Nuestra pasión es el recorrido alrededor del mundo. Nuestra meta es ser aprendidolo culturas más extrañas y buscar los contactos con los nativos. Las impresiones de la naturaleza maravillosa y de los paisajes hermosos, el tiempo espléndido y mucha sol deben ser siempre nuestro compañero. Para nosotros prepara grande alegría para divulgar de nuestras experiencias y aventuras a y de muchos lectores para dejarle las partes, Marco y Isabella

 

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Ruta de viaje
Buenos Aires
Buenos Aires-Bahia Blanca

Bahia Blanca
Bahia Blanca-Puerto Madryn

Puerto Madryn
Puerto Madryn-San Carlos de Bariloche
San Carlos de Bariloche

San Carlos de Bariloche-Mendoza
Mendoza

Mendoza-Cordoba-Mar del Plata
Mar del Plata
Mar del Plata-Bahia Blanca-Comodoro Rivadavia-Rio Gallegos-El Calafate
El Calafate
El Calafate-Puerto Natales (Chile)
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Ushuaia-Rio Gallegos-Comodoro Rivadavia-Esquel

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Puerto Iguazú
Puerto Iguazú-Foz do Iguaçu (Brasilien)
Buenos Aires
Buenos Aires-San Miguel de Tucuman
San Miguel de Tucuman
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Tafi del Valle-Santa Maria
Santa Maria
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San Antonio de los Cobres
San Antonio de los Cobres-Salta-Jujuy
Jujuy

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Humahuaca

Humahuaca-La Quiaca-Villazón (Bolivien)
Pocitos-Mendoza
Mendoza
Mendoza-Buenos Aires
Buenos Aires
Buenos Aires-Las Palmas de Gran Canaria (Spanien)

Buenos Aires

Samstag 12. November
Heute morgen um 07.00 Uhr klingelt der Wecker. Unser Frachtschiff "Calaparana", mit dem wir die Strecke von Barcelona über den Atlantik gefahren sind (siehe Reporte Frachtschiffsreise), hat am Hafen von Buenos Aires angelegt. Für Marco und mich heisst es nun unsere Suite aufzuräumen und den Rucksack zu packen. Wir bekommen zum letzten Mal ein Frühstück an Bord und verabschieden uns anschliessend von der Crew. Etwas wehmütig verlassen wir zusammen mit Pierre, einem Franzosen, der dieselbe Route gereist ist wie wir, das Schiff. Wir werden von zwei argentinischen Zollbeamten am Hafen abgeholt und mit dem Auto zum Zoll gefahren, wo wir die Einreiseformulare unterschreiben und unsere Reisepässe zurückbekommen. Das ganze Prozedere ist reine Formsache und dauert gerade einmal 30 Minuten, was uns sehr überrascht. Etwas später werden wir von einem der Zollbeamten sogar in das Stadtzentrum gefahren. Als er erfährt, dass wir noch keine Übernachtungsmöglichkeit haben, empfiehlt er uns ein günstiges Hotel und lädt uns in der Nähe aus. Leider ist das Hotel vollkommen ausgebucht und wir müssen weitersuchen. Der nette Chauffeur hat uns noch gesagt, dass es im Stadtkreis "San Telmo" auch noch einige Hotels gibt. Marco zückt einen kleinen Stadtplan, der im kleinen Stadtführer von Buenos Aires enthalten ist und navigiert uns in die richtige Richtung. Wir merken aber bald, dass die Strecke zu Fuss und mit unseren schweren Rucksäcken etwas weit ist und so nehmen wir an einer Kreuzung ein Taxi. Der Taxifahrer fährt uns an den "Plaza Dorrego", das Zentrum von "San Telmo". Leider kennt er kein Hotel, in das wir gehen könnten, weiss aber, dass hier in der Nähe eine "Agencia de turismo" ist. Wir irren etwas umher, fragen ein paar Leute nach dem Touristinfo und finden es auch tatsächlich. Die nette Señorita, die hier arbeitet, hilft uns mit einer Hotelliste weiter, und die Suche beginnt von vorne. Nach einem Fehlversuch finden wir dank Pierre ein günstiges Hotel (Hotel Bolivar, Calle Bolivar 886, Tel. 4361-5105), wo wir für drei Nächte unterkommen. Es ist ein sehr einfaches, altes  im Kolonialstiel erbautes Hotel. Bevor wir uns entscheiden zu bleiben, dürfen wir die Zimmer sehen. Marco und ich bekommen nach einer kleinen Vehandlungsdebatte  ein Zimmer mit Fenster, das allerdings erst heute Nachmittag bezugsbereit ist. WC und Lavabo befinden sich auf dem Flur gleich neben unserem Zimmer. Die Dusche ist etwas weiter um ein paar Ecken herum erreichbar. Vor unserem Zimmerfenster befindet sich gleich eine Terrasse. Ausserdem ist es auf dieser Seite des Hauses sehr ruhig, da hier keine Strasse vorbeiführt. Pierre hat weniger Glück, für ihn hat es nur noch ein Zimmer ohne Fenster. Morgen wird aber eines mit Fenster frei, in das er dann umziehen kann. Jetzt stellen wir erst einmal unser Gepäck ein und gehen auf die Suche nach etwas Ess- und Trinkbarem. Gleich an der nächsten Kreuzung gibt es drei kleine Restaurants. Bei einem Glas Wein und einem kleinen Lunch sprechen wir noch einmal über die vergangenen zwei Wochen auf See, über unsere Destinationen und dass Buenos Aires gar nicht so viel anders funktioniert wie eine Grossstadt in Europa. Während wir plaudern und unseren Wein geniessen, kommt ein ca. 10 Jahre altes Mädchen an unseren Tisch und will uns ein kleines Plüschtierchen verkaufen. Die Kleine tut uns leid, aber wir haben echt keine Verwendung für so was. Auch haben wir kein Bonbon bei uns, das wir ihr wenigstens schenken könnten. Marco und ich beschliessen heute noch ein Pack Bonbons zu besorgen. Zurück im Hotel beziehen wir unsere Schläge, denn anders kann man die Zimmer mit den Eisenbetten, den alten Türen und den alten Wänden, wo die Farbe abblättert, nicht bezeichnen. Für 25 Pesos, pro Nacht, dass sind ungefähr 8 Dollars, ist es aber ganz passabel. Ausserdem empfangen wir sogar ein Wireless - Signal, das wir natürlich gleich nutzen, um Mails zu schreiben. Marco und ich haben uns noch noch nicht ganz daran gewöhnt wieder festen Boden unter unseren Füssen zu haben. Wir schwanken noch ein bisschen und haben das Gefühl, noch auf dem Schiff zu sein. Mittlerweile ist es 15.00 Uhr, genau die richtige Zeit eine Siesta zu machen. Während Marco tief und fest schläft, schreibe ich deutsche, englische und spanische E- Mails nach Europa. Zwei Stunden später sind wir ziemlich in Eile, denn wir müssen nun endlich in ein "Locutorio", um mit unseren Eltern zu telefonieren. Immerhin ist es in der Schweiz schon 21.00 Uhr! "Locutorios" und Internetstationen gibt es beinahe an jeder Ecke, und so brauchen wir nicht lange, um eines zu finden. Für 10 Minuten Telefonieren bezahlen wir je 24 Pesos, ungefähr 11 Franken! Danach gehen wir in einen Supermercado, um eine Flasche Wasser und einen Sack Bonbons zu kaufen. Um 19.00 Uhr haben wir uns mit Pierre in der "Restro-Bar" verabredet. Zusammen verbringen wir einen sehr schönen Abend rund um den idyllischen "Plaza Dorrego". Pierre erzählt uns, dass er heute schon durch einen rechten Teil der Innenstadt spaziert ist, während wir uns heute erst einmal an das Treiben an Land gewöhnen mussten. Morgen werden aber auch wir zwei die Stadt unter die Füsse nehmen. Um 23.00 Uhr gehen wir ins Hotel zurück, damit wir morgen fit sind.

Sonntag 13. November
Ich habe alles andere als gut geschlafen, da mein Bett eher einer Badewanne gleicht. Marco hat es da ein bisschen besser erwischt und ist ausgeruht und wach. Nach einer erfrischenden Dusche geht es aber auch mir schon viel besser, und ich bin bereit für neue Abenteuer. Draussen ist herrlichstes, sonniges Sommerwetter! Um 09.00 Uhr sind wir mit Pierre in der "Restro-Bar" zum Frühstück verabredet. Die Bar hat aber noch geschlossen, und so setzen wir uns ins Restaurant gegenüber. Von Pierre ist noch nichts zu sehen, ob er wohl verschlafen hat? Bei Café con leche und Croissant treiben wir den letzten Rest Schlaf aus den Augen und besprechen den heutigen Tag. Fürs erste wollen wir den Stadtkreis "San Telmo" etwas genauer kennen lernen. Um 09.30 Uhr ist von Pierre immer noch nichts zu sehen. Er hat wohl tatsächlich verschlafen. Marco und ich werden später am Tag im Hotel an seine Türe klopfen. Jetzt gehen wir auf jeden Fall zum "Plaza Dorrego", wo laut Guías jeden Sonntag ein Flohmarkt statt finden soll. Und tatsächlich ist der ganze Platz voll mit Ständen. Staunend schlendern wir durch den herrlichen Antiquitätenmarkt, wo man vom Silberbesteck, Spazierstock, Taschenuhren bis zu antiken Telefonapparaten alles kaufen kann. Wir spazieren noch etwa eine Stunde im Quartier herum. Da hier der ganze Stadtteil wie ein Schachbrettmuster gebaut ist und wir wie in einem grossen Viereck gelaufen sind, kommen wir wieder am Restaurant "Aconcagua" vorbei, wo wir gefrühstückt haben. Marco sagt zum Scherz, dass Pierre jetzt vielleicht hier sitzt und Kaffe trinkt. Kaum hat er dies ausgesprochen, sehe ich ihn tatsächlich winken! Wir setzen uns also zu ihm. Er sagt uns, dass er morgen Abend mit dem Nachtbus nach Mendoza weiterreisen wird. Bevor wir uns auf den Weg machen, verabreden wir uns noch auf 19.00 Uhr in der Bar gegenüber der "Restro-Bar". Marco und ich wollen nun endlich zum "Plaza de Mayo". Dort befindet sich auch das "Casa Rosada", wo Eva Perron, die berühmte Evita, Geschichte in Buenos Aires geschrieben hat. Da wir auch die riesige "Avenida 9 de Julio" sehen wollen, machen wir einen kleinen Umweg. Die Avenida ist tatsächlich beeindruckend lang und breit. In beide Fahrtrichtungen führen etwa zehn Spuren durch die Stadt. In der Mitte sind die Strassen durch grüne Flächen, so gross wie Parkanlagen, aufgelockert. Weiter rechts führt die "Avenida de Mayo" zum "Plaza de Mayo" mit dem "Casa Rosada", wohl die berühmteste Sehenswürdigkeit von Buenos Aires. Hier treffen wir auf Touristen aller Nationen und Kontinente, und mitten unter ihnen sind wir aus der kleinen Schweiz. Wir können es irgendwie immer noch nicht ganz fassen, dass wir tatsächlich in Südamerika sind. Das Leben und die Kultur hier in Argentiniens Hauptstadt ist auch wirklich nicht viel anders als bei uns in Europa. Nachdem wir genug gesehen, gestaunt und fotografiert haben, machen wir uns auf den Weg zur berühmten Fussgängerzone an der "Calle Florida". Hier ist es typisch touristisch. Die Strasse ist von teuren Geschäften, Restaurants und Bars gesäumt. Wir können an diesem Teil der Stadt nicht wirklich etwas Spannendes oder Interessantes abgewinnen. In einem Café trinken wir ein Cola. Hier kommen einige Kinder mit zerlumpten Kleidern und betteln um Geld. Heute habe ich die Bonbons bei mir, und ich biete ihnen welche an. Da habe ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die Kleinen wollen Geld und nichts anderes! Geld bekommen sie aber von uns keines, denn wir sind uns fast sicher, dass sie dieses den Müttern abliefern müssen, die damit eventuell Drogen oder Alkohol kaufen. Natürlich tun uns die Kleinen leid, aber machen können wir trotzdem nichts. Bald darauf verlassen wir die Floridastrasse und machen uns auf den Weg zum wunderschönen "Parque San Martin". Weiter die Strasse herunter befindet sich der Bahnhof Retiro und die Busstation San Martin. Der Bahnhof besteht aus drei Gebäuden. Hier sehen wir nur Fahrpläne für Verbindungen aus dem Stadtzentrum in die Vororte. Uns wird wieder einmal bewusst, welche Grösse diese Stadt mit ihren 12 Millionen Einwohnern hat! Im und ausserhalb des Bahnhofs gibt es viele Geschäfte, Restaurants und Imbissbuden. Anscheinend treffen sich hier die Einheimischen am Sonntag, denn überall ist viel Volk unterwegs. An der riesigen Busstation müssen wir uns als erstes einmal mit dem System vertraut machen. Es ist aber durchaus unkompliziert, denn die Ticketverkaufsstellen, "Boleterias", sind mit Farben gekennzeichnet, die anzeigen, in welche Richtung die Busse fahren, oder ob es internationale Verbindungen sind. Marco und ich interessieren uns für den Süden, Patagonien, und suchen die blau gekennzeichneten Schalter. Viele Busse fahren nach "Mar del Plata", einem der wichtigsten Ferienziele der Einheimischen, und nach "Bahia Blanca". Generell scheinen die Busse sehr komfortabel zu sein, denn alle Unternehmen bieten für die Nachtfahrten "Cama noche" an. Es sind breite Sessel, die man je nach Luxusklasse ganz nach hinten verstellen kann, sodass schlussendlich ein Bett daraus wird. Wir schreiben uns ein paar Informationen auf und machen uns auf den Weg ins Hotel. Da wir beide keine Lust haben den ganzen Weg zu Fuss zurück zu gehen, suchen wir einen Bus in Richtung "San Telmo". Da es aber so viel Busse in alle Himmelsrichtungen gibt, ist es nicht ganz einfach den Richtigen zu finden. Ich frage einen offiziell scheinenden "Caballero" nach der Busnummer zur "Calle Bolivar". Zu meiner Freude versteht er mein Spanisch und zeigt direkt auf die Haltestelle nebenan mit der Nummer 22. "Muchas gracias Señor!" Die Stadtbusse werden hier "Colectivos" genannt und sind keine Sammeltaxis, wie Marco immer glaubte. Eine nette, pummelige Señora mit Rosakleid und viel rosa Lippenstift spricht uns an und fragt uns, wohin wir wollen. Anscheinend sehen wir immer noch etwas hilflos aus. Die Señora sagt uns, dass das "Boleto" 80 Centavos pro Person kostet. Auch sie steigt mit uns in den Bus Nr. 22. Während der Fahrt schwatzen wir über dies und das. Einiges verstehen wir und einiges auch nicht, denn der südamerikanische Dialekt unterscheidet sich von dem uns bekannten Castellano. An der "Calle Bolivar" ist für Marco und mich die Reise zu Ende, und wir verabschieden uns von der "Señora rosa". Die Bushaltestelle befindet sich sehr nahe bei unserem Hotel. Via Internet stellen wir nach ein paar Recherchen über Zug- und Busfahrten fest, dass es sehr wohl Bahnlinien nach Patagonien gibt und eine Zugfahrt wesentlich günstiger ist. Die nationalen und internationalen Bahnlinien werden aber nicht jeden Tag bedient. Wir werden dann morgen einmal in der "Agencia de Turismo" nachfragen. Jetzt ist erst einmal Siesta angesagt. Ich bereite mir aus sämtlichen Wolldecken ein Bett am Boden, denn die Matratze ist wie eine Wippe geformt, und ich bekomme schon Rückenschmerzen, wenn ich sie nur anschaue. Auf dem Boden ist es zwar etwas hart, dafür flach, und ich schlafe tatsächlich ein. Erst zwei Stunden später erwache ich wieder. Marco schläft immer noch wie ein Stein, den ich nun aber wecke. Draussen haben sich mittlerweile immer mehr Wolken gebildet und ein kühler Wind ist aufgezogen. Ja es ist immer noch Frühling in Argentinien. Regnen tut es aber nicht, und es ist trotzdem noch herrlich warm. Um 19.00 Uhr sind wir wieder mit Pierre verabredet. Bei einem kleinen Apero sprechen Sobre nosotrosere Reisepläne, und Pierre gibt uns noch ein paar Anregungen und Tipps, die wir sogleich aufschreiben. Für das Nachtessen gehen wir ins Restaurant "Del Anticuario". Wir bestellen die Spezialität des Hauses, Parillas, was Gegrilltes bedeutet. Auf einem heissen, mit Kohlen gefülltem Rechaud bekommen wir verschiedene Sorten Fleisch, Würste und Innereien serviert. Dazu essen wir Salat und trinken eine gute Flasche argentinischen Rotwein. Für dieses üppige, delikate Abendessen bezahlen wir gerade mal 55 Pesos = ca. 20 Franken. Wir können dieses Restaurant nur weiterempfehlen. Es befindet sich im Stadtteil "San Telmo" an der "Calle Defensa" 963. Aussen am Fenster des Restaurants steht allerdings immer noch der alte Name, "La Vieja Rotiseria".

Montag 14. November
Um 09.00 Uhr sind wir mit Pierre im Restaurant "Aconcagua" zum Kaffee verabredet. Wir tauschen unsere E-Mail Adressen aus und verabschieden uns, denn Pierre fährt heute nach Mendoza weiter. Marco und ich gehen zum Touristinfo, wir wollen uns erkundigen, wo sich der Bahnhof befindet, von wo aus die Züge die internationalen Strecken bedienen. Wir haben aber leider Pech, denn das Büro hat nur am Wochenende geöffnet. So machen wir uns auf gut Glück auf die Suche nach dem Bahnhof "Constitucion". Auf dem Weg durch die Stadt kaufen wir in einem Früchteladen 4 Mandarinen für nur 50 Centavos! Generell fällt uns auf, dass das Gemüse, die Früchte, Fleisch und Käse sehr schön und ästhetisch präsentiert werden, was geradezu zum einkaufen einlädt. Wir spazieren in Richtung "Parque Lezama", wobei wir mehrere Hundespazierführer antreffen. Teilweise führen sie an beiden Händen bis zu 10 Tiere jeder Grösse Gassi! Wir durchqueren die schöne Grünanlage des Parkes und gelangen über eine grosse breite Strasse in das Quartier "La Boca". Ursprünglich haben sich hier laut Guías die ausgewanderten Italiener angesiedelt. Das italienische Flair mit den Pizzerien und den Strassencafés ist immer noch spürbar. An einer Strassenkreuzung machen Marco und ich Halt, denn wir müssen uns erst einmal orientieren, wo der Bahnhof ist, den wir eigentlich suchen. Wir haben nämlich keinen Stadtplan bei uns, was ziemlich dämlich ist. Ich beschliesse, einen älteren Herrn nach dem Weg zu fragen. Es stellt sich heraus, dass er ursprünglich aus Italien, von der Insel Ischia kommt. Er lebt aber schon sehr lange hier in Buenos Aires. Er rät uns dringend ab zum Bahnhof zu gehen. Es soll ziemlich gefährlich sein und viele Taschendiebe geben. Wir plaudern noch ein wenig mit ihm und er erzählt uns, dass seine ganze Familie in Italien lebt, und er sie ab und zu besuchen geht. Auf uns macht er einen traurigen und von Heimweh geplagten Eindruck. Er tut uns fast ein bisschen Leid, als wir ihn wieder alleine auf der Strasse stehen lassen, um noch etwas im Quartier herumzuspazieren. Bevor wir zurück gehen, trinken wir in einer Quartierbeiz noch einen Kaffee und ruhen uns etwas aus. Für den Rückweg wählen wir eine andere Route und gehen durch ein schön gelegenes, ruhiges Wohnviertel. Im Hotel angekommen versucht Marco, ob die gestrige Wireless-Internetverbindung noch vorhanden ist. Leider empfangen wir heute nur ein schlechtes, schwaches Signal. Es reicht aber gerade noch, um etwas über die Stadt Bahia Blanca zu lesen. Viel finden wir allerdings nicht heraus. Langsam müssen wir uns beeilen, denn es ist schon nach 17.00 Uhr, und wir wollen heute noch die Tickets für den morgigen Trip kaufen. An der Hotelrezeption fragen wir den jungen "Caballero", der hier arbeitet, ob er Bahia Blanca kennt. Er meint, es sei da eher ruhig und nicht so viel los wie hier in Buenos Aires. Er bestätigt uns aber, dass man da gut hin gehen kann und es da auch Hotels gibt. Marco und ich suchen jetzt erst einmal die Bushaltestelle, von der aus wir den "Colectivo" Nr. 126 Richtung "Retiro" nehmen wollen. Dummerweise haben wir aber kein Münz bei uns, denn in den "Colectivos" kann man nur mit Münzen bezahlen. Also wieder raus aus dem Bus und in den nächsten Kiosk, wo wir Kaugummis kaufen und Münz bekommen. Das Busnetz ist auf dieser Strecke sehr dicht befahren, und wir müssen nicht lange auf den nächsten warten. An der "Estacion San Martin" kaufen wir beim Busunternehmen "Plusmar" zwei Tickets für die morgige Nachtfahrt nach Bahia Blanca. Für den Ticketkauf, wird ein Pass oder eine Kopie davon verlangt. Wir raten immer eine Passkopie bei sich zu haben, denn man weiss ja nie, für was sie alles nützlich sein kann. Mit dem "Colectivo" Nr. 28 fahren wir wieder zurück an die "Calle Bolivar". Auf der Fahrt kommen wir noch an einer riesigen Demonstration am "Plaza de Mayo" vorbei. Eine Hauptstrasse ist gesperrt, und es herrscht ein ziemliches Chaos. Auch die Polizei ist in Vollmontur in umfangreichem Einsatz. Marco und ich sind froh, im Bus zu sitzen und nicht zu Fuss unterwegs zu sein. Zurück im Hotel machen wir uns fürs Abendprogramm fit. In einer kleinen gemütlichen Pizzeria essen wir ein preiswertes sehr feines Abendessen. Plötzlich fängt es draussen an zu regnen. Wir beschliessen das schlechte Wetter abzuwarten. Es regnet aber immer stärker, zudem blitzt und donnert es kräftig. Es bleibt uns also nichts anderes übrig als durch den Regen ins Hotel zu gehen. Unser Hotel ist glücklicherweise gleich um die Ecke, und so werden wir nicht all zu nass. Vor unserer Türe ins Hotelzimmer hat sich eine Pfütze gebildet, denn das Dach ist undicht. In unserem Zimmer ist aber zum Glück alles dicht und trocken. Marco ist heute ganz der Gentlemen und bietet mir sein Bett an. Er selbst legt sich auf das improvisierte Bett am Boden.

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Buenos Aires - Bahia Blanca

Dienstag 15. November
Wie jeden Morgen gehen wir auch heute wieder ins Restaurant "Aconcagua" zum Kaffee. Bevor wir im Hotel unsere Rucksäcke packen, müssen wir noch bei der Bank vorbei, um einige Pesos abzuheben. Auf dem Weg treffen wir den Kellner von gestern an. Er steht vor einem Kiosk und scheint tagsüber hier zu arbeiten. Er erkennt uns auch und begrüsst uns mit einem lauten "Hola" und einem breiten Grinsen. Nachdem wir unsere sieben Sachen zusammengepackt und das Zimmer noch ein bisschen aufgeräumt haben, bezahlen wir an der Rezeption 69 Pesos für die drei Nächte. Das Gepäck dürfen wir hier im Hotel in einem geschlossenen Raum einstellen. Jetzt machen wir uns auf die Suche nach einem Uhrenladen. Nachdem wir schon eine Weile herumspaziert sind, findet Marco ein kleines Uhrengeschäft. Tatsächlich kann der Uhrmacher Marcos billige Migrosuhr mit einer neuen Batterie bestücken. Er reinigt sie auch noch sorgfältig und erklärt, dass sie nun wieder für zwei Jahre laufen sollte. Vom Uhrengeschäft aus gehen wir ein paar Strassen weiter und sprechen etwas miteinander. Plötzlich winkt uns eine ältere Dame zu. Wir bleiben stehen, die Frau kommt auf uns zu und spricht uns in unserer Landessprache an. Sie ist vor 35 Jahren nach Argentinien ausgewandert und wohnt seit dem im gleichen Häuserblock hier in Buenos Aires. Sie erzählt uns, dass es ihr in dieser Stadt am Anfang gar nicht gefallen hat und sie grosses Heimweh nach der Schweiz hatte. Mit der Zeit hat sie sich aber an das Leben hier gewöhnt. Jetzt, sagt sie, kann sie sich nicht mehr vorstellen in die Schweiz zurückzukehren. Auch als ihr Mann vor einigen Jahren gestorben ist, ist es für sie kein Thema gewesen. Zwei mal im Jahr besucht sie ihre Tochter, die zwar in Buenos Aires geboren und aufgewachsen ist, aber bereits seit 14 Jahren in der Schweiz lebt. Nach dem interessanten Gespräch mit unserer Landsmännin gehen wir, ein paar Strassen weiter, im Geschäftsviertel für die Mittagspause in ein Restaurant. Frisch gestärkt schlendern wir der "Avenida de Mayo" entlang hinunter zum "Plaza de Mayo", um vom "Casa Rosada" noch einmal ein paar Fotos zu machen. Danach spazieren wir ins Viertel "San Telmo" zurück, setzen uns am "Plaza Dorrego" in ein Gartenrestaurant und bleiben für zwei Stunden an diesem schönen Platz. Ein Sänger gibt alte argentinische Lieder zum Besten. Anschliessend wird er durch einen jüngeren Landsmann mit Gitarre abgelöst, der modernere Lieder singt. Schlussendlich können wir sogar noch zusehen, wie ein Paar den Tangotanz vorführt. Auch werden wir von einem Mann angesprochen, der uns die argentinische Variante der Arbeitslosenzeitung verkaufen will, was wir dankend ablehnen. Mittlerweile ist es etwa 17.00 Uhr geworden, und wir gehen ins Hotel, um unser Gepäck abzuholen. Schwer beladen fahren mit dem "Colectivo" zum "Retiro". Hier herrscht um diese Zeit Rush Hour! Es sind massenhaft Leute unterwegs, und man muss aufpassen einander in diesem Getümmel nicht zu verlieren. An der "Estacion San Martin" geben wir im Keller unsere Rucksäcke am Gepäckschalter ab und gehen in den "Parque San Martin", setzen uns ins Gras und geniessen die Abendsonne. Um 18.45 Uhr marschieren vier uniformierte Männer im Gleichschritt um die Fahnenstange und ziehen in feierlichem Zeremoniell die argentinische Flagge ein. Laut Guías findet dies jeden Abend um 19.00 Uhr statt. In der Abenddämmerung spazieren wir wieder zur Bushaltestelle zurück. Es sind immer noch massenhaft Leute unterwegs, die wahrscheinlich auf den Zug oder Bus müssen. In einem Restaurant gleich vor der Busstation essen wir noch etwas kleines, bevor wir unser Gepäck holen und unseren Bus suchen, der um 23.00 Uhr los fährt. Um 22.45 Uhr trudelt der doppelstöckige "Plusmar"-Bus auf der Plattform 15 ein. Das Gepäck wird zu unserer grossen Überraschung sorgfältig in den Bauch des Busses eingeräumt. Für jeden unserer Rucksäcke bekommen wir eine Nummer, die wir bei der Ankunft in "Bahia Blanca" dann vorweisen müssen. Wir stellen fest, dass wir die unbequemsten und lautesten Plätze erhalten haben, nämlich im oberen Stock zuhinterst. Die Lüftung dröhnt einem in die Ohren, und die breiten, gemütlichen Sessel kann man aus Platzmangel nicht komplett zu einem Bett formen. Trotzdem scheint es eine angenehme Fahrt zu werden.

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Bahia Blanca

Mittwoch 16. November
Der Nachtbus fährt ohne Halt die ganze Nacht durch. Obwohl Marco und ich die schlechtesten Plätze zugewiesen bekommen haben, schlafen wir einigermassen durch. Von der Landschaft bekommen wir natürlich nicht viel zu sehen. Marco meint aber zu erkennen, dass wir eine ziemlich öde, flache Gegend ohne viele Häuser durchqueren. An den Schlaglöchern zu beurteilen, die ich in dieser Nacht deutlich spüre, kann das durchaus zutreffen. Um 07.00 Uhr erreichen wir die Busstation von "Bahia Blanca", etwas ausserhalb der Stadt. Unsere Rucksäcke haben die Reise im Kofferraum sehr gut überstanden. Wir sind noch einmal erstaunt darüber, wie wunderbar das Gepäck-konzept klappt. Gleich neben den Plattformen in einem kleinen Gebäude gibt es ein Touristinfo. Der sehr nette "Caballero", der hier arbeitet, gibt uns eine Stadtkarte, worauf er die drei preiswertesten Hotels einzeichnet. Ausserdem gibt er uns noch ein paar Broschüren mit auf den Weg. Mit dem Taxi fahren wir ins Stadtzentrum zum "Hotel Bayon" an der "Calle Chiclana" 487, wo wir für zwei Nächte ein Doppelzimmer mit Dusche und WC buchen. Ich kann der Versuchung, mich in ein bequemes Bett zu legen, nicht widerstehen und schlafe auch gleich ein. Zwei Stunden später sind wir wieder fit und erkunden "Bahia Blanca". Die Stadt kommt uns im Vergleich zu Buenos Aires ruhig vor, es hat relativ wenig Verkehr auf den Strassen. Das Geschäftsleben spielt sich rund ums Zentrum, dem "Plaza Rivadavia" ab. Hier im Süden wird wie in den südeuropäischen Ländern eine Siesta abgehalten. Viele Geschäfte schliessen am Nachmittag für drei Stunden. Dafür beginnt die eigentliche Rush Hour erst ab 20.00 Uhr, die Einheimischen essen erst gegen 22.00 Uhr. Wie Buenos Aires ist auch diese Stadt im Schachbrettmuster gebaut. Dadurch fällt es einem leicht sich mir einem Stadtplan zu orientieren. Hier in "Bahia Blanca" fällt uns auf, dass der Unterschied zwischen arm und reich viel geringer ist. Die Leute, die uns auf der Strasse begegnen, sind alle gut gekleidet und scheinen einer Arbeit nach gehen zu können. Auch gibt es hier keine Kinder, die auf der Strasse betteln müssen.

Donnerstag 17. November
Heute haben wir uns zu unserem Unmut verschlafen. Erst um 11.00 Uhr verlassen wir das Hotel, um an die Autobusstation zu gehen. Wir wollen heute als erstes die Tickets nach "Puerto Madryn" kaufen. Wir entschliessen uns dieses Mal am Tag zu reisen, damit wir etwas von der Landschaft mitbekommen. Wir ergattern uns gerade noch die letzten beiden Sessel nebeneinander, und diese sind schön in der Mitte des Busses und nicht wie befürchtet zu hinterst. Nach einem stärkenden Kaffee nehmen wir den Rückweg in die Innenstadt wieder unter die Füsse. Uns ist gestern schon aufgefallen, dass es in dieser Stadt sehr viele Hunde gibt, die auf der Strasse leben. Überall liegen sie faul unter einem Baum oder traben durch die Strassen. Erstaunlicherweise sehen alle ziemlich gepflegt und wohlgenährt aus, sie kläffen auch nicht herum und lassen die Passanten in Frieden. Gleich gegenüber unseres Hotels gibt es ein Kino, was uns auf die Idee bringt uns heute Abend einen spanischen Film anzusehen. Das Kino Plaza in der Innenstadt zeigt "Die Legende des Zorro" mit Untertitel, genau das Richtige für Marco und mich. Das Kino befindet sich in einem Einkaufszentrum und bietet für ca. 600 Leute Platz. Die Leinwand ist supergross und schön. In diesem riesigen Kino sind wir gerade mal zu acht, die den Film ansehen. Marco und ich verstehen ziemlich viel, obwohl es entgegen unserer Information keine Untertitel hat. Zurück im Hotel bezahlen wir bei dem sehr netten Besitzer die zwei Nächte und bitten ihn für morgen früh um 07.00 Uhr ein Taxi zu bestellen. Ausserdem verabschieden wir uns von den drei schönen langhaarigen Hotelkatzen.

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Bahia Blanca - Puerto Madryn

Freitag 18. November
Um 07.00 Uhr steht wie gewünscht unser Taxi vor dem Hotel, mit dem wir nun zur Busstation fahren. Mit etwas Verspätung fährt um 08.30 Uhr der Bus der Firma "Andesmar" Richtung "Puerto Madryn". Dieses Mal haben wir sehr komfortable breite Sessel im oberen Teil in der Mitte des Busses. Zuerst muss der Bus an einer nahe gelegenen Tankstelle auftanken. Wir beobachten etwas, das uns das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ein Truckfahrer raucht doch tatsächlich eine Zigarette, während er seine Karre voll tankt! So etwas fahrlässiges haben wir noch nie gesehen, und wir sind froh, als sich unser Bus in Bewegung setzt und diesen brandgefährlichen Ort verlässt. Die zehnstündige Fahrt führt uns zunächst durch einen kleinen Teil der fruchtbaren Pampas. In dieser Topf ebenen Landschaft gibt es sehr viele Rinder-, Pferde-, und auch Schafherden. Weit und breit ist aber kein Haus zu sehen, und wir bekommen den Eindruck, dass die Tiere in ihren grossen eingezäunten Territorien einigermassen selbständig leben. In grossen Abständen von vielen Kilometern begegnen wir einem Bauernhof mit Silos und bescheidenen Hütten. Bevor wir den "Rio Colorado" passieren, gibt es eine Fahrzeugkontrolle, denn hier beginnt Patagonien. Der erste Halt ist in "Carmen de Patagones" und "Viedma" am "Rio Negro". Nach einer weiteren Fahrzeugkontrolle an der Grenze der Provinz "Buenos Aires" zur Provinz "Rio Negro" geht die Reise westwärts weiter. Nun ist die Landschaft weitaus steppenähnlicher, und man trifft nur noch selten auf Kühe und Pferde dafür um so mehr auf Schafe. Sogar ein paar straussenähnliche Vögel können wir erkennen. Der nächste Halt ist in "San Antonio Oeste". Hier windet es so stark, dass der trockene Sand in der Luft herumwirbelt. Marco und ich sind beeindruckt von der schnurgeraden und einzigen Strasse weit und breit, die uns durch diese wunderbare, weitgehend von Menschen unberührte Natur in den Süden führt. Einzig der Zaun und die Abfallresten entlang der asphaltierten Strasse weisen auf eine Zivilisation hin. Gelegentlich zeigt ein Strassenschild zu einer "Granja", eine Farm mitten in dieser riesigen Steppenlandschaft. Der nächste Halt ist in "Sierra Grande", nun sind es noch knapp 200 km bis Puerto Madryn. Der Service an Bord, der im Preis inbegriffen ist, ist einsame Klasse und das genialste, was wir je auf einer Busreise erlebt haben. Während der Fahrt werden wir vom Steward Gabriel mit Kaffee, Biskuits, Sandwich und Getränken bedient. Sogar ein Bingo-Spiel wird uns geboten, leider gewinnen weder Marco noch ich einen Preis. Nach einem letzten Halt in "Las Grutas" in der Provinz "Chubut" kommen wir ungefähr um 19.15 Uhr in "Puerto Madryn" an. An den vielen Reisebüros erkennen wir, dass wir in einem richtigen Touristengebiet Argentiniens sind. Da die Stadt nicht sehr gross ist, gehen wir zu Fuss zum Hotel "Vaskonia", das uns vom Touristinfo an der Busstation empfohlen wurde. Hier buchen wir ein Doppelzimmer mit Dusche, WC und Satelliten TV für eine Woche und bezahlen 350 Pesos zum voraus. Wir merken, dass hier die Preise allgemein teurer sind als in Buenos Aires oder in Bahia Blanca, typisch touristisch halt.

