Our passion is to travel around the world. It's our goal to learn about foreign cultures and to search for the contacts with the native ones. The impressions of the marvelous nature and the beautiful landscapes, the wonderful weather and much sunshine should be always our companion. It prepares to us a lot of pleasure to report from our experiences and adventures and to share this with many readers, Marco and Isabella

 

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REPORT CHILE

18. Dezember 2005 - 22. Dezember 2005
1. Januar 2006 - 17. Januar 2006

 

Travel route
Puerto Natales-Punta Arenas
Punta Arenas

Punta Arenas-Ushuaia (Argentinien)
Puerto Montt
Puerto Montt-Chonchi
Chonchi-Frutillar
Frutillar-Valdivia
Valdivia-Niebla-Villarica-Temuco
Temuco-Santiago-Viña del Mar
Viña del Mar
Viña del Mar-Santiago

Santiago-La Serena
La Serena-Calama
Calama-San Pedro de Atacama

San Pedro de Atacama
San Pedro de Atacama-Salta (Argentinien)

Puerto Natales - Punta Arenas

Sonntag 18. Dezember
Nach der fünfstündigen Busfaht von "El Calafate" in Argentinien über die Grenzen bei "Rio Turbio" und "Dorotea" (siehe Report Argentinien) kommen wir in "Puerto Natales" an. Viele Reisende nutzen diesen Ort als Ausgangspunkt für Trekkingtouren in den Nationalpark "Torres del Paine" mit dem bekannten, gewaltigen Bergmassiv. Wir fragen unseren Chauffeur, wo die Busse nach "Punta Arenas" fahren. In Chile gibt es anscheinend keinen eigentlichen Busbahnhof, der von allen Bussen angefahren wird. Jedes Unternehmen hat hier seine eigene Haltestelle. Einige Meter weiter finden wir ein paar Unternehmen, die Reisen nach "Punta Arenas" anbieten. Nach einigem herumfragen finden wir tatsächlich einen Bus, der uns um 15.00 Uhr, also bereits in 20 Minuten, zwei freie Plätze für die dreistündige Weiterreise anbietet. In diesem Bus ist die Bestuhlung sehr eng, und man hat kaum Platz für die Beine. Erwähnenswert finde ich auch, dass der Fahrer durch eine Türe völlig von den Passagieren abgetrennt ist. Der Beifahrer macht ab und zu einen Kontrollgang durch den Passagierraum, schliesst die Dachluken wenn es regnet, öffnet sie wieder, wenn die Sonne scheint und schaut nach dem Rechten. Als wir in "Punta Arenas" aussteigen und unsere Rucksäcke entgegennehmen, werden wir von etwa fünf Frauen angesprochen, die uns Zimmer in ihrem Hostal anbieten. Marco und ich vergleichen ein paar Angebote und lassen uns schlussendlich von einer sympathischen etwa 50-jährigen Frau zum "Residencial Elys House" fahren. Hier finden wir in familiärer, freundlicher Ambiente ein heimeliges Doppelzimmer ohne Privatbad, dafür mit Satelliten-TV. Wir dürfen hier auch die Küche mitbenutzen, was uns sehr entgegen kommt. Wir buchen das Zimmer dann auch gleich für drei Nächte. Nachdem wir uns eingerichtet haben, gehen wir erst einmal ins Stadtzentrum. Die Stadt ist sehr weitläufig, und ausser im Zentrum gibt es überall kleine einfache ebenerdige Häuschen. An einem Bankomat, den wir in einer Apotheke finden, decken wir uns erst einmal mit chilenischen Pesos ein, bevor wir einkaufen gehen. Im riesigen Supermarkt finden wir alles, was das Herz begehrt. Es ist wirklich faszinierend, dass es möglich ist, einen so grossen Lebensmittelladen mit so breitem Angebot hier am Ende der Welt, am untersten Zipfel Patagoniens, zu unterhalten. Ausserdem ist heute Sonntag und Hochbetrieb bis 21.00 Uhr. Uns fällt auf, dass hier in Chile mehr Weihnachtsstimmung als in Argentinien herrscht. In den meisten Geschäften stehen geschmückte Weihnachtsbäume, und beim Einkaufen wird man mit Weihnachtsmusik berieselt. Auch die meisten Privathäuser sind weihnachtlich geschmückt, was auf uns einen heimatlichen Eindruck macht. Zurück im "Elys House" bereiten wir uns ein einfaches Abendessen zu und lernen dabei ein sehr interessantes, deutsches Paar kennen, das zum Bergsteigen und Wandern hier in Patagonien ist. Wir verbringen einen gemütlichen Abend zusammen und tauschen einige Reiseerfahrungen aus. Wir erfahren auch, dass das gesamte patagonische Gletschergebiet zwischen Chile und Argentinien etwa der halben Fläche der Schweiz entspricht und eines der grössten Süsswasserspeicher der Welt bildet. Später als sich die zwei verabschieden, treffen wir in der Küche noch zwei Psychologiestudenten, eine Spanierin und einen Spanier aus Barcelona, die in Chile ein Austauschjahr geniessen können. Um 23.00 Uhr werden wir von der Chefin des Hauses mit strengem Blick darauf aufmerksam gemacht, dass um 23.00 Uhr die Küche geschlossen wird und wir uns in unsere Zimmer zurückziehen sollten. So verabschieden wir uns und gehen in unser inzwischen ziemlich kühles Zimmer. In der Nacht ist es hier im Süden ziemlich kalt, und Marco und ich haben noch nicht herausgefunden, wie die Gasheizung in unserem Zimmer in Gang zu setzen ist. So bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns unter die Bettdecke zu verkriechen und einen Film im Fernsehen zu schauen.

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Punta Arenas

Montag 19. Dezember
Nach einer herrlich, ruhigen und tief durchgeschlafenen Nacht begeben wir uns um 09.00 Uhr zum Frühstück. Das Morgenessen ist im Zimmerpreis inbegriffen und wird von 07.30 Uhr bis 10.00 Uhr serviert. Wir setzen uns also an den grossen Tisch, wo schon zwei junge Männer aus Deutschland sitzen und bedienen uns mit Brötchen, Fleisch, Saft, Butter, Konfitüre und Kaffee. Mit den zwei Deutschen unterhalten wir uns über das Reisen, und so vergeht die Zeit im Nu. Wieder einmal muss uns die "Señora" mit strengem Blick auf die Zeit aufmerksam machen. Es ist bereits nach 10.00 Uhr, was bedeutet, dass die Frühstückszeit schon überschritten ist. Wir ergeben uns unserem Schicksal und verlassen die Szene. Später machen wir uns auf, um zu Fuss dem Meer entlang zu spazieren und den Hafen zu suchen. Am Hafen "Puerto del Estrecho" erkundigen wir uns im Tourist Center nach der Möglichkeit von hier aus mit dem Schiff nach "Porvenier" zu fahren und von dort aus mit dem Bus nach "Ushuaia" weiter zu reisen. Die nette "Dama" weiss, dass von Dienstag bis Sonntag eine Fähre nach "Porvenir fährt, sie kann uns aber nicht sagen, ob es von dort aus Busse nach "Ushuaia" gibt. Sie verweist uns aber auf ein weiteres Tourist Center in der Innenstadt, das uns vielleicht weiterhelfen kann. Die nette Dame erklärt uns dann aber noch, was man sonst noch alles von hier aus unternehmen kann. Wir interessieren uns die Pinguine zu sehen, die ganz in der Nähe auf der "Isla Magdalena" leben. Wir buchen für morgen Nachmittag einen Bootstrip zu dieser Insel, verabschieden uns von der netten Dame und gehen zum "Plaza de Armas". An den Kreuzungen dieses schönen Platzes treffen wir eine Lichtsignalanlage an, die neben dem Rotlicht gleich die laufende Zeit mitteilt, bis es wieder grün wird, eine Neuheit für uns. Hier finden wir prompt das empfohlene Tourist Center und fragen wiederum nach der Möglichkeit via "Porvenir" nach "Ushuaia" zu gelangen. Der Herr, der hier arbeitet, bestätigt die fast täglichen Fährüberfahrten nach "Porvenier", sagt uns aber, dass seines Wissens keine Busse nach "Ushuaia" fahren. Er gibt uns dann aber noch einen Fahrplan von verschiedenen Busunternehmen, die von hier aus direkt nach "Ushuaia" fahren und zeichnet uns die Büros der Unternehmen auf unserem Stadtplan ein. Nach Kaffee und Fahrplan-Studium ist uns klar, dass wir eine vierte Nacht in unserem Hostal verbringen werden, denn am Mittwoch fährt laut Plan kein Bus, und so können wir erst am Donnerstag reisen. Das ist aber nicht wirklich schlimm, denn uns gefällt es hier in "Punta Arenas". Der eine Tag mehr bietet uns dann auch noch die Möglichkeit eines der beiden Naturreservate zu besuchen oder den zusätzlichen Tag zum Recherchieren zu nutzen. Jetzt müssen wir noch einmal einen Geldautomaten finden, denn um die Bustickets zu kaufen, reicht uns das Geld nicht. Damit wir für die geplante Reise durch Chile für eine Weile genug Pesos haben, lassen wir den Automaten gleich 200'000 chilenische Pesos ausspucken, was ungefähr 600 Franken entspricht. Wir bekommen 40 mal 5000 Pesos in Noten, was ein rechtes Bündel Geld darstellt, und wir fühlen uns ziemlich reich. Einen kleinen Teil von dem Bündel werden wir beim Busunternehmen "Tecni Austral" für die Fahrt nach "Ushuaia" auch gleich wieder los. Am Abend setzen wir uns ins "CoffeeNet", das Internetkaffee, in dem wir heute Nachmittag herausgefunden haben, dass man hier mit dem eigenen Notebook via Wireless ans Internet kann. Es ist ein echt schönes, modern eingerichtetes Internetkaffee, in dem man für die Getränke zwar etwas mehr bezahlt, dafür aber der Kellner noch eigenhändig unseren Computer für sein Netz konfiguriert. Nach einem späten Abendessen in einem einfachen Restaurant spazieren wir durch die helle Nacht nach Hause. Hier unten im Süden wird es in der Sommerzeit auch mitten in der Nacht nicht mehr ganz dunkel, was uns wieder einmal mehr sehr fasziniert und erstaunt. Wir kommen uns auf unserer Reise immer wieder wie zwei kleine, naive und unwissende Weltentdecker vor. Als wir schliesslich im "Elys House" eintreffen, ist unser Zimmer sogar richtig warm. Die nette Putzfrau hat mir nämlich heute morgen erklärt, wie der Ofen funktioniert und ihn dann auch gleich in Gang gesetzt.

Dienstag 20. Dezember
Die Nacht in unserem geheizten Zimmer ist so angenehm, dass wir prompt "verschlafen" und wir uns etwas beeilen müssen, damit wir die strikte Frühstückszeit nicht verpassen. Danach gehen wir mit dem Notebook in das supertolle Internetcafé "CoffeeNet", lesen E-Mails, aktualisieren unsere Homepage und recherchieren unsere Weiterreise ab "Ushuaia". Wir entdecken dabei, dass von "Esquel" aus tatsächlich eine Strasse über die Anden nach Chile existiert. Sie mündet in die berühmte "Carretera Austral", die noch vom Militärdiktator Pinochet gebaut worden ist. Um etwa 14.30 sind wir wieder im "Ely House" und bereiten uns ein kleines Mittagessen zu. Danach fahren wir mit dem Stadtbus an den "Puerto Tres Puentes", von wo aus wir unseren Ausflug zu den Pinguinen auf der "Isla Magdalena" machen. Petrus meint es heute leider nicht so gut mit uns und überzieht den ganzen Himmel mit schweren dunkeln Wolken. Auch die Temperaturen sind heute deutlich tiefer als gestern. Wenigstens windet es aber nicht so heftig. Als wir schon auf dem Schiff sind, kommt plötzlich ein Herr vorbei, der unsere Tickets sehen will. Ich zeige ihm den Zettel vom Touristinfo, den Marco und ich als Eintritt betrachtet haben. Das war ein Irrtum, und ich werde darauf aufmerksam gemacht, dass ich im Kassenhäuschen mit dem blauen Dach die Eintrittstickets abholen muss. Wir sind aber nicht die einzigen, und an der Kasse hat sich bereits eine Warteschlange gebildet. Mit etwas Verspätung tuckern wir um ca. 16.15 Uhr los. Nach etwa eineinhalb Stunden kommt die Insel in Sicht, und wir können schon die ersten Pinguine erkennen, die im Meer schwimmen und ab und zu auftauchen. Als wir nach zwei Stunden Fahrzeit die Insel erreichen, werden wir von tausenden Pinguinen und vielen grossen Seemöwen empfangen. Die Insel ist wirklich unglaublich! In diesem schönen Naturreservat leben etwa 60'000 Pinguinpaare und ziehen Jahr für Jahr ihre Jungen auf. Pinguine leben monogam und bleiben für ein ganzes Leben lang einem Partner treu. Wir dürfen auf einem abgesteckten Pfad einem grossen Teil der Insel entlang spazieren und die schönen Tiere beobachten und fotografieren. Die ganze Insel wimmelt von diesen putzigen Kerlen. Manch einer schaut nur ganz scheu aus seinem Erdloch heraus und beschützt sein Jungtier, dass sich dort verkrochen hat. Beinahe in oder vor jeder Erdhöhle erkennen wir ein bis zwei Jungtiere, die von den Eltern vor den Besuchern beschützt werden. Auch einige der Seemöwen haben Jungtiere und beginnen nervöse Laute von sich zu geben, wenn man zu lange stehen bleibt, um sie zu fotografieren. Nicht alle Pinguine lassen sich von dem Touristenschwall beeindrucken sondern widmen sich der Liebe, der Körperpflege, spazieren herum oder watscheln für ein Bad zum Meer. Einer ist sogar so vorwitzig und knabbert aus Neugier an meiner Jacke und meinem Finger. Der Besuch auf dieser Insel ist wirklich ein wunderschönes Naturerlebnis. Uns beeindruckt, dass die Pinguine und die Seemöwen auf diesem engen Raum so friedlich miteinander leben. Ziemlich durchkühlt kommen wir um 21.15 Uhr wieder zurück nach "Punta Arenas". Mit einem der unzähligen "Colectivos" = Sammeltaxi fahren wir zurück in die Stadt und nach Hause in unsere Residencia.

Mittwoch 21. Dezember
Pünktlich um 08.30 Uhr erscheinen wir heute zum Frühstück. Anfangs sind wir überraschenderweise ganz allein, bis sich ein älterer chilenischer Herr und ein italienisches Paar zu uns gesellt. Den Chilenen quetschen wir über das Reisen in Chile aus, und er erzählt uns bereitwillig alle sehenswerten Orte seines Heimatlandes. Über die Route 7, genannt "Carretera Austral", will er allerdings nichts wissen. Ich weiss nicht genau, ob er mich nicht richtig versteht, oder ob er nicht darüber sprechen will, da die Strasse im Auftrag des Diktators Pinochets erbaut wurde. Ich will nicht in alten Wunden stochern und wechsle diplomatisch das Thema. Wir erfahren dann auch noch, dass die meisten europäischen Immigranten, die sich in "Punta Arenas" niedergelassen haben, aus Kroatien stammen. Sie flüchteten im zweiten Weltkrieg nach Südamerika. Nach dem Frühstück und dem interessanten Gespräch mit dem Chilenen gehen wir ins "CoffeeNet", schreiben Mails und recherchieren unsere Weiterreise. Die Stunden vergehen im Nu, und ehe wir uns versehen, ist es 19.00 Uhr. Zeit einkaufen zu gehen und im Hostal ein Abendessen zu zaubern. Kaum habe ich die Bratpfanne auf dem Herd, kommt auch schon die "Señora" in die Küche und verweist mich auf den Zettel an der Wand worauf steht, dass in dieser Küche nicht gebraten werden darf. Die "Señora" entwickelt sich langsam zu einem richtigen Hausdrachen! Vorsichtig und ohne grosses Geköch gelingt es mir dann doch noch Rindsgulasch, Teigwaren und Salat zuzubereiten. Ganz brav waschen wir wie immer unser Geschirr ab und lassen dem Drachen keine Chance erneutes Feuer zu speien. Den heutigen Abend verbringen wir gemütlich in unserem Zimmer und packen für die morgige Weiterreise unsere "Mochilas" = Rucksäcke.

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Punta Arenas - Ushuaia (Argentinien)

Donnerstag 22. Dezember
Mit Sack und Pack sind wir um 07.00 Uhr reisefertig. Bevor wir "Elys Haus" verlassen, bekommen wir aber noch ein letztes Mal ein Frühstück von der "Señora" serviert. Danach fährt sie uns sogar noch mit ihrem Privatauto zur Bushaltestelle. Für diesen netten, kostenlosen Dienst bekommt sie dann doch noch ein kleines Trinkgeld von uns, obwohl sie uns manchmal recht genervt hat. Da Marco und ich damit gerechnet haben, zu Fuss zur Busstation zu laufen, sind wir nun viel zu früh. In der Hoffnung ein Café zu finden, machen wir deshalb einen kleinen Rundgang um den Block. Die Stadt schläft um 07.45 Uhr aber noch so tief, dass kein einziges Restaurant geöffnet hat. Der Bus lässt dann aber auch nicht mehr lange auf sich warten. Als wir unsere Rucksäcke auf den Rücken schnallen, hören wir einen lauten Knall, und hinter dem Bus steigt eine gewaltige Rauchwolke auf. Der rechte Vorderreifen des Busses ist geplatzt, da der Fahrer zu nahe an den defekten Randstein gefahren ist und den Reifen an einem spitzigen Teil aufgeschlitzt hat. Wir sind gespannt, was jetzt geschieht und werweissen, ob der Reifen an Ort und Stelle gewechselt wird oder ob ein Ersatzbus herbeigerufen wird. In effizienter Zusammenarbeit wechseln der Busschauffeur und der Steward das Rad aus, und wir fahren nur mit einer halben Stunde Verspätung von "Punta Arenas" Richtung "Ushuaia" los. Wieder einmal mehr sind wir darüber beeindruckt, wie gut hier alles funktioniert. Gleich zu Beginn der Fahrt, im etwas engen aber recht bequemen Bus von "Tecni-Austral", bekommen wir vom Steward Kaffee und "Media Lunas" serviert. Nach etwa 4 Stunden kommen wir am "Punta Delgada" an, von wo aus wir mit der Fähre über den "Estrecho de Magallanes" = Magellanstrasse nach "Puerto Progreso" fahren. Nach der halbstündigen Überfahrt sind wir nun im Feuerland auf chilenischer Seite und bekommen zum Mittagessen Brötchen und einen Becher Sprite serviert. Nach weiteren zwei Stunden erreichen wir im Nirgendwo "San Sebastian", wo wir die chilenische und die argentinische Grenze passieren. Die Abfertigung an den Grenzen geht schnell und effizient von Statten. Beim Eintritt nach Argentinien findet auch keine Lebensmittelkontrolle statt, und so kann Marco sein Brötchen diesmal über die Grenze retten. Willkommen im argentinischen Teil des Feuerlandes. Anfangs, im nördlichen Teil der Insel, sieht die Landschaft ähnlich aus wie in Patagonien, was wir auch nicht anders erwartet haben. Wir durchqueren eine ebene Graslandschaft mit wenig Büschen und keinen Bäumen. Wir sind darum über das Bild, das sich nach und nach im südlichen Teil auf diesem schönen Flecken Erde uns bietet, sehr überrascht. Das Feuerland besteht aus weiten, grünen, an Flussläufen gelegenen Tälern, schönen, grossen Wäldern und hohen Bäumen, am Horizont erkennen wir schneebedeckte Berge. Neben zahlreichen, grossen Schafherden findet man hier auch vereinzelte Kuhherden. Gelegentlich sehen wir einzelne "Guanakos" und "Nandus", straussenähnliche Laufvögel, welchen wir in Patagonien immer wieder begegnet sind. Das Wetter präsentiert sich uns heute vielseitig und abwechslungsreich. Von heftigem Regen bis zu blauem Himmel und Sonnenschein erleben wir alles. Während wir durch den Regen fahren, können wir etwas weiter vorne durch eine Wolkenlücke einen Flecken des blauen Himmels erkennen, woraus wenig später die Sonne auf uns herunter scheint. In "Rio Grande" machen wir einen kurzen Halt, und wir müssen in einen anderen Bus umsteigen. In "Tolhuin" gibt es dann den letzten Kaffeehalt. Anschliessend führt das letzte Stück der Reise entlang des wunderschönen "Lago Fagnano", der von dichten Wäldern und hohen Bergen umgeben ist. Um 20.00 Uhr kommen wir in "Ushuaia", am Ende der Welt, an. Das Glück steht wieder einmal auf unserer Seite, und wir laufen gleich bei der Bushaltestelle einem jungen "Caballero" in die Arme, der freie Betten im Hostel "Posada del duende" anbietet. Wir fahren mit ihm mit, lassen uns die Zimmer mit den freien Betten zeigen und mieten in einem Sechser-Zimmer mit eigenem WC und Dusche zwei Betten für drei Nächte. Das schön eingerichtete Haus liegt an der Strasse "Gobernador Deloqui", gleich neben einer langen, steilen Treppe hinunter zu der Hauptstrasse "San Martin". Selbstverständlich gibt es auch in diesem Hotel eine Küche zur Mitbenutzung. Die steile Treppe führt uns nicht nur zu der "Calle San Martin" sondern auch geradewegs zu einem grossen Lebensmittelgeschäft, wo wir fürs erste Früchte, Salat und eine Flasche Wein einkaufen. Heute kochen wir allerdings nicht mehr, sondern gehen in ein Restaurant, schliesslich haben wir einen langen Reisetag hinter uns. Die weiteren Berichte unserer argentinischen Abenteuer sind nun im Report Argentinien zu erfahren.

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Puerto Montt

Sonntag 1. Januar
Nach der turbulenten Ankunft in "Puerto Montt" (siehe Report Argentinien) geniessen wir eine ruhige und friedliche Nacht im "Hotel Colina". Nach dem im Preis inbegriffenen Hotelfrühstück machen wir uns auf den Weg zur Busstation, in der Hoffnung etwas über das Verbleiben meines Rucksackes zu erfahren. Der Herr am Andesmar Schalter weiss zwar von meinem Problem, kann aber im Moment nichts anderes tun, als mir verschiedene Telefonnummern zu geben, wo ich doch um 10.00 Uhr anrufen soll. Ich verweise ihn höfflich aber eindrücklich darauf hin, dass ich um 10.00 Uhr wieder hier antanzen werde, und er dann bitte für mich telefonieren soll, da es ja nicht mein Fehler war, dass der Rucksack verschwunden ist. Er nickt lächelnd und verabschiedet sich von uns. Im Restaurant der Busstation bestellt Marco einen Café con leche und bekommt einen Beutel Nescafé-Pulver und heisse Milch serviert, was nicht unbedingt seiner Vorstellung eines Kaffees entspricht. Wenn man sich etwas umschaut, sieht man auch kaum Leute, die beim Kaffee sitzen, die Mehrheit hat schon einen Porron = 1 Liter  Bier vor der Nase, und das noch vor dem Mittag! Hier in "Puerto Montt" merken wir zum ersten Mal seit unserer Ankunft in "Buenos Aires", dass wir nicht mehr in Europa sondern in Südamerika sind. Die Leute, die Gebäude und das Ambiente sind völlig anders und fremdartiger als noch in Argentinien. Es ist noch schwierig zu umschreiben, aber das Leben hier läuft irgendwie anders ab. Bis jetzt treffen wir nur freundliche, aber etwas zurückhaltende Menschen an. Um 10.00 Uhr stehen wir wieder vor dem "Ventanilla" von Andesmar, und Patricio telefoniert auf meine Bitte hin doch tatsächlich mit dem Büro in "Osorno". Patricio hat es plötzlich aber sehr eilig, denn schliesslich ist heute Neujahr, welches zusammen mit der Familie gefeiert werden muss. Da interessiert es ihn nicht im geringsten, dass ich meine ganze Habe durch die Schlampigkeit der Andesmar-Chauffeure verloren habe. Jetzt möchte ich endlich auf die Suche nach einem offenen Geschäft gehen, wo ich mir wenigstens eine Zahnbürste und ein Deo besorgen kann. Wir finden eine so halb geöffnete "Farmácia", wo mir die Verkäuferin durch ein kleines Fensterchen diese Dinge durchreicht, die ich brauche. Nachdem ich mir im Hotel die Zähne geputzt habe, gehen Marco und ich wieder zur Busstation und lösen in einem der unzähligen Minibusse, die die Nachbardörfer mit "Puerto Montt" verbinden, zwei Tickets nach "Puerto Varas". Vielleicht finden wir dort einen möglichen Hinweis auf den Verbleib meines Rucksackes. Ausserdem planten wir "Puerto Varas" sowieso zu besuchen, da der Liechtensteiner, den wir in Ushuaia getroffen haben, sehr von diesem Dorf geschwärmt hat. Nach einer halbstündigen Fahrt erreichen wir auch bereits unser Ziel. Wir machen uns gleich auf die Suche nach der Haltestelle, an der gestern der Andesmar-Bus angehalten hat. Natürlich erfüllt sich unsere geheime Hoffnung nicht, dass der Rucksack irgendwo herumsteht. Weder die Leute im Restaurant nebenan noch die Angestellten der Tankstelle gegenüber haben etwas von einem blauen Rucksack gesehen oder gehört. Sie versprechen aber sofort das Andesmarbüro zu informieren, falls sie etwas hören sollten. Ich glaube immer weniger daran, dass mein Gepäck irgendwann irgendwo auftauchen wird. Morgen werde ich dann mal eine erste Schoppingtour unternehmen, um wenigstens das Wichtigste zu besorgen. "Puerto Varas" ist wirklich ein schmuckes Dörfchen am "Lago Llanquihue" mit bunten Häusern und einigen herzigen Kaffees, wo wir uns eine Pause genehmigen. Auch in dem von uns gewählten Restaurant besteht ein Milchkaffe aus Kaffeepulver und heisser Milch. In Chile werden wir demnach nicht zu oft in die Versuchung kommen Kaffee zu trinken! Tatsächlich wird auf der Speisekarte auch "Kuchen" angeboten, eine süsse Erinnerung, dass dieses Dorf ursprünglich von deutschen Einwanderern gegründet wurde. Wir besprechen das weitere Vorgehen und entscheiden uns, dass wir morgen auf jeden Fall von "Puerto Montt" abreisen werden. Wir warten noch den Platzregen ab und gehen dann an den See, in der Hoffnung doch noch einen Blick auf den Osorno-Vulkan, ein Wahrzeichen von Chile, erhaschen zu können. Leider ist alles von Wolken behangen, und aus der Fotosession wird heute nichts. Nach einem Rundgang durchs Dorf nehmen wir den nächsten Minibus zurück nach "Puerto Montt". Ein Abendspaziergang führt uns am Meer entlang bis zum Restaurant "Club de Yates", wo wir gestern Silvester erlebt haben. Gleich gegenüber hat es einen grossen Rummelplatz mit spektakulären Bahnen, wo wir eine Weile dem bunten Treiben zuschauen.

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Puerto Montt - Chonchi (Insel Chiloé)

Montag 2. Januar
Während Marco im Hotel seinen zweiten Frühstückskaffee schlürft, mache ich mich auf den Weg und kaufe in einem Unterwäschegeschäft zwei Unterhosen und ein T-Shirt. Jetzt habe ich wenigstens wieder ein paar eigene Kleider, und muss nicht mehr alles von Marco ausleihen. Nach dem Bezahlen der Hotelrechnung gehen wir zur Busstation und fragen am Andesmar-Schalter noch einmal nach dem Rucksack, was natürlich mit bedauerndem Kopfschütteln abgetan wird. Marco erkundigt sich währenddessen nach einer Möglichkeit nach "Chaitén" zu gelangen und endlich die "Carretera Austral" entlang zu fahren. Tatsächlich scheint es so, dass es keine Busse nach "Chaitén" gibt, und so streichen wir die "Carretara Austral" endgültig aus unserer Travel route und kaufen stattdessen zwei Tickets nach "Chonchi" auf der Insel "Chiloé". Um 13.20 Uhr reisen wir mit dem Unternehmen "Cruz del Sur" ab, und ich bin froh, endlich von "Puerto Montt" weg zu kommen. Erstaunt bin ich darüber, dass der Bus nicht, wie in "Punta Arenas", eine abgetrennte Fahrerkabine hat. Offensichtlich sind nicht alle chilenischen Busse nach dem selben System gebaut. Die Reise ist sehr angenehm, und wir fahren durch eine wunderschöne, unglaublich grüne, blühende Landschaft mit Laubbäumen und Wäldern. Sogar entlang der Küste des Pazifiks gibt es Gras, Bäume und Blumen, unglaublich! Das erinnert uns an eine mögliche Landschaft am See in der Schweiz. Nach etwa drei Stunden kommen wir an den "Canal de Chacao", von wo aus uns die Fähre auf die Insel bringt. Auf der Überfahrt können wir viele Seehunde und Pinguine sehen, die sich hier im Wasser tummeln. Etwas weiter draussen erkennen Marco und ich sogar zwei Delfine, die durchs Wasser flitzen. Nach der interessanten Überfahrt auf die Insel "Chiloé" sind wir wiederum erstaunt, wie grün hier alles ist, obwohl die Insel von Salzwasser umgeben ist. Die meisten Passagiere steigen in "Ancud", einer grösseren Stadt auf der Insel und in "Castro", der Hauptstadt von "Chiloé", aus. Marco und ich fahren bis nach Chonchi, wo wir beinahe die einzigen sind, die aussteigen. Die übrigen Reisenden fahren wohl alle in die Hafenstadt "Queillon". Nach einem Marsch durch das kleine Dorf finden wir zwar kein Hotel, aber das ältere Haus "Amankay", wo "Cabañas" = Bungalows vermietet werden. Der ältere Chilene macht für uns eine Ausnahme und offeriert uns in seinem Wohnhaus für die eine Nacht, die wir hier bleiben wollen, ein appartementähnliches Zimmer. Das Schlafzimmer besteht aus drei Betten und etwa 5 Matratzen. Wir erhalten von dem freundlichen Mann Bettwäsche für das Doppelbett, und wir richten uns ein. Nach etwa einer halben Stunde klopft es an der Türe, und der Chilene zeigt uns, wie man am gasbetriebenen Boiler das Feuerchen entfacht, um heisses Wasser zum Duschen zu erzeugen. Ausserdem teilt er uns mit, dass wir das Fenster schliessen, wenn wir ausgehen. Der Grund sind seine etwa 10 Katzen, die er für die Rattenjagd hält. Er lädt uns dann noch für morgen um 09.30 Uhr zum Kaffee ein. Später gehen wir ins Dorf, und ich kaufe mir im einzigen Schuhladen ein paar günstige, in Japan hergestellte, blaugelbe Turnschuhe. Somit hat sich nun auch mein Schuhproblem erledigt, und wir können nun das Dorf noch einmal abwandern. "Chonchi" ist ein kleines, ruhiges Örtchen, welches, so scheint es uns, mehrheitlich vom Massentourismus verschont ist. Die Häuschen sind klein und einfach, und auch die Leute, denen wir begegnen, scheinen hier ein einfaches, ruhiges Leben zu führen. Bei der Bushaltestelle, an der wir vorbeikommen, kaufen wir für morgen dann gleich die Tickets zurück nach "Puerto Montt". Langsam kommt bei uns Hunger auf, und wir machen uns auf die Suche nach einem angeschriebenen Haus. Im Restaurant Titanic sind wir ausser vier jungen Männern die einzigen Gäste. Uns gefällt es aber, und wir studieren das Essen, das bei den vier Jungs auf dem Tisch steht und bestellen dasselbe. Es ist eine "Pichanga", eine Platte mit gebratenen Würstchen, Fleischstückchen, Käse, Tomaten, Mixed Pickles, Pommes, Oliven und Eierscheiben. Dazu gibt es Senf, Mayonnaise und "Aji" = chilenische, scharfe Sauce, ähnlich dem uns bekannten Sambal olek. Wir lassen uns diese köstliche Mahlzeit schmecken und trinken dazu einen chilenischen "Cabarnet Sauvignon". Wasser haben sie in diesem Restaurant nicht im Angebot, was wir sehr speziell finden. Wir haben zum Glück zuvor in einem Laden eine Flasche Mineralwasser gekauft, allerdings hatten sie auch da nur Wasser mit Kohlensäure. Der freundliche Kellner, mit dem wir versuchen ein Gespräch aufzubauen, ist sehr wortkarg und zurückhaltend, und wir müssen ihm sprichwörtlich die Würmer aus der Nase ziehen. Immerhin erfahren wir, dass die Leute hier von der Fischindustrie leben, und er erklärt uns auch, dass in Chile am 15. Januar Wahlen stattfinden und darum so wenig Leute hier sind. Als wir ein bisschen von unserer Reise erzählen, hört er uns zwar höflicherweise zu, wir merken aber schnell, dass es ihn nicht wirklich interessiert. Er ist froh, als neue Gäste kommen und er sich von uns verabschieden kann. Später in unserem Zimmer stellen wir fest, dass das Hahnenwasser sehr frisch und sauber ist, und wir ohne Probleme davon trinken können. Jetzt ist uns auch klar, warum hier nur Wasser mit Kohlensäure verkauft wird. Dieses Rätsel wäre also nun auch gelöst.

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Chonchi - Frutillar

Dienstag 3. Januar
Um 09.00 Uhr sind wir wach und fit und suchen den älteren chilenischen Herrn, mit dem wir zum Kaffee verabredet sind. Draussen ist ein junger Mann damit beschäftigt, eines der Bungalowhäuschen frisch zu streichen. Wir fragen ihn, wo wir den "Jefe" finden, was er uns dann auch freundlich erklärt, Wenig später sitzen wir in der Wohnung des 77 jährigen Mannes, bekommen Kaffee, Brötchen, Butter und Käse serviert. Während wir frühstücken, erfahren wir von unserem Gastgeber, dass er früher Lehrer war und Zivilluftfahrt betrieben hat. Die Zeit vergeht im Nu, und wir müssen dann fast ein bisschen drängen uns zu verabschieden, um den Bus um 09.50 Uhr nicht zu verpassen. Wie gestern ist auch die heutige Fahrt mit "Cruz del Sur" angenehm und ruhig, und auch heute können wir bei der Überfahrt mit der Fähre Pinguine, Seelöwen und ausserdem uns unbekannte, grosse Meeresvögel beobachten. Zurück in "Puerto Montt" schauen wir noch einmal beim "Ventanilla" von Andesmar vorbei und fragen nach Neuigkeiten über meinen Rucksack. Patricio arbeitet heute aber nicht, und wir hinterlassen ihm eine Nachricht und meine E-Mail Adresse. Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass mein Gepäck für immer verschwunden bleibt. Wir erwischen dann gerade noch den nächsten Minibus nach "Frutillar". Nach etwa einer Stunde Busfahrt kommen wir in Frutillar am Terminal an. Wir wollen aussteigen, aber anscheinend ist das hier noch nicht die Endstation, denn der Chauffeur teilt uns mit, dass er noch zur "Playa" hinunterfährt. "Frutillar" liegt wie "Puerto Varas" am wunderschönen "Lago Llanquihue". Von hier aus hat man den schönsten Blick auf den höchsten Vulkan der Region, den "Volcano Osorno". Auch besteht die Möglichkeit Ausflüge in den Nationalpark "Puyehue" und zu den Wasserfällen von "Petrohué" zu unternehmen. Leider ist das Wetter nicht sehr gut, und die Wolken ziehen sich immer mehr zusammen. Wir suchen uns also erst einmal ein Hostel für zwei Nächte. Beim zweiten Versuch finden wir ein heimeliges, schönes Doppelzimmer mit Satelliten TV. Die freundliche Dame des Hauses lädt uns später dann auch gleich zu einem selbst gemachten Himbeersirup ein. Danach wollen wir den Ort kennen lernen und stellen mit Entsetzen fest, dass es nun regnet. Wir spazieren deshalb nur kurz durch den hübschen Ort, setzen uns dann in eine Bar und trinken etwas. Entgegen unserer Hoffnung, dass der Regen nachlassen würde, beginnt es immer stärker zu schütten. Wir haben aber nicht vor, den ganzen Nachmittag in derselben Bar zu verbringen. Gleich vor der Bar gibt es eine Haltestelle, wo regelmässig Minibusse und Sammeltaxis vorbeifahren, und wir entschliessen uns zum Terminal zu fahren. Erst jetzt stellen wir fest, dass das Dorf in "Frutillar bajo", der Dorfteil am See und in "Frutillar alto", oben auf dem Hügel, aufgeteilt ist. Mit dem "Colectivo" fahren wir also zum Terminal, wo wir nach einer direkten Verbindung von hier aus nach "Valdivia" fragen. Wir werden zum Büro des Busunternehmens "Tur-Bus" verwiesen. Irgendwie haben wir die Wegbeschreibung nicht so ganz richtig verstanden und müssen an einer Strassenkreuzung mitten im Regen noch einmal jemanden nach dem Weg fragen. Ein älterer, freundlich aussehender, nach Alkohol riechender Mann begleitet uns dann bis vors Büro von "Tur-Bus" und will dann für seine Dienste eine "Moneda". Wir haben aber nur Noten bei uns, und so kaufen wir erst die Tickets für die Fahrt am Donnerstag um 10.00 Uhr nach "Valdivia" und entlöhnen danach den wartenden Alkoholiker mit zwei Münzen, der nun zufrieden seines Weges geht. Es regnet noch immer, und trotzdem suche ich noch zwei Geschäfte auf, um ein Paar Hosen zu kaufen. Trotz Marco's Beratung gelingt mir das Unternehmen aber nicht, und ich verschiebe dieses Vorhaben für "Valdivia", wo es bestimmt mehr Geschäfte mit mehr Auswahl gibt als hier. Zurück in "Frutillar bajo" in unserer "Hospedaje" machen wir eine kleine Siesta. Am späteren Abend wagen wir uns noch einmal in den Regen hinaus, um in dem hübschen Restaurant "Colonos del Lago" ein feines Nachtessen zu geniessen. Hier probieren wir auch das erste Mal einen "Pisco sour", das Aperitivgetränk von Chile. Und wir müssen sagen, es schmeckt uns sehr gut, aber wir haben noch nicht herausgefunden, was alles in diesem Cocktail enthalten ist. Wieder zu Hause werden wir von der Hausdame noch zu einem Kaffee eingeladen. Bei dieser Kaffeerunde lernen wir ein sehr nettes, junges, chilenisches Paar aus "Santiago" und einen Architekten aus "Conception" kennen. Die unterhaltsame Kaffeerunde dauert schlussendlich etwa zwei Stunden und wird noch mit einem Baileys ähnlichem Likör abgerundet. Dann wird es Zeit für uns ins Bett zu gehen und in süsse Träume zu fallen.

Mittwoch 4. Januar
Heute morgen werden wir durch das heftige Prasseln des Regens geweckt. In den letzten Tagen haben wir wirklich ein bisschen Wetterpech. Beim Frühstück treffen wir Shiomara und Alvaro, das Paar aus "Santiago". Wir machen für den Nachmittag ab, mit ihnen nach "Puerto Octay" zu fahren. Unser heutiges Vormittag-Regenprogramm gestalten wir mit dem Aufarbeiten der Berichte und dem Aktualisieren unserer Homepage. Um 16.00 Uhr fährt uns Alvaro durch eine wiederum sehr grüne Naturlandschaft. Entlang der Strasse, die uns nach "Puerto Octay" führt, hat es einige Bauernhöfe und viele Kuhherden, die auf der weiten, grünen Fläche friedlich grasen. "Puerto Octay" ist ein kleiner, ruhiger Ort, der wie "Frutillar" am See "Lago Llanquihue" liegt. Auch dieses Dorf wurde ursprünglich im Jahre 1852 von deutschen Auswanderern gegründet. Einige deutsche Ausdrücke, wie "leckerer Kuchen" oder "Bauernhaus" sind noch von dieser Zeit übrig geblieben, und man liest und hört diese oft. Das Wetter ist zum Glück ein bisschen besser geworden, und ab und zu wagt sich sogar ein Sonnenstrahl zwischen den Wolken hindurch zu scheinen. In einem kleinen einfachen Restaurant im Dorf essen wir eine typische eintopfartige Suppe mit Gemüse, Kartoffeln und Rindfleisch, dazu trinken wir einen chilenischen Rotwein. Uns geht es wieder einmal richtig gut. Alvaro und Shiomara sind zwei sehr gebildete, einfache, nette Menschen. Beide arbeiten in Santiago bei einer grossen Bank und wohnen zusammen in einer einfachen Wohnung. Dadurch können sie ein Leben führen, das uns stark an den europäischen Lebensstil erinnert. Sie fahren ein eigenes Auto und können sich vier Wochen Ferien zusammen leisten. Bevor wir nach "Frutillar" zurückfahren, spazieren wir noch etwas im Ort herum. Wegen des starken Windes können wir leider keine Bootsfahrt auf dem See realisieren. Im Hostel ist dann erst einmal eine kleine Siesta angesagt, bevor wir uns um 21.00 Uhr noch einmal mit Shiomara und Alvaro zu einem Glas Wein und zu einer Fotoshow von unseren früheren Reisen treffen. Dabei dürfen wir sogar das gute, sehr schön eingerichtete Wohnzimmer der Hostelfamilie benutzen. Nachdem wir alles wieder aufgeräumt haben, treffen wir in der Küche noch Daniel und Alejandro, zwei Architekturstudenten, die hier in "Frutillar" für drei Monate arbeiten. Bis spät in die Nacht plaudern wir mit ihnen über alles mögliche und unmögliche, lassen uns Reisetipps geben und tauschen die E-Mail Adressen aus.

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Frutillar - Valdivia

Donnerstag 5. Januar
Nach einer kurzen Nacht geniessen wir noch einmal das gute Frühstück im Hostel, bevor wir um 09.30 Uhr mit dem Sammeltaxi nach "Frutillar alto" an die Busstation fahren. Leider ist auch heute der Himmel mit dunkeln Regenwolken behangen, und wir können kein Foto von dem berühmten "Volcán Osorna" machen, was uns sehr reut. Um 10.05 steigen wir pünktlich in den "TUR-Bus" ein, der uns heute nach "Valdivia" bringt. In diesem relativ neuen und schönen Bus ist die Fahrerkabine wieder durch eine Türe abgetrennt. Marco und ich sitzen in der vordersten Reihe und haben so den besten Blick auf die bekannte Autobahn "Panamericana" und die wunderschöne Natur mit Laub- und Tannenwäldern, was wir gleich nutzen, um ein paar Fotos zu machen. Nach dreistündiger, angenehm ruhiger Busfahrt erreichen wir "Valdivia" und entscheiden uns, für eine Nacht in dieser Stadt zu bleiben. Kurz darauf spricht uns eine ältere Dame an und bietet uns ein Zimmer mit Frühstück in der "Hospedaje Mireya Solis" für 5000 Pesos pro Person an. Wir nehmen das Angebot an und werden in die Nähe des Stadtzentrums geführt, beziehen unser Zimmer und richten uns ein. Mittlerweile scheint sogar die Sonne, und die Wolken haben sich verzogen. Also nichts wie raus in die Stadt. "Valdiva" liegt in einer wunderbaren, grünen Umgebung und an den beiden Flüssen "Rio Valdivia" und "Rio Calle Calle". Zu Fuss gehen wir auf die "Isla Teja", wo sich die Uni von "Valdivia" und der botanische Garten befindet. Im Garten, der mehrheitlich aus verschiedenen Bäumen besteht, spazieren wir eine Weile herum, bevor wir wieder ins Stadtzentrum zurückkehren. Am Flussufer erkundigen wir uns etwas später nach einer Bootsfahrt für den Abend. Leider werden aber nur Fahrten für den Nachmittag angeboten, welche uns nicht besonders reizen. Jetzt muss ich endlich einmal in den sauren Apfel beissen und einen Einkaufsbummel durch verschiedene Kleidergeschäfte machen. Marco begleitet mich netterweise, beratet mich und nach einer guten Stunde habe ich drei neue Hosen und zwei passende T-shirts. Jetzt bin ich wieder halbwegs mit allem ausgerüstet, was man so an Kleidung braucht. Nun haben wir uns eine Pause verdient und genehmigen uns in einem hübschen Restaurant ein Kunstmannbier, eine Spezialität aus "Valdivia" und essen "Empenadas" dazu. Danach bringen wir den Einkauf nach Hause und gönnen uns von 19.00 Uhr bis 20.00Uhr eine verspätete Siesta. Für den Abend haben wir uns vorgenommen, in das berühmte und von Alejandro und Daniel empfohlene Restaurant Haussmann zu gehen. Das Restaurant ist aber so berühmt, dass es keinen Platz mehr hat und schon einige Leute anstehen, um sich einen Platz zu ergattern. Marco und ich haben keine Lust uns in die Warteschlange zu stellen und gehen ins Restaurant nebenan. Zu Kunstmannbier und "Pisco sour" probieren wir die empfohlenen "Crudos". Es stellt sich heraus, dass "Crudos" auf Toastbrot serviertes, rohes Rindfleisch ist, was dem uns bekannten Tartar entspricht. Dazu werden verschiedene Saucen und fein gehackte Zwiebeln serviert. Nach diesem kleinen Appetithappen schauen wir noch einmal bei Haussmann herein, wo aber immer noch kein Platz frei ist. So suchen wir ein anderes, weniger bekanntes, aber eben so hübsches Restaurant auf. Hier bekommt Marco sogar zwei kleine Gläschen Bier zur Degustation, bevor er sich ein "Schopp" = 1 Stange Bier bestellt. Ich bestelle mir eine kleine Flasche Wein, und dazu essen wir noch eine Kleinigkeit, bevor wir in unser Hostal zurück gehen.

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Valdivia - Niebla - Villarica - Temuco

Freitag 6. Januar
Das Frühstück nehmen wir heute morgen im Wohnzimmer und in Begleitung von zwei Gästen aus Santiago ein. Sie ist eine Originalchilenin, und er kommt ursprünglich aus Kolumbien und ist schon durch ganz Südamerika gereist. Wie alle Leute, die wir bisher in dieser Gegend kennen gelernt haben, schwärmen auch sie zwei von dem Dörfchen "Niebla". Nach dem Kaffee bezahlen wir unsere Miete, verabschieden uns von den Hausdame und ihrer Haushälterin und gehen zur Busstation. Wir kaufen beim Unternehmen "Jac", das einzige Busunternehmen, das von hier aus nach "Villarica" fährt, zwei Tickets für die Busfahrt um 13.30 Uhr. Da wir noch geschlagene drei Stunden Zeit haben, entscheiden wir uns mit dem Minibus nach "Niebla" zu fahren. