "Mar del Plata" noch eine
warme Jacke zu kaufen, um dieses Mal besser gegen die Kälte gerüstet zu
sein. Nachdem wir alle Tickets in der Tasche haben, suchen wir eine
Bushaltestelle, von wo aus die "Colectivos" an den Hafen fahren. Der
Bus, den wir wählen, fährt leider nicht dem Meer entlang, dafür bekommen
wir aber für je 1,10 Pesos eine etwa halbstündige Stadtbesichtigung.
Eine ältere "Dama" teilt uns dann netterweise mit, wo wir aussteigen
müssen, um ans Meer zu gelangen. Ohne ihre Hilfe wären wir wohl recht
tief im "Schilf" gelandet! Irgendwie sind wir aber auch jetzt nicht
unbedingt da, wo wir glaubten hin zu kommen. Wir laufen also einfach
eine kurze Zeit einem argentinischen Paar hinterher, bis wir in die Nähe
des Meeres kommen. Eigentlich wäre der Strand sehr hübsch, aber die
Argentinier haben es geschafft den ganzen Strand künstlich einzuteilen.
Alle paar Meter kommt ein Betongebäude, auf dem der Name der Playa und
die Nummer des Strandabschnittes steht. Dahinter ist der ganze Bereich
in kleine abgeschirmte Abteile eingeschlossen. Man kann hier zwar im
Sand liegen, aber vom Meer sieht man gar nichts! Wir spazieren den
Betonbunkern entlang, bis uns der Weg wieder zurück auf die Strasse
führt. Heute ist das Wetter recht schön, aber leider weht wieder ein
kühler Wind, der uns unangenehm in die Glieder fährt. Durch den Marsch
an der Strasse entlang bekommen wir aber warm. Nach einer Weile macht
uns ein Schild darauf aufmerksam, dass wir am Naturschutzgebiet, von dem
wir gehört haben, vorbeilaufen. Das Bild, das sich uns bietet, ist
jedoch dekadent, denn gleich neben diesem Naturschutzgebiet ragen
Ölsilos und Gebäude der Fischindustrie in die Luft. Dem Zaun entlang, wo
wir spazieren, hören wir plötzlich ein Rascheln und sehen gleich darauf
Meerschweinchen ähnliche Tiere mit graubraunem Fell. Wenig später
entdecken wir auch sehr schöne Vögel, unter anderem sogar einen grossen
Raubvogel. Anscheinend fühlen sich die Tiere hier wohl. Schlussendlich
gelangen wir an den Hafen, wo ich plötzlich ein kleines Schildchen
entdecke, worauf ein Seelöwe abgebildet ist. Ich kann mich nun wieder
daran erinnern, dass der Coiffeur, bei dem ich mir in Mendoza die Haare
schneiden liess, etwas davon erwähnte, dass es in "Mar del Plata" solche
Tiere zu sehen gibt. Etwas skeptisch, diese Tiere tatsächlich hier im
Fischerhafen zu finden, entschliessen wir uns trotz unserer Zweifel dem
beschriebenen Weg zu folgen. Und tatsächlich, mitten am Hafen liegt eine
Gruppe Seelöwen und sonnt sich auf dem harten Betonboden. Weiter vorne
ist sogar eine grosse Gruppe anzutreffen, die an einer harten Böschung
faul an der Sonne liegt und ab und zu im Meer schwimmen geht. Auf einer
Tafel ist beschrieben, dass hier am Hafen von "Mar del Plata" 800
männliche Seelöwen leben. Faszinierende Tiere! Wir sind nur ein paar
Schritte von den riesigen, beeindruckenden Tieren entfernt,
fotografieren und bestaunen sie, und die Seelöwen scheint das nicht im
geringsten zu stören. Nach etwa einer Stunde suchen wir den Bus Nr. 581,
der uns dem Meer entlang zurück in die Innenstadt fährt. Es existiert
zwar eine Haltestelle dieser Busnummer, aber ein Bus kommt auch nach
einer halben Stunde nicht. So entschliessen wir uns dann einen der
anderen zahlreichen Busse zu nehmen, der uns zufälligerweise ziemlich
nahe an unser Hotel bringt. Nach einem kleinen Apero im Hotelzimmer mit
Tomaten und dem Wein, den Marco vom Optiker bekommen hat, machen wir uns
bereit das Nachtleben von "Mar del Plata" zu suchen. Die Stadt
kommt uns in der Nacht noch grösser und unübersichtlicher vor als am
Tag. Ein eigentliches Ausgangsviertel scheint es nicht zu geben, und wir
haben ziemliche Mühe eine schöne Bar, die uns behagt, zu finden.
Sonntag 11. Dezember
Heute ist wieder einmal ein wunderschöner, sonniger
Tag ohne Wolken am Himmel. Auch der Wind weht nicht so streng, und wir
können im T-shirt in der Fussgängerzone "Calle San Martin" entlang
spazieren. Hier wollen wir heute zwei Faserpelzjacken kaufen, die wir
für die Weiterreise in den kälteren Süden benötigen. Da "Mar del Plata"
sehr touristisch ist, haben die meisten Läden an dieser
Fussgängerstrasse geöffnet. Mit etwas Geduld und herumfragen finden wir
in einem grossen Einkaufszentrum das Richtige. Für je 30 Pesos kaufen
wir uns zwei schöne, warme Faserpelzjacken. Nach diesem erfolgreichen
Shopping genehmigen wir uns einen Kaffee und fotografieren die
wunderschöne Kathedrale am "Plaza San Martin". Es ist die bisher
schönste Kirche, die uns in Argentinien begegnet ist. Danach gehen wir
mit unseren Einkäufen ins Hotel zurück. Jetzt wollen wir endlich die
richtige Haltestelle des "Colectivo" suchen, welcher der Küste entlang
zum Puerto fährt. Heute klappt es auch tatsächlich und nach wenigen
Minuten des Wartens sitzen wir im Bus Nr. 581 und fahren der Küste
entlang, an den bekannten Playa Chica und Playa Grande vorbei und an
weiteren schönen Stränden bis zum Hafen, den wir von gestern bereits
kennen. Am Hafen machen wir ein paar Fotos und schlendern durch die
Fussgängerzone mit den kleinen Läden, die Fischspezialitäten anbieten.
Nach einer halben Stunde gehen wir zur Bushaltestelle zurück, wo prompt
unser Bus mit demselben Chauffeur bereit steht. Wir fahren nicht ganz in
die Stadt zurück, sondern steigen etwas früher aus, um am Strand entlang
zurück in die Stadt zu spazieren. Am "Plaza Colon" ist heute Nachmittag
einiges los. Auf der einen Seite des Platzes wird ein Tanzwettbewerb
abgehalten, an dem jeder mitmachen kann. Wir schauen hier eine Weile
fasziniert zu, bevor wir weiter über den Platz spazieren. Wir werden
plötzlich von einem schönen Gesang magisch angezogen. Und siehe da,
mitten auf der anderen Seite des riesigen Platzes am Meer singt eine
etwa 50- jährige Lady mit wunderschöner Stimme voller Inbrunst
argentinische Lieder. Trotz des kühlen Windes, der nun wieder bläst,
bleiben wir natürlich eine ganze Weile stehen und hören zu. Wir bringen
sogar noch in Erfahrung, dass die stimmgewaltige Sängerin "Liliana
Dominguez" heisst. Als sie einen Tango zum besten gibt, tanzt ein Paar
aus Buenos Aires ganz spontan dazu. Wir sind wieder einmal mehr darüber
fasziniert, wie spontan, freundlich und lebenslustig die argentinische
Bevölkerung ist. Den Tag runden wir mit einem Besuch in einem "Tenedor
Libre" ab, um wiederum eine vorzügliche Mahlzeit zu geniessen.
nach
oben
Mar del
Plata - Bahia Blanca - Comodoro Rivadavia - Rio Gallegos - El Calafate
Montag 12. Dezember
Um 10.00 Uhr verlassen wir wie abgemacht mit Sack und
Pack unser Hotelzimmer. Natürlich bekommen wir auch heute noch ein
Frühstück, bevor wir die Rucksäcke einstellen dürfen, um die Post zu
suchen. Wir haben nämlich noch einige Briefe bei uns, die wir in die
Schweiz schicken wollen. Ausserdem muss Marco noch einmal in den Laden,
wo er seine Jacke gekauft hat, denn die Nähte der Jacke sind jetzt schon
kaputt. Während er sich in die Fussgängerzone begibt, stehe ich mir in
der Post die Füsse in den Bauch. Ich bin anscheinend nicht die Einzige,
die Post aufzugeben hat, und die Kolonne hat sich schon bis zur
Eingangstüre gebildet. Irgendwann bin dann aber auch ich an der Reihe,
kann die Briefe abgeben und Marco im Cafe treffen. Im Hotel holen wir
unser Gepäck und verabschieden uns von den sehr netten, lieben Leuten,
die wir hier getroffen haben. Wir tauschen dann auch noch unsere E-Mail
Adressen mit Vera und Daniel aus. Wer weiss, vielleicht sind wir ja
wieder einmal in "Mar del Plata" im Hotel Edelweiss an der "Calle Santa
Fe". Pünktlich um 13.00 Uhr fahren wir mit dem "El Rapido" los, in
Richtung Bahia Blanca. Die erste Etappe unserer zweieinhalb tägigen
Reise hat begonnen. Ausser, dass im Bus die Klimaanlage auf Eiszeit
eingestellt ist und die Filme ohne Ton abgespielt werden, ist es eine
durchaus angenehme, achtstündige Fahrt. Wir fahren durch ein weites,
breites sehr fruchtbares Gebiet der Pampa. Vielerorts sehen wir riesige
Getreide- und Gemüsefelder oder Pferde-, Rinder- und Schafherden. "Necochea"
und "Tres Arroyos" sind zwei grössere Orte, die uns auf dieser Fahrt
auffallen. Ansonsten hält der Bus oft einfach mitten im Nirgendwo, und
Leute steigen aus oder ein. In "Bahia Blanca" angekommen geben wir
unsere Rucksäcke in der Gepäckaufbewahrung ab. Der ältere Mann, der da
arbeitet, erzählt uns, dass er ursprünglich aus Dänemark stammt. Wir
reden noch ein paar Worte mit ihm, bevor wir zu Fuss in die uns bekannte
Stadt gehen. Allerdings müssen wir erst jemanden nach der Richtung
fragen bevor wir den Weg ins Stadtzentrum an den "Plaza Rivadavia"
finden. Im Restaurant Victor, das wir von unserem letzten Aufenthalt
hier in "Bahia Blanca" kennen, essen wir vorzüglich zu Abend. Wir werden
sogar vom selben Kellner wie letztes Mal bedient. Ob er uns wohl auch
wieder erkannt hat? Zurück an der Bushaltestelle lassen wir uns die
Rucksäcke wieder geben und ziehen uns für die lange Busfahrt, die uns
nun bevor steht, um. Der "Andersmar-Bus" trifft um 00.30 ein. Er ist
wieder einmal mehr verspätet, was uns aber nicht mehr so ersorgt, da wir
irgendwie auch damit gerechnet haben. Wir verbringen in den bequemen
Sesseln eine ruhige Nacht, in der wir sogar verhältnismässig sehr gut
schlafen. Die Klimaanlage ist auch sehr gut, nicht all zu frostig
eingestellt, und der Fahrer fährt uns sicher und ruhig durch die Nacht.
Dienstag 13. Dezember
Einer der Gründe, warum wir am liebsten mit "Andesmar"
reisen, ist der vorzügliche Service an Bord. Um 08.00 Uhr morgens
bekommen wir vom Steward einen Kaffe serviert. Auf Anfrage bekomme ich
sogar speziell einen ohne Zucker. In Argentinien ist es nämlich ziemlich
unüblich den Kaffee ohne Zucker zu geniessen. Im Restaurant bekommt man
sogar drei Päckchen Zucker für eine Tasse Kaffee! Ein Mittagessen wird
uns leider nicht mehr serviert. Der Bus hält in "Puerto Madryn" und "Trelew",
das uns bestens bekannt ist. Anschliessend geht die Reise ohne Halt
durch die typisch karge, lang gezogene Steppenlandschaft von Patagonien.
Um ca. 15.30 kommen wir wohlbehalten und einigermassen ausgeruht in "Comodoro
Rivadavia" an. Die Bushaltestelle ist klein und bescheiden und bietet
nicht einmal eine Cafeteria an. Wir stellen für 1 Peso die Stunde das
Gepäck ein und machen uns auf die Suche nach dem Stadtzentrum. Wir haben
noch geschlagene fünf Stunden Zeit, bis um 20.38 Uhr unser nächster "Andesmar-Bus"
nach "Rio Gallegos" fährt. "Comodoro Rivadavia" ist eine hässliche,
teure Ölindustriestadt am Meer. Das Zentrum ist entlang der
Hauptstrasse, wo sich auch die Geschäfte, Bars, Pubs und ein paar wenige
Restaurants befinden. Der Strand ist auch nicht unbedingt schön zu
nennen, aber die Leute, die hier wohnen, scheinen ihn trotzdem zu
geniessen. Auch Marco und ich sitzen eine Stunde am Kieselstrand und
schauen dem Treiben zu, bevor wir noch ein wenig in der Stadt
herumspazieren, in einem Pub etwas trinken und dann langsam zur
Bushaltestelle zurückkehren. Natürlich hat auch dieses Mal der Bus
Verspätung. Wir werden aber mit dem tollen Service an Bord, den wir
dieses Mal in der ersten Klasse geniessen, entschädigt. Wir bekommen ein
wunderbares, warmes Nachtessen serviert. Danach wird noch ein Film auf
spanisch gezeigt. In dieser Nacht schlafen wir beide ausgezeichnet. In
den breiten Ledersesseln und in die Decken eingehüllt, die man für die
Nacht in der ersten Klasse bekommt, geniessen wir wieder einmal mehr
eine ruhige, sichere Fahrt.
Mittwoch 14. Dezember
Für Kaffee reicht es leider heute morgen nicht mehr
im Bus, da wir bereits um 07.10 in "Rio Gallegos" eintreffen. Auch diese
Bushaltestelle ist sehr klein, und leider gibt es auch hier keine
Cafeteria. So begnügen wir uns mit einer Katzenwäsche auf der Toilette,
die übrigens ausnahmslos an allen Bushaltestellen sauber und hygienisch
sind. Marco ist zum Glück auch nach zwei Nächten im Bus so fit, dass er
die Weiterfahrt nach "El Calafate" organisiert. Die vierstündige Fahrt
führt uns an öder Steppenlandschaft vorbei. Wir sind fasziniert über die
Weite des Landes. Uns scheint es auch, dass hier die Wolken viel tiefer
am Himmel hängen, und man sie beinahe berühren kann, wenn man die Hand
ausstreckt. In dieser Einöde hat es sehr viele Schafherden. Auch
begegnen wir vielen "Choices", den straussenähnlichen Vögeln, die hier
anscheinend auch Nahrung finden. Auf halber Strecke, in "Esperanza",
machen wir einen zehnminütigen Halt. Das Dörfchen scheint genau aus dem
einen Haus, das Confiteria, Hotel, Kiosk und Restaurant zugleich ist, zu
bestehen. Nach diesem Kaffeehalt geht die Fahrt weiter, und nach
weiteren zwei Stunden treffen wir im Ferienort "El Calafate" ein. Gleich
am Busbahnhof werden wir wieder einmal mehr von verschiedenen
Hotelvermittlern "angemacht". Mit einem Gratistaxi werden wir an eines
der Hostels gefahren. Das Ambiente dort gefällt uns aber nicht, und wir
suchen auf eigene Faust eines der zahlreichen Hostels in der Umgebung.
Im heimeligen ganz aus Holz gebauten Hostel "Calafate" an der "Calle 25
de Mayo" finden wir für vier Nächte ein schönes ruhiges Viererzimmer.
Die Doppelzimmer sind uns hier überall viel zu teuer. So bezahlen wir
für ein Viererzimmer mit Dusche und WC auf dem Gang 24 Pesos pro Person,
für ein Doppelzimmer müssten wir hier 130 Pesos pro Person hinblättern!
Wir richten uns in unserem Stockbett häuslich ein und machen uns mit
einem unserer spanischen Zimmerkollegen bekannt. Danach gehen wir zur
Busstation und erkundigen uns beim Informationsstand über die
Ausflugsmöglichkeiten zum berühmten Gletscher "Perito Moreno" und zum
"Lago Viedma". Wie befürchtet sind die Angebote der privaten
Reiseanbieter sehr teuer, und es empfiehlt sich, sich selber zu
organisieren. Schlussendlich ist aber auch das nicht ganz billig. Marco
und ich pflücken das für uns beste und günstigste Angebot heraus. An der
Bushaltestelle bei dem Unternehmen "Cal-Tur" kaufen wir ein Ticket für
140 Pesos pro Person. Darin enthalten sind die Busfahrt zum "Perito
Moreno" am Freitag und die Busfahrt nach "Chalten" am Samstag, wo der
"Lago Viedma" liegt. Nicht inbegriffen ist die Bootsfahrt zum Gletscher
und der damit verbundene Eintritt zum Nationalpark. Die werden wir vor
Ort dann organisieren und dann halt noch einmal ca. 70 Pesos pro Person
bezahlen müssen. Wir merken immer mehr, dass dieses Gebiet absolut vom
Tourismus lebt. Nicht nur die verschiedenen Freizeitangebote sind sehr
teuer, sondern auch die Preise in den Restaurants, Bars und Kaffees sind
etwa doppelt so hoch wie in "Buenos Aires", "Mar del Plata" oder
"Mendoza". Uns wurde gesagt, dass hier in "El Calafate" oder auch in "Ushuaia"
viele Europäer ihre Ferien verbringen. Zurück im Hostel treffen wir den
Spanier wieder an und reden noch ein bisschen mit ihm. Er ist schon weit
gereist und kann uns ein paar Tipps geben, wie wir von hier aus weiter
nach "Ushuaia" gelangen können. Zwei Möglichkeiten, die wir genauer
prüfen wollen, sind von hier aus mit dem Bus nach "Puerto Natales"
(Chile) zu fahren und von dort aus irgendwie nach "Ushuaia" zu gelangen
oder von "Puerto Natales" mit dem Zug nach "Rio Gallegos" zu bummeln, um
dann auf den Bus umzusteigen. In den nächsten Tagen werden wir dann noch
andere Leute fragen, was sie von diesen Möglichkeiten halten. Jetzt ist
auf jeden Fall erst einmal eine Siesta fällig. Um 21.30 Uhr ist es immer
noch hell draussen, und uns kommt es vor, als ob es erst 18.00 Uhr wäre.
Ganz speziell. Vor allem, wenn man bedenkt, dass am Morgen um 05.00 Uhr
die Sonne schon aufgeht! Etwa um 22.30 Uhr beginnt es zu dämmern. Im
Restaurant Parilla "Mi Viejo" an der "Avenida Libertador 1111" esse ich
hervorragendes gegrilltes Lammfleisch und Marco ein sehr zartes grosses
Stück gegrilltes "Bife de lomo" = Rindssteak. Zurück im Hostel kommt es
uns spanisch vor, denn die Spanier in unserem 4er Schlag sind schon am
schlafen.
nach
oben
El Calafate
Donnerstag 15. Dezember
Die Nacht verbringen wir wie Engel in unseren Betten
und schlafen so gut wie schon lange nicht mehr. Auch unsere
Zimmerkollegen sind zwei sehr ruhige und friedliche Jungs. Ich erwache
heute morgen früh nur kurz durch das dezente Geraschel der beiden
Spanier, die ihre Rucksäcke packen. Anscheinend verlassen sie heute das
Hostel. Als ich das zweite Mal erwache, ist es bereits 10.00 Uhr und
Zeit für einen Kaffee. Da wir auch in diesem Hostel eine kleine Küche
zur Verfügung haben, können wir unser Frühstück hier selber zubereiten,
was wir wiederum sehr geniessen. Am frühen Nachmittag machen wir uns zu
Fuss auf den Weg zu der nahe gelegenen "Laguna Nimez". Die Lagune liegt
zwischen dem Dorf "El Calafate" und dem "Lago Argentino". Dort sollen
angeblich etwa 80 verschiedene Vogelarten leben. In einem kleinen
Holzhäuschen bezahlen wir je 2 Pesos Eintritt. Die Frau, die uns die
Tickets verkauft, zeigt uns dann auch gleich den Weg, den wir für den
Rundgang um die Lagune nehmen können. Das Gebiet ist vielerorts sehr
sumpfig und somit ein idealer Lebensraum für Schwäne, Enten und
Flamingos, sowie vieler anderer Wasservögel, deren Namen wir nicht
kennen. Wir spazieren etwa eine Stunde durch die Gräser-, Schilf, Sand-
und Sumpflandschaft dieses Naturreservates. Irgendwann fliegt ein
Greifvogel ziemlich tief über unsere Köpfe hinweg. Am Anfang finde ich
das irgendwie noch spannend, als der Vogel aber angriffige Sturzflüge in
Richtung meines Kopfes unternimmt, wird es mir etwas unheimlich. Wir
legen also einen Zahn zu und lassen den Vogel in seinem Territorium in
Frieden. Wir sehen dann auch uns unbekannte sehr schöne kleinere und
grössere Singvögel, die wir in unserer Kamera bildlich festhalten. Nach
dem schönen Erlebnis in der Natur, widmen wir uns der Planung der
Weiterreise. Wir entscheiden uns am Sonntag mit dem Bus über die
chilenische Grenze nach Puerto Natales zu fahren. Am Abend treffen wir
uns mit Pierre, dem Franzosen, der mit uns auf der "Calaparana" war, und
seine Frau. Durch den laufenden E-Mail Contacto wussten wir, dass sie
auch hier in El Calafate sind und haben uns per Mail verabredet, was
wieder einmal mehr wunderbar geklappt hat. Wir erfahren von ihm, dass er
die Schiffsreise von "Puerto Montt" nach "Puerto Natales" realisiert
hat. Diese Fahrt führt durch spektakuläre, unberührte Fjordlandschaften.
Allenfalls wäre dies eine Variante für uns, die Fahrt in umgekehrter
Richtung zu erleben.
Freitag 16. Dezember
Um 07.30 Uhr schrillt der Handywecker. Denn heute ist
der Tag, an dem wir den berühmten Gletscher "Perito Moreno" besuchen
werden. Auch das Paar aus Japan, das seit gestern das Zimmer mit uns
teilt, ist schon auf den Beinen. Nach einem schnellen Kaffee in
"unserer" Hostelküche gehen wir zur Bushaltestelle, wo schon unser Bus
von "Cal-Tour" bereit steht. Um 09.00 Uhr geht die zweistündige Fahrt
durch die patagonische Landschaft los. Kurz bevor wir in die Region des
Nationalparks "Parque National los Glaciares" gelangen, steigt eine Dame
in den Bus und verlangt von jedem 30 Pesos Eintritt. Nach einer weiteren
halben Stunde kommen wir am Ausgangspunkt für den Gletscherbesuch an.
Den gewaltigen 5 Kilometer breiten und bis zu 60 Meter hohen Gletscher
können wir von verschiedenen Aussichtspunkten aus beobachten. Diese
Balkone, wie die Aussichtspunkte genannt werden, sind durch schöne
Treppen und Wege miteinander verbunden. Der "Perito Moreno" ist zwar
nicht der grösste Gletscher in diesem Nationalpark, dafür aber der
aktivste und attraktivste. Immer wieder löst sich ein Eisblock von der
Gletscherwand und fällt mit lautem Getöse in den "Lago Argentino".