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Puerto Madryn

Samstag 19. November
Gleich neben unserem Hotel scheint eine Disco zu sein, denn ab Mitternacht bis um 05.00 Uhr dröhnt uns laute Musik in die Ohren! Zum Glück hat Marco an die Ohrstöpsel gedacht. Nach dem ersten Kaffee heute morgen gehen wir ans Meer spazieren. Heute windet es ziemlich stark, und wir werden einige Male von starken Böen beinahe fortgefegt. Der Sand, den es dabei durch die Luft wirbelt, setzt sich in unseren Kleidern und Augen ab. Nach einer halben Stunde kehren wir in das Stadtzentrum zurück. Wir planen für die nächste Woche die Halbinsel "Valdes" zu besuchen, um Wale, Pinguine, Seelöwen und andere Meeressäuger zu sehen. Im "Officina de tourismo" lassen wir uns mit vielen Informationen über Fahrten dorthin und in andere benachbarte Orte eindecken. Ausserdem bekommen wir gleich noch das Kinoprogramm. Nach einer kleinen Mittagspause gehen wir zum "Terminal de Omnibus" und schreiben uns die Fahrpläne der Busunternehmen für die Weiterreise nach "Rio Gallegos" heraus. Somit sind unsere Recherchen für heute abgeschlossen. Wir geniessen es, dass die Ferien-Hochsaison in Argentinien noch nicht begonnen hat, und sich die Menschenmengen noch sehr in Grenzen halten. Ab Mitte Dezember bis Februar ist in Argentinien Sommer, und die Touristen kommen von überall her um in "Puerto Madryn" Urlaub zu machen. Von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr schauen wir in unserem Zimmer über den argentinischen Sattelitensender "ESPN" den Fussballmatch Real Madrid - Barcelona. Kurz vor Spielende steht es 0:2 für Barça, und prompt fällt im ganzen Hotel der Strom aus! Leider erfahren wir nicht mehr, ob das Ergebnis geblieben ist, aber wir nehmen es einmal an. Heute Abend gehen wir zur Nachtvorstellung um 22.30 Uhr ins Kino, um den Film "Plan de Vuelo" mit Jodie Foster zu schauen. So können wir dem Lärm der Disco wenigstens ein paar Stunden ausweichen.

Sonntag 20. November
Heute ist es lange nicht mehr so windig wie gestern. Es ist aber recht kühl, und so wird aus unserem Vorhaben an den Strand zu liegen nichts. Stattdessen machen wir uns heute einen gemütlichen Sonntag und fahren mit dem Regionalbus um 13.30 Uhr in die Nachbarstadt "Trelew". Die einstündige Fahrt führt uns an einer öden, flachen, mit Büschen bewachsenen Steppenlandschaft vorbei. Die Strasse ist zu unserem Erstaunen sehr gut ausgebaut und nicht mit Schlaglöchern übersäht. Am Sonntag ist in "Trelew" nicht viel los, und so treffen wir eine sehr ruhige Stadt an. Uns fällt auch auf, dass es hier im Gegensatz zu "Puerto Madryn" nicht sehr viele Hotels gibt. Gleich am Anfang der Stadt hat es ein sehr bekanntes Museum mit Ausgrabungen von Dinosauriern, die vor Millionen Jahren einmal hier in Patagonien gelebt haben sollen. Marco und ich gehen aber nicht ins Museum, sondern machen einen kleinen Spaziergang durch den Ort am "Plaza Independencia" vorbei. Bei einer kleinen Rast in einer "Heladeria" gönnt sich Marco für 2,75 Pesos ein grosses, selbst gemachtes Glacé á la Mövenpick. Unter der grossen Auswahl von Glacesorten bieten sie sogar "Chocolata Suiza" an. Um 16.00 Uhr fahren wir mit dem Bus wieder nach "Puerto Madryn" zurück. Am frühen Abend ist die Temperatur angenehm warm, und wir entschliessen uns am Meer joggen zu gehen. Die Ebbe hat eingesetzt, und wir treffen einen schön, breiten Strand mit feinem Sand an.

Montag 21. November
Den heutigen Tag wollen wir nutzen, um die Walbesichtigungstouren zu organisieren. Als erstes setzen wir uns in ein Internetcafé, um den Wetterbericht für dir nächsten Tage zu recherchieren. Für Dienstag und Mittwoch sind die besten Prognosen vorausgesagt, und so entscheiden wir uns an einem von diesen Tagen den Trip zur Halbinsel Valdes zu buchen. Bevor wir das Reisebüro "Whales patagonia Tourisme", das uns zweifach empfohlen wurde, an der "Calle Mitre" 139 aufsuchen, müssen wir aber erst Geld abheben. Das ist heute gar kein einfaches Unternehmen. Marcos Postkarte funktioniert bei keinem der vielen Geldautomaten, die wir aufsuchen. Nach einer Stunde vergeblicher Versuche geben wir auf und gehen zurück ins Hotel, um die Maestro-Karte zu holen. Und siehe da, die funktioniert einwandfrei. Anscheinend hat das Visa Plus-System ein Problem heute. Aus solchen Gründen empfehlen wir Karten des Visa Plus-Systems und des Maestro-Systems auf eine Reise mitzunehmen. Nachdem wir das Geldproblem gelöst haben, können wir nun endlich in das genannte Reisebüro gehen. Wir werden von einer jungen Señorita herzlich empfangen und von ihr ausführlich und kompetent beraten. Ausserdem zeigt sie uns in einem Buch Fotos von der Tier- und Pflanzenwelt auf der Halbinsel Valdés, das UNESCO Naturschutzgebiet. Schlussendlich buchen wir den Ganztagestrip für 190 Pesos pro Person. Im Preis inbegriffen ist die ganze Rundfahrt durch die Insel, eine Bootsfahrt zu den Walen und der Eintritt in das Naturschutzgebiet, der obligatorisch für jedermann ist. Den heutigen Abend gestalten wir gemütlich in unserem Hotelzimmer. Während ich eine Pizza besorge, palavert Marco mit unseren Nachbarn, einem finnischen Ehepaar, das einen Monat in Argentinien herumreist. Sie werden morgen weiter in den Süden Patagoniens reisen. Sie empfehlen uns unbedingt das Naturhistorische Museum "Ecocentro" hier in "Puerto Madryn" zu besuchen. Bei Pizza und Salat besprechen Marco und ich dann auch gleich unsere Pläne für morgen und schauen uns noch einen Film im TV an.

Dienstag 22. November
Ein wunderschöner sonniger Tag lädt uns heute ein zu Fuss zum Museum "Ecocentro" zu gehen. Der Fussweg führt uns alles der Bucht und dem Meer entlang, bis uns eine breite Strasse zum Museum führt. Im gesamten sind wir etwa eine Stunde unterwegs, lassen uns von der Sonne anstrahlen und beobachten einige Seevögel, die in der Bucht zu wohnen scheinen. Das Museum ist wirklich sehr schön, und der Eintritt kostet pro Person gerade mal 15 Pesos. Auf spanisch und englisch ist auf vielen Wänden beschrieben, welche Meerestiere in dieser wunderbaren Natur um die Halbinsel Valdés leben. Auch ein paar Dokumentationsfilme veranschaulichen uns das Leben der Wale,  Seehunde, Seeelefanten, Pinguine und der Seevögel. Zu guter Letzt suchen wir noch die  Museumsbibliothek auf. Hier liegen unter anderem viele wundeschöne Bücher über die verschiedenen Provinzen Argentiniens zur Ansicht auf. Marco und ich nutzen das Angebot und schreiben uns die schönen Gegenden heraus, die wir auf unserer Argentinienreise besuchen wollen. Draussen haben Wolken den Himmel etwas verdunkelt, und wir machen uns langsam auf den Heimweg. Der starke Wind, der nun wieder bläst, schlägt uns entgegen, und wir müssen manchmal gegen recht starke Böen ankämpfen. Zurück in der Stadt gehen wir noch in das grosse Einkaufszentrum vis à vis unseres Hotels, um uns mit Wasser, Bier und frischen Früchten einzudecken.

Mittwoch 23. November
Heute morgen um 06.00 Uhr werde ich von dem durchdringenden Klingeln des Weckers aus dem Schlaf gerissen. Marco und ich machen heute nämlich den geführten Ausflug zu der Halbinsel Valdés. Mit einer beträchtlichen Verspätung von etwa einer halben Stunde trudelt um 07.15 Uhr endlich der Minibus vor unserem Hotel ein. Zusammen mit 12 weiteren Touristen, unter ihnen auch ein Berner, dem Fahrer Fernando und der Reiseleiterin Soledad, führt die Fahrt durch die öde mit Büschen und wenig Gräsern bewachsene Steppe. Diese für Patagonien typische Steppenlandschaft bedeckt auch die gesamte Fläche der Halbinsel. In dieser Gegend gibt es vor allem viele Schafe, die sich von den Büschen und Sträuchern ernähren. Nachdem wir den "Zoll" passiert haben, wo die obligaten 35 Pesos Eintritt pro Person bezahlt werden müssen, geht die Fahrt weiter. Hier windet es ziemlich stark, und das bedeutet, dass die Bootsfahrt zu den Walen nicht wie geplant am Morgen stattfinden kann. So wird die Route geändert, und es geht jetzt erst einmal zum Punta Norte. Soledad, die Reiseleiterin reicht einen speziellen Becher mit Matetee, dem Nationalgetränk, herum. Der Tee wird mit frischen Blättern aufgebrüht und mit einem speziellen Strohhalm getrunken. Der Tee schmeckt sehr herb und bitter und ist nicht gerade mein Favorit. Die Einheimischen trinken Mate literweise und schleppen, wohin sie auch gehen, einen Thermoskrug mit heissem Wasser mit, um jeder Zeit einen Tee aufbrühen zu können. Auf der Fahrt halten wir einige Male mitten auf der Strasse an, denn hier können wir Maras sehen. Sie gehören zu den Nagetieren und sind mit den Meerschweinchen verwandt. Ihr Aussehen ähnelt dem der uns bekannten Feldhasen. Am Punto Norte beobachten wir aus einiger Entfernung südliche Seeelefanten. Seeelefanten gehören zur Familie der Hunds-robben. Sie erhielten ihren Namen, weil die Nasen der männlichen Tiere an einen kleinen Rüssel erinnert. Seeelefanten sind nur zur Paarungszeit, zwischen August und November, zum Gebären und im Sommer, während sie sich häuten, an den Küsten anzutreffen. Die restliche Zeit verbringen sie im Meer. Da diese Tiere vor allem für das Leben im Wasser geschaffen sind, können sie sich an Land nur sehr langsam und träge fortbewegen. Meistens liegen sie wie Steine bockstill im Sand und dösen. Nach etwa einer Stunde geht die Fahrt zum "Punta Cantor" weiter. Auf dieser Strecke sehen wir grosse Vögel, "Choicos" oder so ähnlich, die mit den australischen Straussen verwandt sind. Sie sind etwas kleiner als ihre grossen Verwandten, ähneln ihnen aber sehr. Die kleine Kolonie Magellan-Pinguine, die hier am "Punta Cantor" lebt, lässt sich von den Touristen nicht im geringsten aus der Ruhe bringen. Marco kann sogar ein Foto von einem Jungtier mit seiner Mutter machen. Hier bleiben wir leider nur gerade 10 Minuten. Marco und ich hätten den lustigen Pinguinen noch Stunden lang zusehen können. Ein bisschen weiter in den Dünen des "Punta Cantor" können wir noch einmal eine Gruppe Seeelefanten beobachten. Hier sehen wir vor allem Weibchen und junge Tiere. Auf der Fahrt vorbei an den beiden Meersalz-Salinen und weiter zum Puerto Pirámides treffen wir auf lamaähnliche und mit dem Kamel verwandte Tiere, den Guanakos. Sie sind meistens in einer Gruppe von drei Tieren anzutreffen. Wie die Schafe ernähren auch sie sich von den Sträuchern und Steppengräsern. So wie ich Soledad verstanden habe, ist es den Schafen und Guankos möglich aus den Blättern der Sträucher Wasser aufzunehmen, und sie können daher in dieser trockenen Gegend gut leben. In Puerto Pirámides ist es zum Glück nicht mehr ganz so windig, und wir können mit dem Boot aufs Meer hinaus. Schon ein paar wenige Meter vom Hafen entfernt sehen wir eine Schwanzflosse eines Wales aus dem Wasser ragen. Der Bootstrip dauert zwei Stunden und ist wunderschön und spannend. Wir sehen etwa 10 dieser schönen imposanten Tiere. Vielfach ist eine Mutter mit ihrem Jungen unterwegs, die Seite an Seite zusammen schwimmen. Die Wale, die in dieser Region leben, sind südliche Glattwale und gehören zu der Familie der Bartwale. Mit ihren Barten im Rachen filtern sie Krill und Plankton aus dem Wasser. Südliche Glattwale erreichen eine Länge von 11 bis 18 Meter und sind durch grosse Schwielen am Kopf gekennzeichnet. Die zwei Stunden sind viel zu schnell vorbei und schon müssen wir uns von den wunderbaren Tieren wieder verabschieden. Um etwa 18.00 Uhr treten wir die Rückreise mit dem Minibus wieder an. Eine Stunde später kommen wir müde von dem langen und erlebnisreichen Tag ins Hotel zurück. Wir haben heute sage und schreibe ca. 400 km zurückgelegt und davon das meiste über holprige Naturstrassen. Nach einer wohltuenden Dusche gehen Marco und ich noch etwas kleines essen, bevor wir in unsere Betten fallen und einschlafen.

Donnerstag 24. November
Heute ist Marcos Geburtstag! Ich schleiche mich am Morgen leise aus dem Zimmer und überrasche ihn mit Frühstück, Geburtstagskerzen und einer Rose. Heute müssen wir noch einiges organisieren für unsere morgige Weiterreise. Erst einmal bringen wir aber die schmutzige Wäsche in die "Lavanderia". Wir dürfen die Wäsche deponieren, bekommen einen Zettel mit meinem Namen, mit dem wir die frische und trockene Wäsche um 20.00 Uhr wieder abholen können. In einem Internetcafé schauen wir auf der Wetterseite, wie die Prognosen für den Süden sind. Leider verspricht die Vorhersage nicht viel Erfreuliches. Nach einiger Diskussion, Kaffee und Entscheidungsschwierigkeiten entschliessen wir uns schlussendlich für die Reise nach Bariloche. Es soll da sehr viele schöne Seen, wunderbare Natur und Berge geben. Ausserdem ist es nicht all zu weit vom Süden entfernt. Nach dem wir die Tickets bei dem uns gut bekannten Busunternehmen Andesmar gekauft haben, suchen wir die Post. Wir wollen morgen alle unsere Digitalbilder auf CD brennen und in die Schweiz schicken. Bei all der Organisation bleibt leider Marcos Geburtstag etwas auf der Strecke. Am früheren Abend stossen wir dann aber mit einem argentinischen Sekt auf Marcos Wohl an und gehen anschliessend ins Kino, um den neuesten Harry Potter Film auf spanisch zu sehen. Zugegeben verstehen wir nicht alles, was gesprochen wird. Der Film ist aber sehr schön gemacht, und es ist ein Vergnügen ihn zu sehen. Unsere Wäsche, die wir nach der Kinovorstellung abholen, ist nicht nur trocken und sauber, sondern auch noch feinsäuberlich zusammengefaltet und in Plastiksäcken verpackt! Der ganze Service für zwei Ladungen Wäsche kostet uns gerade einmal 18 Pesos! Nach einem sehr feinen Abendessen im gediegenen, stimmungsvollen Restaurant "Estela" geht ein schöner, wiederum ereignisreicher Tag in Argentinien zu Ende.

Freitag 25. November
Mit mittlerweile viel Routine packen wir heute morgen unsere Rucksäcke, die wir anschliessend im Hotel für 6 Pesos in einem abgeschlossenen Raum einstellen. Nach dem ersten Kaffee suchen wir uns eine Internetstation, bei der wir die Fotos vom USB-Stick auf CD brennen können. Beim Internetanbieter "Telecom" können wir auch gleich zwei CD's kaufen, und der Brennvorgang klappt tadellos. Mittlerweile ist es 13.00 Uhr geworden, und die Post hat leider schon Siesta Pause. Wir gehen also an den Strand, setzen uns auf eine Bank und geniessen die wunderbare Sonne, die von einem blauen Himmel herunter strahlt. Es geht zwar auch heute ein leichter bis heftiger Wind, aber er ist wenigstens nicht kalt. Um 16.00 Uhr bringen wir dann die Postkarten und das Päckchen mit den CD's zur Post, was uns 49 Pesos kostet. Im Gegensatz zu anderem ist Post nach Europa zu verschicken in Argentinien eine ziemlich teure Angelegenheit. Wir haben jetzt noch 4 Stunden Zeit bis wir zur Busstation müssen und nutzen diese um einzukaufen, im Park zu picknicken und am Strand zu spazieren. Uns fällt auf, dass am frühen Abend viele Einheimische den Park aufsuchen, vom Kleinkind und verliebten Paar bis zur Grossmutter. Um 22.45 Uhr, mit einer ganzen Stunde Verspätung, fährt dann endlich auch unser Bus Richtung Neuquén ein. In der ersten Klasse, im unteren Teil des Busses, haben wir aber für den Zweitklassepreis super schöne, breite Ledersessel bekommen, da oben keine Plätze mehr frei waren. Hier bekommen wir sogar ein warmes Abendessen, bestehend aus einem Fleischklösschen und Kartoffelstock, serviert.

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Puerto Madryn - San Carlos de Bariloche

Samstag 26. November
In den breiten Ledersesseln, die man beinahe zu einem Bett umfunktionieren kann, schlafe ich immer wieder für ein bis zwei Stunden ein. Das Einzige, was wir vermissen, ist eine Decke, denn im Bus ist es wegen der Klimaanlage recht kühl. Als wir uns langsam "Neuquén" nähern, wird die Gegend immer grüner und fruchtbarer. Wir fahren an riesigen Obstplantagen und Reben vorbei. Hier wachsen auch nicht nur kleine Büsche, sondern schöne grosse Bäume. Um ca. 08.45 Uhr kommen wir in "Neuquén" an. Hier müssen wir in den Bus nach "San Carlos de Bariloche" umsteigen. Der Busbahnhof in "Neuquén" erinnert an einen Flughafen, denn unser Gepäck wird vom Bus aus auf ein Rollband gelegt, und wir können es im Ankunftsraum in Empfang nehmen. Marco und ich müssen uns beeilen, um den Anschlussbus nicht zu verpassen. Durch die Verspätung des ersten Busses reicht es nicht einmal mehr für einen Kaffee. Aber das ist halb so schlimm, denn uns wurde versprochen, dass ein Frühstück serviert wird. Ein kanadisches Paar aus Quebec, das im selben Bus wie wir nach "Neuquén" reiste, treffen wir beim Umsteigen wieder an. Sie haben das selbe Ziel wie wir. Dieser Bus fährt pünktlich um 09.10 Uhr ab. Wir fahren bestimmt zwei Stunden ohne Halt durchs Land. Hier ist die Gegend ähnlich wie in anderen Gebieten Patagoniens, steppenähnlich und mit vielen Büschen bewachsen. Der Unterschied ist, dass wir ab und zu an einem kleinen See vorbeifahren, und die Gegend ist insgesamt grüner. Wir sehen vereinzelte kleine Rinder- und Pferdeherden, dafür aber keine Schafe. "Piedra del Aquila" scheint ein kleiner Touristenort zu sein. Hier macht der Bus eine grössere Pause, und einige Passagiere steigen aus, um zu rauchen oder sich etwas zu Essen zu kaufen. Da der Buschauffeur kein Wort darüber verloren hat, wie lange er Pause macht, getrauen wir uns nicht so recht den Bus zu verlassen. Dabei hätten wir so gerne einen Kaffee gehabt! Entgegen unserer Hoffnungen wurde bis jetzt noch kein Frühstück serviert, und dabei ist es bereits schon 12.30 Uhr, als der Bus wieder weiter fährt! Zum Mittagessen werden uns dann aber die obligaten Sandwiches und Getränke offeriert. Wir sitzen seit "Neuquén" auch nicht mehr in der ersten Klasse, sondern im oberen Stock in der hintersten Reihe. Das heisst aber auf keinen Fall, dass es hier unbequem ist, im Gegenteil. Die bequemen, gepolsterten etwas schmaleren Sessel lassen sich verstellen, und auch hier hat man genügend Beinfreiheit. Leider ist auch in diesem Bus die Klimaanlage auf Kühlschranktemperatur eingestellt! Unsere Fahrt führt uns nun entlang des "Rio Negro". Der Fluss schlängelt sich durch die karge, hügelige Landschaft. An einem Ort ist der Fluss breit wie ein See mit vielen Vergabelungen, ein schönes Naturschauspiel in einer unberührten Gegend ohne Zivilisation. Der Bus klettert einen kleinen Pass hoch, wo wir zum ersten Mal am Horizont die schneebedeckten Berge der Anden erblicken. Die Gegend wird grüner, wir sehen den "Lago Nahuel Huapi" und den Nationalpark mit Wäldern mit grossen Nadel- und Laubbäumen. Wir nähern uns "San Carlos de Bariloche". Die kleine Busstation von Bariloche liegt etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Hier weht uns ein kalter, nasser Wind um die Nase. Kaum steigen wir aus dem Bus, werden wir auch schon von einer Lady angesprochen, die uns ein Hotelzimmer für 70 Pesos andrehen will. Wir lehnen dankend ab, denn erst wollen wir unser Gepäck in Empfang nehmen und uns zweitens lieber alleine ein günstigeres Hotel in der Stadt suchen. Am Touristinfo bekommen wir einen Stadtplan und eine Liste mit allen Hotels. Ausserdem erklärt uns die nette Señora, wo hier die Bushaltestelle ist, von wo alle halbe Stunde ein Bus ins Zentrum fährt. Kurz darauf sitzen wir auch schon im Bus Nr. 20 und steigen fünf Minuten später in der City wieder aus. Das erste Hotel, in dem wir ein Zimmer suchen, ist ausgebucht, das zweite ist uns mit 90 Pesos zu teuer, und ausserdem ist uns der "Conserje" unsympathisch. Im dritten Hotel ist uns der Receptionist zwar sympathisch, aber auch hier sind die Zimmer mit 75 Pesos zu teuer. In der sympathischen, freundlichen und heimeligen Hosteria "Arequery" bekommen wir tatsächlich ein wunderschönes, ruhiges Zimmer mit Holzboden und Heizung für 50 Pesos inklusive Frühstück! Nachdem wir uns häuslich eingerichtet und aufgewärmt haben, wollen wir uns etwas in der Stadt umsehen. Die äusserst nette Dame an der Rezeption erklärt uns noch die Umgebung um Bariloche und schlägt uns auch gleich ein paar Ausflüge vor, die man von hier aus mit dem öffentlichen Bus machen kann. Ausgestattet mit vielen Informationen machen wir uns um etwa 17.00 Uhr endlich auf die Suche nach einem Kaffee. Als wir in einem Pub, nicht weit weg von unserem Hotel, einen freien Platz suchen, winken uns plötzlich zwei Männer zu. Es ist tatsächlich Marcos ehemaliger Lehrer an der HTL, Rolf Wäspe und dessen Sohn Martin. So ein Zufall! Da reist man durch die halbe Welt, und Marco trifft Leute, die er bestimmt 4 Jahre nicht mehr gesehen hat. Wir setzen uns natürlich zu ihnen. Rolf ist schon seit dem Jahr 2001 pensioniert und seitdem ständig auf Reisen durch ganz Südamerika. Natürlich quetschen wir ihn über alles mögliche aus. Wir machen auch gleich ab, dass wir uns morgen zum Abendessen noch einmal treffen werden. Mittlerweile hat es draussen angefangen zu regnen, und die Temperaturen sind in den Keller gesunken. Marco und ich kaufen im Supermercado noch ein paar Früchte ein, bevor wir in einem kleinen Restaurant gleich bei unserem Hotel bei diesem kalten Wetter eine heisse Suppe essen. Während die Suppe uns wärmt, lesen wir auf einem Plakat, das an der Wand hängt, den Spruch, "El que saber comer, sabe esperar", was so viel heisst wie, "Derjenige, der weiss, wie man gut isst, der kann auch darauf warten." Auf Grund aktueller Begebenheiten funktioniert Marco den Spruch kurzerhand um: "El que saber viajar con Andesmar, sabe esperar" = " Derjenige der mit Andesmar reist, weiss was es heisst warten zu müssen."

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San Carlos de Bariloche

Sonntag 27. November
Um 08.30 Uhr werde ich tatsächlich von strahlendem Sonnenschein geweckt. Also nichts wie aus den Federn. Beim Frühstück besprechen wir, was wir heute machen wollen. Die ältere Frau, die uns das Frühstück serviert, empfiehlt uns, mit dem Bus zum "Puerto Pañuelo" zu fahren. Von da aus könne man eine Bootsfahrt zur bekannten Insel Victoria machen. Um 10.00 Uhr sind wir startklar und gehen zur Bushaltestelle, wo 10 Minuten später der Bus Nr. 20 einfährt, der uns nach "Puerto Pañuelo" bringt. Die Fahrt ist wunderschön und führt uns dem "Lago Nahuel Nuapi" entlang. Überall blühen hier Sträucher mit gelben Blüten, auch viele Nadelbäume und Laubbäume säumen den Weg. Um 11.00 Uhr steigen wir am Hafen aus und fragen am Schalter, wann das nächste Boot zur Victoria-Insel fährt. Leider fährt heute aber kein Schiff, da anscheinend irgendein Feiertag der Seefahrer ist. Die nette Señora gibt uns aber noch eine Karte mit den Zeiten, wo normalerweise die Boote von hier zur Insel abfahren und noch andere Ausflugsmöglichkeiten. Erst jetzt erkennen Marco und ich, dass dieses ganze Gebiet um Bariloche in einem Nationalpark liegt. In diesem Nationalpark ist ausserdem ein Naturreservat, zu dem auch die Insel Victoria gehört. Nach den vielen Informationen müssen wir jetzt erst einmal besprechen, was wir jetzt machen wollen. Da wir meinen, "Llao-Llao" sei ein Dorf, entschliessen wir uns einen Spaziergang dahin zu machen. Es stellt sich aber heraus, dass "Llao-Llao" eben dieses Naturreservat ist. Da wir für eine Wanderung durch dieses Reservat nicht unbedingt gut vorbereitet sind, kehren wir wieder um und spazieren stattdessen den Hügel hinauf zu dem berühmten Hotel, das gleich heisst, wie das Reservat. Leider haben sich über uns dunkle, Unheil verkündende Wolken zusammengebraut, und auch der Wind ist giftig und kalt. Als wir beim wunderschönen, grossen, mit viel Holz gebauten fünf Sterne Hotel "Llao-Llao" ankommen, beginnt es sogar zu regnen. Bevor wir uns ins Hotel wagen, um zu fragen, ob wir zwei einfache Wanderer in diesem prunkvollen Haus einen Kaffee trinken dürfen, fotografiert Marco einen uns unbekannten Vogel. Er stolziert auf dem Rasen des Kreisels bei der Hoteleinfahrt umher. Eine Frau, die gerade aus dem Hotel kommt, erklärt uns, dass dieser Vogel "Tero" heisst, da er beim Fliegen anscheinend "tero, tero, tero" ruft. Der Securitas in der Hotellobby ist sehr nett, und wir dürfen hier selbstverständlich einen Kaffee trinken. Wir bekommen sogar die Erlaubnis uns ein bisschen im Hotel umzusehen, nur Fotos dürfen wir keine machen. Dieses Luxushotel ist atemberaubend und unbeschreiblich. Marco und ich finden, dass auch wir nicht abgeneigt wären, hier einmal eine Woche Wellnessferien zu verbringen. Den Kaffee trinken wir an einer grossen Fensterfront mitten im Restaurant, wo gerade das Mittagsbuffet aufgebaut wird. Mit unserer nicht gerade eleganten Kleidung kommen wir uns schon ein bisschen fehl am Platz vor. Während wir den teuersten Kaffee unserer bisherigen Reise durch Argentinien schlürfen, regnet es draussen immer stärker. Wir entschliessen uns, mit dem Bus wieder in die Stadt Bariloche zu fahren, da es keinen Sinn hat bei diesem Wetter mit dem Sessellift auf den Aussichtspunkt "Cerro Campanario" zu gondeln. Zurück im Hotel kriechen wir erst einmal tief unter die Bettdecke, um uns wieder aufzuwärmen. Heute wird das Wetter leider kein bisschen besser, und es regnet, was das Zeug hält. Später am Nachmittag wagen wir es aber doch noch einmal hinaus, setzen uns mit dem Notebook bewaffnet in ein wunderschönes Restaurant, trinken heisse Getränke und schreiben an unseren Berichten. Um 20.00 Uhr sind wir im Pub mit Rolf und Martin verabredet. Mit ihnen speisen wir in einem gut geheizten, sehr guten Restaurant, sprechen über das Reisen und erleben einen sehr schönen Abend. Nach dem Austausch der E-Mail Adressen verabschieden wir uns ca. um 23.30 Uhr. Morgen werden Rolf und Martin nach Mendoza weiterreisen.

Montag 28. November
Auch heute Morgen werden wir wieder von der Sonne geweckt. Wir beeilen uns und gehen wieder auf denselben Bus, der um 10.10 Uhr nach "Campanario" fährt. Wir wollen heute unbedingt mit dem Sessellift auf den "Cerro Campanario" fahren. Heute weht ein ausgesprochen kalter Wind, und es ist, wenn überhaupt, nicht viel über 0°! Die Fahrt mit dem Sessellift ist zum Glück nicht ganz so windig, da die Strecke durch den Nadelwald etwas geschützt ist. Oben angekommen treffen wir eine atemberaubend, schöne Aussicht auf den ganzen Nationalpark an. Die schönen Seen, die Wälder, die Insel Victoria, die "Peninsula San Pedro", den "Parque llao-Llao" und schneebedeckte Berge können wir von hier aus sehen. Trotz des nun wirklich eiskalten Windes ist uns heute das Wetter hold. Die Sonne scheint zwischen einzelnen und ungefährlichen Wolken hindurch, und es entstehen wunderbare Erinnerungsfotos. Nach einer Stunde Staunen und Frieren wärmen wir uns im Restaurant mit heissem Kaffee etwas auf. Hier treffen wir auf einen schweizerdeutsch sprechenden Kellner, dessen Eltern von Schaffhausen hierher ausgewandert sind. Er selber ist hier geboren und aufgewachsen. Er rät uns dann auch ab, die Schweizerkolonie mit Museum zu besuchen. Er erklärt uns aber noch, dass die Chilenen ursprünglich die Stadt Bariloche gegründet haben, und die Schweizer das Gebiet rund um die Stadt erschlossen haben. Nach diesen neuen Eindrücken und Erkenntnissen fahren wir mit der Bahn wieder zurück und warten auf den nächsten Bus in die Stadt. Im Stadtzentrum ist es kein bisschen wärmer als in der Höhe, obwohl die Sonne senkrecht über uns am Mittagshimmel steht. Der Wind ist eisig kalt, und wir suchen bald die Wärme unseres heimeligen Hotelzimmers auf. Nachdem wir wieder etwas aufgewärmt sind, wartet noch ein bisschen Arbeit auf uns. Morgen ist wieder Reisetag, und wir wissen immer noch nicht, wohin wir wollen. In der Internetstation gleich neben unserem Hotel konsultieren wir alle möglichen Wetterseiten, die uns aber alle das gleich sagen: Das Wetter im Süden ist eisig kalt, und es regnet. Jetzt kommt also Plan B zum Einsatz. Wir reisen erst einmal weiter in den Norden nach Mendoza. Am "Terminal de Omnibus" buchen wir über "Andesmar" zwei Tickets. Jetzt da unsere Weiterreise gesichert ist, setzen wir uns in das Pilgrim-Pub und haben hier sogar ein Wireless-Signal, das wir sogleich nutzen, um E-Mails zu verschicken. Nach einem letzten gemütlichen Abend an diesem schönen Ort ist es Zeit unser warmes Nest aufzusuchen.

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San Carlos de Bariloche - Mendoza

Dienstag 29. November
Da wir erst um 12.15 Uhr am Busbahnhof sein müssen, bleibt uns noch genügend Zeit heute morgen nach dem Packen gemütlich zu frühstücken. Die sehr nette ältere Dame, die uns jeden Morgen mit Kaffee und "Media Lunas" = Gipfeli bedient, bittet uns der Touristin aus Neuseeland, die nur englisch spricht und gleich am Tisch hinter uns sitzt, zu erklären, wann man mit den Bussen welche Ausflüge machen kann. Natürlich machen wir das und sind sehr stolz, dass wir uns in den drei Tagen, die wir hier verbrachten, schon so gut auskennen. Eine Stunde später verabschieden wir uns von dem netten Hotel, schreiben uns auf schweizerdeutsch ins Gästebuch ein und werden von der Hoteldame mit dem obligaten argentinischen Kuss auf die rechte Wange verabschiedet. Wir können dieses freundliche und familiäre, schöne Hotel "Hosteria Arequery" wärmstens weiterempfehlen! Am Busbahnhof sind wir ca. eine Stunde zu früh, die wir aber mit Kaffee trinken und diskutieren locker überbrücken. Dieses Mal trifft sogar der Bus pünktlich ein. Unsere "Semi-Cama" Sessel befinden sich in der vorderen Hälfte der oberen Etage. Hier werden wir die nächsten 19 Stunden verbringen. Cristian, der Steward auf dieser Fahrt, verwöhnt uns mit zwei warmen Mahlzeiten, Kaffee, Getränken und 4 Filmen. Beim obligaten "Andesmar-Bingo-Spiel" gewinnen Marco und ich sogar noch eine Flasche Rotwein.

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Mendoza

Mittwoch 30. November
Ca. um 07.30 Uhr kommen wir am grossen "Terminal de Omnibus" von Mendoza an. Am Informationsschalter erkundigen wir uns nach einem Stadtplan und einer Hotelliste, welche wir von einem freundlichen, jungen Caballero bekommen. Nach Kaffee und "Media Luna" lassen wir uns per Taxi zum "Plaza Indenpendencia" im Stadtzentrum fahren. Von hier aus begeben wir uns zu Fuss auf Hotelsuche. Im Hotel "Mayo" finden wir für drei Nächte ein einfaches Doppelzimmer. Am Nachmittag nehmen wir das "Microcentro", wie die Innenstadt genannt wird, etwas genauer unter die Lupe. Im Zentrum steht der "Plaza Independencia", der von 4 weiteren kleineren, quadratischen Plätzen symmetrisch umgeben ist. Zwischen diesen Plätzen und in der ganzen Innenstadt sind alle Strassen auch in dieser Stadt im Schachbrettmuster angeordnet. Das Zentrum ist nicht wirklich klein, wie es vom Namen "Microcentro" her vermuten lässt. Die Strassen sind fast überall mit schönen grossen Platanenbäumen gesäumt. Diese wunderschönen Laubbäume ähneln den uns bekannten Ahornbäumen sehr. Wegen diesen Plätzen und all den vielen Bäumen ist Mendoza eine der grünsten Grossstädte, die wir je gesehen haben. Uns gefällt der erste Eindruck. Die Menschen, die in dieser Stadt leben, strahlen eine echte, lebendige, uns willkommen heissende Freundlichkeit aus. Nach dieser ersten Erkundigungstour buchen wir für morgen in einem der unzähligen Reisebüros eine Exkursion mit Minibus in die Bergwelt der Provinz Mendoza. Wir wollen die Gegend und die hohen Berge fürs erste mit vier Rädern erkundigen, bevor wir eventuell an einer geführten Wanderung teilnehmen. Am Abend essen wir im "Café Meditarraneo's" "Picadas" und trinken "Andes-Bier" dazu. "Picadas" sind auf einer Platte angerichtete kleine Häppchen, den spanischen Tapas ähnlich.

