Nuestra pasión es el recorrido alrededor del mundo. Nuestra meta es ser aprendidolo culturas más extrañas y buscar los contactos con los nativos. Las impresiones de la naturaleza maravillosa y de los paisajes hermosos, el tiempo espléndido y mucha sol deben ser siempre nuestro compañero. Para nosotros prepara grande alegría para divulgar de nuestras experiencias y aventuras a y de muchos lectores para dejarle las partes, Marco y Isabella

 

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REPORTE BOLIVIEN

21. März 2006 - 29. März 2006
6. April 2006 - 18. April 2006

 

Ruta de viaje
Villazón-Tupiza
Tupiza

Tupiza-Oruro
Oruro-La Paz
La Paz
La Paz-Copacabana
Copacabana-Puno (Peru)

La Paz
La Paz-Oruro-Uyuni
Uyuni
Uyuni-Potosí
Potosí
Potosí-Sucre
Sucre
Sucre-Camiri-Yacuiba-Pocitos (Argentinien)

Villazón - Tupiza

Dienstag 21. März
Nachdem wir die Grenze von Bolivien ohne Probleme überschritten haben (siehe Reporte Argentinien), sind wir nun mitten im bunten Markttreiben von "Villazón". Als erstes tauschen wir in einer der unzähligen Wechselstuben ein paar argentinische Pesos zu "Bolivianos" um. Danach spazieren wir zum Busterminal, um unsere Weiterreise nach "Tupiza" oder "Tarija" zu organisieren. In die grössere Stadt "Tarija" werden nur Nachtfahrten angeboten, und da uns dies für die erste Fahrt in Bolivien ein wenig zu heikel ist, kaufen wir beim Busunternehmen "Trans Secovia" zwei Tickets für die Fahrt um 15.15 Uhr nach "Tupiza". Am Terminal gibt es im oberen Stock des Gebäudes einen riesigen Wartesaal mit Kabelfernsehen, Billardtischen und einer Gepäckaufbewahrung, die von einer jungen Frau mit ihren Kindern gehütet wird. Wir stellen den Rucksack bei der sympathischen Frau ein und spazieren in der Zeit, die uns bis zur Abfahrt noch bleibt, durch die sehr friedliche Grenzstadt mit den netten Leuten. Uns kommt das Leben hier nicht viel anders vor als im Norden von Argentinien, und wir fühlen uns sogleich wohl. Bevor wir um 15.15 Uhr in den Bus einsteigen dürfen, müssen wir noch je einen "Boliviano" für die Terminalbenutzung bezahlen und bekommen dafür einen weissen Zettel mit dem Stempel des Terminals. Diese Gebühr müssen aber nicht nur die Touristen bezahlen, nein, auch die Einheimischen müssen vor dem Einsteigen den einen "Boliviano" abliefern. Im Bus ist es eng, ziemlich heiss, und es stinkt so, als wäre vorher eine Viehherde transportiert worden. Der Bus ist auch nicht mehr der jüngste, und viele Fenster, zum Beispiel unseres, lassen sich nicht mehr öffnen. Zum Glück sitzen wir aber gleich unter der geöffneten Dachluke, und auf der Fahrt kommt frische Luft in den Innenraum. Kaum haben wir die Stadt verlassen, gelangen wir auf eine holperige, unasphaltierte Strecke. Die berauschend schöne Natur, die sich uns wieder einmal mehr präsentiert, erscheint uns wie aus dem Märchenland. Nachdem wir für je 10 "Bolivianos" zweieinhalb Stunden durchgeschüttelt wurden, kommen wir kurz vor 18.00 Uhr am Terminal des Städtchens "Tupiza" an. Am Terminal werden wir von einer sympathischen, kleinen Frau gefragt, ob wir ein "Alojamiento" suchen. Natürlich suchen wir eine Unterkunft und lassen uns von einer jüngeren Frau zum "Hostal Colonel Pedro Arraya" führen. Das blitzsaubere Hostal mit den heimeligen Zimmern und mit dem dazu gehörigen Reisebüro wird von sehr freundlichen, netten Einheimischen geführt. Für 35 "Bolivianos" = ca. 6 Fr. pro Person und Nacht buchen wir eines der Zweierzimmer mit Privatbad. Das superbequeme, geniale Bett wurde aus dem Holz der riesigen Kandelaberkakteen gezimmert. Später machen wir einen Rundgang durch das Städtchen und zum Hauptplatz. In verschiedenen Reisebüros erkundigen wir uns nach Exkursionen zum grössten Salzsee Südamerikas in "Uyuni". Die Trips zum "Salar de Uyuni" werden von allen Unternehmen in einer viertägigen Reise für höchstens 6 Personen mit einem 4x4 Jeep für ca. 100 Dollars pro Person inklusive Essen und drei Übernachtungen angeboten. Wir werden einmal eine Nacht darüber schlafen und uns morgen entscheiden, ob wir wirklich ein solches Abenteuer auf uns nehmen wollen. Am Abend suchen wir die Wechselstube auf, die uns Silvia, die Besitzerin des benachbarten Reisebüros, empfohlen hat. Die äusserst freundliche "Señora de Cambio" rundet für uns den Dollar-Wechselkurs um einen "Centavo" auf und verwickelt uns in ein interessantes Gespräch über Bolivien, "Monedas" und Europa. Wir tauschen einen 5-Räppler mit einer nigel nagel neuen, glänzenden 10 "Centavo" Münze und wünschen uns gegenseitig Glück. Anschliessend sitzen wir in eine Bar und in ein Restaurant, trinken vorzügliches, bolivianisches "Huari"-Bier und lassen den Tag noch einmal Revue passieren.

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Tupiza

Mittwoch 22. März
Nach einer erholsamen Nacht in dem wirklich ausgezeichneten und superbequemen Bett sind wir erfrischt und zu neuen Abenteuern bereit. Nach dem Frühstück im Hostal packen wir unseren kleinen Rucksack und machen uns auf den Weg zum "Cerro" mit der Christusstatue, dem Aussichtspunkt von "Tupiza. Dabei müssen wir einen kleinen Umweg machen, da der Hauptplatz mit Stühlen und Schulbänken verbarrikadiert ist. Ein älterer, einheimischer Herr erklärt uns, dass heute der letzte Schultag des Jahres ist, den die Schüler, ähnlich wie bei uns der Schulsilvester, heute mit allerlei erlaubtem Unfug feiern. Der Weg auf den Aussichtspunkt ist mit Treppen und Wegen markiert und somit problemlos zu finden. Zuoberst auf dem Hügel geniessen wir einen wunderbaren Blick auf das hübsch gelegene Städtchen inmitten der wunderbaren Bergwelt. Später gehen wir zum Bahnhof und entscheiden uns morgen mit dem Zug von hier aus bis nach "Oururo" und je nach Möglichkeit mit dem Bus weiter bis nach "La Paz" zu reisen. Den Salzsee von "Uyuni" planen wir später zu besuchen, wenn weniger Wasser auf der Salzkruste liegt. Nach dem erfolgreichen Ticketkauf in der riesigen und menschenleeren "Boleteria" wandern wir etwa eine Stunde auf den Geleisen der Zugstrecke. Dies scheint auch der Hauptspazier- und Veloweg von "Tupiza" zu sein, denn auf und neben den Geleisen begegnen uns Frauen, Männer und Schulkinder, die zu Fuss, mit dem Fahrrad oder hoch zu Ross unterwegs sind. Auf unserer Wanderung begegnen wir einem Schulmädchen, mit dem wir ein bisschen plaudern, bis es, schon ziemlich weit weg von der Stadt, links zu einem hübschen Haus abbiegt und uns erklärt, dass es hier zu Hause ist. Kurz darauf kommen wir an einer Bushaltestelle und einer Gas- oder Chemiefabrik vorbei. Vom Vogelgezwitscher begleitet wandern wir noch ein wenig weiter durch die ruhige und herrliche Natur. Als sich eine dunkle Wolke hinter dem Berg immer weiter über uns ausbreitet und wir in der Ferne Donnergrollen hören, entscheiden wir uns zur Rückkehr. An der besagten Bushaltestelle finden wir tatsächlich ein "Remedio" = Minibus, der die Vororte von "Tupiza" mit der Stadt verbindet. Für 2 "Bolivianos" fahren wir zum Busterminal und gelangen gerade noch rechtzeitig in unser Hostal, bevor sich ein heftiges Gewitter mit Blitz, Donner, Regen und Hagel über das Tal ergiesst. Wir hören im lokalen Radio einen interessanten Aufruf an die Bevölkerung Boliviens, dass sich alle ab 18 Jahren zwischen dem 14. März bis Ende April im Notariat einschreiben sollen. Der Grund ist die weitere Demokratisierung Boliviens, wo alle registrierten Einwohner wahlberechtigt sind. Bei Wohnortwechsel muss eine erneute Registrierung im Notariat vorgenommen werden. Uns beeindruckt dieser Aufruf, der ziemlich sicher eine Auswirkung des neuen Präsidenten ist, der auch die vermehrte Autonomie der einzelnen Departemente im Land fördert. Nach einer Stunde ist das Unwetter vorbei, die Sonne kommt wieder zum Vorschein. Auf den Strassen zeugen allerdings noch gewaltige, braune Sturzbäche von dem nachmittäglichen Regenguss. Nachdem wir am Abend bei unserer freundlichen "Señora de Cambio" die letzten Euros zu Bolivianos getauscht haben, haben wir eine zweistündige Session in einem Internetcafé und schaffen es mit der sehr "laaaangsaaameeen" Verbindung mit Ach und Krach einen Teil unserer Portadapage zu aktualisieren. Und da man in diesem Land zwischen 20.00 Uhr und 21.00 Uhr und nicht wie in Argentinien erst ab 22.00 Uhr zu Abend isst, bekommen wir anschliessend mit Glück gerade noch ein kaltes und trockenes Pouletbrüstchen serviert. Wenigstens knurren unsere Mägen nicht mehr.

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Tupiza - Oruro

Donnerstag 23. März
Während dem Frühstück verwickeln wir die Chefin des Hostals in ein Gespräch über Gott und die Welt. Danach packen wir unsere Rucksäcke, die wir bis heute Abend hier einstellen dürfen. Kaum sind wir auf der Strasse, begegnen wir Silvia, der Reisebürobesitzerin gleich nebenan. Sie gibt uns noch ein paar Hoteltipps und schenkt uns einen schönen Führer von verschiedenen Städten in Bolivien. Wir verabreden uns mit ihr für 16.00 Uhr zu einem Abschiedskaffee. Nachdem wir es in einer zwar langsamen, aber etwas besser funktionierenden Internetstation doch noch fertig bringen, die fehlenden Fotos ins Netz zu stellen, spazieren wir noch einmal durch das hübsche und ruhige Städtchen "Tupiza". Um 16.00 Uhr bringen wir wie verabredet die "Guetzli" mit zu unserem Kaffeedate mit Silvia. Auch die Chefin unseres Hostals setzt sich eine Weile zu uns, und mit interessanten Gesprächen vergehen die Stunden wie im Fluge. Um 18.00 Uhr verabschieden wir uns und wandern mit unserem Gepäck zum nahe gelegenen Bahnhof. Hier herrscht heute Hochbetrieb. Zwischen einzelnen westlich gekleideten Leuten sitzen und stehen viele traditionell, in bunten Trachten und Tüchern, gekleidete Einheimische. Wir mischen uns unter das wartende Volk und schauen fasziniert zu, wie die einen noch ihr Gepäck, das vielfach aus Lebensmitteln besteht, für die Reise neu und besser verpacken. Plötzlich dröhnt und knattert es in der Lautsprecheranlage, und eine Stimme teilt uns mit, dass der Zug, der von "Villazón" her kommt, wegen Problemen mit der Lokomotive etwa 4 Stunden Verspätung hat. Ein allgemeines Stöhnen geht durch die Menge. Marco kann wenigstens seinen Rucksack schon abgeben, der dann später direkt in den Gepäckwagen unseres Zuges verladen wird. Ein wirklich toller, im Preis einbegriffener Service. Aber was macht man nun von 19.00 Uhr bis 23.00 Uhr, während man auf den Zug wartet? Auf der Suche nach einer Bar, eine wahre Rarität in "Tupiza", spazieren wir noch einmal an unserem Hostal vorbei. Die äusserst sympathische und freundliche Dame des Hauses offeriert uns die Möglichkeit im Aufenthaltsraum TV zu schauen und so die Wartezeit zu verkürzen. Diesen Vorschlag nehmen wir dankend an. Als wir ca. um 22.30 Uhr wieder am Bahnhof sind, steht auf einer Tafel, dass der Zug um 23.00 Uhr eintreffen wird, und die Abfahrtszeit auf 23.30 Uhr angesetzt ist. Kurz vor Mitternacht erscheint tatsächlich unser Zug. Es werden noch zwei Wagen angehängt und allerlei Material verladen. Der Wagenführer putzt und schruppt vor der Abfahrt noch den Wagen und das WC. Endlich fahren wir los. Unsere etwas engen Plätze in der zweitbesten Kategorie sind einigermassen bequem und lassen sich verstellen, so dass man doch den Versuch machen kann zu schlafen.

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Oruro - La Paz

Freitag 24. März
Nach einer etwas unruhigen und durchgefrorenen Nacht im bolivianischen Zug "Wara Wara" beginnt es um ca. 07.00 Uhr zu dämmern. Wieder erscheint der Wagenführer und schruppt die WC's und den Gang mit irgend einem chemiedurchsetzten Lappen. Den Halt in "Uyuni" haben wir nur ganz knapp miterlebt, dafür erkennen wir auf der weiten Fläche des gigantischen Altiplanos etwas von dem weissen und grössten Salzsee der Welt. Die Ebene des Hochlandes ist hier so breit, dass uns die Berge und Tierherden, die wir weit hinten am Horizont erkennen, schwebend wie eine Fata Morgana erscheinen. Auf der Weiterfahrt rennt immer wieder ein Zugangestellter mit Kellnerbekleidung und einem Korb voll Kaffeetassen durch unser Abteil. Er murmelt irgend etwas für uns Unverständliches vor sich hin und ist im nächsten Moment schon wieder verschwunden. Erst später, gegen Mittag merken wir, dass er den Zuggästen Kaffee oder Tee servieren würde. Als er das nächste Mal an uns vorbeistürmen will, halte ich ihn auf und frage nach Kaffee. Leider serviert er aber jetzt nur noch Tee, schade. Die wilde Schönheit der Natur, die wir mit dem Zug durchfahren, lenkt uns aber schnell von unserer Lust auf Kaffee ab. In dem erstaunlich grünen Hochland auf ca. 3500m bis 3800m gibt es grosse Felder mit schönen, verschieden farbigen Blumen, vermutlich Gladiolen und Nelken. Ausserdem weiden hier unzählige, grosse Lama- und Schafherden, die meistens von Frauen in ihren traditionellen, bunten Trachten gehütet werden. Doch auch Kühe grasen in dieser Höhe friedlich vor sich hin. Als wir an kleinen, verstreuten Wohnsiedlungen vorbeirattern, fällt uns auf, dass vor fast jedem Steinhäuschen zwei bis drei Kühe mit ihren Kälbern angebunden sind. Bei einem Halt, in irgendeinem etwas grösseren Dorf, rennen Frauen, Männer und Kinder mit Glacé, Käse und Getränken dem Zug entlang auf und ab und verkaufen ihre Ware durch die Fenster. Auf dem letzten Stück unserer Zugreise führt die Bahnlinie mitten durch die riesige, flache Seelandschaft des "Lago Uru Uru". Die Sonne, die Wolken und die Berge im Hintergrund widerspiegeln sich auf einzigartige, faszinierende Weise im Wasser, wo sich zurzeit auch Enten und andere Wasservögel tummeln. Je näher wir uns der Stadt "Oruro" nähern, desto sumpfiger wird die Landschaft um uns. Leider scheinen die Bolivianer noch kein rechtes Abfallentsorgungssystem zu haben. Überall liegt Abfall im Sumpf herum und dementsprechend stinkt es auch. "Oruro", die auf 3700m gelegene Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist eine der grössten Städte Boliviens. Laut "Encarta" ist hier ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, sowie ein bedeutendes Handels- und Verarbeitungszentrum. Die Industrie umfasst Zinnverhüttung, Schuh- und Textilindustrie. "Oruro" erscheint uns auf den ersten Blick als eine hässliche, grau-braune Industriestadt. Um 15.00 Uhr fährt der Zug am Bahnhof ein. Auch hier herrscht reges Treiben, und die Taxifahrer erinnern eher an Marktschreier, denn jeder will der erste sein, der seine Dienste verkaufen kann. Wir müssen uns in diesem Durcheinander aber erst einmal zu unserem Gepäck durchkämpfen, das wir aber ziemlich schnell ausgehändigt bekommen. Jetzt schliessen auch wir uns einem Taxifahrer an, der mit uns quer durch den Bahnhof zu seinem Auto rennt. Für die fünfminütige Fahrt zum Busterminal bezahlen wir 10 Bolivianos, was uns dann doch ziemlich teuer vorkommt. Kaum sind wir am Busterminal aus dem Taxi gestiegen, kommt schon ein Ticketverkäufer mit Fahrkarten nach "La Paz" angerannt. Am Eingang zum Terminal müssen wir noch je 1.50 Bolivianos für die Terminalbenutzung abgeben, bevor wir in den "Fenix-Bus", der um 15.30 Uhr abfahren soll, einsteigen dürfen. Um 15.40 Uhr geht die Fahrt dann los. Eine Minute später stellt sich ein Mann in den Mittelgang des Busses und preist Honig-Zitronenbonbons an, die laut seiner Beschreibung jedes Halsweh bekämpfen können. Kaum hat er die Runde durch den Bus beendet und ein paar seiner Wunderzältli verkauft, erhebt sich ein zweiter Hausierer. Er verkauft ein Wunderpülverchen, das aus "Maca", einer Wurzel aus den Anden, hergestellt wird. Ausserdem bietet er auch noch eine scharf riechende Crème an, die Rheumaschmerzen zum Verschwinden bringen soll. Und alles ist selbstverständlich absolut und 200 prozentig natürlich! Auch die Süssigkeitenverkäufer fehlen nicht, die unterwegs einsteigen, und so wird die dreistündige Fahrt ziemlich abwechslungsreich. Von "El Alto" aus, der Vorstadt von "La Paz", bietet sich uns ein eindrückliches Panorama auf die schneebedeckten Andengipfel und die im Talkessel liegende, imposante, bolivianische Grossstadt. In der Dämmerung um 18.30 Uhr treffen wir dann am riesigen, chaotischen Busterminal ein. Marco schnappt sich heldenhaft seinen Rucksack aus dem immer wieder davon rollenden Bus, um möglichst rasch aus diesem Getümmel zu entfliehen. Wir nehmen sogleich ein Taxi, das uns zum Hotel "Sucre Palace" an der Hauptstrasse von "La Paz" fährt. Das Drei-Sterne-Hotel, das wir via Internet gefunden haben, macht einen freundlichen und seriösen Eindruck auf uns, und wir buchen für drei Nächte ein Zimmer im sechsten Stock mit Blick über die Stadt.

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La Paz

Samstag 25. März
Heute planen wir die Stadt ein bisschen kennen zu lernen und uns in verschiedenen Reisebüros über diverse Exkursionen zu erkundigen. Die lebendige, bunte Hauptstadt von Bolivien ist unbeschreiblich! Die vielen Stromkabel, die tief über die Strasse hängen, die immer hupenden Autos und verstopften Strassen gehören zum chaotischen Strassenbild von "La Paz". Ein Busbegleiter, meistens junge Männer, leiern schreiend und für uns unverständlich die Destinationen und den Fahrpreis aus den unzähligen vorbeibrausenden Microbussen. Wenn man in einen der Busse einsteigen will, muss man am Strassenrand die Hand hinaushalten und sich gehörig durch den Verkehr kämpfen. Wir spazieren über die Hauptstrasse "Paseo El Prado". Die breite "Avenida" quer durch das Stadtzentrum ist mit wunderschön gestalteten Grünanlagen und Blumenbeeten verziert. Wir nähern uns dem "Plaza de Los Heroes", wo sich auch die bekannte "Iglesia San Francisco" befindet. Ausser der Hauptstrasse führen alle Wege und Gassen steil die Hügel auf und ab. Obwohl wir uns in der letzten Woche sehr gut an die Höhe anklimatisiert haben, steigen wir keuchend und schwer atmend die steilen Gassen empor. Einkaufsläden, ausser ein paar grosse Schuhgeschäfte, gibt es hier nur selten und wenn, dann nur sehr kleine, rudimentär eingerichtete, kleine Schlupflöcher. Der eigentliche Markt findet auf der Strasse statt. Schuhe, Kleider, Früchte, Gemüse, Haushaltwaren und so weiter und so fort werden entlang des Strassenrandes angeboten. Alle Einwohner scheinen auf der Strasse zu sein. Dieses bunte, farbige und fröhliche Treiben gefällt uns ausserordentlich gut. Um die Mittagszeit, etwas erschöpft von der Wanderung auf 3800m, probieren wir an einer Strassenecke in der Nähe des "Plaza Eguino" eine vorzügliche Gemüsesuppe, die eine Bolivianerin mit ihrer Tochter anbietet. Die Suppe wird in einem grossen Topf, in vielen Tüchern eingewickelt, warm gehalten. Wir setzen uns auf einen kleinen Holzschemel auf dem Trottoir und geniessen die warme Suppe. In dem Moment, wo wir aufstehen, um noch ein wenig durch die lebendigen Marktgassen zu spazieren, beginnt es wie aus Kübeln zu giessen. Da wir uns für heute sowieso vorgenommen haben, diverse Exkursionsangebote zu prüfen, flüchten wir in das nächste Reisebüro an der "Calle Illampu". Sabina, die nette Angestellte von "Jacha Inti Tours", berät uns freundlich und kompetent. Für morgen planen wir gleich einen Ausflug auf den 5420m hohen Berg "Chacaltaya", dem höchstgelegenen Skigebiet der Welt. Ausserdem interessiert es uns brennend, ob es von "La Paz" aus Reisen bis zu den Ruinen von "Machupicchu" in Peru gibt. Und tatsächlich gibt es die. Sabina verweist uns weiter an das Reisebüro "Turismo Bolivia-Peru Travel", das für solche Reisen spezialisiert ist. Wenig später werden wir von Alex, dem peruanischen Reiseleiter, abgeholt und zu seinem Büro an der "Calle Sagarnaga" geführt. Nach einigen Vorschlägen für Exkursionen nach Peru entscheiden wir uns schlussendlich für eine 10-tägige Reise über den "Titicacasee", "Puno" (Peru), "Cusco", "Machupicchu" und zurück nach "La Paz". Anschliessend, in der Zwischenzeit hat es aufgehört zu regnen, schauen wir noch einmal bei Sabina rein, um uns bei ihr zu bedanken. Sie hat dann auch gleich noch einen Hoteltipp für unsere Rückkehr am 6. April in "La Paz" auf Lager. Sie führt uns zu dem brandneuen "Hotel Diamante Azul", wo wir sogleich eine Reservation vornehmen. Etwas müde von den vielen Eindrücken der faszinierenden Stadt und der ganzen Planerei gehen wir heute früh schlafen, um für die morgige Exkursion in die grosse Höhe fit zu sein.

Sonntag 26. März
Leider ist der Himmel heute morgen ziemlich verhangen und düster. Zum Glück regnet es aber nicht, und wir rüsten uns mit warmer Kleidung und Regenschutz für die geplante Bergtour aus. Pünktlich um 08.30 Uhr warten wir in der Hotellobby auf den Minibus, der uns für den Ausflug abholen soll. Eine Stunde später sitzen wir immer noch wartend und Zeitung lesend im Hotel, und es erscheint uns immer fraglicher, ob uns noch jemand abholt. Als wir am sehr teuren Hoteltelefon der Rezeption im Reisebüro nachfragen, was denn los sei, erfahren wir von Sabina, dass die Exkursion wegen schlechtem Wetter nicht stattfindet. "Grmpf", das hätten wir gerne früher gewusst. Na ja, so verschieben wir den Ausflug halt auf morgen, und Sabina verspricht uns im Hotel anzurufen, falls der Trip wieder nicht statt finden sollte. Wenig später machen wir uns, mit dem Stadtplan ausgerüstet, auf die Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt. Unser erstes Ziel ist der "Plaza Murillo" mit dem Regierungspalast und dem Kongressgebäude. Ausserdem steht hier die eindrückliche und wunderschön gebaute Kathedrale. Wir haben sogar die Gelegenheit hinein zu gehen, und wir sind beide der Meinung, dass dies die schönste Kathedrale ist, die wir bis jetzt auf unserer Südamerikareise gesehen haben. Die Inneneinrichtung ist schlicht und nicht so prunkvoll. Aber genau wegen dieser Schlichtheit wirkt sie umso grösser und imposanter. Auf dem Platz findet ein Sonntagskonzert mit Blasmusikanten statt, und viele Leute haben sich hier versammelt. Auch die Sonne hat die Wolken beiseite geschoben, und der blaue Himmel kommt zum Vorschein. Zurück an der Hauptstrasse "Avenida 16 de Julio" erleben wir eine Trauerzeremonie. Ein Sarg ist mit der bolivianischen Flagge bedeckt und wird durch die Strasse getragen, begleitet von dutzenden Soldaten und der Militärkappelle. Anscheinend findet heute eine Beerdigung eines hohen Staatsangehörigen statt. Für diese Prozession wird die Strasse für die Autos gesperrt, und währenddessen herrscht auf dieser ansonsten lauten und mit hupenden Autos voll gestopften Strasse eine andächtige Stille. Kaum ist der Trauerzug aber vorbei, ist auch das Chaos auf der Strasse wieder da. Auf dem Rückweg zum Hotel begegnen wir noch einer weiteren Musikkapelle. Im Hotel erfahren wir, dass in La Paz jeden Sonntag solche Konzerte statt finden. Auch erkundigen wir uns nach einem Aussichtspunkt, von wo aus man die ganze Stadt überblicken kann. Die charmante "Señora" an der Rezeption gibt uns den Tipp, mit dem Taxi in den höher gelegenen Stadtteil "Villa Pavon" zu fahren, von wo aus man zum "Mirador" gelangt. Auf der Fahrt durch die Stadt, hinauf durch die steilen Strassen auf den Hügel, sehen wir Strassenschilder, die mit "Killy Killy" beschriftet sind. Zufälligerweise haben wir den bekanntesten Aussichtspunkt gefunden, den interessanterweise niemand im Hotel unter dem Namen "Killy Killy" zu kennen scheint. Nachdem wir aus dem Taxi ausgestiegen sind, gelangen wir über eine kurze Treppe auf den eigentlichen "Mirador". Von hier aus hat man wirklich einen unglaublichen und umwerfenden Blick über die ganze Stadt. Im Talkessel, auf etwa 3600m, liegt das Mikrozentrum von "La Paz". Rund um diesen Talkessel ziehen sich die Häuser der Stadt bis auf 4000m die Hügel hinauf. Leider verstecken die Wolken die wunderbare Bergwelt rund um das Tal, und auch der 6462m hohe "Nevado Illimani", der Hausberg von La Paz, ist leider nicht zu erkennen. Zu Fuss steigen wir die steile Strasse wieder hinunter in das Zentrum. Auf dieser Strecke begegnen wir auffällig vielen obdachlosen, von der Armut geprägten Leuten. Anschliessend erreichen wir wieder den "Prado" = "Avenida 16 de Julio", der den europäisch angehauchten Stadtteil mit dem latino-amerikanischen Teil der Stadt trennt. Auf der westlichen Seite gibt es kaum Marktstände auf den Strassen, während auf der anderen Seite das bunte Treiben in den 74 registrierten Strassenmärkten floriert. Am Nachmittag besuchen wir den bekannten "Mercado de las Brujas" = Hexenmarkt an der "Calle Linares". Wir haben gehört, dass man hier keine Frauen fotografieren darf, da sie im Glauben sind, dass ihnen so die Seele gestohlen wird. Neben allerlei wunderschönen Wollkleidern und Taschen werden hier Kräuter und diverse okulte Dinge verkauft, wie Tonfiguren und Tiergebeine. An der "Calle Illampu" gelangen wir in die riesige Gemüse- und Früchtemarktecke, und beim Weitergehen kommen wir am Elektro- und Lampenmarkt vorbei, ein riesiger, bunter Supermarkt auf der Strasse. Immer wieder dringen schmackhafte Düfte von Strassenküchen, wo Frauen Suppen und andere Mahlzeiten anbieten, in unsere Nasen. Der Hunger und der beginnende Regen treibt uns schliesslich in die "Cevicheria Acuario" an der "Calle Rodriguez", wo wir die beste, reichhaltigste und günstigste Meeresfrüchtesuppe serviert bekommen, die wir je gegessen haben. Gesättigt und gestärkt setzen wir unsere Wanderung zum "Plaza San Pedro" fort, der uns mehr an einen Spielplatz erinnert. Anschliessend überqueren wir den bekannten "Plaza del Estudiante", wo sich auch das Monument des Helden "Simon Bolívar" befindet. Auf dem Heimweg spazieren wir auf dem Gehsteig in der Strassenmitte des Prados am "Plaza Venezuela" mit der Kolumbusstatue vorbei.

Montag 27. März
Zum Frühstück im Hotel trinken wir auch heute wieder zwei Tassen Coca-Tee als Prävention für den heutigen Ausflug in die Höhe. Nach dieser Stärkung sind wir wach und finden uns pünktlich um 08.30 Uhr in der Hotellobby ein. Und siehe da, wir werden schon am Telefon erwartet. Sabina, die "Señora" aus dem Reisebüro, teilt uns mit, dass wir in etwa 10 Minuten für die Exkursion ins "Valle de la Luna" und auf den Berg "Chacaltaya" abgeholt werden. 10 Minuten können sich in Bolivien aber sehr in die Länge ziehen. Als der Minibus um 09.30 Uhr endlich auftaucht, haben wir in aller Ruhe die Regionalzeitung gelesen und genehmigten uns noch einmal zwei Tassen frisch aufgebrühter Coca-Tee, der jeden Tag in einem grossen Thermosbehälter für die Hotelgäste in der Lobby bereit steht. Wir sind die letzten Passagiere, die abgeholt werden, und da es hinten im Bus keine freien Plätze mehr hat, dürfen wir die Logenplätze gleich neben dem Fahrer in Beschlag nehmen. Auf der Fahrt durch den chaotischen Stadtverkehr erfahren wir von unserem "Guía" Ronald, dass Bolivien das Land der Höhenrekorde ist. In "El Alto", der Vorstadt von "La Paz", befindet sich auf 4100m der höchste Zivilflughafen der Welt, "La Paz" ist die höchst gelegene Grossstadt der Welt, der "Lago Titicaca" ist der höchst gelegene, schiffbare See der Welt, und in der Nähe vom "Valle de la Luna" befindet sich ausserdem noch der höchstgelegene Golfplatz der Welt. In Bolivien gibt es aber auch viele Universitäten, von denen sich die meisten in "La Paz" befinden. Für die staatlichen Unis bezahlt man im Jahr etwa 50 - 100 US Dollars, während man für private Schulen den gleichen Betrag im Monat bezahlen muss. Die "Zona Sur", der südliche Stadtteil der Stadt, den wir auf dem Weg zum Mondtal durchfahren, ist laut Ronald das Reichenviertel. Hier wohnen "...los coruptos, oh perdon, los ex-politicos de Bolivia...". Wir haben verstanden und akzeptieren schmunzelnd diesen wahrscheinlich wahrheitsgemässen Witz. Nach weiteren 10 Minuten Fahrt gelangen wir in das Tal "Valle de la Luna" und bezahlen am Eingang die 15 Bolivianos Eintritt pro Person. Danach dürfen wir auf dem schmalen, schön angelegten Weg durch das Mondtal wandern. Die spitzen Felsen sind durch den Regen während tausenden von Jahren gebildet worden und hinterlassen bei uns tatsächlich den Eindruck, als würde man auf dem Mond spazieren. Auf dem obersten Punkt unserer Wanderung auf den eindrücklichen Felsformationen erkennen wir in der Ferne eine Bergspitze, die unserem Matterhorn in der Schweiz sehr ähnelt. Ronald erklärt uns, dass diese Bergspitze "Mola del Diablo" = Teufelszahn genannt wird, da der gegenüberliegende Berg im Sonnenlicht rot leuchtet und diese Spitze an einen Eckzahn erinnert. Nach diesem ersten Teil unserer Exkursion kehren wir mit dem Bus wieder zurück in die Stadt. Als wir aufs Neue durch die verkehrsreichen Strassen fahren, erkenne ich auf der linken Strassenseite das "Edificio Isabelita", witzig. Der zweite Teil und das Hauptziel unserer Exkursion beginnt mit der Fahrt auf das 4000m hoch gelegene "El Alto". Marco und ich nehmen schon mal unser Medizinbeutelchen mit den Coca-Blättern aus dem Rucksack. Unserem Fahrer erklären wir, dass wir diese Blätter noch in Chile gekauft haben. Mit einem Kennerblick beäugt er das Kraut und meint, dass diese etwas grösseren und herber schmeckenden Blätter aus der Region "Cochabamba" kommen. Die Coca-Blätter aus der Region "La Paz" seien kleiner und schmecken süsslich. OK, wieder etwas gelernt. Die Landwirtschaft Boliviens bietet aber nicht nur Cocapflanzen an, sondern auch noch etwa 400 Sorten Kartoffeln in allen Formen und Grössen. Ausserdem grasen auf über 4000m neben Schafen und Lamas auch "höhenerfahrene" Kühe auf dem fruchtbaren Andenhochland. Dann geht die holperige Fahrt auf einem steilen, halsbrecherischen Naturweg immer weiter und weiter hinauf  durch felsige Gesteine, an ehemaligen Mineralabbaugebieten und an Bergseen vorbei. Gewisse Seen werden künstlich gestaut und dienen zur Wasserversorgung von La Paz. Hinter uns am Horizont können wir sogar den Titicacasee erkennen. Die hohen Berge des Andengebirges, wie der "Nevado Illimani" (6462m) oder der "Huayna Potosí" (6088m) halten sich leider hinter dichten Wolken versteckt. Je höher wir hinauffahren, desto dichter wird leider auch der Nebel. Bei der ehemaligen Skihütte auf 5180m, am Fusse des "Chacaltaya", ist die Busfahrt zu Ende. Marco und ich essen noch schnell ein Stück Schoggi, was auch gut gegen Probleme mit der Höhe sein soll. Dann starten wir den etwa 20 - 30 minütigen Aufstieg auf die rekordverdächtige Höhe von 5300m. Zugegeben, trotz den Drogen Coca und Schoggi merken wir die Höhe. Das Atmen fällt uns beim Gehen schwer, uns ist etwas schwindelig, und das Herz schlägt ein bis zwei Takte schneller als normal. Der grosse Krampf und die Mühe lohnen sich aber, und wir erreichen pustend und keuchend den Gipfel, neuer Höhenrekord 5300m! Wir geniessen zwischen einzelnen Nebelschwaden einen wunderbaren Blick ins Tal und die Bergwelt. Leider ist aber der noch höhere Gipfel vor uns völlig im Nebel, und es ist deswegen unmöglich auch noch diesen zu erklimmen. Auch die 6000er Berge lassen sich immer noch nicht blicken. Nach dem Abstieg bekommen wir im Berghaus noch einen heissen Coca Tee serviert. Der Hüttenwart scheint hier oben zu wohnen. Anschliessend kurven wir mit dem Bus den steilen Weg wieder hinunter zum Altiplano und zurück nach "La Paz". Gegen unserer Erwartung endet die heutige Tour an der "Calle Sagarnaga" und nicht vor unserem Hotel. Wir spazieren den etwa 10-minütigen Weg in unser Hotel zurück und machen etwas müde von den Eindrücken und den rasanten Höhenunterschieden erst einmal eine Siesta. Am Abend gehen wir dann noch einmal in die Stadt und ins Reisebüro "Turismo Bolivia-Peru", um den morgen beginnenden, 10-tägigen Trip nach Peru zu bezahlen. Alex, unser Reiseberater, macht uns noch einmal sehr eindringlich darauf aufmerksam, dass wir morgen pünktlich um 07.30 Uhr in der Hotellobby auf den Touristenbus warten sollen.

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La Paz - Copacabana

Dienstag 28. März
Um 07.00 Uhr haben wir unsere sieben Sachen gepackt und suchen das Frühstück. Laut den Angaben unseres Hotels findet die Frühstückszeit ab 07.00 Uhr bis 10.00 Uhr statt. Wir finden um diese Zeit aber nur einen dunklen Speisesaal mit einem ziemlich leeren Buffet vor. Nach einer Weile ist wenigstens das Wasser in dem grossen elektrischen Thermoskrug heiss, und wir können unseren obligaten Coca-Tee geniessen. Später in der Lobby bezahlen wir die Hotelrechnung und warten dann wieder einmal eine geschlagene Stunde, bis uns der Bus um 08.30 Uhr endlich abholt. Mit samt unserem Gepäck quetschen wir uns in den eng bestuhlten und schon ziemlich gut besetzten Touristenbus. Jetzt kann die Reise endlich beginnen. Während der Fahrt kommen wir an vielen kleinen Siedlungen vorbei, und uns fällt auf, dass praktisch vor jedem der kleinen Wohnhäusern aus Stein, neben Schafen und Kühen auch zwei bis drei zufrieden grasende Schweine angebunden sind. Die Männer und Frauen sind auf den Feldern und graben in mühsamer Handarbeit die reifen Kartoffeln aus der Erde. Nach etwa 3 1/2 Stunden Busfahrt über den Altiplano erblicken wir bei schönstem Sonnenschein den riesigen, blau schimmernden "Lago Titicaca" unter uns. Der See liegt auf ca. 3800m, ist 196km lang und durchschnittlich 56km breit, und seine grösste gemessenen Tiefe beträgt 280m. Nach einer weitern Stunde Fahrt kommen wir nach "San Pablo", wo alle Passagiere den Bus verlassen und in ein Boot umsteigen müssen, das uns auf die andere Seite der Seeenge "Estrecho de Tiquina" nach "San Pedro" bringt. Der Bus wird für die Überfahrt separat auf ein eigenes, kleines Fährboot geladen. Da wir uns nun ziemlich nahe der Grenze von Peru befinden, müssen wir unsere Pässe zeigen, bevor wir wieder in den Bus einsteigen können. Danach geht die Fahrt über einen Hügel die Strasse hinauf, und wir können noch einmal die wunderbare Aussicht hinunter auf den See geniessen. In "Copacabana", dem vom Tourismus lebenden Dorf direkt am Titicacasee, führt uns Juan, unser "Guía", zu unserem Hotel, wo wir die heutige Nacht verbringen werden. Das Hotel "Mirador" scheint ziemlich neu zu sein, und wir bekommen ein grosses, heimeliges Zimmer mit Blick direkt auf den See. Wow! Wir haben jetzt aber nur ein paar Minuten Zeit die Rucksäcke ins Zimmer zu stellen, denn Juan wartet in der Lobby auf uns, um uns in ein Restaurant zum Mittagessen zu bringen. Nach einem vorzüglichen Menü gehen wir zum Hafen, wo bereits das Touristenboot "Trans Titicaca Tour Isla del Sol" auf uns wartet, um uns zu der "Isla del Sol" = Sonneninsel zu bringen. Laut Juan gibt es insgesamt 28 Inseln, davon drei grosse, im Titicacasee, von denen die meisten bewohnt sind. Nach der zweistündigen Bootsfahrt über den riesigen See kommen wir am Bootshafen der gebirgigen Insel an. Auf unserer Wanderung über die Insel erfahren wir von Juan, dass noch drei verschiedene Dörfer mit insgesamt 1500 Einwohner auf der Insel existieren, eines unten im Tal, eines in der Mitte des Hügels und das letzte zu oberst auf dem "Cerro". Es gibt allerdings auf der ganzen Insel nur ganz unten eine Wasserstelle. Die Leute der oberen beiden Dörfer kommen jeweils am Abend mit ihren Eseln den steilen, schmalen und steinigen Weg hinunter, um am Brunnen Wasser zu holen. Eines haben allerdings alle drei Dörfer gemeinsam, sie leben alle stark vom Tourismus und ein wenig noch von der Landwirtschaft. Auf unserer Wanderung über die steile Insel treffen wir immer wieder auf Schweine, Lamas, Alpakas und Schafe. Die heimischen niederen Bäume und Büsche, die hier wachsen, haben allesamt Namen aus der Ursprache "Quechua", wie zum Beispiel "Kiswara", "Kolli", "Keña" und "Kentuta", der Strauch mit den trompetenartigen, roten Blüten, der Nationalblüte Boliviens. Ausserdem wachsen hier auch Heilkräuter, wie zum Beispiel "Muña", ein nach Minze riechendes Kraut. Der Tee, den man daraus herstellt, soll bei Atembeschwerden helfen. Um die Erde auf der Insel zu stabilisieren und vor Erosion zu schützen, pflanzte man ausserdem auch von Australien eingeführte Eukalyptusbäume an. Gegenüber der Sonneninsel liegt die etwas kleinere "Isla de la Luna" = Mondinsel, die wir von der Höhe aus sehr gut erkennen können. Die Aussicht von hier oben auf den grossen "Titicacasee" ist überhaupt unbeschreiblich schön. Auch können wir die vielen gut erhaltenen, von den Inkas in harter Arbeit angelegten Terrassengärten erkennen, die heute aber nicht mehr als Anbaufläche genutzt werden. Danach führt uns Juan zu dem Inkatempel "Pilco Cayna". Die Bauart dieses Tempels, dessen Dach auch aus Steinen besteht, wurde ursprünglich vom Aymara-Urvolk gebaut, die dann von den Inkas vertrieben wurden. Von Juan erfahren wir sehr viel interessantes über die Inkas. Inka ist eigentlich nicht ein Name für ein ganzes Volk, sondern bedeutet König. Das Volk in dieser Region waren die "Quechuas" und wurden von einem Inka regiert. Der Palast des Königs kennzeichnet sich an der Eingangstüre durch drei Ecken, andere wichtige Gebäude sind durch zwei Ecken gekennzeichnet, während die Türen der einfachen Häuser nur eine Ecke haben. Die Gemächer des Inka sind in zwei Gebäude unterteilt. Der obere Teil, der Palast, diente zum regieren und der untere Teil, der Tempel, diente als Wohnraum. Nach dieser spannenden Entdeckungstour in die Geschichte der "Quechuas" geniessen wir noch einmal die atemberaubende Aussicht zu der Mondinsel und über den See. Auf dem Rückweg zu unserem Boot treffen wir noch ein kleines einheimisches Mädchen, das wir mit einem Bonbon überreden können, sich zusammen mit mir fotografieren zu lassen. Es zeigt sich wieder einmal, dass es sich auf jeden Fall lohnt, immer ein paar "Zältli" bei sich zu haben. Auf der zweistündigen Rückfahrt mit dem Boot nach "Copacabana" machen wir noch Bekanntschaft mit Anna, einer Italienerin, Roxana aus Chile und Joseph, ein nach Kanada ausgewanderter, älterer Pole. Später verbringen wir mit Anna und Roxana einen lustigen und gemütlichen Abend. Bis jetzt war unsere gebuchte Reise ein echter Erfolg!

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Copacabana - Puno (Peru)

Mittwoch 29. März
Um 09.00 Uhr werden wir in der Hotellobby von Juan zur Besichtigung des Dorfes "Copacabana" abgeholt. Leider giesst es aber wie aus Kübeln, und wir werden schon nass auf dem Weg zum anderen Hotel, wo wir unsere Rucksäcke einstellen können und auf Roxana, Anna und Joseph warten. Auf Grund des schlechten Wetters wird das heutige Programm etwas verkürzt, wir besichtigen nur die Kathedrale und lassen die Wanderung auf den "Cerro" des Dorfes aus. Die wunderschön gebaute Kathedrale ist der "Virgen de Candelaria" = Heilige von Candelaria und Patronin von Bolivien und der "Pachamama", der Mutter Erde aus der Inkazeit gewidmet. Juan erklärt uns, dass in Bolivien der christliche Glauben sowie auch der Glauben der Urvölker zelebriert wird. Die Schutzheilige von Bolivien reiste von "Copacabana" nach "Potosí", nach Argentinien und nach Brasilien, wo auch heute noch Orte oder auch der bekannte Strand von "Rio de Janeiro" den Namen "Copacabana" tragen. Vor der Kirche hat es einen grossen Aussenhof, damit Gott, so erklärt Juan, auch nach aussen wirken kann. Ausser der mit Goldarbeiten verzierten und mit schönen Malereien geschmückten Altargegend ist die Inneneinrichtung des Hauptraumes der Kathedrale eher schlicht und einfach. Im oberen Stockwerk des Gebäudes befinden sich noch zwei weitere, etwas kleinere Gebetsräume, einer davon ist der Patronin Boliviens gewidmet. Alle 4 Monate wird die "Virgen" in ein neues Gewand eingekleidet, und ihr Kleiderschrank ist schon bis zum Jahr 2038 gefüllt. Unglaublich! Die meisten Bolivianer machen einmal in ihrem Leben eine Reise an den Titicacasee, nach "Copacabana", um ihre Heilige Mutter zu verehren. Auch in der "Semana Santa", der Woche vor Ostern, gilt dieser Ort als spezieller Pilgerort. Als wir die Kirche verlassen, hat es aufgehört zu regnen, und die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Ausserdem werden wir Zeuge eines speziellen Brauches in "Copacabana". Regelmässig werden hier die Autos gesegnet, damit sie in keinen Unfall verwickelt werden. Als erstes segnet ein Priester mit Weihwasser die offene Kühlerhaube des Autos und bittet die Muttergottes um ihren Segen. Danach wird aber auch die Inkagöttin "Pachamama" = Mutter Erde verehrt, indem Chips und Blüten auf das Auto verteilt und Bier rund um das Auto verspritzt wird. An einem Stand werden heute aber auch noch Miniaturen für spezielle Zukunftswünsche angeboten. Wenn man sich für die Zukunft ein Hochschuldiplom wünscht, kann man heute die Miniaturausgabe eines Diploms erstehen. Aber auch Modellautos, kleine mit Geld gefüllte Reisekoffer und vieles mehr kann man sich erkaufen. Nach diesem Schauspiel und einem anschliessenden Mittagessen verabschieden wir uns von Juan, unserem Reiseleiter, Roxana und Anna, die nach La Paz zurück fahren. Joseph und wir zwei werden um 14.00 Uhr nach "Puno" weiter reisen. Juan bringt uns noch zum Bus, wo wir Ines kennen lernen, die uns auf dieser Fahrt begleiten wird. Nach 10 Minuten Fahrt sind wir bereits am bolivianischen Zoll und bekommen unsere Ausreisestempel. Zu Fuss können wir danach durch den magischen Torbogen über die Grenze spazieren, um uns den peruanischen Einreisestempel abzuholen. Das ganze Prozedere geht ohne Schwierigkeiten und ohne lange Warterei über die Bühne, auch das Gepäck wird wieder Erwarten nicht kontrolliert. In einem kleinen Kleiderladen wechseln wir noch ein paar Dollars zu peruanischen Soles, bevor wir für die Weiterfahrt in den peruanischen Bus umsteigen, wo auch das Gepäck auf das Busdach gehievt wird. Auf der peruanischen Seite des Titicacasees sieht die Landschaft nicht anders aus als in Bolivien. Auch hier leben die Menschen von Ackerbau, Viehzucht, Esel-, Schaf-, Lama- und Schweinehaltung. Die knapp zweistündige, ruhige Fahrt bringt uns sicher und heil bis zum Busterminal von "Puno". Am Terminal werden wir bereits von einem Chauffeur erwartet, der erstaunlicherweise ein Plakat mit Marco's Namen in die Luft hält. Er bringt uns mit einem Minibus zum vorreservierten Hotel "Balsa Inn". Kaum haben wir unser wunderschönes, mit Heizung bestücktes Zimmer bezogen, klopft es an der Türe und ein Agent des lokalen Reiseveranstalters "Inka Wasi" steht vor der Türe, um mit uns das morgige Programm zu besprechen. Bis jetzt klappt wirklich alles ausnahmslos wie am Schnürchen, und wir sind für einmal froh, nicht immer alles selber organisieren zu müssen. Die weiteren Berichte unserer Abenteuer in Peru sind im Reporte Peru zu erfahren.

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La Paz

Donnerstag 6. April
Es ist ca. 11.00 Uhr, die Stunde Zeitverschiebung eingerechnet, als wir das Dorf "Copacabana" erreichen (siehe Reporte Peru). Um 13.00 Uhr fährt unser Bus von "Milton Tours" nach "La Paz" weiter. Noch einmal fahren wir dieselbe Strecke über den Hügel mit der wunderbaren Aussicht auf den "Lago de Titicaca", und noch einmal müssen wir in "San Pedro" unsere Pässe zeigen und in ein Boot umsteigen, das uns über den "Estrecho de Tiquina" in das gegenüberliegende Dorf nach "San Pablo" bringt. Nachdem es auch der Bus mit der speziellen "Lancha" = kleine Fähre über die Seeenge geschafft hat, steigen wir wieder ein und weiter geht die Fahrt. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir "El Alto". Die Stadt mit den 2 Millionen friedlich zusammenlebenden Bolivianern und den tausend rauchenden und stinkenden Dieselbüssli hat uns wieder! Aber nicht nur wegen des schwarzen Rauches bleibt einem die Luft weg, denn es ist immer wieder ein atemberaubendes Schauspiel, wenn man auf der steilen Strasse von "El Alto" hinunter in die im Talkessel liegende Innenstadt von "La Paz" fährt. Um 17.00 Uhr erreichen wir die Endstation unseres Busses, und wir ergattern uns sogleich ein Taxi mit dem wir zu unserem vorreservierten Hotel "Diamante Azul" an der "Calle Aroma" fahren. Unsere Reservation hat tatsächlich geklappt, und wir bekommen ein wunderschönes Doppelzimmer im dritten Stock. Nach einer heissen, wärmenden Dusche gehen wir noch einen Sprung in die Stadt und essen in einem authentischen, kleinen, bolivianischen Restaurant inmitten der Einheimischen ein vorzügliches, typisches Menü aus Reis, Kartoffeln und Poulet- oder Lammfleisch und mit einer Suppe als Nachspeise.

Freitag 7. April
Heute geniessen wir einen ruhigen, sonnigen Tag in der Stadt. Unter anderem widmen wir uns endlich wieder einmal unserer Portadapage. Am Nachmittag spazieren wir durch die verschiedenen, faszinierenden und einzigartigen Marktgassen von "La Paz". Natürlich schauen wir auch noch schnell bei der "Agencia Turismo Bolivia-Peru" vorbei, um uns bei Alex für die super organisierte und eindrückliche Reise zu bedanken. Alex ist hoch erfreut über unseren Besuch, und seine Augen leuchten, als wir ihm die Grüsse seiner Schwester und seines Schwagers aus "Ollantaytambo" ausrichten. Am Abend spazieren wir zufälligerweise an einer kleinen Garage vorbei, in der einfache Holzstühle aufgestellt sind. Zuvorderst ist eine Leinwand gespannt, und irgend ein Film wird für ein paar Bolivianos gezeigt. Hier in "La Paz" wird jedes noch so kleine Schlupfloch genutzt, um irgend einem Geschäft oder einem Handwerk nach zu gehen. Nach dem kleinen Stadtspaziergang kehren wir wieder in unser gemütliches Hotel zurück.

Samstag 8. April
Unser Ziel für heute ist es, unsere Portadapage so weit zu aktualisieren, dass wir die neuesten Berichte endlich ins Internet stellen können. Da wir in der letzten Woche beide ein wenig gesundheitlich angeschlagen waren, sind wir mit unseren Berichten etwas im Hintertreffen. Am späteren Nachmittag sind wir dann aber so weit und haben unser Werk beendet. Für heute Abend haben wir uns per E-Mail mit Anna, der Italienerin, die wir in "Copacabana" kennen gelernt haben, in unserer Hotellobby um 19.00 Uhr verabredet. Aber auch um 20.00 Uhr ist immer noch keine Spur von Anna zu sehen. Um 21.00 Uhr treffen wir sie dann aber zufälligerweise am "Plaza San Francisco", wo sie uns ganz zerknittert mitteilt, dass sie unser Hotel nicht finden konnte. Hauptsache ist, wir haben uns getroffen. In einer kleinen Bar mit einheimischer Live-Musik feiern wir unser Wiedersehen und verabreden uns für morgen Nachmittag.

Sonntag 9. April
Auch heute empfängt uns "La Paz" mit wunderbarem, sonnigen Wetter, und wir können vom Dach unseres Hotels sogar den Hausberg "Nevado Illimani" (6462m) erkennen. Auch heute am Sonntag ist einiges los in der Stadt, denn heute beginnt mit dem Palmsonntag die "Semana Santa" = heilige Woche. Vor allem rund um die Kirche "San Francisco" werden aus Palmblättern, hübsch geflochtene Zweige verkauft. Heute klappt auch die Verabredung mit Anna, die uns pünktlich um 14.00 Uhr in unserem Hotel erwartet. In einer gemütlichen Pizzeria trinken wir Kaffee, teilen uns eine Pizza und besprechen unsere Reisepläne. Anna, die noch bis Ende April in "La Paz" in einer sozialen Organisation  arbeitet, hat in der "Semana Santa" etwas Zeit, um zu reisen und wird uns begleiten. Am kommenden Dienstag werden wir also zu dritt nach "Uyuni" fahren, den Salar besuchen und weiter nach "Potosí" und "Sucre" reisen. Während Marco ins Hotel zurückkehrt, um noch etwas an der Portadapage zu arbeiten, spazieren Anna und ich in die Innenstadt, wo wir gerade noch den letzten Teil eines Strassenkonzerts der  bolivianischen Band "Desaires" mitbekommen. Später, um 18.30 Uhr, treffen wir uns alle drei wieder vor dem Kino. Hier ist heute der Bär los, und die Leute stehen bis auf die Strasse Schlange, um sich ein Ticket für den Film "Era de Hielo 2" zu ergattern. Auch wir stellen uns hinten an und können nach etwa 20 Minuten tatsächlich für die hinterste Sitzreihe noch drei Tickets ergattern. An der hinteren Wand der Kinokasse hängt ein grosses Holzbrett mit Löchern, in denen die Zettelchen mit den Sitzplatznummern stecken, die jeweils beim Verkauf eines Eintritts herausgezogen werden. Ein perfektes System, ohne grossen Aufwand und ohne Computer. Obwohl wir in der hintersten Reihe sitzen, haben wir einen wunderbaren Blick auf die riesige Leinwand. Das Ambiente in dem vollen Kino ist genial, und die Kinder, die nicht mehr ruhig sitzen können, nutzen den hintersten Teil des Kinos als Spielplatz. Nach dem herzigen Film gehen wir drei wieder zum "Plaza San Francisco" und suchen uns eine Bar. Etwas versteckt in einer Seitengasse finden wir ein Lokal, wo ein DJ Musik auflegt und ein anderer mit dem Mikrofon die Leute auffordert zu tanzen. Eine richtige authentische, bolivianische Disco! Später lernen wir noch eine Gruppe einheimische Frauen kennen. Margot, die heute 25 Jahre alt wird, ist frischgebackene Kinderärztin, und Sonya, ihre Schwester, ist Textilverkäuferin. Zusammen verbringen wir einen schönen Abend bis in die frühen Morgenstunden und werden von Margot und Sonya, die in "El Alto" wohnen, für morgen gleich zum Mittagessen eingeladen.

Montag 10. April
Um 12.00 Uhr treffen wir uns mit Anna vor der "Iglesia San Francisco", um gemeinsam nach "El Alto" zu Sonya und Margot zu fahren. Als erstes gehen wir aber noch zur Post, um unsere Briefe aufzugeben. Danach kaufen wir am Markt Blumen und Kuchen für das Geburtstagskind Margot. Der Mini-VW-Bus, den wir uns aussuchen, um nach "El Alto" zu gelangen, ist bis auf den letzten Platz besetzt und schlängelt sich mitten durch die holperigen Strassen der Stadt. Der Kuchen, die Blumen und wir werden auf der etwa 3/4- stündigen Fahrt regelrecht durchgeschüttelt. In "El Alto" zeigt uns eine sehr nette einheimische Dame den Weg durch den gefährlichen Verkehr der tausend Minibusse zum Platz, wo wir Sonya anrufen, die uns versprochen hat uns hier abzuholen. Nach einer halben Stunde kommt sie dann auch tatsächlich, und wir steigen noch einmal in einen Minibus ein, der uns in den ziemlich weit entfernten, aber dafür sehr ruhigen Stadtteil von "El Alto" bringt, wo Sonya und Margot mit ihrer Mutter leben. Das Wiedersehen ist sehr herzlich und freudig, und wir lernen gleich noch zwei Bekannte der Familie kennen. Das kleine, einstöckige und einfache Häuschen besteht aus einem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, einer Küche und einem Bad. Der einzige Luxus, der für uns sichtbar ist, sind ein Fernseher und ein DVD-Gerät. Sonya tischt uns ein hervorragendes, typisch bolivianisches "Fricase" auf, "Fricase" = pikante Suppe mit speziellen schwarzen, kleinen Kartoffeln, einer weissen, grosskörnigen Maissorte und Pouletfleisch. Vor dem Essen spricht die Mutter des Hauses noch ein Tischgebet, indem sie auch uns Reisenden den Segen wünscht. Nach dem Essen bedankt man sich gegenseitig für das feine Mahl und die Gesellschaft und wünscht sich "bon provecho" = guten Appetit. Wir bleiben etwa zwei Stunden bei dieser fröhlichen und herzlichen Familie und tauschen selbstverständlich noch diverse E-Mail-Adressen aus, bevor wir uns verabschieden. Sonya begleitet uns noch zu einem Minibus, der auf direktem Weg, der Hauptstrasse entlang, ins Stadtzentrum von "La Paz" zurückfährt. Am Abend gehen wir noch im Reisebüro von Sabina vorbei, wo wir die vorreservierten Bus- und Zugtickets nach "Uyuni" abholen können. Ausserdem hat Sabina gleich noch eine Hotelreservation vorgenommen, für die wir sehr dankbar sind, denn immerhin treffen wir erst um 22.30 Uhr in "Uyuni" ein. So können wir morgen ganz entspannt die Reise geniessen.

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La Paz - Oruro - Uyuni

Dienstag 11. April
Um 09.00 Uhr verabschieden wir uns von den sehr freundlichen Leuten des neuen und sehr schönen Hotels "Diamante Azul". Mit einem Taxi, das wir spontan auf der Strasse anhalten, fahren wir dann mit Sack und Pack zum Busterminal, wo wir uns mit Anna treffen, mit der wir diese Woche herumreisen werden. Pünktlich um 10.00 Uhr fährt der Bus des Unternehmens "Transporte Copacabana I" in Richtung "Oruro" los. Die dreistündige, sonnige Busfahrt verläuft sehr ruhig und bequem, und wir treffen um 13.00 Uhr gesund und munter am Bahnhof von "Oruro" ein. Unser erster Eindruck dieser hässlichen Stadt, die Marco und ich ja schon einmal durchfahren haben, bestätigt sich. Wir haben noch etwa zwei Stunden Zeit, bis der Zug fährt, aber wir suchen vergebens nach einem Restaurant oder Café, das geöffnet hat. So kaufen wir dann bei einem Stand röstiähnliche, mit Poulet gefüllte, frittierte Kartoffelklösschen und richten uns vor der Bahnhofhalle ein. Um 14.30 Uhr trudelt dann auch bereits der Zug "Expreso del Sur" ein. Zehn Minuten vor Abfahrt klingelt der "Jefe de Estacion" einmal mit der Bahnhofsglocke, was bedeutet, dass es Zeit ist in den Zug zu steigen. Fünf Minuten vor Abfahrt wird zwei mal geklingelt und kurz vor der Abfahrt drei mal. Dann geht die Reise los. Dieses Mal ist der See, den wir kurz nach "Oruro" durchfahren, viel trockener als beim letzten Mal, als wir von "Tupiza" her hier durchgefahren sind. Man merkt, dass die Regenzeit zu Ende ist, und die Landschaft daher schon ziemlich abgetrocknet ist. Die angenehme, siebenstündige Zugfahrt wird uns mit einem Volkloremusikvideo und drei Filmen verkürzt. Zwischendurch rauscht immer wieder ein Kellner vorbei und bietet Getränke und Speisen an. Auch diesmal ist die Sauberkeit im Zug vorbildlich, denn etwa jede Stunde wird der Boden der Abteile und die Toilette mit ziemlich viel Chemiewasser durchgefegt. Als am Abend die Dämmerung einsetzt, erleben wir einen wunderbaren Sonnenuntergang auf diesem eindrücklichen Hochland. Um 22.30 Uhr treffen wir in "Uyuni" ein und werden tatsächlich von Sandra, einer Reiseleiterin, erwartet und zum vorreservierten Hotel "Julia" gebracht. Sandra bedauert, dass es keine Zimmer mit Privatbad mehr gibt, denn es seien hunderte von Minenarbeitern in "Uyuni" stationiert, da in einer Mine im nächsten Dorf anscheinend Gold gefunden wurde. Für Anna und uns zwei spielt dies aber keine grosse Rolle, und wir sind froh, haben wir ein Bett zum Schlafen. In Sandras Reisebüro können wir dann gleich noch den Ausflug zum weltgrössten Salzsee für morgen buchen. Am Abend kühlt die Luft sehr stark ab, und wir müssen uns für den kleinen Rundgang durch das ruhige Dorf richtig winterlich warm ausstaffieren. Da alle Restaurants bereits geschlossen haben, verköstigen wir uns mit einem Hamburger an einem Stand direkt vor unserem Hotel. Mit Glück finden wir dann aber doch noch ein geheiztes Pub, wo wir noch ein Bier trinken, bevor wir in unserem kalten, ungeheizten Zimmer tief unter die Decken kriechen.

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Uyuni

Mittwoch 12. April
Nach dem gemeinsamen Frühstück im Hotel machen Anna, Marco und ich uns auf den Weg zu Sandras Reisebüro, wo schon der Jeep für unsere Salztour bereit steht. Zusammen mit Diego, einem Argentinier aus "Cordoba" und einer dreiköpfigen, brasilianischen Familie geht die Tour um 10.30 Uhr los. Als erstes besuchen wir den Eisenbahnfriedhof, der aber nicht wirklich spektakulär ist, denn auf verrosteten Gleisen stehen ein paar ausgediente, ebenfalls rostige Lokomotiven und Waggons herum. Danach geht die Fahrt weiter in das Dörfchen "Colchani", das gleich vor dem Salar = Salzsee liegt. Hier gibt es ein kleines Salzmuseum, in dem aus Salz gefertigte Statuen und Tiere ausgestellt sind. Um ein Foto von den Skulpturen machen zu dürfen, bezahlt man allerdings stolze 5 Bolivianos! Ausserdem werden auf einem winzigen Markt kleine Handarbeiten aus Salz angeboten. Marco und ich kaufen uns für 10 Bolivianos ein aus Salz gefertigtes Lamapärchen als Andenken. Und dann fahren wir endlich über den eindrücklichen, gewaltigen, schneeweiss glänzenden Salar. Leider ist unser "Guía" und Fahrer sehr wortkarg, und wir müssen ihm richtig gehend die Würmer aus der Nase ziehen. Wir erfahren dann doch noch, dass die Fläche des Salars 12'000km² beträgt. Unter der 7m bis 8m dicken Salzschicht befindet sich Wasser. Es ist unglaublich, wenn man denkt, dass wegen der Regenzeit vor drei Wochen noch etwa 5cm Wasser auf der Salzschicht lag. Jetzt ist das meiste abgetrocknet, und man erkennt an gewissen Stellen wabenförmige Muster, die sich durch die Trockenheit gebildet haben. Unser Jeep fährt dann auch mit stolzen 80 Sachen über die topfebene, trockene Salzkruste. In der Mitte des Salzsees liegt aber immer noch etwas Wasser, und die Berge rund um den See und die Wolken, die am stahlblauen Himmel hängen, spiegeln sich wunderschön im klaren, weiss glänzenden Wasser. Uns kommt es vor, als würden wir durch eine riesige, flache Schnee- und Eislandschaft hindurch fahren. Uns fehlen die Worte dieses einzigartige und wunderschöne Naturwunder zu beschreiben. Die "Isla del Pescado", die Insel, die mitten in der Salzwüste liegt, ist unser nächstes Ziel. Die Insel ist bekannt wegen den riesigen Kakteen, die hier wachsen. Laut unserem Führer leben auf der Insel zwei Familien und zwei andere Leute, die den Eintritt von 10 Bolivianos für den Besuch der Insel einheimsen. Wir sind über den Eintrittspreis, den auch wir aus eigenem Sack bezahlen müssen, etwas erstaunt, denn als wir den Ausflug bei "Sandra Tours" gebucht haben, hat es geheissen, es sei alles im Preis inbegriffen. Unser "Guía" will von allem natürlich nichts wissen, und so bezahlen wir den Eintritt. Überraschenderweise erfahren wir von all den anderen Mitreisenden, dass sie für die selbe Tour nur 15 Dollars bezahlten, während wir drei 30 Dollars, also das doppelte, hinblättern mussten. Heute Abend werden wir dann mit Sandra noch eine kleine Diskussion über diesen Preisunterschied führen. Jetzt geniessen wir aber erst einmal die Wanderung über die Insel und zum höchsten Punkt, von wo aus wir eine wunderbare Aussicht über den ganzen Salar haben. Nachdem wir alles in unseren Fotoapparaten festgehalten haben, wandern wir den steinigen Weg durch die unglaubliche, von hohen Kakteen übersäte Inselwelt wieder zurück zu unserem Jeep. Hier wartet unser "Guía" mit dem Mittagessen auf uns. Auf den Bänken aus Salz machen wir es uns rund um einen Salztisch bequem und geniessen bei sonnigem, heissen Wetter die Mahlzeit bestehend aus "Quinoa", Lamakoteletten, Gurken und Tomaten. Eine Stunde später steigen wir wieder in den Jeep und fahren etwa eine halbe Stunde auf dem Salzsee zurück, bis zum "Hotel de Sal". Das Hotel wurde beinahe komplett aus Salz errichtet und wird von einer einheimischen Familie geführt. Die Einrichtung und die Bauart des Hotels gefällt uns allerdings nicht, denn uns erscheint es, als sei alles etwas schnell und lieblos erbaut worden. Die Tische und Stühle zum Beispiel sehen aus wie hingeworfene Klötze, die Betten sind hart und unbequem, und ausserdem sind die Fenster teilweise kaputt und undicht. Nie würden wir hier übernachten wollen und dann auch noch stolze 20 Dollars bezahlen. Allein für die Hotelbesichtigung muss man entweder etwas bezahlen oder konsumieren. Nach einem obligatorischen Kaffee machen wir noch ein paar verbotene Fotos im Hotel. Verboten deshalb, weil man auch für das Fotografieren hätte bezahlen müssen. Danach lassen wir uns von unserem Fahrer wieder nach "Uyuni" fahren. Mit der brasilianischen Familie verabreden wir uns dann noch für das Nachtessen, und Diego werden wir später noch auf ein Bier treffen. Im Büro von "Sandra Tours" erklären wir dann unser Preisproblem, worauf Sandra erklärt, dass Sabina vom Reisebüro in "La Paz" uns weitervermittelt hat und auch 10 Dollars daran verdient. Netterweise bekommen wir dann aber je 10 Bolivianos für die Eintritte auf die Insel zurückerstattet. Das nächste Mal werden wir unseren Trip gleich vor Ort in "La Paz" buchen, wo uns die ganze Übung gerade mal die Hälfte gekostet hätte. Wieder etwas gelernt! Positiv zu erwähnen ist aber noch, dass wir für morgen schon reservierte Billete für die Fahrt nach "Potosí" haben, die uns Sandra organisiert hat. Wir geniessen dann noch einen gemütlichen Abend mit den Brasilianern und später mit Diego, dem sympathischen Lebenskünstler aus Argentinien.

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Uyuni - Potosí

Donnerstag 13. April
Um 09.30 Uhr warten wir vergeblich auf Sandra, die uns gestern versprochen hat, uns zum Terminal und zu unserem Bus zu begleiten. Nach zehn Minuten packen wir unsere sieben Sachen und machen uns alleine auf die Suche nach dem Terminal. "Uyuni" ist ein kleines, ruhiges, unscheinbares Dörfchen, und deshalb ist es für uns auch nicht schwierig den Terminal und unseren Bus des Unternehmens "Trans Emperador" zu finden. Pünktlich um 10.00 Uhr ist das Gepäck auf dem Busdach verschnürt, und wir fahren in dem mehr oder weniger bequemen Bus los. Der Weg führt uns über eine gut planierte Naturstrasse durch eine gebirgige und eher trockene Natur. Ab und zu hält der Bus in einem unwegsamen kargen Gebiet mit ein paar einfachen Steinhäusern, wo Leute ein- oder aussteigen. Unglaublich in welch einfachen Verhältnissen, ohne Strom und Wasser, einige Einheimische leben. Auf der Fahrt lernen wir die Österreicherin Isabelle kennen, die übrigens den gleichen Jahrgang hat wie ich und sogar im selben Monat Geburtstag hat. Nach drei Stunden Fahrt erreichen wir ein kleines Dorf, wo wir 20 Minuten Pause machen. Hier hat man die Möglichkeit, in einem kleinen Restaurant ein Mittagessen zu geniessen. Marco und ich haben aber keinen Hunger und spazieren etwas durch das Dorf, das nur aus wenigen, einfachen Steinhäusern und diesem Restaurant zu bestehen scheint. Dann geht die Fahrt weiter über Hügel und steinige Wege, bis wir um 16.00 Uhr in "Potosí" eintreffen. Zu viert fahren wir mit dem Taxi in die Nähe des Stadtzentrums und finden in der sehr einfachen "Hospedaje San Jose" zwei Doppelzimmer. Am Abend spazieren wir noch etwas durch die Stadt und gehen in einem Restaurant essen, wo wir für einen kleinen Preis gigantische Portionen serviert bekommen. Auf dem Heimweg kommen uns gewaltige Menschenmengen entgegen. Ganz "Potosí" scheint auf der Strasse zu sein, um den Gründonnerstag zu zelebrieren. In der Kathedrale findet auch noch eine Messe statt. Wir vier Reisevögel sind aber etwas müde von der heutigen Reise und kriechen in die etwas unbequemen, einer Badewanne ähnlichen Betten.

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Potosí

Freitag 14. April
Isabelle verabschiedet sich heute Morgen von uns, da sie die Höhenkrankheit mit Kopfschmerzen und Schwindel nicht los wird und fährt nach Sucre. Auch Marco kränkelt seit gestern wieder etwas vor sich hin, und deshalb machen wir uns einen ruhigen Tag. Am Mittag treffen wir uns mit Anna für eine Besichtigungstour durch die Stadt. "Potosí" ist mit etwa 4200m eine der höchst gelegenen Städte der Welt. Die Silberminen, die im 16. Jahrhundert zu den reichsten und grössten der Welt gehörten, waren im 18. Jahrhundert erschöpft, und viele Einwohner der Stadt wanderten ab. 1987 wurden die Silberminen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und ziehen seit dem viele Touristen an. Heute lebt die Stadt hauptsächlich vom Abbau von Kupfer, Zinn und Blei und von der Bierbrauerei. Wir besuchen nicht die Silberminen sondern spazieren der "Calle Oruro" entlang zu der "Iglesia San Lorenzo" am "Mercado Central" vorbei und zum Hauptplatz "Plaza 10 de Noviembre", wo sich auch die Kathedrale befindet, die im Moment leider gerade renoviert wird. Nach einer kleinen Pause auf einer Bank an der Sonne spazieren wir durch einige, hübsche und malerische Gassen zu der "Iglesia San Francisco". Danach nehmen wir uns ein Taxi und lassen uns zu einem Aussichtspunkt bringen. Der Taxist erklärt uns, dass es in "Potosí" etwa 25 Kirchen gibt, die zum Teil als Museen genutzt werden. Am Fusse des Aussichtspunktes, der ein modernes, auf einem Sockel gebautes Restaurant ist, verlassen wir das Taxi. Leider ist aber der Weg hinauf zum "Mirador" geschlossen, und so können wir keine Aussichtsfotos von der Stadt machen. Wir machen uns also wieder auf den Rückweg in das Stadtzentrum und sehen in der Ferne noch die älteste Kirche von "Potosí". Wir finden, dass ausser ein paar wirklich schöne Kirchen und malerische Gassen "Potosí" eine langweilige, nicht gerade berauschende Stadt ist. Zum Schluss spazieren wir zum Busterminal und kaufen für morgen drei "Boletos" nach "Sucre".

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Potosí - Sucre

Samstag 15. April
Um 10.45 Uhr finden wir uns am Terminal von "Potosí" ein und warten auf unseren Bus, der laut Fahrplan um 11.15 Uhr nach "Sucre" fahren soll. Fünf Minuten nach unserem Eintreffen am Terminal kommt uns die "Señorita", die uns gestern die Tickets verkauft hat, entgegen und teilt uns mit, dass alle Busse ihres Unternehmens in Sucre sind und heute keine Fahrten mehr statt finden. Darüber sind wir sehr erstaunt und etwas sprachlos und trotzdem sehr erfreut, dass wir von der netten "Señorita" informiert werden. Wir bekommen auch ohne weiteres unser Geld zurück, um bei einem anderen der zahlreichen Busunternehmen die Tickets zu kaufen. Wahrscheinlich besteht ein Busunternehmen in Bolivien aus einem, maximal zwei Bussen. Marco ist ganz Gentleman und macht sich für uns drei auf die Suche nach einem Ticketverkäufer, der ihm allerdings zuerst nicht glauben will, dass seine 50 Bolivanonote echt ist, die wir von der "Señorita" zurück bekommen haben. Marco ist aber ein zäher Verhandler, und so bekommt er schlussendlich doch noch drei "Boletos" für die Fahrt um 12.15 Uhr nach "Sucre" beim Busunternehmen "Trans 6 de Octubre". Jetzt haben wir noch eine knappe Stunde Zeit, in der wir an einem Stand einen feinen Kaffee trinken und frühstücken. Die Strecke von "Potosí" in die bolivianische Hauptstadt "Sucre" ist asphaltiert, und die Fahrt mit dem Bus dauert deshalb nur etwa drei Stunden. Am Anfang führt die Strasse eine Passstrasse hinauf, bevor man dann auf der anderen Seite den Altiplano verlässt und wieder tiefer das Tal hinunter in die etwa 2800m hoch gelegene Stadt "Sucre" fährt. Um etwa 16.30 Uhr fahren wir durch eine wunderschöne, mit Gartenanlagen aufgelockerte Avenida zum Busterminal. Wir nehmen uns ein Taxi und lassen uns zu dem von Sylvia aus "Tupiza" empfohlenen Hostal "Cruz de Popayan" fahren. Anna nimmt sich ein Bett in einem Vierer-Zimmer, und Marco und ich bekommen mit Glück noch ein Doppelzimmer mit TV. Wir sind alle etwas müde, und draussen regnet es in Strömen. Deshalb verbringen wir einen ruhigen Nachmittag im Hostal. Später reservieren wir gleich an der Rezeption des Hostals noch drei Plätze für die morgige Fahrt zu dem bekannten Sonntagsmarkt in "Tarabucco".

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Sucre

Sonntag 16. April
Bereits um 07.00 Uhr ist heute Tagwache. Das Wasser in der Dusche ist leider bitter kalt, obwohl auf dem Hotelprospekt versprochen wird, dass uns 24 Stunden heisses Wasser zur Verfügung steht. Na ja, da müssen wir jetzt durch und frieren uns beinahe alle Körperteile ab, da auch die Aussentemperaturen ziemlich kühl sind. Wenigstens regnet es aber nicht. Um etwa 09.30 Uhr werden wir vom Touristenbus abgeholt, und wir fahren ca. 1 1/2 Stunden auf einer Schotterpiste einen Hügel hinauf zum Dorf "Tarabucco". Gleich in der Reihe hinter uns sitzt Anna, die Italienerin, neben Anna, eine Neuseeländerin. Als wir ankommen, ist es gleich noch einmal eine Spur kälter! Marco und ich haben eine lange Einkaufsliste erstellt und shoppen uns nun durch den wunderschönen Markt. Nach eineinhalb Stunden haben wir unsere schöne, bolivianische Reisetasche mit handgestrickten Wollkleidern gefüllt. Der Sonntagsmarkt in "Tarabucco" ist wirklich eine sehr gute Empfehlung, denn hier findet man tatsächlich nur allerbeste Qualität aus reiner Schafs,- Lama,- und Alpakawolle. Die Preisverhandlungen sind hier allerdings sehr zäh, und man kann den erst genannten Preis höchstens um fünf Bolivianos hinunter markten. An dem Marktstand, wo sich Marco seinen Alpakapullover kauft, verhandle ich sehr eisern, und wir bekommen das gute Stück schlussendlich für fünf Bolivanos weniger, da ich dem kleinen Söhnchen noch einen Schleckstengel schenke. Nach dem Einkaufsbummel treffen wir uns mit Anna 1, Anna 2 und einem Amerikaner in einem kleinen Marktrestaurant und wärmen uns bei einer warmen Suppe auf. Um 13.30 Uhr fährt uns unser Bus wieder zurück nach "Sucre", allerdings nur bis zum Hauptplatz und nicht wie von uns erwartet zu unserem Hostal. So spazieren wir durch die schöne Stadt mit den wunderbaren weissen Kirchen und Häusern aus der Kolonialzeit. In einem "Locutorio" können wir dann auch noch unsere Ostertelefonate erledigen, bevor es zu Hause schon zu spät ist, denn immerhin sind wir in Bolivien um sechs Stunden zurück verschoben. Danach gehen wir zum Busterminal, wo wir unsere Tickets für die morgige 24-stündige Reise nach "Yacuiba", die Grenzstadt zu Argentinien, kaufen. Am Abend, wiederum nach einer kalten Dusche, "brrrrrr!!!!", treffen wir uns mit den beiden Annas und essen zusammen ein feines Ostermenü. Ausserdem feiern wir auch noch Abschied, denn immerhin ist heute unser letzter Abend mit Anne, der Italienerin, mit der wir nun eine ganze Woche zusammen verbracht haben. Morgen trennen sich unsere Wege wieder, denn Anna geht zurück zu ihrer Arbeit in "La Paz" und Marco und ich kehren nach Argentinien zurück.

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Sucre - Camiri - Yacuiba - Pocitos (Argentinien)

Montag 17. April
Leider regnet es heute morgen wieder, dafür kommt ausnahmsweise einmal richtig heisses Wasser aus der Duschbrause. Nach dem Frühstück, das wir zusammen mit den beiden Annas einnehmen, packen wir unsere sieben Sachen, die wir anschliessend im Hostal einstellen können. Von Anna, der Neuseeländerin, müssen wir uns bereits verabschieden und tauschen natürlich noch die E-Mail-Adressen aus. Danach spazieren wir zu dritt durch die vielen wunderschönen Gassen der Altstadt, an den gewaltigen, weissen Kirchen und Gebäuden vorbei, von denen die meisten in unseren Fotoapparaten bildlich fest gehalten werden. In der Nähe unseres Hostals, an der "Calle Olañeta", befindet sich die "San Agustin" Kirche. Zwei Kreuzungen weiter, an der "Calle Nicolas Ortiz", steht die "San Felipe Neri" Kirche mit den speziellen Glockentürmen. Entlang der "Calle Argentina", vorbei an wunderschönen, weissen Häuserfassaden mit den typisch kleinen Balkonen und Erkern, spazieren wir am Kulturzentrum vorbei zum Hauptplatz "25 de Mayo" mit dem Kongressgebäude, dem "Casa de la Libertad" und der Kathedrale. Gegenüber beginnt die Fussgängerzone bei der "San Francisco" Kirche mit den wunderschönen Torbögen. In dieser Gegend befindet sich auch der Markt. Um die Mittagszeit schlendern wir durch die riesige Markthalle, wo Früchte, Gemüse, Getreide, Kartoffeln in allen Varianten, Fleisch usw. verkauft wird. An einem Essenstand in der oberen Etage der Halle genehmigen wir uns ein reichhaltiges Mittagessen, das uns aus grossen, dampfenden Pfannen geschöpft wird. Der Markt und diese Art, am Markt zu essen, wird uns am meisten fehlen, wenn wir wieder in Argentinien sind. Nach dieser Stärkung spazieren wir noch durch den Strassenmarkt und beschenken uns gegenseitig mit typisch bolivianischen Armbändern und Halsketten zur Erinnerung. Leider ist es auch heute wieder ziemlich kalt, so dass wir uns in einem Restaurant in der Nähe des wunderschön gestalteten Hauptplatzes an einem heissen Kaffee wärmen müssen. Später kommt dann aber tatsächlich noch ein Blick Sonne zwischen den Wolken hervor, und wir können uns auf eine Bank im Park setzen und die Ruhe geniessen. Das mit der Ruhe ist etwas trügerisch, denn alle fünf Minuten kommt ein Händler oder ein Schuhputzer vorbei, die ihre Waren oder Dienste verkaufen wollen. Auch Kinder kommen immer wieder vorbei, die um ein "Regalo" = Geschenk meist in Form einer Münze betteln. Für vier Kinder kratzen wir gerade noch drei Bonbons und einen Kaugummi zusammen, und einem weiteren Mädchen schenke ich einen Apfel. Ein herziger kleiner Knabe, der sich etwas Geld mit Schuhputzen verdient, präsentiert uns stolz seine kleine Münzsammlung. Marco findet in seinem Hosensack noch einen Fünfräppler, den er dem Jungen schenkt. Dieser nimmt die Schweizermünze dankend und mit glücklich strahlenden Augen an. Jetzt kann er seinen Kollegen etwas zeigen, was nicht gerade jeder bolivianische Sechstklässler besitzt. Ich glaube für ihn hat dies mehr Wert, als wenn er uns für Geld die Schuhe geputzt hätte. Die Wolken werden leider wieder dichter, und die Temperaturen sinken, so dass wir uns entscheiden die restliche Zeit im Hostal bei einem heissen Tee zu verbringen. Um 17.00 Uhr organisieren wir uns ein Taxi, mit dem wir zum Busterminal fahren. Anna, die um 18.00 Uhr nach "La Paz" reist, kann ihr Gepäck bereits aufgeben. Gemeinsam mit ihr warten wir auf ihren Bus und verabschieden uns mit etwas schwerem Herzen voneinander und versprechen sofort zu schreiben, wenn wir gesund angekommen sind. Eine halbe Stunde später trifft auch unser kleine, bolivianische Kampfbus ein, mit dem wir nun eine lange, nächtliche Reise bis nach "Camiri" vor uns haben, wo wir in einen anderen Bus umsteigen werden. Das Gepäck wird auf das Dach geladen, und wir hoffen, dass das Wetter hält. Pünktlich um 18.30 Uhr geht die Fahrt auf der Naturstrasse los. Um 21.30 Uhr erreichen wir mitten im Nirgendwo das kleine Dörfchen "Suanes", wo wir eine halbe Stunde Pause machen, um in einem sehr einfachen und etwas schmutzigen Restaurant etwas zu essen. Danach wird das Licht im Bus gelöscht, und die holperige, kalte Fahrt durch die stock dunkle Nacht beginnt. Ich habe am Markt von "Tarabucco" zum Glück einen warmen, wollenen Umhang gekauft, der uns jetzt als Decke dient. So können wir wenigstens etwas dösen.

Dienstag 18. April
Am morgen um 06.00 Uhr treffen wir in "Monteagudo", einem Dorf in der Pampasregion von Bolivien ein. Hier steigen sehr viele Passagiere aus und andere steigen zu. Der Buschauffeur macht ausserdem noch eine Stunde Pause, so dass wir Zeit haben an einem Marktstand einen Kaffee zu trinken und uns die Beine zu vertreten. Danach geht die Fahrt bei Tageslicht weiter, und nun erkennen wir auch den Wechsel der Natur. Im Gegensatz zum Hochland ist es hier unten sehr grün und bewaldet. Die Pampas von Bolivien, in der wir uns jetzt befinden, gehören bereits zum subtropischen Urwaldgebiet, dem so genannten "Selva". Schon faszinierend, was dieses Land an abwechslungsreicher Natur zu bieten hat! Auch die Temperaturen sind hier angenehm warm, und die Sonne scheint von einem blauen, strahlenden Himmel hinunter, was uns die rumpelige Fahrt durch die tief gefurchte und erdige Strasse etwas angenehmer erscheinen lässt. Um 11.00 Uhr kommen wir in "Camiri" an, wo wir laut Chauffeur zwei Stunden auf den Anschlussbus nach "Yacuiba" warten müssen. Mit uns im selben Bus reisen seit Sucre auch noch eine Bolivianerin mit ihrem erwachsenen Sohn, die seit 21 Jahren in Mendoza (Argentinen) leben, und ein älterer Bolivianer. Die drei Einheimischen meinen, dass sie im hier ansässigen Büro des Unternehmens "Trans Emperador" reklamieren werden, da sie ein Ticket mit direktem Anschluss gekauft haben. Ausserdem wollen die zwei "Mendociner" noch heute an der argentinischen Grenze den Nachtbus nach Mendoza erwischen. Marco und ich, wir zwei Ahnungslosen, hängen uns den dreien an, die auch unsere Tickets in der "Officina" abgeben und anstandslos je 20 Bolivianos pro Ticket zurückerstattet bekommen. Dann beginnen die zähen Verhandlungen mit einem Truffifahrer, "Truffi" = Überlandtaxi. Schlussendlich sind wir uns einig, dass wir je 50 Bolivianos für die dreistündige Truffifahrt nach "Yacuiba" und weiter zur bolivianischen und argentinischen Grenzstadt "Pocitos" bezahlen. Wir quetschen uns also zu fünft in das Auto, was bedeutet, dass zwei Personen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und drei auf dem Rücksitz. Na dann mal fröhliche Fahrt. Da die Strasse durch den Chaco, nahe der paraguayanischen Grenze, asphaltiert und zu einer Schnellstrasse ausgebaut ist, und es ausserdem wenig Verkehr hat, kommen wir schnell vorwärts. Das einzige Verkehrshindernis sind die Kühe, die gemütlich die Strasse überqueren oder die Schafe und Ziegen, die ihr Mittagsschläfchen mitten auf der Fahrspur halten. Unglaublich, und nicht ganz ungefährlich, wenn man mit einem glatten Hunderter daherbraust! Im Städtchen "Villamontes", nicht mehr weit von der Grenze entfernt, entfacht sich noch einmal eine Diskussion zwischen den bolivianischen Passagieren und dem Truffifahrer über den Preis. Man erkundigt sich dann bei einer Ticketverkäuferin über die Möglichkeit von hier aus mit dem Bus bis an die Grenze zu fahren. Da aber der Bus etwa genau so viel kosten würde wie das "Truffi", bleiben wir sitzen und fahren mit unserem Chauffeur weiter, was mir und Marco ehrlich gesagt am liebsten ist. Ca. um 16.00 Uhr treffen wir in "Yacuiba" ein, und der ältere Bolivianer steigt aus. Die beiden in Mendoza lebenden Bolivianer und wir zwei werden noch bis zum bolivianischen Teil von "Pocitos" gefahren. Zu Fuss gehen wir durch den Zoll auf die argentinische Seite von "Pocitos" und erledigen die Formalitäten. Ausserdem müssen wir alle in Bolivien gekaufte Ware auspacken und deklarieren. Das Prozedere ist etwas langwierig und mühsam, läuft aber eigentlich friedlich und ruhig ab. Danach gehen wir mit Hanibal und seiner Mutter zum Ticketschalter und kaufen mit unseren allerletzten Dollar- und Pesoreserven beim argentinischen Busunternehmen "El Rapido" die Tickets für die 16-stündige Fahrt nach Mendoza. Schlussendlich fehlt uns sogar noch ein Dollar für die Bezahlung, doch die nette Ticketverkäuferin hat Erbarmen und erlässt uns diesen kleinen Betrag. Die weiteren Berichte unserer argentinischen Abenteuer sind nun im Reporte Argentinien zu erfahren.

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ultima actualización del sitio web el 27.08.2006
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