Dieses beeindruckende, spektakuläre Schauspiel beobachten wir ein paar
Mal in den zwei Stunden, in denen wir zwischen den verschiedenen
Balkonen spazieren. Auch ist dieser Gletscher einer der wenigen, der
stetig wächst. Auf die Bootsfahrt um den Gletscher verzichten wir, denn
man sieht den Gletscher von den Balkonen aus genug nahe. Wir können
diese 70 Pesos, was das Ganze kosten würde, gut sparen ohne etwas zu
verpassen. Da unser Bus erst um 16.00 Uhr nach "EL Calafate"
zurückfährt, müssen wir noch drei Stunden hier warten. Leider gibt es
nur einen kleinen Kiosk, der zwar Kaffee und Snacks anbietet aber keinen
Raum, um zu sitzen. Nur draussen an der Kälte hat es ein paar Tische und
Bänke. Irgendwie vergehen aber die Stunden, und der Bus holt uns
pünktlich ab. Zurück in "El Calafate" machen wir uns in der Hostelküche
ein kleines Abendessen, aktualisieren unsere Portadapage und genehmigen uns
im Pub "Casablanca" ein flüssiges "Bettmümpfeli".
Samstag 17. Dezember
Auch heute morgen schrillt der Wecker. Diesmal sogar
schon um 06.30 Uhr. Um 07.30 Uhr wartet an der Bushaltestelle wiederum
ein "Cal-Tour" Bus auf uns, der uns in einer vierstündigen Reise nach
"El Chalten" an den "Lago Viedma" bringt. Die Fahrt ist etwas eintönig
und holperig. Die Strassen auf diesem Teil der bekannten Route 40 sind
sandig, steinig und trocken, da sie nicht asphaltiert sind. Auch die
Umgebung gibt nicht viel Sehenswertes her. Es gibt nur Staub, ein paar
trockene Büsche und Steine zu beobachten, eine typisch patagonische
Einöde halt. Mitten im Nirgendwo dieser Wüste kommt uns ein Bus der
selben Firma entgegen. Wir halten an und werden aufgefordert in den
anderen Bus umzusteigen. Warum wissen wir nicht genau, denn auch der
entgegenkommende Bus hat Leute, die nun in unseren Bus umsteigen müssen.
Sogar der Chauffeur wechselt das Gefährt und eigentlich bleibt ausser
dem Bus alles beim alten. Uns soll es recht sein, denn der zweite Bus
ist nicht so brutal klimatisiert, wie der erste. Nach einer weiter
Viertelstunde halten wir schon wieder, und uns wird mitgeteilt, dass wir
nun in einen "TASQE-Bus" umsteigen müssen. Wir steigen auf jeden Fall
aus und sehen erst jetzt, dass wir vor einem kleinen Restaurant Halt
machen. Es liegt an einem Flusslauf und sieht für uns wie eine Oase
mitten in der Wüste aus. Anscheinend ist das hier ein Kaffeehalt, denn
die meisten Leute trinken Kaffee oder holen sich etwas zu essen. Das
spezielle hier ist das junge, zahme Guanako, das hier bei der Familie
samt Schäferhund und Hühner zu wohnen scheint. Es lässt sich
bereitwillig von den Touristen streicheln und fotografieren. Nach der
Pause steigen Marco und ich wie geheissen in den gut geheizten "TASQE-Bus"
ein. Erst als dieser losfährt, merken wir, dass wir als Einzige aus
unserer ursprünglichen Reisegruppe umgestiegen sind. Wir sind da wohl
auf einen Witz, den wir nicht verstanden haben, hereingefallen. Kurz
Bevor wir das Dorf "El Chalten" erreichen, halten wir noch einmal an,
und wir werden gebeten auszusteigen, um uns hier im
Touristeninformationsbüro erklären zu lassen, was man in der Umgebung
unternehmen kann. Marco und ich nutzen diese Gelegenheit, um uns wieder
unserer ursprünglichen Reisegesellschaft anzuschliessen. Im
Touristinformationsbüro werden wir mit einer kleinen Karte der Umgebung
und möglicher kleinerer und grösserer Wanderrouten ausgestattet.
Ausserdem erfahren wir hier, dass der "Parque national los Glaciares"
mit seinen 600'000 Hektaren der grösste Nationalpark Argentiniens ist
und dass der Viedmagletscher der grösste Gletscher in diesem Park ist.
Nach den interessanten Erläuterungen steigen wir in unseren
ursprünglichen Bus und werden nach "El Chalten" gefahren. Von hier aus
machen Marco und ich eine kleine Wanderung zum "Mirador Fitz Roy" =
Aussichtspunkt zum Fitz Roy. Ein schön angelegter, zum Teil steil
ansteigender, schmaler Weg führt uns durch die wunderbare Natur dieser
Bergwelt der Anden. Nach ca. einer Stunde kommen wir zum Mirador, von wo
aus man den markanden "Cerro Fitz Roy", der 3405 m hoch und der
höchste Berg dieser Gegend ist, sehen könnte. Leider ist das Wetter
heute nicht so klar, und der Berg ist von einer dicken Wolke eingehüllt.
Ausserdem windet es so stark, dass es uns beinahe vom Aussichtspunkt weht, und deshalb
verweilen wir hier nicht zu lange und suchen bald einen windgeschützten
Ort, wo wir picknicken können. Danach kehren wir wieder nach "El Chalten"
zurück, wo wir in einem Hostelcafé etwas trinken und im dazu gehörigen
Reisebüro einige Informationen für unsere Weiterreise nach "Ushuaia"
erhalten. Um 18.00 Uhr fahren wir dann wieder durch das Hinterland
Patagoniens nach "El Calafate" zurück. Unser Eindruck, was diesen Teil
des patagonischen Hinterlandes auszeichnet, wollen wir an dieser Stelle
einmal etwas genauer beschreiben. Es ist ein weites, ebenes,
mehrheitlich trockenes Land mit wenig Vegetation, durchzogen mit ruhigen
Flüssen und grossen Gletscherseen. Die überdimensionale Weite dieses
wüstenähnlichen, sandigen Landes und die tief hängenden, speziellen
Wolkenformationen strahlen eine idyllische Stimmung und grosse Ruhe aus.
Die wenigen unasphaltierten, sandigen und staubigen Strassen führen in
dieser kilometerlangen Einsamkeit und Wüste, die wir durchqueren, immer
wieder an einer "Estancia" = Bauernhof vorbei, die meistens an einem
Flusslauf liegt und auf uns wie eine kleine Oase wirkt. In dieser
unendlichen Weite bilden am Horizont die schneebedeckten Gipfel der
Anden eine wunderschöne Naturkulisse und ein traumhaftes Wandergebiet
durch Wälder und durch eine alpine Flora. Dieser Kontrast zwischen Himmel,
Erde und Berge ist vor allem in der Abenddämmerung atemberaubend schön.
Heute Abend kommen wir erst um 22.00 Uhr in "El Calafate" an, gehen
schnell ins Hostel, um den Staub von uns abzuduschen und anschliessend
ins Dorf noch etwas essen, bevor wir müde in die Betten fallen.
nach
oben
El Calafate - Puerto Natales (Chile)
Sonntag 18. Dezember
Nach einer kurzen Nacht verlassen wir um 06.45 Uhr
schon wieder das warme Nest. Um 08.00 Uhr müssen wir für die heutige
Reise nach "Puerta Natales" (Chile) an der Bushaltestelle sein.
Vollbesetzt mit europäischen Touristen, unter anderem etwa 5 anderen
Schweizern, fährt der Bus um 08.45 los. Gleich zu Anfang der Reise
werden wir mit einer Papierflut ausgestattet, die wir für den
Grenzübertritt ausfüllen müssen. Auf der Fahrt entscheiden Marco und ich
in "Puerto Natales" gleich einen weiteren Bus zu suchen, der uns heute
noch nach "Punta Arenas" bringt. Es ist uns irgendwie zu viel noch
einmal in einem Touristenkaff, wie "Puerta Natales", zu bleiben.
Ausserdem verzichten wir auf die sehr teure Schiffsfahrt durch die
chilenischen Fjorde nach "Puerto Montt". Dieses Schiff wird
ausschliesslich von Touristen benutzt, was nicht unserem Gusto
entspricht. Auch finden wir keine Informationen von einer Zugverbindung
von "Puerto Natales" nach "Rio Gallegos". Nach etwa dreistündiger Fahrt
erreichen wir in "Rio Turbio", den Grenzort von Argentinien. Hier müssen
wir aussteigen, am Zoll die Ausreisepapiere abgeben und unsere Pässe
vorweisen und abstempeln lassen. Danach fahren wir noch etwa eine halbe
Stunde durch argentinisches Gebiet, bis wir in "Dorotea" am chilenischen
Zoll sind. Hier müssen wir ein weiteres Mal aussteigen, unsere Pässe für
die Einreise abstempeln lassen und die Papiere für die Einreise
vorweisen. Ausserdem müssen wir hier den Zettel für die
deklarationspflichtigen Sachen abgeben und unser Handgepäck prüfen
lassen. Was wir nicht wussten ist, dass man keinerlei unabgepackte
Esswaren über die Grenze mitnehmen darf. So müssen wir Marco's Salami
Sandwich, meine zwei Äpfel und ein Mandarinchen am Zoll zurücklassen.
Fein säuberlich werden diese Artikel von einem Beamten in einem grossen
Buch erfasst und von uns unterschrieben. Wir dürfen diese Lebensmittel
nicht einmal mehr hier am Zoll essen! Na ja, andere Länder, andere
Sitten, für das nächste Mal wissen wir es dann besser. Die weiteren
Berichte unserer chilenischen Abenteuer sind nun im
Reporte Chile
zu erfahren.
nach
oben
Ushuaia
Freitag 23. Dezember
Die elfstündige Busfahrt führte uns von "Punta Arenas"
über die chilenisch-argentinische Grenze nach "Ushuaia"
(siehe
Reporte Chile).
In der ersten Nacht in "Ushuaia" haben wir das Sechsbettzimmer im Hostel "Posada del duende" beinahe für uns allein. Spät in der Nacht
gesellt sich noch zusätzlich einer der drei jungen Israelis zu uns. Um 09.30 Uhr
begeben wir uns zum Frühstück, das im Preis inbegriffen ist. Die
Argentinierin, die uns den Kaffee aufbrüht, ist hier in Ushuaia geboren
und aufgewachsen und wohnt zusammen mit ihrem Mann Estevan, der das Hostel verwaltet, gleich im Haus nebenan. Im Gespräch
mit der jungen Frau bekommen wir den Eindruck, dass sie mit ihrem Leben
hier sehr zufrieden ist und kein Verlangen hat diesen Ort am Ende der
Welt zu verlassen. Nach dem Frühstück gehen Marco und ich in die Stadt,
um nach der Busstation zu suchen und unsere Reise weg vom Ende der Welt
zu organisieren. Es gibt hier keinen eigentlichen Busbahnhof, sondern
nur eine Ein- und Aussteigestelle. Wir finden auch kein Büro von
irgendwelchen Busunternehmen und fragen erst einmal nach dem Touristinfo.
Dort erfahren wir, dass nur der "Tecni austral" von hier aus nach "Rio
Gallegos" fährt, und die einzige Alternative das Flugzeug ist. Als wir
endlich im Busbüro unsere Fahrkarten für den 25. Dezember kaufen wollen,
werden wir enttäuscht, denn erstens fährt am Sonntag kein Bus, und
zweitens sind die Busse bis zum 28. Dezember vollständig ausgebucht. Da
wir den Luxus geniessen, viel Zeit zu haben, stresst es uns nicht
unbedingt länger hier in "Ushuaia" zu bleiben als geplant. Wir werden in
dieser Zeit mit dem Touristenzug "Tren del fin del mundo" fahren, eine
Bootsfahrt zu den umliegenden Inseln machen, relaxen und die Weiterreise
organisieren. Nun gehen wir noch einmal in den Laden und machen
Grosseinkauf für die nächsten paar Tage. Am Nachmittag sind wir im
Hostel ganz allein, schreiben Reportes und nutzen den kostenlosen Internetanschluss, um E-Mails zu versenden.
Beim Nachtessen im Hostel lernen wir zwei Frauen aus Deutschland kennen.
Nina hat in Ecuador für drei Monate spanisch gelernt und hat dort bei
einem Hilfsprojekt mit Kindern gearbeitet. Danach ist sie durch Chile
gereist und jetzt noch ein bisschen durch Argentinien. Diana absolviert
in "Valdivia" (Chile) ein Austauschjahr und lernte da auch Nina kennen,
mit der sie nun seit einiger Zeit herumreist. Es sind zwei sehr nette
und interessante Frauen. Wir treffen an diesem Abend auch noch Alex,
ebenfalls aus Deutschland, der auch schon durch Chile gereist ist. Wir
quetschen ihn dann auch gleich noch ein bisschen über die "Careterra
austral" aus, die er per Autostop bereist hat. Ein wenig später taucht
Fernandez auf, ein Argentinier aus Buenos Aires, der Silberschmuck
herstellt und verkauft. Scheinbar läuft sein Geschäft hier am Ende der
Welt nicht so gut wie geplant. Er wird übermorgen wieder in die
Hauptstadt zurückfliegen. Für morgen machen wir mit Nina und Diana ab
hier im Hostal gemeinsam Weihnachten zu feiern. Dazu werde ich für uns
ein Festessen kochen. Alex ist schon verabredet, Fernandez feiert wie
die meisten Argentinier Weihnachten im Familienkreis. Somit ist Marcos
und meine Weihnachtsfeier auch schon organisiert, und wir freuen uns,
den Abend mit den zwei "Chicas" zu verbringen.
Samstag 24. Dezember
Wir verbrachten eine sehr unruhige, beinahe
schlaflose Nacht, denn die 4 jüdischen Jungs und Mädchen flüsterten die
ganze Nacht irgendwelche Gebete, oder was es auch immer war, vor sich
hin. Beim Frühstück erfahren wir, dass wir anscheinend nicht die
einzigen sind, die wegen des Geflüsters nicht schlafen konnten. Heute
machen wir deshalb einen ruhigen Tag. Ausserdem regnet es auch, so dass
die Zugfahrt eh ins Wasser fällt. Mit Einkaufen, Vorbereitungen für die
Weihnachtsfeier, Geschenke besorgen und Weihnachts-Mails verschicken
vergeht der Tag im Nu. In einem argentinischen Weihnachtsgeschäft mache
ich Bekanntschaft mit dem berüchtigten Zettelkonzept: Man ziehe einen
Zettel mit Nummer, etwa so wie in manchen Postämtern in der Schweiz und
wartet, bis man aufgerufen wird. Dann erklärt man, was man möchte,
bekommt einen Zettel mit der Rechnung und wird an die Warteschlange an
der Kasse verwiesen, wo man bezahlt und dort den Quittungszettel
bekommt, um die Ware abzuholen. Selbstverständlich wird man bei jedem
Zettelposten von einer anderen Person bedient. Komplizierter geht es
nicht mehr! Dafür werden mit diesem Konzept zusätzlich ein paar
Arbeitsplätze geschaffen. Am Abend quartiert sich Gregorie, ein Franzose,
noch in unserem Hostel ein, und wir laden ihn gleich zu unserer Feier
ein. Nina und Diana gehen um 20.00 Uhr in die Kirche an die
Weihnachtsmesse. Während ich mich in der Küche austobe, trinken Marco
und Gregorie ein Bier zusammen und reden über dieses und jenes, vor allem
aber natürlich übers Reisen. Gregorie ist wie wir für unbestimmte Zeit
unterwegs, bis ihm das Geld ausgeht. Er schwärmt sehr von Bolivien, wo
er vor kurzem war. Marco und ich entscheiden uns immer mehr dafür, auch
nach Bolivien zu reisen, da wirklich alle Leute, die wir treffen, hell
begeistert von diesem Land sind. Um 21.30 kommen Nina und Diana von der
Kirche zurück, und die Feier kann beginnen. Es wird ein sehr schöner
Abend, den alle geniessen. In der Ecke des Esszimmers steht sogar ein
kleiner Weihnachtsbaum mit Elektrokerzen, den Marco und ich vom unteren
Stock heraufgeschleppt haben. Bis um drei Uhr morgens sitzen wir
zusammen, sprechen über Gott und die Welt, tauschen Reisetipps aus,
hören Musik, essen und trinken, machen Bescherung und lassen es uns so
richtig gut gehen. Tief in der Nacht tauchen noch Fernandez und Esteban
auf, um uns fröhliche Weihnachten zu wünschen. Selbstverständlich
tauschen wir mit den beiden Frauen, die morgen weiterreisen, die
Mail-Adressen aus. In zwei Wochen wollen wir sie in Chile, in "San
Pedro", wieder treffen.
Sonntag 25. Dezember
Nach einer kurzen aber ruhigen Nacht geniessen Marco
und ich zusammen mit Gregorie ein spätes Weihnachtsfrühstück. Nina und
Diana sind bereits weg, denn ihr Bus ist schon um 07.30 Uhr in Richtung
"Punta Arenas" losgefahren. Am Nachmittag schaut Fernandez nochmals im
Hostel vorbei, um schöne Weihnachten zu wünschen und um sich von Alex
und uns zu verabschieden. Er wird in einer Stunde nach "Buenos Aires"
fliegen. Erst einmal führt er uns aber in die hohe Kunst der
Mate-Zubereitung ein. Das Wasser für den Tee darf nicht mehr und nicht
weniger als 90 Grad betragen, die "Yerbas", wie die Kräuter genannt
werden, füllt man etwas schräg in die spezielle Tasse ein und übergiesst
diese anschliessend. Allerdings muss immer ein Teil der Kräuter trocken
bleiben. Die Tasse wird dann herumgereicht und immer wieder mit Wasser
nachgefüllt. Wenn die Kräuter obenauf schwimmen, werden frische "Yerbas"
aufgefüllt. Bis Fernandez zum Flughafen gehen muss, trinken wir also
Mate und sprechen über das Rauchen und das Mate trinken. Marco und ich
können uns vorstellen, dass die Argentinier weniger rauchen, weil sie
immer und überall mit anderen Leuten Mate trinken. Fernandez meint zwar,
dass dies nicht wirklich so ist. Nach einer langen Siesta machen Marco
und ich einen Weihnachtsspaziergang über die Bucht von "Ushuaia". Es
windet sehr stark und es ist kalt, ab und zu fällt ein Tropfen vom
Himmel, und uns kommt es nicht so vor, als wären wir in Südamerika. Nach
einer halben Stunde kehren wir in die Stadt zurück und wärmen uns in
einer "Chocolateria" mit heisser Schokolade wieder auf. Heute Abend
kochen wir uns ein einfaches Mal und schauen TV. Überall in Argentinien
gibt es Satelliten-TV mit sehr vielen Sendern, die jeden Tag gute Filme
bringen. Etwa um 23.00 Uhr kommt Esteban mit der Mitteilung, dass Marco
und ich in die obere Etage in ein 4-er Zimmer umziehen können. Das
machen wir sehr gerne, zudem wir das Viererzimmer ganz für uns alleine
haben, da beinahe alle Leute bis auf uns, Gregorie und zwei Jungs aus
Israel, weitergereist sind.
Montag 26. Dezember
In unserem neuen Zimmer schlafen wir wie die
Murmeltiere, ohne von irgendwelchen Gebeten oder flüsternden
Zimmerbewohnern gestört zu werden. Leider ist auch heute das Wetter eher
bescheiden. Der Himmel ist von dunkeln Wolken behangen, und es sieht
sehr nach Regen aus. Trotzdem entscheiden wir uns heute mit dem
berühmten Touristenzug "Tren del fin del mundo" zu fahren. An der "Calle
San Martin" kaufen wir in einem der zahlreichen Reisebüros zwei Tickets
für je 55 Pesos. Bevor wir mit dem Bus zu der Zugstation fahren, wärmen
wir uns in einer Bar an einem heissen Tee auf. Der Bus, der vom Hafen
aus fährt, wartet um 14.00 Uhr bereits auf uns. Für die Hin- und
Rückfahrt bezahlen wir noch einmal 20 Pesos. An der Station des Zuges
müssen wir das Ticket vom Reisebüro dann noch in echte "Boletos"
umtauschen und werden noch einmal je 20 Pesos los, da der Zug
zufälligerweise durch einen kleinen Teil des Nationalparks "Tierra del
fuego" fährt. Wir kommen uns etwas abgezockt vor, da der Mensch im
Reisebüro kein Wort davon erwähnt hat, dass uns für die Zugfahrt noch so
viele Nebenkosten entstehen! Der dampfbetriebene Zug ist aber wirklich
"herzig" und schlängelt sich durch die grüne Natur mit schönen Wäldern
und vielen blühenden Löwenzahnblumen dem "Rio Pipo" entlang. An der "Estacion
Cascada la Macarena" machen wir einen zehnminütigen Halt. Leider regnet
es immer noch, und Marco steigt nur schnell aus, um ein paar Fotos zu
machen. Danach geht die Fahrt weiter bis zur "Estacion del Parque". Hier
wird die Lok abgekoppelt und für die Rückfahrt an das andere Ende des
Zuges angehängt. 10 Minuten später fahren wir die selbe Strecke wieder
zurück und machen bei der Zwischenstation noch einmal einen Halt. Jetzt
regnet es nicht ganz so heftig, und wir können noch einmal ein paar
Fotos schiessen. Zurück an der "Estacion del fin del mundo" wartet
wenig später schon der Minibus auf uns, der uns zurück in die Stadt
fährt. Heute Abend essen wir in einem kleinen Restaurant, wo wir einen
reiseerfahrenen Liechtensteiner treffen, mit dem wir den heutigen Abend
verbringen.
Dienstag 27. Dezember
Gestern ist es etwas spät geworden, und so geniessen
wir es in unserem immer noch privaten 4er Zimmer ausschlafen zu können.
Nach einem späten Frühstück und einigen Internetrecherchen gehen wir in
ein Internetcafe, um die Fotos auf CD zu brennen und die via Internet
gekauften Bustickets auszudrucken. In einem Café schreiben wir noch ein
paar Karten, die wir später zusammen mit den CDs auf die Post bringen,
um sie in die Schweiz zu schicken. Während Marco seine Siesta einlöst,
spreche ich im Hostel mit André, einem Franzosen, der gestern ins
Zweierzimmer neben uns eingezogen ist. Er ist schon vielerorts in
Argentinien herumgekommen und kennt ein gutes Hostel in Salta. Ich lade
ihn für heute Abend zum Essen ein, dann haben wir mehr Zeit, um
miteinander Erfahrungen und Reisetipps auszutauschen. Als ich gerade
anfange zu kochen, zieht ein Schweizer in unser Zimmer ein, der gleich
auch zum Essen eingeladen wird. Ich koche einen Gemüserisotto und mache
einen Salat dazu. Schlussendlich sind wir zu fünft, denn auch Gregorie
wird selbstverständlich zum Essen bleiben. Wir erleben einen sehr
schönen letzten Abend in unserem Hostel. Später kommt noch Esteban
vorbei, um sich von Marco und mir zu verabschieden und natürlich
tauschen wir E-Mail Adressen aus.
nach
oben
Ushuaia - Rio
Gallegos - Comodoro Rivadavia - Esquel
Mittwoch 28. Dezember
Nach etwa bescheidenen 4 Stunden Schlaf werden wir um
04.45 Uhr vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Um 05.00 Uhr machen wir
uns zu Fuss auf den Weg zur Busstation, wo schon unser Bus bereit steht.
In "Rio Grande" gibt es eine kurze Pause, und wir müssen wie bereits bei
der Hinreise in einen anderen Bus umsteigen. Nach etwa einer halben
Stunde geht die Reise dann weiter. Jetzt bekommen wir auch wieder einen
Kaffee und Medialunas vom Stewart serviert. Bis zur ersten Grenze in
"San Sebastian" können wir dann ein bisschen schlafen. Nach der
argentinischen Grenze, wo der ganze Papierkrieg sehr angenehm und
schnell abgewickelt wird, fahren wir noch einmal etwa eine halbe Stunde,
bis wir an der chilenischen Grenze unsere Pässe wieder vorweisen müssen.
Kurz nachdem die Fähre für die Fahrt über die Magellanstrasse abgelegt
hat, taucht plötzlich eine Ambulanz mit Blaulicht auf. Tatsächlich kehrt
das Schiff nochmals zum Hafen zurück und schafft Platz für den
Krankenwagen. Danach
kommen wir noch einmal an die chilenische und argentinische Grenze, wo
wir wieder zwei mal aussteigen müssen, um unsere Papiere und Pässe
abstempeln zu lassen. Schliesslich erreichen wir "Rio Gallegos" um 17.30
Uhr. Unser Bus nach "Comodoro Rivadavia" fährt erst um 20.15 Uhr, und so
verbleiben uns noch drei Stunden des Wartens. Der Liechtensteiner, der
mit dem selben Bus gereist ist, muss auch auf seinen Anschluss nach "El
Calafate" warten. Mit Reden und Reisepläne austauschen vergeht dann die
Zeit noch relativ schnell. Ungewöhnlich pünktlich um 20.00 Uhr trifft
der Andesmar Bus ein, und bald darauf geht die Reise los. Wieder einmal
mehr werden wir mit einem warmen Nachtessen bedient, und es werden zwei
Filme gezeigt. Wir sind aber beide so müde, dass wir bald tief und fest
in den bequemen Semi Cama Sesseln einschlafen.
Donnerstag 29. Dezember
Nach einer komfortablen und ruhigen Nachtbusfahrt
kommen wir um 06.45 Uhr einigermassen ausgeruht in "Comodoro Rivadavia"
an. Nachdem wir unsere Rucksäcke in Empfang genommen haben, machen wir
uns erst einmal etwas frisch. Danach gehen wir zu den Büros der
verschiedenen Busunternehmen und erkundigen uns, wie wir von hier nach
Chile gelangen. Es gibt nur ein einziges Busunternehmen, das direkte
Verbindungen leider nur am Dienstag und Samstag nach "Coyhaique" (Chile)
anbietet. Marco und ich haben keine Lust hier in dieser hässlichen
Industriestadt zu bleiben und entscheiden uns heute Abend nach "Esquel"
weiter zu reisen. Wir ergattern glücklicherweise die letzten Tickets des
Nachtbusses beim Unternehmen "Don Otto", der um 22.30 Uhr fährt. Wieder
einmal müssen wir Zeit tot schlagen, die wir lieber reisend verbracht
hätten. Aber da nutzt uns alles Jammern nicht, und darum nehmen wir
unsere Rucksäcke, wandern in die Stadt in ein Restaurant und trinken erst
einmal einen oder zwei Kafis. Im nächsten Restaurant bei einem weiteren
Kaffee schreiben wir Reportes und lesen Guías von Chile,
Uruguay und Paraguay. Später absolviere ich eine längere Session im
Internet Café, während Marco den Coiffeur besucht. So vergehen wieder ein paar Stunden. Um etwa 19.00
Uhr gehen wir mit unseren Rucksäcken zurück zur Busstation und stellen
für 1 Peso pro Stunde und Gepäcksstück unsere "Mochillas" ein. Um 20.00
Uhr suchen wir das Kino und schauen den Disney Kinderfilm "Chicken little".
Der Film ist in argentinischer Sprache, und wir verstehen zugegeben nicht
alles, aber da die Handlung der Geschichte relativ einfach ist, ist es
kein Problem für uns. Insgesamt ist es ein lustiger, herziger Film. Uns
beeindruckt die Architektur dieses Kinos. Es ein grosser, oval
geformter, zweistöckiger Raum. Auf der zweiten Etage befinden sich die
Balkone, die ähnlich wie die Logenplätze eines Opernhauses in
abgeschlossene Bereiche unterteilt sind. Nach dem Kino dauert es dann auch nur noch eine Stunde, bis der Bus um 22.30
Uhr eintrifft. Wir bekommen noch ein Sandwich und machen es uns in der
hintersten Reihe des einstöckigen Busses so gut wie möglich bequem.
Freitag 30. Dezember
Auch im "Don Otto" Bus sind die Semi Cama Sessel sehr
bequem. Zwei Dinge gibt es aber, die uns in der letzten Reihe am Schlafen
hindert, erstens die Klimaanlage, die uns die kalte Luft um den Kopf
windet und der Duft des Klos, das sich genau neben uns befindet. In
einem einstöckigen Bus werden wir hoffentlich nie mehr in der hintersten
Reihe die letzten Plätze bekommen. Wir sind aber trotzdem froh in diesem
Bus Richtung "Esquel" zu sitzen und wieder ein Stück weiter nach Norden
zu gelangen. In "Esquel" kommen wir um 08.00 Uhr an. Nach dem
Morgenkaffee fragen wir an den "Ventanillas" = Bürofensterchen der
verschiedenen Busunternehmen nach einer Möglichkeit, von hier aus nach
Chile zu gelangen. Leider werden wir auch hier enttäuscht. Es gibt nur
ein bis zwei Busunternehmen, die aber nur bis an die Grenze fahren. Von da
aus muss man dann selber schauen, wie man weiter kommt. Wieder einmal
mehr spüren wir, dass die Argentinier und die Chilenen nicht gerade die
besten Freunde zu sein scheinen. Wir entscheiden uns also eine Nacht
hier zu bleiben und morgen früh mit "Andesmar" via Bariloche nach
"Puerto Montt" (Chile) zu fahren. Nachdem wir unsere Tickets gekauft
haben, suchen wir zu Fuss das Zentrum des hübschen und ruhigen "Esquel".
In einem Touristinfo erkundigen wir uns nach einer Hotelliste, mit der
wir uns auf die Suche nach einem Bett machen. In "Esquel" ist
anscheinend noch keine Touristensaison, denn viele Hotels sind
geschlossen, und es hat beinahe keine Leute auf der Strasse. In dem
einfachen, hübschen "Hotel Ski" an der Calle San Martin finden wir für
eine Nacht ein schönes Doppelzimmer mit Dusche und WC. Gleich neben dem
Hotel gibt es eine Wäscherei, wo ich wenig später unsere schmutzige
Wäsche abliefere und meinen Namen hinterlasse. Jetzt ist es an der Zeit
das Dorf etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. "Esquel" ist ein
ruhiger, nicht sehr touristischer Ort an der Grenze der Provinzen "Chubut"
und "Rio Negro". Es gibt einen sehr schönen Nationalpark, "Parque
Los
Alerces", den man unbedingt besuchen sollte, wenn man mehrere Tage in "Esquel"
bleibt. Da Marco und ich endlich so schnell wie möglich nach Chile
möchten, sind wir hier nur auf Durchreise. Falls wir aber wieder einmal
in dieser Gegend sind, werden wir noch einmal vorbeischauen. Ganz
in der Nähe von "Esquel" gibt es auch ein Skigebiet, "La Hoya", das man
sehr bequem mit einem Touristenbus erreichen kann. Um 15.00 Uhr hole ich
die frisch gewaschene, trockene und zusammengefaltete Wäsche ab und
bezahle 10 Pesos für den wiederum sehr guten Service. Nun ist erst
einmal Siesta angesagt, denn nach drei mehr oder weniger lockeren
Nächten fühle ich mich ziemlich schlapp. Nach einer erfrischenden Dusche
machen wir uns um 19.00 Uhr auf die Suche nach einer Bar. Wieder einmal
mehr stellen wir fest, dass es in Argentinien nur sehr wenige Bars gibt.
Hier ist es üblich in ein Café zu gehen, wo man auch Wein, Bier und
andere alkoholische Getränke bekommt. Nach einem Spaziergang durch
einige Blöcke finden auch wir ein Restaurant, wo wir Picadas essen und
Wein bzw. Bier dazu trinken. Später am Abend essen wir in einer Parilla
ein feines Stück Rindfleisch, bevor wir zurück in unser Hotelzimmer
gehen.
nach
oben
Esquel - Bariloche -
Puerto Montt (Chile)
Samstag 31. Dezember
Heute ist wieder einmal nichts mit ausschlafen. Da
unser Bus bereits um 08.00 Uhr losfährt, machen wir uns zu Fuss mit Sack
und Pack um 07.30 auf den Weg zum "Terminal de Omnibuses". Hier wartet
bereits der Bus nach "Bariloche" auf uns. Die Fahrt führt uns durch die
hübsche Landschaft der Region "Los Lagos". Wunderschöne Seen, Wälder
und Blumenwiesen präsentieren sich vor einer imposanten Bergwelt. Hier
fühlt man sich fast ein bisschen wie in der Schweiz. Zwischen "Esquel"
und "Bariloche" fahren wir nordwärts auf der bekannten Route 40, wo wir
auch einen Halt in "El Bolson" und "El Hoyo" einlegen. In "Bariloche"
müssen wir unsere Weiterfahrt-Tickets beim "Ventanilla" von "Andesmar"
vorweisen, damit unsere Namen in die Liste für den Zoll aufgenommen
werden können. Jetzt bleibt uns noch eine Stunde, bis der Anschlussbus
weiterfährt. An dieser Busstation gibt es zum Glück ein Kaffee, in dem
wir uns einen Platz erobern, Kaffee trinken, Sandwich essen und
Reportes schreiben. Mit einer Stunde Verspätung fahren wir in
Bariloche um ca. 14.30 Uhr Richtung "Puerto Montt" ab. Auch auf dieser
Strecke fahren wir durch die Region "Los
Lagos". An der argentinischen Grenze geht die Abwicklung am Zoll relativ
schnell. Jeder Passagier wird anhand der Sitzplatzliste mit Namen
aufgerufen und muss den Pass abstempeln lassen. Bei der chilenischen
Grenze ist alles etwas komplizierter. Zwar läuft auch hier das
Abstempeln der Papiere in der selben Reihenfolge ab wie zuvor, aber alles
Gepäck wird noch zusätzlich geröntgt. Während der eine Chauffeur bei der
Abwicklung der Immigration der Passagiere behilflich ist, räumen der 2.
Chauffeur und der Steward alle Gepäckstücke aus dem Kofferraum, während
die chilenischen Zöllner nur herum stehen und dem Treiben zuschauen. Als
alles Gepäck auf und neben dem Förderband liegt, bemüht sich einer der
Zöllner an den Überwachungsbildschirm, lässt das Förderband laufen und
kontrolliert den Inhalt der Koffer, Rucksäcke und Taschen. Vor allem
wird alles nach Nahrungsmittel durchsucht, denn zwei Taschen werden
herausgenommen, vom Besitzer ausgeräumt, und die organischen Esswaren,
vom Apfel bis zum Sandwich, werden konfisziert. Nach der Röntgerei muss
alles wieder in den Bus geladen werden, wobei die chilenischen Zöllner
selbstverständlich wiederum keinen Finger rühren. Die
nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Chile und Argentinien sind
nicht wirklich besonders freundlich. Nach etwa einer Stunde geht die
Fahrt auf chilenischem Gebiet weiter. Der nächste Halt ist "Puerto Varas",
einem von deutschen Einwanderern gegründetem Dorf, nicht weit von "Puerto Montt" entfernt. Es ist bereits 21.00 Uhr, und da heute schliesslich
Silvester ist, überlegen Marco und ich für einen Moment, ob wir nicht
schon hier aussteigen wollen. Wir entscheiden uns aber dagegen, da es in
"Puerto Montt" bessere Möglichkeiten gibt, zur Insel "Chiloe" oder auf
die "Carretera Austral" zu gelangen. Um 21.40 Uhr haben wir es dann
endlich geschafft, wir treffen am Terminal in "Puerto Mott" ein. Jetzt
wollen wir nur noch unsere Rucksäcke, ein Taxi suchen und auf dem
schnellsten Weg ins Zentrum, um in einem Hotel ein Zimmer zu buchen. Aber
oh weh, mein blauer Rucksack ist nicht mehr da! Irgend jemand hat ihn
absichtlich oder unabsichtlich schon mitgenommen. Und das trotz dem
System, dass jedes Gepäckstück mit Nummer versehen wird! Anscheinend ist
die Überprüfung dieser Nummern nicht wirklich relevant. Mich ärgert es
und den Buschauffeuren tut es leid, aber ich merke schnell, dass sie
mein Dilemma nicht unbedingt interessiert. Freundlicherweise wird mir
noch gesagt, dass ich mich morgen am "Ventanilla" von Andesmar melden
soll, dann werden sie dann weiter sehen. Meinen Rucksack mit Inhalt
werde ich wohl nie mehr zu Gesicht bekommen. Immerhin sind nur ein paar
Dollars im Wert von etwa 200 Franken, aber keine anderen Wertsachen wie
Ausweise und Pässe, darin. Mühsam ist es trotzdem, da ich jetzt gar keine
Kleider mehr zum Wechseln habe, ausserdem sind meine guten Schuhe und
die gute Regenjacke weg! Ja, nun suchen wir doch erst einmal ein Taxi und
lassen uns vor das Hotel "La Colina" fahren. Hier buchen wir ein
Doppelzimmer für zwei Nächte. Mittlerweile ist es bereits 22.45, und wir
wollen über den ganzen Frust hinweg nicht noch den Silvester verpassen.
Wir machen uns also auf den Weg, um in der Stadt ein Restaurant zu
suchen. Das ist einfacher gesagt als getan, denn die meisten Restaurants
sind geschlossen, und das eine das offen hat, ist vollkommen ausgebucht.
Nach etwa einer halben Stunde vergeblichen Suchens rufen wir ein Taxi
und lassen uns vor ein Lokal direkt am See fahren. In dem sehr nobel
wirkenden Restaurant "Club de Yates" finden wir tatsächlich noch einen freien Tisch für
uns. Der Kellner, der uns bedient, klärt uns darüber auf, dass heute nur
das Silvester Menü serviert wird, das pro Person happige 45'000 Pesos = 150
Franken pro Person kostet. Wir tauen unseren Ohren nicht und lassen uns
den Betrag auf Papier schreiben, da wir glauben uns verhört zu haben. Es
stimmt aber tatsächlich, und wir sitzen da wie zwei begossene
Pudel, denn so viel Geld haben wir nicht bei uns. Anscheinend machen wir
einen ziemlich traurigen Eindruck, und wir dürfen etwas günstigeres aus
der Speisekarte auswählen. Selbst diese Preise sind ziemlich deftig, und
wir müssen sehr gut rechnen, damit wir nicht über unser Budget zielen.
Schlussendlich bekommen wir aber beide ein ausgezeichnetes Stück
Rindfleisch mit Beilagen, eine kleine Flasche vorzüglichen Rotwein und
ein Wasser serviert. Kurz vor 00.00 Uhr wird uns dann sogar noch ein
Glas Champagner offeriert, und wir können richtig aufs neue Jahr anstossen. Sogar
das Feuerwerk, das am See stattfindet, können wir von unseren Plätzen wunderbar
beobachten. Ansonsten gefällt uns das Ambiente im überteuerten
Restaurant nicht besonders. Uns ist auch schleierhaft, wie die
Einheimischen, die mit der ganzen Familie hier speisen, sich das leisten
können. Ziemlich früh, so um 01.00 Uhr, verlassen wir die Szene, während
die meisten Leute zu Live gesungener Musik tanzen. Anschliessend vor unserem Hotel
stellen wir mit Schrecken fest, dass das ganze Gebäude völlig im Dunkeln
liegt. Wir bekommen es mit der Angst zu tun und rechnen schon damit,
dass wir draussen übernachten müssen, obwohl uns die Hoteldame
versicherte, dass die ganze Nacht jemand hier sei. Als wir an der
verschlossenen Türe rütteln, kommt tatsächlich ein verschlafener
Nachtportier geschlurft und öffnet uns die Türe. In unserem Zimmer
begeben wir uns gleich ins Bett, denn der Tag war doch ziemlich
nervenaufreibend und anstrengend. "Happy new Year!".
Die weiteren Berichte unserer chilenischen Abenteuer sind nun wieder im
Reporte Chile
zu erfahren.
nach
oben
Salta
Mittwoch 18. Januar
Nach der gestrigen langen Reise (siehe
Reporte Chile),
verbringen wir eine kurze, ruhige Nacht im wunderschönen Hotel "Portal
de Salta" (Calle Alvarado). Wir entscheiden uns noch einmal eine Nacht hier zu
verbringen. Gegen Mittag spazieren wir durch die hübsche, im Nordwesten
von Argentinien gelegene Stadt. In einem Touristinfo bekommen wir einen
Stadtplan und viele Tipps für Ausflugsmöglichkeiten in der Stadt und in
die Umgebung. Die Stadt "Salta" ist die Hauptstadt der
gleichnamigen Provinz. Viele schöne Gebäude aus der spanischen
Kolonialzeit, wie z.B. die "Iglesia San Francisco", die Kathedrale oder
das Regierungsgebäude, prägen das Stadtbild. Wie in jeder argentinischen
Stadt gibt es auch in "Salta" grosse, grüne Parkanlagen. Im "Parque del
Lago", der gleich neben dem "Parque San Martin" liegt, gibt es sogar
einen kleinen See auf dem man Pedalo fahren kann. Nach dieser ersten
Erkundigungstour gehen wir zum Busterminal und erkundigen uns bei
verschiedenen Unternehmen nach Möglichkeiten für unsere Weiterreise nach
"Resistencia" oder "Corrientes". Auf jeden Fall gefällt uns "Salta"
bereits nach wenigen Stunden ausgezeichnet, und wir entscheiden uns noch
einmal drei weitere Tage hier zu bleiben. Unser Hotel, in dem wir zur
Zeit wohnen, ist wirklich heimelig und gediegen, sprengt aber unser
Budget. An der selben Strasse gleich gegenüber des Hotels befindet sich
das etwas einfachere aber ebenfalls sehr freundliche und hübsche Hostal
"El Aljibe" (Calle Alvarado). Wir haben wieder einmal Glück und für morgen wird ein
Doppelzimmer mit Privatbad und TV frei. Ausserdem steht uns auch in
diesem Hostal eine Küche zur Mitbenutzung zur Verfügung. Am Abend
geniessen wir den Apero unter freiem Himmel am "Plaza 9 de Julio". Einer
der zahlreichen Schuhputzer poliert Marco's inzwischen stark
abgenutzte Lederschuhe wieder auf Hochglanz. Auch finden wir im
Mikrozentrum der Stadt ein authentisches Restaurant, wo auch
einheimische Livemusik gespielt wird. Hier erfüllt Marco mir meinen
sehnlichsten Wunsch und kauft für mich bei dem bolivianischen Musiker
eine von ihm handgefertigte Panflöte. Jetzt muss ich nur noch spielen
lernen, was einfacher aussieht als es ist! Ein wunderschöner,
erlebnisreicher Tag geht zu Ende, und wir fallen müde und glücklich in
unsere Betten.
Donnerstag 19. Januar
Nach dem hervorragenden Frühstück im Hotel sind wir
mit frischer Energie getankt, die wir für den Umzug ins
gegenüberliegende Hostal brauchen können. Am Nachmittag nehmen wir uns
trotz der vielen Wolken am Himmel noch einmal Zeit, die von den Anden
umgebene, grüne Stadt "Salta" zu erkunden. Als erstes besichtigen wir
die "Iglesia San Francisco", die in der Nähe unseres Hostals steht und
in der Nacht immer so schön beleuchtet ist. Die Inneneinrichtung ist uns
aber mit den vielen kitschigen Statuen von jeglichen Heiligen viel zu
protzig und überladen. Am "Plaza 9 de Julio" befindet sich die grosse,
eindrückliche "Catedral Basilica". Auch in dieser Kirche gibt es viele
prunkvolle Gemälde, Heiligenbilder und Statuen. Hier gefällt uns aber
die Innenarchitektur bedeutend besser als in der anderen Kirche. Es
wirkt in dem viel grösseren Raum der Basilica mit den Seitengängen und
dem Innenhof, weniger überladen. Nach der Kirchenbesichtigung gehen wir
zum Bahnhof. In diesem Teil der Stadt befindet sich auch ein
Ausgangsviertel mit vielen Bars, Restaurants und Discotheken. Das
Bahnhofsgebäude steht allerdings nur noch zur Dekoration und als
Erinnerung an den "Tren a las Nubes" = Zug in die Wolken herum. Die
Einheimischen sind aber immer noch stolz auf ihren speziellen Zug, weil
er der einzige gewesen ist, der über 4000m hoch ohne Zahnrad fahren
konnte. Leider ist es tatsächlich wahr, dass der Zug in ewiger
Restauration stecken geblieben ist, und wir glauben ehrlich gesagt nicht
mehr daran, dass je wieder ein Zug in die Wolken fährt. Wir verstehen
nicht, warum die bisher grösste Touristenattraktion einfach so
verwahrlost wird. Auf dem Weg zurück in die Region unseres Stadtviertels
kommen wir am "Plaza General Güemes" mit dem schönen Regierungspalast
aus der spanischen Kolonialzeit vorbei. Danach gehen wir in die
lebendige Fussgängerzonen "Peatonal Florida" und "Peatonal Juán B.
Albaro" mit den vielen Läden und Boutiquen. Den Abend geniessen wir mit
einem weiteren kleinen Spaziergang durch die lebendige turbulente Stadt.
Freitag 20. Januar
Zu unserer Freude herrscht heute herrlich sonniges
Sommerwetter. Nach dem üblichen Morgenritual machen wir uns auf die
Socken und suchen die Station der 1987 von einem Schweizerunternehmen
aus Goldau erbauten Seilbahn. Diese bringt uns in einer achtminütigen
Fahrt hoch hinauf auf den "Cerro San Bernardo". Ein schöner Spazierweg
führt uns rund um den grünen, bewaldeten Hügel und an künstlich
angelegten Wasserfällen vorbei. Die verschiedenen Blumen und Sträucher
bieten ein Paradies für tausende grosse und kleine exotische
Schmetterlinge. Von einigen Aussichtspunkten aus hat man einen genialen
Blick auf die grosse Stadt "Salta". Am Nachmittag fahren wir mit dem Bus
"La Veloz del Norte" in die nördlich gelegene Stadt "San Salvador de
Jujuy". Auf dem Weg gefällt uns die sehr grüne, hügelige Landschaft mit
viel Wäldern und fruchtbaren Landwirtschaftszonen. Leider bilden sich
immer mehr Wolken am Himmel, und während der beinahe dreistündigen Fahrt
regnet es sogar ab und zu. "Jujuy" ist eine lebendige, bunte und sehr
lateinamerikanische, grüne Stadt. Auf den Strassen stehen vielerorts
Marktstände, wo man von Früchten über Unterwäsche und Schmuck beinahe
alles kaufen kann. Die Strassen sind auch hier, wie überall in
Argentinien leider für Fussgänger sehr gefährlich. Die Autofahrer sind
allesamt sehr rücksichtslos und haben eigentlich immer Vortritt. Ein
heftiger Regenguss, der sich vom Himmel ergiesst, treibt uns dann in ein
Café, wo wir wieder einmal sehr überrascht sind, wie niedrig die Preise
für Speisen und Getränke in dieser Provinz sind. Am Abend finden wir uns
an der sehr betriebsamen Busstation ein, wo um 18.45 Uhr unser Bus des
Unternehmens "Balut" zurück nach "Salta" fährt.
Samstag 21. Januar
Heute morgen werden wir durch das Rauschen des Regens
geweckt, welches uns schon die ganze Nacht begleitet. Trotzdem holt uns der Minibus des Reiseveranstalters "Casabindo"
um 07.15 Uhr für die Exkursion nach "Cafayata" ab. Nachdem auch die
anderen 12 Passagiere eingesammelt worden sind, fahren wir durch das "Valle
de
Lerma", das zu der Region "Valles Calchaquies" gehört. Hier werden
vor allem Tabakpflanzen angebaut. "Cerillos", "La
Merced" und "El Carril" liegen nur einige Kilometer von "Salta" entfernt
und sind derzeit das Ballungszentrum des Karnevals. Ausserdem wird in
dieser Gegend Pferdezucht betrieben und Ferien auf dem Bauernhof
angeboten. Weiter geht die Fahrt durch eine wunderschöne grüne
Landwirtschaftszone bis zu einer einsam gelegenen kleinen "Estancia",
der "Posada de las cabras". Hier machen wir einen Kaffeehalt, wo
man auch Gelegenheit hat, Ziegenkäse aus eigener Produktion zu kaufen.
Danach fahren wir weiter durch das imposante "Valle de Lerma" mit den
bekannten "Quebrada de las
Conchas". Diese uralten Vorgebirge der Anden
zeichnen sich hier durch die vielen verschiedenen Mineralienvorkommen
aus. Das Gelb, Grün, Braun und Grün der Felsen stellen einen
eindrücklichen Kontrast zu dem saftigen Grün der Bäume und Gräser und
dem Ziegelrot der Erde dar. Durch Erosionen in hunderten und tausenden
von Jahren bildeten sich Felsformationen, die an verschiedene Tiere, wie
einen Elefanten, einen Hase oder an eine Kröte erinnern. Eine
Felsformation ähnelt sehr der untergehenden Titanic, eine andere an
Schlösser und noch einmal eine andere an einen betenden Mönch. Das Tal
ist aber vor allem auch bekannt für die baumgrossen Kakteen, die
zwischen all den anderen Pflanzen wachsen. Diese Kakteen, die an
Kerzenleuchter erinnern, werden auch "Candelabras" genannt. Trotz des
Dauerregens steigen wir an einigen Aussichtspunkten aus und machen ein
paar Bilder dieser für uns exotischen und faszinierenden Natur. Als wir
das Tal verlassen und uns "Cafayate" nähern, wird die Gegend langsam
wieder flacher. Den nächsten Halt widmen wir dem Besuch der Bodega "La
Banda". Die 1857 gegründete Bodega ist die älteste der Provinz "Salta",
wurde 1955 im Krieg zerstört und 1977 wieder aufgebaut. Der Wein, den
wir zur Degustation aus Plastikbechern kredenzt bekommen, entspricht
nicht unbedingt unserem Geschmack. Einzig der Roséwein, der aus
Moscateltrauben hergestellt wird, ist eine Erwähnung wert. Beim nächsten
Halt werden wir vor einem Souvenierladen abgesetzt, wo wir wiederum
scheusslichen Wein aus Plastikbechern zur Degustation bekommen und der
wohl zum Kauf animieren soll. In "Cafayate" gibt es dann eine
eineinhalbstündige Mittagspause. Leider regnet es immer noch so stark,
dass wir nicht dazu kommen den Ort zu besichtigen. Auf der Rückfahrt
machen wir bei einer grossen Grotte, die einem Amphitheater gleicht und
bei einem andern Aussichtspunkt noch einen Halt, um Fotos zu machen. Es
regnet immer heftiger und schlussendlich sind wir froh, als wir, etwas
früher als geplant, in "Salta" vor unserem Hostal abgesetzt werden.
Alles in allem war es ein schöner Ausflug, der aber für das Angebot
etwas teuer war. Es gibt auch öffentliche Busse wie der "El Indio", der
den selben Weg durch das wunderschöne Tal nach "Cafayate" fährt. Für
jemand, der gerne Auto fährt, empfiehlt es sich, ein Auto zu mieten und
selber zu fahren.
Sonntag 22. Januar
Der gestrige Regen hat mir anscheinend gar nicht gut
getan. Zum Dank habe ich mir irgendwo in der Nässe eine
Magen-Darm-Grippe angelacht und liege mehr oder weniger flach. Da es
aber auch so ziemlich während des ganzen Tages regnet, ist es nicht so
tragisch, um den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Auch der geplante
Besuch des Karnevals in "Cerrillos" fällt buchstäblich der Grippe und
dem Regen zum Opfer. Marco verbringt den Tag mit einem Internetbesuch
und einem spanischen Fussballmatch am TV. Erst am Abend bei
nachlassendem Regen wagen wir zu zweit wieder einen Spaziergang durch
die nassen Gassen.
nach
oben
Salta - Corrientes
Montag 23. Januar
Leider ist das Wetter nicht besser. Trotzdem stellen
wir unsere Rucksäcke im Hostal ein und gehen ein letztes Mal auf
Entdeckungstour in die Stadt. Marco nutzt jede regenfreie Minute, um
noch die letzten Fotos zu machen. Um 18.00 Uhr fährt dann auch schon
unser Bus "El Norte Bis", der zum Unternehmen "Flechabus" gehört. Der
Regen, der uns auch auf der Fahrt begleitet, raubt uns leider etwas die
Sicht auf die grüne, bewaldete Gegend mit all den Flüssen und Bächen.
Wir reisen während Stunden permanent an dichten Laubwäldern vorbei.
Nachdem es dunkel geworden ist und wir zwei Filme präsentiert bekommen
haben, wird auch das Licht im Bus gelöscht, und Nachtruhe ist angesagt.
Draussen regnet es in Strömen, und die Fahrt ist ziemlich unruhig. Auf
den Naturstrassen, die wir teilweise befahren, bilden sich regelrechte
Wasserbäche, und der Bus kommt nur langsam voran. Die Klimaanlage ist
wie üblich auf Eiszeit eingestellt, und wir sind froh, dass wir mit
unseren Faserpelzjacken ausgestattet sind. Irgendwann gelingt es uns
dann aber doch noch ein bisschen zu dösen.
nach
oben
Corrientes
Dienstag 24. Januar
Überraschend pünktlich kommen wir um 07.50 Uhr in "Corrientes"
an. Der Bus war nicht unbedingt wasserdicht, und einige Fahrgäste sind
nass geworden oder bekommen ihr Gepäck vom Wasser triefend zurück. Marco
und ich haben Glück, wir hatten einen mehr oder weniger trockenen Platz,
und auch unser Rucksack ist trocken geblieben. Doch auch hier in "Corrientes"
prasselt der Regen wie aus Schleusen auf uns hinunter, und die
Temperaturen sind tropisch-feuchtheiss. Kurzerhand lassen wir uns von
einem Taxifahrer vor das Hotel "Hostal del Rio" fahren. Hier buchen wir
für zwei Nächte ein Doppelzimmer im 7. Stock mit wunderbarem Blick auf
den "Rio Paraná". Am Nachmittag hört es auf zu regnen, und wir machen
einen Rundgang durch das Microzentrum der Stadt. "Corrientes" ist eine
typisch authentische, südamerikanische Stadt mit sehr wenig Tourismus.
Uns gefällt der erste Eindruck. Später nehmen wir den Stadtbus zum
Busterminal, wo wir beim Unternehmen "Yacyreta" für übermorgen zwei
Billete nach "Asunción" kaufen. Gegen Sonnenuntergang hören wir überall
in der Stadt einen seltsamen, monotonen Klang, der an laufende Maschinen
erinnert. Als wir am Abend dann ausgehen, stellen wir mit Schrecken
fest, das tausende von schwarzen Käfern am Himmel schwirren, ins Licht
fliegen und auf die Strasse fallen. Wir finden das ziemlich eklig, zumal
es unter den kleineren Tieren auch ziemlich grosse, ca. 7cm lange
Monster gibt. Vor den erleuchteten Schaufenstern ist es richtig schwarz
am Boden von diesen hässlichen Insekten. Wir flüchten also in die erste
Kneipe und genehmigen uns auf den Schreck hin einen Apero mit "Picadas"
und Rotwein. Danach kaufen wir uns bei einem Take-away ein paar
Empanadas und eine Flasche Wein und gehen auf dem schnellsten Weg in
unser käferfreies Hotelzimmer.
Mittwoch 25. Januar
Heute morgen empfängt uns heller Sonnenschein und
hohe Temperaturen. Wir schlendern etwas durch die Fussgängerzone der
Stadt und beobachten das bunte Treiben der Einheimischen. Später gehen
wir zum "Rio Paraná", wo eine schöne Promenade dem Fluss entlang führt.
Tatsächlich gibt es Leute, die bei der feuchten Hitze Sport treiben und
joggen. Marco und mir läuft das Wasser schon herunter, wenn wir im
Schatten der Bäume spazieren. Zufälligerweise kommen wir auf unserem
Spaziergang am Zoo vorbei, den man kostenlos besichtigen kann. Hier
leben vor allem sehr viele, schöne exotische Vögel, wie Papageien,
Kanarienvögel und uns unbekannte Arten. Wir sehen aber auch Wasser- und
Landschildkröten, Alligatoren, einen Otter, Affen, Raubkatzen und
"Capybaras" = Wasserschweine, die aussehen wie übergrosse
Meerschweinchen. Einige der Tiere haben in diesem Zoo ein wirklich schön
eingerichtetes Gehege mit genügend Platz zur Verfügung. Andere wie zum
Beispiel die Affen und die Raubtiere fristen ein trostloses Leben in
kleinen schmutzigen Käfigen ohne jegliches Grün. Endlich kennen wir den
Grund dieses monotonen Klangs überall in der Stadt. Es sind dies die
grillenähnlichen Käfer, die diesen speziellen Ton von sich geben, der in
keiner Weise mit dem Zirpen verglichen werden kann. Eine eigenartige
Stimmung! Während Marco im Internet und in einem Reisebüro Informationen
über "Asunción" einholt, schreibe ich Reportes. Heute Abend hat es
zum Glück bei weitem nicht mehr so viele Käfer, die auf uns hinunter
regnen. Anscheinend tauchen diese netten Tierchen nur nach Tagen des
Regens auf. Wir können also in aller Ruhe erst einmal in ein
Internetcafé gehen und für morgen eines der empfohlenen Hotels in
"Asunción" reservieren. Danach geniessen wir noch ein klein wenig das
spärliche Nachtleben in der friedlichen und angenehmen Stadt "Corrientes".
nach
oben
Corrientes - Asunción
(Paraguay)
Donnerstag 26. Januar
Heute ist wieder einmal mehr das Ritual vom Packen
des Rucksacks und des sich Verabschiedens an der Reihe. Nachdem wir dies
ausführlich zelebriert haben, fahren wir mit dem Stadtbus an den
Terminal. Um 14.30 Uhr fährt unser Bus des Unternehmens "Yacyreta"
pünktlich Richtung Paraguay ab. Es ist unglaublich, wie grün hier alles
ist. Grosse hohe Palmen ragen neben kleineren Laubbäumen gegen den
Himmel. Es gibt keine bewirtschaftete Felder, wir begegnen jedoch Vieh-
und Pferdeherden. Da und dort überqueren wir einen Fluss. Nach etwa vier
Stunden Fahrt kommen wir an den Zoll. Da der argentinische und der
paraguayanische Zoll zusammen arbeiten, geht es unerwartet schnell, bis
wir beide Stempel in unserem Pass haben. Einzig ein Amerikaner, übrigens
der erste, den wir bisher getroffen haben, der sich entschuldigt, dass
er von den Staaten kommt, hat ein Problem, da er für die Einreise nach
Paraguay ein Visum bräuchte, das er aber nicht hat. Es braucht einige
Diskussionen und etwas Kleingeld, bis er dann doch noch die Erlaubnis
bekommt immerhin für drei Tage einzureisen. In der Zwischenzeit geben
wir einem der Männer, die vor Ort Geld wechseln, unsere übrigen
argentinischen Pesos und bekommen dafür 23000 "Guaraní", was etwa
bescheidenen fünf Franken entspricht. Die Gegend nach der Grenze ist
nicht anders als die argentinische Seite, die wir zuvor durchfahren
haben. Wir überqueren den "Rio Paraguay" und durchqueren die Vororte von
"Ascunción". Bereits fällt uns auf, wie einfach, bescheiden und teils
ärmlich die Leute hier leben. Um 20.00 Uhr kommen wir dann sicher und
voll guten Mutes in "Asunción" an. Die weiteren Berichte unserer Abenteuer in Paraguay sind
im
Reporte Paraguay
zu erfahren.
nach
oben
Puerto Iguazú
Montag 30. Januar
Nach einer frostigen Fahrt durch das "Valle Misiones"
(siehe
Reporte Paraguay)
erleben wir eine tropisch heisse Nacht im Hotel Charo. Im Touristeninfo,
gleich in der Nähe unseres Hotels, informieren wir uns heute Morgen nach
verschiedenen Möglichkeiten, um die bekannten Wasserfälle zu besuchen.
Ausgerüstet mit verschiedenen Angeboten, um das Gebiet auf
abenteuerliche und weniger abenteuerliche Weise zu erleben, pilgern wir
als nächstes zur Busstation, um noch weitere Offerte zu prüfen. Hier
erfahren wir, dass alle halbe Stunde öffentliche Busse zu den "Cataratas"
= Wasserfälle fahren. Man kann also locker auf teure, touristische
Exkursionen verzichten und auf eigene Faust den Nationalpark erkunden.
Das Wetter ist superschön, und so entscheiden wir uns spontan, schon
heute zu den Wasserfällen zu gehen und nicht bis morgen zu warten. Mit
Wasserflasche und Sonnenhut ausgerüstet sitzen wir eine dreiviertel
Stunde später schon im Bus. Am Eingang in den "Parque National Iguazú"
müssen wir dann noch je 30 Pesos Eintritt bezahlen. Im Preis inbegriffen
sind die Fahrt mit dem Dschungelzug zu den verschiedenen
Aussichtsbrücken und die Bootsfahrt zur Insel "San Martin". Die
Zugstrecke führt uns durch eine exotische, dicht bewachsene
Urwaldregion, die wir bei uns in Europa nicht kennen. Von der Endstation
des Zuges aus kommen wir zu den Brücken, die uns über den "Rio Iguazú"
führen. Wir sind jetzt schon sehr beeindruckt über diese Natur, die sich
uns hier bietet. Schon von weitem hören wir das Tosen der 275
Wasserfälle, die sich über 60 Meter hohe Klippen stürzen. Und dann
endlich sehen wir den "Garganta del Diablo" = Teufelsrachen, den
grössten und imposantesten Wasserfall, des Iguazu-Nationalparkes. Die
angrenzenden Fälle und diejenigen auf der brasilianischen Seite sind
aber nicht weniger spektakulär. Es ist ein einziges lautes Getöse zu
hören, und das Wasser spritzt bis hoch hinauf und sieht aus wie Nebel.
Nach diesem wunderbaren Schauspiel laufen wir auf der Brücke wieder
zurück zur Zugstation und fahren zur "Estación Catarates", von wo aus
man über den "Circuito inferior" zu weiteren Wasserfällen wandern kann.
Die feucht heissen Temperaturen um die 40 Grad sind wir nicht unbedingt
gewohnt, und uns läuft der Schweiss in Bächen über unseren Körper
hinunter. Der Aufwand durch all die Wege und vielen Treppen hinauf und
hinunter zu gehen lohnt sich aber auf jeden Fall, denn hier bietet sich
uns eine geniale Natur, die es sonst nirgendwo gibt. Inmitten des grünen
Dschungels stürzen sich sich gewaltige Wassermassen in die Tiefe, und
durch die Sonne und den aufsteigenden Wasserdunst bilden sich an
verschiedenen Stellen prachtvolle Regenbogen. Als nächstes lassen wir
uns von einem Boot über den "Rio Iguazú" zur "Isla San Martin" fahren.
Von diesem Bootsteg aus werden auch abenteuerliche Fahrten mitten in die
Fälle angeboten, welche aber um die 40 Pesos kosten. Während sich die
einen mit dem Boot eine erfrischende Wasserfalldusche genehmigen,
kämpfen wir uns dampfend und schweisstriefend über die steilen Treppen
der Insel "San Martin" hinauf bis zu weiteren Aussichtsplattformen mit
Sicht auf die wuchtigen Fälle. Im Ganzen verbringen wir etwa sechs
Stunden in dieser wunderbaren und zauberhaften Natur, deren Schönheit
und Mystik man kaum beschreiben kann. Mitten auf einem der Pfade treffen
wir zufälligerweise ein älteres Ehepaar aus der Schweiz. Sie sind gerade
eben von einer Exkursion in die Antarktis zurückgekehrt und haben sich
gleich in die Tropen gewagt. Zusammen mit ihnen spazieren wir über die
bequemen Brücken und Wege des "Circuito superior", diskutieren über das
Reisen und unsere gesammelten Erfahrungen und betrachten dabei bei
Sonnenuntergangstimmung die wunderschönen Fälle aus der oberen
Perspektive. Als es langsam Abend wird, fahren wir wieder mit dem Bus
zurück ins Dorf. Ein wunderbarer, sehr eindrücklicher Tag runden wir
heute mit einem feinem Essen mit Buffet ab.
Dienstag 31. Januar
Heute nehmen wir es ruhig. Wir nutzen den Tag für
Recherchen über Brasilien, schreiben Reportes und schicken Karten
und ein Packet mit den Foto-CD's in die Schweiz. Der Spaziergang durch
das Dorf ist nicht sehr spannend. Einzig erwähnenswert sind die für
nordargentinische Verhältnisse hohen Preise, die auf den Massentourismus
rund um die Wasserfälle zurückzuführen sind.
nach
oben
Puerto Iguazú - Foz
do Iguaçu (Brasilien)
Mittwoch 1. Februar
Um 10.40 Uhr nehmen wir einen der öffentlichen Busse
"Tres Fronteras", die regelmässig über die brasilianische Grenze nach "Foz
do Iguaçu" fahren. Die Abfertigung am argentinischen Zoll läuft wie am
Schnürchen und dauert gerade einmal 10 Minuten, bis alle ihren Stempel
bekommen haben. Wir überqueren den "Rio Iguazu" und sind in Brasilien.
Am brasilianischen Zoll hält der Bus nur an einer Haltestelle, um noch
drei Passagiere mitzunehmen, aber es steigt niemand aus für die
Immigration. So bleiben auch Marco und ich sitzen und vermuten, dass wir
später noch einmal halten werden, um die Einreisestempel zu bekommen.
Das war aber falsch gedacht, und wir werden darüber aufgeklärt, dass
normalerweise nur Tagestouristen mit diesem Bus über die Grenze fahren
und dafür keinen Stempel im Pass benötigen. Da wir zwei aber im Land
bleiben wollen, haben wir nun ein kleineres Problem. Am Busterminal
steigen wir aus und werden gleich von einem brasilianischen Alkoholiker
angesprochen, der behauptet für ein Hotel zu arbeiten. Wir erklären ihm,
dass wir für den Moment kein Hotel brauchen sondern ein Touristbüro
suchen. Der Alki lässt nicht ab von uns, brabbelt etwas davon, dass er
"English, Español, German and Deutsch" spricht und uns zum Touristinfo
begleiten wird. Nun gut, wir folgen ihm und gelangen in einem noblen
Hotel tatsächlich an eine Information. Dort erklären wir unser Problem
mit den fehlenden brasilianischen Stempeln. Wir fragen den freundlichen
und hilfsbereiten "Señor", ob es wohl möglich sei mit einem Taxi noch
einmal an die Grenze zurück zu fahren, um dort die Einreiseformalitäten
nachträglich zu erledigen. Der "Señor" findet dies eine gute Idee, ruft
sogleich ein Taxi und erklärt dem Fahrer unser Anliegen. So werden wir
endlich auch unseren selbsternannten, zugedröhnten und etwas
aufdringlichen Guías los. Fünfzehn Minuten später sind wir am
brasilianischen Zoll, füllen die Papiere aus und erhalten die wichtigen
Stempel. Jetzt sind wir beruhigt und lassen uns vom Taxifahrer vor das
"Hotel del Rey" fahren, wo wir für zwei Nächte zwar etwas teurer als
budgetiert, aber dafür sehr komfortabel untergebracht sind.
Die weiteren Berichte unserer Abenteuer in Brasilien sind im
Reporte Brasilien zu erfahren.
nach
oben
Buenos Aires
Freitag 3. März
Von "Tigre" aus
(siehe
Reporte Uruguay)
fahren wir mit dem Transferbus in die riesige Hauptstadt von
Argentinien. Der Feierabendverkehr verteilt sich recht gut auf der
eindrücklichen 14-spurigen Autobahn, die quer durch die Aussenviertel
über Brücken und am Meer entlang ins Mikrozentrum führt. An der grössten Strasse
durch das Stadtzentrum von "Buenos Aires", der
beeindruckenden "Avenida 9 de Julio", steigen wir
gleich in der Nähe des bekannten "Obelisco" aus dem Bus und fahren mit dem Taxi geradewegs in die "Zona
San Telmo". Nun sind wir wieder genau an derselben Stelle wie am
12. November des vergangenen Jahres, als unsere grosse Reise in
Südamerika begann. Leider ist das "Hotel Bolivar", in dem wir das letzte Mal
gewohnt haben, restlos ausgebucht, und
wir müssen uns auf die Suche nach einer anderen Bleibe machen. Nach drei weiteren Absagen bekommen wir im
einfachen Familien-Hotel "Brisas del Mar"
gerade noch das letzte Zimmer. Später erfahren wir, dass dieses
Wochenende das jährlich statt findende Tangofestival in Buenos Aires zu Ende geht.
Dies ist wohl auch der
Grund, warum alle Hotels zum bersten voll sind. Den Abend verbringen wir
im authentischen Viertel "San Telmo.
Samstag 4. März
Unser Hotel befindet sich in ausgezeichneter Lage, an
einer Strassenkreuzung in der "Zona San Telmo". Gleich über der
Strasse gibt es ein Internet mit "Locutorio", und nebenan bietet ein
Gemüsehändler sein frisches Obst und Gemüse an. In unmittelbarer Nähe
befindet sich auch eine Konditorei, wo man herrliche Backwaren und eine
grosse Tasse Milchkaffee zum Frühstück bekommt, und gleich an der
nächsten Ecke gibt es eine Wäscherei und ein "Parilla-Restaurant". Während dem Tag bleiben wir im Gebiet von "San Telmo". Wir spazieren durch
die malerischen Gassen und breiten "Avenidas" und erleben dabei immer
mal wieder ein "Déja-vue", da wir uns an einzelne
Sehenswürdigkeiten erinnern. Allerdings sehen wir diese riesige
Stadt mit den 14 Millionen Einwohnern heute mit ganz anderen Augen als
damals vor vier Monaten. Da wir nun die südamerikanische Kultur und
Lebensweise auf unserer Reise durch die verschiedenen Länder etwas
kennen gelernt haben, können wir uns viel lockerer und freier in der
Stadt bewegen. Auch unsere Spanischkenntnisse haben sich in dieser Zeit
verbessert, und wir können uns mit den Einheimischen viel besser
verständigen. Heute Abend spazieren wir in die Innenstadt und sind dabei
beeindruckt von den vielen schön erleuchteten Gebäuden und Monumenten.
Nun suchen wir die grosse Freiluft-"Milonga" des
Tangofestivals, die sich laut eines Festführers an der Strassenkreuzung der "Diaonal Norte" und "Maipú"
befindet.
Eine "Milonga" ist ein festgelegter Platz auf der Strasse oder ein
bestimmtes Restaurant, wo Live
Tango-Musik gespielt wird und die Leute dazu tanzen. Hier sehen wir dann
auch das erste Mal in "Buenos Aires", wo die Leute spontan auf der Strasse tanzen.
Uns gefällt die Atmosphäre auf dieser grossen, von gewaltigen, barocken
Gebäuden umgebenen "Avenida", wo die Tangomusik mit Livegesang
zelebriert wird.
Sonntag 5. März
Heute morgen empfängt uns wunderbares, sonniges Wetter,
und wir starten eine längere Fotowanderung durch drei Zonen der riesigen
Stadt. Wir beginnen beim "Plaza Dorrego", wo jeden Sonntag ein
Antiquitätenmarkt statt findet. Heute scheint irgendwie der Tag der
Antiquitäten zu sein, denn auch die "Calle Defensa" mit ihren schönen
Gebäuden ist heute verkehrsfrei, und auf der Strasse preisen diverse
Trödel- Schmuck- und Antiquitätenhändler ihre Ware an. Für einen
Spaziergang mit Fotosujets in dieser Zone "San Telmo" sind auch die Strassen "Calle
Peru" und "Avenida Belgrano" sehr schön. Nachdem wir auch der "Iglesia Montserrat"
und der "Basilica San Francisco" einen Fotobesuch abgestattet haben,
schlendern wir entlang der "Calle Defensa" ins Stadtzentrum, in die "Zona
San Nicolas". Am "Plaza de Mayo" treffen sich die beiden
Diagonalstrassen Sur (Av. Julio A. Roca) und Norte (Av. Roque Saenz Peña),
die quer zwischen den quadratisch angeordneten Strassen verlaufen und wo
viele grossartige Gebäude aus barocker Zeit stehen. Hier befinden sich
auch die "Catedral Metropolitana", der "Cabildo national" und die
älteste Kirche der Stadt, die "Catedral San Ignacio". Bei unserem
heutigen Spaziergang fällt uns auf, dass es sehr wenig Verkehr auf den
Strassen hat. Die Leute scheinen alle zu Hause bei ihren Familien zu
sein, denn selbst am "Plaza de Mayo" mit dem berühmten "Casa Rosada"
hat es sehr wenig Touristen. Es herrscht eine entspannte und friedliche
Atmosphäre in der ganzen Stadt. Im modernen Zentrum der Stadt, an
der beeindruckenden "Avenida 9 de Julio", steht auf dem "Plaza de la
Republica" der "Obelisco", das eigentliche Wahrzeichen von "Buenos
Aires". Anschliessend machen wir uns langsam wieder auf den Heimweg. An der "Calle Pellegrini",
eine parallele Seitenstrasse der "Avenida 9 de Julio", finden wir
das topmoderne, schön eingerichtete "Hotel Colon", eine Empfehlung für
unsere Leser, die sich in "Buenos Aires" etwas luxuriöser verwöhnen
lassen wollen. (Weitere Details sind im
Guías Argentinien zu
finden). Heute Abend reicht es Marco und mir, uns in der antik
eingerichteten sehr gemütlichen und freundlichen "Bar Federal" verwöhnen
zu lassen. Wir werden sogar noch von einem Tango-Trio beehrt, das ihre
Kunst zum Besten bringt, ein perfekter Abschluss des heutigen Tages.
Montag 6. März
Wieder sendet die Sonne ihre wärmenden Strahlen von einem
blauen, wolkenlosen Himmel hinunter nach "Buenos Aires". Trotzdem müssen
wir heute einige Erledigungen tätigen und unsere Weiterreise für den
Mittwoch planen. Wir fahren also erst einmal mit dem Stadtbus zur
Busstation "Retiro". Hier erkundigen wir uns bei verschiedensten
Busunternehmen über Fahrten nach "San Miguel de Tucumán" im
Nord-Osten von
Argentinien. Nach der Überprüfung mehrer Angebote kaufen wir für die
Nachtfahrt am Mittwoch zwei Tickets beim Unternehmen "Flechabus".
Nachdem dies erledigt ist, spazieren wir über die Fussgängerstrassen
"Calle Florida" und "Calle Lavalle" zurück in
Richtung "San Telmo". Die Floridafussgängergasse ist sehr
berühmt und bekannt. Uns ist sie aber zu kommerziell mit ihren
exklusiven teuren Geschäften und Boutiquen. Die "Calle Lavalle"
hingegen bietet nebst Einkaufsmöglichkeiten viele Kinos, Bars und
Restaurants und ist die belebtere und reizvollere Fussgängerzone mit mehr Abwechslung.
Jetzt ist es doch schon wieder spät geworden, und wir fahren mit dem Bus
zurück ins Hotel.
Dienstag 7. März
Herrlicher Sonnenschein empfängt uns auch heute
wieder. Nach den vielen Regentagen, die wir in der letzten Zeit erlebt
haben, ist das immer wieder ein Highlight für uns. Natürlich nutzen wir
dieses Wetterhoch und spazieren auch heute noch einmal durch die Stadt.
Uns fällt wieder einmal auf, wie viel Abfall auf den Strassen
herumliegt. Hier in "Buenos Aires" scheint man keine Mülltonnen zu
kennen, denn jeder stellt den Abfall einfach auf die Trottoirs. Vor
allem in der Zone "San Telmo" sind die Strassenkreuzungen teilweise mit
Abfallbergen überhäuft, dass man als Fussgänger auf die Strasse
ausweichen muss. Dies haben wir in anderen Städten nie so krass erlebt
wie hier in der Hauptstadt von Argentinien. Um 17.00 Uhr sind wir im
"Café-Restaurant Aconcagua" mit Nadia verabredet. Dass wir Nadia kennen,
hat einen ganz besonderen Grund. Als wir damals in "Asuncion" (Paraguay)
abgereist sind, habe ich den kleinen Glückstiger im Hotel vergessen.
Glücklicherweise konnten wir einen E-MailContacto zu Celeste, einer
reizenden Rezeptionistin vom "Hotel Las Margaritas", aufbauen, die
den "Tigresito" zu ihrer Kollegin Nadia nach "Buenos Aires" geschickt
hat. Da wir Nadia nur vom Internet her kennen, haben wir ihr ein Foto
von uns geschickt. Deshalb erkennt sie uns auch auf Anhieb, als sie mit
ihrem Freund Mariano ins Café kommt, um uns unser "Peluche" =
Plüschtierchen unversehrt zu überreichen. Nadia hat Tourismus studiert
und arbeitete bis vor kurzem auch im Hotel "Las Margaritas" in
"Asuncion". Seit zwei Wochen ist sie nun in Buenos Aires, um sich hier
in der Touristikbranche eine Arbeit zu suchen. Mariano studiert im
dritten Jahr Jura an der Universität in Buenos Aires. Für heute Abend
verabreden wir uns noch einmal mit Nadia und Mariano. Mariano wohnt im "Barrio
Recoleta". Da Marco und ich noch ein paar überflüssige Sachen bei ihm
zurücklassen dürfen, lernen wir noch einen uns unbekannten Stadtkreis
von "Buenos Aires" kennen. In einer "Parillada" geniessen wir einen
wunderbaren Abend mit den zwei Argentiniern. Meine Schusseligkeit hatte
schlussendlich doch noch sein Gutes, wir haben drei sehr nette Menschen
kennen gelernt, mit denen wir den Contacto hoffentlich behalten können.
nach
oben
Buenos Aires
- San Miguel de Tucuman
Mittwoch 8. März
Rucksäcke packen, aufräumen und auschecken stehen heute
morgen auf unserem Programm, denn am Abend geht unsere Reise weiter nach
"San Miguel de Tucuman". Netterweise dürfen wir unser Gepäck über den
Tag im Hotel lassen. Da wir bis um 18.00 Uhr Zeit haben, fahren wir mit
dem Bus in die "Zona Constitucion". Hier gibt es einen gleichnamigen
Platz, eine Kathedrale und ein Bahnhof für Vorortszüge, der tatsächlich
noch in Betrieb ist. In diesem Teil der Stadt geht das Leben irgendwie
ganz anders ab, als im Stadtzentrum und in der "Zona San Telmo", die
halt schon sehr touristisch sind. In diesem Stadtkreis verirrt
sich kaum ein Fremder, und das Ambiente ist ungefähr so, wie wir es von
"Jujuy" im Norden Argentiniens kennen. Die Marktstände reihen sich auf
der Strasse, und die Leute sind hier weniger in Eile. An den
Blumenständen wird darauf aufmerksam gemacht, dass heute der "Dia de la
Mujer", der Weltfrauentag gefeiert wird. Ausser einer Demonstration, die
beim "Casa Rosada" statt findet, ist es aber ein Tag wie jeder andere.
Um 16.30 Uhr holen wir unser Gepäck ab und lassen uns mit dem Bus durch
den Abendverkehr zum "Retiro" fahren. Pünktlich um 18.10 trifft der "Flechabus"
nach "Tucuman" ein, und wir richten uns in den breiten, etwas teureren
Sesseln bequem ein. Der Service an Bord ist umwerfend! Es liegen Decken
und Kissen für die Nacht bereit, und wir werden von der Stewardesse
immer wieder kulinarisch verwöhnt. Zum Abendessen gibt es sogar Rot-
oder Weisswein nach Wahl, und als Bettmümpfeli serviert sie uns Whisky
oder Champagner! "Cama Ejecutive" mit "Flechabus" ist echt zu empfehlen.
Auch die Klimaanlage ist so eingestellt, dass man weder schwitzt noch
sich die Ohren abfriert, und das WC ist eines der saubersten, das ich je
in einem Bus angetroffen habe.
nach
oben
San Miguel de
Tucuman
Donnerstag 9. März
Wir erleben eine angenehme und ruhige Nachtbusfahrt
und werden von der Stewardesse um 07.00 Uhr mit Kaffee und Frühstück
geweckt. Etwa eine Stunde später erreichen wir den Busterminal von "San
Miguel de Tucuman". Mit dem Taxi fahren wir ins Stadtzentrum zum "Plaza
Independencia", wo wir zufälligerweise gleich ein Touristenbüro finden.
Hier lassen wir uns von der hilfsbereiten, freundlichen Dame mit einer Stadtkarte und haufenweise Informationen
über die Stadt und die Provinz "Tucuman" eindecken. Danach
spazieren wir zum "Hostal La Posta del Viajero", das wir über das
Internet recherchiert haben. Wir bekommen in dem sehr freundlichen
Hostal für zwei Nächte ein einfaches, ruhiges Zweierzimmer. Leider beginnt es am
Nachmittag heftig zu regnen, und wir müssen den ersten Stadtrundgang
tropf nass und mit einem spontanen Schirmkauf an der Kreuzung beenden.
Gegen Abend hört der Regen auf und wir wagen es noch mal auf einen
Sprung in die nächtliche Stadt.
Freitag 10. März
Die ganze Nacht regnet es heftig, und auch am Morgen
ist es immer noch ziemlich feucht. Gegen Mittag hört es zum Glück doch
noch auf zu regnen, und wir nehmen diese Chance wahr und gehen zum
Busterminal, um uns nach Fahrten zum "Lago Celestino Celsi" in "El
Cadillal" zu erkundigen. Die charmante Mitarbeiterin des Busunternehmen
"San Antonio de Calalao" bestätigt uns die Information des
Touristenbüros, dass um 13.30 Uhr ein Bus fährt. Da wir die Tickets beim
Buschauffeur kaufen müssen, setzen wir uns auf eine Bank und warten auf
den Bus. Aber auch nach Dreiviertelstunden des Wartens taucht kein Bus
mit der Destination "El Cadillal" auf. Wir haben keine Lust noch länger
herumzusitzen und entscheiden uns spontan mit einem der vielen
Vorortsbusse nach "Tafi Viejo" zu fahren. An einer Haltestelle, etwas
ausserhalb des Dorfes "Tafi viejo", öffnet der Chauffeur von innen her
die Kühlerhaube des Busse. Kaum ist die Luke offen, spritzt ihm heisses
Wasser und Dampf entgegen. Ganz locker holt der Fahrer aus einem Fach
oberhalb der Frontscheibe drei Pet-Flaschen kaltes Wasser heraus und
füllt den Kühler damit auf. Anscheinend passiert dies des Öfteren, denn
beim nächsten Halt beim Friedhof im Dorfzentrum füllt er die nun leeren
Flaschen für die nächste Kühlerüberhitzung wieder auf. Na ja, lange
fährt der Bus wohl nicht mehr. Für den Moment reicht uns dieses
Abenteuer, und da wir eh schon ziemlich im Dorfzentrum sind, steigen wir
hier aus und gehen das letzte Stück zu Fuss. "Tafi viejo" ist ein
ruhiges Dorf im Zentrum der Provinz "Tucumán". Ausser einem alten,
stillgelegten Bahnhof gibt es hier nicht viel Sehenswertes für
Touristen. Aber genau das ist es eigentlich, was Marco und mir gefällt.
Hier bekommt man wirklich mit, wie die Einheimischen leben. Die Menschen
in dieser Ecke Argentiniens wohnen sehr bescheiden, was man auch den
allgemein sehr tiefen Preisen anmerkt. Die grösste Einnahmequelle stammt
von der Agrarwirtschaft, vor allem vom Anbau von Zitrusfrüchten.
Angeblich sollen in dieser Provinz die ältesten Zitrusplantagen von ganz
Argentinien sein. Ausserdem werden in der ganzen Provinz vor allem auch
Zuckerrohr und Tabak angebaut. Später lernen wir in einem Café einen Einheimischen
mit italienischen Wurzeln kennen. Er erzählt uns ein bisschen etwas über
das Dorf und die Umgebung. Ganz in der Nähe gibt es anscheinend den "Parque
Alpa Puyo" mit wunderbarer Aussicht auf die Region. Etwa um 16.30 Uhr
fahren wir aber wieder zurück in die Stadt, wo wir noch durch die
belebte Fussgängerzone und zum wunderschönen "Plaza Independencia" im
Stadtzentrum spazieren. Rund um den Platz befinden sich auch die meisten
Sehenswürdigkeiten, wie das "Casa de Gobierno", die "Iglesia Catedral",
sowie diverse kulturelle und historische Museen. Zurück im freundlichen
Hostal nutzen wir das frei zugängliche Internet, um unsere Portadapage
wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Am Abend spazieren wir noch
einmal zum gepflegten, sauberen "Plaza Independencia". Auf diesen Platz
scheint man hier sehr stolz zu sein, denn es ist immer jemand mit einem
Besen oder einer Gartenschere unterwegs, und die Polizei sorgt dafür,
dass kein Pöbel die Passanten belästigt. In der Nacht ist die "Iglesia
Cathedral, das "Casa Gobierno" und einige andere historische Gebäude
wunderschön erleuchtet. Um 22.00 Uhr sind die Pforten der Kathedrale
noch offen, und als wir hinein gehen wollen, sehen wir zu unserer
Überraschung, dass gerade eine Hochzeit statt findet. Später im Hostal
machen wir noch Bekanntschaft mit einem argentinischen Schauspieler aus
Salta und diskutieren bis tief in die Nacht über Gott und die Welt.
nach
oben
San Miguel de Tucuman -
Tafi del Valle
Samstag 11. März
Zum Glück regnet es heute einmal nicht, als wir um
11.30 Uhr das Hostal verlassen, und wir können zu Fuss zum Busterminal
gehen. Bei der Gepäckaufbewahrung stellen wir unsere Rucksäcke ein, denn
wir wollen heute mit dem Bus zuerst auf den Aussichtspunkt "San Javier"
mit der bekannten Christusstatue fahren. Der Bus, der um 12.00 fährt,
ist schon recht voll, und wir müssen die 1 1/2 Stunden-Fahrt im Stehen
verbringen. Von "Tucumán's" Nachbarstättchen "Yerbas Buenas" aus beginnt
die Steigung, und der schon ziemlich in die Jahre gekommene Bus ächzt
die Kurven hinauf. Trotz des etwas unbequemen Stehplatzes können wir
immer wieder einen Blick auf die wunderbare Aussicht hinunter nach
"Tucumán" erhaschen. Leider wird es, je höher hinauf wir kommen, immer
nebliger. Als wir zu der Christusstatue und dem eigentlichen
Aussichtspunkt gelangen, ist alles so im Nebel verhüllt, dass wir
einfach sitzen bleiben. Ausserdem gibt es hier auch kein Café oder
Restaurant, wo wir auf den nächsten Bus zurück in die Stadt hätten
warten können. Etwas weiter unten, mitten in der Natur, gibt es dann
noch einmal einen Halt, und der Fahrer klärt uns auf, dass sich hier die
kleinen Wasserfälle im "Parque de la Sierra" befinden. Das ist ein
kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, dass wir nun auszusteigen haben, denn
wir haben unsere Tickets schliesslich nur bis "San Javier" gelöst. Ich
frage den Fahrer klugerweise noch nach dem nächsten Bus zurück in die
Stadt. Also nichts wie auf in den Wald und auf die Suche nach dem
Wasserfall. Wir wandern durch wunderschöne, bewaldete Natur, müssen ab
und zu ein Flusslauf überqueren und werden von winzigen, bunten
Schmetterlingen begleitet. Da wir unbedingt den Zwei-Uhr-Bus zurück in
die Stadt noch erwischen wollen, und der Wasserfall einfach nicht zu
sehen oder zu hören ist, kehren wir vorzeitig wieder um. Der Bus kommt
aber dann doch erst um 14.20 Uhr, und es ärgert uns ein wenig, dass wir
nicht doch noch bis zum Wasserfall gewandert sind. Dafür sitzen wir nun
im Bus, und wir fahren durch den dicken Nebel zurück und kommen um 15.45
Uhr am Busterminal von "Tucumán" an. Unsere Planung geht wieder einmal
voll auf, und wir bekommen tatsächlich noch zwei Tickets für die Fahrt
um 16.00 Uhr nach "Tafi del Valle" mit dem Unternehmen
"Aconquija". Das "Valle de Tafi" liegt in der Region "Valles
Calchaquies". Diese Region besteht aus einigen Tälern, wie zum Beispiel
das "Valle de Lerma" (siehe Reporte
Salta) und eben dem "Valle de Tafi". Im Flachland
werden vor allem Zuckerrohr und Zitronen angebaut. Anschliessend führt
der schmale, steile Weg durch das dicht bewaldete, hügelige Urwaldgebiet
"Yungas" mit den speziellen, mit Schlingpflanzen umrankten Bäumen.
Oberhalb der Waldgrenze kommen wir an "El Mollar" vorbei mit dem Stausee
"Dique la Angostura". Im "Parque de los Menhires", der in der Nähe von
"El Mollar" liegt, sind etwa 2000 Jahre alte Steinskulpturen aus der
Inkazeit zu bewundern. Leider werden die Wolken am Himmel immer dunkler
und dichter, und bald beginnt es auch wie verrückt zu regnen. Auch als
wir um ca 19.00 Uhr in "Tafi" aus dem Bus steigen, ergiesst sich ein
heftiger, unaufhörlicher Regenguss über uns. Der Weg ins Dorf ist zum
Glück nicht all zu weit. Bei einem Restaurant hilft uns der nette Wirt
mit ein paar Tipps, eine günstige Unterkunft zu finden. Trotz den
Regenschützen und dem Schirm kommen wir tropfnass beim "Residencial El
Valle" an. Für 26 Pesos bekommen wir für diese Nacht ein trockenes,
sauberes Zimmer. Nachdem auch wir wieder trocken sind, gehen wir noch
einmal in den Regen hinaus und recherchieren im Internet die Wetterlage
der Region. Die Prognosen sehen nicht so rosig aus, und wir entscheiden
uns morgen nach "Santa Maria" in der Provinz "Catamarca" weiterzureisen.
Auch statten wir dem Touristenbüro noch einen Besuch ab und bekommen
prompt einen Hoteltipp für "Santa Maria". Nach getaner Arbeit essen wir
in der "Parilla" des netten Wirtes, der uns heute geholfen hat, auf
offenem Feuer gebratenes "Gabrita". "Gabrita", eine Spezialität im
Norden Argentiniens, ist Ziegenfleisch, das laut Speisekarte
cholesterinfrei sein soll.
nach
oben
Tafi del Valle - Santa Maria
Sonntag 12. März
Um 10.00 Uhr verabschieden wir uns von der netten
Vermieterin in der "Hospedaje El Valle". Bis 12.30 Uhr haben wir noch
etwas Zeit das Dorf zu besichtigen. Nach einem kurzen Morgenschauer
scheint jetzt sogar die Sonne, und wir können auch noch ein paar Fotos
von dem hübschen Dorf machen. Bevor wir zum Busterminal gehen, kaufen
wir noch einen kleinen, runden, traditionellen Hartkäse, eine
Spezialität des Tales, die noch von den Jesuiten stammt. Jedes Jahr im
Februar findet hier in "Tafi" auch das nationale Käsefest statt, das wir
leider verpasst haben. Die Reise mit dem Bus durch das Tafi-Tal führt
uns über den 3042 Meter hohen Pass "Infiernillo", und wir werden von
wunderbarem Sonnenschein begleitet. Die Gegend hier erinnert uns ein
bisschen an die Alpenregionen der Schweiz. In der hügeligen, mit Gras
bewachsenen und von Bergen umgebenen Gegend findet man Kuh-, Pferde- und
Schafherden, die in dieser abgeschiedenen Natur friedlich vor sich hin
grasen. Auf der anderen Seite des Passes ändert sich die Natur ziemlich
heftig. Die steile, zum Teil etwas mitgenommene Strasse führt uns durch
ein steil abfallendes und felsiges Gebiet des "Valle de Yokavil". Hier
wachsen vor allem die eindrücklichen und riesig grossen
Kandelaber-Kakteen, die wir in etwas bescheidener Form vom "Valle de
Lerma" von Salta her kennen. Unten im Tal befindet sich inmitten dieser
Kakteenlandschaft das Dorf "Amaicha". Dieser kleine, ruhige Ort soll mit
360 Sonnentagen eines der besten Klimas der Welt besitzen. Nach einer
weiteren halben Stunde kommen wir dann bereits in "Santa Maria" an und
befinden uns nun in der Provinz "Catamarca". Vom Terminal aus spazieren
wir durch das ruhige, lang gezogene Städtchen ins Zentrum, zum "Plaza
Gral. Belgrano". Hier finden wir eine Touristeninformation, wo wir uns
nach dem empfohlenen Hotel und anderen Unterkunftsmöglichkeiten
erkundigen. Das Hotel "Amancay" hat leider geschlossen. Wir finden aber
einige Häuserblöcke weiter im "Hotel de Turismo" ein hübsches, ruhiges
Zimmer mit Kabelfernsehen für zwei Nächte. Während unserer heutigen
Siesta, sehen wir im TV eine Livesendung über den langsam einstürzenden
Tunnel des gewaltigen Gletschers "Perito Moreno". Für uns ist dies
doppelt faszinierend anzusehen, denn als wir den Gletscher im Dezember
besucht haben, ist dieser mächtige Eistunnel noch gar nicht vorhanden
gewesen.
nach
oben
Santa Maria
Montag 13. März
Nach einem einfachen Hotelfrühstück gehen wir als
erstes in den Hinterhof, um unsere Kleider abzunehmen, die wir gestern
per Handwäsche gewaschen haben. Die äusserst nette Dame an der Rezeption
hat die kleineren Kleidungsstücke sogar noch mit Wäscheklammern
versehen. Später spazieren wir in die Stadt und melden uns in der
Agentur "Tinkuy Kuna" für die Exkursion um 15.30 Uhr zu den Inkaruinen
in "Quilmes" an. Danach machen wir noch einige Recherchen über unsere
Weiterreise, was gar nicht so einfach ist. Wir merken, das wir hier auf
dem Land sind, denn es gibt nur sehr wenige Busse in die nähere
Umgebung, die nicht jeden Tag fahren. Im Touristeninfo am "Plaza Gral.
Belgrano" finden wir dank verschiedenen Busfahrplänen und der Hilfe des
netten Mitarbeiters zwei Möglichkeiten, wie wir morgen oder am Mittwoch
von hier wieder weg kommen. Um 15.30 Uhr werden wir bereits vom
Guías Luis und seinem Fahrer vor dem Reisebüro erwartet. Es ist
tatsächlich so, dass wir wieder einmal in den Genuss einer Privatführung
kommen. Als erstes fahren wir auf der Route 39 am "Cerro Pintado"
vorbei, der wegen der verschiedenen Mineralien in verschiedenen Farben
leuchtet, welche vor allem im Winter zu sehen sind. Zuoberst auf dem
Gipfel des "Cerros" soll man eine wunderbare Aussicht auf das Tal haben.
Danach geht die Fahrt auf der staubigen Naturstrasse der Route 40
weiter, mitten durch die trockene, mit Steppengras, vielen grossen
Kakteen und wenigen Bäumen bewachsene Natur. Rechts sieht man zum
Talgebirge "Cordilleros Calchaquies", wo man auch den Flusslauf des "Rio
Santa Maria" erkennt. In der Nähe des Flusses ist die Vegetation in der
ansonsten sehr trockenen Region üppiger, und das Grün bildet einen
schönen Kontrast zu der ansonsten graubraunen und rötlichen Natur. Luis
erklärt uns, dass hier nur zwischen Dezember und März ein wenig Regen
fällt. Im trockenen Winter sollen die Temperaturen zum Teil bis auf -15
Grad absinken. Wegen den massiven Temperaturunterschieden zwischen
Sommer und Winter sind die meisten Häuser flach und mit speziellen
Steinen gebaut, welche die Wohnräume isolieren. Bei "Fuerte Quemado",
auf der linken Seite des Tales, erkennen wir die Hauptattraktion "La
Ventanita", ein kleines Fensterchen im Felsen des Berggipfels, durch das
einmal im Jahr die Sonne scheint. Ausserdem gibt es oben auf dem Gipfel
auch ein kleines archäologisches Museum. Etwa eine halbe Stunde fahren
wir auf der
Schotterstrasse der Route 40. Neben der Fahrbahn, in der öden Natur
sehen wir ein kleines wildes grau-braunes Meerschweinchen vorbeihuschen
welches hier "Conejito" genannt wird. Danach kommen wir in das kleine, bescheidene Dörfchen "Quilmes",
wo sich 5km weiter die bekannten Inkaruinen befinden. Diese
archäologische Stätte befindet sich an einem steilen Hang und ist in
viele treppenartige Terrassen aufgeteilt und mit kreisrunden Plätzen aus
Steinmauern umgeben. Zusammen mit unserem Führer wandern wir nach dem
Eingang zuerst auf dem grossen, runden Platz zu einem kleinen
Steinhügel, auf den wir einen Kiesel legen und ein kleines Gebet in
Inkasprache zu "Pachamama" = Mutter Erde sprechen, die uns auf unserer
Reise beschützen soll. Die Ureinwohner von "Quilmes" benutzten für die
Grundmauern ihrer Häuser entweder flache oder runde Steine, die sie
aufeinander schichteten. Über diese Steinmauern konstruierten sie aus
Sand, Wasser und Zweigen von speziellen Bäumen oder auch aus dem Holz
der Kandelaberkakteen die Dächer. Auf einer Terrasse befinden sich
mehrere solche runde Gebäude, welche den Lebensraum für etwa drei
Familien bildete. Der Schlafraum wurde komplett mit einem Dach
überdeckt, während der Arbeitsraum, der auch zum Kochen diente, nur halb
zugedeckt wurde. Der grösste Platz nahm der unbedachte Gemeinschaftsraum
ein, wo sich die verschiedenen Familien trafen. Die verschiedenen
Wohnbauten wurden nach und nach in Stufen entlang des Hangs
hinaufgebaut. Je weiter oben jemand wohnte, desto höher war sein Rang im
Dorf. Der König wohnte somit zuoberst. Überall zwischen den Ruinen
wachsen imposante und mächtige Kandelaberkakteen. Von den treppenartig
angelegten Gärten, die früher auf der anderen Seite des Hügels waren,
erkennt man leider fast nichts mehr. Während wir den schmalen Weg zum "Fortaleza
Norte" entlang der Ruinen den Hügel hinaufwandern, erzählt uns Luis
vieles über die Geschichte dieser Gegend und der Ureinwohner. Die ersten
Ureinwohner in "Quilmes" waren nicht die Inkas sondern ältere
Naturstämme, die 1480 nach Christus von den Inkas, die aus dem Norden
einwanderten, vertrieben wurden. Die Geschichte der Urvölker im Norden
Argentiniens und in der Region "Valles Calchaquíes" umfasst drei
Epochen, die Frühe Epoche, die mittlere Epoche und die späte Epoche.
Bevor die Spanier 1666 das Tal eroberten, erlebte das Gebiet der "Valles
Calchaquíes" schon einmal drei Kriege. Einer der letzten Kriegshelden
der früheren Epoche war der "General Juan Calchaquí", nach dem auch die
Region der Täler hier benannt ist. Als dann die Spanier in das Gebiet
einfielen, flüchteten die Inkas nach "Buenos Aires" und gründeten den
Vorort "Quilmes", der noch heute existiert. Die Ausgrabungen und
ursprünglichen Ruinen von "Quilmes" stammen aus der späten Epoche, die
850 nach Christus begann. Die Inkas, die hier zu letzt lebten, waren
grosse Beobachter. Zum Beispiel haben sie verschieden grosse Löcher in
den Felsen geschliffen, die sie mit Wasser füllten, um am Abend
spiegelverkehrt die Sternbilder und den Mond zu beobachteten. Auch ihre
Zeichensprache beruht auf Beobachtung in der Natur und stammt von
verschiedenen Naturgöttern wie der "Dios de la Luna", der "Dios del Sol"
oder "Pachamama", die Erdgöttin. Die Inkas kannten auch die Herstellung
von Metall. Vom höchsten Punkt des "Fortaleza Norte" aus geniessen wir
die Aussicht auf die Ruinen und das Tal. Wir ruhen uns noch eine Weile
aus, bevor wir hinunterwandern bis zu der Abzweigung, wo ein zweiter Weg
zum "Fortaleza Sur" führt. Wir wandern nochmals einen steilen, steinigen
Weg hinauf bis zum nächsten Aussichtspunkt. Von hier aus zeigt uns Luis
einen Felsen, hinter dem sich das "Empresa Incaina" befinden soll. Wir
glauben zu verstehen, dass es sich dabei um eine Staumauer aus früherer
Zeit handelt. Auf dem Weg zurück, Luis erzählt gerade etwas über die
Inkakultur, sehen wir plötzlich ein schwarzes Etwas vor uns, das sich
bewegt. Und tatsächlich es ist eine Vogelspinne! Sie kehrt uns zum Glück
den Rücken zu, und wir haben genügend Abstand zu dem pelzigen
Achtbeiner, der gemütlich unseren Weg kreuzt. Obwohl es Marco und mir
ziemlich mulmig zu Mute ist, können wir es nicht lassen, ein Foto von
der Spinne zu machen. Wieder heil unten angekommen machen wir noch einen
Rundgang durch das Museum, wo Ausgrabungen der späten Epoche ausgestellt
sind. Ausserdem befindet sich gleich nebenan ein riesiger Souvenirladen
mit wunderschönen handgefertigten Andenken. Auch dürfen wir das im
Inkastil erbaute Hotel "Ruinas de Quilmes" besichtigen, dessen hohe und
grosse Räume mit Inkaskulpturen und Wandteppichen geschmückt ist.
Allerdings ist die Übernachtung in diesem exklusiven Hotel nicht ganz
billig. Danach geht die Fahrt weiter nach "Amaicha", einem kleinen Dorf,
das mit seinen 360 Sonnentagen im Jahr anscheinend eines der besten
Klima auf der Welt hat. Bekannt ist aber vor allem das Museum "Pachamama",
das eigentlich mehr ein wunderschöner Themengarten ist. In einem Teil
des schön gestalteten Steingebäudes sind auf neuzeitlichen Bildern
uralte Zeichen der Ureinwohner ausgestellt. In einem anderen Teil ist
ein Relief der Region "Valles Calchaquies" mit den verschiedenen Tälern
und den Bergketten zu sehen. In diesem Teil des Museums sind auch
verschiedene Steine mit allen Mineralienvorkommen der Gebirge
ausgestellt und erklärt. Ausserdem hat man auch die Möglichkeit durch
einen nach gebauten Tunnel zu gehen, um einen Eindruck vom Minenabbau zu
bekommen. Und nicht zuletzt ist natürlich ein grosser Teil des Museums
den Ureinwohnern gewidmet. Hier erklärt uns der Museumsführer, wie die
Leute in den verschiedenen Epochen gelebt, und von was sie sich ernährt
haben. Die Leute lebten hauptsächlich vom Ackerbau und ernährten sich
von Mais, "Quinoa", einem uns unbekannten schwarzkörnigen Getreide,
Maniok und einer kleinen ursprünglichen Kartoffelart. Aus den meisten
Getreidearten und aus einer süsslichen Baumfrucht mahlten die
Ureinwohner mit Steinmörsern Mehl und backten daraus Brot. Auch kannten
sie die Töpferkunst und fertigten einfache Werkzeuge wie Axt oder Messer
aus Stein an. Viele der grossen Keramiktöpfe, die im Museum ausgestellt
sind, dienten als Urnen für die sterblichen Überreste der Toten. Wenn
jemand starb, wurde er in einer Erdgrube mit Wasser, Essen, Werkzeug und
einer Decke begraben. Nach einigen Wochen, als der Körper geschrumpft
war, legte man die körperlichen Überreste in Embryostellung in ein
Tongefäss und legte auch die Decke, Werkzeuge und das Essen hinein. Da
man keine Friedhöfe kannte, stellten die Leute die mit Zeichen
verzierten Tonurnen vor ihren Häusern auf. Nach diesen vielen Eindrücken
und Informationen sind wir recht müde und froh, als wir den Heimweg nach
"Santa Maria" antreten. Auf der Fahrt beobachten wir auf einmal den
hinter den Bergen aufsteigenden Vollmond. Diese heutige Exkursion war
wirklich äusserst interessant und informativ, und wir haben einen
kleinen Eindruck von der Urbevölkerung und der Geschichte des Tales
bekommen. Heute Abend widmen wir uns noch den Wetterrecherchen im
Internet, damit wir unsere Ruta de viaje für Morgen definitiv festlegen
können. Es ist schon verrückt, rund um das Gebiet von Santa Maria ist
Regen angesagt. Hier scheint eine trockene sonnige Insel zu sein,
unglaublich. Da es ziemlich schwierig ist mit öffentlichen Bussen in das
Puno-Hochland zu gelangen, entscheiden wir uns trotz Regenvorhersage
morgen nach "Cafayate" zu fahren. Von dort aus werden wir uns nach
Möglichkeiten erkundigen, wie wir weiter ins Hochland und nach "San
Antonio de los Cobres" kommen. Am späteren Abend gönnen wir uns in
unserem Hotelzimmer noch ein "Norte"-Bier und wollen dazu ein Stück von
unserem Käse aus "Tafi" essen. Diese Idee mit dem Käse hatten aber schon
andere, und wir stellen mit Entsetzen fest, dass der ganze Käse voll von
Ameisen ist. Es ist keine Rettung mehr möglich, und wir müssen
bedauerlicherweise den ganzen Käse wegwerfen.
nach
oben
Santa Maria - Cafayate
Dienstag 14. März
Um 10.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum
Busbahnhof, wo um 11.00 Uhr der "Aconquija-Bus" nach "Cafayate"
losfährt. Wir erleben eine sonnige, ruhige Fahrt und auch, als wir drei
Stunden später in "Cafayate" eintreffen, werden wir, entgegen der
Wetterprognosen, von Sonnenschein begrüsst. Gleich an der Bushaltestelle
werden wir von einer jungen Lady angesprochen, die uns ihr Hostal
vermitteln will. Marco und ich haben aber eigentlich nicht die Absicht
hier in diesem vom Tourismus geprägten Dorf zu bleiben, sondern wollen
eine Möglichkeit suchen, nach "San Antonio de los Cobres", das
3800m hoch gelegene Dorf in der Puno-Hochebene, zu gelangen.
Die "Chica" meint aber, dass es von hier aus keine Möglichkeiten bis
"San Antonio" gibt sondern nur Exkursionen bis nach "Cachi". Nein, auch
keine öffentlichen Busse fahren da hin. Wir müssen somit über "Salta"
reisen und uns dort einer Exkursion nach "San Antonio" anschliessen.
Marco und ich wollen selber noch ein paar Recherchen über unsere
geplante Reise machen und entschliessen uns eine Nacht im "Hostal El
Balcon" zu verbringen. Am späteren Nachmittag trinken wir in
verschiedenen Restaurants einen Kaffee und fragen die Leute nach
privaten Fahrern, die uns von hier aus zu unserem Ziel bringen könnten.
Wir werden aber immer wieder an die Touristeninfos weiter verwiesen, die
uns aber nur ihre teuren Exkursionen andrehen wollen. Schliesslich
erfahren wir in einem Café von einem sehr freundlichen Einheimischen,
dass es von "Salta" aus öffentliche Busse nach "San Antonio de los
Cobres" gibt. Wir werden also morgen mit dem "El Indio-Bus" nach "Salta"
fahren und uns da noch einmal schlau machen.
nach
oben
Cafayate - Salta - San Antonio de los
Cobres
Mittwoch 15. März
Pünktlich um 08.30 Uhr finden wir uns bei der
Bushaltestelle vom "El Indio" ein. Um 09.00 Uhr fährt ein etwas in die
Jahre gekommenes Gefährt aus der Garage, das uns nach "Salta"
bringen soll. Wir stellen uns brav in die Warteschlange vor dem Bus und
bezahlen den Fahrpreis beim Einsteigen, wo wir auch unseren Sitzplatz
zugewiesen bekommen. Die Fahrt bringt uns auf der etwa dreistündigen
Reise noch einmal durch die wunderschöne "Quebrada de las Conchas"
und das "Valle de Lerma" mit all den
farbigen Felsenformationen und den Kandelaberkakteen. (siehe auch
Reporte Salta). Am Terminal in "Salta" erkundigen wir
uns am Infoschalter nach der Möglichkeit, mit dem Bus in das Hochland nach "San Antonio
de los Cobres" zu fahren. Der Mann hinter dem Schalter zückt sogleich
einen Plan und schreibt uns die Fahrzeiten für die Hin- und Rückfahrt
auf. Um 15.00 Uhr finden wir uns auf der Plattform 28 ein, wo der Bus "Quebradeño"
losfährt und stellen uns in die Warteschlange. Wir kommen uns hier
ziemlich exotisch vor, denn praktisch alle Leute sind Einheimische, die
mit der braunen Haut und den markanten Indiogesichtern genau so gut aus
Bolivien stammen könnten. Etwas später geht dann der Ticketverkäufer durch die Reihe,
kassiert den Fahrpreis und verteilt die Sitzplatznummern. Das ganze
Gepäck, ausser ein paar Pakete, die auf das Busdach gehievt werden,
nimmt man in den Bus. Zum Glück haben wir nur unsere beiden bescheidenen
Rucksäcke dabei, so können wir noch einigermassen bequem in den engen
Stühlen sitzen. Als der Bus losfährt, ist er schon ziemlich gut besetzt.
Eine junge Frau hat sogar nur ein Ticket gelöst und muss sich nun den
einen Platz mit ihren beiden Kindern teilen,
wobei das ältere der beiden Mädchen zwischen den Sesseln auf dem Gepäck
sitzen muss. Unterwegs steigen immer noch mehr Leute zu, und der Gang
des Busses füllt sich allmählich mit stehenden Fahrgästen. Wir
beobachten, dass einige Leute auf den
Bus warten, sich ein Ticket für eine Fahrt in den nächsten Tagen
kaufen, um sich so einen Sitzplatz zu reservieren. Den ersten grösseren
Halt erleben wir in "Quijana", wo noch einmal
Leute zusteigen. Einige Passagiere steigen hier aus, um sich etwas zu
essen und zu trinken zu kaufen. Einheimische Frauen preisen auch diverse
Getränke, Esswaren und andere Sachen zum Kauf direkt durch das Busfenster
an. Ich habe nicht daran gedacht Kokablätter, als Massnahme für die Höhe,
aus dem Medizinbeutel im Rucksack zu nehmen und kaufe einer Frau ein
Päckchen Kokablätter für einen Peso durch das Busfenster ab. Jetzt sind
wir gerüstet für unser neues Abenteuer, das nun mit dem Weg auf den Pass
hinauf beginnt. Die steinige Schotterstrasse, die uns Kurve um Kurve
höher hinaufbringt, ist nicht gerade in allerbestem Zustand, und auf der
einen Seite des schmalen, einspurigen Weges fällt der Hang steil ab und
tief in das Tal hinunter, und auf der anderen Seite ist der rohe Felsen.
Kriminell wird es aber, als der Bus in einer der schmalen und engen Kurven
mit einem LKW mit Anhänger kreuzen muss! In diesem Moment schicken wir
ein paar Stossgebete in den Himmel! Zum Glück regnet es nicht auch noch. Weiter geht die Fahrt durch diese
eindrückliche mit hohen Kandelaberkakteen bewachsene Natur. Immer wieder
kreuzen wir auf der Fahrt die Geleise der imposanten
Eisenbahnlinie des im Moment stillgelegten "Tren a las Nubes",
die
über hohe Brücken und Tunnels das gleiche Tal entlang führt. Während der
Fahrt kommen wir an
kleinen Wohnsiedlungen vorbei, die aus ein paar einfachen, flachen Steinhäusern bestehen
und zum Teil ohne Stromanschluss sind. Uns beeindruckt das bescheidene
von Landwirtschaft und Ziegen- oder Schafhaltung geprägte Leben, dass
die Leute hier draussen mitten in den Bergen führen. Der Bus macht bei
diesen Siedlungen ab und zu einen Halt, hupt kräftigt und liefert einen Brief oder ein
Päckchen ab. Einmal klemmt der Busbegleiter den Brief am Strassenrand
unter einen Stein und winkt dem herbei eilenden Empfänger zu. Manchmal steigen auch Einheimische irgendwo mitten im Nirgendwo ein oder aus, und wir erkennen erst beim Weiterfahren, dass
hinter einer Wegbiegung ein kleines, verstecktes Wohnhäuschen steht.
Einige Höhenmeter weiter rumpelt es plötzlich nicht mehr so gewaltig,
und wir stellen fest, dass wir nun auf einer tiptop ausgebauten, breiten
Strasse weiterfahren. In dieser faszinierenden Natur der
Hochebene, zwischen den gewaltigen braun-roten, mit Kakteen bewachsenen
Felsen, begegnen wir sogar Pferden und Rindern. In dem etwas grösseren
Dörfchen "Santa Rosa de Tastil" machen wir eine kurze WC-Pause, bevor
der Bus dann noch einmal einige Höhenmeter aufwärts keucht. Jetzt können
wir auch schon den einen oder anderen schneebedeckten Gipfel der Anden
erkennen. Nach dem Dörfchen "Cuevas" endet die asphaltierte
Strasse. Anschliessend gelangen wir auf die Passhöhe "Abra
Blanca", die mit 4080m der höchste Punkt unserer heutigen Reise ist.
Das Abendrot in der beginnenden Dämmerung stellt einen einmalig farbigen
Kontrast zu den Felsen dar. Auf der Weiterfahrt können wir sogar noch
den wunderbaren Mondaufgang des beinahe vollen Mondes zwischen den
Berggipfeln beobachten. Danach wird es ziemlich schnell dunkel, und es
kommt uns vor, als hört der Weg gar nicht mehr auf. Am Horizont erkennen
wir dann aber irgendwann doch noch die ersten Lichter von "San Antonio
de los Cobres". In der Nähe des Dorfzentrums steigen wir aus und finden
mit Glück gleich ein Zimmer in der "Hospedaje El Palenque". In einem der
vier Dorfrestaurants machen wir noch Bekanntschaft mit einer jungen,
brasilianischen Schauspielerin und Autorin, mit der wir einen netten
Abend verbringen.
nach
oben
San Antonio de los Cobres
Donnerstag 16. März
Um 10.00 Uhr klopft es an unserer Zimmertüre, und die
Hausmutter der "Hospedaje" bringt uns die versprochene Thermoskanne mit heissem Wasser
und zwei Tassen, damit wir unseren Kaffee zubereiten können.
Jetzt sind wir wach und bereit, das Dorf "San Antonio de los Cobres"
kennen zu lernen. Draussen ist herrlich warmes, sonniges T-Shirt-Wetter
und das auf 3800 Meter, unglaublich. "San Antonio" ist ein einfaches
Dorf auf der "Puno-Hochebene" und ist einer der höchstgelegenen
Orte in Argentinien. Die sehr freundlichen, kleingewachsenen Einheimischen haben allesamt
typische indogene Gesichter und viele Leute haben sehr schlechte
Zähne. Je näher man der bolivianischen Grenze kommt desto mehr Leute
sieht man mit einer aufgeblasenen linken Wange. Das ist nicht etwa wegen
eventuellen Zahnschmerzen, sondern wegen den Coca- Blättern, die sie in
die Backentasche schieben und den ganzen Tag zu kauen scheinen. Wir kommen uns
vor, als wären wir hier schon
in Bolivien. Ausserdem fällt uns auf, dass im Norden Argentiniens
allgemein mehr alkoholische Getränke konsumiert werden, dafür weniger
"Mate". In einem "Comedor" = Speiserestaurant fragen wir
nach der Touristeninformation, denn wir wollen heute noch herausfinden,
wie wir zu der bekannten Brücke "Viaducto La Polvorilla", dem höchsten Punkt
des "Tren de las Nubes", gelangen können. Die
Touristeninformation finden wir leider trotz der Beschreibung der
freundlichen Dame nicht. Als wir dann gegen Mittag
noch einmal gemütlich durch das Dorf mit den bescheidenen, flachen Steinhäusern
schlendern, scheint gerade die Schule aus zu sein, denn uns begegnen
viele Kinder, die uns fröhlich zuwinken. Einige von ihnen fragen uns nach
einem Peso oder wollen ein "Caramelo" = Bonbon von uns haben. Da wir im
Moment noch keine Naschereien bei uns haben, geben wir einem kleinen
Mädchen, dass sich von uns fotografieren lässt, entgegen unserer
Überzeugung ein 50 Centavo-Geldstück. Gleich danach kaufen wir an einem
Kiosk eine Tüte Schleckstängel, um für alle Fälle gewappnet zu sein. In
der Post, an der wir zufälligerweise vorbeikommen, fragen wir die
Dame am Schalter nach einem Internetcafé. Anscheinend soll es gleich in
der Nähe eines geben, aber wir finden auch das nicht. Wir fragen noch einmal zwei ältere,
zahnlose Frauen auf der Strasse nach der Touristeninformation. Nach
einigen Verständigungsschwierigkeiten zeigen sie nickend und lächelnd
auf
ein weisses, unangeschriebenes Haus, das aber leider geschlossen hat. Durch ein offenes Fenster erkennen wir
jedoch
einige Prospekte, die durchaus zu einer Touristeninfo passen könnten.
Plötzlich hören wir ein Rufen hinter uns, und ein Mann kommt winkend auf
uns zu. Es stellt sich heraus, dass er der Touristeninformierer ist. Von
ihm erfahren wir, dass es "Remisen" = Sammeltaxis geben soll, die zum "Viaducto"
fahren, und auch der "Movitrack", ein umgebauter Lastwagen, solche
Touren anbietet. Er zeigt uns noch die Richtung, wo wir uns über diese beiden
Varianten weiter informieren können, bevor er sich von uns
verabschiedet. Vor dem Restaurant, wo wir gestern gegessen haben, steht
ein "Movitrack", dem wir eine halbe Stunde zuvor auf der Strasse begegnet
sind. Im Restaurant treffen wir tatsächlich die Mitarbeiter dieses
Unternehmens und fragen nach der Möglichkeit mit ihnen zu der Brücke zu
fahren. Leider fahren sie aber heute zu den Salinen und weiter nach "Jujuy".
Später in der "Remiseria" erklärt man uns, dass ihr Fahrer nicht
zugegen ist, und sie wissen nicht wann er zurückkommt. Wir sollen doch um 15.00 Uhr noch einmal vorbeikommen. Wieder zurück im Restaurant fragen
wir ein paar Leute, ob es eine Möglichkeit gibt privat zu der
Brücke zu fahren. Und tatsächlich, eine Frau kennt den Wirt des
Restaurants, und der kennt wiederum jemanden, der solche Fahrten anbietet. Wir
sollen uns doch wegen Zeit und dem Preis bei der Serviceangestellten melden, die uns
zuvor bedient hat. Die Serviererin macht auf uns zwar einen etwas
unkompetenten Eindruck, sie erklärt uns aber nach einer Weile, dass wir
um 16.30 Uhr für 40 Pesos zur Brücke gefahren werden. Wir melden uns
noch einmal in der "Remiseria", wo man aber noch nichts Neues
weiss. Pünktlich um
16.30 Uhr sind wir im Restaurant und melden uns beim Personal wegen der
verabredeten Fahrt. Einer der "Chicos" nickt und lächelt, als ich ihm
sage, dass wir draussen warten werden. Und wir warten,
warten und warten, aber kein Auto kommt und holt uns ab. Nach einer
knappen halben Stunde fragen wir noch einmal nach, was nun mit der Fahrt
zu der Brücke ist. Die Serviererin, die uns die Offerte gemacht hat, will
aber plötzlich von nichts mehr wissen. Nach hartnäckigem Nachfragen
erklärt uns eine zweite Dame, dass der Fahrer noch unterwegs ist, und es
noch ungewiss ist, wann er zurückkommt, aber wir können ruhig hier
warten. Nach einer weiteren halben Stunde heisst es dann aber, dass der
Fahrer heute nicht mehr nach "San Antonio" zurückkommen werde. Na toll!
Auch in der "Remiseria" gibt es für heute keine Möglichkeit mehr mit
einem Auto zu der Brücke zu fahren, aber wir sollen uns doch noch in der
Bäckerei an der nächsten Strassenecke melden. Gesagt getan, wir melden uns. Und
tatsächlich treffen wir einen ehemaligen "Remisenfahrer" an, der ab und
zu noch private
Fahrten macht. Nach einigem Hin und Her erklärt er sich bereit, uns für
40 Pesos zum Viadukt hoch zu fahren. Phu, endlich geschafft! Eine halbe
Stunde später, unser Chauffeur Wilfredo will unbedingt noch sein schon ziemlich
altes, abgenutztes Auto waschen, fahren wir auf einer Naturstrasse durch
die unglaublich fantastische Natur der
Eisenbahnlinie entlang hinauf. Vom höchsten Punkt aus sehen wir
eine Hügelkette, wo sich mit 4800m die
höchste befahrbare Stelle in der Provinz "Salta" befindet. Von hier aus haben wir
auch einen wunderbaren Panoramablick auf die zum Teil schneebedeckten Gipfel
der Anden. Während der einstündigen Fahrt erzählt uns Wilfredo, dass
früher, als der "Tren a las Nubes" noch gefahren ist, mehr Touristen
nach "San Antonio de los Cobres" gekommen sind, und er auch mehr Aufträge
hatte. Jetzt werden die meisten Exkursionen von "Salta" oder "Jujuy" aus
organisiert und "San Antonio" werde von den meisten Touristen nur noch
als Durchgangsstation genutzt. Das ist auch der Grund, dass es im Dorf nur noch drei "Hospedajes" gibt.
Wilfredo erzählt auch ein bisschen von der Geschichte des Zuges und wir erfahren, dass es 48 Jahre gedauert hat, die Eisenbahnlinie des
Wolkenzuges zu bauen. Damals ging die Linie bis zur Grenze nach Chile
und wurde vor allem als Gütertransport für die Minenerzeugnisse wie
Kupfer, Gold, Silber und zum Teil auch Blei genutzt. Heute werden in
diesem Gebiet immer noch Mineralien abgebaut, aber viele Arbeiten werden
maschinell verrichtet und für den Gütertransport stehen grosse "Camiones"
zur Verfügung. Dann endlich kommt die imposante
Brücke zum Vorschein. Das 64m hohe und 224m lange "Viaducto La Polverilla"
befindet sich auf bescheidenen 4200m. Wir erzählen Wilfredo, dass sich
bei uns in der Schweiz auf dieser Höhe die höchsten schneebedeckten
Alpengipfel befinden. Die Brücke ist auf vielen Bildern und Postkarten von Argentinien zu
bewundern und gilt als ein Wahrzeichen dieses Landes. Nun haben auch wir die Gelegenheit dieses
bauliche Wunderwerk live zu sehen. Den ganzen Aufwand, den wir heute
betrieben haben, hat sich für uns nun tausendfach gelohnt. Nach der
Fotosession fahren wir einen anderen, etwas holperigeren Weg, vorbei an
einer Lamaherde, wieder
zurück nach "San Antonio de los Cobres", wo wir von unserem sehr netten
und liebenswerten Chauffeur Wilfredo direkt vor unsere "Hospedaje"
gefahren werden. Unserer Hausmutter gibt uns später noch den Tipp, die
Bustickets für die morgige Fahrt nach "Salta" noch heute im Dorf zu
kaufen, damit wir sicher einen Sitzplatz haben. Wir gehen also gleich
noch einmal los und können in einem kleinen Kleidergeschäft tatsächlich
zwei Tickets nach "Salta" lösen. Etwas geschafft von diesem turbulenten
und interessanten Tag gehen wir nach einem kleinen Abendessen
frühzeitig schlafen.
nach
oben
San Antonio de los Cobres
- Salta - Jujuy
Freitag 17. März
Um 06.15 Uhr werden wir vom Wecker aus unseren warmen
Betten getrieben. Etwas später kommt unsere Hausmutter im Pyjama, um uns
zu ermahnen aufzustehen, damit wir den Bus nicht verpassen. Draussen ist
es noch dunkel, sternenklar, aber auch ziemlich kalt, als wir vor der "Hospedaje"
auf den Bus warten. 10 Minuten später steigen wir in denselben Bus mit
dem gleichen Chauffeur wie vorgestern, als wir hierher gekommen sind.
Langsam beginnt es auch zu dämmern, und auf dem Pass "Abra Blanca"
erleben wir den Sonnenaufgang auf 4080 Meter Höhe. Wieder ist ein
wunderbarer, strahlender Tag auf diesem faszinierenden Hochland angebrochen. Unterwegs steigen immer wieder ein paar Schulkinder ein, die
zum nächst grösseren Dörfchen in die Schule müssen. Der Chauffeur hat
hier also gleich auch noch die Funktion als Schulbusfahrer, und einige
der Kinder begrüssen ihn auch mit "Buenos Dias Papá". Um 11.45 Uhr
kommen wir in "Salta" an, die uns nach diesem Erlebnis wie
eine moderne Grossstadt erscheint. Wir erkundigen uns am Infoschalter nach der
Weiterfahrt bis "San Salvador de Jujuy". Es fahren zahlreiche Busse nach
"Jujuy", und bereits eine Dreiviertelstunde später sitzen wir im Bus vom
Unternehmen "Balut". Auf der Fahrt wird uns im bequemen,
doppelstöckigen Bus sogar noch ein Film gezeigt, und so vergeht die etwa
zweistündige Fahrt im Nu. Gleich in der Nähe des Busterminals von "Jujuy"
finden wir die "Residencial San Salvador", wo wir uns bei der
sehr netten Familie für die nächsten zwei
Nächte ein Zimmer nehmen. Später spazieren wir in die lebendige, bunte Stadt und
erkundigen uns nach Ausflugsmöglichkeiten in die Punaregion. Leider sind
die geführten Exkursionen auch hier ziemlich teuer, und so entscheiden
wir uns für morgen nur einen kleinen Ausflug mit dem öffentlichen Bus in
das bekannte Dörfchen "Purmamarca" oder "Tilcara" zu machen. Den heutigen Tag
beschliessen wir mit einem dunklen "Salta-Bier" in einem
Einheimischen-Restaurant mit Livemusik. Zurück vor der geschlossenen
Hoteltüre klingeln wir und warten einige Zeit, bis uns der Besitzer im
Pyjama die Türe öffnet. Erst später merken wir, dass uns der
Zimmerschlüssel fehlt. Also müssen wir nochmals scheu an die
Schlafzimmertüre des Besitzers klopfen. Die Dame des Hauses, ebenfalls
im Schlafgewand, öffnet ganz überrascht die Türe, hat aber nebenan auf
einer Kommode unseren Schlüssel schon bereit gelegt. Na dann, gute
Nacht.
nach
oben
Jujuy
Samstag 18. März
Gegen Mittag gehen wir zum Busterminal und kaufen am
"Ventanilla" des Busunternehmens "Purmamarca" zwei "Boletos" nach "Purmamarca".
Der junge Ticketverkäufer mit Hemd und Krawatte ist zugleich auch unser
Chauffeur, mit dem wir durch die "Quebrada Humahuaca" =
Humahuaca-Schlucht fahren. Um 13.00 Uhr macht der Bus in "Volcán", einem
kleinen Dörfchen, einen Halt. Beinahe alle Passagiere steigen aus,
stellen sich in eine Schlange, holen sich was zu Essen und machen ein
gemütliches Picknick. Diejenigen, die nicht aussteigen, holen ihre
Sandwiches aus dem Gepäck und tafeln im Bus. Anscheinend ist um 13.00
Uhr die festgelegte Mittagessenszeit. Dieses Ritual dauert etwa eine
halbe Stunde, bis der Bus wieder weiterfährt. "Purmamarca" ist ein
kleines Dörfchen mitten in den Bergen der Region "Quebrada Humahuaca",
welches vor allem wegen des "Cerro de los Siete Colores" bekannt ist.
Der sieben-farbige Felsen ist einmalig auf der ganzen Welt und eine
Wucht. Wir erklimmen einen kleinen Hügel und haben von hier aus einen
wunderbaren Überblick auf die Bergregion, die leuchtenden, farbigen
Felsen und auf das Dorf. Auf dem Hügel lernen wir drei sehr sympathische
Jungs aus "Tucumán" kennen, die das Wochenende hier verbringen. Eine
Stunde später klettern wir wieder hinunter, spazieren noch durch den Ort
und am Hauptplatz vorbei. Wir begegnen einigen Souvenirshops,
Strassenverkäufer und Restaurants. Der Ort ist ein viel besuchtes
Touristenziel. Um 15.00 Uhr erwischen wir zufälligerweise gerade noch
den Linienbus "El Vallisto" nach "Jujuy". Ansonsten hätten wir bis um
19.00 Uhr auf den nächsten Bus warten müssen. Die Fahrt dauert, diesmal
ohne Pause, zwei Stunden, und wir können noch einmal die wunderschöne
Landschaft der Schlucht geniessen.
nach
oben
Jujuy - Humahuaca
Sonntag 19. März
Heute um 12.45 Uhr fahren wir mit Busunternehmen "El
Quiaqueño" in Richtung "Humahuaca". Damit auch alle wissen, dass der Bus
sehr neu ist und über ein DVD-Gerät verfügt, wird uns ein Film gezeigt.
Allerdings wird dieser vom Busbegleiter sofort unterbrochen, als eine
Sexszene gezeigt wird, und ein anderer Film wird eingeschoben.
Allerdings funktioniert diese DVD nicht, und so wird halt das Gerät
definitiv ausgeschaltet und dafür schöne, argentinische Popmusik
gespielt. Ausserdem hat sich eh niemand für den TV interessiert, da die
Natur draussen viel sehenswerter ist. Wir durchqueren auf der sehr
rasanten Fahrt die "Quebrada Humahuaca" und das wunderschöne Tal "Valle
Humahuaca". Laut "Encarta" wurde die Schlucht wegen ihrer ehemals
wichtigen Bedeutung als Handelsroute und ihrer Vielzahl an Spuren
früherer Besiedlung der Urvölker im Juli 2003 von der UNESCO zum
Weltkulturerbe erklärt. In dieser Gegend finden wir die schönsten farbigen
Gegensätze. Die farbigen, braunen, gelblichen und vielen brandroten
Felsen, die Kandelaberkakteen und das grün des Grases und der Büsche
bilden einen unbeschreiblichen Kontrast zu dem blauen Himmel mit den
schönen weissen Wolkentürmen. In einem kleinen Dörfchen, in der Nähe des
bekannten Ortes "Tilgara", findet anscheinend heute ein "Gauchofest"
statt. Wir erkennen in Trachten gekleidete Frauen und Männer, die hoch
zu Ross in einer Parade reiten. Deswegen muss auch der Buschauffeur die
Geschwindigkeit des Busses auf Schritttempo reduzieren. Gleich danach
drückt er aber wieder voll auf sein wahrscheinlich neues Gaspedal und
blocht in halsbrecherischer Fahrt bis in das knapp 3000m hohe Dorf "Humahuaca"
durch. Wir entscheiden uns eine Nacht hier zu bleiben und mieten im "Residencial
Colonial" ein hübsches Zimmer mit TV. Wenn es möglich ist, besuchen wir
morgen noch die zwei idyllischen Dörfchen "Iturbe" und "Iruya", bevor
wir dann weiter nordwärts bis an die Grenze von Bolivien reisen. Am
späteren Nachmittag, wir haben eben noch unsere von Hand gewaschenen
Kleider auf die quer durch das Zimmer gespannte Schnur gehängt, machen
wir einen Spaziergang in herrlichstem Sonnenschein durch das Dorf. Ein
grosser Teil des von farbigen Felsen umgebenen Ortes "Humahuaca" liegt
auf einer Anhöhe, die durch verschiedene Treppen, zum Beispiel vom
Dorfplatz aus, zu erreichen ist. Auf dieser Anhöhe ist auch das Denkmal
für die Kriege der Unabhängigkeit zu sehen. Eine Gruppe Kinder erklären
uns in auswendig gelerntem Text die Geschichte dieses Monumentes und
ihres Dorfes. Dafür wollen sie natürlich eine "Moneda" haben. Nun sind
wir ja zum Glück mit "Caramelos" ausgestattet, und jeder bekommt einen
Schleckstängel, an dem sie kurze Zeit später zufrieden lutschen. Das
Dorf selber besteht aus vielen meist flachen, braunen Steinhäusern. Die
Grundmauern und die Strassen sind teilweise noch aus der Kolonialzeit
erhalten. Da heute Sonntag ist, wirkt das Dorf wie leergefegt, denn
beinahe alle Geschäfte und Restaurants sind geschlossen, und wir
begegnen daher nur sehr wenigen Leuten auf der Strasse. Am Abend, sobald
die Sonne verschwindet, wird es in "Humahuaca" ziemlich kühl. Mit
Pullover und Faserpelzjacke gehen wir später noch einmal ins Dorf und
finden sogar ein Restaurant, wo wir bei bolivianischer Livemusik etwas
warmes zu Essen bekommen.
nach
oben
Humahuaca
Montag 20. März
Bei strahlendem Bilderbuchwetter verlassen wir heute
unser Hotel und gehen zum Hauptplatz des Dorfes. Marco macht noch ein
paar Fotos, und ich stelle mich derweil in der Post in die
Warteschlange, um den Brief mit den Foto CD's in die Schweiz zu
schicken. Während des Wartens beobachte ich, wie einige einheimische
Frauen am Postschalter ihre Ausweise zeigen, 50 Centavos bezahlen und
dafür vom Pöstler einige hundert Pesos bekommen, ich vermute den
Monatslohn, und auf einem Papier den Erhalt mit einer Unterschrift
bestätigen. Diejenigen, die nicht schreiben können, drücken den Daumen
in das Stempelkissen und geben ihren Fingerabdruck als Unterschrift.
Dann bin auch ich an der Reihe, bezahle für den Brief und hoffe, dass er
den weiten Weg gut übersteht. Marco hat mittlerweile seine Sujets auf
der Kamera festgehalten, und wir gehen zum Busterminal, wo wir beim
regionalen Busunternehmen "Mendoza" zwei Retourfahrten nach "Iruya"
kaufen. Kurz nach 10.30 Uhr beginnt für uns einen weitere abenteuerliche
Reise mit einem weiteren nicht mehr ganz modernen, überfüllten Bus.
Einige Leute müssen aber bereits in der ersten halben Stunde der Fahrt
wieder aussteigen, und zuletzt hat jeder einen Sitzplatz. Im Bus
arbeiten drei Männer, der Chauffeur, der Ticketverkäufer und der
Gepäckträger. Letzterer muss bei jedem Halt via der Leiter, die auf der
rechten Busseite montiert ist, auf das Busdach klettern und das Gepäck
der Passagiere entweder hinauf oder hinunter hieven. Nach der Kreuzung,
wo die Strasse nach "Iturbe" und "Iruya" abzweigt, endet die
asphaltierte Strasse, und wir fahren auf einer steinigen, staubigen,
kurvenreichen und holperigen Naturstrasse weiter. Unterwegs steigen
immer wieder ein paar Leute ein oder aus, die irgendwo in der staubigen
Landschaft zu wohnen scheinen. Etwa nach einer Stunde kommen wir in das
Dorf "Iturbe", das mitten zwischen den Bergen in einem Tal liegt und so
unbedeutend zu sein scheint, dass wir diesen Wohnort nirgendwo auf der
Strassenkarte gefunden haben. Da hier sehr viele Einheimische ein- und
aussteigen, macht der Bus einen fünfminütigen Halt, und wir haben die
Gelegenheit am Busterminal, der eher an einen Markt erinnert, unsere
Beine zu vertreten. Danach geht die Fahrt auf der engen und kurvigen
Schotterpiste weiter und hinauf und immer weiter hinauf, vorbei an
einfachen, verstreuten Steinhäusern, bis zum Pass auf 4000m. Hier hält
der Bus noch einmal für fünf Minuten, denn auch hier steigen Leute aus,
und der Gepäckmann muss auf's Dach klettern, um ihnen ihre Habe hinunter
zu reichen. Wir geniessen in dieser Zeit die Aussicht in das Tal, das
leider auf keiner Karte beschrieben ist. Da aber der "Rio Iruya" hier
durchfliesst, nehmen wir an, das es das "Valle Iruya" sein muss. Weiter
geht es dieses enge, steile und kurvenreiche Bergsträsschen
hinunter. Auf der einen Seite fällt das Tal steil hinunter, und auf der
anderen Seite ist der Felsen. In manchen engen Kurven, die sich genau
auf der äussersten Felsspitze befinden, ist uns schon ein bisschen
mulmig zu Mute. Die wunderbare Aussicht auf das Tal in dem herrlichen,
sonnigen Wetter ist aber so einmalig und zauberhaft, dass wir gar nicht
lange Zeit haben uns mit irgendwelchen Horrorvorstellungen
herumzuschlagen. Auf der letzten Strecke führt der Weg durch einen
Flusslauf, und die Strasse wird immer schlechter. Bei einer tiefen Mulde
bleibt der Bus sogar stecken, und der Ticketmann und der Gepäckmann
müssen Steine unter die Busräder legen, damit der Bus weiterfahren kann.
Um ca. 13.00 Uhr erreichen wir aber wohlbehalten das idyllische, am Hang
gelegene Dorf "Iruya". Wir spazieren die steilen mit grossen
Pflastersteinen gebauten Strässchen hinauf und hinunter.
Überraschenderweise gibt es hier unzählige "Hospedajes" und Restaurants.
Anscheinend leben die Leute hier unter anderem auch sehr stark vom
Tourismus. Um 15.15 Uhr fährt derselbe Bus, mit dem wir gekommen
sind, mit derselben Mannschaft den steilen Weg wieder zurück nach "Humahuaca".
Während der Fahrt muss der Chauffeur ein paar Mal laut hupen, um die
friedlich grasenden Esel von der Fahrbahn zu verscheuchen. Bei einer
kleinen Wohnsiedlung, kurz nachdem wir die Passhöhe erreicht haben,
steigt eine Mutter mit ihrer Tochter in den Bus. Durch das Fenster
beobachten wir, dass sie einen Sack voll Fleisch auf das Dach laden
lässt. In "Iturbe" steigen die zwei wieder aus, wobei zu bemerken ist,
dass sie, in dem wiederum recht vollen Bus, die Schafffüsse des
anscheinend frisch geschlachteten Schafes vergessen hat. Diese werden
ihr dann stückweise, zusammen mit dem noch blutigen Schafskopf,
hinausgereicht. Na ja, das ist schon nicht gerade unsere Vorstellung von
Hygiene, aber in dieser einfachen Welt hier draussen in der Natur ist es
wahrscheinlich eine alltägliche Szene. Um 18.30 Uhr kommen wir mehr
geschüttelt als gerührt, nach diesem schönen und interessanten Ausflug,
in "Humahuaca" an. Heute Abend gehen wir noch in eines der vielen
Internetcafés und aktualisieren unsere Portadapage, bevor wir den
erlebnisreichen Tag beschliessen.
nach
oben
Humahuaca - La
Quiaca - Villazón (Bolivien)
Dienstag 21. März
Nach dem üblichen Aufräum- und Einpackritual gehen
wir um 10.00 Uhr zur Bushaltestelle und ergattern uns wieder einmal sehr
kurzfristig zwei Tickets für den "Balut-Bus" nach "La Quiaca", der
argentinischen Grenzstadt zu Bolivien. Wir erleben eine ruhige und
schöne Fahrt mitten durch das Altiplano-Hochland. Auf diesem ca. 3500m
gelegenen Hochland sehen wir vor allem grosse Lamaherden, die zum Teil
mitten auf der Strasse stehen und den Bus zwingen anzuhalten, damit die
ganze Herde passieren kann. Aber auch Schafe, Rinder und ein paar Esel
werden hier oben gehalten. Wir sind fasziniert von dem breiten, flachen,
von Bergen umringten und von der Regenzeit her grünen Hochland, das sich
bis weit nach Bolivien zieht. Auf unserer Fahrt kommen wir auch in dem
3500m hohen Dorf "Abra Pampa" vorbei, das sehr bekannt ist für seine
Ausgrabungen aus der Zeit der Ureinwohner. Aus den Beschreibungen der
Einheimischen in "Humahuaca" und anderer Reisenden haben wir gedacht,
dass das Dorf nur gerade aus zwei Häusern und einem Museum besteht. Dem
ist aber nicht so. Nur schon bei der Fahrt durch das Dorf bis zum
Busterminal erkennen wir viele "Hospedajes" und Restaurants. Ausserdem
lebt das Dorf von den bunt gekleideten Einheimischen, und wir bereuen es
beinahe ein bisschen, nicht doch noch einen Zwischenhalt in diesem
authentischen Dorf zu machen. Andererseits wollen wir heute auf direktem
Weg nach Bolivien gelangen. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt weiter
durch die eindrückliche Natur des Hochlandes kommen wir in "La Quiaca"
an. Von hier aus soll es angeblich möglich sein, zu Fuss in die
bolivianische Grenzstadt "Villazón" zu gelangen. Wir fragen eine Gruppe
Frauen nach dem Weg zur Grenze, und es stellt sich heraus, dass sie aus
Bolivien kommen und ebenfalls über die Grenze wollen. Schon von Weitem
sehen wir dann auch die Grenzbrücke mit dem blühenden Schwarzhandel.
Überall rennen schwer beladene Frauen und Männer wie Ameisen zwischen
den Grenzen hin und her. Erst wenn sie auf heimischen Boden sind,
verlangsamen sie ihr Tempo und warten sogar auf ihre Kollegen. So etwas
haben wir noch nie erlebt. Am argentinischen Zoll bekommen wir ohne
Probleme unsere Ausreisestempel, und der nette Zöllner zeigt uns sogar
noch die Richtung zum bolivianischen Zoll. Auf dem Weg über die Brücke
müssen wir aufpassen, dass wir nicht von den Schmugglern überrannt
werden. Doch auch die Abwicklung am bolivianischen Zoll verläuft
unproblematisch und reibungslos. Die weiteren Berichte unserer Abenteuer
in Bolivien sind im
Reporte Bolivien zu erfahren.
nach
oben
Pocitos - Mendoza
Dienstag 18. April
Mit Ach und Krach ist es uns gerade noch gelungen, mit
unseren letzten Geldreserven ein Ticket nach Mendoza zu ergattern (siehe
Reporte Bolivien).
Da der Bus erst um 18.00 Uhr los fährt, bleibt uns noch eine Stunde Zeit
etwas kleines zu essen. Die paar Pesos, die wir noch haben, reichen
gerade für eine Mahlzeit, und bis auf 50 Centavos sogar noch für ein
Cola. Wieder zeigen sich die Argentinier als sehr freundlich, und wir
bekommen das Getränk trotz des fehlenden Fünfzigers. Als Zeichen unserer
Dankbarkeit schenken wir der Restaurantbesitzerin unseren letzten
Glücksfünfräppler, über den sie sich sehr freut. Am Busterminal treffen
wir auch unsere zwei Bolivianer-Argentinier wieder, die die Zeit genutzt
haben noch einige Mitbringsel, wie z.B. ein Kindervelo, für die Familie
zu besorgen. Leider hat der Bus eine geschlagene Stunde Verspätung,
willkommen in Argentinien, und so fahren wir erst gegen 19.00 Uhr in "Pocitos"
los. Im Vergleich zum vorherigen bolivianischen Kampfbus ist dieser Bus
geradezu luxuriös, und wir können sogar im TV Videofilme schauen. Eine
halbe Stunde nach Abfahrt hält der Bus aber plötzlich, und alle
Fahrgäste müssen samt Handgepäck aussteigen. Drogenkontrolle! Alle
Rucksäcke und Taschen werden ausgeräumt und nach Drogen untersucht. Auch
der Bus selber wird auf Herz und Nieren auf allfällige illegale
Souvenirs untersucht. Eine halbe Stunde später ist der ganze Spuk wieder
vorbei, und die Fahrt geht weiter. Aber auch dieses Mal dauert es
nicht lange, und die nächste Kontrolle steht an! Wieder das ganze
Programm von vorne und diesmal mit ziemlich idiotischen unfreundlichen
Beamten, was uns, müde von der nun bereits etwa 30 Stunden dauernden
Reise, etwas nervt. Unsere zwei Bekannten aus Bolivien nehmen es
gelassen und meinen nur, dass es noch einmal etwa drei bis vier solche
Kontrollen geben könnte. Auch der Chauffeur kennt diese Kontrollen zur
Genüge, denn dies ist anscheinend der Drogenschmugglerweg Nummer eins
zwischen Bolivien und Argentinien. Na toll! Nach der dritten Kontrolle
machen wir im Dorf "Embarcacion" einen kleinen halbstündigen Halt, wo
wir die Gelegenheit haben einen Bankomaten zu suchen, denn immerhin
haben wir keinen Fünfer mehr im Hosensack. Tatsächlich findet Marco
einen Geldautomaten, und wir sind um eine Sorge weniger belastet.
Zusammen mit Hanibal kaufen wir ein dunkles Bier, das wir auf der
Weiterfahrt als Schlummertrunk geniessen. Im Bus ist es angenehm warm,
und da wir auch ziemlich übermüdet sind, schlafen wir wie die
Murmeltiere. Mit Glück findet keine Drogenkontrolle mehr statt, die uns
aus unseren Träumen gerissen hätte.
nach
oben
Mittwoch 19. April
Um 07.00 Uhr scheint bereits die Sonne durch das
Busfenster, der Buschauffeur bereitet starken, sehr süssen Kaffee zu und
verteilt Kekse zum Frühstück. Wir dösen noch etwas vor uns hin, bis die
vierte Drogenkontrolle stattfindet, die sich Gott sei Dank auf eine
einfache Passkontrolle im Bus beschränkt. Etwa um 09.00 Uhr treffen wir
am Terminal von "San Miguel de Tucumán" ein, wo es eine halbe Stunde
Pause gibt, die wir nutzen, um uns im öffentlichen Bad etwas zu
erfrischen. Dann geht die unendliche Reise weiter durch uns bekanntes
und unbekanntes Gebiet von Argentinien. Schon jetzt auf der Fahrt merken
wir den gewaltigen kulturellen Unterschied zwischen dem Norden und dem
Süden von Südamerika. Wie wird es uns wohl erscheinen, wenn wir wieder
in Europa sind? Dieser Gedanke befremdet uns etwas, und wir schieben ihn
schnell wieder beiseite, denn noch sind wir in unserer dritten Heimat
Argentinien, wo wir uns wohl und sicher fühlen. Plötzlich registrieren
wir, dass der Bus seit einer halben Stunde kein bisschen mehr
weitergefahren ist, und die meisten Passagiere recken die Hälse, um zu
erfahren, was der Grund für diesen Stillstand ist. Es ist eine
Strassenblockade der Tabakbesitzer, die anscheinend zu viele Steuern
bezahlen müssen, was uns natürlich brennend interessiert! Kaum zu
glauben und dies, nachdem wir einen Monat in Bolivien und Peru ohne
solche Probleme gereist sind. Auch die Polizei scheint in diesem Land
nichts gegen solche Blockaden zu unternehmen, denn es fährt nur gerade
ein Streifenwagen vorbei, schaut, was los ist und verzieht sich wieder.
Na toll. Nach einer Stunde Warterei kehrt der Bus um und versucht eine
andere Route zu fahren, doch auch diese scheint nicht befahrbar zu sein,
denn nach einer Weile und mehreren Diskussionen des Chauffeurs mit den
Einwohnern kehren wir wieder um und reihen uns in die mittlerweile
kilometerlange Warteschlange ein. Während wir auf der Strasse mitten im
Nirgendwo fest sitzen, zünden die Demonstranten mitten auf der Strasse
Holz und Autoreifen an und finden sich anscheinend voll cool! Uns nervt
es eher, und uns erstaunt es sehr, dass auch die unzähligen
Lastwagenfahrer keine Anstalten machen, dem Ganzen unsinnigen Treiben
eine Ende zu setzen. Na ja, uns bleibt auch nichts anderes übrig, als
geduldig zu warten. Nach etwa vier Stunden löst sich die ganze Blockade
wieder auf, und die Strasse wird gnädigerweise wieder für den Verkehr
frei gegeben. Für uns Reisende bedeutet die ganze Warterei aber eine
erneute Nacht im Bus. Die Fahrt geht nach diesem ärgerlichen Ereignis
aber ruhig weiter bis nach "Catamarca", wo es eine kurze Pause gibt, und
wir uns für die bevorstehende 10-stündige Weiterfahrt etwas Essbares
auftreiben können. In "La Rioja", "Chepes" und "San Juan" hält der Bus
noch einmal, um Passagiere aufzunehmen oder aussteigen zu lassen. Um
03.00 Uhr kommen wir endlich in "Mendoza" an. Zum Glück waren wir
letzten November schon einmal in dieser Stadt und kennen ein schönes
Hostal. Wir verabschieden uns von Hanibal und seiner Mutter, bedanken
uns noch einmal für ihre Hilfe und lassen uns von einem Taxi direkt vor
das Hostal "Huellas Andinas" fahren. Das selbe Doppelzimmer,
das wir letztes Mal schon bewohnt haben, in der
oberen Etage mit freiem Zugang zur grossen Terrasse, ist noch frei, und wir fallen sogleich todmüde von der
etwa 60-stündigen Reise ins Bett.
nach
oben
Mendoza
Donnerstag 20. April
Heute verbringen wir einen sehr ruhigen und
erholsamen Tag in der uns sehr bekannten und heimischen Stadt Mendoza.
Wir nutzen die Ruhe des Hostals, um die vernachlässigten Reportes
und Mails zu schreiben. Bei schönstem Sonnenschein erholen wir uns auf unserer
Terrasse und lassen die wärmende Sonne auf unsere müden Häupter
scheinen. Am Abend gehen wir in unser Lieblingsrestaurant, den "Tenedor
Libre Caro Pepe" und verwöhnen uns mit den Köstlichkeiten des
wunderbaren, vielfältigen Buffets und dem Grill. Seit langem
geniessen wir auch wieder einmal einen vorzüglichen Wein, denn
schliesslich sind wir jetzt wieder im Weinmekka Südamerikas.
Freitag 21. April
Auch heute empfängt uns ein schöner, sonniger Tag
ohne eine Wolke am Himmel. Nachdem wir ausgiebig ausgeschlafen und
unseren eigenen Kaffee gebrutzelt haben, spazieren wir in die Stadt, wo
wir heute einiges erledigen wollen. Ich nutze die relativ günstigen
Preise und kaufe mir Schuhe und eine neue Brille. Auch meine Frisur, die
auf der Bolivienreise sehr gelitten hat, wird von dem in "Mendoza"
bekannten Starcoiffeur Armando de la Peña wieder hergerichtet. Einige
Haarmodelle von Armando sind sogar auf der ersten Seite einer
renommierten Coiffeurzeitschrift abgebildet! Marco und ich planen
langsam aber sicher unsere Rückreise nach Europa und erkundigen uns
schon seit längerem übers Internet nach günstigen Direktflügen von
"Buenos Aires" nach Europa. Leider ist es aber nicht ganz so einfach,
ein bezahlbares Flugticket nach Europa zu kriegen wie Schuhe zu kaufen!
Das beste Angebot, das wir bist jetzt gefunden haben, ist ein Direktflug
von "Buenos Aires" nach "Las Palmas de Gran Canaria". Wir werden morgen
dann noch einige Reisebüros aufsuchen und hoffen, dass sie uns
weiterhelfen können. Heute Abend machen wir es uns in unserem Hostal mit
einem selbst gekochten, gemüsereichen Nachtessen gemütlich.
Samstag 22. April
Wir haben vergessen die Uhr am Handy eine Stunde
zurückzustellen, und deshalb werden wir eine Stunde später als geplant
geweckt. Leider haben die meisten Reisebüros ab Samstagmittag
geschlossen, und wir können uns nur noch gerade in einem über Flüge nach
Europa erkundigen. So, wie es im Moment aussieht, ist die beste
Möglichkeit mit der Fluggesellschaft "Aerolineas Argentinas" nach Madrid
zu fliegen. Am Montag werden wir aber noch einmal ein paar weitere "Agencias"
aufsuchen und uns dann definitiv für eine Variante entscheiden.
Ausserdem warten wir auch noch auf eine Frachtschiff-Offerte vom
Reisebüro in Weggis. Unser Hostal "Huellas Andinas" veranstaltet heute
Abend ein "Asado" = Grillabend, an dem auch wir zwei teilnehmen. Auf
diesem Wege lernen wir ein paar argentinische Jungs, zwei Französinnen,
einen Mexikaner und Alina, eine Rumänin kennen. Wir erleben einen schönen,
fröhlichen Abend und gehen später noch mit zwei Argentiniern und Alina
in eine Disco.
Sonntag 23. April und Montag 24. April
Den Sonntag verbringen wir in unserem ruhigen und
gemütlichen Hostal, schreiben E-Mails und arbeiten an unserer
Portadapage.
Am Montag morgen erkundigen wir uns noch einmal in verschiedenen Reisebüros über
möglich Flüge nach Europa. Überraschenderweise finden wir in einem der
drei Reisebüros, die wir aufsuchen doch noch einen relativ günstigen
Flug nach Las Palmas de Gran Canaria. Über diese Nachricht sind wir sehr
erfreut, denn schliesslich ist uns Las Palmas sehr vertraut und so etwas
wie eine zweite Heimat geworden. Ausserdem wohnen auf der Insel viele
ausgewanderte Südamerikaner und der lateinische Einfluss ist hier sehr
spürbar. Dies wiederum macht es uns sicher leichter uns wieder an das
europäische Leben zu gewöhnen. Wir überlegen deshalb dann auch nicht
mehr all zu lange und buchen schlussendlich den Flug mit der "Air
Madrid" für den kommenden Samstag 29. April nach Las Palmas. Am Nachmittag ruft Marco Irmgard, eine Appartement-Verwalterin
in Las Palmas an und reserviert für den nächsten Monat gleich ein Studio
für uns zwei. Wieder einmal klappt alles wie am Schnürchen. Jetzt hoffen
wir nur noch, dass ich meine neue Brille schon am Mittwoch und nicht
erst am Donnerstag abholen kann. So könnten wir einen Tag früher nach
"Buenos Aires" reisen. Am Nachmittag spazieren wir zum Busterminal und
holen schon einmal bei drei Busunternehmen Offerten für Busfahrten nach
"Buenos Aires" ein. Am Abend gehen wir aus und stossen auf unser
bisheriges Reiseglück an.
Dienstag 25. April
Gegen den Mittag spazieren wir zu der "Avenida San
Martin" und zum Optikergeschäft "Vision" und
erkundigen uns danach, wann ich meine neue Brille abholen kann. Leider
wissen die Leute im Labor noch nicht genau, ob meine neuen Gläser bis
Mittwoch oder Donnerstag fertig sind, und wir sollen doch morgen Mittag
noch einmal vorbei kommen. Heute ist unsere letzte Gelegenheit, um in Mendoza "shoppen"
zu gehen und Souvenirs und Andenken zu kaufen. In dem Touristenladen "El
Turista" kaufen wir uns einen echten, handgefertigten, saltenischen
"Poncho" = Umhang. Das gute Stück ist zwar etwas teuer, dafür bekommen
wir von dem netten, geschäftstüchtigen Verkäufer noch eine Einführung in
die Geschichte der argentinischen "Gauchos" und deren verschiedenen
"Ponchos". In jeder Provinz benutzt man anscheinend anders farbige und
gefertigte Umhänge, welche die "Gauchos" für ihre Arbeit auf den
Feldern und für den Vieh- und Pferdetrieb als Schutz vor Kälte und Nässe
benutzen. Als wir dann die Rechnung bezahlen, bekommen wir sogar noch
eine Flasche Rotwein geschenkt. Auf dem Heimweg entdecken wir in der
"Calle las Heras" die "Agencia"
des Busunternehmens "Cata international". Wir erkundigen uns nach
den Öffnungszeiten, um morgen bei diesem uns sympathisch wirkenden
Unternehmen die Tickets nach "Buenos Aires" zu buchen, falls ich meine
Brille dann schon abholen kann. Das würde uns auch einen zusätzlichen Gang
zu dem etwas weiter entfernten Busterminal ersparen. Unser Hostal veranstaltet heute noch einmal
ein "Asado". Der Wein, den wir heute bei unserem Souvenierkauf bekommen haben und den wir grosszügig offerieren, entpuppt
sich leider als gepanschtes und mit Zucker versetztes, scheussliches
Gebräu, das wir unmöglich trinken können. So findet der Wein dann halt
den Weg den Abguss hinunter. Trotz diesem denkwürdigen Zwischenfall
verbringen wir mit zwei Spaniern, einem US-Amerikaner, einer Neuseeländerin und zwei
Argentiniern einen gemütlichen, fröhlichen Abend.
nach
oben
Mendoza - Buenos Aires
Mittwoch 26. April
Am Mittag spazieren wir in die Stadt zu unserem
Brillengeschäft und bekommen die erfreuliche Nachricht, dass heute Abend
um 18.00 Uhr meine Brille abholbereit ist. So schön! Gleich nach dieser
guten Nachricht buchen wir bei "CATA international" zwei Sessel in der
zweitbesten Klasse für die heutige Nachtfahrt nach "Buenos Aires". Jetzt
müssen wir aber schleunigst ins Hostal, um unsere Rucksäcke zu packen und
das Zimmer zu räumen. Von einem "Locutorio" aus rufe ich am Nachmittag
Nadia an, um für morgen Abend ein Treffen in "Buenos Aires" abzumachen, denn wir haben
damals bei ihr und ihrem Freund Mariano einiges an Gepäck deponieren
dürfen, bevor wir den zweiten Teil unserer Reise (siehe
Buenos Aires
- San Miguel de Tucuman)
gestartet
haben. Im Hostal können wir dann noch den Fussballmatch von Barcelona im
TV verfolgen, bis es Zeit wird aufzubrechen. Mit all unserem Gepäck
bewaffnet gehen wir zum Optiker, und ich bekomme meine wunderschöne, neue
Brille! Mit dem Taxi lassen wir uns danach zum Busterminal fahren, wo
uns noch genügend Zeit bleibt einen Kaffee zu trinken. Um 19.15 Uhr
trifft unser Bus ein, und wir machen es uns in den breiten, bequemen
Ledersesseln bequem. Der Service an Bord ist wieder einmal umwerfend!
Die Stewardesse Claudia serviert uns ein komplettes Nachtessen mit
kalten und warmen Speisen und dazu trinken wir Rotwein. Als Bettmümpfeli
vor dem Film serviert Claudia noch Champagner, Whisky oder Kaffee.
nach
oben
Buenos Aires
Donnerstag 27. April
In den superbequemen Sesseln verbringen wir eine
ruhige und gute Nacht und werden kurz nach 07.00 Uhr von unserer
Stewardesse mit Kaffee und Frühstück geweckt. Nachdem sich der Bus durch
den Morgenverkehr auf der Autopiste von "Buenos Aires" durchgekämpft
hat, kommen wir um 08.30 Uhr am Busterminal "Retiro" an. Wir
erhielten von einem der Hostals, in denen wir auf unserer Reise übernachtet haben,
einen Tipp in "Buenos Aires". Per Taxi lassen wir uns zu der
Strasse fahren, wo das besagte Hostal stehen sollte. Leider ist aber das
ganze Haus in Renovation, und nicht einmal ein Schild deutet darauf hin,
das hier einmal eine Jugendherberge gestanden hat. So bleibt uns nichts
anderes übrig, als nach einer anderen Bleibe zu suchen. Wir haben von
Mariano und Nadia noch einen Tipp für ein etwas teureres Hotel bekommen,
nach diesem wir uns nun zu Fuss auf die Suche machen. Auf halber Strecke
finden wir dann aber das Hotel "Del Prado", wo in einer Stunde ein
Doppelzimmer frei wird. Wir können unser Gepäck schon einmal im Hotel
einstellen und spazieren mit der Stadtkarte bewaffnet durch den uns noch
unbekannten Stadtkreis "Recoletta". In diesem Stadtkreis
befindet sich auch die Wohnung von Mariano, wo wir heute Abend
unser Wiedersehen feiern werden.
Marco und ich nutzen das schöne warme Herbstwetter und rekognoszieren
schon einmal die Strasse, in der das Appartementhaus von Mariano liegt.
Wir finden das Haus, in dem wir vor etwa zwei Monaten schon einmal auf
Besuch waren, auf Anhieb. Sogar die Eingangstüre ist komischerweise
offen, und wir zwei "Tschuttlis" trampen in das Haus, die Türe schlägt
hinter uns zu und lässt sich danach nicht mehr öffnen. Wir fahren mit
dem Lift in den vierten Stock und läuten an der Türe, wo Mariano mit
seinem Bruder zu Hause ist. Leider ist aber niemand da! Na toll, jetzt
sind wir also eingeschlossen. Marco erinnert sich glücklicherweise
daran, dass Mariano damals erzählte, dass der Hausmeister im obersten
Stock in der Wohnung mit der schönsten Aussicht wohnt. Wir fahren also
mit dem Lift bis zu oberst hinauf und klopfen beim Hauswart an die
offene Türe. Wir erzählen dem freundlichen Mann unsere etwas peinliche
Story, worauf er wissen will, wen wir denn besuchen wollten. Nach einigen
Erklärungen begleitet er uns nach unten und lässt uns wieder aus dem
Haus. Wieder in Freiheit trinken wir auf diesen Schock erst einmal einen
Kaffee, bevor wir zurück in unser Hotel gehen, in dem nun auch unser
Zimmer inzwischen bezugsbereit ist. Am Nachmittag spazieren wir durch die
unzähligen Gassen und Strassen der riesigen Hauptstadt und kaufen uns
noch einen originalen, argentinischen Matebecher, zwei Beutel Matekräuter,
eine argentinische Kaffeetasse für Irmgard, unsere Wohnungsvermieterin
in Las Palmas
und einen Wein als Mitbringsel für die Einladung heute Abend. Pünktlich
um 21.30 Uhr stehen wir wieder vor dem Appartementhaus, wo wir heute
morgen eingeschlossen waren und klingeln im 4. Stock. Mariano ist aber
noch nicht zu Hause, und sein jüngerer Bruder traut uns anscheinend nicht recht über
den Weg, sondern bittet uns später wieder zu kommen. Mir kommen schon die
ersten Zweifel auf, ob ich wohl am Telefon mit Nadia etwas falsch
verstanden habe. In einer Bar in der Nähe bestellen wir aber erst einmal
etwas zu trinken, und eine halbe Stunde später klingeln wir noch einmal
bei "Piso 4". Mariano ist nun tatsächlich zu Hause und holt uns wenig
später unten am Eingang ab. Das Wiedersehen mit ihm und Nadia ist
freudig, und wir verbringen einen schönen Abend zusammen. Auch Hund
Caspar und die 3 Monate junge, verspielte Katze Maia sind mit von der
Partie und sorgen für Unterhaltung. Erst spät in der Nacht verabschieden
wir uns von den zwei herzlichen, netten und lieben Menschen und
versprechen in Contacto zu bleiben.
Freitag 28. April
Heute geniessen wir unseren letzten Tag in "Buenos
Aires" und somit auch unseren letzten Stunden in Südamerika. Wir sind
schon jetzt etwas wehmütig, dieses herrliche, friedliche Land verlassen
zu müssen. Wir packen am Nachmittag dann auch schon mal unser Gepäck
ein, und oh Wunder, es hat alles besser Platz, als wir gedacht haben.
Heute Abend gehen wir zum Abschluss in das Restaurant "Parrilla La
Caballeriza", in dem wir damals mit Nadia und Mariano gewesen sind. Zum
letzten Mal geniessen wir das perfekt gegrillte Rind- und Lammfleisch
und trinken einen Spitzenwein aus Mendoza dazu.
nach
oben
Buenos Aires - Las Palmas de Gran Canaria
(Spanien)
Samstag 29. April
Um 06.30 Uhr klingelt bereits der Wecker. Marco und
ich packen noch die letzten Sachen in unsere Taschen und trinken im
Hotel noch einen Kaffee, bevor uns das Taxi abholt, das uns zum weit
entfernten, internationalen Flughafen "EZEIZA" fährt. Die Fahrt dauert
etwa 40 Minuten, bis wir vor dem modernen Flughafengebäude ankommen.
Unser Flug ist für 10.30 Uhr geplant, und wir sind bereits um 08.15 Uhr
am Flughafen für den Check-In. Die Warteschlange vor dem Schalter der
"Air Madrid" ist schon gewaltig, und wir müssen etwa eine Stunde
anstehen, bis wir unser Gepäck aufgeben können und unsere Tickets
bekommen. Wir stellen erst jetzt fest, dass der Flug via Las Palmas nach
Barcelona fliegt, und die wenigsten Passagiere auf Gran Canaria bleiben
werden. Wir wechseln an einem "Cambio-Schalter" noch unsere restlichen
argentinischen Pesos in Euros um und suchen dann den Ausgang 4 im
Terminal A, wo unser Flugzeug starten soll. Leider ist auf der
Anzeigetafel jetzt schon eine halbe Stunde Verspätung eingetragen, und
wenig später ertönt der Aufruf, dass wir uns für unseren Flug zum
Ausgang 8 begeben sollen. Aus der halben Stunde wird eine Stunde
Verspätung, und erst um 11.30 Uhr können wir in den gewaltig grossen
Flieger, einen Airbus 330-300, einsteigen. Da aus uns unbekannten Gründen
der Flieger kurzfristig ausgewechselt wurde und deswegen nicht alle
Passagiere eine Sitzplatznummer auf der Bordkarte haben, ist heute
ausnahmsweise freie Sitzplatzwahl. Wir finden dies etwas merkwürdig und
bekommen dann auch nur noch einen Platz in der mittleren Sitzreihe.
Wenigstens haben wir die Plätze aber nebeneinander. Der 9-stündige Flug
ist aber sehr angenehm, und wir erleben eine sehr ruhige Reise ohne
grobe Turbulenzen. Wir sind sehr erstaunt über das viele Personal an
Bord, das uns während des Fluges mit einer Mahlzeit, Getränken und einem
Snack verwöhnt. Die kanarischen Inseln sind gegenüber Argentinien um 4
Stunden nach vorne verschoben, und wir landen um 02.05 Uhr am Flughafen
von Gran Canaria. Die Fortsetzung unserer Abenteuer sind nun im
Reporte Gran Canaria zu erfahren.
nach
oben
|