Donnerstag 1. Dezember
Nach dem Frühstück werden wir um 08.00 Uhr vom Minibus im Hotel abgeholt. Nach uns werden auch noch weitere Gäste in verschiedenen Hotels in und ausserhalb der Stadt eingesammelt. Mit dem Fahrer und der Guíasin sind wir schlussendlich 15 Leute. Als erstes geht die Fahrt nach "Maipu" und "Luján de Cuyo", den zwei wichtigsten Weinanbaugebieten von Mendoza. Hier überqueren wir das erste Mal den "Rio Mendoza", den Fluss, dem wir heute den ganzen Tag folgen werden. In diesem ersten Teil der Strecke sehen wir auch Ölraffinerien. Das gewonnene Öl und Gas aus Argentinien wird laut Carina, unserer Guíasin, teilweise nach Chile exportiert. Die "Ruta 7", auf der wir heute fahren, ist auch eine der wichtigsten Passstrassen über die Anden, die Chile und Argentinien verbindet. Hier herrsch reger Lastwagenverkehr, da es die Handelsroute von Brasilien, Uruguay und Argentinien nach Chile ist. Die zweispurige Strasse wird nun steiler und kurviger, und wir können die ersten Vorgebirge sehen. Leider hängen ein paar Wolken im Himmel, die uns auf den ersten Blick nicht unbedingt gefallen. Je weiter wir fahren und langsam aber stetig in die Höhe gelangen, scheint die Sonne immer mehr, und die Wolken verziehen sich. In "Potrerillos" machen wir den ersten Halt, wo wir uns die Beine vertreten können und in einem Restaurant das Bad benutzen dürfen. Danach geht die Fahrt weiter durch das "Valle Potrerillos". Während wir die wunderbare Natur und das geniale Farbenspiel der verschiedenen Gesteine der Berge betrachten, erklärt uns Carina alles über die Entstehung der Anden, der Beschaffenheit des Gesteins und die Fauna, die uns umgibt. Wir sind sehr beeindruckt über die weiten, breiten Täler, die in diesem Hochland liegen. Es ist kein steiler Pass, der uns immer höher in die Berge führt, sondern der Weg führt uns einem breiten, wuchtigen Tal entlang die 190 km lange Strecke langsam und stetig immer höher hinauf. Der Strasse entlang können wir Schienen erkennen. 1910 bis 1980 fuhr hier ein Zug über die Anden nach Chile. Ursprünglich wurde diese gewaltige Eisenbahnlinie nur für den Gütertransport gebaut. In den letzten Jahren ihrer Rentabilität wurde sie dann auch für Passagiere und vor allem als Touristenattraktion genutzt. 1980 fuhr der Zug das letzte Mal über diesen Pass, danach wurde die Strecke still gelegt und verwahrlost. Es würde heute viel zu viel kosten, die Strecke wieder in Stand zu setzen. Unser nächstes Ziel ist "Uspallata", ein weiteres kleines Dorf im gleichnamigen Tal. Von hier aus können wir hier und da schon den einen und anderen hohen Berg herausragen sehen. An der "Puente de Picheuta", auf einem Teil der alten "Ruta 7", machen wir den nächsten Halt. Diese ursprüngliche Route, die Argentinien mit Chile verband, wurde, so viel ich verstanden habe, im 18 Jahrhundert von einem gewissen "O'Higgins"  in der Kolonialzeit realisiert. Eine alte Brücke, die "Puente de Picheuta", ist noch sehr gut zu erkennen und führt über einen Fluss, dessen Wasser anscheinend gut für die Potenz ist. Man dürfe aber nur zwei bis maximal drei Mal davon trinken, ansonsten könne es sogar das umgekehrte bewirken. Weiter geht es immer tiefer in das Andengebiet und am "Punta de Vacas" vorbei, wo der alte Zoll steht. In "Penitentes", einem bekannten Skigebiet, sind wir bereits auf ca. 2600 M.ü.M. Hier haben wir die Gelegenheit mit einem Sessellift auf 2800 M.ü.M zu fahren und den gewaltigen Ausblick auf die wunderschöne, faszinierende Bergwelt zu bestaunen. Faszinierend ist auch das Wetter. Wir haben seit dem Mittag blauen, wolkenlosen Himmel und eine Sonne, die sogar in dieser Höhe angenehme Temperaturen zaubert. Beim nächsten Halt sehen wir endlich den höchsten Berg Amerikas, den 6960 Meter hohen "Aconcagua"! Selbst Carina, unsere "Guía", die bestimmt nicht das erste Mal hier oben ist, scheint beeindruckt. Sie ist vor allem darüber erstaunt, dass keine einzige Wolke den Berg umhüllt. Wir sind überzeugt, dass es keinen Berg in den Schweizer Alpen gibt, der mit solcher Wucht und Kraft in den Himmel hinaufragt. Bei 3151 M.ü.M befindet sich "Las Cuevas" der letzte Punkt auf argentinischem Boden, bevor die Route 7 durch ein 3 km langes Tunnel, das "Tunel international", über die Grenze nach Chile führt. Der Tunnel wurde ursprünglich für die Eisenbahn gebaut. Nachdem diese Linie still gelegt wurde, baute man den Tunnel 1980 für den Schwerverkehr aus. In "Las Cuevas" machen wir eine Stunde Pause, wo wir die Möglichkeit haben im Bergrestaurant etwas zu essen und zu trinken oder draussen umher zu spazieren. Marco und ich gehen nach einer kleinen Verschnaufpause bei einem Kaffee, uns ist es durch den schnellen Höhenunterschied etwas schwindelig geworden, spazieren. Hier oben brauchen wir nun unsere Jacken, denn es bläst ein kalter Wind, und ausserdem liegt auf dieser Höhe an manchen Stellen noch Schnee. Auf der Rückfahrt, die wir um 15.00 Uhr antreten, machen wir an der Brücke der Inkas einen letzten Halt. Die Brücke besteht aus Schwefelgestein und entstand durch die natürlichen Kräfte des Wassers, das sich immer mehr durch den Stein frass. Das Wasser entspringt aus drei verschiedenen Thermalquellen. Die Farben des Wassers und des gelben Gesteins sehen fast ein bisschen surreal aus. Überbleibsel eines alten Kurhotels erinnern an Zeiten, wo die Leute zu Kurzwecken hierher gekommen sind. Heute trifft man hier einen kleinen Touristenort an, von wo aus man wandern, Ski fahren und andere alpinen Sportarten betreiben kann. Um etwa 19.15 Uhr treffen wir müde und etwas schwindlig von den vielen faszinierenden Eindrücken im Hotel ein. Nach einer Stunde Schlaf sind wir dann aber wieder fit, um in einer wunderbaren, günstigen "Parillada" = Grill, mit immensem Angebot am Buffet, zu Abend zu essen. Heute erlebten wir einen der schönsten und eindrücklichsten Tage, seit wir vor drei Wochen in Argentinien angekommen sind.

Freitag 2. Dezember
Nach einem späten Frühstück um 10.15 Uhr machen wir uns zu Fuss auf zum "Parque San Martin". Leider ist der Himmel heute ziemlich bedeckt, und die Sonne versteckt sich hinter dichten Wolken. Der riesige Park am Stadtrand ist 354 Hektaren gross, und es führen Strassen und Fusswege durch diese mit 300 verschiedenen Pflanzen und Bäumen bewachsene grüne Oase. Sogar ein Zoo soll es hier geben. Ein paar Meter vom Eingang entfernt befindet sich ein Touristen Informations-Büro. Laut unseren Informationen kann man hier organisierte Busfahrten durch den ganzen Park für 4.50 Pesos machen. In einer halben Stunde wird die nächste Tour statt finden. Wir setzen uns also erst einmal ins Café. Nach einer Dreiviertelstunde läuft in Sachen Rundfahrt aber immer noch nichts. Marco und ich haben keine Lust noch länger rumzuhocken und entscheiden uns zu Fuss zum See zu gehen, der gleich am Anfang des Parks liegt. Der wunderschön angelegte "Lago de Regata" lädt uns ein, ihm entlang zu spazieren. Da wir heute noch einige Dinge organisieren wollen, kehren wir nach einer Stunde via Universität und angrenzendem Studentenviertel wieder in die Stadt zurück. Wir wollen heute noch ein etwas ruhigeres und günstigeres Hotel finden. Wir haben uns inzwischen entschieden noch drei bis vier Tage in dieser schönen Stadt zu bleiben und in aller Ruhe einige nahe gelegene Regionen der Provinz Mendoza kennen zu lernen. Wir finden heute heraus, worin sich Hotels und Hostels unterscheiden. Hotels sind die etwas teureren Unterkünfte von der Kategorie 5 bis 1 Stern. Hostels sind so etwas ähnliches wie Jugendherbergen und bieten nur wenige Doppelzimmer an. Meistens sind in einem Zimmer 4 bis 6 Leute einquartiert. In Hostels steht einem oft auch eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung. Im äusserst sympathischen Hostel "Huellas Andina" reservieren wir ab morgen vier Nächte. Heute Abend haben wir uns per Mail mit Rolf und Martin verabredet. Pünktlich um 20.00 Uhr treffen wir die beiden tatsächlich im "Café Mediterraneo's" an. Zusammen verbringen wir bei einem guten Abendessen einen herrlich lauen Sommerabend.

Samstag 3. Dezember
Heute ziehen wir mit Sack und Pack ins Hostel "Huellas Andina" um. Unser gemütliches, einfaches Zimmer befindet sich im 1. Stock gleich neben einer schönen Terrasse, die wir nutzen dürfen. Nachdem wir uns häuslich eingerichtet haben, brauchen wir erst einmal eine kleine Siesta. Danach gehen wir in die Stadt. Bei "LUMA-Tours", dem Reisebüro bei dem wir schon die Tour in die Berge gebucht haben, reservieren wir für Montag eine Führung durch die Bodegas der Region. Bevor wir ins Hostel zurückkehren, kaufen wir noch unser heutiges Abendessen und das Frühstück für Morgen ein. Wir haben ja jetzt eine Küche, die wir benützen können. Den heutigen wunderbar warmen Sommerabend verbringen wir auf der Terrasse, trinken den Andesmar-Wein und schreiben Reportes.

Sonntag 4. Dezember
Eine strahlende und warme Sonne empfängt uns heute morgen. In unserem schönen, gemütlichen und ruhigen Zimmer haben wir so richtig gut und lange geschlafen. Nach einem ausführlichen selbst gemachten Frühstück gehen wir zu Fuss in den "Parque San Martin". Heute hat es viel mehr Leute im Park als letztes Mal, und sogar die Rundfahrt durch den Park findet fünf Minuten nach unserer Ankunft für 4,50 Pesos pro Person statt. Der Fahrer, der zugleich auch den Job als "Guía" = Führer macht, stellt sich als Omar vor. Er werde die Fahrt nur in Spanisch dokumentieren, werde aber sehr langsam sprechen. Das macht er dann auch. Er spricht sogar so langsam und deutlich, dass auch derjenige, der wirklich kein Spanisch kann, etwas versteht. Der Park ist wirklich gewaltig weit und gross. Die Fahrt geht vorbei am uns bekannten See, an vielen schönen grünen Plätzen, Monumenten und Bäumen. Die Strassen sind übrigens alle mit Baumnamen versehen, welche auch die Strassen säumen. Weiter geht es dann zu Tennis- und Fussballplätzen, zum Zoo und dann die Strasse hinauf zum "Cerro de la Gloria". Oben angekommen hat man einen wunderbaren Blick auf die Vorgebirge der Anden und auf die Stadt Mendoza. Nach einer halben Stunde Pause, in der wir das Monument des "San Martin" bewundern und Fotos von der Umgebung machen, nehmen wir die Rückfahrt wieder in Angriff. Beim Runterfahren sehen wir auch noch das alte griechische Amphitheater, das für irgendwelche Festivals der Andenregionen genutzt wird. Am Zoo hat man nun die Gelegenheit auszusteigen, zwei Stunden die Tiere zu bewundern, bis man dann vom nächsten Bus wieder abgeholt wird. Marco und ich fahren aber ohne den Zoo zu besuchen zurück zum Eingang. Nach der schönen, interessanten Rundfahrt spazieren Marco und ich zurück in die Stadt. Zufälligerweise treffen wir Rolf auf der Strasse, trinken zusammen Kaffee und verabreden uns zum Nachtessen. Jetzt wird es Zeit ins Hostel zurückzukehren, denn heute steht um 15.00 Uhr Fussball, Villa Real gegen Barcelona, auf dem Plan. Ausgerüstet mit Bier und Knabbereien besetzen wir den Gemeinschaftsfernseher im Hostel und erfreuen uns zwei Stunden lang am Spiel von Barça, die dann auch prompt 0:2 gewinnen. Bei einem vorzüglichen Abendessen im Restaurant erleben wir einen letzten wunderschönen Abend mit Rolf und Martin, bevor sie morgen nach "Buenos Aires" fliegen und bald wieder in die Schweiz zurück müssen.

Montag 5. Dezember
Heute schlafen wir lange aus, denn gestern wurde es ziemlich spät, da wir mit Martin nach dem Abendessen noch um die Häuser zogen. Auch heute scheint die Sonne von einem strahlend blauen Himmel herunter, es ist aber nicht ganz so heiss wie gestern. Marco will sich hier in Mendoza noch eine neue Brille machen lassen, deshalb gehen wir an die "Calle San Martin", die Einkaufsstrasse der Stadt. Im Optikergeschäft "Vision" finden wir einen kompetenten freundlichen Optiker, der dann auch ein Brillengestell findet, das genau Marco's Geschmack entspricht. Die Brille wird am Mittwoch fertig sein und genau 298 Pesos kosten! Da wir nicht unbedingt damit gerechnet haben, dass wir die Brille vorauszahlen müssen, haben wir zu wenig Geld dabei. Wir versprechen das Geld nach der Weindegustation um ca. 20.00 Uhr vorbei zu bringen. Apropos Weindegustation, wir müssen uns langsam sputen, um rechtzeitig um 14.30 Uhr abholbereit im Hostel zu sein! Wir schaffen es aber auf die Minute und werden pünktlich mit einem Minibus abgeholt. Wir fahren nach "Maipu", wo wir als erstes die industrielle Bodega "Baudron" besuchen. Vor der Bodega sind in neun verschiedenen Töpfen alle Rebensorten angepflanzt, die in Mendoza zur Weinproduktion angebaut werden. Die Trauben für Rotweine sind (sortiert nach der Intensität des Geschmackes): Cabarnet, Syrah, Tempranillo, Malbec, und Merlot. Malbec ist die Sorte, die in Mendoza am meisten angebaut wird. Ausserdem existieren noch die weniger verbreiteten Sorten Bonarda und Pinot Noir. Trauben für Weissweine sind Chardonnay und Chenin. Wir werden von einer "Dama" durch die Bodega geführt, die uns als erstes mitteilt, dass die meisten Bodegas, wie auch diese, Familienbetriebe seien. Jetzt kann die Führung beginnen, und sie erklärt uns, wie der Wein aus den Trauben entsteht. Nachdem die Trauben vom Laub getrennt werden, werden sie maschinell gereinigt und gepresst, dann gelangen sie durch ein Rohr in grosse "Betonhöhlen", wo die Gärung der Früchte stattfindet. Die jungen, günstigeren Weine werden gleich danach vor Ort in Flaschen abgefüllt und in Schachteln verpackt. Der etwas teurere Wein (Cosecha) wird nach der ersten Gärung in grosse Holzfässer abgefüllt und dort zwei Jahre gelagert, bevor er in Flaschen abgefüllt wird. Ganz zuletzt zeigt sie uns auch noch den Keller, wo die Spitzenweine in Eichenfässern drei bis fünf Jahre gelagert werden, bevor auch sie zum Verkauf in die Flaschen gelangen. Die "Dama" betont immer wieder, dass die ganze Weinproduktion ein rein natürlicher Prozess sei und keinerlei Chemie zugesetzt wird. Nach den ausführlichen und interessanten Erklärungen degustieren wir einen Chardonnay und einen Malbec. Vor dem Probieren werden wir aber erst einmal in die hohe Kunst des Degustierens eingeführt. 1. Der Wein wird im Glas geschwenkt und auf Farbe und Konsistenz geprüft. 2. Der Wein wir abermals geschwenkt und auf den Geruch geprüft. 3. Der Wein wird probiert, indem man einen Schluck in den Mund nimmt, ihn dort etwas im Gaumen behält und dann langsam runterschluckt. Obwohl Marco und ich all das befolgen, munden uns beide Weine nicht wirklich. Wir scheinen aber die einzigen zu sein, denen es so geht, denn alle anderen Bodegabesucher kaufen nach der Degustation mindestens eine Flasche. Nach etwa einer Stunde fahren wir weiter zu der kleineren, traditionellen Bodega "Viña el Cerno". Auch hier bekommen wir eine Führung durch alle Räumlichkeiten. Diese Bodega ist aber sehr viel kleiner, und das meiste wird hier noch von Hand gemacht. Auch das Abfüllen des Weines in die Flaschen und das Etikettieren ist Handarbeit. Die jungen Weine, die auch hier gleich nach dem ersten Gärungsprozess in den "Betonhöhlen" in Flaschen abgefüllt werden, werden "Wayna" genannt. Jedoch bleiben diese Weine noch ca. ein halbes Jahr im eigenen Keller. Auch führt diese Bodega eine Qualitätslinie, wo die Weine 2 Jahre und länger in den eigenen Holzfässern gelagert wird. Nach der Führung dürfen wir auch hier zwei Weine, einen Cabernet und einen Malbec, degustieren, und auch hier werden wir erst in die Degustation eingeführt, und auch hier wird speziell betont, dass Wein ein Naturprodukt ohne Chemie ist. Diese Weine, die wir probieren, schmecken wirklich sehr gut. Wir kaufen aber auch hier keinen Wein. Diese Weine, die hier produziert werden, geraten nie in den offenen Verkauf, sondern werden nur in der Bodega selber und in auserlesenen Restaurants von Buenos Aires angeboten. Jetzt geht die Fahrt weiter zu einer kleinen Familien- Olivenölproduktionsfabrik. Unter uralten Olivenbäumen werden wir von einem Herrn über die vielen verschiedenen Olivensorten und die diversen Pressvorgänge aufgeklärt. Wir bekommen dann auch noch die Maschinen und Pressen zu sehen, was sehr eindrücklich ist. In dieser "Fabrik" wird aber nicht nur Olivenöl hergestellt, sondern auch noch verschiedene andere Produkte wie getrocknete Tomaten, Senf, Balsamico Essig, eingelegte Oliven und verschiedene Olivenpasten. Zum Schluss können wir noch einige dieser Produkte, wie weisse und schwarze Olivenpaste, Brot mit Olivenöl und getrocknete Tomaten, die hier hergestellt werden, probieren. Wir kaufen dann auch ein Glas der hervorragend guten in Öl eingelegten Tomaten. Nach dieser Führung sind Marco und ich fast ein bisschen erschlagen von den vielen Informationen des heutigen Nachmittages und würden gerne zurück ins Hotel. Aber jetzt steht uns noch der Besuch der "Iglesia de la Carrodilla" bevor. Wie ich verstanden habe, wird in dieser Kirche die Schutzpatronin "La Virgen de Carrodilla" dieses Weinanbaugebiets verehrt. Heute Abend machen wir ein einfaches Mahl zu Hause und sind wieder einmal froh, dass wir hier im Hostel eine Küche haben.

Dienstag 6. Dezember
Heute steht wieder einmal ein bisschen Organisation unserer Weiterreise auf dem Plan. Nach heftigen Diskussionen und Recherchen im Internet entschliessen wir uns für folgendes: Morgen reisen wir mit dem Nachtbus nach "Cordoba", wo wir etwa 7 Stunden bleiben werden, bevor wir dann mit einem anderen Bus auch wieder über Nacht nach "Mar del Plata" weiterreisen. Dort wollen wir einige Tage bleiben und dann endlich den Süden in Angriff nehmen. Nachdem wir uns zu dieser Entscheidung durchgerungen haben, fahren wir mit dem Taxi, denn das Bussystem haben wir hier gar nicht im Griff, zum "Terminal de Omnibus" und kaufen die entsprechenden Tickets für morgen und übermorgen. Nach getaner Arbeit kehren wir ins Hostel zurück, machen Siesta und schreiben E-Mails. Am späteren Nachmittag gehe ich an die "Calle las Heras", wo sich der älteste Markt von Mendoza befindet. Im Markt, der mich nicht unbedingt so beeindruckt wie diejenigen in Spanien, kaufe ich zum "Samichlaus" Nüssli und Kirschen ein. Hier in Argentinien ist ja schliesslich Sommeranfang und Kirschenzeit! Auf dem Balkon vor unserem Zimmer machen Marco und ich "Samichlausaperitiv". Später nach einem ausführlichen Spaziergang durch das uns nun sehr vertraute Mikrozentrum speisen wir in der "Parilla Caro Pepe". Wir essen schon zum zweiten Mal hier und finden es eines der besten Restaurants in Mendoza. Das ganze Essen ist auf verschiedenen Buffets aufgebaut. Am Grill ist ein Grillmeister, der einem die Fleischstücke auf den Teller legt, die man wünscht, am Pastabuffet steht ein Koch, der einem die Teigwaren nach Wunsch frisch zubereitet und nebenbei auch noch süsse, flambierte Crèpes zaubert. Man kann so viel essen, wie man will und bezahlt unter der Woche pro Person 15 Pesos und am Wochenende 18 Pesos! Ausserdem bieten sie Spitzenweine aus allen bekannten Bodegas von Mendoza an.

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Mendoza - Cordoba - Mar del Plata

Mittwoch 7. Dezember
Heute ist Reisetag, was bedeutet, dass wir packen und die Hotelrechnung bezahlen müssen. Das ist mittlerweile aber Routine und braucht gerade mal vor dem Frühstück eine Stunde Zeit. Danach gehen wir ins Optikergeschäft "Vision", wo Marco seine perfekt verarbeitete Brille abholen kann. Als kleine Aufmerksamkeit bekommt er sogar noch eine Flasche Malbec-Wein! Wow! Den Nachmittag verbringen wir mit Kaffeetrinken, Park fotografieren und Coiffeurbesuch (Isabella). Danach dürfen wir im Hostel noch einmal das Internet benutzen, auf dem Notebook Reportes verfassen und warten, bis wir auf den Bus müssen. Pünktlich um 21.30 fährt unser Bus in Richtung "Cordoba" los. Dieses Mal reisen wir mit dem Unternehmen "Chevallier". Wir sind etwas enttäuscht, dass hier kein bisschen Service, wie wir es von "Andesmar" gewohnt sind, geboten wird. Naja, ein Film wird dann doch noch gezeigt, und danach machen wir es uns in unseren Sesseln für die Nacht gemütlich.

Donnerstag 8. Dezember
Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht kommen wir um ca. 07.30 Uhr am "Terminal de Omnibus" von "Cordoba" an. Nach einem Kaffee können wir uns dann auf einer Toilette etwas frisch machen. In der Nähe finden wir auch gleich Schliessfächer, von denen wir zwei für unser Gepäck mit Ein-Peso-Münzen füttern. Am Informationsschalter besorgen wir uns noch einen Stadtplan und eine Information über die Citytour durch "Cordoba". Da sich der Busbahnhof mitten in der Stadt befindet, können wir zu Fuss zum Plaza San Martin gehen, wo sich laut Marco's Recherchen eine der ältesten Kirchen von Argentinien, die "Iglesia Catedral" befindet. Wir finden den "Parque" mit der Kirche auf Anhieb und schlendern von hier aus ein bisschen durch die grosse Fussgängerzone, kaufen die Tickets für die Stadtrundfahrt und trinken Kaffee. Um 10.00 Uhr wartet schon der offene alte, original doppelstöckige Londonerbus auf uns. Marco und ich sind bis kurz vor der Abfahrt die einzigen Gäste für diese Citytour. Es gesellt sich dann aber noch ein argentinisches Ehepaar aus "Mar del Plata" zu uns. Marina, unsere "Guía" und Victor, der Fahrer, geben sich für uns vier Personen aber echt so viel Mühe, wie wenn der Bus voll besetzt wäre. Marina sitzt mit dem Mikrofon bei uns auf dem Dach des Busses und erklärt uns alle Sehenswürdigkeiten von "Cordoba", an denen wir bei unserer Tour vorbeifahren. Auch diese argentinische Stadt wird durch viele kleinere und grössere Plätze aufgelockert. Das besondere an "Cordoba" sind aber, so glaube ich, die vielen Kirchen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Laut Marina gibt es in dieser Stadt auch kein Spiel-Casino, wie wir sie sonst in allen anderen Orten angetroffen haben, weil es hier neben all den Gotteshäusern auch viele Klöster gibt. Nach der sehr interessanten Stadtrundfahrt verabschieden wir uns von Marina, Victor und dem argentinischen Ehepaar, spazieren noch etwas in der Innenstadt herum und sonnen uns am "Plaza San Martin". "Cordoba" scheint eine lebendige, freundliche Stadt zu sein, die wir in diesen wenigen Stunden kennen gelernt haben. Am Nachmittag gehen wir noch in eine authentische, argentinische Bar, in der aus einer "Jukebox" rhythmische, lateinische Musik gespielt wird. Dort essen wir etwas kleines, bevor wir zum Busbahnhof zurück gehen, wo um 15.45 unser Bus der Firma "MERCO-BUS, PLUS-ULTRA" auf uns wartet. Auch bei diesem Busunternehmen ist kein Service inbegriffen. Zum Glück machen wir nach ein paar Stunden einen halbstündigen Halt, wo wir einen Kaffe trinken und ein Sandwich fürs Abendessen kaufen können.

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Mar del Plata

Freitag 9. Dezember
Um ca. 08.00 Uhr kommen wir in "Mar del Plata" an. Gleich nachdem wir unser Gepäck in Empfang genommen haben, spricht uns eine freundliche "Señora" an, die uns ein Hotelzimmer für 40 Pesos pro Nacht inklusive Frühstück anbietet. Marco und ich erklären uns bereit uns das Zimmer einmal anzuschauen und werden von der Frau im eigenen Auto zum Hotel "Edelweiss" gefahren. Von den zwei Zimmern, die uns gezeigt werden, nehmen wir das erste. Das Hotel liegt sehr nahe am Stadtzentrum, und unser Zimmer, das in einen Innenhof zeigt, ist ausserordentlich ruhig. Nachdem wir geduscht und uns eingerichtet haben, bezahlen wir an der Rezeption die drei Nächte, die wir hier verbringen werden und bekommen danach gleich ein Frühstück serviert, was wir sehr zuvorkommend und nett finden. Jetzt haben wir wieder Energie, um das "Oficina de Turismo" zu suchen und die Stadt zu entdecken. Das Informationsbüro ist am "Plaza Colon", wo sich auch das berühmte und grösste Casino der Welt befindet. Eine sehr nette Lady gibt uns einen Stadtplan und viele nützliche Informationen über die Region um "Mar del Plata" mit auf den Weg. Nach einer ersten Erkundigungstour durch die Fussgängerzone und die schöne breite Hauptstrasse, die "Avenida Colon", gehen wir ins Hotel und machen drei Stunden Siesta. Um 20.00 Uhr sind wir wieder fit für den Ausgang. Es weht uns ein kalter Wind entgegen, und wir sind froh, dass wir unsere Jacken dabei haben. Die Stadt kommt uns jetzt, wo es dunkel ist, riesig und unübersichtlich vor. Es hat auch sehr viel Verkehr auf allen Strassen, viele Leute auf den Gassen, es herrscht viel Betrieb und Hektik, was uns nicht so behagt. Wir brauchen dann auch eine geschlagene Stunde, bis wir eine schöne Bar finden, wo wir zum Apero einen "Copa vino tinto" trinken können. Zum Abendessen gehen wir in einen der unzähligen "Tenedor Libre", was so viel bedeutet wie ein riesiges Buffet mit Grill (Parilla). Wir können uns vom Buffet bedienen, so oft wir wollen und bezahlen zusammen für das hervorragende Essen mit Wein 32 Pesos!

Samstag 10. Dezember
Nach erholsamem, ruhigem Schlaf, wieder einmal in einem richtigen Bett, bekommen wir auch heute ein Frühstück mit Kaffee und "Media Lunas" serviert. Jetzt gehen wir als erstes zum "Terminal de Omnibus" und kaufen alle Tickets für die von uns im Internet recherchierte Reise von hier aus bis nach Rio Gallegos". Am Montag werden wir es nun endlich wagen, ganz in den Süden Patagoniens zu reisen. Wir nehmen uns aber vor hier in "Mar del  Plata" noch eine warme Jacke zu kaufen, um dieses Mal besser gegen die Kälte gerüstet zu sein. Nachdem wir alle Tickets in der Tasche haben, suchen wir eine Bushaltestelle, von wo aus die "Colectivos" an den Hafen fahren. Der Bus, den wir wählen, fährt leider nicht dem Meer entlang, dafür bekommen wir aber für je 1,10 Pesos eine etwa halbstündige Stadtbesichtigung. Eine ältere "Dama" teilt uns dann netterweise mit, wo wir aussteigen müssen, um ans Meer zu gelangen. Ohne ihre Hilfe wären wir wohl recht tief im "Schilf" gelandet! Irgendwie sind wir aber auch jetzt nicht unbedingt da, wo wir glaubten hin zu kommen. Wir laufen also einfach eine kurze Zeit einem argentinischen Paar hinterher, bis wir in die Nähe des Meeres kommen. Eigentlich wäre der Strand sehr hübsch, aber die Argentinier haben es geschafft den ganzen Strand künstlich einzuteilen. Alle paar Meter kommt ein Betongebäude, auf dem der Name der Playa und die Nummer des Strandabschnittes steht. Dahinter ist der ganze Bereich in kleine abgeschirmte Abteile eingeschlossen. Man kann hier zwar im Sand liegen, aber vom Meer sieht man gar nichts! Wir spazieren den Betonbunkern entlang, bis uns der Weg wieder zurück auf die Strasse führt. Heute ist das Wetter recht schön, aber leider weht wieder ein kühler Wind, der uns unangenehm in die Glieder fährt. Durch den Marsch an der Strasse entlang bekommen wir aber warm. Nach einer Weile macht uns ein Schild darauf aufmerksam, dass wir am Naturschutzgebiet, von dem wir gehört haben, vorbeilaufen. Das Bild, das sich uns bietet, ist jedoch dekadent, denn gleich neben diesem Naturschutzgebiet ragen Ölsilos und Gebäude der Fischindustrie in die Luft. Dem Zaun entlang, wo wir spazieren, hören wir plötzlich ein Rascheln und sehen gleich darauf Meerschweinchen ähnliche Tiere mit graubraunem Fell. Wenig später entdecken wir auch sehr schöne Vögel, unter anderem sogar einen grossen Raubvogel. Anscheinend fühlen sich die Tiere hier wohl. Schlussendlich gelangen wir an den Hafen, wo ich plötzlich ein kleines Schildchen entdecke, worauf ein Seelöwe abgebildet ist. Ich kann mich nun wieder daran erinnern, dass der Coiffeur, bei dem ich mir in Mendoza die Haare schneiden liess, etwas davon erwähnte, dass es in "Mar del Plata" solche Tiere zu sehen gibt. Etwas skeptisch, diese Tiere tatsächlich hier im Fischerhafen zu finden, entschliessen wir uns trotz unserer Zweifel dem beschriebenen Weg zu folgen. Und tatsächlich, mitten am Hafen liegt eine Gruppe Seelöwen und sonnt sich auf dem harten Betonboden. Weiter vorne ist sogar eine grosse Gruppe anzutreffen, die an einer harten Böschung faul an der Sonne liegt und ab und zu im Meer schwimmen geht. Auf einer Tafel ist beschrieben, dass hier am Hafen von "Mar del Plata" 800 männliche Seelöwen leben. Faszinierende Tiere! Wir sind nur ein paar Schritte von den riesigen, beeindruckenden Tieren entfernt, fotografieren und bestaunen sie, und die Seelöwen scheint das nicht im geringsten zu stören. Nach etwa einer Stunde suchen wir den Bus Nr. 581, der uns dem Meer entlang zurück in die Innenstadt fährt. Es existiert zwar eine Haltestelle dieser Busnummer, aber ein Bus kommt auch nach einer halben Stunde nicht. So entschliessen wir uns dann einen der anderen zahlreichen Busse zu nehmen, der uns zufälligerweise ziemlich nahe an unser Hotel bringt. Nach einem kleinen Apero im Hotelzimmer mit Tomaten und dem Wein, den Marco vom Optiker bekommen hat, machen wir uns bereit das Nachtleben von "Mar del Plata" zu suchen. Die Stadt kommt uns in der Nacht noch grösser und unübersichtlicher vor als am Tag. Ein eigentliches Ausgangsviertel scheint es nicht zu geben, und wir haben ziemliche Mühe eine schöne Bar, die uns behagt, zu finden.

Sonntag 11. Dezember
Heute ist wieder einmal ein wunderschöner, sonniger Tag ohne Wolken am Himmel. Auch der Wind weht nicht so streng, und wir können im T-shirt in der Fussgängerzone "Calle San Martin" entlang spazieren. Hier wollen wir heute zwei Faserpelzjacken kaufen, die wir für die Weiterreise in den kälteren Süden benötigen. Da "Mar del Plata" sehr touristisch ist, haben die meisten Läden an dieser Fussgängerstrasse geöffnet. Mit etwas Geduld und herumfragen finden wir in einem grossen Einkaufszentrum das Richtige. Für je 30 Pesos kaufen wir uns zwei schöne, warme Faserpelzjacken. Nach diesem erfolgreichen Shopping genehmigen wir uns einen Kaffee und fotografieren die wunderschöne Kathedrale am "Plaza San Martin". Es ist die bisher schönste Kirche, die uns in Argentinien begegnet ist. Danach gehen wir mit unseren Einkäufen ins Hotel zurück. Jetzt wollen wir endlich die richtige Haltestelle des "Colectivo" suchen, welcher der Küste entlang zum Puerto fährt. Heute klappt es auch tatsächlich und nach wenigen Minuten des Wartens sitzen wir im Bus Nr. 581 und fahren der Küste entlang, an den bekannten Playa Chica und Playa Grande vorbei und an weiteren schönen Stränden bis zum Hafen, den wir von gestern bereits kennen. Am Hafen machen wir ein paar Fotos und schlendern durch die Fussgängerzone mit den kleinen Läden, die Fischspezialitäten anbieten. Nach einer halben Stunde gehen wir zur Bushaltestelle zurück, wo prompt unser Bus mit demselben Chauffeur bereit steht. Wir fahren nicht ganz in die Stadt zurück, sondern steigen etwas früher aus, um am Strand entlang zurück in die Stadt zu spazieren. Am "Plaza Colon" ist heute Nachmittag einiges los. Auf der einen Seite des Platzes wird ein Tanzwettbewerb abgehalten, an dem jeder mitmachen kann. Wir schauen hier eine Weile fasziniert zu, bevor wir weiter über den Platz spazieren. Wir werden plötzlich von einem schönen Gesang magisch angezogen. Und siehe da, mitten auf der anderen Seite des riesigen Platzes am Meer singt eine etwa 50- jährige Lady mit wunderschöner Stimme voller Inbrunst argentinische Lieder. Trotz des kühlen Windes, der nun wieder bläst, bleiben wir natürlich eine ganze Weile stehen und hören zu. Wir bringen sogar noch in Erfahrung, dass die stimmgewaltige Sängerin "Liliana Dominguez" heisst. Als sie einen Tango zum besten gibt, tanzt ein Paar aus Buenos Aires ganz spontan dazu. Wir sind wieder einmal mehr darüber fasziniert, wie spontan, freundlich und lebenslustig die argentinische Bevölkerung ist. Den Tag runden wir mit einem Besuch in einem "Tenedor Libre" ab, um wiederum eine vorzügliche Mahlzeit zu geniessen.

