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Ruta de viaje
Villazón-Tupiza
Tupiza
Tupiza-Oruro
Oruro-La Paz
La Paz
La
Paz-Copacabana
Copacabana-Puno (Peru)
La
Paz
La Paz-Oruro-Uyuni
Uyuni
Uyuni-Potosí
Potosí
Potosí-Sucre
Sucre
Sucre-Camiri-Yacuiba-Pocitos
(Argentinien)
Villazón -
Tupiza
Dienstag 21. März
Nachdem wir die Grenze von Bolivien ohne Probleme
überschritten haben (siehe
Reporte Argentinien),
sind wir nun mitten im bunten Markttreiben von "Villazón". Als erstes
tauschen wir in einer der unzähligen Wechselstuben ein paar
argentinische Pesos zu "Bolivianos" um. Danach spazieren wir zum
Busterminal, um unsere Weiterreise nach "Tupiza" oder "Tarija" zu
organisieren. In die grössere Stadt "Tarija" werden nur Nachtfahrten
angeboten, und da uns dies für die erste Fahrt in Bolivien ein wenig zu
heikel ist, kaufen wir beim Busunternehmen "Trans Secovia" zwei Tickets
für die Fahrt um 15.15 Uhr nach "Tupiza". Am Terminal gibt es im oberen
Stock des Gebäudes einen riesigen Wartesaal mit Kabelfernsehen,
Billardtischen und einer Gepäckaufbewahrung, die von einer jungen Frau
mit ihren Kindern gehütet wird. Wir stellen den Rucksack bei der
sympathischen Frau ein und spazieren in der Zeit, die uns bis zur
Abfahrt noch bleibt, durch die sehr friedliche Grenzstadt mit den netten
Leuten. Uns kommt das Leben hier nicht viel anders vor als im Norden von
Argentinien, und wir fühlen uns sogleich wohl. Bevor wir um 15.15 Uhr in
den Bus einsteigen dürfen, müssen wir noch je einen "Boliviano" für die
Terminalbenutzung bezahlen und bekommen dafür einen weissen Zettel mit
dem Stempel des Terminals. Diese Gebühr müssen aber nicht nur die
Touristen bezahlen, nein, auch die Einheimischen müssen vor dem
Einsteigen den einen "Boliviano" abliefern. Im Bus ist es eng, ziemlich heiss,
und es stinkt so, als wäre vorher eine Viehherde transportiert worden.
Der Bus ist auch nicht mehr der jüngste, und viele Fenster, zum
Beispiel unseres, lassen sich nicht mehr öffnen. Zum Glück sitzen wir
aber gleich unter der geöffneten Dachluke, und auf der Fahrt kommt
frische Luft in den Innenraum. Kaum haben wir die Stadt
verlassen, gelangen wir auf eine holperige, unasphaltierte Strecke. Die
berauschend schöne Natur, die sich uns wieder einmal mehr präsentiert,
erscheint uns wie aus dem Märchenland. Nachdem wir für je 10 "Bolivianos"
zweieinhalb Stunden durchgeschüttelt wurden, kommen wir kurz vor 18.00
Uhr am Terminal des Städtchens "Tupiza" an. Am Terminal werden wir von
einer sympathischen, kleinen Frau gefragt, ob wir ein "Alojamiento"
suchen. Natürlich suchen wir eine Unterkunft und lassen uns von einer
jüngeren Frau zum "Hostal Colonel Pedro Arraya" führen. Das
blitzsaubere Hostal mit den heimeligen Zimmern und mit dem dazu
gehörigen Reisebüro wird von sehr freundlichen, netten Einheimischen
geführt. Für 35 "Bolivianos" = ca. 6 Fr. pro Person und Nacht buchen wir eines der
Zweierzimmer mit Privatbad. Das superbequeme, geniale Bett wurde aus dem
Holz der riesigen Kandelaberkakteen gezimmert. Später machen wir einen Rundgang durch das Städtchen und
zum Hauptplatz. In verschiedenen Reisebüros erkundigen wir uns nach
Exkursionen zum grössten Salzsee Südamerikas in "Uyuni". Die Trips zum
"Salar de Uyuni" werden von allen Unternehmen
in einer viertägigen Reise für höchstens 6 Personen mit einem 4x4
Jeep für ca. 100 Dollars pro Person inklusive Essen und drei
Übernachtungen angeboten. Wir werden einmal eine Nacht darüber schlafen
und uns morgen entscheiden, ob wir wirklich ein solches Abenteuer auf
uns nehmen wollen. Am Abend suchen wir die Wechselstube auf, die uns
Silvia, die Besitzerin des benachbarten Reisebüros, empfohlen hat. Die
äusserst freundliche "Señora de Cambio" rundet für uns den
Dollar-Wechselkurs um einen "Centavo" auf und verwickelt uns in ein
interessantes Gespräch über Bolivien, "Monedas" und Europa. Wir tauschen
einen 5-Räppler mit einer nigel nagel neuen, glänzenden 10 "Centavo" Münze
und wünschen uns gegenseitig Glück. Anschliessend sitzen wir in eine Bar und
in ein Restaurant,
trinken vorzügliches, bolivianisches "Huari"-Bier und lassen den Tag noch
einmal Revue passieren.
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Tupiza
Mittwoch 22. März
Nach einer erholsamen Nacht in dem wirklich
ausgezeichneten und superbequemen Bett sind wir erfrischt und zu neuen
Abenteuern bereit. Nach dem Frühstück im Hostal packen wir unseren
kleinen Rucksack und machen uns auf den Weg zum "Cerro" mit der Christusstatue,
dem Aussichtspunkt von "Tupiza. Dabei müssen wir einen kleinen
Umweg machen, da der Hauptplatz mit Stühlen und Schulbänken
verbarrikadiert ist. Ein älterer, einheimischer Herr erklärt uns, dass
heute der letzte Schultag des Jahres ist, den die Schüler, ähnlich wie
bei uns der Schulsilvester, heute mit
allerlei erlaubtem Unfug feiern. Der Weg auf den Aussichtspunkt ist mit
Treppen und Wegen markiert und somit problemlos zu finden. Zuoberst auf
dem Hügel geniessen wir einen wunderbaren Blick auf das hübsch gelegene
Städtchen inmitten der wunderbaren Bergwelt. Später gehen wir zum
Bahnhof und entscheiden uns morgen mit dem Zug von hier aus bis nach "Oururo"
und je nach Möglichkeit mit dem Bus weiter bis nach "La Paz" zu reisen.
Den Salzsee von "Uyuni" planen wir später zu besuchen, wenn
weniger Wasser auf der Salzkruste liegt. Nach
dem erfolgreichen Ticketkauf in der riesigen und menschenleeren "Boleteria" wandern wir etwa eine Stunde auf den
Geleisen der Zugstrecke. Dies scheint
auch der Hauptspazier- und Veloweg von "Tupiza" zu sein, denn auf und
neben den Geleisen begegnen uns Frauen, Männer und Schulkinder, die zu
Fuss, mit dem Fahrrad oder hoch zu Ross unterwegs sind. Auf unserer Wanderung begegnen
wir einem Schulmädchen, mit dem wir ein bisschen plaudern, bis es, schon ziemlich
weit weg von der Stadt, links zu einem hübschen Haus abbiegt und uns
erklärt, dass es hier zu Hause ist. Kurz darauf kommen wir an einer
Bushaltestelle und einer Gas- oder Chemiefabrik vorbei. Vom Vogelgezwitscher
begleitet wandern wir noch ein wenig weiter durch die ruhige und
herrliche Natur. Als sich eine dunkle Wolke hinter dem Berg immer weiter
über uns ausbreitet und wir in der Ferne Donnergrollen hören,
entscheiden wir uns zur Rückkehr. An der besagten Bushaltestelle finden
wir tatsächlich ein "Remedio" = Minibus, der die Vororte von "Tupiza"
mit der Stadt verbindet. Für 2 "Bolivianos" fahren wir zum Busterminal
und gelangen gerade noch rechtzeitig in unser Hostal, bevor sich ein
heftiges Gewitter mit Blitz, Donner, Regen und Hagel über das Tal
ergiesst. Wir hören im lokalen Radio einen interessanten Aufruf an die
Bevölkerung Boliviens, dass sich alle ab 18 Jahren zwischen dem 14. März bis
Ende April im Notariat einschreiben sollen. Der Grund ist die weitere
Demokratisierung Boliviens, wo alle registrierten Einwohner
wahlberechtigt sind. Bei Wohnortwechsel muss eine erneute Registrierung
im Notariat vorgenommen werden. Uns beeindruckt dieser Aufruf, der
ziemlich sicher eine Auswirkung des neuen Präsidenten ist, der auch die
vermehrte Autonomie der einzelnen Departemente im Land fördert. Nach einer Stunde ist das Unwetter vorbei, die Sonne kommt
wieder zum Vorschein. Auf den Strassen zeugen allerdings noch gewaltige,
braune
Sturzbäche von dem nachmittäglichen Regenguss. Nachdem wir am Abend bei
unserer freundlichen "Señora de Cambio" die letzten Euros zu Bolivianos
getauscht haben, haben wir eine zweistündige Session in einem
Internetcafé und schaffen es mit der sehr "laaaangsaaameeen" Verbindung
mit Ach und Krach einen Teil unserer Portadapage zu aktualisieren. Und da
man in diesem Land zwischen 20.00 Uhr und 21.00 Uhr und nicht wie in
Argentinien erst ab 22.00 Uhr zu Abend isst, bekommen wir anschliessend
mit Glück gerade noch ein kaltes und trockenes Pouletbrüstchen serviert.
Wenigstens knurren unsere Mägen nicht mehr.
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Tupiza
- Oruro
Donnerstag 23. März
Während dem Frühstück verwickeln wir die Chefin des
Hostals in ein Gespräch über Gott und die Welt. Danach packen wir unsere
Rucksäcke, die wir bis heute Abend hier einstellen dürfen. Kaum sind wir
auf der Strasse, begegnen wir Silvia, der Reisebürobesitzerin gleich
nebenan. Sie gibt uns noch ein paar Hoteltipps und schenkt uns einen
schönen Führer von verschiedenen Städten in Bolivien. Wir verabreden uns
mit ihr für 16.00 Uhr zu einem Abschiedskaffee. Nachdem wir es in einer
zwar langsamen, aber etwas besser funktionierenden Internetstation doch
noch fertig bringen, die fehlenden Fotos ins Netz zu stellen, spazieren
wir noch einmal durch das hübsche und ruhige Städtchen "Tupiza". Um
16.00 Uhr bringen wir wie verabredet die "Guetzli" mit zu unserem
Kaffeedate mit Silvia. Auch die Chefin unseres Hostals setzt sich eine
Weile zu uns, und mit interessanten Gesprächen vergehen die Stunden wie
im Fluge. Um 18.00 Uhr verabschieden wir uns und wandern mit unserem
Gepäck zum nahe gelegenen Bahnhof. Hier herrscht heute Hochbetrieb.
Zwischen einzelnen westlich gekleideten Leuten sitzen und stehen viele
traditionell, in bunten Trachten und Tüchern, gekleidete Einheimische.
Wir mischen uns unter das wartende Volk und schauen fasziniert zu, wie
die einen noch ihr Gepäck, das vielfach aus Lebensmitteln besteht, für
die Reise neu und besser verpacken. Plötzlich dröhnt und knattert es in
der Lautsprecheranlage, und eine Stimme teilt uns mit, dass der Zug, der
von "Villazón" her kommt, wegen Problemen mit der Lokomotive etwa 4
Stunden Verspätung hat. Ein allgemeines Stöhnen geht durch die Menge.
Marco kann wenigstens seinen Rucksack schon abgeben, der dann später
direkt in den Gepäckwagen unseres Zuges verladen wird. Ein wirklich
toller, im Preis einbegriffener Service. Aber was macht man nun von
19.00 Uhr bis 23.00 Uhr, während man auf den Zug wartet? Auf der Suche
nach einer Bar, eine wahre Rarität in "Tupiza", spazieren wir noch
einmal an unserem Hostal vorbei. Die äusserst sympathische und
freundliche Dame des Hauses offeriert uns die Möglichkeit im
Aufenthaltsraum TV zu schauen und so die Wartezeit zu verkürzen. Diesen
Vorschlag nehmen wir dankend an. Als wir ca. um 22.30 Uhr wieder am
Bahnhof sind, steht auf einer Tafel, dass der Zug um 23.00 Uhr
eintreffen wird, und die Abfahrtszeit auf 23.30 Uhr angesetzt ist. Kurz
vor Mitternacht erscheint tatsächlich unser Zug. Es werden noch zwei
Wagen angehängt und allerlei Material verladen. Der Wagenführer putzt
und schruppt vor der Abfahrt noch den Wagen und das WC. Endlich fahren
wir los. Unsere etwas engen Plätze in der zweitbesten Kategorie sind
einigermassen bequem und lassen sich verstellen, so dass man doch den
Versuch machen kann zu schlafen.
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Oruro - La Paz
Freitag 24. März
Nach einer etwas unruhigen und durchgefrorenen Nacht
im bolivianischen Zug "Wara Wara" beginnt es um ca. 07.00 Uhr zu
dämmern. Wieder erscheint der Wagenführer und schruppt die WC's und den
Gang mit irgend einem chemiedurchsetzten Lappen. Den Halt in "Uyuni"
haben wir nur ganz knapp miterlebt, dafür erkennen wir auf der weiten
Fläche des gigantischen Altiplanos etwas von dem weissen und grössten
Salzsee der Welt. Die Ebene des Hochlandes ist hier so breit, dass uns
die Berge und Tierherden, die wir weit hinten am Horizont erkennen,
schwebend wie eine Fata Morgana erscheinen. Auf der Weiterfahrt rennt
immer wieder ein Zugangestellter mit Kellnerbekleidung und einem Korb
voll Kaffeetassen durch unser Abteil. Er murmelt irgend etwas für uns
Unverständliches vor sich hin und ist im nächsten Moment schon wieder
verschwunden. Erst später, gegen Mittag merken wir, dass er den
Zuggästen Kaffee oder Tee servieren würde. Als er das nächste Mal an uns
vorbeistürmen will, halte ich ihn auf und frage nach Kaffee. Leider
serviert er aber jetzt nur noch Tee, schade. Die wilde Schönheit der
Natur, die wir mit dem Zug durchfahren, lenkt uns aber schnell von
unserer Lust auf Kaffee ab. In dem erstaunlich grünen Hochland auf ca.
3500m bis 3800m gibt es grosse Felder mit schönen, verschieden farbigen
Blumen, vermutlich Gladiolen und Nelken. Ausserdem weiden hier
unzählige, grosse Lama- und Schafherden, die meistens von Frauen in
ihren traditionellen, bunten Trachten gehütet werden. Doch auch Kühe
grasen in dieser Höhe friedlich vor sich hin. Als wir an kleinen,
verstreuten Wohnsiedlungen vorbeirattern, fällt uns auf, dass vor fast
jedem Steinhäuschen zwei bis drei Kühe mit ihren Kälbern angebunden
sind. Bei einem Halt, in irgendeinem etwas grösseren Dorf, rennen
Frauen, Männer und Kinder mit Glacé, Käse und Getränken dem Zug entlang
auf und ab und verkaufen ihre Ware durch die Fenster. Auf dem letzten
Stück unserer Zugreise führt die Bahnlinie mitten durch die riesige,
flache Seelandschaft des "Lago Uru Uru". Die Sonne, die Wolken und die
Berge im Hintergrund widerspiegeln sich auf einzigartige, faszinierende
Weise im Wasser, wo sich zurzeit auch Enten und andere Wasservögel
tummeln. Je näher wir uns der Stadt "Oruro" nähern, desto sumpfiger wird
die Landschaft um uns. Leider scheinen die Bolivianer noch kein rechtes
Abfallentsorgungssystem zu haben. Überall liegt Abfall im Sumpf herum
und dementsprechend stinkt es auch. "Oruro", die auf 3700m gelegene
Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist eine der grössten Städte
Boliviens. Laut "Encarta" ist hier ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt,
sowie ein bedeutendes Handels- und Verarbeitungszentrum. Die Industrie
umfasst Zinnverhüttung, Schuh- und Textilindustrie. "Oruro" erscheint
uns auf den ersten Blick als eine hässliche, grau-braune Industriestadt.
Um 15.00 Uhr fährt der Zug am Bahnhof ein. Auch hier herrscht reges
Treiben, und die Taxifahrer erinnern eher an Marktschreier, denn jeder
will der erste sein, der seine Dienste verkaufen kann. Wir müssen uns in
diesem Durcheinander aber erst einmal zu unserem Gepäck durchkämpfen,
das wir aber ziemlich schnell ausgehändigt bekommen. Jetzt schliessen
auch wir uns einem Taxifahrer an, der mit uns quer durch den Bahnhof zu
seinem Auto rennt. Für die fünfminütige Fahrt zum Busterminal bezahlen
wir 10 Bolivianos, was uns dann doch ziemlich teuer vorkommt. Kaum sind
wir am Busterminal aus dem Taxi gestiegen, kommt schon ein
Ticketverkäufer mit Fahrkarten nach "La Paz" angerannt. Am Eingang zum
Terminal müssen wir noch je 1.50 Bolivianos für die Terminalbenutzung
abgeben, bevor wir in den "Fenix-Bus", der um 15.30 Uhr abfahren soll,
einsteigen dürfen. Um 15.40 Uhr geht die Fahrt dann los. Eine Minute
später stellt sich ein Mann in den Mittelgang des Busses und preist
Honig-Zitronenbonbons an, die laut seiner Beschreibung jedes Halsweh
bekämpfen können. Kaum hat er die Runde durch den Bus beendet und ein
paar seiner Wunderzältli verkauft, erhebt sich ein zweiter Hausierer. Er
verkauft ein Wunderpülverchen, das aus "Maca", einer Wurzel aus den
Anden, hergestellt wird. Ausserdem bietet er auch noch eine scharf
riechende Crème an, die Rheumaschmerzen zum Verschwinden bringen soll.
Und alles ist selbstverständlich absolut und 200 prozentig natürlich!
Auch die Süssigkeitenverkäufer fehlen nicht, die unterwegs einsteigen,
und so wird die dreistündige Fahrt ziemlich abwechslungsreich. Von "El
Alto" aus, der Vorstadt von "La Paz", bietet sich uns ein eindrückliches
Panorama auf die schneebedeckten Andengipfel und die im Talkessel
liegende, imposante, bolivianische Grossstadt. In der Dämmerung um 18.30
Uhr treffen wir dann am riesigen, chaotischen Busterminal ein. Marco
schnappt sich heldenhaft seinen Rucksack aus dem immer wieder davon
rollenden Bus, um möglichst rasch aus diesem Getümmel zu entfliehen. Wir
nehmen sogleich ein Taxi, das uns zum Hotel "Sucre Palace" an der
Hauptstrasse von "La Paz" fährt. Das Drei-Sterne-Hotel, das wir via
Internet gefunden haben, macht einen freundlichen und seriösen Eindruck
auf uns, und wir buchen für drei Nächte ein Zimmer im sechsten Stock mit
Blick über die Stadt.
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La Paz
Samstag 25. März
Heute planen wir die Stadt ein bisschen kennen zu
lernen und uns in verschiedenen Reisebüros über diverse Exkursionen zu
erkundigen. Die lebendige, bunte Hauptstadt von Bolivien ist
unbeschreiblich! Die vielen Stromkabel, die tief über die Strasse
hängen, die immer hupenden Autos und verstopften Strassen gehören zum
chaotischen Strassenbild von "La Paz". Ein Busbegleiter, meistens junge
Männer, leiern schreiend und für uns unverständlich die Destinationen
und den Fahrpreis aus den unzähligen vorbeibrausenden Microbussen. Wenn
man in einen der Busse einsteigen will, muss man am Strassenrand die
Hand hinaushalten und sich gehörig durch den Verkehr kämpfen. Wir spazieren über die Hauptstrasse "Paseo El Prado".
Die breite "Avenida" quer durch das Stadtzentrum ist mit wunderschön
gestalteten Grünanlagen und Blumenbeeten verziert. Wir nähern uns dem "Plaza
de Los Heroes", wo sich auch die bekannte "Iglesia San Francisco"
befindet. Ausser der Hauptstrasse führen alle Wege und Gassen steil die
Hügel auf und ab. Obwohl wir uns in der letzten Woche sehr gut an die
Höhe anklimatisiert haben, steigen wir keuchend und schwer atmend die
steilen Gassen empor. Einkaufsläden, ausser ein paar grosse
Schuhgeschäfte, gibt es hier nur selten und wenn, dann nur sehr kleine,
rudimentär eingerichtete, kleine Schlupflöcher. Der eigentliche Markt
findet auf der Strasse statt. Schuhe, Kleider, Früchte, Gemüse,
Haushaltwaren und so weiter und so fort werden entlang des
Strassenrandes angeboten. Alle Einwohner scheinen auf der Strasse zu
sein. Dieses bunte, farbige und fröhliche Treiben gefällt uns
ausserordentlich gut. Um die Mittagszeit, etwas erschöpft von der
Wanderung auf 3800m, probieren wir an einer Strassenecke in der Nähe des
"Plaza Eguino" eine vorzügliche Gemüsesuppe, die eine Bolivianerin mit
ihrer Tochter anbietet. Die Suppe wird in einem grossen Topf, in vielen
Tüchern eingewickelt, warm gehalten. Wir setzen uns auf einen kleinen
Holzschemel auf dem Trottoir und geniessen die warme Suppe. In dem
Moment, wo wir aufstehen, um noch ein wenig durch die lebendigen
Marktgassen zu spazieren, beginnt es wie aus Kübeln zu giessen. Da wir
uns für heute sowieso vorgenommen haben, diverse Exkursionsangebote zu
prüfen, flüchten wir in das nächste Reisebüro an der "Calle Illampu".
Sabina, die nette Angestellte von "Jacha Inti Tours", berät uns
freundlich und kompetent. Für morgen planen wir gleich einen Ausflug auf
den 5420m hohen Berg "Chacaltaya", dem höchstgelegenen Skigebiet der
Welt. Ausserdem interessiert es uns brennend, ob es von "La Paz" aus
Reisen bis zu den Ruinen von "Machupicchu" in Peru gibt. Und tatsächlich
gibt es die. Sabina verweist uns weiter an das Reisebüro "Turismo
Bolivia-Peru Travel", das für solche Reisen spezialisiert ist. Wenig
später werden wir von Alex, dem peruanischen Reiseleiter, abgeholt und
zu seinem Büro an der "Calle Sagarnaga" geführt. Nach einigen
Vorschlägen für Exkursionen nach Peru entscheiden wir uns schlussendlich
für eine 10-tägige Reise über den "Titicacasee", "Puno" (Peru), "Cusco",
"Machupicchu" und zurück nach "La Paz". Anschliessend, in der
Zwischenzeit hat es aufgehört zu regnen, schauen wir noch einmal bei
Sabina rein, um uns bei ihr zu bedanken. Sie hat dann auch gleich noch
einen Hoteltipp für unsere Rückkehr am 6. April in "La Paz" auf Lager.
Sie führt uns zu dem brandneuen "Hotel Diamante Azul", wo wir sogleich
eine Reservation vornehmen. Etwas müde von den vielen Eindrücken der
faszinierenden Stadt und der ganzen Planerei gehen wir heute früh
schlafen, um für die morgige Exkursion in die grosse Höhe fit zu sein.
Sonntag 26. März
Leider ist der Himmel heute morgen ziemlich verhangen
und düster. Zum Glück regnet es aber nicht, und wir rüsten uns mit
warmer Kleidung und Regenschutz für die geplante Bergtour aus. Pünktlich
um 08.30 Uhr warten wir in der Hotellobby auf den Minibus, der uns für
den Ausflug abholen soll. Eine Stunde später sitzen wir immer noch
wartend und Zeitung lesend im Hotel, und es erscheint uns immer
fraglicher, ob uns noch jemand abholt. Als wir am sehr teuren
Hoteltelefon der Rezeption im Reisebüro nachfragen, was denn los sei,
erfahren wir von Sabina, dass die Exkursion wegen schlechtem Wetter
nicht stattfindet. "Grmpf", das hätten wir gerne früher gewusst. Na ja,
so verschieben wir den Ausflug halt auf morgen, und Sabina verspricht
uns im Hotel anzurufen, falls der Trip wieder nicht statt finden sollte.
Wenig später machen wir uns, mit dem Stadtplan ausgerüstet, auf die
Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt. Unser erstes Ziel ist
der "Plaza Murillo" mit dem Regierungspalast und dem Kongressgebäude.
Ausserdem steht hier die eindrückliche und wunderschön gebaute
Kathedrale. Wir haben sogar die Gelegenheit hinein zu gehen, und wir
sind beide der Meinung, dass dies die schönste Kathedrale ist, die wir
bis jetzt auf unserer Südamerikareise gesehen haben. Die
Inneneinrichtung ist schlicht und nicht so prunkvoll. Aber genau wegen
dieser Schlichtheit wirkt sie umso grösser und imposanter. Auf dem Platz findet ein
Sonntagskonzert mit Blasmusikanten statt, und viele Leute haben sich
hier versammelt. Auch die Sonne hat die Wolken beiseite geschoben, und
der blaue Himmel kommt zum Vorschein. Zurück an der Hauptstrasse
"Avenida 16 de Julio" erleben wir eine Trauerzeremonie. Ein Sarg ist mit
der bolivianischen Flagge bedeckt und wird durch die Strasse getragen,
begleitet von dutzenden Soldaten und der Militärkappelle. Anscheinend
findet heute eine Beerdigung eines hohen Staatsangehörigen statt. Für
diese Prozession wird die Strasse für die Autos gesperrt, und
währenddessen herrscht auf dieser ansonsten lauten und mit hupenden
Autos voll gestopften Strasse eine andächtige Stille. Kaum ist der
Trauerzug aber vorbei, ist auch das Chaos auf der Strasse wieder da. Auf
dem Rückweg zum Hotel begegnen wir noch einer weiteren Musikkapelle. Im
Hotel erfahren wir, dass in La Paz jeden Sonntag solche Konzerte statt
finden. Auch erkundigen wir uns nach einem Aussichtspunkt, von wo aus
man die ganze Stadt überblicken kann. Die charmante "Señora" an der
Rezeption gibt uns den Tipp, mit dem Taxi in den höher gelegenen
Stadtteil "Villa Pavon" zu fahren, von wo aus man zum "Mirador" gelangt.
Auf der Fahrt durch die Stadt, hinauf durch die steilen Strassen auf den
Hügel, sehen wir Strassenschilder, die mit "Killy Killy" beschriftet
sind. Zufälligerweise haben wir den bekanntesten Aussichtspunkt
gefunden, den interessanterweise niemand im Hotel unter dem Namen "Killy
Killy" zu kennen scheint. Nachdem wir aus dem Taxi ausgestiegen sind,
gelangen wir über eine kurze Treppe auf den eigentlichen "Mirador". Von
hier aus hat man wirklich einen unglaublichen und umwerfenden Blick über
die ganze Stadt. Im Talkessel, auf etwa 3600m, liegt das Mikrozentrum
von "La Paz". Rund um diesen Talkessel ziehen sich die Häuser der Stadt
bis auf 4000m die Hügel hinauf. Leider verstecken die Wolken die
wunderbare Bergwelt rund um das Tal, und auch der 6462m hohe "Nevado Illimani",
der Hausberg von La Paz, ist leider nicht zu erkennen. Zu Fuss steigen
wir die steile Strasse wieder hinunter in das Zentrum. Auf dieser
Strecke begegnen wir auffällig vielen obdachlosen, von der Armut
geprägten Leuten. Anschliessend erreichen wir wieder den "Prado" =
"Avenida 16 de Julio", der den europäisch angehauchten Stadtteil mit dem
latino-amerikanischen Teil der Stadt trennt. Auf der westlichen Seite
gibt es kaum Marktstände auf den Strassen, während auf der anderen Seite
das bunte Treiben in den 74 registrierten Strassenmärkten floriert. Am
Nachmittag besuchen wir den bekannten "Mercado de las Brujas" =
Hexenmarkt an der "Calle Linares". Wir haben gehört, dass man hier keine
Frauen fotografieren darf, da sie im Glauben sind, dass ihnen so die
Seele gestohlen wird. Neben allerlei wunderschönen Wollkleidern und
Taschen werden
hier Kräuter und diverse okulte Dinge verkauft, wie Tonfiguren und
Tiergebeine. An der "Calle Illampu" gelangen wir in die riesige Gemüse-
und Früchtemarktecke, und beim Weitergehen kommen wir am Elektro- und
Lampenmarkt vorbei, ein riesiger, bunter Supermarkt auf der Strasse.
Immer wieder dringen schmackhafte Düfte von Strassenküchen, wo Frauen
Suppen und andere Mahlzeiten anbieten, in unsere Nasen. Der Hunger und
der beginnende Regen treibt uns schliesslich in die "Cevicheria Acuario"
an der "Calle Rodriguez", wo wir die beste, reichhaltigste und
günstigste Meeresfrüchtesuppe serviert bekommen, die wir je gegessen
haben. Gesättigt und gestärkt setzen wir unsere Wanderung zum "Plaza San
Pedro" fort, der uns mehr an einen Spielplatz erinnert. Anschliessend
überqueren wir den bekannten "Plaza del Estudiante", wo sich auch das
Monument des Helden "Simon Bolívar" befindet. Auf dem Heimweg spazieren
wir auf dem Gehsteig in der Strassenmitte des Prados am "Plaza
Venezuela" mit der Kolumbusstatue vorbei.
Montag 27. März
Zum Frühstück im Hotel trinken wir auch heute wieder
zwei Tassen Coca-Tee als Prävention für den heutigen Ausflug in die
Höhe. Nach dieser Stärkung sind wir wach und finden uns pünktlich um
08.30 Uhr in der Hotellobby ein. Und siehe da, wir werden schon am
Telefon erwartet. Sabina, die "Señora" aus dem Reisebüro, teilt uns mit,
dass wir in etwa 10 Minuten für die Exkursion ins "Valle de la Luna" und
auf den Berg "Chacaltaya" abgeholt werden. 10 Minuten können sich in
Bolivien aber sehr in die Länge ziehen. Als der Minibus um 09.30 Uhr
endlich auftaucht, haben wir in aller Ruhe die Regionalzeitung gelesen und
genehmigten uns noch einmal zwei Tassen frisch aufgebrühter Coca-Tee,
der jeden Tag in einem grossen Thermosbehälter für die Hotelgäste in
der Lobby bereit steht. Wir sind die letzten Passagiere, die abgeholt
werden, und da es hinten im Bus keine freien Plätze mehr hat, dürfen wir
die Logenplätze gleich neben dem Fahrer in Beschlag nehmen. Auf der Fahrt durch
den chaotischen Stadtverkehr erfahren wir von unserem "Guía" Ronald,
dass Bolivien das Land der Höhenrekorde ist. In "El Alto", der Vorstadt
von "La Paz", befindet sich auf 4100m der höchste Zivilflughafen der
Welt, "La Paz" ist die höchst gelegene Grossstadt der Welt, der "Lago Titicaca" ist der höchst gelegene, schiffbare See der Welt, und in der Nähe
vom "Valle de la Luna" befindet sich ausserdem noch der höchstgelegene
Golfplatz der Welt. In Bolivien gibt es aber auch viele Universitäten,
von denen sich die meisten in "La Paz" befinden. Für die staatlichen
Unis bezahlt man im Jahr etwa 50 - 100 US Dollars, während man für
private Schulen den gleichen Betrag im Monat bezahlen muss. Die "Zona
Sur", der südliche Stadtteil der Stadt, den wir auf dem Weg zum Mondtal
durchfahren, ist laut Ronald das Reichenviertel. Hier wohnen "...los coruptos, oh perdon, los
ex-politicos de Bolivia...". Wir haben
verstanden und akzeptieren schmunzelnd diesen wahrscheinlich
wahrheitsgemässen Witz. Nach weiteren 10 Minuten Fahrt gelangen wir in
das Tal "Valle de la Luna" und bezahlen am Eingang die 15 Bolivianos
Eintritt pro Person. Danach dürfen wir auf dem schmalen, schön
angelegten Weg durch das Mondtal wandern. Die spitzen Felsen sind durch den Regen während
tausenden von Jahren gebildet worden und hinterlassen bei uns
tatsächlich den Eindruck, als würde man auf dem Mond spazieren. Auf dem
obersten Punkt unserer Wanderung auf den eindrücklichen
Felsformationen erkennen wir in der Ferne eine Bergspitze, die unserem
Matterhorn in der Schweiz sehr ähnelt. Ronald erklärt uns, dass diese Bergspitze "Mola del Diablo" = Teufelszahn genannt wird, da der
gegenüberliegende Berg im Sonnenlicht rot leuchtet und diese Spitze an
einen Eckzahn erinnert. Nach diesem ersten Teil unserer Exkursion kehren
wir mit dem Bus wieder zurück in die Stadt. Als wir aufs Neue durch die
verkehrsreichen Strassen fahren, erkenne ich auf der linken
Strassenseite das "Edificio Isabelita", witzig. Der zweite Teil und das
Hauptziel unserer Exkursion beginnt mit der Fahrt auf das 4000m hoch
gelegene "El Alto". Marco und ich nehmen schon mal unser
Medizinbeutelchen mit den Coca-Blättern aus dem Rucksack. Unserem Fahrer
erklären wir, dass wir diese Blätter noch in Chile gekauft haben. Mit
einem Kennerblick beäugt er das Kraut und meint, dass diese etwas
grösseren und herber schmeckenden Blätter aus der Region "Cochabamba"
kommen. Die Coca-Blätter aus der Region "La Paz" seien kleiner und
schmecken süsslich. OK, wieder etwas gelernt. Die Landwirtschaft Boliviens
bietet aber nicht nur Cocapflanzen an, sondern auch noch etwa 400 Sorten
Kartoffeln in allen Formen und Grössen. Ausserdem grasen auf über 4000m
neben Schafen und Lamas auch "höhenerfahrene" Kühe auf dem fruchtbaren Andenhochland.
Dann geht die holperige Fahrt auf einem steilen, halsbrecherischen Naturweg immer weiter
und weiter hinauf durch felsige Gesteine, an ehemaligen
Mineralabbaugebieten und an Bergseen vorbei. Gewisse Seen werden
künstlich gestaut und dienen zur Wasserversorgung von La Paz. Hinter uns am Horizont
können wir sogar den Titicacasee erkennen. Die hohen Berge des
Andengebirges, wie der "Nevado Illimani" (6462m) oder der "Huayna Potosí" (6088m) halten sich leider hinter dichten
Wolken versteckt. Je höher wir hinauffahren, desto dichter wird leider
auch der Nebel. Bei der ehemaligen Skihütte auf 5180m, am Fusse des "Chacaltaya", ist die
Busfahrt zu Ende. Marco und ich essen noch schnell ein Stück Schoggi,
was auch gut gegen Probleme mit der Höhe sein soll. Dann starten wir den etwa 20 - 30 minütigen Aufstieg auf
die rekordverdächtige Höhe von 5300m. Zugegeben, trotz den Drogen Coca und Schoggi
merken wir die Höhe. Das Atmen fällt uns beim
Gehen schwer, uns ist etwas schwindelig, und das Herz schlägt ein bis
zwei Takte schneller als normal. Der grosse Krampf und die Mühe lohnen sich aber, und wir
erreichen pustend und keuchend den Gipfel, neuer Höhenrekord 5300m! Wir geniessen
zwischen einzelnen Nebelschwaden einen wunderbaren Blick ins Tal und die Bergwelt. Leider ist
aber der noch höhere Gipfel vor uns völlig im Nebel, und es ist deswegen unmöglich auch
noch diesen zu erklimmen. Auch die 6000er Berge lassen sich immer noch
nicht blicken. Nach dem Abstieg bekommen wir im Berghaus noch einen
heissen Coca Tee serviert. Der Hüttenwart scheint hier oben zu wohnen.
Anschliessend kurven wir mit dem Bus den steilen Weg wieder
hinunter zum Altiplano und zurück nach "La Paz". Gegen unserer
Erwartung endet die heutige Tour an der "Calle Sagarnaga" und nicht vor
unserem Hotel. Wir spazieren den etwa 10-minütigen Weg in unser
Hotel zurück und machen etwas müde von den Eindrücken und den rasanten
Höhenunterschieden erst einmal eine Siesta. Am Abend gehen wir dann noch
einmal in die Stadt und ins Reisebüro "Turismo Bolivia-Peru", um den
morgen beginnenden, 10-tägigen Trip nach Peru zu bezahlen. Alex, unser
Reiseberater, macht uns noch einmal sehr eindringlich darauf aufmerksam,
dass wir morgen pünktlich um 07.30 Uhr in der Hotellobby auf den
Touristenbus warten sollen.
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La Paz -
Copacabana
Dienstag 28. März
Um 07.00 Uhr haben wir unsere sieben Sachen gepackt
und suchen das Frühstück. Laut den Angaben unseres Hotels findet die
Frühstückszeit ab 07.00 Uhr bis 10.00 Uhr statt. Wir finden um diese
Zeit aber nur einen dunklen Speisesaal mit einem ziemlich leeren Buffet
vor. Nach einer Weile ist wenigstens das Wasser in dem grossen
elektrischen Thermoskrug heiss, und wir können unseren obligaten Coca-Tee
geniessen. Später in der Lobby bezahlen wir die Hotelrechnung und warten
dann wieder einmal eine geschlagene Stunde, bis uns der Bus um 08.30 Uhr
endlich abholt. Mit samt unserem Gepäck quetschen wir uns in den eng
bestuhlten und schon ziemlich gut besetzten Touristenbus. Jetzt kann die
Reise endlich beginnen. Während der Fahrt kommen wir an vielen kleinen
Siedlungen vorbei, und uns fällt auf, dass praktisch vor jedem der
kleinen Wohnhäusern aus Stein, neben Schafen und Kühen auch zwei bis
drei zufrieden grasende Schweine angebunden sind. Die Männer und
Frauen sind auf den Feldern und graben in mühsamer Handarbeit die
reifen Kartoffeln aus der Erde. Nach etwa 3 1/2 Stunden Busfahrt über den Altiplano erblicken wir bei schönstem Sonnenschein den riesigen, blau
schimmernden "Lago Titicaca" unter uns. Der See liegt auf ca. 3800m, ist
196km lang und durchschnittlich 56km breit, und seine grösste gemessenen
Tiefe beträgt 280m. Nach einer weitern Stunde Fahrt kommen wir nach "San
Pablo", wo alle
Passagiere den Bus verlassen und in ein Boot umsteigen müssen, das uns auf die andere Seite der Seeenge
"Estrecho de Tiquina" nach "San Pedro"
bringt. Der Bus wird für die Überfahrt separat auf ein eigenes, kleines Fährboot
geladen. Da wir uns nun ziemlich nahe der Grenze von Peru befinden,
müssen wir unsere Pässe zeigen, bevor wir wieder in den Bus einsteigen
können. Danach geht die Fahrt über einen Hügel die Strasse hinauf, und
wir können noch einmal die wunderbare Aussicht hinunter auf den See
geniessen. In "Copacabana", dem vom Tourismus lebenden Dorf direkt am Titicacasee, führt uns Juan, unser "Guía", zu unserem Hotel, wo wir die
heutige Nacht verbringen werden. Das Hotel "Mirador" scheint ziemlich
neu zu sein, und wir bekommen ein grosses, heimeliges Zimmer mit Blick
direkt auf den See. Wow! Wir haben jetzt aber nur ein paar Minuten Zeit die Rucksäcke ins Zimmer zu stellen, denn Juan wartet in der Lobby auf
uns, um uns in ein Restaurant zum Mittagessen zu bringen. Nach einem
vorzüglichen Menü gehen wir zum Hafen, wo bereits das Touristenboot
"Trans Titicaca Tour Isla del Sol" auf uns wartet, um uns zu der "Isla
del Sol" = Sonneninsel zu bringen. Laut Juan gibt es insgesamt 28
Inseln, davon drei grosse, im Titicacasee, von denen die meisten bewohnt
sind. Nach der zweistündigen Bootsfahrt über den
riesigen See kommen wir am Bootshafen der gebirgigen Insel an. Auf
unserer Wanderung über die Insel erfahren wir von Juan, dass noch drei
verschiedene Dörfer mit insgesamt 1500 Einwohner auf der Insel
existieren, eines unten im Tal, eines in der Mitte des Hügels und das
letzte zu oberst auf dem "Cerro". Es gibt allerdings auf der ganzen
Insel nur ganz unten eine Wasserstelle. Die Leute der oberen beiden
Dörfer kommen jeweils am Abend mit ihren Eseln den steilen, schmalen und
steinigen Weg hinunter, um am Brunnen Wasser zu holen. Eines haben
allerdings alle drei Dörfer gemeinsam, sie leben alle stark vom
Tourismus und ein wenig noch von der Landwirtschaft. Auf unserer
Wanderung über die steile Insel treffen wir immer wieder auf Schweine, Lamas,
Alpakas und Schafe. Die heimischen niederen Bäume und
Büsche, die hier wachsen, haben allesamt Namen aus der Ursprache "Quechua",
wie zum Beispiel "Kiswara", "Kolli", "Keña" und
"Kentuta", der Strauch mit den trompetenartigen, roten
Blüten, der Nationalblüte Boliviens. Ausserdem wachsen hier
auch Heilkräuter, wie zum Beispiel "Muña", ein nach Minze riechendes
Kraut. Der Tee, den man daraus herstellt, soll bei Atembeschwerden
helfen. Um die Erde auf der Insel zu stabilisieren und vor Erosion zu
schützen, pflanzte man ausserdem auch von Australien eingeführte Eukalyptusbäume
an.
Gegenüber der Sonneninsel liegt die etwas kleinere "Isla de la Luna" =
Mondinsel, die wir von der Höhe aus sehr gut erkennen können. Die Aussicht
von hier oben auf den grossen "Titicacasee" ist überhaupt
unbeschreiblich schön. Auch können wir die vielen gut
erhaltenen, von den Inkas in harter Arbeit angelegten Terrassengärten
erkennen, die heute aber nicht mehr als Anbaufläche genutzt werden.
Danach führt uns Juan zu dem Inkatempel "Pilco Cayna". Die Bauart
dieses Tempels, dessen Dach auch aus Steinen besteht, wurde ursprünglich
vom Aymara-Urvolk gebaut, die dann von den Inkas vertrieben wurden. Von
Juan erfahren wir sehr viel interessantes über die Inkas. Inka ist
eigentlich nicht ein Name für ein ganzes Volk, sondern bedeutet König.
Das Volk in dieser Region waren die "Quechuas" und wurden von einem
Inka regiert. Der Palast des Königs kennzeichnet sich an der
Eingangstüre durch drei Ecken, andere wichtige Gebäude sind durch zwei
Ecken gekennzeichnet, während die Türen der einfachen Häuser nur eine Ecke
haben. Die Gemächer des Inka sind in zwei Gebäude unterteilt. Der obere
Teil, der Palast, diente zum regieren und der untere Teil, der Tempel,
diente als Wohnraum. Nach dieser spannenden Entdeckungstour in die
Geschichte der "Quechuas" geniessen wir noch einmal die atemberaubende
Aussicht zu der Mondinsel und über den See. Auf dem Rückweg zu unserem Boot treffen wir noch ein kleines
einheimisches Mädchen, das wir mit einem Bonbon überreden können, sich
zusammen mit mir fotografieren zu lassen. Es zeigt sich wieder einmal,
dass es sich auf jeden Fall lohnt, immer ein paar "Zältli" bei sich zu haben. Auf der zweistündigen Rückfahrt mit dem Boot nach "Copacabana" machen
wir noch Bekanntschaft mit Anna, einer Italienerin, Roxana aus
Chile und Joseph, ein nach Kanada ausgewanderter, älterer Pole. Später
verbringen wir mit Anna und Roxana einen lustigen und gemütlichen
Abend. Bis jetzt war unsere gebuchte Reise ein echter Erfolg!
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Copacabana -
Puno (Peru)
Mittwoch 29. März
Um 09.00 Uhr werden wir in der Hotellobby von Juan
zur Besichtigung des Dorfes "Copacabana" abgeholt. Leider giesst es aber
wie aus Kübeln, und wir werden schon nass auf dem Weg zum anderen Hotel, wo wir unsere Rucksäcke einstellen können und auf Roxana, Anna und
Joseph warten. Auf Grund des schlechten Wetters wird das heutige
Programm etwas verkürzt, wir besichtigen nur die Kathedrale und lassen
die Wanderung auf den "Cerro" des Dorfes aus. Die wunderschön gebaute
Kathedrale ist der "Virgen de Candelaria" = Heilige von Candelaria und
Patronin von Bolivien und der "Pachamama", der Mutter Erde aus der
Inkazeit gewidmet. Juan erklärt uns, dass in Bolivien der christliche
Glauben sowie auch der Glauben der Urvölker zelebriert wird. Die Schutzheilige
von Bolivien reiste von "Copacabana" nach "Potosí", nach Argentinien und
nach Brasilien, wo auch heute noch Orte oder auch der bekannte Strand
von "Rio de Janeiro" den Namen
"Copacabana" tragen. Vor der Kirche hat es einen grossen Aussenhof,
damit Gott, so erklärt Juan, auch nach aussen wirken kann. Ausser der
mit Goldarbeiten verzierten und mit schönen Malereien geschmückten
Altargegend ist die Inneneinrichtung des Hauptraumes der Kathedrale eher
schlicht und einfach. Im oberen Stockwerk des Gebäudes befinden sich
noch zwei weitere, etwas kleinere Gebetsräume, einer davon ist der
Patronin Boliviens gewidmet. Alle 4 Monate wird die "Virgen" in ein
neues Gewand eingekleidet, und ihr Kleiderschrank ist schon bis zum Jahr
2038 gefüllt. Unglaublich! Die meisten Bolivianer machen einmal in
ihrem Leben eine Reise an den Titicacasee, nach "Copacabana", um ihre
Heilige Mutter zu verehren. Auch in der "Semana Santa", der Woche vor
Ostern, gilt dieser Ort als spezieller Pilgerort. Als wir die Kirche
verlassen, hat es aufgehört zu regnen, und die Sonne kämpft sich durch
die Wolken. Ausserdem werden wir Zeuge eines speziellen Brauches in
"Copacabana". Regelmässig werden hier die Autos gesegnet, damit sie in
keinen Unfall verwickelt werden. Als erstes segnet ein Priester mit
Weihwasser die offene Kühlerhaube des Autos und bittet die Muttergottes
um ihren Segen. Danach wird aber auch die Inkagöttin "Pachamama" =
Mutter Erde verehrt, indem Chips und Blüten auf das Auto verteilt und Bier rund um
das Auto verspritzt wird. An einem Stand werden heute aber auch noch
Miniaturen für spezielle Zukunftswünsche angeboten. Wenn man sich für die
Zukunft ein Hochschuldiplom wünscht, kann man heute die Miniaturausgabe eines
Diploms erstehen. Aber auch Modellautos, kleine mit Geld gefüllte
Reisekoffer und vieles mehr kann man sich erkaufen. Nach diesem Schauspiel
und einem anschliessenden Mittagessen verabschieden wir uns von Juan,
unserem Reiseleiter, Roxana
und Anna, die nach La Paz zurück fahren. Joseph und wir zwei werden um 14.00
Uhr nach "Puno" weiter reisen. Juan bringt uns noch
zum Bus, wo wir Ines kennen lernen, die uns auf dieser Fahrt
begleiten wird. Nach 10 Minuten Fahrt sind
wir bereits am bolivianischen Zoll und bekommen unsere Ausreisestempel.
Zu Fuss können wir danach durch den magischen Torbogen über die Grenze spazieren,
um uns den peruanischen Einreisestempel abzuholen. Das ganze Prozedere
geht ohne Schwierigkeiten und ohne lange Warterei über die Bühne, auch das Gepäck wird
wieder Erwarten nicht kontrolliert. In einem kleinen Kleiderladen
wechseln wir noch ein paar Dollars zu peruanischen Soles, bevor wir für
die Weiterfahrt in den peruanischen Bus umsteigen, wo auch das Gepäck
auf das Busdach gehievt wird. Auf der peruanischen Seite des
Titicacasees sieht die Landschaft nicht anders aus als in Bolivien. Auch
hier leben die Menschen von Ackerbau, Viehzucht, Esel-, Schaf-, Lama- und
Schweinehaltung. Die knapp zweistündige, ruhige Fahrt bringt uns sicher
und heil bis zum Busterminal von "Puno". Am Terminal werden wir bereits
von einem Chauffeur erwartet, der erstaunlicherweise ein Plakat mit Marco's Namen in die
Luft hält. Er bringt uns mit einem Minibus zum vorreservierten Hotel
"Balsa Inn". Kaum haben wir unser wunderschönes, mit Heizung bestücktes
Zimmer bezogen, klopft es an der Türe und ein Agent des lokalen Reiseveranstalters
"Inka Wasi" steht vor der Türe, um mit uns das morgige Programm zu besprechen. Bis
jetzt klappt wirklich alles ausnahmslos wie am Schnürchen, und wir sind
für einmal froh, nicht immer alles selber organisieren zu müssen. Die weiteren Berichte unserer Abenteuer in
Peru sind
im
Reporte Peru zu erfahren.
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La Paz
Donnerstag 6. April
Es ist ca. 11.00 Uhr, die Stunde Zeitverschiebung
eingerechnet, als wir das Dorf "Copacabana" erreichen
(siehe
Reporte Peru).
Um 13.00 Uhr fährt unser Bus von "Milton Tours" nach "La Paz" weiter.
Noch einmal fahren wir dieselbe Strecke über den Hügel mit der
wunderbaren Aussicht auf den "Lago de Titicaca", und noch einmal müssen
wir in "San Pedro" unsere Pässe zeigen und in ein Boot umsteigen, das
uns über den "Estrecho de Tiquina" in das gegenüberliegende Dorf nach
"San Pablo" bringt. Nachdem es auch der Bus mit der speziellen "Lancha"
= kleine Fähre über die Seeenge geschafft hat, steigen wir wieder ein
und weiter geht die Fahrt. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir "El Alto".
Die Stadt mit den 2 Millionen friedlich zusammenlebenden Bolivianern und
den tausend rauchenden und stinkenden Dieselbüssli hat uns wieder! Aber
nicht nur wegen des schwarzen Rauches bleibt einem die Luft weg, denn es
ist immer wieder ein atemberaubendes Schauspiel, wenn man auf der
steilen Strasse von "El Alto" hinunter in die im Talkessel liegende
Innenstadt von "La Paz" fährt. Um 17.00 Uhr erreichen wir die Endstation
unseres Busses, und wir ergattern uns sogleich ein Taxi mit dem wir zu
unserem vorreservierten Hotel "Diamante Azul" an der "Calle Aroma"
fahren. Unsere Reservation hat tatsächlich geklappt, und wir bekommen
ein wunderschönes Doppelzimmer im dritten Stock. Nach einer heissen,
wärmenden Dusche gehen wir noch einen Sprung in die Stadt und essen in
einem authentischen, kleinen, bolivianischen Restaurant inmitten der
Einheimischen ein vorzügliches, typisches Menü aus Reis, Kartoffeln und
Poulet- oder Lammfleisch und mit einer Suppe als Nachspeise.
Freitag 7. April
Heute geniessen wir einen ruhigen, sonnigen Tag in
der Stadt. Unter anderem widmen wir uns endlich wieder einmal unserer
Portadapage. Am Nachmittag spazieren wir durch die verschiedenen,
faszinierenden und einzigartigen Marktgassen von "La Paz". Natürlich
schauen wir auch noch schnell bei der "Agencia Turismo Bolivia-Peru"
vorbei, um uns bei Alex für die super organisierte und eindrückliche
Reise zu bedanken. Alex ist hoch erfreut über unseren Besuch, und seine
Augen leuchten, als wir ihm die Grüsse seiner Schwester und seines
Schwagers aus "Ollantaytambo" ausrichten. Am Abend spazieren
wir zufälligerweise an einer kleinen Garage vorbei, in der einfache
Holzstühle aufgestellt sind. Zuvorderst ist eine Leinwand gespannt, und
irgend ein Film wird für ein paar Bolivianos gezeigt. Hier in "La Paz"
wird jedes noch so kleine Schlupfloch genutzt, um irgend einem Geschäft
oder einem Handwerk nach zu gehen. Nach dem kleinen
Stadtspaziergang kehren wir wieder in unser gemütliches Hotel zurück.
Samstag 8. April
Unser Ziel für heute ist es, unsere Portadapage so weit
zu aktualisieren, dass wir die neuesten Berichte endlich ins Internet
stellen können. Da wir in der letzten Woche beide ein wenig
gesundheitlich angeschlagen waren, sind wir mit unseren Berichten etwas
im Hintertreffen. Am späteren Nachmittag sind wir dann aber so weit und
haben unser Werk beendet. Für heute Abend haben wir uns per E-Mail mit
Anna, der Italienerin, die wir in "Copacabana" kennen gelernt haben, in
unserer Hotellobby um 19.00 Uhr verabredet. Aber auch um 20.00 Uhr
ist immer noch keine Spur von Anna zu sehen. Um 21.00 Uhr treffen wir sie
dann aber zufälligerweise am "Plaza San Francisco", wo sie uns ganz
zerknittert mitteilt, dass sie unser Hotel nicht finden konnte.
Hauptsache ist, wir haben uns getroffen. In einer kleinen Bar mit
einheimischer Live-Musik feiern wir unser Wiedersehen und verabreden uns
für morgen Nachmittag.
Sonntag 9. April
Auch heute empfängt uns "La Paz" mit wunderbarem,
sonnigen Wetter, und wir können vom Dach unseres Hotels sogar den
Hausberg "Nevado Illimani" (6462m) erkennen. Auch heute am Sonntag ist
einiges los in der Stadt, denn heute beginnt mit dem Palmsonntag die "Semana
Santa" = heilige Woche. Vor allem rund um die Kirche "San
Francisco" werden aus Palmblättern, hübsch geflochtene Zweige verkauft. Heute klappt auch die Verabredung mit Anna, die
uns pünktlich um 14.00 Uhr in unserem Hotel erwartet. In einer
gemütlichen Pizzeria trinken wir Kaffee, teilen uns eine Pizza und
besprechen unsere Reisepläne. Anna, die noch bis Ende April in "La Paz"
in einer sozialen Organisation arbeitet, hat in der "Semana Santa"
etwas Zeit, um zu reisen und wird uns begleiten. Am kommenden Dienstag
werden wir also zu dritt nach "Uyuni" fahren, den Salar besuchen und
weiter nach "Potosí" und "Sucre" reisen. Während Marco ins Hotel
zurückkehrt, um noch etwas an der Portadapage zu arbeiten, spazieren Anna
und ich in die Innenstadt, wo wir gerade noch den letzten Teil eines
Strassenkonzerts der bolivianischen Band "Desaires" mitbekommen.
Später, um 18.30 Uhr, treffen wir uns alle drei wieder vor dem Kino. Hier
ist heute der Bär los, und die Leute stehen bis auf die Strasse Schlange,
um sich ein Ticket für den Film "Era de Hielo 2" zu ergattern. Auch wir
stellen uns hinten an und können nach etwa 20 Minuten tatsächlich für die
hinterste Sitzreihe noch drei Tickets ergattern. An der hinteren Wand der
Kinokasse hängt ein grosses Holzbrett mit Löchern, in denen die Zettelchen mit den
Sitzplatznummern stecken, die jeweils beim Verkauf eines Eintritts
herausgezogen werden. Ein perfektes System, ohne grossen Aufwand und
ohne Computer. Obwohl wir in der hintersten Reihe sitzen, haben wir einen
wunderbaren Blick auf die riesige Leinwand. Das Ambiente in dem vollen
Kino ist genial, und die Kinder, die nicht mehr ruhig sitzen können,
nutzen den hintersten Teil des Kinos als Spielplatz. Nach dem herzigen
Film gehen wir drei wieder zum "Plaza San Francisco" und suchen uns
eine Bar. Etwas versteckt in einer Seitengasse finden wir ein Lokal, wo
ein DJ Musik auflegt und ein anderer mit dem Mikrofon die Leute
auffordert zu tanzen. Eine richtige authentische, bolivianische Disco!
Später lernen wir noch eine Gruppe einheimische Frauen kennen. Margot,
die heute 25 Jahre alt wird, ist frischgebackene Kinderärztin, und Sonya,
ihre Schwester, ist Textilverkäuferin. Zusammen verbringen wir einen schönen Abend
bis in die frühen Morgenstunden und werden von Margot und Sonya,
die in "El Alto" wohnen, für morgen gleich zum Mittagessen eingeladen.
Montag 10. April
Um 12.00 Uhr treffen wir uns mit Anna vor der "Iglesia
San Francisco", um gemeinsam nach "El Alto" zu Sonya und Margot zu
fahren. Als erstes gehen wir aber noch zur Post, um unsere Briefe
aufzugeben. Danach kaufen wir am Markt Blumen und Kuchen für das
Geburtstagskind Margot. Der Mini-VW-Bus, den wir uns aussuchen, um nach
"El Alto" zu gelangen, ist bis auf den letzten Platz besetzt und
schlängelt sich mitten durch die holperigen Strassen der Stadt. Der
Kuchen, die Blumen und wir werden auf der etwa 3/4- stündigen Fahrt
regelrecht durchgeschüttelt. In "El Alto" zeigt uns eine sehr nette
einheimische Dame den Weg durch den gefährlichen Verkehr der tausend
Minibusse zum Platz, wo wir Sonya anrufen, die uns versprochen hat uns
hier abzuholen. Nach einer halben Stunde kommt sie dann auch tatsächlich,
und wir steigen noch einmal in einen Minibus ein, der uns in den
ziemlich weit entfernten, aber dafür sehr ruhigen Stadtteil von "El Alto"
bringt, wo Sonya und Margot mit ihrer Mutter leben. Das Wiedersehen ist
sehr herzlich und freudig, und wir lernen gleich noch zwei Bekannte der
Familie kennen. Das kleine, einstöckige und einfache Häuschen besteht
aus einem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, einer Küche und einem Bad. Der
einzige Luxus, der für uns sichtbar ist, sind ein Fernseher und ein DVD-Gerät. Sonya tischt uns ein hervorragendes, typisch bolivianisches "Fricase"
auf, "Fricase" = pikante Suppe mit speziellen schwarzen, kleinen
Kartoffeln, einer weissen, grosskörnigen Maissorte und Pouletfleisch. Vor dem Essen
spricht die Mutter des Hauses noch ein Tischgebet, indem sie auch uns
Reisenden den Segen wünscht. Nach dem Essen bedankt man sich gegenseitig
für das feine Mahl und die Gesellschaft und wünscht sich "bon provecho"
= guten Appetit. Wir bleiben etwa zwei Stunden bei dieser
fröhlichen und herzlichen Familie und tauschen selbstverständlich noch
diverse E-Mail-Adressen aus, bevor wir uns verabschieden. Sonya
begleitet uns noch zu einem Minibus, der auf direktem Weg,
der Hauptstrasse entlang, ins Stadtzentrum von "La Paz" zurückfährt. Am Abend
gehen wir noch im Reisebüro von Sabina vorbei, wo wir die
vorreservierten Bus- und Zugtickets nach "Uyuni" abholen können.
Ausserdem hat Sabina gleich noch eine Hotelreservation vorgenommen, für
die wir sehr dankbar sind, denn immerhin treffen wir erst um 22.30 Uhr
in "Uyuni" ein. So können wir morgen ganz entspannt die Reise geniessen.
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La Paz - Oruro - Uyuni
Dienstag 11. April
Um 09.00 Uhr verabschieden wir uns von den sehr
freundlichen Leuten des neuen und sehr schönen Hotels "Diamante Azul".
Mit einem Taxi, das wir spontan auf der Strasse anhalten, fahren wir dann mit
Sack und Pack zum Busterminal, wo wir uns mit Anna treffen, mit der wir
diese Woche herumreisen werden. Pünktlich um 10.00 Uhr fährt der Bus des
Unternehmens "Transporte Copacabana I" in Richtung "Oruro" los. Die
dreistündige, sonnige Busfahrt verläuft sehr ruhig und bequem, und wir
treffen um 13.00 Uhr gesund und munter am Bahnhof von "Oruro" ein. Unser
erster Eindruck dieser hässlichen Stadt, die Marco und ich ja schon
einmal durchfahren haben, bestätigt sich. Wir haben noch etwa zwei
Stunden Zeit, bis der Zug fährt, aber wir suchen vergebens nach einem
Restaurant oder Café, das geöffnet hat. So kaufen wir dann bei einem
Stand röstiähnliche, mit Poulet gefüllte, frittierte Kartoffelklösschen
und richten uns vor der Bahnhofhalle ein. Um 14.30 Uhr trudelt dann auch
bereits der Zug "Expreso del Sur" ein. Zehn Minuten vor Abfahrt
klingelt der "Jefe de Estacion" einmal mit der Bahnhofsglocke, was
bedeutet, dass es Zeit ist in den Zug zu steigen. Fünf Minuten vor Abfahrt
wird zwei mal geklingelt und kurz vor der Abfahrt drei mal. Dann geht
die Reise los. Dieses Mal ist der See, den wir kurz nach "Oruro"
durchfahren, viel trockener als beim letzten Mal, als wir von "Tupiza"
her hier durchgefahren sind. Man merkt, dass die Regenzeit zu Ende ist,
und die Landschaft daher schon ziemlich abgetrocknet ist. Die angenehme,
siebenstündige Zugfahrt wird uns mit einem Volkloremusikvideo und drei Filmen
verkürzt. Zwischendurch rauscht immer wieder ein Kellner
vorbei und bietet Getränke und Speisen an. Auch diesmal ist die
Sauberkeit im Zug vorbildlich, denn etwa jede Stunde wird der Boden der
Abteile und die Toilette mit ziemlich viel Chemiewasser durchgefegt. Als am
Abend die Dämmerung einsetzt, erleben wir einen wunderbaren
Sonnenuntergang auf diesem eindrücklichen Hochland. Um 22.30 Uhr treffen
wir in "Uyuni" ein und werden tatsächlich von Sandra, einer
Reiseleiterin, erwartet und zum vorreservierten Hotel "Julia" gebracht.
Sandra bedauert, dass es keine Zimmer mit Privatbad mehr gibt, denn es
seien hunderte von Minenarbeitern in "Uyuni" stationiert, da in einer
Mine im nächsten Dorf anscheinend Gold gefunden wurde. Für Anna und uns
zwei spielt dies aber keine grosse Rolle, und wir sind froh, haben wir
ein Bett zum Schlafen. In Sandras Reisebüro können wir dann gleich noch
den Ausflug zum weltgrössten Salzsee für morgen buchen. Am Abend kühlt
die Luft sehr stark ab, und wir müssen uns für den kleinen Rundgang durch
das ruhige Dorf richtig winterlich warm ausstaffieren. Da alle
Restaurants bereits geschlossen haben, verköstigen wir uns mit einem
Hamburger an einem Stand direkt vor unserem Hotel. Mit Glück finden wir
dann aber doch noch ein geheiztes Pub, wo wir noch ein Bier trinken,
bevor wir in unserem kalten, ungeheizten Zimmer tief unter die Decken
kriechen.
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Uyuni
Mittwoch 12. April
Nach dem gemeinsamen Frühstück im Hotel machen Anna,
Marco und ich uns auf den Weg zu Sandras Reisebüro, wo schon der Jeep
für unsere Salztour bereit steht. Zusammen mit Diego, einem Argentinier
aus "Cordoba" und einer dreiköpfigen, brasilianischen Familie geht die
Tour um 10.30 Uhr los. Als erstes besuchen wir den Eisenbahnfriedhof,
der aber nicht wirklich spektakulär ist, denn auf verrosteten Gleisen
stehen ein paar ausgediente, ebenfalls rostige Lokomotiven und Waggons
herum. Danach geht die Fahrt weiter in das Dörfchen "Colchani", das
gleich vor dem Salar = Salzsee liegt. Hier gibt es ein kleines
Salzmuseum, in dem aus Salz gefertigte Statuen und Tiere ausgestellt
sind. Um ein Foto von den Skulpturen machen zu dürfen, bezahlt man
allerdings stolze 5 Bolivianos! Ausserdem werden auf einem winzigen
Markt kleine Handarbeiten aus Salz angeboten. Marco und ich kaufen uns
für 10 Bolivianos ein aus Salz gefertigtes Lamapärchen als Andenken. Und
dann fahren wir endlich über den eindrücklichen, gewaltigen, schneeweiss
glänzenden Salar. Leider ist unser "Guía" und Fahrer sehr wortkarg, und
wir müssen ihm richtig gehend die Würmer aus der Nase ziehen. Wir
erfahren dann doch noch, dass die Fläche des Salars 12'000km² beträgt.
Unter der 7m bis 8m dicken Salzschicht befindet sich Wasser. Es ist
unglaublich, wenn man denkt, dass wegen der Regenzeit vor drei Wochen
noch etwa 5cm Wasser auf der Salzschicht lag. Jetzt ist das meiste
abgetrocknet, und man erkennt an gewissen Stellen wabenförmige Muster, die
sich durch die Trockenheit gebildet haben. Unser Jeep fährt dann auch
mit stolzen 80 Sachen über die topfebene, trockene Salzkruste. In der Mitte des Salzsees
liegt aber immer noch etwas Wasser, und die Berge rund um den See und die
Wolken, die am stahlblauen Himmel hängen, spiegeln sich wunderschön im
klaren, weiss glänzenden Wasser. Uns kommt es vor, als würden wir durch eine riesige, flache
Schnee- und Eislandschaft hindurch fahren. Uns fehlen die Worte dieses
einzigartige und wunderschöne Naturwunder zu beschreiben. Die "Isla del
Pescado", die Insel, die mitten in der Salzwüste liegt, ist unser
nächstes Ziel. Die Insel ist bekannt wegen den riesigen Kakteen, die hier
wachsen. Laut unserem Führer leben auf der Insel zwei Familien und zwei
andere Leute, die den Eintritt von 10 Bolivianos für den Besuch der Insel
einheimsen. Wir sind über den Eintrittspreis, den auch wir aus eigenem
Sack bezahlen müssen, etwas erstaunt, denn als wir den Ausflug bei
"Sandra Tours" gebucht haben, hat es geheissen, es sei alles im Preis
inbegriffen. Unser "Guía" will von allem natürlich nichts wissen, und so
bezahlen wir den Eintritt. Überraschenderweise erfahren wir von all den
anderen Mitreisenden, dass sie für die selbe Tour nur 15 Dollars
bezahlten, während wir drei 30 Dollars, also das doppelte, hinblättern
mussten. Heute Abend werden wir dann mit Sandra noch eine kleine
Diskussion über diesen Preisunterschied führen. Jetzt geniessen wir aber
erst einmal die Wanderung über die Insel und zum höchsten Punkt, von
wo aus wir eine wunderbare Aussicht über den ganzen Salar haben. Nachdem
wir alles in unseren Fotoapparaten festgehalten haben, wandern wir den
steinigen Weg durch die unglaubliche, von hohen Kakteen übersäte
Inselwelt wieder zurück zu unserem Jeep. Hier wartet unser "Guía" mit
dem Mittagessen auf uns. Auf den Bänken aus Salz machen wir es uns rund
um einen Salztisch bequem und geniessen bei sonnigem, heissen Wetter die Mahlzeit bestehend aus "Quinoa",
Lamakoteletten, Gurken und Tomaten. Eine Stunde später steigen wir
wieder in den Jeep und fahren etwa eine halbe Stunde auf dem Salzsee
zurück, bis zum "Hotel de Sal". Das Hotel wurde beinahe komplett
aus Salz errichtet und wird von einer einheimischen
Familie geführt. Die Einrichtung und die Bauart des Hotels gefällt uns
allerdings nicht, denn uns erscheint es, als sei alles etwas schnell und
lieblos erbaut worden. Die Tische und Stühle zum Beispiel sehen aus wie
hingeworfene Klötze, die Betten sind hart und unbequem, und ausserdem
sind die Fenster teilweise kaputt und undicht. Nie würden wir hier übernachten wollen und dann
auch noch stolze 20 Dollars bezahlen. Allein für die Hotelbesichtigung muss man entweder etwas bezahlen oder
konsumieren. Nach einem obligatorischen Kaffee machen wir noch ein paar verbotene Fotos im Hotel. Verboten
deshalb, weil man auch für das Fotografieren hätte bezahlen müssen.
Danach lassen wir uns von unserem Fahrer wieder nach "Uyuni" fahren. Mit
der brasilianischen Familie verabreden wir uns dann noch für das
Nachtessen, und Diego werden wir später noch auf ein Bier treffen. Im
Büro von "Sandra Tours" erklären wir dann unser Preisproblem, worauf
Sandra erklärt, dass Sabina vom Reisebüro in "La Paz" uns
weitervermittelt hat und auch 10 Dollars daran verdient. Netterweise bekommen
wir dann aber je 10 Bolivianos für die Eintritte auf die Insel zurückerstattet.
Das nächste Mal werden wir unseren Trip gleich vor Ort in "La Paz"
buchen, wo uns die ganze Übung gerade mal die Hälfte gekostet
hätte. Wieder etwas gelernt! Positiv zu erwähnen ist aber noch, dass wir
für morgen schon reservierte Billete für die Fahrt nach "Potosí" haben,
die uns Sandra organisiert hat. Wir geniessen dann noch einen
gemütlichen Abend mit den Brasilianern und später mit Diego, dem
sympathischen Lebenskünstler aus Argentinien.
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Uyuni - Potosí
Donnerstag 13. April
Um 09.30 Uhr warten wir vergeblich auf Sandra, die
uns gestern versprochen hat, uns zum Terminal und zu unserem Bus zu
begleiten. Nach zehn Minuten packen wir unsere sieben Sachen und machen
uns alleine auf die Suche nach dem Terminal. "Uyuni" ist ein kleines,
ruhiges, unscheinbares Dörfchen, und deshalb ist es für uns auch nicht schwierig den
Terminal und unseren Bus des Unternehmens "Trans Emperador" zu finden.
Pünktlich um 10.00 Uhr ist das Gepäck auf dem Busdach verschnürt, und
wir fahren in dem mehr oder weniger bequemen Bus los. Der Weg führt
uns über eine gut planierte Naturstrasse durch eine gebirgige und eher
trockene Natur. Ab und zu hält der Bus in einem unwegsamen kargen
Gebiet mit ein paar einfachen Steinhäusern, wo Leute ein- oder
aussteigen. Unglaublich in welch einfachen Verhältnissen, ohne Strom und
Wasser, einige Einheimische leben. Auf der Fahrt lernen wir die
Österreicherin Isabelle kennen, die übrigens den gleichen Jahrgang hat
wie ich und sogar im selben Monat Geburtstag hat. Nach drei Stunden
Fahrt erreichen wir ein kleines Dorf, wo wir 20 Minuten Pause
machen. Hier hat man die Möglichkeit, in einem kleinen Restaurant ein
Mittagessen zu geniessen. Marco und ich haben aber keinen Hunger und
spazieren etwas durch das Dorf, das nur aus wenigen, einfachen Steinhäusern
und diesem Restaurant zu bestehen scheint. Dann geht die Fahrt weiter über
Hügel und steinige Wege, bis wir um 16.00 Uhr in "Potosí" eintreffen. Zu
viert fahren wir mit dem Taxi in die Nähe des Stadtzentrums und finden
in der sehr einfachen "Hospedaje San Jose" zwei Doppelzimmer. Am Abend
spazieren wir noch etwas durch die Stadt und gehen in einem Restaurant
essen, wo wir für einen kleinen Preis gigantische Portionen serviert
bekommen. Auf dem Heimweg kommen uns gewaltige Menschenmengen entgegen.
Ganz "Potosí" scheint auf der Strasse zu sein, um den Gründonnerstag zu
zelebrieren. In der Kathedrale findet auch noch eine Messe statt. Wir
vier Reisevögel sind aber etwas müde von der heutigen Reise und kriechen
in die etwas unbequemen, einer Badewanne ähnlichen Betten.
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Potosí
Freitag 14. April
Isabelle verabschiedet sich heute Morgen von uns, da
sie die Höhenkrankheit mit Kopfschmerzen und Schwindel nicht los wird
und fährt nach Sucre. Auch Marco kränkelt seit gestern
wieder etwas vor sich hin, und deshalb machen wir uns einen ruhigen Tag. Am Mittag
treffen wir uns mit Anna für eine Besichtigungstour durch die Stadt. "Potosí"
ist mit etwa 4200m eine der höchst gelegenen Städte der Welt. Die
Silberminen, die im 16. Jahrhundert zu den reichsten und grössten der
Welt gehörten, waren im 18. Jahrhundert erschöpft, und viele Einwohner
der Stadt wanderten ab. 1987 wurden die Silberminen von der UNESCO zum
Weltkulturerbe erklärt und ziehen seit dem viele Touristen an. Heute
lebt die Stadt hauptsächlich vom Abbau von Kupfer, Zinn und Blei und von
der Bierbrauerei. Wir besuchen nicht die Silberminen sondern spazieren
der "Calle Oruro" entlang zu der "Iglesia San Lorenzo" am "Mercado
Central" vorbei und zum Hauptplatz "Plaza 10 de Noviembre", wo sich auch
die Kathedrale befindet, die im Moment leider gerade renoviert wird.
Nach einer kleinen Pause auf einer Bank an der Sonne spazieren wir durch
einige, hübsche und malerische Gassen zu der "Iglesia San Francisco".
Danach nehmen wir uns ein Taxi und lassen uns zu einem Aussichtspunkt
bringen. Der Taxist erklärt uns, dass es in "Potosí" etwa 25 Kirchen
gibt, die zum Teil als Museen genutzt werden. Am Fusse des
Aussichtspunktes, der ein modernes, auf einem Sockel gebautes Restaurant
ist, verlassen wir das Taxi. Leider ist aber der Weg hinauf zum "Mirador" geschlossen, und so können wir keine Aussichtsfotos
von der
Stadt machen. Wir machen uns also wieder auf den Rückweg in das Stadtzentrum
und sehen in der Ferne noch die älteste Kirche von "Potosí". Wir finden,
dass ausser ein paar wirklich schöne Kirchen und malerische Gassen "Potosí" eine langweilige, nicht gerade berauschende Stadt
ist. Zum
Schluss spazieren wir zum Busterminal und kaufen für morgen drei
"Boletos" nach "Sucre".
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Potosí - Sucre
Samstag 15. April
Um 10.45 Uhr finden wir uns am Terminal von "Potosí"
ein und warten auf unseren Bus, der laut Fahrplan um 11.15 Uhr nach
"Sucre" fahren soll. Fünf Minuten nach unserem Eintreffen am Terminal
kommt uns die "Señorita", die uns gestern die Tickets verkauft hat,
entgegen und teilt uns mit, dass alle Busse ihres Unternehmens in Sucre sind und
heute keine Fahrten mehr statt finden. Darüber sind wir sehr erstaunt
und etwas sprachlos und trotzdem sehr erfreut, dass wir von der netten "Señorita"
informiert werden. Wir bekommen auch ohne weiteres unser Geld zurück, um
bei einem anderen der zahlreichen Busunternehmen die Tickets zu kaufen.
Wahrscheinlich besteht ein Busunternehmen in Bolivien aus einem, maximal
zwei Bussen. Marco ist ganz
Gentleman und macht sich für uns drei auf die Suche nach einem
Ticketverkäufer, der ihm allerdings zuerst nicht glauben will, dass
seine 50 Bolivanonote echt ist, die wir von der "Señorita" zurück
bekommen haben. Marco ist aber ein zäher Verhandler, und so bekommt er
schlussendlich doch noch drei "Boletos" für die Fahrt um 12.15 Uhr
nach "Sucre" beim Busunternehmen "Trans 6 de Octubre". Jetzt haben wir
noch eine knappe Stunde Zeit, in der wir an einem Stand einen feinen
Kaffee trinken und frühstücken. Die Strecke von "Potosí" in die
bolivianische Hauptstadt "Sucre" ist asphaltiert, und die Fahrt mit dem
Bus dauert deshalb nur etwa drei Stunden. Am Anfang führt die Strasse
eine Passstrasse hinauf, bevor man dann auf der anderen Seite den
Altiplano verlässt und wieder tiefer das Tal hinunter in die etwa 2800m hoch gelegene Stadt "Sucre" fährt. Um etwa
16.30 Uhr fahren wir durch eine wunderschöne, mit Gartenanlagen
aufgelockerte Avenida zum Busterminal. Wir nehmen uns ein Taxi und lassen
uns zu dem von Sylvia aus "Tupiza" empfohlenen Hostal "Cruz de Popayan"
fahren. Anna nimmt sich ein Bett in einem Vierer-Zimmer, und Marco und
ich bekommen mit Glück noch ein Doppelzimmer mit TV. Wir sind alle etwas
müde, und draussen regnet es in Strömen. Deshalb verbringen wir einen
ruhigen Nachmittag im Hostal. Später reservieren wir gleich an der Rezeption
des Hostals noch drei Plätze für die morgige Fahrt zu dem bekannten
Sonntagsmarkt in "Tarabucco".
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Sucre
Sonntag 16. April
Bereits um 07.00 Uhr ist heute Tagwache. Das Wasser
in der Dusche ist leider bitter kalt, obwohl auf dem Hotelprospekt
versprochen wird, dass uns 24 Stunden heisses Wasser zur Verfügung
steht. Na ja, da müssen wir jetzt durch und frieren uns beinahe alle
Körperteile ab, da auch die Aussentemperaturen ziemlich kühl sind.
Wenigstens regnet es aber nicht. Um etwa 09.30 Uhr werden wir vom
Touristenbus abgeholt, und wir fahren ca. 1 1/2 Stunden auf einer
Schotterpiste einen Hügel hinauf zum Dorf "Tarabucco". Gleich
in der Reihe hinter uns sitzt Anna, die Italienerin, neben Anna, eine
Neuseeländerin. Als wir ankommen, ist es
gleich noch einmal eine Spur kälter! Marco und ich haben eine lange
Einkaufsliste erstellt und shoppen uns nun durch den wunderschönen
Markt. Nach eineinhalb Stunden haben wir unsere schöne, bolivianische
Reisetasche mit handgestrickten Wollkleidern gefüllt. Der Sonntagsmarkt
in "Tarabucco" ist wirklich eine sehr gute Empfehlung, denn hier findet
man tatsächlich nur allerbeste Qualität aus reiner Schafs,- Lama,- und
Alpakawolle. Die Preisverhandlungen sind hier allerdings sehr zäh, und
man kann den erst genannten Preis höchstens um fünf Bolivianos hinunter
markten. An dem Marktstand, wo sich Marco seinen Alpakapullover kauft,
verhandle ich sehr eisern, und wir bekommen das gute Stück schlussendlich für fünf Bolivanos weniger, da ich dem kleinen Söhnchen noch einen Schleckstengel
schenke. Nach dem Einkaufsbummel treffen wir uns mit Anna 1, Anna 2
und einem Amerikaner in einem kleinen Marktrestaurant und wärmen uns bei
einer warmen Suppe auf. Um 13.30 Uhr fährt uns unser Bus wieder zurück
nach "Sucre", allerdings nur bis zum Hauptplatz und nicht wie von uns
erwartet zu unserem Hostal. So spazieren wir durch die schöne Stadt
mit den wunderbaren weissen Kirchen und Häusern aus der Kolonialzeit. In
einem "Locutorio" können wir dann auch noch unsere Ostertelefonate
erledigen, bevor es zu Hause schon zu spät ist, denn immerhin sind wir
in Bolivien um sechs Stunden zurück verschoben. Danach gehen wir
zum Busterminal, wo wir unsere Tickets für die morgige 24-stündige Reise
nach "Yacuiba", die Grenzstadt zu Argentinien, kaufen. Am Abend,
wiederum nach einer kalten Dusche, "brrrrrr!!!!", treffen wir uns mit den
beiden Annas und essen zusammen ein feines Ostermenü. Ausserdem feiern
wir auch noch Abschied, denn immerhin ist heute unser letzter
Abend mit Anne, der Italienerin, mit der wir nun eine ganze Woche
zusammen verbracht haben. Morgen trennen sich unsere Wege wieder, denn
Anna geht zurück zu ihrer Arbeit in "La Paz" und Marco und ich kehren
nach Argentinien zurück.
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Sucre -
Camiri - Yacuiba - Pocitos (Argentinien)
Montag 17. April
Leider regnet es heute morgen wieder, dafür kommt
ausnahmsweise einmal richtig heisses Wasser aus der Duschbrause. Nach
dem Frühstück, das wir zusammen mit den beiden Annas einnehmen, packen
wir unsere sieben Sachen, die wir anschliessend im Hostal einstellen
können. Von Anna, der Neuseeländerin, müssen wir uns bereits
verabschieden und tauschen natürlich noch die E-Mail-Adressen aus.
Danach spazieren wir zu dritt durch die vielen wunderschönen Gassen der
Altstadt, an den gewaltigen, weissen Kirchen und Gebäuden vorbei, von
denen die meisten in unseren Fotoapparaten bildlich fest gehalten
werden. In der Nähe unseres Hostals, an der "Calle Olañeta", befindet
sich die "San Agustin" Kirche. Zwei Kreuzungen weiter, an der "Calle
Nicolas Ortiz", steht die "San Felipe Neri" Kirche mit den speziellen
Glockentürmen. Entlang der "Calle Argentina", vorbei an wunderschönen,
weissen Häuserfassaden mit den typisch kleinen Balkonen und Erkern,
spazieren wir am Kulturzentrum vorbei zum Hauptplatz "25 de Mayo" mit
dem Kongressgebäude, dem "Casa de la Libertad" und der Kathedrale.
Gegenüber beginnt die Fussgängerzone bei der "San Francisco" Kirche mit
den wunderschönen Torbögen. In dieser Gegend befindet sich auch der
Markt. Um die Mittagszeit schlendern wir durch die riesige Markthalle,
wo Früchte, Gemüse, Getreide, Kartoffeln in allen Varianten,
Fleisch usw. verkauft wird. An einem Essenstand in der oberen
Etage der Halle genehmigen wir uns ein reichhaltiges Mittagessen, das
uns aus grossen, dampfenden Pfannen geschöpft wird. Der Markt und diese
Art, am Markt zu essen, wird uns am meisten fehlen, wenn wir wieder in Argentinien
sind. Nach dieser Stärkung spazieren wir noch durch den Strassenmarkt
und beschenken uns gegenseitig mit typisch bolivianischen Armbändern und
Halsketten zur Erinnerung. Leider ist es auch heute wieder ziemlich
kalt, so dass wir uns in einem Restaurant in der Nähe des wunderschön
gestalteten Hauptplatzes an einem heissen Kaffee wärmen müssen. Später
kommt dann aber tatsächlich noch ein Blick Sonne zwischen den Wolken
hervor, und wir können uns auf eine Bank im Park setzen und die Ruhe
geniessen. Das mit der Ruhe ist etwas trügerisch, denn alle fünf Minuten
kommt ein Händler oder ein Schuhputzer vorbei, die ihre Waren oder
Dienste verkaufen wollen. Auch Kinder kommen immer wieder vorbei, die um
ein "Regalo" = Geschenk meist in Form einer Münze betteln. Für vier
Kinder kratzen wir gerade noch drei Bonbons und einen Kaugummi zusammen,
und einem weiteren Mädchen schenke ich einen Apfel. Ein herziger kleiner
Knabe, der sich etwas Geld mit Schuhputzen verdient, präsentiert uns
stolz seine kleine Münzsammlung. Marco findet in seinem Hosensack noch
einen Fünfräppler, den er dem Jungen schenkt. Dieser nimmt die
Schweizermünze dankend und mit glücklich strahlenden Augen an. Jetzt
kann er seinen Kollegen etwas zeigen, was nicht gerade jeder
bolivianische Sechstklässler besitzt. Ich glaube für ihn hat dies mehr
Wert, als wenn er uns für Geld die Schuhe geputzt hätte. Die Wolken
werden leider wieder dichter, und die Temperaturen sinken, so dass wir
uns entscheiden die restliche Zeit im Hostal bei einem heissen Tee zu
verbringen. Um 17.00 Uhr organisieren wir uns ein Taxi, mit dem wir zum
Busterminal fahren. Anna, die um 18.00 Uhr nach "La Paz" reist, kann ihr
Gepäck bereits aufgeben. Gemeinsam mit ihr warten wir auf ihren Bus und
verabschieden uns mit etwas schwerem Herzen voneinander und versprechen
sofort zu schreiben, wenn wir gesund angekommen sind. Eine halbe Stunde
später trifft auch unser kleine, bolivianische Kampfbus ein, mit dem wir
nun eine lange, nächtliche Reise bis nach "Camiri" vor uns haben, wo wir
in einen anderen Bus umsteigen werden. Das Gepäck wird auf das Dach
geladen, und wir hoffen, dass das Wetter hält. Pünktlich um 18.30 Uhr
geht die Fahrt auf der Naturstrasse los. Um 21.30 Uhr erreichen wir
mitten im Nirgendwo das kleine Dörfchen "Suanes",
wo wir eine halbe Stunde Pause machen, um in einem sehr einfachen und
etwas schmutzigen Restaurant etwas zu essen. Danach wird das
Licht im Bus gelöscht, und die holperige, kalte Fahrt durch die stock
dunkle Nacht beginnt. Ich habe am Markt von "Tarabucco" zum Glück einen
warmen, wollenen Umhang gekauft, der uns jetzt als Decke dient. So
können wir wenigstens etwas dösen.
Dienstag 18. April
Am morgen um 06.00 Uhr treffen wir in "Monteagudo",
einem Dorf in der Pampasregion von Bolivien ein. Hier steigen sehr viele
Passagiere aus und andere steigen zu. Der Buschauffeur macht ausserdem
noch eine Stunde Pause, so dass wir Zeit haben an einem Marktstand einen
Kaffee zu trinken und uns die Beine zu vertreten. Danach geht die Fahrt
bei Tageslicht weiter, und nun erkennen wir auch den Wechsel der Natur.
Im Gegensatz zum Hochland ist es hier unten sehr grün und bewaldet. Die
Pampas von Bolivien, in der wir uns jetzt befinden, gehören bereits zum
subtropischen Urwaldgebiet, dem so genannten "Selva". Schon
faszinierend, was dieses Land an abwechslungsreicher Natur zu bieten
hat! Auch die Temperaturen sind hier angenehm warm, und die Sonne
scheint von einem blauen, strahlenden Himmel hinunter, was uns die
rumpelige Fahrt durch die tief gefurchte und erdige Strasse etwas
angenehmer erscheinen lässt. Um 11.00 Uhr kommen wir in "Camiri" an, wo
wir laut Chauffeur zwei Stunden auf den Anschlussbus nach "Yacuiba"
warten müssen. Mit uns im selben Bus reisen seit Sucre auch noch eine
Bolivianerin mit ihrem erwachsenen Sohn, die seit 21 Jahren in Mendoza (Argentinen)
leben, und ein älterer Bolivianer. Die drei Einheimischen meinen, dass
sie im hier ansässigen Büro des Unternehmens "Trans Emperador"
reklamieren werden, da sie ein Ticket mit direktem Anschluss gekauft
haben. Ausserdem wollen die zwei "Mendociner" noch heute an der
argentinischen Grenze den Nachtbus nach Mendoza erwischen. Marco und
ich, wir zwei Ahnungslosen, hängen uns den dreien an, die auch unsere
Tickets in der "Officina" abgeben und anstandslos je 20 Bolivianos pro
Ticket zurückerstattet bekommen. Dann beginnen die zähen Verhandlungen
mit einem Truffifahrer, "Truffi" = Überlandtaxi. Schlussendlich sind wir
uns einig, dass wir je 50 Bolivianos für die dreistündige Truffifahrt
nach "Yacuiba" und weiter zur bolivianischen und argentinischen
Grenzstadt "Pocitos" bezahlen. Wir quetschen uns also zu fünft in das
Auto, was bedeutet, dass zwei Personen auf dem Beifahrersitz Platz
nehmen und drei auf dem Rücksitz. Na dann mal fröhliche Fahrt. Da die
Strasse durch den Chaco, nahe der paraguayanischen Grenze, asphaltiert
und zu einer Schnellstrasse ausgebaut ist, und es ausserdem wenig
Verkehr hat, kommen wir schnell vorwärts. Das einzige Verkehrshindernis
sind die Kühe, die gemütlich die Strasse überqueren oder die Schafe und
Ziegen, die ihr Mittagsschläfchen mitten auf der Fahrspur halten.
Unglaublich, und nicht ganz ungefährlich, wenn man mit einem glatten
Hunderter daherbraust! Im Städtchen "Villamontes", nicht mehr weit von
der Grenze entfernt, entfacht sich noch einmal eine Diskussion zwischen
den bolivianischen Passagieren und dem Truffifahrer über den Preis. Man
erkundigt sich dann bei einer Ticketverkäuferin über die Möglichkeit von
hier aus mit dem Bus bis an die Grenze zu fahren. Da aber der Bus etwa
genau so viel kosten würde wie das "Truffi", bleiben wir sitzen und
fahren mit unserem Chauffeur weiter, was mir und Marco ehrlich gesagt am
liebsten ist. Ca. um 16.00 Uhr treffen wir in "Yacuiba" ein, und der
ältere Bolivianer steigt aus. Die beiden in Mendoza lebenden Bolivianer
und wir zwei werden noch bis zum bolivianischen Teil von "Pocitos"
gefahren. Zu Fuss gehen wir durch den Zoll auf die argentinische Seite
von "Pocitos" und erledigen die Formalitäten. Ausserdem müssen wir alle
in Bolivien gekaufte Ware auspacken und deklarieren. Das Prozedere ist
etwas langwierig und mühsam, läuft aber eigentlich friedlich und ruhig
ab. Danach gehen wir mit Hanibal und seiner Mutter zum Ticketschalter
und kaufen mit unseren allerletzten Dollar- und Pesoreserven beim
argentinischen Busunternehmen "El Rapido" die Tickets für die
16-stündige Fahrt nach Mendoza. Schlussendlich fehlt uns sogar noch ein
Dollar für die Bezahlung, doch die nette Ticketverkäuferin hat Erbarmen
und erlässt uns diesen kleinen Betrag. Die weiteren Berichte unserer
argentinischen Abenteuer sind nun im
Reporte Argentinien
zu erfahren.
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