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Mar del Plata - Bahia Blanca - Comodoro Rivadavia - Rio Gallegos - El Calafate

Montag 12. Dezember
Um 10.00 Uhr verlassen wir wie abgemacht mit Sack und Pack unser Hotelzimmer. Natürlich bekommen wir auch heute noch ein Frühstück, bevor wir die Rucksäcke einstellen dürfen, um die Post zu suchen. Wir haben nämlich noch einige Briefe bei uns, die wir in die Schweiz schicken wollen. Ausserdem muss Marco noch einmal in den Laden, wo er seine Jacke gekauft hat, denn die Nähte der Jacke sind jetzt schon kaputt. Während er sich in die Fussgängerzone begibt, stehe ich mir in der Post die Füsse in den Bauch. Ich bin anscheinend nicht die Einzige, die Post aufzugeben hat, und die Kolonne hat sich schon bis zur Eingangstüre gebildet. Irgendwann bin dann aber auch ich an der Reihe, kann die Briefe abgeben und Marco im Cafe treffen. Im Hotel holen wir unser Gepäck und verabschieden uns von den sehr netten, lieben Leuten, die wir hier getroffen haben. Wir tauschen dann auch noch unsere E-Mail Adressen mit Vera und Daniel aus. Wer weiss, vielleicht sind wir ja wieder einmal in "Mar del Plata" im Hotel Edelweiss an der "Calle Santa Fe". Pünktlich um 13.00 Uhr fahren wir mit dem "El Rapido" los, in Richtung Bahia Blanca. Die erste Etappe unserer zweieinhalb tägigen Reise hat begonnen. Ausser, dass im Bus die Klimaanlage auf Eiszeit eingestellt ist und die Filme ohne Ton abgespielt werden, ist es eine durchaus angenehme, achtstündige Fahrt. Wir fahren durch ein weites, breites sehr fruchtbares Gebiet der Pampa. Vielerorts sehen wir riesige Getreide- und Gemüsefelder oder Pferde-, Rinder- und Schafherden. "Necochea" und "Tres Arroyos" sind zwei grössere Orte, die uns auf dieser Fahrt auffallen. Ansonsten hält der Bus oft einfach mitten im Nirgendwo, und Leute steigen aus oder ein. In "Bahia Blanca" angekommen geben wir unsere Rucksäcke in der Gepäckaufbewahrung ab. Der ältere Mann, der da arbeitet, erzählt uns, dass er ursprünglich aus Dänemark stammt. Wir reden noch ein paar Worte mit ihm, bevor wir zu Fuss in die uns bekannte Stadt gehen. Allerdings müssen wir erst jemanden nach der Richtung fragen bevor wir den Weg ins Stadtzentrum an den "Plaza Rivadavia" finden. Im Restaurant Victor, das wir von unserem letzten Aufenthalt hier in "Bahia Blanca" kennen, essen wir vorzüglich zu Abend. Wir werden sogar vom selben Kellner wie letztes Mal bedient. Ob er uns wohl auch wieder erkannt hat? Zurück an der Bushaltestelle lassen wir uns die Rucksäcke wieder geben und ziehen uns für die lange Busfahrt, die uns nun bevor steht, um. Der "Andersmar-Bus" trifft um 00.30 ein. Er ist wieder einmal mehr verspätet, was uns aber nicht mehr so ersorgt, da wir irgendwie auch damit gerechnet haben. Wir verbringen in den bequemen Sesseln eine ruhige Nacht, in der wir sogar verhältnismässig sehr gut schlafen. Die Klimaanlage ist auch sehr gut, nicht all zu frostig eingestellt, und der Fahrer fährt uns sicher und ruhig durch die Nacht.

Dienstag 13. Dezember
Einer der Gründe, warum wir am liebsten mit "Andesmar" reisen, ist der vorzügliche Service an Bord. Um 08.00 Uhr morgens bekommen wir vom Steward einen Kaffe serviert. Auf Anfrage bekomme ich sogar speziell einen ohne Zucker. In Argentinien ist es nämlich ziemlich unüblich den Kaffee ohne Zucker zu geniessen. Im Restaurant bekommt man sogar drei Päckchen Zucker für eine Tasse Kaffee! Ein Mittagessen wird uns leider nicht mehr serviert. Der Bus hält in "Puerto Madryn" und "Trelew", das uns bestens bekannt ist. Anschliessend geht die Reise ohne Halt durch die typisch karge, lang gezogene Steppenlandschaft von Patagonien. Um ca. 15.30 kommen wir wohlbehalten und einigermassen ausgeruht in "Comodoro Rivadavia" an. Die Bushaltestelle ist klein und bescheiden und bietet nicht einmal eine Cafeteria an. Wir stellen für 1 Peso die Stunde das Gepäck ein und machen uns auf die Suche nach dem Stadtzentrum. Wir haben noch geschlagene fünf Stunden Zeit, bis um 20.38 Uhr unser nächster "Andesmar-Bus" nach "Rio Gallegos" fährt. "Comodoro Rivadavia" ist eine hässliche, teure Ölindustriestadt am Meer. Das Zentrum ist entlang der Hauptstrasse, wo sich auch die Geschäfte, Bars, Pubs und ein paar wenige Restaurants befinden. Der Strand ist auch nicht unbedingt schön zu nennen, aber die Leute, die hier wohnen, scheinen ihn trotzdem zu geniessen. Auch Marco und ich sitzen eine Stunde am Kieselstrand und schauen dem Treiben zu, bevor wir noch ein wenig in der Stadt herumspazieren, in einem Pub etwas trinken und dann langsam zur Bushaltestelle zurückkehren. Natürlich hat auch dieses Mal der Bus Verspätung. Wir werden aber mit dem tollen Service an Bord, den wir dieses Mal in der ersten Klasse geniessen, entschädigt. Wir bekommen ein wunderbares, warmes Nachtessen serviert. Danach wird noch ein Film auf spanisch gezeigt. In dieser Nacht schlafen wir beide ausgezeichnet. In den breiten Ledersesseln und in die Decken eingehüllt, die man für die Nacht in der ersten Klasse bekommt, geniessen wir wieder einmal mehr eine ruhige, sichere Fahrt.

Mittwoch 14. Dezember
Für Kaffee reicht es leider heute morgen nicht mehr im Bus, da wir bereits um 07.10 in "Rio Gallegos" eintreffen. Auch diese Bushaltestelle ist sehr klein, und leider gibt es auch hier keine Cafeteria. So begnügen wir uns mit einer Katzenwäsche auf der Toilette, die übrigens ausnahmslos an allen Bushaltestellen sauber und hygienisch sind. Marco ist zum Glück auch nach zwei Nächten im Bus so fit, dass er die Weiterfahrt nach "El Calafate" organisiert. Die vierstündige Fahrt führt uns an öder Steppenlandschaft vorbei. Wir sind fasziniert über die Weite des Landes. Uns scheint es auch, dass hier die Wolken viel tiefer am Himmel hängen, und man sie beinahe berühren kann, wenn man die Hand ausstreckt. In dieser Einöde hat es sehr viele Schafherden. Auch begegnen wir vielen "Choices", den straussenähnlichen Vögeln, die hier anscheinend auch Nahrung finden. Auf halber Strecke, in "Esperanza", machen wir einen zehnminütigen Halt. Das Dörfchen scheint genau aus dem einen Haus, das Confiteria, Hotel, Kiosk und Restaurant zugleich ist, zu bestehen. Nach diesem Kaffeehalt geht die Fahrt weiter, und nach weiteren zwei Stunden treffen wir im Ferienort "El Calafate" ein. Gleich am Busbahnhof werden wir wieder einmal mehr von verschiedenen Hotelvermittlern "angemacht". Mit einem Gratistaxi werden wir an eines der Hostels gefahren. Das Ambiente dort gefällt uns aber nicht, und wir suchen auf eigene Faust eines der zahlreichen Hostels in der Umgebung. Im heimeligen ganz aus Holz gebauten Hostel "Calafate" an der "Calle 25 de Mayo" finden wir für vier Nächte ein schönes ruhiges Viererzimmer. Die Doppelzimmer sind uns hier überall viel zu teuer. So bezahlen wir für ein Viererzimmer mit Dusche und WC auf dem Gang 24 Pesos pro Person, für ein Doppelzimmer müssten wir hier 130 Pesos pro Person hinblättern! Wir richten uns in unserem Stockbett häuslich ein und machen uns mit einem unserer spanischen Zimmerkollegen bekannt. Danach gehen wir zur Busstation und erkundigen uns beim Informationsstand über die Ausflugsmöglichkeiten zum berühmten Gletscher "Perito Moreno" und zum "Lago Viedma". Wie befürchtet sind die Angebote der privaten Reiseanbieter sehr teuer, und es empfiehlt sich, sich selber zu organisieren. Schlussendlich ist aber auch das nicht ganz billig. Marco und ich pflücken das für uns beste und günstigste Angebot heraus. An der Bushaltestelle bei dem Unternehmen "Cal-Tur" kaufen wir ein Ticket für 140 Pesos pro Person. Darin enthalten sind die Busfahrt zum "Perito Moreno" am Freitag und die Busfahrt nach "Chalten" am Samstag, wo der "Lago Viedma" liegt. Nicht inbegriffen ist die Bootsfahrt zum Gletscher und der damit verbundene Eintritt zum Nationalpark. Die werden wir vor Ort dann organisieren und dann halt noch einmal ca. 70 Pesos pro Person bezahlen müssen. Wir merken immer mehr, dass dieses Gebiet absolut vom Tourismus lebt. Nicht nur die verschiedenen Freizeitangebote sind sehr teuer, sondern auch die Preise in den Restaurants, Bars und Kaffees sind etwa doppelt so hoch wie in "Buenos Aires", "Mar del Plata" oder "Mendoza". Uns wurde gesagt, dass hier in "El Calafate" oder auch in "Ushuaia" viele Europäer ihre Ferien verbringen. Zurück im Hostel treffen wir den Spanier wieder an und reden noch ein bisschen mit ihm. Er ist schon weit gereist und kann uns ein paar Tipps geben, wie wir von hier aus weiter nach "Ushuaia" gelangen können. Zwei Möglichkeiten, die wir genauer prüfen wollen, sind von hier aus mit dem Bus nach "Puerto Natales" (Chile) zu fahren und von dort aus irgendwie nach "Ushuaia" zu gelangen oder von "Puerto Natales" mit dem Zug nach "Rio Gallegos" zu bummeln, um dann auf den Bus umzusteigen. In den nächsten Tagen werden wir dann noch andere Leute fragen, was sie von diesen Möglichkeiten halten. Jetzt ist auf jeden Fall erst einmal eine Siesta fällig. Um 21.30 Uhr ist es immer noch hell draussen, und uns kommt es vor, als ob es erst 18.00 Uhr wäre. Ganz speziell. Vor allem, wenn man bedenkt, dass am Morgen um 05.00 Uhr die Sonne schon aufgeht! Etwa um 22.30 Uhr beginnt es zu dämmern. Im Restaurant Parilla "Mi Viejo" an der "Avenida Libertador 1111" esse ich hervorragendes gegrilltes Lammfleisch und Marco ein sehr zartes grosses Stück gegrilltes "Bife de lomo" = Rindssteak. Zurück im Hostel kommt es uns spanisch vor, denn die Spanier in unserem 4er Schlag sind schon am schlafen.

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El Calafate

Donnerstag 15. Dezember
Die Nacht verbringen wir wie Engel in unseren Betten und schlafen so gut wie schon lange nicht mehr. Auch unsere Zimmerkollegen sind zwei sehr ruhige und friedliche Jungs. Ich erwache heute morgen früh nur kurz durch das dezente Geraschel der beiden Spanier, die ihre Rucksäcke packen. Anscheinend verlassen sie heute das Hostel. Als ich das zweite Mal erwache, ist es bereits 10.00 Uhr und Zeit für einen Kaffee. Da wir auch in diesem Hostel eine kleine Küche zur Verfügung haben, können wir unser Frühstück hier selber zubereiten, was wir wiederum sehr geniessen. Am frühen Nachmittag machen wir uns zu Fuss auf den Weg zu der nahe gelegenen "Laguna Nimez". Die Lagune liegt zwischen dem Dorf "El Calafate" und dem "Lago Argentino". Dort sollen angeblich etwa 80 verschiedene Vogelarten leben. In einem kleinen Holzhäuschen bezahlen wir je 2 Pesos Eintritt. Die Frau, die uns die Tickets verkauft, zeigt uns dann auch gleich den Weg, den wir für den Rundgang um die Lagune nehmen können. Das Gebiet ist vielerorts sehr sumpfig und somit ein idealer Lebensraum für Schwäne, Enten und Flamingos, sowie vieler anderer Wasservögel, deren Namen wir nicht kennen. Wir spazieren etwa eine Stunde durch die Gräser-, Schilf, Sand- und Sumpflandschaft dieses Naturreservates. Irgendwann fliegt ein Greifvogel ziemlich tief über unsere Köpfe hinweg. Am Anfang finde ich das irgendwie noch spannend, als der Vogel aber angriffige Sturzflüge in Richtung meines Kopfes unternimmt, wird es mir etwas unheimlich. Wir legen also einen Zahn zu und lassen den Vogel in seinem Territorium in Frieden. Wir sehen dann auch uns unbekannte sehr schöne kleinere und grössere Singvögel, die wir in unserer Kamera bildlich festhalten. Nach dem schönen Erlebnis in der Natur, widmen wir uns der Planung der Weiterreise. Wir entscheiden uns am Sonntag mit dem Bus über die chilenische Grenze nach Puerto Natales zu fahren. Am Abend treffen wir uns mit Pierre, dem Franzosen, der mit uns auf der "Calaparana" war, und seine Frau. Durch den laufenden E-Mail Contacto wussten wir, dass sie auch hier in El Calafate sind und haben uns per Mail verabredet, was wieder einmal mehr wunderbar geklappt hat. Wir erfahren von ihm, dass er die Schiffsreise von "Puerto Montt" nach "Puerto Natales" realisiert hat. Diese Fahrt führt durch spektakuläre, unberührte Fjordlandschaften. Allenfalls wäre dies eine Variante für uns, die Fahrt in umgekehrter Richtung zu erleben.

Freitag 16. Dezember
Um 07.30 Uhr schrillt der Handywecker. Denn heute ist der Tag, an dem wir den berühmten Gletscher "Perito Moreno" besuchen werden. Auch das Paar aus Japan, das seit gestern das Zimmer mit uns teilt, ist schon auf den Beinen. Nach einem schnellen Kaffee in "unserer" Hostelküche gehen wir zur Bushaltestelle, wo schon unser Bus von "Cal-Tour" bereit steht. Um 09.00 Uhr geht die zweistündige Fahrt durch die patagonische Landschaft los. Kurz bevor wir in die Region des Nationalparks "Parque National los Glaciares" gelangen, steigt eine Dame in den Bus und verlangt von jedem 30 Pesos Eintritt. Nach einer weiteren halben Stunde kommen wir am Ausgangspunkt für den Gletscherbesuch an. Den gewaltigen 5 Kilometer breiten und bis zu 60 Meter hohen Gletscher können wir von verschiedenen Aussichtspunkten aus beobachten. Diese Balkone, wie die Aussichtspunkte genannt werden, sind durch schöne Treppen und Wege miteinander verbunden. Der "Perito Moreno" ist zwar nicht der grösste Gletscher in diesem Nationalpark, dafür aber der aktivste und attraktivste. Immer wieder löst sich ein Eisblock von der Gletscherwand und fällt mit lautem Getöse in den "Lago Argentino". Dieses beeindruckende, spektakuläre Schauspiel beobachten wir ein paar Mal in den zwei Stunden, in denen wir zwischen den verschiedenen Balkonen spazieren. Auch ist dieser Gletscher einer der wenigen, der stetig wächst. Auf die Bootsfahrt um den Gletscher verzichten wir, denn man sieht den Gletscher von den Balkonen aus genug nahe. Wir können diese 70 Pesos, was das Ganze kosten würde, gut sparen ohne etwas zu verpassen. Da unser Bus erst um 16.00 Uhr nach "EL Calafate" zurückfährt, müssen wir noch drei Stunden hier warten. Leider gibt es nur einen kleinen Kiosk, der zwar Kaffee und Snacks anbietet aber keinen Raum, um zu sitzen. Nur draussen an der Kälte hat es ein paar Tische und Bänke. Irgendwie vergehen aber die Stunden, und der Bus holt uns pünktlich ab. Zurück in "El Calafate" machen wir uns in der Hostelküche ein kleines Abendessen, aktualisieren unsere Portadapage und genehmigen uns im Pub "Casablanca" ein flüssiges "Bettmümpfeli".

Samstag 17. Dezember
Auch heute morgen schrillt der Wecker. Diesmal sogar schon um 06.30 Uhr. Um 07.30 Uhr wartet an der Bushaltestelle wiederum ein "Cal-Tour" Bus auf uns, der uns in einer vierstündigen Reise nach "El Chalten" an den "Lago Viedma" bringt. Die Fahrt ist etwas eintönig und holperig. Die Strassen auf diesem Teil der bekannten Route 40 sind sandig, steinig und trocken, da sie nicht asphaltiert sind. Auch die Umgebung gibt nicht viel Sehenswertes her. Es gibt nur Staub, ein paar trockene Büsche und Steine zu beobachten, eine typisch patagonische Einöde halt. Mitten im Nirgendwo dieser Wüste kommt uns ein Bus der selben Firma entgegen. Wir halten an und werden aufgefordert in den anderen Bus umzusteigen. Warum wissen wir nicht genau, denn auch der entgegenkommende Bus hat Leute, die nun in unseren Bus umsteigen müssen. Sogar der Chauffeur wechselt das Gefährt und eigentlich bleibt ausser dem Bus alles beim alten. Uns soll es recht sein, denn der zweite Bus ist nicht so brutal klimatisiert, wie der erste. Nach einer weiter Viertelstunde halten wir schon wieder, und uns wird mitgeteilt, dass wir nun in einen "TASQE-Bus" umsteigen müssen. Wir steigen auf jeden Fall aus und sehen erst jetzt, dass wir vor einem kleinen Restaurant Halt machen. Es liegt an einem Flusslauf und sieht für uns wie eine Oase mitten in der Wüste aus. Anscheinend ist das hier ein Kaffeehalt, denn die meisten Leute trinken Kaffee oder holen sich etwas zu essen. Das spezielle hier ist das junge, zahme Guanako, das hier bei der Familie samt Schäferhund und Hühner zu wohnen scheint. Es lässt sich bereitwillig von den Touristen streicheln und fotografieren. Nach der Pause steigen Marco und ich wie geheissen in den gut geheizten "TASQE-Bus" ein. Erst als dieser losfährt, merken wir, dass wir als Einzige aus unserer ursprünglichen Reisegruppe umgestiegen sind. Wir sind da wohl auf einen Witz, den wir nicht verstanden haben, hereingefallen. Kurz Bevor wir das Dorf "El Chalten" erreichen, halten wir noch einmal an, und wir werden gebeten auszusteigen, um uns hier im Touristeninformationsbüro erklären zu lassen, was man in der Umgebung unternehmen kann. Marco und ich nutzen diese Gelegenheit, um uns wieder unserer ursprünglichen Reisegesellschaft anzuschliessen. Im Touristinformationsbüro werden wir mit einer kleinen Karte der Umgebung und möglicher kleinerer und grösserer Wanderrouten ausgestattet. Ausserdem erfahren wir hier, dass der "Parque national los Glaciares" mit seinen 600'000 Hektaren der grösste Nationalpark Argentiniens ist und dass der Viedmagletscher der grösste Gletscher in diesem Park ist. Nach den interessanten Erläuterungen steigen wir in unseren ursprünglichen Bus und werden nach "El Chalten" gefahren. Von hier aus machen Marco und ich eine kleine Wanderung zum "Mirador Fitz Roy" = Aussichtspunkt zum Fitz Roy. Ein schön angelegter, zum Teil steil ansteigender, schmaler Weg führt uns durch die wunderbare Natur dieser Bergwelt der Anden. Nach ca. einer Stunde kommen wir zum Mirador, von wo aus man den markanden "Cerro Fitz Roy", der 3405 m hoch und der höchste Berg dieser Gegend ist, sehen könnte. Leider ist das Wetter heute nicht so klar, und der Berg ist von einer dicken Wolke eingehüllt. Ausserdem windet es so stark, dass es uns beinahe vom Aussichtspunkt weht, und deshalb verweilen wir hier nicht zu lange und suchen bald einen windgeschützten Ort, wo wir picknicken können. Danach kehren wir wieder nach "El Chalten" zurück, wo wir in einem Hostelcafé etwas trinken und im dazu gehörigen Reisebüro einige Informationen für unsere Weiterreise nach "Ushuaia" erhalten. Um 18.00 Uhr fahren wir dann wieder durch das Hinterland Patagoniens nach "El Calafate" zurück. Unser Eindruck, was diesen Teil des patagonischen Hinterlandes auszeichnet, wollen wir an dieser Stelle einmal etwas genauer beschreiben. Es ist ein weites, ebenes, mehrheitlich trockenes Land mit wenig Vegetation, durchzogen mit ruhigen Flüssen und grossen Gletscherseen. Die überdimensionale Weite dieses wüstenähnlichen, sandigen Landes und die tief hängenden, speziellen Wolkenformationen strahlen eine idyllische Stimmung und grosse Ruhe aus. Die wenigen unasphaltierten, sandigen und staubigen Strassen führen in dieser kilometerlangen Einsamkeit und Wüste, die wir durchqueren, immer wieder an einer "Estancia" = Bauernhof vorbei, die meistens an einem Flusslauf liegt und auf uns wie eine kleine Oase wirkt. In dieser unendlichen Weite bilden am Horizont die schneebedeckten Gipfel der Anden eine wunderschöne Naturkulisse und ein traumhaftes Wandergebiet durch Wälder und durch eine alpine Flora. Dieser Kontrast zwischen Himmel, Erde und Berge ist vor allem in der Abenddämmerung atemberaubend schön. Heute Abend kommen wir erst um 22.00 Uhr in "El Calafate" an, gehen schnell ins Hostel, um den Staub von uns abzuduschen und anschliessend ins Dorf noch etwas essen, bevor wir müde in die Betten fallen.

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El Calafate - Puerto Natales (Chile)

Sonntag 18. Dezember
Nach einer kurzen Nacht verlassen wir um 06.45 Uhr schon wieder das warme Nest. Um 08.00 Uhr müssen wir für die heutige Reise nach "Puerta Natales" (Chile) an der Bushaltestelle sein. Vollbesetzt mit europäischen Touristen, unter anderem etwa 5 anderen Schweizern, fährt der Bus um 08.45 los. Gleich zu Anfang der Reise werden wir mit einer Papierflut ausgestattet, die wir für den Grenzübertritt ausfüllen müssen. Auf der Fahrt entscheiden Marco und ich in "Puerto Natales" gleich einen weiteren Bus zu suchen, der uns heute noch nach "Punta Arenas" bringt. Es ist uns irgendwie zu viel noch einmal in einem Touristenkaff, wie "Puerta Natales", zu bleiben. Ausserdem verzichten wir auf die sehr teure Schiffsfahrt durch die chilenischen Fjorde nach "Puerto Montt". Dieses Schiff wird ausschliesslich von Touristen benutzt, was nicht unserem Gusto entspricht. Auch finden wir keine Informationen von einer Zugverbindung von "Puerto Natales" nach "Rio Gallegos". Nach etwa dreistündiger Fahrt erreichen wir in "Rio Turbio", den Grenzort von Argentinien. Hier müssen wir aussteigen, am Zoll die Ausreisepapiere abgeben und unsere Pässe vorweisen und abstempeln lassen. Danach fahren wir noch etwa eine halbe Stunde durch argentinisches Gebiet, bis wir in "Dorotea" am chilenischen Zoll sind. Hier müssen wir ein weiteres Mal aussteigen, unsere Pässe für die Einreise abstempeln lassen und die Papiere für die Einreise vorweisen. Ausserdem müssen wir hier den Zettel für die deklarationspflichtigen Sachen abgeben und unser Handgepäck prüfen lassen. Was wir nicht wussten ist, dass man keinerlei unabgepackte Esswaren über die Grenze mitnehmen darf. So müssen wir Marco's Salami Sandwich, meine zwei Äpfel und ein Mandarinchen am Zoll zurücklassen. Fein säuberlich werden diese Artikel von einem Beamten in einem grossen Buch erfasst und von uns unterschrieben. Wir dürfen diese Lebensmittel nicht einmal mehr hier am Zoll essen! Na ja, andere Länder, andere Sitten, für das nächste Mal wissen wir es dann besser. Die weiteren Berichte unserer chilenischen Abenteuer sind nun im Reporte Chile zu erfahren.

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Ushuaia

Freitag 23. Dezember
Die elfstündige Busfahrt führte uns von "Punta Arenas" über die chilenisch-argentinische Grenze nach "Ushuaia" (siehe Reporte Chile). In der ersten Nacht in "Ushuaia" haben wir das Sechsbettzimmer im Hostel "Posada del duende" beinahe für uns allein. Spät in der Nacht gesellt sich noch zusätzlich einer der drei jungen Israelis zu uns. Um 09.30 Uhr begeben wir uns zum Frühstück, das im Preis inbegriffen ist. Die Argentinierin, die uns den Kaffee aufbrüht, ist hier in Ushuaia geboren und aufgewachsen und wohnt zusammen mit ihrem Mann Estevan, der das Hostel verwaltet, gleich im Haus nebenan. Im Gespräch mit der jungen Frau bekommen wir den Eindruck, dass sie mit ihrem Leben hier sehr zufrieden ist und kein Verlangen hat diesen Ort am Ende der Welt zu verlassen. Nach dem Frühstück gehen Marco und ich in die Stadt, um nach der Busstation zu suchen und unsere Reise weg vom Ende der Welt zu organisieren. Es gibt hier keinen eigentlichen Busbahnhof, sondern nur eine Ein- und Aussteigestelle. Wir finden  auch kein Büro von irgendwelchen Busunternehmen und fragen erst einmal nach dem Touristinfo. Dort erfahren wir, dass nur der "Tecni austral" von hier aus nach "Rio Gallegos" fährt, und die einzige Alternative das Flugzeug ist. Als wir endlich im Busbüro unsere Fahrkarten für den 25. Dezember kaufen wollen, werden wir enttäuscht, denn erstens fährt am Sonntag kein Bus, und zweitens sind die Busse bis zum 28. Dezember vollständig ausgebucht. Da wir den Luxus geniessen, viel Zeit zu haben, stresst es uns nicht unbedingt länger hier in "Ushuaia" zu bleiben als geplant. Wir werden in dieser Zeit mit dem Touristenzug "Tren del fin del mundo" fahren, eine Bootsfahrt zu den umliegenden Inseln machen, relaxen und die Weiterreise organisieren. Nun gehen wir noch einmal in den Laden und machen Grosseinkauf für die nächsten paar Tage. Am Nachmittag sind wir im Hostel ganz allein, schreiben Reportes und nutzen den kostenlosen Internetanschluss, um E-Mails zu versenden. Beim Nachtessen im Hostel lernen wir zwei Frauen aus Deutschland kennen. Nina hat in Ecuador für drei Monate spanisch gelernt und hat dort bei einem Hilfsprojekt mit Kindern gearbeitet. Danach ist sie durch Chile gereist und jetzt noch ein bisschen durch Argentinien. Diana absolviert in "Valdivia" (Chile) ein Austauschjahr und lernte da auch Nina kennen, mit der sie nun seit einiger Zeit herumreist. Es sind zwei sehr nette und interessante Frauen. Wir treffen an diesem Abend auch noch Alex, ebenfalls aus Deutschland, der auch schon durch Chile gereist ist. Wir quetschen ihn dann auch gleich noch ein bisschen über die "Careterra austral" aus, die er per Autostop bereist hat. Ein wenig später taucht Fernandez auf, ein Argentinier aus Buenos Aires, der Silberschmuck herstellt und verkauft. Scheinbar läuft sein Geschäft hier am Ende der Welt nicht so gut wie geplant. Er wird übermorgen wieder in die Hauptstadt zurückfliegen. Für morgen machen wir mit Nina und Diana ab hier im Hostal gemeinsam Weihnachten zu feiern. Dazu werde ich für uns ein Festessen kochen. Alex ist schon verabredet, Fernandez feiert wie die meisten Argentinier Weihnachten im Familienkreis. Somit ist Marcos und meine Weihnachtsfeier auch schon organisiert, und wir freuen uns, den Abend mit den zwei "Chicas" zu verbringen.

Samstag 24. Dezember
Wir verbrachten eine sehr unruhige, beinahe schlaflose Nacht, denn die 4 jüdischen Jungs und Mädchen flüsterten die ganze Nacht irgendwelche Gebete, oder was es auch immer war, vor sich hin. Beim Frühstück erfahren wir, dass wir anscheinend nicht die einzigen sind, die wegen des Geflüsters nicht schlafen konnten. Heute machen wir deshalb einen ruhigen Tag. Ausserdem regnet es auch, so dass die Zugfahrt eh ins Wasser fällt. Mit Einkaufen, Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier, Geschenke besorgen und Weihnachts-Mails verschicken vergeht der Tag im Nu. In einem argentinischen Weihnachtsgeschäft mache ich Bekanntschaft mit dem berüchtigten Zettelkonzept: Man ziehe einen Zettel mit Nummer, etwa so wie in manchen Postämtern in der Schweiz und wartet, bis man aufgerufen wird. Dann erklärt man, was man möchte, bekommt einen Zettel mit der Rechnung und wird an die Warteschlange an der Kasse verwiesen, wo man bezahlt und dort den Quittungszettel bekommt, um die Ware abzuholen. Selbstverständlich wird man bei jedem Zettelposten von einer anderen Person bedient. Komplizierter geht es nicht mehr! Dafür werden mit diesem Konzept zusätzlich ein paar Arbeitsplätze geschaffen. Am Abend quartiert sich Gregorie, ein Franzose, noch in unserem Hostel ein, und wir laden ihn gleich zu unserer Feier ein. Nina und Diana gehen um 20.00 Uhr in die Kirche an die Weihnachtsmesse. Während ich mich in der Küche austobe, trinken Marco und Gregorie ein Bier zusammen und reden über dieses und jenes, vor allem aber natürlich übers Reisen. Gregorie ist wie wir für unbestimmte Zeit unterwegs, bis ihm das Geld ausgeht. Er schwärmt sehr von Bolivien, wo er vor kurzem war. Marco und ich entscheiden uns immer mehr dafür, auch nach Bolivien zu reisen, da wirklich alle Leute, die wir treffen, hell begeistert von diesem Land sind. Um 21.30 kommen Nina und Diana von der Kirche zurück, und die Feier kann beginnen. Es wird ein sehr schöner Abend, den alle geniessen. In der Ecke des Esszimmers steht sogar ein kleiner Weihnachtsbaum mit Elektrokerzen, den Marco und ich vom unteren Stock heraufgeschleppt haben. Bis um drei Uhr morgens sitzen wir zusammen, sprechen über Gott und die Welt, tauschen Reisetipps aus, hören Musik, essen und trinken, machen Bescherung und lassen es uns so richtig gut gehen. Tief in der Nacht tauchen noch Fernandez und Esteban auf, um uns fröhliche Weihnachten zu wünschen. Selbstverständlich tauschen wir mit den beiden Frauen, die morgen weiterreisen, die Mail-Adressen aus. In zwei Wochen wollen wir sie in Chile, in "San Pedro", wieder treffen.

Sonntag 25. Dezember
Nach einer kurzen aber ruhigen Nacht geniessen Marco und ich zusammen mit Gregorie ein spätes Weihnachtsfrühstück. Nina und Diana sind bereits weg, denn ihr Bus ist schon um 07.30 Uhr in Richtung "Punta Arenas" losgefahren. Am Nachmittag schaut Fernandez nochmals im Hostel vorbei, um schöne Weihnachten zu wünschen und um sich von Alex und uns zu verabschieden. Er wird in einer Stunde nach "Buenos Aires" fliegen. Erst einmal führt er uns aber in die hohe Kunst der Mate-Zubereitung ein. Das Wasser für den Tee darf nicht mehr und nicht weniger als 90 Grad betragen, die "Yerbas", wie die Kräuter genannt werden, füllt man etwas schräg in die spezielle Tasse ein und übergiesst diese anschliessend. Allerdings muss immer ein Teil der Kräuter trocken bleiben. Die Tasse wird dann herumgereicht und immer wieder mit Wasser nachgefüllt. Wenn die Kräuter obenauf schwimmen, werden frische "Yerbas" aufgefüllt. Bis Fernandez zum Flughafen gehen muss, trinken wir also Mate und sprechen über das Rauchen und das Mate trinken. Marco und ich können uns vorstellen, dass die Argentinier weniger rauchen, weil sie immer und überall mit anderen Leuten Mate trinken. Fernandez meint zwar, dass dies nicht wirklich so ist. Nach einer langen Siesta machen Marco und ich einen Weihnachtsspaziergang über die Bucht von "Ushuaia". Es windet sehr stark und es ist kalt, ab und zu fällt ein Tropfen vom Himmel, und uns kommt es nicht so vor, als wären wir in Südamerika. Nach einer halben Stunde kehren wir in die Stadt zurück und wärmen uns in einer "Chocolateria" mit heisser Schokolade wieder auf. Heute Abend kochen wir uns ein einfaches Mal und schauen TV. Überall in Argentinien gibt es Satelliten-TV mit sehr vielen Sendern, die jeden Tag gute Filme bringen. Etwa um 23.00 Uhr kommt Esteban mit der Mitteilung, dass Marco und ich in die obere Etage in ein 4-er Zimmer umziehen können. Das machen wir sehr gerne, zudem wir das Viererzimmer ganz für uns alleine haben, da beinahe alle Leute bis auf uns, Gregorie und zwei Jungs aus Israel, weitergereist sind.

Montag 26. Dezember
In unserem neuen Zimmer schlafen wir wie die Murmeltiere, ohne von irgendwelchen Gebeten oder flüsternden Zimmerbewohnern gestört zu werden. Leider ist auch heute das Wetter eher bescheiden. Der Himmel ist von dunkeln Wolken behangen, und es sieht sehr nach Regen aus. Trotzdem entscheiden wir uns heute mit dem berühmten Touristenzug "Tren del fin del mundo" zu fahren. An der "Calle San Martin" kaufen wir in einem der zahlreichen Reisebüros zwei Tickets für je 55 Pesos. Bevor wir mit dem Bus zu der Zugstation fahren, wärmen wir uns in einer Bar an einem heissen Tee auf. Der Bus, der vom Hafen aus fährt, wartet um 14.00 Uhr bereits auf uns. Für die Hin- und Rückfahrt bezahlen wir noch einmal 20 Pesos. An der Station des Zuges müssen wir das Ticket vom Reisebüro dann noch in echte "Boletos" umtauschen und werden noch einmal je 20 Pesos los, da der Zug zufälligerweise durch einen kleinen Teil des Nationalparks "Tierra del fuego" fährt. Wir kommen uns etwas abgezockt vor, da der Mensch im Reisebüro kein Wort davon erwähnt hat, dass uns für die Zugfahrt noch so viele Nebenkosten entstehen! Der dampfbetriebene Zug ist aber wirklich "herzig" und schlängelt sich durch die grüne Natur mit schönen Wäldern und vielen blühenden Löwenzahnblumen dem "Rio Pipo" entlang. An der "Estacion Cascada la Macarena" machen wir einen zehnminütigen Halt. Leider regnet es immer noch, und Marco steigt nur schnell aus, um ein paar Fotos zu machen. Danach geht die Fahrt weiter bis zur "Estacion del Parque". Hier wird die Lok abgekoppelt und für die Rückfahrt an das andere Ende des Zuges angehängt. 10 Minuten später fahren wir die selbe Strecke wieder zurück und machen bei der Zwischenstation noch einmal einen Halt. Jetzt regnet es nicht ganz so heftig, und wir können noch einmal ein paar Fotos schiessen. Zurück an der  "Estacion del fin del mundo" wartet wenig später schon der Minibus auf uns, der uns zurück in die Stadt fährt. Heute Abend essen wir in einem kleinen Restaurant, wo wir einen reiseerfahrenen Liechtensteiner treffen, mit dem wir den heutigen Abend verbringen.

Dienstag 27. Dezember
Gestern ist es etwas spät geworden, und so geniessen wir es in unserem immer noch privaten 4er Zimmer ausschlafen zu können. Nach einem späten Frühstück und einigen Internetrecherchen gehen wir in ein Internetcafe, um die Fotos auf CD zu brennen und die via Internet gekauften Bustickets auszudrucken. In einem Café schreiben wir noch ein paar Karten, die wir später zusammen mit den CDs auf die Post bringen, um sie in die Schweiz zu schicken. Während Marco seine Siesta einlöst, spreche ich im Hostel mit André, einem Franzosen, der gestern ins Zweierzimmer neben uns eingezogen ist. Er ist schon vielerorts in Argentinien herumgekommen und kennt ein gutes Hostel in Salta. Ich lade ihn für heute Abend zum Essen ein, dann haben wir mehr Zeit, um miteinander Erfahrungen und Reisetipps auszutauschen. Als ich gerade anfange zu kochen, zieht ein Schweizer in unser Zimmer ein, der gleich auch zum Essen eingeladen wird. Ich koche einen Gemüserisotto und mache einen Salat dazu. Schlussendlich sind wir zu fünft, denn auch Gregorie wird selbstverständlich zum Essen bleiben. Wir erleben einen sehr schönen letzten Abend in unserem Hostel. Später kommt noch Esteban vorbei, um sich von Marco und mir zu verabschieden und natürlich tauschen wir E-Mail Adressen aus.

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Ushuaia - Rio Gallegos - Comodoro Rivadavia - Esquel

Mittwoch 28. Dezember
Nach etwa bescheidenen 4 Stunden Schlaf werden wir um 04.45 Uhr vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Um 05.00 Uhr machen wir uns zu Fuss auf den Weg zur Busstation, wo schon unser Bus bereit steht. In "Rio Grande" gibt es eine kurze Pause, und wir müssen wie bereits bei der Hinreise in einen anderen Bus umsteigen. Nach etwa einer halben Stunde geht die Reise dann weiter. Jetzt bekommen wir auch wieder einen Kaffee und Medialunas vom Stewart serviert. Bis zur ersten Grenze in "San Sebastian" können wir dann ein bisschen schlafen. Nach der argentinischen Grenze, wo der ganze Papierkrieg sehr angenehm und schnell abgewickelt wird, fahren wir noch einmal etwa eine halbe Stunde, bis wir an der chilenischen Grenze unsere Pässe wieder vorweisen müssen. Kurz nachdem die Fähre für die Fahrt über die Magellanstrasse abgelegt hat, taucht plötzlich eine Ambulanz mit Blaulicht auf. Tatsächlich kehrt das Schiff nochmals zum Hafen zurück und schafft Platz für den Krankenwagen. Danach kommen wir noch einmal an die chilenische und argentinische Grenze, wo wir wieder zwei mal aussteigen müssen, um unsere Papiere und Pässe abstempeln zu lassen. Schliesslich erreichen wir "Rio Gallegos" um 17.30 Uhr. Unser Bus nach "Comodoro Rivadavia" fährt erst um 20.15 Uhr, und so verbleiben uns noch drei Stunden des Wartens. Der Liechtensteiner, der mit dem selben Bus gereist ist, muss auch auf seinen Anschluss nach "El Calafate" warten. Mit Reden und Reisepläne austauschen vergeht dann die Zeit noch relativ schnell. Ungewöhnlich pünktlich um 20.00 Uhr trifft der Andesmar Bus ein, und bald darauf geht die Reise los. Wieder einmal mehr werden wir mit einem warmen Nachtessen bedient, und es werden zwei Filme gezeigt. Wir sind aber beide so müde, dass wir bald tief und fest in den bequemen Semi Cama Sesseln einschlafen.

Donnerstag 29. Dezember
Nach einer komfortablen und ruhigen Nachtbusfahrt kommen wir um 06.45 Uhr einigermassen ausgeruht in "Comodoro Rivadavia" an. Nachdem wir unsere Rucksäcke in Empfang genommen haben, machen wir uns erst einmal etwas frisch. Danach gehen wir zu den Büros der verschiedenen Busunternehmen und erkundigen uns, wie wir von hier nach Chile gelangen. Es gibt nur ein einziges Busunternehmen, das direkte Verbindungen leider nur am Dienstag und Samstag nach "Coyhaique" (Chile) anbietet. Marco und ich haben keine Lust hier in dieser hässlichen Industriestadt zu bleiben und entscheiden uns heute Abend nach "Esquel" weiter zu reisen. Wir ergattern glücklicherweise die letzten Tickets des Nachtbusses beim Unternehmen "Don Otto", der um 22.30 Uhr fährt. Wieder einmal müssen wir Zeit tot schlagen, die wir lieber reisend verbracht hätten. Aber da nutzt uns alles Jammern nicht, und darum nehmen wir unsere Rucksäcke, wandern in die Stadt in ein Restaurant und trinken erst einmal einen oder zwei Kafis. Im nächsten Restaurant bei einem weiteren Kaffee schreiben wir Reportes und lesen Guías von Chile, Uruguay und Paraguay. Später absolviere ich eine längere Session im Internet Café, während Marco den Coiffeur besucht. So vergehen wieder ein paar Stunden. Um etwa 19.00 Uhr gehen wir mit unseren Rucksäcken zurück zur Busstation und stellen für 1 Peso pro Stunde und Gepäcksstück unsere "Mochillas" ein. Um 20.00 Uhr suchen wir das Kino und schauen den Disney Kinderfilm "Chicken little". Der Film ist in argentinischer Sprache, und wir verstehen zugegeben nicht alles, aber da die Handlung der Geschichte relativ einfach ist, ist es kein Problem für uns. Insgesamt ist es ein lustiger, herziger Film. Uns beeindruckt die Architektur dieses Kinos. Es ein grosser, oval geformter, zweistöckiger Raum. Auf der zweiten Etage befinden sich die Balkone, die ähnlich wie die Logenplätze eines Opernhauses in abgeschlossene Bereiche unterteilt sind. Nach dem Kino dauert es dann auch nur noch eine Stunde, bis der Bus um 22.30 Uhr eintrifft. Wir bekommen noch ein Sandwich und machen es uns in der hintersten Reihe des einstöckigen Busses so gut wie möglich bequem.

Freitag 30. Dezember
Auch im "Don Otto" Bus sind die Semi Cama Sessel sehr bequem. Zwei Dinge gibt es aber, die uns in der letzten Reihe am Schlafen hindert, erstens die Klimaanlage, die uns die kalte Luft um den Kopf windet und der Duft des Klos, das sich genau neben uns befindet. In einem einstöckigen Bus werden wir hoffentlich nie mehr in der hintersten Reihe die letzten Plätze bekommen. Wir sind aber trotzdem froh in diesem Bus Richtung "Esquel" zu sitzen und wieder ein Stück weiter nach Norden zu gelangen. In "Esquel" kommen wir um 08.00 Uhr an. Nach dem Morgenkaffee fragen wir an den "Ventanillas" = Bürofensterchen der verschiedenen Busunternehmen nach einer Möglichkeit, von hier aus nach Chile zu gelangen. Leider werden wir auch hier enttäuscht. Es gibt nur ein bis zwei Busunternehmen, die aber nur bis an die Grenze fahren. Von da aus muss man dann selber schauen, wie man weiter kommt. Wieder einmal mehr spüren wir, dass die Argentinier und die Chilenen nicht gerade die besten Freunde zu sein scheinen. Wir entscheiden uns also eine Nacht hier zu bleiben und morgen früh mit "Andesmar" via Bariloche nach "Puerto Montt" (Chile) zu fahren. Nachdem wir unsere Tickets gekauft haben, suchen wir zu Fuss das Zentrum des hübschen und ruhigen "Esquel". In einem Touristinfo erkundigen wir uns nach einer Hotelliste, mit der wir uns auf die Suche nach einem Bett machen. In "Esquel" ist anscheinend noch keine Touristensaison, denn viele Hotels sind geschlossen, und es hat beinahe keine Leute auf der Strasse. In dem einfachen, hübschen "Hotel Ski" an der Calle San Martin finden wir für eine Nacht ein schönes Doppelzimmer mit Dusche und WC. Gleich neben dem Hotel gibt es eine Wäscherei, wo ich wenig später unsere schmutzige Wäsche abliefere und meinen Namen hinterlasse. Jetzt ist es an der Zeit das Dorf etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. "Esquel" ist ein ruhiger, nicht sehr touristischer Ort an der Grenze der Provinzen "Chubut" und "Rio Negro". Es gibt einen sehr schönen Nationalpark, "Parque Los Alerces", den man unbedingt besuchen sollte, wenn man mehrere Tage in "Esquel" bleibt. Da Marco und ich endlich so schnell wie möglich nach Chile möchten, sind wir hier nur auf Durchreise. Falls wir aber wieder einmal in dieser Gegend sind, werden wir noch einmal vorbeischauen. Ganz in der Nähe von "Esquel" gibt es auch ein Skigebiet, "La Hoya", das man sehr bequem mit einem Touristenbus erreichen kann. Um 15.00 Uhr hole ich die frisch gewaschene, trockene und zusammengefaltete Wäsche ab und bezahle 10 Pesos für den wiederum sehr guten Service. Nun ist erst einmal Siesta angesagt, denn nach drei mehr oder weniger lockeren Nächten fühle ich mich ziemlich schlapp. Nach einer erfrischenden Dusche machen wir uns um 19.00 Uhr auf die Suche nach einer Bar. Wieder einmal mehr stellen wir fest, dass es in Argentinien nur sehr wenige Bars gibt. Hier ist es üblich in ein Café zu gehen, wo man auch Wein, Bier und andere alkoholische Getränke bekommt. Nach einem Spaziergang durch einige Blöcke finden auch wir ein Restaurant, wo wir Picadas essen und Wein bzw. Bier dazu trinken. Später am Abend essen wir in einer Parilla ein feines Stück Rindfleisch, bevor wir zurück in unser Hotelzimmer gehen.

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Esquel - Bariloche - Puerto Montt (Chile)

Samstag 31. Dezember
Heute ist wieder einmal nichts mit ausschlafen. Da unser Bus bereits um 08.00 Uhr losfährt, machen wir uns zu Fuss mit Sack und Pack um 07.30 auf den Weg zum "Terminal de Omnibuses". Hier wartet bereits der Bus nach "Bariloche" auf uns. Die Fahrt führt uns durch die hübsche Landschaft der Region "Los Lagos". Wunderschöne Seen, Wälder und Blumenwiesen präsentieren sich vor einer imposanten Bergwelt. Hier fühlt man sich fast ein bisschen wie in der Schweiz. Zwischen "Esquel" und "Bariloche" fahren wir nordwärts auf der bekannten Route 40, wo wir auch einen Halt in "El Bolson" und "El Hoyo" einlegen. In "Bariloche" müssen wir unsere Weiterfahrt-Tickets beim "Ventanilla" von "Andesmar" vorweisen, damit unsere Namen in die Liste für den Zoll aufgenommen werden können. Jetzt bleibt uns noch eine Stunde, bis der Anschlussbus weiterfährt. An dieser Busstation gibt es zum Glück ein Kaffee, in dem wir uns einen Platz erobern, Kaffee trinken, Sandwich essen und Reportes schreiben. Mit einer Stunde Verspätung fahren wir in Bariloche um ca. 14.30 Uhr Richtung "Puerto Montt" ab. Auch auf dieser Strecke fahren wir durch die Region "Los Lagos". An der argentinischen Grenze geht die Abwicklung am Zoll relativ schnell. Jeder Passagier wird anhand der Sitzplatzliste mit Namen aufgerufen und muss den Pass abstempeln lassen. Bei der chilenischen Grenze ist alles etwas komplizierter. Zwar läuft auch hier das Abstempeln der Papiere in der selben Reihenfolge ab wie zuvor, aber alles Gepäck wird noch zusätzlich geröntgt. Während der eine Chauffeur bei der Abwicklung der Immigration der Passagiere behilflich ist, räumen der 2. Chauffeur und der Steward alle Gepäckstücke aus dem Kofferraum, während die chilenischen Zöllner nur herum stehen und dem Treiben zuschauen. Als alles Gepäck auf und neben dem Förderband liegt, bemüht sich einer der Zöllner an den Überwachungsbildschirm, lässt das Förderband laufen und kontrolliert den Inhalt der Koffer, Rucksäcke und Taschen. Vor allem wird alles nach Nahrungsmittel durchsucht, denn zwei Taschen werden herausgenommen, vom Besitzer ausgeräumt, und die organischen Esswaren, vom Apfel bis zum Sandwich, werden konfisziert. Nach der Röntgerei muss alles wieder in den Bus geladen werden, wobei die chilenischen Zöllner selbstverständlich wiederum keinen Finger rühren. Die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Chile und Argentinien sind nicht wirklich besonders freundlich. Nach etwa einer Stunde geht die Fahrt auf chilenischem Gebiet weiter. Der nächste Halt ist "Puerto Varas", einem von deutschen Einwanderern gegründetem Dorf, nicht weit von "Puerto Montt" entfernt. Es ist bereits 21.00 Uhr, und da heute schliesslich Silvester ist, überlegen Marco und ich für einen Moment, ob wir nicht schon hier aussteigen wollen. Wir entscheiden uns aber dagegen, da es in "Puerto Montt" bessere Möglichkeiten gibt, zur Insel "Chiloe" oder auf die "Carretera Austral" zu gelangen. Um 21.40 Uhr haben wir es dann endlich geschafft, wir treffen am Terminal in "Puerto Mott" ein. Jetzt wollen wir nur noch unsere Rucksäcke, ein Taxi suchen und auf dem schnellsten Weg ins Zentrum, um in einem Hotel ein Zimmer zu buchen. Aber oh weh, mein blauer Rucksack ist nicht mehr da! Irgend jemand hat ihn absichtlich oder unabsichtlich schon mitgenommen. Und das trotz dem System, dass jedes Gepäckstück mit Nummer versehen wird! Anscheinend ist die Überprüfung dieser Nummern nicht wirklich relevant. Mich ärgert es und den Buschauffeuren tut es leid, aber ich merke schnell, dass sie mein Dilemma nicht unbedingt interessiert. Freundlicherweise wird mir noch gesagt, dass ich mich morgen am "Ventanilla" von Andesmar melden soll, dann werden sie dann weiter sehen. Meinen Rucksack mit Inhalt werde ich wohl nie mehr zu Gesicht bekommen. Immerhin sind nur ein paar Dollars im Wert von etwa 200 Franken, aber keine anderen Wertsachen wie Ausweise und Pässe, darin. Mühsam ist es trotzdem, da ich jetzt gar keine Kleider mehr zum Wechseln habe, ausserdem sind meine guten Schuhe und die gute Regenjacke weg! Ja, nun suchen wir doch erst einmal ein Taxi und lassen uns vor das Hotel "La Colina" fahren. Hier buchen wir ein Doppelzimmer für zwei Nächte. Mittlerweile ist es bereits 22.45, und wir wollen über den ganzen Frust hinweg nicht noch den Silvester verpassen. Wir machen uns also auf den Weg, um in der Stadt ein Restaurant zu suchen. Das ist einfacher gesagt als getan, denn die meisten Restaurants sind geschlossen, und das eine das offen hat, ist vollkommen ausgebucht. Nach etwa einer halben Stunde vergeblichen Suchens rufen wir ein Taxi und lassen uns vor ein Lokal direkt am See fahren. In dem sehr nobel wirkenden Restaurant "Club de Yates" finden wir tatsächlich noch einen freien Tisch für uns. Der Kellner, der uns bedient, klärt uns darüber auf, dass heute nur das Silvester Menü serviert wird, das pro Person happige 45'000 Pesos = 150 Franken pro Person kostet. Wir tauen unseren Ohren nicht und lassen uns den Betrag auf Papier schreiben, da wir glauben uns verhört zu haben. Es stimmt aber tatsächlich, und wir sitzen da wie zwei  begossene Pudel, denn so viel Geld haben wir nicht bei uns. Anscheinend machen wir einen ziemlich traurigen Eindruck, und wir dürfen etwas günstigeres aus der Speisekarte auswählen. Selbst diese Preise sind ziemlich deftig, und wir müssen sehr gut rechnen, damit wir nicht über unser Budget zielen. Schlussendlich bekommen wir aber beide ein ausgezeichnetes Stück Rindfleisch mit Beilagen, eine kleine Flasche vorzüglichen Rotwein und ein Wasser serviert. Kurz vor 00.00 Uhr wird uns dann sogar noch ein Glas Champagner offeriert, und wir können richtig aufs neue Jahr anstossen. Sogar das Feuerwerk, das am See stattfindet, können wir von unseren Plätzen wunderbar beobachten. Ansonsten gefällt uns das Ambiente im überteuerten Restaurant nicht besonders. Uns ist auch schleierhaft, wie die Einheimischen, die mit der ganzen Familie hier speisen, sich das leisten können. Ziemlich früh, so um 01.00 Uhr, verlassen wir die Szene, während die meisten Leute zu Live gesungener Musik tanzen. Anschliessend vor unserem Hotel stellen wir mit Schrecken fest, dass das ganze Gebäude völlig im Dunkeln liegt. Wir bekommen es mit der Angst zu tun und rechnen schon damit, dass wir draussen übernachten müssen, obwohl uns die Hoteldame versicherte, dass die ganze Nacht jemand hier sei. Als wir an der verschlossenen Türe rütteln, kommt tatsächlich ein verschlafener Nachtportier geschlurft und öffnet uns die Türe. In unserem Zimmer begeben wir uns gleich ins Bett, denn der Tag war doch ziemlich nervenaufreibend und anstrengend. "Happy new Year!". Die weiteren Berichte unserer chilenischen Abenteuer sind nun wieder im Reporte Chile zu erfahren.

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Salta

Mittwoch 18. Januar
Nach der gestrigen langen Reise (siehe Reporte Chile), verbringen wir eine kurze, ruhige Nacht im wunderschönen Hotel "Portal de Salta" (Calle Alvarado). Wir entscheiden uns noch einmal eine Nacht hier zu verbringen. Gegen Mittag spazieren wir durch die hübsche, im Nordwesten von Argentinien gelegene Stadt. In einem Touristinfo bekommen wir einen Stadtplan und viele Tipps für Ausflugsmöglichkeiten in der Stadt und in die Umgebung. Die Stadt "Salta" ist die  Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Viele schöne Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit, wie z.B. die "Iglesia San Francisco", die Kathedrale oder das Regierungsgebäude, prägen das Stadtbild. Wie in jeder argentinischen Stadt gibt es auch in "Salta" grosse, grüne Parkanlagen. Im "Parque del Lago", der gleich neben dem "Parque San Martin" liegt, gibt es sogar einen kleinen See auf dem man Pedalo fahren kann. Nach dieser ersten Erkundigungstour gehen wir zum Busterminal und erkundigen uns bei verschiedenen Unternehmen nach Möglichkeiten für unsere Weiterreise nach "Resistencia" oder "Corrientes". Auf jeden Fall gefällt uns "Salta" bereits nach wenigen Stunden ausgezeichnet, und wir entscheiden uns noch einmal drei weitere Tage hier zu bleiben. Unser Hotel, in dem wir zur Zeit wohnen, ist wirklich heimelig und gediegen, sprengt aber unser Budget. An der selben Strasse gleich gegenüber des Hotels befindet sich das etwas einfachere aber ebenfalls sehr freundliche und hübsche Hostal "El Aljibe" (Calle Alvarado). Wir haben wieder einmal Glück und für morgen wird ein Doppelzimmer mit Privatbad und TV frei. Ausserdem steht uns auch in diesem Hostal eine Küche zur Mitbenutzung zur Verfügung. Am Abend geniessen wir den Apero unter freiem Himmel am "Plaza 9 de Julio". Einer der zahlreichen Schuhputzer poliert Marco's inzwischen stark abgenutzte Lederschuhe wieder auf Hochglanz. Auch finden wir im Mikrozentrum der Stadt ein authentisches Restaurant, wo auch einheimische Livemusik gespielt wird. Hier erfüllt Marco mir meinen sehnlichsten Wunsch und kauft für mich bei dem bolivianischen Musiker eine von ihm handgefertigte Panflöte. Jetzt muss ich nur noch spielen lernen, was einfacher aussieht als es ist! Ein wunderschöner, erlebnisreicher Tag geht zu Ende, und wir fallen müde und glücklich in unsere Betten.

Donnerstag 19. Januar
Nach dem hervorragenden Frühstück im Hotel sind wir mit frischer Energie getankt, die wir für den Umzug ins gegenüberliegende Hostal brauchen können. Am Nachmittag nehmen wir uns trotz der vielen Wolken am Himmel noch einmal Zeit, die von den Anden umgebene, grüne Stadt "Salta" zu erkunden. Als erstes besichtigen wir die "Iglesia San Francisco", die in der Nähe unseres Hostals steht und in der Nacht immer so schön beleuchtet ist. Die Inneneinrichtung ist uns aber mit den vielen kitschigen Statuen von jeglichen Heiligen viel zu protzig und überladen. Am "Plaza 9 de Julio" befindet sich die grosse, eindrückliche "Catedral Basilica". Auch in dieser Kirche gibt es viele prunkvolle Gemälde, Heiligenbilder und Statuen. Hier gefällt uns aber die Innenarchitektur bedeutend besser als in der anderen Kirche. Es wirkt in dem viel grösseren Raum der Basilica mit den Seitengängen und dem Innenhof, weniger überladen. Nach der Kirchenbesichtigung gehen wir zum Bahnhof. In diesem Teil der Stadt befindet sich auch ein Ausgangsviertel mit vielen Bars, Restaurants und Discotheken. Das Bahnhofsgebäude steht allerdings nur noch zur Dekoration und als Erinnerung an den "Tren a las Nubes" = Zug in die Wolken herum. Die Einheimischen sind aber immer noch stolz auf ihren speziellen Zug, weil er der einzige gewesen ist, der über 4000m hoch ohne Zahnrad fahren konnte. Leider ist es tatsächlich wahr, dass der Zug in ewiger Restauration stecken geblieben ist, und wir glauben ehrlich gesagt nicht mehr daran, dass je wieder ein Zug in die Wolken fährt. Wir verstehen nicht, warum die bisher grösste Touristenattraktion einfach so verwahrlost wird. Auf dem Weg zurück in die Region unseres Stadtviertels kommen wir am "Plaza General Güemes" mit dem schönen Regierungspalast aus der spanischen Kolonialzeit vorbei. Danach gehen wir in die lebendige Fussgängerzonen "Peatonal Florida" und "Peatonal Juán B. Albaro" mit den vielen Läden und Boutiquen. Den Abend geniessen wir mit einem weiteren kleinen Spaziergang durch die lebendige turbulente Stadt.

Freitag 20. Januar
Zu unserer Freude herrscht heute herrlich sonniges Sommerwetter. Nach dem üblichen Morgenritual machen wir uns auf die Socken und suchen die Station der 1987 von einem Schweizerunternehmen aus Goldau erbauten Seilbahn. Diese bringt uns in einer achtminütigen Fahrt hoch hinauf auf den "Cerro San Bernardo". Ein schöner Spazierweg führt uns rund um den grünen, bewaldeten Hügel und an künstlich angelegten Wasserfällen vorbei. Die verschiedenen Blumen und Sträucher bieten ein Paradies für tausende grosse und kleine exotische Schmetterlinge. Von einigen Aussichtspunkten aus hat man einen genialen Blick auf die grosse Stadt "Salta". Am Nachmittag fahren wir mit dem Bus "La Veloz del Norte" in die nördlich gelegene Stadt "San Salvador de Jujuy". Auf dem Weg gefällt uns die sehr grüne, hügelige Landschaft mit viel Wäldern und fruchtbaren Landwirtschaftszonen. Leider bilden sich immer mehr Wolken am Himmel, und während der beinahe dreistündigen Fahrt regnet es sogar ab und zu. "Jujuy" ist eine lebendige, bunte und sehr lateinamerikanische, grüne Stadt. Auf den Strassen stehen vielerorts Marktstände, wo man von Früchten über Unterwäsche und Schmuck beinahe alles kaufen kann. Die Strassen sind auch hier, wie überall in Argentinien leider für Fussgänger sehr gefährlich. Die Autofahrer sind allesamt sehr rücksichtslos und haben eigentlich immer Vortritt. Ein heftiger Regenguss, der sich vom Himmel ergiesst, treibt uns dann in ein Café, wo wir wieder einmal sehr überrascht sind, wie niedrig die Preise für Speisen und Getränke in dieser Provinz sind. Am Abend finden wir uns an der sehr betriebsamen Busstation ein, wo um 18.45 Uhr unser Bus des Unternehmens "Balut" zurück nach "Salta" fährt.

Samstag 21. Januar
Heute morgen werden wir durch das Rauschen des Regens geweckt, welches uns schon die ganze Nacht begleitet. Trotzdem holt uns der Minibus des Reiseveranstalters "Casabindo" um 07.15 Uhr für die Exkursion nach "Cafayata" ab. Nachdem auch die anderen 12 Passagiere eingesammelt worden sind, fahren wir durch das "Valle de Lerma", das zu der Region "Valles Calchaquies" gehört. Hier werden vor allem Tabakpflanzen angebaut. "Cerillos", "La Merced" und "El Carril" liegen nur einige Kilometer von "Salta" entfernt und sind derzeit das Ballungszentrum des Karnevals. Ausserdem wird in dieser Gegend Pferdezucht betrieben und Ferien auf dem Bauernhof angeboten. Weiter geht die Fahrt durch eine wunderschöne grüne Landwirtschaftszone bis zu einer einsam gelegenen kleinen "Estancia", der "Posada de las cabras". Hier machen wir einen Kaffeehalt, wo man auch Gelegenheit hat, Ziegenkäse aus eigener Produktion zu kaufen. Danach fahren wir weiter durch das imposante "Valle de Lerma" mit den bekannten "Quebrada de las Conchas". Diese uralten Vorgebirge der Anden zeichnen sich hier durch die vielen verschiedenen Mineralienvorkommen aus. Das Gelb, Grün, Braun und Grün der Felsen stellen einen eindrücklichen Kontrast zu dem saftigen Grün der Bäume und Gräser und dem Ziegelrot der Erde dar. Durch Erosionen in hunderten und tausenden von Jahren bildeten sich Felsformationen, die an verschiedene Tiere, wie einen Elefanten, einen Hase oder an eine Kröte erinnern. Eine Felsformation ähnelt sehr der untergehenden Titanic, eine andere an Schlösser und noch einmal eine andere an einen betenden Mönch. Das Tal ist aber vor allem auch bekannt für die baumgrossen Kakteen, die zwischen all den anderen Pflanzen wachsen. Diese Kakteen, die an Kerzenleuchter erinnern, werden auch "Candelabras" genannt. Trotz des Dauerregens steigen wir an einigen Aussichtspunkten aus und machen ein paar Bilder dieser für uns exotischen und faszinierenden Natur. Als wir das Tal verlassen und uns "Cafayate" nähern, wird die Gegend langsam wieder flacher. Den nächsten Halt widmen wir dem Besuch der Bodega "La Banda". Die 1857 gegründete Bodega ist die älteste der Provinz "Salta", wurde 1955 im Krieg zerstört und 1977 wieder aufgebaut. Der Wein, den wir zur Degustation aus Plastikbechern kredenzt bekommen, entspricht nicht unbedingt unserem Geschmack. Einzig der Roséwein, der aus Moscateltrauben hergestellt wird, ist eine Erwähnung wert. Beim nächsten Halt werden wir vor einem Souvenierladen abgesetzt, wo wir wiederum scheusslichen Wein aus Plastikbechern zur Degustation bekommen und der wohl zum Kauf animieren soll. In "Cafayate" gibt es dann eine eineinhalbstündige Mittagspause. Leider regnet es immer noch so stark, dass wir nicht dazu kommen den Ort zu besichtigen. Auf der Rückfahrt machen wir bei einer grossen Grotte, die einem Amphitheater gleicht und bei einem andern Aussichtspunkt noch einen Halt, um Fotos zu machen. Es regnet immer heftiger und schlussendlich sind wir froh, als wir, etwas früher als geplant, in "Salta" vor unserem Hostal abgesetzt werden. Alles in allem war es ein schöner Ausflug, der aber für das Angebot etwas teuer war. Es gibt auch öffentliche Busse wie der "El Indio", der den selben Weg durch das wunderschöne Tal nach "Cafayate" fährt. Für jemand, der gerne Auto fährt, empfiehlt es sich, ein Auto zu mieten und selber zu fahren.

Sonntag 22. Januar
Der gestrige Regen hat mir anscheinend gar nicht gut getan. Zum Dank habe ich mir irgendwo in der Nässe eine Magen-Darm-Grippe angelacht und liege mehr oder weniger flach. Da es aber auch so ziemlich während des ganzen Tages regnet, ist es nicht so tragisch, um den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Auch der geplante Besuch des Karnevals in "Cerrillos" fällt buchstäblich der Grippe und dem Regen zum Opfer. Marco verbringt den Tag mit einem Internetbesuch und einem spanischen Fussballmatch am TV. Erst am Abend bei nachlassendem Regen wagen wir zu zweit wieder einen Spaziergang durch die nassen Gassen.

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Salta - Corrientes

Montag 23. Januar
Leider ist das Wetter nicht besser. Trotzdem stellen wir unsere Rucksäcke im Hostal ein und gehen ein letztes Mal auf Entdeckungstour in die Stadt. Marco nutzt jede regenfreie Minute, um noch die letzten Fotos zu machen. Um 18.00 Uhr fährt dann auch schon unser Bus "El Norte Bis", der zum Unternehmen "Flechabus" gehört. Der Regen, der uns auch auf der Fahrt begleitet, raubt uns leider etwas die Sicht auf die grüne, bewaldete Gegend mit all den Flüssen und Bächen. Wir reisen während Stunden permanent an dichten Laubwäldern vorbei. Nachdem es dunkel geworden ist und wir zwei Filme präsentiert bekommen haben, wird auch das Licht im Bus gelöscht, und Nachtruhe ist angesagt. Draussen regnet es in Strömen, und die Fahrt ist ziemlich unruhig. Auf den Naturstrassen, die wir teilweise befahren, bilden sich regelrechte Wasserbäche, und der Bus kommt nur langsam voran. Die Klimaanlage ist wie üblich auf Eiszeit eingestellt, und wir sind froh, dass wir mit unseren Faserpelzjacken ausgestattet sind. Irgendwann gelingt es uns dann aber doch noch ein bisschen zu dösen.

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Corrientes

Dienstag 24. Januar
Überraschend pünktlich kommen wir um 07.50 Uhr in "Corrientes" an. Der Bus war nicht unbedingt wasserdicht, und einige Fahrgäste sind nass geworden oder bekommen ihr Gepäck vom Wasser triefend zurück. Marco und ich haben Glück, wir hatten einen mehr oder weniger trockenen Platz, und auch unser Rucksack ist trocken geblieben. Doch auch hier in "Corrientes"  prasselt der Regen wie aus Schleusen auf uns hinunter, und die Temperaturen sind tropisch-feuchtheiss. Kurzerhand lassen wir uns von einem Taxifahrer vor das Hotel "Hostal del Rio" fahren. Hier buchen wir für zwei Nächte ein Doppelzimmer im 7. Stock mit wunderbarem Blick auf den "Rio Paraná". Am Nachmittag hört es auf zu regnen, und wir machen einen Rundgang durch das Microzentrum der Stadt. "Corrientes" ist eine typisch authentische, südamerikanische Stadt mit sehr wenig Tourismus. Uns gefällt der erste Eindruck. Später nehmen wir den Stadtbus zum Busterminal, wo wir beim Unternehmen "Yacyreta" für übermorgen zwei Billete nach "Asunción" kaufen. Gegen Sonnenuntergang hören wir überall in der Stadt einen seltsamen, monotonen Klang, der an laufende Maschinen erinnert. Als wir am Abend dann ausgehen, stellen wir mit Schrecken fest, das tausende von schwarzen Käfern am Himmel schwirren, ins Licht fliegen und auf die Strasse fallen. Wir finden das ziemlich eklig, zumal es unter den kleineren Tieren auch ziemlich grosse, ca. 7cm lange Monster gibt. Vor den erleuchteten Schaufenstern ist es richtig schwarz am Boden von diesen hässlichen Insekten. Wir flüchten also in die erste Kneipe und genehmigen uns auf den Schreck hin einen Apero mit "Picadas" und Rotwein. Danach kaufen wir uns bei einem Take-away ein paar Empanadas und eine Flasche Wein und gehen auf dem schnellsten Weg in unser käferfreies Hotelzimmer.

Mittwoch 25. Januar
Heute morgen empfängt uns heller Sonnenschein und hohe Temperaturen. Wir schlendern etwas durch die Fussgängerzone der Stadt und beobachten das bunte Treiben der Einheimischen. Später gehen wir zum "Rio Paraná", wo eine schöne Promenade dem Fluss entlang führt. Tatsächlich gibt es Leute, die bei der feuchten Hitze Sport treiben und joggen. Marco und mir läuft das Wasser schon herunter, wenn wir im Schatten der Bäume spazieren. Zufälligerweise kommen wir auf unserem Spaziergang am Zoo vorbei, den man kostenlos besichtigen kann. Hier leben vor allem sehr viele, schöne exotische Vögel, wie Papageien, Kanarienvögel und uns unbekannte Arten. Wir sehen aber auch Wasser- und Landschildkröten, Alligatoren, einen Otter, Affen, Raubkatzen und "Capybaras" = Wasserschweine, die aussehen wie übergrosse Meerschweinchen. Einige der Tiere haben in diesem Zoo ein wirklich schön eingerichtetes Gehege mit genügend Platz zur Verfügung. Andere wie zum Beispiel die Affen und die Raubtiere fristen ein trostloses Leben in kleinen schmutzigen Käfigen ohne jegliches Grün. Endlich kennen wir den Grund dieses monotonen Klangs überall in der Stadt. Es sind dies die grillenähnlichen Käfer, die diesen speziellen Ton von sich geben, der in keiner Weise mit dem Zirpen verglichen werden kann. Eine eigenartige Stimmung! Während Marco im Internet und in einem Reisebüro Informationen über "Asunción" einholt, schreibe ich Reportes. Heute Abend hat es zum Glück bei weitem nicht mehr so viele Käfer, die auf uns hinunter regnen. Anscheinend tauchen diese netten Tierchen nur nach Tagen des Regens auf. Wir können also in aller Ruhe erst einmal in ein Internetcafé gehen und für morgen eines der empfohlenen Hotels in "Asunción" reservieren. Danach geniessen wir noch ein klein wenig das spärliche Nachtleben in der friedlichen und angenehmen Stadt "Corrientes".

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Corrientes - Asunción (Paraguay)

Donnerstag 26. Januar
Heute ist wieder einmal mehr das Ritual vom Packen des Rucksacks und des sich Verabschiedens an der Reihe. Nachdem wir dies ausführlich zelebriert haben, fahren wir mit dem Stadtbus an den Terminal. Um 14.30 Uhr fährt unser Bus des Unternehmens "Yacyreta" pünktlich Richtung Paraguay ab. Es ist unglaublich, wie grün hier alles ist. Grosse hohe Palmen ragen neben kleineren Laubbäumen gegen den Himmel. Es gibt keine bewirtschaftete Felder, wir begegnen jedoch Vieh- und Pferdeherden. Da und dort überqueren wir einen Fluss. Nach etwa vier Stunden Fahrt kommen wir an den Zoll. Da der argentinische und der paraguayanische Zoll zusammen arbeiten, geht es unerwartet schnell, bis wir beide Stempel in unserem Pass haben. Einzig ein Amerikaner, übrigens der erste, den wir bisher getroffen haben, der sich entschuldigt, dass er von den Staaten kommt, hat ein Problem, da er für die Einreise nach Paraguay ein Visum bräuchte, das er aber nicht hat. Es braucht einige Diskussionen und etwas Kleingeld, bis er dann doch noch die Erlaubnis bekommt immerhin für drei Tage einzureisen. In der Zwischenzeit geben wir einem der Männer, die vor Ort Geld wechseln, unsere übrigen argentinischen Pesos und bekommen dafür 23000 "Guaraní", was etwa bescheidenen fünf Franken entspricht. Die Gegend nach der Grenze ist nicht anders als die argentinische Seite, die wir zuvor durchfahren haben. Wir überqueren den "Rio Paraguay" und durchqueren die Vororte von "Ascunción". Bereits fällt uns auf, wie einfach, bescheiden und teils ärmlich die Leute hier leben. Um 20.00 Uhr kommen wir dann sicher und voll guten Mutes in "Asunción" an. Die weiteren Berichte unserer Abenteuer in Paraguay sind im Reporte Paraguay zu erfahren.

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Puerto Iguazú

Montag 30. Januar
Nach einer frostigen Fahrt durch das "Valle Misiones" (siehe Reporte Paraguay) erleben wir eine tropisch heisse Nacht im Hotel Charo. Im Touristeninfo, gleich in der Nähe unseres Hotels, informieren wir uns heute Morgen nach verschiedenen Möglichkeiten, um die bekannten Wasserfälle zu besuchen. Ausgerüstet mit verschiedenen Angeboten, um das Gebiet auf abenteuerliche und weniger abenteuerliche Weise zu erleben, pilgern wir als nächstes zur Busstation, um noch weitere Offerte zu prüfen. Hier erfahren wir, dass alle halbe Stunde öffentliche Busse zu den "Cataratas" = Wasserfälle fahren. Man kann also locker auf teure, touristische Exkursionen verzichten und auf eigene Faust den Nationalpark erkunden. Das Wetter ist superschön, und so entscheiden wir uns spontan, schon heute zu den Wasserfällen zu gehen und nicht bis morgen zu warten. Mit Wasserflasche und Sonnenhut ausgerüstet sitzen wir eine dreiviertel Stunde später schon im Bus. Am Eingang in den "Parque National Iguazú" müssen wir dann noch je 30 Pesos Eintritt bezahlen. Im Preis inbegriffen sind die Fahrt mit dem Dschungelzug zu den verschiedenen Aussichtsbrücken und die Bootsfahrt zur Insel "San Martin". Die Zugstrecke führt uns durch eine exotische, dicht bewachsene Urwaldregion, die wir bei uns in Europa nicht kennen. Von der Endstation des Zuges aus kommen wir zu den Brücken, die uns über den "Rio Iguazú" führen. Wir sind jetzt schon sehr beeindruckt über diese Natur, die sich uns hier bietet. Schon von weitem hören wir das Tosen der 275 Wasserfälle, die sich über 60 Meter hohe Klippen stürzen. Und dann endlich sehen wir den "Garganta del Diablo" = Teufelsrachen, den grössten und imposantesten Wasserfall, des Iguazu-Nationalparkes. Die angrenzenden Fälle und diejenigen auf der brasilianischen Seite sind aber nicht weniger spektakulär. Es ist ein einziges lautes Getöse zu hören, und das Wasser spritzt bis hoch hinauf und sieht aus wie Nebel. Nach diesem wunderbaren Schauspiel laufen wir auf der Brücke wieder zurück zur Zugstation und fahren zur "Estación Catarates", von wo aus man über den "Circuito inferior" zu weiteren Wasserfällen wandern kann. Die feucht heissen Temperaturen um die 40 Grad sind wir nicht unbedingt gewohnt, und uns läuft der Schweiss in Bächen über unseren Körper hinunter. Der Aufwand durch all die Wege und vielen Treppen hinauf und hinunter zu gehen lohnt sich aber auf jeden Fall, denn hier bietet sich uns eine geniale Natur, die es sonst nirgendwo gibt. Inmitten des grünen Dschungels stürzen sich sich gewaltige Wassermassen in die Tiefe, und durch die Sonne und den aufsteigenden Wasserdunst bilden sich an verschiedenen Stellen prachtvolle Regenbogen. Als nächstes lassen wir uns von einem Boot über den "Rio Iguazú" zur "Isla San Martin" fahren. Von diesem Bootsteg aus werden auch abenteuerliche Fahrten mitten in die Fälle angeboten, welche aber um die 40 Pesos kosten. Während sich die einen mit dem Boot eine erfrischende Wasserfalldusche genehmigen, kämpfen wir uns dampfend und schweisstriefend über die steilen Treppen der Insel "San Martin" hinauf bis zu weiteren Aussichtsplattformen mit Sicht auf die wuchtigen Fälle. Im Ganzen verbringen wir etwa sechs Stunden in dieser wunderbaren und zauberhaften Natur, deren Schönheit und Mystik man kaum beschreiben kann. Mitten auf einem der Pfade treffen wir zufälligerweise ein älteres Ehepaar aus der Schweiz. Sie sind gerade eben von einer Exkursion in die Antarktis zurückgekehrt und haben sich gleich in die Tropen gewagt. Zusammen mit ihnen spazieren wir über die bequemen Brücken und Wege des "Circuito superior", diskutieren über das Reisen und unsere gesammelten Erfahrungen und betrachten dabei bei Sonnenuntergangstimmung die wunderschönen Fälle aus der oberen Perspektive. Als es langsam Abend wird, fahren wir wieder mit dem Bus zurück ins Dorf. Ein wunderbarer, sehr eindrücklicher Tag runden wir heute mit einem feinem Essen mit Buffet ab.

Dienstag 31. Januar
Heute nehmen wir es ruhig. Wir nutzen den Tag für Recherchen über Brasilien, schreiben Reportes und schicken Karten und ein Packet mit den Foto-CD's in die Schweiz. Der Spaziergang durch das Dorf ist nicht sehr spannend. Einzig erwähnenswert sind die für nordargentinische Verhältnisse hohen Preise, die auf den Massentourismus rund um die Wasserfälle zurückzuführen sind.

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Puerto Iguazú - Foz do Iguaçu (Brasilien)

Mittwoch 1. Februar
Um 10.40 Uhr nehmen wir einen der öffentlichen Busse "Tres Fronteras", die regelmässig über die brasilianische Grenze nach "Foz do Iguaçu" fahren. Die Abfertigung am argentinischen Zoll läuft wie am Schnürchen und dauert gerade einmal 10 Minuten, bis alle ihren Stempel bekommen haben. Wir überqueren den "Rio Iguazu" und sind in Brasilien. Am brasilianischen Zoll hält der Bus nur an einer Haltestelle, um noch drei Passagiere mitzunehmen, aber es steigt niemand aus für die Immigration. So bleiben auch Marco und ich sitzen und vermuten, dass wir später noch einmal halten werden, um die Einreisestempel zu bekommen. Das war aber falsch gedacht, und wir werden darüber aufgeklärt, dass normalerweise nur Tagestouristen mit diesem Bus über die Grenze fahren und dafür keinen Stempel im Pass benötigen. Da wir zwei aber im Land bleiben wollen, haben wir nun ein kleineres Problem. Am Busterminal steigen wir aus und werden gleich von einem brasilianischen Alkoholiker angesprochen, der behauptet für ein Hotel zu arbeiten. Wir erklären ihm, dass wir für den Moment kein Hotel brauchen sondern ein Touristbüro suchen. Der Alki lässt nicht ab von uns, brabbelt etwas davon, dass er "English, Español, German and Deutsch" spricht und uns zum Touristinfo begleiten wird. Nun gut, wir folgen ihm und gelangen in einem noblen Hotel tatsächlich an eine Information. Dort erklären wir unser Problem mit den fehlenden brasilianischen Stempeln. Wir fragen den freundlichen und hilfsbereiten "Señor", ob es wohl möglich sei mit einem Taxi noch einmal an die Grenze zurück zu fahren, um dort die Einreiseformalitäten nachträglich zu erledigen. Der "Señor" findet dies eine gute Idee, ruft sogleich ein Taxi und erklärt dem Fahrer unser Anliegen. So werden wir endlich auch unseren selbsternannten, zugedröhnten und etwas aufdringlichen Guías los. Fünfzehn Minuten später sind wir am brasilianischen Zoll, füllen die Papiere aus und erhalten die wichtigen Stempel. Jetzt sind wir beruhigt und lassen uns vom Taxifahrer vor das "Hotel del Rey" fahren, wo wir für zwei Nächte zwar etwas teurer als budgetiert, aber dafür sehr komfortabel untergebracht sind. Die weiteren Berichte unserer Abenteuer in Brasilien sind im Reporte Brasilien zu erfahren.

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Buenos Aires

Freitag 3. März
Von "Tigre" aus (siehe Reporte Uruguay) fahren wir mit dem Transferbus in die riesige Hauptstadt von Argentinien. Der Feierabendverkehr verteilt sich recht gut auf der eindrücklichen 14-spurigen Autobahn, die quer durch die Aussenviertel über Brücken und am Meer entlang ins Mikrozentrum führt. An der grössten Strasse durch das Stadtzentrum von "Buenos Aires", der beeindruckenden "Avenida 9 de Julio", steigen wir gleich in der Nähe des bekannten "Obelisco" aus dem Bus und fahren mit dem Taxi geradewegs in die "Zona San Telmo". Nun sind wir wieder genau an derselben Stelle wie am 12. November des vergangenen Jahres, als unsere grosse Reise in Südamerika begann. Leider ist das "Hotel Bolivar", in dem wir das letzte Mal gewohnt haben, restlos ausgebucht, und wir müssen uns auf die Suche nach einer anderen Bleibe machen. Nach drei weiteren Absagen bekommen wir im einfachen Familien-Hotel "Brisas del Mar" gerade noch das letzte Zimmer.    Später erfahren wir, dass dieses Wochenende das jährlich statt findende Tangofestival in Buenos Aires zu Ende geht. Dies ist wohl auch der Grund, warum alle Hotels zum bersten voll sind. Den Abend verbringen wir im authentischen Viertel "San Telmo.

Samstag 4. März
Unser Hotel befindet sich in ausgezeichneter Lage, an einer  Strassenkreuzung in der "Zona San Telmo". Gleich über der Strasse gibt es ein Internet mit "Locutorio", und nebenan bietet ein Gemüsehändler sein frisches Obst und Gemüse an. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch eine Konditorei, wo man herrliche Backwaren und eine grosse Tasse Milchkaffee zum Frühstück bekommt, und gleich an der nächsten Ecke gibt es eine Wäscherei und ein "Parilla-Restaurant". Während dem Tag bleiben wir im Gebiet von "San Telmo". Wir spazieren durch die malerischen Gassen und breiten "Avenidas" und erleben dabei immer mal wieder ein "Déja-vue", da wir uns an einzelne Sehenswürdigkeiten erinnern. Allerdings sehen wir diese riesige Stadt mit den 14 Millionen Einwohnern heute mit ganz anderen Augen als damals vor vier Monaten. Da wir nun die südamerikanische Kultur und Lebensweise auf unserer Reise durch die verschiedenen Länder etwas kennen gelernt haben, können wir uns viel lockerer und freier in der Stadt bewegen. Auch unsere Spanischkenntnisse haben sich in dieser Zeit verbessert, und wir können uns mit den Einheimischen viel besser verständigen. Heute Abend spazieren wir in die Innenstadt und sind dabei beeindruckt von den vielen schön erleuchteten Gebäuden und Monumenten. Nun suchen wir die grosse Freiluft-"Milonga" des Tangofestivals, die sich laut eines Festführers an der Strassenkreuzung der "Diaonal Norte" und "Maipú" befindet. Eine "Milonga" ist ein festgelegter Platz auf der Strasse oder ein bestimmtes Restaurant, wo Live Tango-Musik gespielt wird und die Leute dazu tanzen. Hier sehen wir dann auch das erste Mal in "Buenos Aires", wo die Leute spontan auf der Strasse tanzen. Uns gefällt die Atmosphäre auf dieser grossen, von gewaltigen, barocken Gebäuden umgebenen "Avenida", wo die Tangomusik mit Livegesang zelebriert wird.

Sonntag 5. März
Heute morgen empfängt uns wunderbares, sonniges Wetter, und wir starten eine längere Fotowanderung durch drei Zonen der riesigen Stadt. Wir beginnen beim "Plaza Dorrego", wo jeden Sonntag ein Antiquitätenmarkt statt findet. Heute scheint irgendwie der Tag der Antiquitäten zu sein, denn auch die "Calle Defensa" mit ihren schönen Gebäuden ist heute verkehrsfrei, und auf der Strasse preisen diverse Trödel- Schmuck- und Antiquitätenhändler ihre Ware an. Für einen Spaziergang mit Fotosujets in dieser Zone "San Telmo" sind auch die Strassen "Calle Peru" und "Avenida Belgrano" sehr schön. Nachdem wir auch der "Iglesia Montserrat" und der "Basilica San Francisco" einen Fotobesuch abgestattet haben, schlendern wir entlang der "Calle Defensa" ins Stadtzentrum, in die "Zona San Nicolas". Am "Plaza de Mayo" treffen sich die beiden Diagonalstrassen Sur (Av. Julio A. Roca) und Norte (Av. Roque Saenz Peña), die quer zwischen den quadratisch angeordneten Strassen verlaufen und wo viele grossartige Gebäude aus barocker Zeit stehen. Hier befinden sich auch die "Catedral Metropolitana", der "Cabildo national" und die älteste Kirche der Stadt, die "Catedral San Ignacio". Bei unserem heutigen Spaziergang fällt uns auf, dass es sehr wenig Verkehr auf den Strassen hat. Die Leute scheinen alle zu Hause bei ihren Familien zu sein, denn selbst am "Plaza de Mayo" mit dem berühmten "Casa Rosada" hat es sehr wenig Touristen. Es herrscht eine entspannte und friedliche Atmosphäre in der ganzen Stadt.  Im modernen Zentrum der Stadt, an der beeindruckenden "Avenida 9 de Julio", steht auf dem "Plaza de la Republica" der "Obelisco", das eigentliche Wahrzeichen von "Buenos Aires". Anschliessend machen wir uns langsam wieder auf den Heimweg. An der "Calle Pellegrini", eine parallele Seitenstrasse der "Avenida 9 de Julio", finden wir das topmoderne, schön eingerichtete "Hotel Colon", eine Empfehlung für unsere Leser, die sich in "Buenos Aires" etwas luxuriöser verwöhnen lassen wollen. (Weitere Details sind im Guías Argentinien zu finden). Heute Abend reicht es Marco und mir, uns in der antik eingerichteten sehr gemütlichen und freundlichen "Bar Federal" verwöhnen zu lassen. Wir werden sogar noch von einem Tango-Trio beehrt, das ihre Kunst zum Besten bringt, ein perfekter Abschluss des heutigen Tages.

Montag 6. März
Wieder sendet die Sonne ihre wärmenden Strahlen von einem blauen, wolkenlosen Himmel hinunter nach "Buenos Aires". Trotzdem müssen wir heute einige Erledigungen tätigen und unsere Weiterreise für den Mittwoch planen. Wir fahren also erst einmal mit dem Stadtbus zur Busstation "Retiro". Hier erkundigen wir uns bei verschiedensten Busunternehmen über Fahrten nach "San Miguel de Tucumán" im Nord-Osten von Argentinien. Nach der Überprüfung mehrer Angebote kaufen wir für die Nachtfahrt am  Mittwoch zwei Tickets beim Unternehmen "Flechabus". Nachdem dies erledigt ist, spazieren wir über die Fussgängerstrassen "Calle Florida" und "Calle Lavalle" zurück in Richtung "San Telmo". Die Floridafussgängergasse ist sehr berühmt und bekannt. Uns ist sie aber zu kommerziell mit ihren exklusiven teuren Geschäften und Boutiquen. Die "Calle Lavalle" hingegen bietet nebst Einkaufsmöglichkeiten viele Kinos, Bars und Restaurants und ist die belebtere und reizvollere Fussgängerzone mit mehr Abwechslung. Jetzt ist es doch schon wieder spät geworden, und wir fahren mit dem Bus zurück ins Hotel.

Dienstag 7. März
Herrlicher Sonnenschein empfängt uns auch heute wieder. Nach den vielen Regentagen, die wir in der letzten Zeit erlebt haben, ist das immer wieder ein Highlight für uns. Natürlich nutzen wir dieses Wetterhoch und spazieren auch heute noch einmal durch die Stadt. Uns fällt wieder einmal auf, wie viel Abfall auf den Strassen herumliegt. Hier in "Buenos Aires" scheint man keine Mülltonnen zu kennen, denn jeder stellt den Abfall einfach auf die Trottoirs. Vor allem in der Zone "San Telmo" sind die Strassenkreuzungen teilweise mit Abfallbergen überhäuft, dass man als Fussgänger auf die Strasse ausweichen muss. Dies haben wir in anderen Städten nie so krass erlebt wie hier in der Hauptstadt von Argentinien. Um 17.00 Uhr sind wir im "Café-Restaurant Aconcagua" mit Nadia verabredet. Dass wir Nadia kennen, hat einen ganz besonderen Grund. Als wir damals in "Asuncion" (Paraguay) abgereist sind, habe ich den kleinen Glückstiger im Hotel vergessen. Glücklicherweise konnten wir einen E-MailContacto zu Celeste, einer reizenden Rezeptionistin vom  "Hotel Las Margaritas", aufbauen, die den "Tigresito" zu ihrer Kollegin Nadia nach "Buenos Aires" geschickt hat. Da wir Nadia nur vom Internet her kennen, haben wir ihr ein Foto von uns geschickt. Deshalb erkennt sie uns auch auf Anhieb, als sie mit ihrem Freund Mariano ins Café kommt, um uns unser "Peluche" = Plüschtierchen unversehrt zu überreichen. Nadia hat Tourismus studiert und arbeitete bis vor kurzem auch im Hotel "Las Margaritas" in "Asuncion". Seit zwei Wochen ist sie nun in Buenos Aires, um sich hier in der Touristikbranche eine Arbeit zu suchen. Mariano studiert im dritten Jahr Jura an der Universität in Buenos Aires. Für heute Abend verabreden wir uns noch einmal mit Nadia und Mariano. Mariano wohnt im "Barrio Recoleta". Da Marco und ich noch ein paar überflüssige Sachen bei ihm zurücklassen dürfen, lernen wir noch einen uns unbekannten Stadtkreis von "Buenos Aires" kennen. In einer "Parillada" geniessen wir einen wunderbaren Abend mit den zwei Argentiniern. Meine Schusseligkeit hatte schlussendlich doch noch sein Gutes, wir haben drei sehr nette Menschen kennen gelernt, mit denen wir den Contacto hoffentlich behalten können.

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Buenos Aires - San Miguel de Tucuman

Mittwoch 8. März
Rucksäcke packen, aufräumen und auschecken stehen heute morgen auf unserem Programm, denn am Abend geht unsere Reise weiter nach "San Miguel de Tucuman". Netterweise dürfen wir unser Gepäck über den Tag im Hotel lassen. Da wir bis um 18.00 Uhr Zeit haben, fahren wir mit dem Bus in die "Zona Constitucion". Hier gibt es einen gleichnamigen Platz, eine Kathedrale und ein Bahnhof für Vorortszüge, der tatsächlich noch in Betrieb ist. In diesem Teil der Stadt geht das Leben irgendwie ganz anders ab, als im Stadtzentrum und in der "Zona San Telmo", die halt  schon sehr touristisch sind. In diesem Stadtkreis verirrt sich kaum ein Fremder, und das Ambiente ist ungefähr so, wie wir es von "Jujuy" im Norden Argentiniens kennen. Die Marktstände reihen sich auf der Strasse, und die Leute sind hier weniger in Eile. An den Blumenständen wird darauf aufmerksam gemacht, dass heute der "Dia de la Mujer", der Weltfrauentag gefeiert wird. Ausser einer Demonstration, die beim "Casa Rosada" statt findet, ist es aber ein Tag wie jeder andere. Um 16.30 Uhr holen wir unser Gepäck ab und lassen uns mit dem Bus durch den Abendverkehr zum "Retiro" fahren. Pünktlich um 18.10 trifft der "Flechabus" nach "Tucuman" ein, und wir richten uns in den breiten, etwas teureren Sesseln bequem ein. Der Service an Bord ist umwerfend! Es liegen Decken und Kissen für die Nacht bereit, und wir werden von der Stewardesse immer wieder kulinarisch verwöhnt. Zum Abendessen gibt es sogar Rot- oder Weisswein nach Wahl, und als Bettmümpfeli serviert sie uns Whisky oder Champagner! "Cama Ejecutive" mit "Flechabus" ist echt zu empfehlen. Auch die Klimaanlage ist so eingestellt, dass man weder schwitzt noch sich die Ohren abfriert, und das WC ist eines der saubersten, das ich je in einem Bus angetroffen habe.

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San Miguel de Tucuman

Donnerstag 9. März
Wir erleben eine angenehme und ruhige Nachtbusfahrt und werden von der Stewardesse um 07.00 Uhr mit Kaffee und Frühstück geweckt. Etwa eine Stunde später erreichen wir den Busterminal von "San Miguel de Tucuman". Mit dem Taxi fahren wir ins Stadtzentrum zum "Plaza Independencia", wo wir zufälligerweise gleich ein Touristenbüro finden. Hier lassen wir uns von der hilfsbereiten, freundlichen Dame mit einer Stadtkarte und haufenweise Informationen über die Stadt und die Provinz "Tucuman" eindecken. Danach spazieren wir zum "Hostal La Posta del Viajero", das wir über das Internet recherchiert haben. Wir bekommen in dem sehr freundlichen Hostal für zwei Nächte ein einfaches, ruhiges Zweierzimmer. Leider beginnt es am Nachmittag heftig zu regnen, und wir müssen den ersten Stadtrundgang tropf nass und mit einem spontanen Schirmkauf an der Kreuzung beenden. Gegen Abend hört der Regen auf und wir wagen es noch mal auf einen Sprung in die nächtliche Stadt.

Freitag 10. März
Die ganze Nacht regnet es heftig, und auch am Morgen ist es immer noch ziemlich feucht. Gegen Mittag hört es zum Glück doch noch auf zu regnen, und wir nehmen diese Chance wahr und gehen zum Busterminal, um uns nach Fahrten zum "Lago Celestino Celsi" in "El Cadillal" zu erkundigen. Die charmante Mitarbeiterin des Busunternehmen "San Antonio de Calalao" bestätigt uns die Information des Touristenbüros, dass um 13.30 Uhr ein Bus fährt. Da wir die Tickets beim Buschauffeur kaufen müssen, setzen wir uns auf eine Bank und warten auf den Bus. Aber auch nach Dreiviertelstunden des Wartens taucht kein Bus mit der Destination "El Cadillal" auf. Wir haben keine Lust noch länger herumzusitzen und entscheiden uns spontan mit einem der vielen Vorortsbusse nach "Tafi Viejo" zu fahren. An einer Haltestelle, etwas ausserhalb des Dorfes "Tafi viejo", öffnet der Chauffeur von innen her die Kühlerhaube des Busse. Kaum ist die Luke offen, spritzt ihm heisses Wasser und Dampf entgegen. Ganz locker holt der Fahrer aus einem Fach oberhalb der Frontscheibe drei Pet-Flaschen kaltes Wasser heraus und füllt den Kühler damit auf. Anscheinend passiert dies des Öfteren, denn beim nächsten Halt beim Friedhof im Dorfzentrum füllt er die nun leeren Flaschen für die nächste Kühlerüberhitzung wieder auf. Na ja, lange fährt der Bus wohl nicht mehr. Für den Moment reicht uns dieses Abenteuer, und da wir eh schon ziemlich im Dorfzentrum sind, steigen wir hier aus und gehen das letzte Stück zu Fuss. "Tafi viejo" ist ein ruhiges Dorf im Zentrum der Provinz "Tucumán". Ausser einem alten, stillgelegten Bahnhof gibt es hier nicht viel Sehenswertes für Touristen. Aber genau das ist es eigentlich, was Marco und mir gefällt. Hier bekommt man wirklich mit, wie die Einheimischen leben. Die Menschen in dieser Ecke Argentiniens wohnen sehr bescheiden, was man auch den allgemein sehr tiefen Preisen anmerkt. Die grösste Einnahmequelle stammt von der Agrarwirtschaft, vor allem vom Anbau von Zitrusfrüchten. Angeblich sollen in dieser Provinz die ältesten Zitrusplantagen von ganz Argentinien sein. Ausserdem werden in der ganzen Provinz vor allem auch Zuckerrohr und Tabak angebaut. Später lernen wir in einem Café einen Einheimischen mit italienischen Wurzeln kennen. Er erzählt uns ein bisschen etwas über das Dorf und die Umgebung. Ganz in der Nähe gibt es anscheinend den "Parque Alpa Puyo" mit wunderbarer Aussicht auf die Region. Etwa um 16.30 Uhr fahren wir aber wieder zurück in die Stadt, wo wir noch durch die belebte Fussgängerzone und zum wunderschönen "Plaza Independencia" im Stadtzentrum spazieren. Rund um den Platz befinden sich auch die meisten Sehenswürdigkeiten, wie das "Casa de Gobierno", die "Iglesia Catedral", sowie diverse kulturelle und historische Museen. Zurück im freundlichen Hostal nutzen wir das frei zugängliche Internet, um unsere Portadapage wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Am Abend spazieren wir noch einmal zum gepflegten, sauberen "Plaza Independencia". Auf diesen Platz scheint man hier sehr stolz zu sein, denn es ist immer jemand mit einem Besen oder einer Gartenschere unterwegs, und die Polizei sorgt dafür, dass kein Pöbel die Passanten belästigt. In der Nacht ist die "Iglesia Cathedral, das "Casa Gobierno" und einige andere historische Gebäude wunderschön erleuchtet. Um 22.00 Uhr sind die Pforten der Kathedrale noch offen, und als wir hinein gehen wollen, sehen wir zu unserer Überraschung, dass gerade eine Hochzeit statt findet. Später im Hostal machen wir noch Bekanntschaft mit einem argentinischen Schauspieler aus Salta und diskutieren bis tief in die Nacht über Gott und die Welt.

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San Miguel de Tucuman - Tafi del Valle

Samstag 11. März
Zum Glück regnet es heute einmal nicht, als wir um 11.30 Uhr das Hostal verlassen, und wir können zu Fuss zum Busterminal gehen. Bei der Gepäckaufbewahrung stellen wir unsere Rucksäcke ein, denn wir wollen heute mit dem Bus zuerst auf den Aussichtspunkt "San Javier" mit der bekannten Christusstatue fahren. Der Bus, der um 12.00 fährt, ist schon recht voll, und wir müssen die 1 1/2 Stunden-Fahrt im Stehen verbringen. Von "Tucumán's" Nachbarstättchen "Yerbas Buenas" aus beginnt die Steigung, und der schon ziemlich in die Jahre gekommene Bus ächzt die Kurven hinauf. Trotz des etwas unbequemen Stehplatzes können wir immer wieder einen Blick auf die wunderbare Aussicht hinunter nach "Tucumán" erhaschen. Leider wird es, je höher hinauf wir kommen, immer nebliger. Als wir zu der Christusstatue und dem eigentlichen Aussichtspunkt gelangen, ist alles so im Nebel verhüllt, dass wir einfach sitzen bleiben. Ausserdem gibt es hier auch kein Café oder Restaurant, wo wir auf den nächsten Bus zurück in die Stadt hätten warten können. Etwas weiter unten, mitten in der Natur, gibt es dann noch einmal einen Halt, und der Fahrer klärt uns auf, dass sich hier die kleinen Wasserfälle im "Parque de la Sierra" befinden. Das ist ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, dass wir nun auszusteigen haben, denn wir haben unsere Tickets schliesslich nur bis "San Javier" gelöst. Ich frage den Fahrer klugerweise noch nach dem nächsten Bus zurück in die Stadt. Also nichts wie auf in den Wald und auf die Suche nach dem Wasserfall. Wir wandern durch wunderschöne, bewaldete Natur, müssen ab und zu ein Flusslauf überqueren und werden von winzigen, bunten Schmetterlingen begleitet. Da wir unbedingt den Zwei-Uhr-Bus zurück in die Stadt noch erwischen wollen, und der Wasserfall einfach nicht zu sehen oder zu hören ist, kehren wir vorzeitig wieder um. Der Bus kommt aber dann doch erst um 14.20 Uhr, und es ärgert uns ein wenig, dass wir nicht doch noch bis zum Wasserfall gewandert sind. Dafür sitzen wir nun im Bus, und wir fahren durch den dicken Nebel zurück und kommen um 15.45 Uhr am Busterminal von "Tucumán" an. Unsere Planung geht wieder einmal voll auf, und wir bekommen tatsächlich noch zwei Tickets für die Fahrt um 16.00 Uhr nach "Tafi del Valle"  mit dem Unternehmen "Aconquija". Das "Valle de Tafi" liegt in der Region "Valles Calchaquies". Diese Region besteht aus einigen Tälern, wie zum Beispiel das "Valle de Lerma" (siehe Reporte Salta) und eben dem "Valle de Tafi". Im Flachland werden vor allem Zuckerrohr und Zitronen angebaut. Anschliessend führt der schmale, steile Weg durch das dicht bewaldete, hügelige Urwaldgebiet "Yungas" mit den speziellen, mit Schlingpflanzen umrankten Bäumen. Oberhalb der Waldgrenze kommen wir an "El Mollar" vorbei mit dem Stausee "Dique la Angostura". Im "Parque de los Menhires", der in der Nähe von "El Mollar" liegt, sind etwa 2000 Jahre alte Steinskulpturen aus der Inkazeit zu bewundern. Leider werden die Wolken am Himmel immer dunkler und dichter, und bald beginnt es auch wie verrückt zu regnen. Auch als wir um ca 19.00 Uhr in "Tafi" aus dem Bus steigen, ergiesst sich ein heftiger, unaufhörlicher Regenguss über uns. Der Weg ins Dorf ist zum Glück nicht all zu weit. Bei einem Restaurant hilft uns der nette Wirt mit ein paar Tipps, eine günstige Unterkunft zu finden. Trotz den Regenschützen und dem Schirm kommen wir tropfnass beim "Residencial El Valle" an. Für 26 Pesos bekommen wir für diese Nacht ein trockenes, sauberes Zimmer. Nachdem auch wir wieder trocken sind, gehen wir noch einmal in den Regen hinaus und recherchieren im Internet die Wetterlage der Region. Die Prognosen sehen nicht so rosig aus, und wir entscheiden uns morgen nach "Santa Maria" in der Provinz "Catamarca" weiterzureisen. Auch statten wir dem Touristenbüro noch einen Besuch ab und bekommen prompt einen Hoteltipp für "Santa Maria". Nach getaner Arbeit essen wir in der "Parilla" des netten Wirtes, der uns heute geholfen hat, auf offenem Feuer gebratenes "Gabrita". "Gabrita", eine Spezialität im Norden Argentiniens, ist Ziegenfleisch, das laut Speisekarte cholesterinfrei sein soll.

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Tafi del Valle - Santa Maria

Sonntag 12. März
Um 10.00 Uhr verabschieden wir uns von der netten Vermieterin in der "Hospedaje El Valle". Bis 12.30 Uhr haben wir noch etwas Zeit das Dorf zu besichtigen. Nach einem kurzen Morgenschauer scheint jetzt sogar die Sonne, und wir können auch noch ein paar Fotos von dem hübschen Dorf machen. Bevor wir zum Busterminal gehen, kaufen wir noch einen kleinen, runden, traditionellen Hartkäse, eine Spezialität des Tales, die noch von den Jesuiten stammt. Jedes Jahr im Februar findet hier in "Tafi" auch das nationale Käsefest statt, das wir leider verpasst haben. Die Reise mit dem Bus durch das Tafi-Tal führt uns über den 3042 Meter hohen Pass "Infiernillo", und wir werden von wunderbarem Sonnenschein begleitet. Die Gegend hier erinnert uns ein bisschen an die Alpenregionen der Schweiz. In der hügeligen, mit Gras bewachsenen und von Bergen umgebenen Gegend findet man Kuh-, Pferde- und Schafherden, die in dieser abgeschiedenen Natur friedlich vor sich hin grasen. Auf der anderen Seite des Passes ändert sich die Natur ziemlich heftig. Die steile, zum Teil etwas mitgenommene Strasse führt uns durch ein steil abfallendes und felsiges Gebiet des "Valle de Yokavil". Hier wachsen vor allem die eindrücklichen und  riesig grossen Kandelaber-Kakteen, die wir in etwas bescheidener Form vom "Valle de Lerma" von Salta her kennen. Unten im Tal befindet sich inmitten dieser Kakteenlandschaft das Dorf "Amaicha". Dieser kleine, ruhige Ort soll mit 360 Sonnentagen eines der besten Klimas der Welt besitzen. Nach einer weiteren halben Stunde kommen wir dann bereits in "Santa Maria" an und befinden uns nun in der Provinz "Catamarca". Vom Terminal aus spazieren wir durch das ruhige, lang gezogene Städtchen ins Zentrum, zum "Plaza Gral. Belgrano". Hier finden wir eine Touristeninformation, wo wir uns nach dem empfohlenen Hotel und anderen Unterkunftsmöglichkeiten erkundigen. Das Hotel "Amancay" hat leider geschlossen. Wir finden aber einige Häuserblöcke weiter im "Hotel de Turismo" ein hübsches, ruhiges Zimmer mit Kabelfernsehen für zwei Nächte. Während unserer heutigen Siesta, sehen wir im TV eine Livesendung über den langsam einstürzenden Tunnel des gewaltigen Gletschers "Perito Moreno". Für uns ist dies doppelt faszinierend anzusehen, denn als wir den Gletscher im Dezember besucht haben, ist dieser mächtige Eistunnel noch gar nicht vorhanden gewesen.

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Santa Maria

Montag 13. März
Nach einem einfachen Hotelfrühstück gehen wir als erstes in den Hinterhof, um unsere Kleider abzunehmen, die wir gestern per Handwäsche gewaschen haben. Die äusserst nette Dame an der Rezeption hat die kleineren Kleidungsstücke sogar noch mit Wäscheklammern versehen. Später spazieren wir in die Stadt und melden uns in der Agentur "Tinkuy Kuna" für die Exkursion um 15.30 Uhr zu den Inkaruinen in "Quilmes" an. Danach machen wir noch einige Recherchen über unsere Weiterreise, was gar nicht so einfach ist. Wir merken, das wir hier auf dem Land sind, denn es gibt nur sehr wenige Busse in die nähere Umgebung, die nicht jeden Tag fahren. Im Touristeninfo am "Plaza Gral. Belgrano" finden wir dank verschiedenen Busfahrplänen und der Hilfe des netten Mitarbeiters zwei Möglichkeiten, wie wir morgen oder am Mittwoch von hier wieder weg kommen. Um 15.30 Uhr werden wir bereits vom Guías Luis und seinem Fahrer vor dem Reisebüro erwartet. Es ist tatsächlich so, dass wir wieder einmal in den Genuss einer Privatführung kommen. Als erstes fahren wir auf der Route 39 am "Cerro Pintado" vorbei, der wegen der verschiedenen Mineralien in verschiedenen Farben leuchtet, welche vor allem im Winter zu sehen sind. Zuoberst auf dem Gipfel des "Cerros" soll man eine wunderbare Aussicht auf das Tal haben. Danach geht die Fahrt auf der staubigen Naturstrasse der Route 40 weiter, mitten durch die trockene, mit Steppengras, vielen grossen Kakteen und wenigen Bäumen bewachsene Natur. Rechts sieht man zum Talgebirge "Cordilleros Calchaquies", wo man auch den Flusslauf des "Rio Santa Maria" erkennt. In der Nähe des Flusses ist die Vegetation in der ansonsten sehr trockenen Region üppiger, und das Grün bildet einen schönen Kontrast zu der ansonsten graubraunen und rötlichen Natur. Luis erklärt uns, dass hier nur zwischen Dezember und März ein wenig Regen fällt. Im trockenen Winter sollen die Temperaturen zum Teil bis auf -15 Grad absinken. Wegen den massiven Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter sind die meisten Häuser flach und mit speziellen Steinen gebaut, welche die Wohnräume isolieren. Bei "Fuerte Quemado", auf der linken Seite des Tales, erkennen wir die Hauptattraktion "La Ventanita", ein kleines Fensterchen im Felsen des Berggipfels, durch das einmal im Jahr die Sonne scheint. Ausserdem gibt es oben auf dem Gipfel auch ein kleines archäologisches Museum. Etwa eine halbe Stunde fahren wir auf der Schotterstrasse der Route 40. Neben der Fahrbahn, in der öden Natur sehen wir ein kleines wildes grau-braunes Meerschweinchen vorbeihuschen welches hier "Conejito" genannt wird. Danach kommen wir in das kleine, bescheidene Dörfchen "Quilmes", wo sich 5km weiter die bekannten Inkaruinen befinden. Diese archäologische Stätte befindet sich an einem steilen Hang und ist in viele treppenartige Terrassen aufgeteilt und mit kreisrunden Plätzen aus Steinmauern umgeben. Zusammen mit unserem Führer wandern wir nach dem Eingang zuerst auf dem grossen, runden Platz zu einem kleinen Steinhügel, auf den wir einen Kiesel legen und ein kleines Gebet in Inkasprache zu "Pachamama" = Mutter Erde sprechen, die uns auf unserer Reise beschützen soll. Die Ureinwohner von "Quilmes" benutzten für die Grundmauern ihrer Häuser entweder flache oder runde Steine, die sie aufeinander schichteten. Über diese Steinmauern konstruierten sie aus Sand, Wasser und Zweigen von speziellen Bäumen oder auch aus dem Holz der Kandelaberkakteen die Dächer. Auf einer Terrasse befinden sich mehrere solche runde Gebäude, welche den Lebensraum für etwa drei Familien bildete. Der Schlafraum wurde komplett mit einem Dach überdeckt, während der Arbeitsraum, der auch zum Kochen diente, nur halb zugedeckt wurde. Der grösste Platz nahm der unbedachte Gemeinschaftsraum ein, wo sich die verschiedenen Familien trafen. Die verschiedenen Wohnbauten wurden nach und nach in Stufen entlang des Hangs hinaufgebaut. Je weiter oben jemand wohnte, desto höher war sein Rang im Dorf. Der König wohnte somit zuoberst. Überall zwischen den Ruinen wachsen imposante und mächtige Kandelaberkakteen. Von den treppenartig angelegten Gärten, die früher auf der anderen Seite des Hügels waren, erkennt man leider fast nichts mehr. Während wir den schmalen Weg zum "Fortaleza Norte" entlang der Ruinen den Hügel hinaufwandern, erzählt uns Luis vieles über die Geschichte dieser Gegend und der Ureinwohner. Die ersten Ureinwohner in "Quilmes" waren nicht die Inkas sondern ältere Naturstämme, die 1480 nach Christus von den Inkas, die aus dem Norden einwanderten, vertrieben wurden. Die Geschichte der Urvölker im Norden Argentiniens und in der Region "Valles Calchaquíes" umfasst drei Epochen, die Frühe Epoche, die mittlere Epoche und die späte Epoche. Bevor die Spanier 1666 das Tal eroberten, erlebte das Gebiet der "Valles Calchaquíes" schon einmal drei Kriege. Einer der letzten Kriegshelden der früheren Epoche war der "General Juan Calchaquí", nach dem auch die Region der Täler hier benannt ist. Als dann die Spanier in das Gebiet einfielen, flüchteten die Inkas nach "Buenos Aires" und gründeten den Vorort "Quilmes", der noch heute existiert. Die Ausgrabungen und ursprünglichen Ruinen von "Quilmes" stammen aus der späten Epoche, die 850 nach Christus begann. Die Inkas, die hier zu letzt lebten, waren grosse Beobachter. Zum Beispiel haben sie verschieden grosse Löcher in den Felsen geschliffen, die sie mit Wasser füllten, um am Abend spiegelverkehrt die Sternbilder und den Mond zu beobachteten. Auch ihre Zeichensprache beruht auf Beobachtung in der Natur und stammt von verschiedenen Naturgöttern wie der "Dios de la Luna", der "Dios del Sol" oder "Pachamama", die Erdgöttin. Die Inkas kannten auch die Herstellung von Metall. Vom höchsten Punkt des "Fortaleza Norte" aus geniessen wir die Aussicht auf die Ruinen und das Tal. Wir ruhen uns noch eine Weile aus, bevor wir hinunterwandern bis zu der Abzweigung, wo ein zweiter Weg zum "Fortaleza Sur" führt. Wir wandern nochmals einen steilen, steinigen Weg hinauf bis zum nächsten Aussichtspunkt. Von hier aus zeigt uns Luis einen Felsen, hinter dem sich das "Empresa Incaina" befinden soll. Wir glauben zu verstehen, dass es sich dabei um eine Staumauer aus früherer Zeit handelt. Auf dem Weg zurück, Luis erzählt gerade etwas über die Inkakultur, sehen wir plötzlich ein schwarzes Etwas vor uns, das sich bewegt. Und tatsächlich es ist eine Vogelspinne! Sie kehrt uns zum Glück den Rücken zu, und wir haben genügend Abstand zu dem pelzigen Achtbeiner, der gemütlich unseren Weg kreuzt. Obwohl es Marco und mir ziemlich mulmig zu Mute ist, können wir es nicht lassen, ein Foto von der Spinne zu machen. Wieder heil unten angekommen machen wir noch einen Rundgang durch das Museum, wo Ausgrabungen der späten Epoche ausgestellt sind. Ausserdem befindet sich gleich nebenan ein riesiger Souvenirladen mit wunderschönen handgefertigten Andenken. Auch dürfen wir das im Inkastil erbaute Hotel "Ruinas de Quilmes" besichtigen, dessen hohe und grosse Räume mit Inkaskulpturen und Wandteppichen geschmückt ist. Allerdings ist die Übernachtung in diesem exklusiven Hotel nicht ganz billig. Danach geht die Fahrt weiter nach "Amaicha", einem kleinen Dorf, das mit seinen 360 Sonnentagen im Jahr anscheinend eines der besten Klima auf der Welt hat. Bekannt ist aber vor allem das Museum "Pachamama", das eigentlich mehr ein wunderschöner Themengarten ist. In einem Teil des schön gestalteten Steingebäudes sind auf neuzeitlichen Bildern uralte Zeichen der Ureinwohner ausgestellt. In einem anderen Teil ist ein Relief der Region "Valles Calchaquies" mit den verschiedenen Tälern und den Bergketten zu sehen. In diesem Teil des Museums sind auch verschiedene Steine mit allen Mineralienvorkommen der Gebirge ausgestellt und erklärt. Ausserdem hat man auch die Möglichkeit durch einen nach gebauten Tunnel zu gehen, um einen Eindruck vom Minenabbau zu bekommen. Und nicht zuletzt ist natürlich ein grosser Teil des Museums den Ureinwohnern gewidmet. Hier erklärt uns der Museumsführer, wie die Leute in den verschiedenen Epochen gelebt, und von was sie sich ernährt haben. Die Leute lebten hauptsächlich vom Ackerbau und ernährten sich von Mais, "Quinoa", einem uns unbekannten schwarzkörnigen Getreide, Maniok und einer kleinen ursprünglichen Kartoffelart. Aus den meisten Getreidearten und aus einer süsslichen Baumfrucht mahlten die Ureinwohner mit Steinmörsern Mehl und backten daraus Brot. Auch kannten sie die Töpferkunst und fertigten einfache Werkzeuge wie Axt oder Messer aus Stein an. Viele der grossen Keramiktöpfe, die im Museum ausgestellt sind, dienten als Urnen für die sterblichen Überreste der Toten. Wenn jemand starb, wurde er in einer Erdgrube mit Wasser, Essen, Werkzeug und einer Decke begraben. Nach einigen Wochen, als der Körper geschrumpft war, legte man die körperlichen Überreste in Embryostellung in ein Tongefäss und legte auch die Decke, Werkzeuge und das Essen hinein. Da man keine Friedhöfe kannte, stellten die Leute die mit Zeichen verzierten Tonurnen vor ihren Häusern auf. Nach diesen vielen Eindrücken und Informationen sind wir recht müde und froh, als wir den Heimweg nach "Santa Maria" antreten. Auf der Fahrt beobachten wir auf einmal den hinter den Bergen aufsteigenden Vollmond. Diese heutige Exkursion war wirklich äusserst interessant und informativ, und wir haben einen kleinen Eindruck von der Urbevölkerung und der Geschichte des Tales bekommen. Heute Abend widmen wir uns noch den Wetterrecherchen im Internet, damit wir unsere Ruta de viaje für Morgen definitiv festlegen können. Es ist schon verrückt, rund um das Gebiet von Santa Maria ist Regen angesagt. Hier scheint eine trockene sonnige Insel zu sein, unglaublich. Da es ziemlich schwierig ist mit öffentlichen Bussen in das Puno-Hochland zu gelangen, entscheiden wir uns trotz Regenvorhersage morgen nach "Cafayate" zu fahren. Von dort aus werden wir uns nach Möglichkeiten erkundigen, wie wir weiter ins Hochland und nach "San Antonio de los Cobres" kommen. Am späteren Abend gönnen wir uns in unserem Hotelzimmer noch ein "Norte"-Bier und wollen dazu ein Stück von unserem Käse aus "Tafi" essen. Diese Idee mit dem Käse hatten aber schon andere, und wir stellen mit Entsetzen fest, dass der ganze Käse voll von Ameisen ist. Es ist keine Rettung mehr möglich, und wir müssen bedauerlicherweise den ganzen Käse wegwerfen.

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Santa Maria - Cafayate

Dienstag 14. März
Um 10.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Busbahnhof, wo um 11.00 Uhr der "Aconquija-Bus" nach "Cafayate" losfährt. Wir erleben eine sonnige, ruhige Fahrt und auch, als wir drei Stunden später in "Cafayate" eintreffen, werden wir, entgegen der Wetterprognosen, von Sonnenschein begrüsst. Gleich an der Bushaltestelle werden wir von einer jungen Lady angesprochen, die uns ihr Hostal vermitteln will. Marco und ich haben aber eigentlich nicht die Absicht hier in diesem vom Tourismus geprägten Dorf zu bleiben, sondern wollen eine Möglichkeit suchen, nach "San Antonio de los Cobres", das 3800m hoch gelegene Dorf in der Puno-Hochebene, zu gelangen. Die "Chica" meint aber, dass es von hier aus keine Möglichkeiten bis "San Antonio" gibt sondern nur Exkursionen bis nach "Cachi". Nein, auch keine öffentlichen Busse fahren da hin. Wir müssen somit über "Salta" reisen und uns dort einer Exkursion nach "San Antonio" anschliessen. Marco und ich wollen selber noch ein paar Recherchen über unsere geplante Reise machen und entschliessen uns eine Nacht im "Hostal El Balcon" zu verbringen. Am späteren Nachmittag trinken wir in verschiedenen Restaurants einen Kaffee und fragen die Leute nach privaten Fahrern, die uns von hier aus zu unserem Ziel bringen könnten. Wir werden aber immer wieder an die Touristeninfos weiter verwiesen, die uns aber nur ihre teuren Exkursionen andrehen wollen. Schliesslich erfahren wir in einem Café von einem sehr freundlichen Einheimischen, dass es von "Salta" aus öffentliche Busse nach "San Antonio de los Cobres" gibt. Wir werden also morgen mit dem "El Indio-Bus" nach "Salta" fahren und uns da noch einmal schlau machen.

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Cafayate - Salta - San Antonio de los Cobres

Mittwoch 15. März
Pünktlich um 08.30 Uhr finden wir uns bei der Bushaltestelle vom "El Indio" ein. Um 09.00 Uhr fährt ein etwas in die Jahre gekommenes Gefährt aus der Garage, das uns nach "Salta" bringen soll. Wir stellen uns brav in die Warteschlange vor dem Bus und bezahlen den Fahrpreis beim Einsteigen, wo wir auch unseren Sitzplatz zugewiesen bekommen. Die Fahrt bringt uns auf der etwa dreistündigen Reise noch einmal durch die wunderschöne "Quebrada de las Conchas"  und das "Valle de Lerma" mit all den farbigen Felsenformationen und den Kandelaberkakteen. (siehe auch Reporte Salta). Am Terminal in "Salta" erkundigen wir uns am Infoschalter nach der Möglichkeit, mit dem Bus in das Hochland nach "San Antonio de los Cobres" zu fahren. Der Mann hinter dem Schalter zückt sogleich einen Plan und schreibt uns die Fahrzeiten für die Hin- und Rückfahrt auf. Um 15.00 Uhr finden wir uns auf der Plattform 28 ein, wo der Bus "Quebradeño" losfährt und stellen uns in die Warteschlange. Wir kommen uns hier ziemlich exotisch vor, denn praktisch alle Leute sind Einheimische, die mit der braunen Haut und den markanten Indiogesichtern genau so gut aus Bolivien stammen könnten. Etwas später geht dann der Ticketverkäufer durch die Reihe, kassiert den Fahrpreis und verteilt die Sitzplatznummern. Das ganze Gepäck, ausser ein paar Pakete, die auf das Busdach gehievt werden, nimmt man in den Bus. Zum Glück haben wir nur unsere beiden bescheidenen Rucksäcke dabei, so können wir noch einigermassen bequem in den engen Stühlen sitzen. Als der Bus losfährt, ist er schon ziemlich gut besetzt. Eine junge Frau hat sogar nur ein Ticket gelöst und muss sich nun den einen Platz mit ihren beiden Kindern teilen, wobei das ältere der beiden Mädchen zwischen den Sesseln auf dem Gepäck sitzen muss. Unterwegs steigen immer noch mehr Leute zu, und der Gang des Busses füllt sich allmählich mit stehenden Fahrgästen. Wir beobachten, dass einige Leute auf den Bus warten, sich ein Ticket für eine Fahrt in den nächsten Tagen kaufen, um sich so einen Sitzplatz zu reservieren. Den ersten grösseren Halt erleben wir in "Quijana", wo noch einmal Leute zusteigen. Einige Passagiere steigen hier aus, um sich etwas zu essen und zu trinken zu kaufen. Einheimische Frauen preisen auch diverse Getränke, Esswaren und andere Sachen zum Kauf direkt durch das Busfenster an. Ich habe nicht daran gedacht Kokablätter, als Massnahme für die Höhe, aus dem Medizinbeutel im Rucksack zu nehmen und kaufe einer Frau ein Päckchen Kokablätter für einen Peso durch das Busfenster ab. Jetzt sind wir gerüstet für unser neues Abenteuer, das nun mit dem Weg auf den Pass hinauf beginnt. Die steinige Schotterstrasse, die uns Kurve um Kurve höher hinaufbringt, ist nicht gerade in allerbestem Zustand, und auf der einen Seite des schmalen, einspurigen Weges fällt der Hang steil ab und tief in das Tal hinunter, und auf der anderen Seite ist der rohe Felsen. Kriminell wird es aber, als der Bus in einer der schmalen und engen Kurven mit einem LKW mit Anhänger kreuzen muss! In diesem Moment schicken wir ein paar Stossgebete in den Himmel! Zum Glück regnet es nicht auch noch. Weiter geht die Fahrt durch diese eindrückliche mit hohen Kandelaberkakteen bewachsene Natur. Immer wieder kreuzen wir auf der Fahrt die Geleise der imposanten Eisenbahnlinie des im Moment stillgelegten "Tren a las Nubes", die über hohe Brücken und Tunnels das gleiche Tal entlang führt. Während der Fahrt kommen wir an kleinen Wohnsiedlungen vorbei, die aus ein paar einfachen, flachen Steinhäusern bestehen und zum Teil ohne Stromanschluss sind. Uns beeindruckt das bescheidene von Landwirtschaft und Ziegen- oder Schafhaltung geprägte Leben, dass die Leute hier draussen mitten in den Bergen führen. Der Bus macht bei diesen Siedlungen ab und zu einen Halt, hupt kräftigt und liefert einen Brief oder ein Päckchen ab. Einmal klemmt der Busbegleiter den Brief am Strassenrand unter einen Stein und winkt dem herbei eilenden Empfänger zu. Manchmal steigen auch Einheimische irgendwo mitten im Nirgendwo ein oder aus, und wir erkennen erst beim Weiterfahren, dass hinter einer Wegbiegung ein kleines, verstecktes Wohnhäuschen steht. Einige Höhenmeter weiter rumpelt es plötzlich nicht mehr so gewaltig, und wir stellen fest, dass wir nun auf einer tiptop ausgebauten, breiten Strasse weiterfahren. In dieser faszinierenden Natur der Hochebene, zwischen den gewaltigen braun-roten, mit Kakteen bewachsenen Felsen, begegnen wir sogar Pferden und Rindern. In dem etwas grösseren Dörfchen "Santa Rosa de Tastil" machen wir eine kurze WC-Pause, bevor der Bus dann noch einmal einige Höhenmeter aufwärts keucht. Jetzt können wir auch schon den einen oder anderen schneebedeckten Gipfel der Anden erkennen. Nach dem Dörfchen "Cuevas" endet die asphaltierte Strasse. Anschliessend gelangen wir auf die Passhöhe "Abra Blanca", die mit 4080m der höchste Punkt unserer heutigen Reise ist. Das Abendrot in der beginnenden Dämmerung stellt einen einmalig farbigen Kontrast zu den Felsen dar. Auf der Weiterfahrt können wir sogar noch den wunderbaren Mondaufgang des beinahe vollen Mondes zwischen den Berggipfeln beobachten. Danach wird es ziemlich schnell dunkel, und es kommt uns vor, als hört der Weg gar nicht mehr auf. Am Horizont erkennen wir dann aber irgendwann doch noch die ersten Lichter von "San Antonio de los Cobres". In der Nähe des Dorfzentrums steigen wir aus und finden mit Glück gleich ein Zimmer in der "Hospedaje El Palenque". In einem der vier Dorfrestaurants machen wir noch Bekanntschaft mit einer jungen, brasilianischen Schauspielerin und Autorin, mit der wir einen netten Abend verbringen.

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San Antonio de los Cobres

Donnerstag 16. März
Um 10.00 Uhr klopft es an unserer Zimmertüre, und die Hausmutter der "Hospedaje" bringt uns die versprochene Thermoskanne mit heissem Wasser und zwei Tassen, damit wir unseren Kaffee zubereiten können. Jetzt sind wir wach und bereit, das Dorf "San Antonio de los Cobres" kennen zu lernen. Draussen ist herrlich warmes, sonniges T-Shirt-Wetter und das auf 3800 Meter, unglaublich. "San Antonio" ist ein einfaches Dorf auf der "Puno-Hochebene" und ist einer der höchstgelegenen Orte in Argentinien. Die sehr freundlichen, kleingewachsenen Einheimischen haben allesamt typische indogene Gesichter und  viele Leute haben sehr schlechte Zähne. Je näher man der bolivianischen Grenze kommt desto mehr Leute sieht man mit einer aufgeblasenen linken Wange. Das ist nicht etwa wegen eventuellen Zahnschmerzen, sondern wegen den Coca- Blättern, die sie in die Backentasche schieben und den ganzen Tag zu kauen scheinen. Wir kommen uns vor, als wären wir hier schon in Bolivien. Ausserdem fällt uns auf, dass im Norden Argentiniens allgemein mehr alkoholische Getränke konsumiert werden, dafür weniger "Mate". In einem "Comedor" = Speiserestaurant fragen wir nach der Touristeninformation, denn wir wollen heute noch herausfinden, wie wir zu der bekannten Brücke "Viaducto La Polvorilla", dem höchsten Punkt des "Tren de las Nubes", gelangen können. Die Touristeninformation finden wir leider trotz der Beschreibung der freundlichen Dame nicht. Als wir dann gegen Mittag noch einmal gemütlich durch das Dorf mit den bescheidenen, flachen Steinhäusern schlendern, scheint gerade die Schule aus zu sein, denn uns begegnen viele Kinder, die uns fröhlich zuwinken. Einige von ihnen fragen uns nach einem Peso oder wollen ein "Caramelo" = Bonbon von uns haben. Da wir im Moment noch keine Naschereien bei uns haben, geben wir einem kleinen Mädchen, dass sich von uns fotografieren lässt, entgegen unserer Überzeugung ein 50 Centavo-Geldstück. Gleich danach kaufen wir an einem Kiosk eine Tüte Schleckstängel, um für alle Fälle gewappnet zu sein. In der Post, an der wir zufälligerweise vorbeikommen, fragen wir die Dame am Schalter nach einem Internetcafé. Anscheinend soll es gleich in der Nähe eines geben, aber wir finden auch das nicht. Wir fragen noch einmal zwei ältere, zahnlose Frauen auf der Strasse nach der Touristeninformation. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten zeigen sie nickend und lächelnd auf ein weisses, unangeschriebenes Haus, das aber leider geschlossen hat. Durch ein offenes Fenster erkennen wir jedoch einige Prospekte, die durchaus zu einer Touristeninfo passen könnten. Plötzlich hören wir ein Rufen hinter uns, und ein Mann kommt winkend auf uns zu. Es stellt sich heraus, dass er der Touristeninformierer ist. Von ihm erfahren wir, dass es "Remisen" = Sammeltaxis geben soll, die zum "Viaducto" fahren, und auch der "Movitrack", ein umgebauter Lastwagen, solche Touren anbietet. Er zeigt uns noch die Richtung, wo wir uns über diese beiden Varianten weiter informieren können, bevor er sich von uns verabschiedet. Vor dem Restaurant, wo wir gestern gegessen haben, steht ein "Movitrack", dem wir eine halbe Stunde zuvor auf der Strasse begegnet sind. Im Restaurant treffen wir tatsächlich die Mitarbeiter dieses Unternehmens und fragen nach der Möglichkeit mit ihnen zu der Brücke zu fahren. Leider fahren sie aber heute zu den Salinen und weiter nach "Jujuy". Später in der "Remiseria" erklärt man uns, dass ihr Fahrer nicht zugegen ist, und sie wissen nicht wann er zurückkommt. Wir sollen doch um 15.00 Uhr noch einmal vorbeikommen. Wieder zurück im Restaurant fragen wir ein paar Leute, ob es eine Möglichkeit gibt privat zu der Brücke zu fahren. Und tatsächlich, eine Frau kennt den Wirt des Restaurants, und der kennt wiederum jemanden, der solche Fahrten anbietet. Wir sollen uns doch wegen Zeit und dem Preis bei der Serviceangestellten melden, die uns zuvor bedient hat. Die Serviererin macht auf uns zwar einen etwas unkompetenten Eindruck, sie erklärt uns aber nach einer Weile, dass wir um 16.30 Uhr für 40 Pesos zur Brücke gefahren werden. Wir melden uns noch einmal in der "Remiseria", wo man aber noch nichts Neues weiss. Pünktlich um 16.30 Uhr sind wir im Restaurant und melden uns beim Personal wegen der verabredeten Fahrt. Einer der "Chicos" nickt und lächelt, als ich ihm sage, dass wir draussen warten werden. Und wir warten, warten und warten, aber kein Auto kommt und holt uns ab. Nach einer knappen halben Stunde fragen wir noch einmal nach, was nun mit der Fahrt zu der Brücke ist. Die Serviererin, die uns die Offerte gemacht hat, will aber plötzlich von nichts mehr wissen. Nach hartnäckigem Nachfragen erklärt uns eine zweite Dame, dass der Fahrer noch unterwegs ist, und es noch ungewiss ist, wann er zurückkommt, aber wir können ruhig hier warten. Nach einer weiteren halben Stunde heisst es dann aber, dass der Fahrer heute nicht mehr nach "San Antonio" zurückkommen werde. Na toll! Auch in der "Remiseria" gibt es für heute keine Möglichkeit mehr mit einem Auto zu der Brücke zu fahren, aber wir sollen uns doch noch in der Bäckerei an der nächsten Strassenecke melden. Gesagt getan, wir melden uns. Und tatsächlich treffen wir einen ehemaligen "Remisenfahrer" an, der ab und zu noch private Fahrten macht. Nach einigem Hin und Her erklärt er sich bereit, uns für 40 Pesos zum Viadukt hoch zu fahren. Phu, endlich geschafft! Eine halbe Stunde später, unser Chauffeur Wilfredo will unbedingt noch sein schon ziemlich altes, abgenutztes Auto waschen, fahren wir auf einer Naturstrasse durch die unglaublich fantastische Natur der Eisenbahnlinie entlang hinauf. Vom höchsten Punkt aus sehen wir eine Hügelkette, wo sich mit 4800m die höchste befahrbare Stelle in der Provinz "Salta" befindet. Von hier aus haben wir auch einen wunderbaren Panoramablick auf die zum Teil schneebedeckten Gipfel der Anden. Während der einstündigen Fahrt erzählt uns Wilfredo, dass früher, als der "Tren a las Nubes" noch gefahren ist, mehr Touristen nach "San Antonio de los Cobres" gekommen sind, und er auch mehr Aufträge hatte. Jetzt werden die meisten Exkursionen von "Salta" oder "Jujuy" aus organisiert und "San Antonio" werde von den meisten Touristen nur noch als Durchgangsstation genutzt. Das ist auch der Grund, dass es im Dorf nur noch drei "Hospedajes" gibt. Wilfredo erzählt auch ein bisschen von der Geschichte des Zuges und wir erfahren, dass es 48 Jahre gedauert hat, die Eisenbahnlinie des Wolkenzuges zu bauen. Damals ging die Linie bis zur Grenze nach Chile und wurde vor allem als Gütertransport für die Minenerzeugnisse wie  Kupfer, Gold, Silber und zum Teil auch Blei genutzt. Heute werden in diesem Gebiet immer noch Mineralien abgebaut, aber viele Arbeiten werden maschinell verrichtet und für den Gütertransport stehen grosse "Camiones" zur Verfügung. Dann endlich kommt die imposante Brücke zum Vorschein. Das 64m hohe und 224m lange "Viaducto La Polverilla" befindet sich auf bescheidenen 4200m. Wir erzählen Wilfredo, dass sich bei uns in der Schweiz auf dieser Höhe die höchsten schneebedeckten Alpengipfel befinden. Die Brücke ist auf vielen Bildern und Postkarten von Argentinien zu bewundern und gilt als ein Wahrzeichen dieses Landes. Nun haben auch wir die Gelegenheit dieses bauliche Wunderwerk live zu sehen. Den ganzen Aufwand, den wir heute betrieben haben, hat sich für uns nun tausendfach gelohnt. Nach der Fotosession fahren wir einen anderen, etwas holperigeren Weg, vorbei an einer Lamaherde, wieder zurück nach "San Antonio de los Cobres", wo wir von unserem sehr netten und liebenswerten Chauffeur Wilfredo direkt vor unsere "Hospedaje" gefahren werden. Unserer Hausmutter gibt uns später noch den Tipp, die Bustickets für die morgige Fahrt nach "Salta" noch heute im Dorf zu kaufen, damit wir sicher einen Sitzplatz haben. Wir gehen also gleich noch einmal los und können in einem kleinen Kleidergeschäft tatsächlich zwei Tickets nach "Salta" lösen. Etwas geschafft von diesem turbulenten und interessanten Tag gehen wir nach einem kleinen Abendessen frühzeitig schlafen.

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San Antonio de los Cobres - Salta - Jujuy

Freitag 17. März
Um 06.15 Uhr werden wir vom Wecker aus unseren warmen Betten getrieben. Etwas später kommt unsere Hausmutter im Pyjama, um uns zu ermahnen aufzustehen, damit wir den Bus nicht verpassen. Draussen ist es noch dunkel, sternenklar, aber auch ziemlich kalt, als wir vor der "Hospedaje" auf den Bus warten. 10 Minuten später steigen wir in denselben Bus mit dem gleichen Chauffeur wie vorgestern, als wir hierher gekommen sind. Langsam beginnt es auch zu dämmern, und auf dem Pass "Abra Blanca" erleben wir den Sonnenaufgang auf 4080 Meter Höhe. Wieder ist ein wunderbarer, strahlender Tag auf diesem faszinierenden Hochland angebrochen. Unterwegs steigen immer wieder ein paar Schulkinder ein, die zum nächst grösseren Dörfchen in die Schule müssen. Der Chauffeur hat hier also gleich auch noch die Funktion als Schulbusfahrer, und einige der Kinder begrüssen ihn auch mit "Buenos Dias Papá". Um 11.45 Uhr kommen wir in "Salta" an, die uns nach diesem Erlebnis wie eine moderne Grossstadt erscheint. Wir erkundigen uns am Infoschalter nach der Weiterfahrt bis "San Salvador de Jujuy". Es fahren zahlreiche Busse nach "Jujuy", und bereits eine Dreiviertelstunde später sitzen wir im Bus vom Unternehmen "Balut". Auf der Fahrt wird uns im bequemen, doppelstöckigen Bus sogar noch ein Film gezeigt, und so vergeht die etwa zweistündige Fahrt im Nu. Gleich in der Nähe des Busterminals von "Jujuy" finden wir die "Residencial San Salvador", wo wir uns bei der sehr netten Familie für die nächsten zwei Nächte ein Zimmer nehmen. Später spazieren wir in die lebendige, bunte Stadt und erkundigen uns nach Ausflugsmöglichkeiten in die Punaregion. Leider sind die geführten Exkursionen auch hier ziemlich teuer, und so entscheiden wir uns für morgen nur einen kleinen Ausflug mit dem öffentlichen Bus in das bekannte Dörfchen "Purmamarca" oder "Tilcara" zu machen. Den heutigen Tag beschliessen wir mit einem dunklen "Salta-Bier" in einem Einheimischen-Restaurant mit Livemusik. Zurück vor der geschlossenen Hoteltüre klingeln wir und warten einige Zeit, bis uns der Besitzer im Pyjama die Türe öffnet. Erst später merken wir, dass uns der Zimmerschlüssel fehlt. Also müssen wir nochmals scheu an die Schlafzimmertüre des Besitzers klopfen. Die Dame des Hauses, ebenfalls im Schlafgewand, öffnet ganz überrascht die Türe, hat aber nebenan auf einer Kommode unseren Schlüssel schon bereit gelegt. Na dann, gute Nacht.

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Jujuy

Samstag 18. März
Gegen Mittag gehen wir zum Busterminal und kaufen am "Ventanilla" des Busunternehmens "Purmamarca" zwei "Boletos" nach "Purmamarca". Der junge Ticketverkäufer mit Hemd und Krawatte ist zugleich auch unser Chauffeur, mit dem wir durch die "Quebrada Humahuaca" = Humahuaca-Schlucht fahren. Um 13.00 Uhr macht der Bus in "Volcán", einem kleinen Dörfchen, einen Halt. Beinahe alle Passagiere steigen aus, stellen sich in eine Schlange, holen sich was zu Essen und machen ein gemütliches Picknick. Diejenigen, die nicht aussteigen, holen ihre Sandwiches aus dem Gepäck und tafeln im Bus. Anscheinend ist um 13.00 Uhr die festgelegte Mittagessenszeit. Dieses Ritual dauert etwa eine halbe Stunde, bis der Bus wieder weiterfährt. "Purmamarca" ist ein kleines Dörfchen mitten in den Bergen der Region "Quebrada Humahuaca", welches vor allem wegen des "Cerro de los Siete Colores" bekannt ist. Der sieben-farbige Felsen ist einmalig auf der ganzen Welt und eine Wucht. Wir erklimmen einen kleinen Hügel und haben von hier aus einen wunderbaren Überblick auf die Bergregion, die leuchtenden, farbigen Felsen und auf das Dorf. Auf dem Hügel lernen wir drei sehr sympathische Jungs aus "Tucumán" kennen, die das Wochenende hier verbringen. Eine Stunde später klettern wir wieder hinunter, spazieren noch durch den Ort und am Hauptplatz vorbei. Wir begegnen einigen Souvenirshops, Strassenverkäufer und Restaurants. Der Ort ist ein viel besuchtes Touristenziel. Um 15.00 Uhr erwischen wir zufälligerweise gerade noch den Linienbus "El Vallisto" nach "Jujuy". Ansonsten hätten wir bis um 19.00 Uhr auf den nächsten Bus warten müssen. Die Fahrt dauert, diesmal ohne Pause, zwei Stunden, und wir können noch einmal die wunderschöne Landschaft der Schlucht geniessen.

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Jujuy - Humahuaca

Sonntag 19. März
Heute um 12.45 Uhr fahren wir mit Busunternehmen "El Quiaqueño" in Richtung "Humahuaca". Damit auch alle wissen, dass der Bus sehr neu ist und über ein DVD-Gerät verfügt, wird uns ein Film gezeigt. Allerdings wird dieser vom Busbegleiter sofort unterbrochen, als eine Sexszene gezeigt wird, und ein anderer Film wird eingeschoben. Allerdings funktioniert diese DVD nicht, und so wird halt das Gerät definitiv ausgeschaltet und dafür schöne, argentinische Popmusik gespielt. Ausserdem hat sich eh niemand für den TV interessiert, da die Natur draussen viel sehenswerter ist. Wir durchqueren auf der sehr rasanten Fahrt die "Quebrada Humahuaca" und das wunderschöne Tal "Valle Humahuaca". Laut "Encarta" wurde die Schlucht wegen ihrer ehemals wichtigen Bedeutung als Handelsroute und ihrer Vielzahl an Spuren früherer Besiedlung der Urvölker im Juli 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. In dieser Gegend finden wir die schönsten farbigen Gegensätze. Die farbigen, braunen, gelblichen und vielen brandroten Felsen, die Kandelaberkakteen und das grün des Grases und der Büsche bilden einen unbeschreiblichen Kontrast zu dem blauen Himmel mit den schönen weissen Wolkentürmen. In einem kleinen Dörfchen, in der Nähe des bekannten Ortes "Tilgara", findet anscheinend heute ein "Gauchofest" statt. Wir erkennen in Trachten gekleidete Frauen und Männer, die hoch zu Ross in einer Parade reiten. Deswegen muss auch der Buschauffeur die Geschwindigkeit des Busses auf Schritttempo reduzieren. Gleich danach drückt er aber wieder voll auf sein wahrscheinlich neues Gaspedal und blocht in halsbrecherischer Fahrt bis in das knapp 3000m hohe Dorf "Humahuaca" durch. Wir entscheiden uns eine Nacht hier zu bleiben und mieten im "Residencial Colonial" ein hübsches Zimmer mit TV. Wenn es möglich ist, besuchen wir morgen noch die zwei idyllischen Dörfchen "Iturbe" und "Iruya", bevor wir dann weiter nordwärts bis an die Grenze von Bolivien reisen. Am späteren Nachmittag, wir haben eben noch unsere von Hand gewaschenen Kleider auf die quer durch das Zimmer gespannte Schnur gehängt, machen wir einen Spaziergang in herrlichstem Sonnenschein durch das Dorf. Ein grosser Teil des von farbigen Felsen umgebenen Ortes "Humahuaca" liegt auf einer Anhöhe, die durch verschiedene Treppen, zum Beispiel vom Dorfplatz aus, zu erreichen ist. Auf dieser Anhöhe ist auch das Denkmal für die Kriege der Unabhängigkeit zu sehen. Eine Gruppe Kinder erklären uns in auswendig gelerntem Text die Geschichte dieses Monumentes und ihres Dorfes. Dafür wollen sie natürlich eine "Moneda" haben. Nun sind wir ja zum Glück mit "Caramelos" ausgestattet, und jeder bekommt einen Schleckstängel, an dem sie kurze Zeit später zufrieden lutschen. Das Dorf selber besteht aus vielen meist flachen, braunen Steinhäusern. Die Grundmauern und die Strassen sind teilweise noch aus der Kolonialzeit erhalten. Da heute Sonntag ist, wirkt das Dorf wie leergefegt, denn beinahe alle Geschäfte und Restaurants sind geschlossen, und wir begegnen daher nur sehr wenigen Leuten auf der Strasse. Am Abend, sobald die Sonne verschwindet, wird es in "Humahuaca" ziemlich kühl. Mit Pullover und Faserpelzjacke gehen wir später noch einmal ins Dorf und finden sogar ein Restaurant, wo wir bei bolivianischer Livemusik etwas warmes zu Essen bekommen.

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Humahuaca

Montag 20. März
Bei strahlendem Bilderbuchwetter verlassen wir heute unser Hotel und gehen zum Hauptplatz des Dorfes. Marco macht noch ein paar Fotos, und ich stelle mich derweil in der Post in die Warteschlange, um den Brief mit den Foto CD's in die Schweiz zu schicken. Während des Wartens beobachte ich, wie einige einheimische Frauen am Postschalter ihre Ausweise zeigen, 50 Centavos bezahlen und dafür vom Pöstler einige hundert Pesos bekommen, ich vermute den Monatslohn, und auf einem Papier den Erhalt mit einer Unterschrift bestätigen. Diejenigen, die nicht schreiben können, drücken den Daumen in das Stempelkissen und geben ihren Fingerabdruck als Unterschrift. Dann bin auch ich an der Reihe, bezahle für den Brief und hoffe, dass er den weiten Weg gut übersteht. Marco hat mittlerweile seine Sujets auf der Kamera festgehalten, und wir gehen zum Busterminal, wo wir beim regionalen Busunternehmen "Mendoza" zwei Retourfahrten nach "Iruya" kaufen. Kurz nach 10.30 Uhr beginnt für uns einen weitere abenteuerliche Reise mit einem weiteren nicht mehr ganz modernen, überfüllten Bus. Einige Leute müssen aber bereits in der ersten halben Stunde der Fahrt wieder aussteigen, und zuletzt hat jeder einen Sitzplatz. Im Bus arbeiten drei Männer, der Chauffeur, der Ticketverkäufer und der Gepäckträger. Letzterer muss bei jedem Halt via der Leiter, die auf der rechten Busseite montiert ist, auf das Busdach klettern und das Gepäck der Passagiere entweder hinauf oder hinunter hieven. Nach der Kreuzung, wo die Strasse nach "Iturbe" und "Iruya" abzweigt, endet die asphaltierte Strasse, und wir fahren auf einer steinigen, staubigen, kurvenreichen und holperigen Naturstrasse weiter. Unterwegs steigen immer wieder ein paar Leute ein oder aus, die irgendwo in der staubigen Landschaft zu wohnen scheinen. Etwa nach einer Stunde kommen wir in das Dorf "Iturbe", das mitten zwischen den Bergen in einem Tal liegt und so unbedeutend zu sein scheint, dass wir diesen Wohnort nirgendwo auf der Strassenkarte gefunden haben. Da hier sehr viele Einheimische ein- und aussteigen, macht der Bus einen fünfminütigen Halt, und wir haben die Gelegenheit am Busterminal, der eher an einen Markt erinnert, unsere Beine zu vertreten. Danach geht die Fahrt auf der engen und kurvigen Schotterpiste weiter und hinauf und immer weiter hinauf, vorbei an einfachen, verstreuten Steinhäusern, bis zum Pass auf 4000m. Hier hält der Bus noch einmal für fünf Minuten, denn auch hier steigen Leute aus, und der Gepäckmann muss auf's Dach klettern, um ihnen ihre Habe hinunter zu reichen. Wir geniessen in dieser Zeit die Aussicht in das Tal, das leider auf keiner Karte beschrieben ist. Da aber der "Rio Iruya" hier durchfliesst, nehmen wir an, das es das "Valle Iruya" sein muss. Weiter geht es dieses enge, steile und  kurvenreiche Bergsträsschen hinunter. Auf der einen Seite fällt das Tal steil hinunter, und auf der anderen Seite ist der Felsen. In manchen engen Kurven, die sich genau auf der äussersten Felsspitze befinden, ist uns schon ein bisschen mulmig zu Mute. Die wunderbare Aussicht auf das Tal in dem herrlichen, sonnigen Wetter ist aber so einmalig und zauberhaft, dass wir gar nicht lange Zeit haben uns mit irgendwelchen Horrorvorstellungen herumzuschlagen. Auf der letzten Strecke führt der Weg durch einen Flusslauf, und die Strasse wird immer schlechter. Bei einer tiefen Mulde bleibt der Bus sogar stecken, und der Ticketmann und der Gepäckmann müssen Steine unter die Busräder legen, damit der Bus weiterfahren kann. Um ca. 13.00 Uhr erreichen wir aber wohlbehalten das idyllische, am Hang gelegene Dorf "Iruya". Wir spazieren die steilen mit grossen Pflastersteinen gebauten Strässchen hinauf und hinunter. Überraschenderweise gibt es hier unzählige "Hospedajes" und Restaurants. Anscheinend leben die Leute hier unter anderem auch sehr stark vom Tourismus. Um  15.15 Uhr fährt derselbe Bus, mit dem wir gekommen sind, mit derselben Mannschaft den steilen Weg wieder zurück nach "Humahuaca". Während der Fahrt muss der Chauffeur ein paar Mal laut hupen, um die friedlich grasenden Esel von der Fahrbahn zu verscheuchen. Bei einer kleinen Wohnsiedlung, kurz nachdem wir die Passhöhe erreicht haben, steigt eine Mutter mit ihrer Tochter in den Bus. Durch das Fenster beobachten wir, dass sie einen Sack voll Fleisch auf das Dach laden lässt. In "Iturbe" steigen die zwei wieder aus, wobei zu bemerken ist, dass sie, in dem wiederum recht vollen Bus, die Schafffüsse des anscheinend frisch geschlachteten Schafes vergessen hat. Diese werden ihr dann stückweise, zusammen mit dem noch blutigen Schafskopf, hinausgereicht. Na ja, das ist schon nicht gerade unsere Vorstellung von Hygiene, aber in dieser einfachen Welt hier draussen in der Natur ist es wahrscheinlich eine alltägliche Szene. Um 18.30 Uhr kommen wir mehr geschüttelt als gerührt, nach diesem schönen und interessanten Ausflug, in "Humahuaca" an. Heute Abend gehen wir noch in eines der vielen Internetcafés und aktualisieren unsere Portadapage, bevor wir den erlebnisreichen Tag beschliessen.

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Humahuaca - La Quiaca - Villazón (Bolivien)

Dienstag 21. März
Nach dem üblichen Aufräum- und Einpackritual gehen wir um 10.00 Uhr zur Bushaltestelle und ergattern uns wieder einmal sehr kurzfristig zwei Tickets für den "Balut-Bus" nach "La Quiaca", der argentinischen Grenzstadt zu Bolivien. Wir erleben eine ruhige und schöne Fahrt mitten durch das Altiplano-Hochland. Auf diesem ca. 3500m gelegenen Hochland sehen wir vor allem grosse Lamaherden, die zum Teil mitten auf der Strasse stehen und den Bus zwingen anzuhalten, damit die ganze Herde passieren kann. Aber auch Schafe, Rinder und ein paar Esel werden hier oben gehalten. Wir sind fasziniert von dem breiten, flachen, von Bergen umringten und von der Regenzeit her grünen Hochland, das sich bis weit nach Bolivien zieht. Auf unserer Fahrt kommen wir auch in dem 3500m hohen Dorf "Abra Pampa" vorbei, das sehr bekannt ist für seine Ausgrabungen aus der Zeit der Ureinwohner. Aus den Beschreibungen der Einheimischen in "Humahuaca" und anderer Reisenden haben wir gedacht, dass das Dorf nur gerade aus zwei Häusern und einem Museum besteht. Dem ist aber nicht so. Nur schon bei der Fahrt durch das Dorf bis zum Busterminal erkennen wir viele "Hospedajes" und Restaurants. Ausserdem lebt das Dorf von den bunt gekleideten Einheimischen, und wir bereuen es beinahe ein bisschen, nicht doch noch einen Zwischenhalt in diesem authentischen Dorf zu machen. Andererseits wollen wir heute auf direktem Weg nach Bolivien gelangen. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt weiter durch die eindrückliche Natur des Hochlandes kommen wir in "La Quiaca" an. Von hier aus soll es angeblich möglich sein, zu Fuss in die bolivianische Grenzstadt "Villazón" zu gelangen. Wir fragen eine Gruppe Frauen nach dem Weg zur Grenze, und es stellt sich heraus, dass sie aus Bolivien kommen und ebenfalls über die Grenze wollen. Schon von Weitem sehen wir dann auch die Grenzbrücke mit dem blühenden Schwarzhandel. Überall rennen schwer beladene Frauen und Männer wie Ameisen zwischen den Grenzen hin und her. Erst wenn sie auf heimischen Boden sind, verlangsamen sie ihr Tempo und warten sogar auf ihre Kollegen. So etwas haben wir noch nie erlebt. Am argentinischen Zoll bekommen wir ohne Probleme unsere Ausreisestempel, und der nette Zöllner zeigt uns sogar noch die Richtung zum bolivianischen Zoll. Auf dem Weg über die Brücke müssen wir aufpassen, dass wir nicht von den Schmugglern überrannt werden. Doch auch die Abwicklung am bolivianischen Zoll verläuft unproblematisch und reibungslos. Die weiteren Berichte unserer Abenteuer in Bolivien sind im Reporte Bolivien zu erfahren.

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Pocitos - Mendoza

Dienstag 18. April

Mit Ach und Krach ist es uns gerade noch gelungen, mit unseren letzten Geldreserven ein Ticket nach Mendoza zu ergattern (siehe Reporte Bolivien). Da der Bus erst um 18.00 Uhr los fährt, bleibt uns noch eine Stunde Zeit etwas kleines zu essen. Die paar Pesos, die wir noch haben, reichen gerade für eine Mahlzeit, und bis auf 50 Centavos sogar noch für ein Cola. Wieder zeigen sich die Argentinier als sehr freundlich, und wir bekommen das Getränk trotz des fehlenden Fünfzigers. Als Zeichen unserer Dankbarkeit schenken wir der Restaurantbesitzerin unseren letzten Glücksfünfräppler, über den sie sich sehr freut. Am Busterminal treffen wir auch unsere zwei Bolivianer-Argentinier wieder, die die Zeit genutzt haben noch einige Mitbringsel, wie z.B. ein Kindervelo, für die Familie zu besorgen. Leider hat der Bus eine geschlagene Stunde Verspätung, willkommen in Argentinien, und so fahren wir erst gegen 19.00 Uhr in "Pocitos" los. Im Vergleich zum vorherigen bolivianischen Kampfbus ist dieser Bus geradezu luxuriös, und wir können sogar im TV Videofilme schauen. Eine halbe Stunde nach Abfahrt hält der Bus aber plötzlich, und alle Fahrgäste müssen samt Handgepäck aussteigen. Drogenkontrolle! Alle Rucksäcke und Taschen werden ausgeräumt und nach Drogen untersucht. Auch der Bus selber wird auf Herz und Nieren auf allfällige illegale Souvenirs untersucht. Eine halbe Stunde später ist der ganze Spuk wieder vorbei,  und die Fahrt geht weiter. Aber auch dieses Mal dauert es nicht lange, und die nächste Kontrolle steht an! Wieder das ganze Programm von vorne und diesmal mit ziemlich idiotischen unfreundlichen Beamten, was uns, müde von der nun bereits etwa 30 Stunden dauernden Reise, etwas nervt. Unsere zwei Bekannten aus Bolivien nehmen es gelassen und meinen nur, dass es noch einmal etwa drei bis vier solche Kontrollen geben könnte. Auch der Chauffeur kennt diese Kontrollen zur Genüge, denn dies ist anscheinend der Drogenschmugglerweg Nummer eins zwischen Bolivien und Argentinien. Na toll! Nach der dritten Kontrolle machen wir im Dorf "Embarcacion" einen kleinen halbstündigen Halt, wo wir die Gelegenheit haben einen Bankomaten zu suchen, denn immerhin haben wir keinen Fünfer mehr im Hosensack. Tatsächlich findet Marco einen Geldautomaten, und wir sind um eine Sorge weniger belastet. Zusammen mit Hanibal kaufen wir ein dunkles Bier, das wir auf der Weiterfahrt als Schlummertrunk geniessen. Im Bus ist es angenehm warm, und da wir auch ziemlich übermüdet sind, schlafen wir wie die Murmeltiere. Mit Glück findet keine Drogenkontrolle mehr statt, die uns aus unseren Träumen gerissen hätte.

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Mittwoch 19. April
Um 07.00 Uhr scheint bereits die Sonne durch das Busfenster, der Buschauffeur bereitet starken, sehr süssen Kaffee zu und verteilt Kekse zum Frühstück. Wir dösen noch etwas vor uns hin, bis die vierte Drogenkontrolle stattfindet, die sich Gott sei Dank auf eine einfache Passkontrolle im Bus beschränkt. Etwa um 09.00 Uhr treffen wir am Terminal von "San Miguel de Tucumán" ein, wo es eine halbe Stunde Pause gibt, die wir nutzen, um uns im öffentlichen Bad etwas zu erfrischen. Dann geht die unendliche Reise weiter durch uns bekanntes und unbekanntes Gebiet von Argentinien. Schon jetzt auf der Fahrt merken wir den gewaltigen kulturellen Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden von Südamerika. Wie wird es uns wohl erscheinen, wenn wir wieder in Europa sind? Dieser Gedanke befremdet uns etwas, und wir schieben ihn schnell wieder beiseite, denn noch sind wir in unserer dritten Heimat Argentinien, wo wir uns wohl und sicher fühlen. Plötzlich registrieren wir, dass der Bus seit einer halben Stunde kein bisschen mehr weitergefahren ist, und die meisten Passagiere recken die Hälse, um zu erfahren, was der Grund für diesen Stillstand ist. Es ist eine Strassenblockade der Tabakbesitzer, die anscheinend zu viele Steuern bezahlen müssen, was uns natürlich brennend interessiert! Kaum zu glauben und dies, nachdem wir einen Monat in Bolivien und Peru ohne solche Probleme gereist sind. Auch die Polizei scheint in diesem Land nichts gegen solche Blockaden zu unternehmen, denn es fährt nur gerade ein Streifenwagen vorbei, schaut, was los ist und verzieht sich wieder. Na toll. Nach einer Stunde Warterei kehrt der Bus um und versucht eine andere Route zu fahren, doch auch diese scheint nicht befahrbar zu sein, denn nach einer Weile und mehreren Diskussionen des Chauffeurs mit den Einwohnern kehren wir wieder um und reihen uns in die mittlerweile kilometerlange Warteschlange ein. Während wir auf der Strasse mitten im Nirgendwo fest sitzen, zünden die Demonstranten mitten auf der Strasse Holz und Autoreifen an und finden sich anscheinend voll cool! Uns nervt es eher, und uns erstaunt es sehr, dass auch die unzähligen Lastwagenfahrer keine Anstalten machen, dem Ganzen unsinnigen Treiben eine Ende zu setzen. Na ja, uns bleibt auch nichts anderes übrig, als geduldig zu warten. Nach etwa vier Stunden löst sich die ganze Blockade wieder auf, und die Strasse wird gnädigerweise wieder für den Verkehr frei gegeben. Für uns Reisende bedeutet die ganze Warterei aber eine erneute Nacht im Bus. Die Fahrt geht nach diesem ärgerlichen Ereignis aber ruhig weiter bis nach "Catamarca", wo es eine kurze Pause gibt, und wir uns für die bevorstehende 10-stündige Weiterfahrt etwas Essbares auftreiben können. In "La Rioja", "Chepes" und "San Juan" hält der Bus noch einmal, um Passagiere aufzunehmen oder aussteigen zu lassen. Um 03.00 Uhr kommen wir endlich in "Mendoza" an. Zum Glück waren wir letzten November schon einmal in dieser Stadt und kennen ein schönes Hostal. Wir verabschieden uns von Hanibal und seiner Mutter, bedanken uns noch einmal für ihre Hilfe und lassen uns von einem Taxi direkt vor das Hostal "Huellas Andinas" fahren. Das selbe Doppelzimmer, das wir letztes Mal schon bewohnt haben, in der oberen Etage mit freiem Zugang zur grossen Terrasse, ist noch frei, und wir fallen sogleich todmüde von der etwa 60-stündigen Reise ins Bett.

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Mendoza

Donnerstag 20. April
Heute verbringen wir einen sehr ruhigen und erholsamen Tag in der uns sehr bekannten und heimischen Stadt Mendoza. Wir nutzen die Ruhe des Hostals, um die vernachlässigten Reportes und Mails zu schreiben. Bei schönstem Sonnenschein erholen wir uns auf unserer Terrasse und lassen die wärmende Sonne  auf unsere müden Häupter scheinen. Am Abend gehen wir in unser Lieblingsrestaurant, den "Tenedor Libre Caro Pepe" und verwöhnen uns mit den Köstlichkeiten des wunderbaren, vielfältigen  Buffets und dem Grill. Seit langem geniessen wir auch wieder einmal einen vorzüglichen Wein, denn schliesslich sind wir jetzt wieder im Weinmekka Südamerikas.

Freitag 21. April
Auch heute empfängt uns ein schöner, sonniger Tag ohne eine Wolke am Himmel. Nachdem wir ausgiebig ausgeschlafen und unseren eigenen Kaffee gebrutzelt haben, spazieren wir in die Stadt, wo wir heute einiges erledigen wollen. Ich nutze die relativ günstigen Preise und kaufe mir Schuhe und eine neue Brille. Auch meine Frisur, die auf der Bolivienreise sehr gelitten hat, wird von dem in "Mendoza" bekannten Starcoiffeur Armando de la Peña wieder hergerichtet. Einige Haarmodelle von Armando sind sogar auf der ersten Seite einer renommierten Coiffeurzeitschrift abgebildet! Marco und ich planen langsam aber sicher unsere Rückreise nach Europa und erkundigen uns schon seit längerem übers Internet nach günstigen Direktflügen von "Buenos Aires" nach Europa. Leider ist es aber nicht ganz so einfach, ein bezahlbares Flugticket nach Europa zu kriegen wie Schuhe zu kaufen! Das beste Angebot, das wir bist jetzt gefunden haben, ist ein Direktflug von "Buenos Aires" nach "Las Palmas de Gran Canaria". Wir werden morgen dann noch einige Reisebüros aufsuchen und hoffen, dass sie uns weiterhelfen können. Heute Abend machen wir es uns in unserem Hostal mit einem selbst gekochten, gemüsereichen Nachtessen gemütlich.

Samstag 22. April
Wir haben vergessen die Uhr am Handy eine Stunde zurückzustellen, und deshalb werden wir eine Stunde später als geplant geweckt. Leider haben die meisten Reisebüros ab Samstagmittag geschlossen, und wir können uns nur noch gerade in einem über Flüge nach Europa erkundigen. So, wie es im Moment aussieht, ist die beste Möglichkeit mit der Fluggesellschaft "Aerolineas Argentinas" nach Madrid zu fliegen. Am Montag werden wir aber noch einmal ein paar weitere "Agencias" aufsuchen und uns dann definitiv für eine Variante entscheiden. Ausserdem warten wir auch noch auf eine Frachtschiff-Offerte vom Reisebüro in Weggis. Unser Hostal "Huellas Andinas" veranstaltet heute Abend ein "Asado" = Grillabend, an dem auch wir zwei teilnehmen. Auf diesem Wege lernen wir ein paar argentinische Jungs, zwei Französinnen, einen Mexikaner und Alina, eine Rumänin kennen. Wir erleben einen schönen, fröhlichen Abend und gehen später noch mit zwei Argentiniern und Alina in eine Disco.

Sonntag 23. April und Montag 24. April
Den Sonntag verbringen wir in unserem ruhigen und gemütlichen Hostal, schreiben E-Mails und arbeiten an unserer Portadapage.
Am Montag morgen erkundigen wir uns noch einmal in verschiedenen Reisebüros über möglich Flüge nach Europa. Überraschenderweise finden wir in einem der drei Reisebüros, die wir aufsuchen doch noch einen relativ günstigen Flug nach Las Palmas de Gran Canaria. Über diese Nachricht sind wir sehr erfreut, denn schliesslich ist uns Las Palmas sehr vertraut und so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Ausserdem wohnen auf der Insel viele ausgewanderte Südamerikaner und der lateinische Einfluss ist hier sehr spürbar. Dies wiederum macht es uns sicher leichter uns wieder an das europäische Leben zu gewöhnen. Wir überlegen deshalb dann auch nicht mehr all zu lange und buchen schlussendlich den Flug mit der "Air Madrid" für den kommenden Samstag 29. April nach Las Palmas. Am Nachmittag ruft Marco Irmgard, eine Appartement-Verwalterin in Las Palmas an und reserviert für den nächsten Monat gleich ein Studio für uns zwei. Wieder einmal klappt alles wie am Schnürchen. Jetzt hoffen wir nur noch, dass ich meine neue Brille schon am Mittwoch und nicht erst am Donnerstag abholen kann. So könnten wir einen Tag früher nach "Buenos Aires" reisen. Am Nachmittag spazieren wir zum Busterminal und holen schon einmal bei drei Busunternehmen Offerten für Busfahrten nach "Buenos Aires" ein. Am Abend gehen wir aus und stossen auf unser bisheriges Reiseglück an.

Dienstag 25. April
Gegen den Mittag spazieren wir zu der "Avenida San Martin" und zum Optikergeschäft "Vision" und erkundigen uns danach, wann ich meine neue Brille abholen kann. Leider wissen die Leute im Labor noch nicht genau, ob meine neuen Gläser bis Mittwoch oder Donnerstag fertig sind, und wir sollen doch morgen Mittag noch einmal vorbei kommen. Heute ist unsere letzte Gelegenheit, um in Mendoza "shoppen" zu gehen und Souvenirs und Andenken zu kaufen. In dem Touristenladen "El Turista" kaufen wir uns einen echten, handgefertigten, saltenischen "Poncho" = Umhang. Das gute Stück ist zwar etwas teuer, dafür bekommen wir von dem netten, geschäftstüchtigen Verkäufer noch eine Einführung in die Geschichte der argentinischen "Gauchos" und deren verschiedenen "Ponchos". In jeder Provinz benutzt man anscheinend anders farbige und gefertigte Umhänge, welche die "Gauchos" für ihre Arbeit auf den Feldern und für den Vieh- und Pferdetrieb als Schutz vor Kälte und Nässe benutzen. Als wir dann die Rechnung bezahlen, bekommen wir sogar noch eine Flasche Rotwein geschenkt. Auf dem Heimweg entdecken wir in der "Calle las Heras" die "Agencia" des Busunternehmens "Cata international". Wir erkundigen uns nach den Öffnungszeiten, um morgen bei diesem uns sympathisch wirkenden Unternehmen die Tickets nach "Buenos Aires" zu buchen, falls ich meine Brille dann schon abholen kann. Das würde uns auch einen zusätzlichen Gang zu dem etwas weiter entfernten Busterminal ersparen. Unser Hostal veranstaltet heute noch einmal ein "Asado". Der Wein, den wir heute bei unserem Souvenierkauf bekommen haben und den wir grosszügig offerieren, entpuppt sich leider als gepanschtes und mit Zucker versetztes, scheussliches Gebräu, das wir unmöglich trinken können. So findet der Wein dann halt den Weg den Abguss hinunter. Trotz diesem denkwürdigen Zwischenfall verbringen wir mit zwei Spaniern, einem US-Amerikaner, einer Neuseeländerin und zwei Argentiniern einen gemütlichen, fröhlichen Abend.

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Mendoza - Buenos Aires

Mittwoch 26. April
Am Mittag spazieren wir in die Stadt zu unserem Brillengeschäft und bekommen die erfreuliche Nachricht, dass heute Abend um 18.00 Uhr meine Brille abholbereit ist. So schön! Gleich nach dieser guten Nachricht buchen wir bei "CATA international" zwei Sessel in der zweitbesten Klasse für die heutige Nachtfahrt nach "Buenos Aires". Jetzt müssen wir aber schleunigst ins Hostal, um unsere Rucksäcke zu packen und das Zimmer zu räumen. Von einem "Locutorio" aus rufe ich am Nachmittag Nadia an, um für morgen Abend ein Treffen in "Buenos Aires" abzumachen, denn wir haben damals bei ihr und ihrem Freund Mariano einiges an Gepäck deponieren dürfen, bevor wir den zweiten Teil unserer Reise (siehe Buenos Aires - San Miguel de Tucuman) gestartet haben. Im Hostal können wir dann noch den Fussballmatch von Barcelona im TV verfolgen, bis es Zeit wird aufzubrechen. Mit all unserem Gepäck bewaffnet gehen wir zum Optiker, und ich bekomme meine wunderschöne, neue Brille! Mit dem Taxi lassen wir uns danach zum Busterminal fahren, wo uns noch genügend Zeit bleibt einen Kaffee zu trinken. Um 19.15 Uhr trifft unser Bus ein, und wir machen es uns in den breiten, bequemen Ledersesseln bequem. Der Service an Bord ist wieder einmal umwerfend! Die Stewardesse Claudia serviert uns ein komplettes Nachtessen mit kalten und warmen Speisen und dazu trinken wir Rotwein. Als Bettmümpfeli vor dem Film serviert Claudia noch Champagner, Whisky oder Kaffee.

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Buenos Aires

Donnerstag 27. April
In den superbequemen Sesseln verbringen wir eine ruhige und gute Nacht und werden kurz nach 07.00 Uhr von unserer Stewardesse mit Kaffee und Frühstück geweckt. Nachdem sich der Bus durch den Morgenverkehr auf der Autopiste von "Buenos Aires" durchgekämpft hat, kommen wir um 08.30 Uhr am Busterminal "Retiro" an. Wir erhielten von einem der Hostals, in denen wir auf unserer Reise übernachtet haben, einen Tipp in "Buenos Aires". Per Taxi lassen wir uns zu der Strasse fahren, wo das besagte Hostal stehen sollte. Leider ist aber das ganze Haus in Renovation, und nicht einmal ein Schild deutet darauf hin, das hier einmal eine Jugendherberge gestanden hat. So bleibt uns nichts anderes übrig, als nach einer anderen Bleibe zu suchen. Wir haben von Mariano und Nadia noch einen Tipp für ein etwas teureres Hotel bekommen, nach diesem wir uns nun zu Fuss auf die Suche machen. Auf halber Strecke finden wir dann aber das Hotel "Del Prado", wo in einer Stunde ein Doppelzimmer frei wird. Wir können unser Gepäck schon einmal im Hotel einstellen und spazieren mit der Stadtkarte bewaffnet durch den uns noch unbekannten Stadtkreis "Recoletta". In diesem Stadtkreis befindet sich auch die Wohnung von Mariano, wo wir heute Abend unser Wiedersehen feiern werden. Marco und ich nutzen das schöne warme Herbstwetter und rekognoszieren schon einmal die Strasse, in der das Appartementhaus von Mariano liegt. Wir finden das Haus, in dem wir vor etwa zwei Monaten schon einmal auf Besuch waren, auf Anhieb. Sogar die Eingangstüre ist komischerweise offen, und wir zwei "Tschuttlis" trampen in das Haus, die Türe schlägt hinter uns zu und lässt sich danach nicht mehr öffnen. Wir fahren mit dem Lift in den vierten Stock und läuten an der Türe, wo Mariano mit seinem Bruder zu Hause ist. Leider ist aber niemand da! Na toll, jetzt sind wir also eingeschlossen. Marco erinnert sich glücklicherweise daran, dass Mariano damals erzählte, dass der Hausmeister im obersten Stock in der Wohnung mit der schönsten Aussicht wohnt. Wir fahren also mit dem Lift bis zu oberst hinauf und klopfen beim Hauswart an die offene Türe. Wir erzählen dem freundlichen Mann unsere etwas peinliche Story, worauf er wissen will, wen wir denn besuchen wollten. Nach einigen Erklärungen begleitet er uns nach unten und lässt uns wieder aus dem Haus. Wieder in Freiheit trinken wir auf diesen Schock erst einmal einen Kaffee, bevor wir zurück in unser Hotel gehen, in dem nun auch unser Zimmer inzwischen bezugsbereit ist. Am Nachmittag spazieren wir durch die unzähligen Gassen und Strassen der riesigen Hauptstadt und kaufen uns noch einen originalen, argentinischen Matebecher, zwei Beutel Matekräuter, eine argentinische Kaffeetasse für Irmgard, unsere Wohnungsvermieterin in Las Palmas und einen Wein als Mitbringsel für die Einladung heute Abend. Pünktlich um 21.30 Uhr stehen wir wieder vor dem Appartementhaus, wo wir heute morgen eingeschlossen waren und klingeln im 4. Stock. Mariano ist aber noch nicht zu Hause, und sein jüngerer Bruder traut uns anscheinend nicht recht über den Weg, sondern bittet uns später wieder zu kommen. Mir kommen schon die ersten Zweifel auf, ob ich wohl am Telefon mit Nadia etwas falsch verstanden habe. In einer Bar in der Nähe bestellen wir aber erst einmal etwas zu trinken, und eine halbe Stunde später klingeln wir noch einmal bei "Piso 4". Mariano ist nun tatsächlich zu Hause und holt uns wenig später unten am Eingang ab. Das Wiedersehen mit ihm und Nadia ist freudig, und wir verbringen einen schönen Abend zusammen. Auch Hund Caspar und die 3 Monate junge, verspielte Katze Maia sind mit von der Partie und sorgen für Unterhaltung. Erst spät in der Nacht verabschieden wir uns von den zwei herzlichen, netten und lieben Menschen und versprechen in Contacto zu bleiben.

Freitag 28. April
Heute geniessen wir unseren letzten Tag in "Buenos Aires" und somit auch unseren letzten Stunden in Südamerika. Wir sind schon jetzt etwas wehmütig, dieses herrliche, friedliche Land verlassen zu müssen. Wir packen am Nachmittag dann auch schon mal unser Gepäck ein, und oh Wunder, es hat alles besser Platz, als wir gedacht haben. Heute Abend gehen wir zum Abschluss in das Restaurant "Parrilla La Caballeriza", in dem wir damals mit Nadia und Mariano gewesen sind. Zum letzten Mal geniessen wir das perfekt gegrillte Rind- und Lammfleisch und trinken einen Spitzenwein aus Mendoza dazu.

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Buenos Aires - Las Palmas de Gran Canaria (Spanien)

Samstag 29. April
Um 06.30 Uhr klingelt bereits der Wecker. Marco und ich packen noch die letzten Sachen in unsere Taschen und trinken im Hotel noch einen Kaffee, bevor uns das Taxi abholt, das uns zum weit entfernten, internationalen Flughafen "EZEIZA" fährt. Die Fahrt dauert etwa 40 Minuten, bis wir vor dem modernen Flughafengebäude ankommen. Unser Flug ist für 10.30 Uhr geplant, und wir sind bereits um 08.15 Uhr am Flughafen für den Check-In. Die Warteschlange vor dem Schalter der "Air Madrid" ist schon gewaltig, und wir müssen etwa eine Stunde anstehen, bis wir unser Gepäck aufgeben können und unsere Tickets bekommen. Wir stellen erst jetzt fest, dass der Flug via Las Palmas nach Barcelona fliegt, und die wenigsten Passagiere auf Gran Canaria bleiben werden. Wir wechseln an einem "Cambio-Schalter" noch unsere restlichen argentinischen Pesos in Euros um und suchen dann den Ausgang 4 im Terminal A, wo unser Flugzeug starten soll. Leider ist auf der Anzeigetafel jetzt schon eine halbe Stunde Verspätung eingetragen, und wenig später ertönt der Aufruf, dass wir uns für unseren Flug zum Ausgang 8 begeben sollen. Aus der halben Stunde wird eine Stunde Verspätung, und erst um 11.30 Uhr können wir in den gewaltig grossen Flieger, einen Airbus 330-300, einsteigen. Da aus uns unbekannten Gründen der Flieger kurzfristig ausgewechselt wurde und deswegen nicht alle Passagiere eine Sitzplatznummer auf der Bordkarte haben, ist heute ausnahmsweise freie Sitzplatzwahl. Wir finden dies etwas merkwürdig und bekommen dann auch nur noch einen Platz in der mittleren Sitzreihe. Wenigstens haben wir die Plätze aber nebeneinander. Der 9-stündige Flug ist aber sehr angenehm, und wir erleben eine sehr ruhige Reise ohne grobe Turbulenzen. Wir sind sehr erstaunt über das viele Personal an Bord, das uns während des Fluges mit einer Mahlzeit, Getränken und einem Snack verwöhnt. Die kanarischen Inseln sind gegenüber Argentinien um 4 Stunden nach vorne verschoben, und wir landen um 02.05 Uhr am Flughafen von Gran Canaria. Die Fortsetzung unserer Abenteuer sind nun im Reporte Gran Canaria zu erfahren.

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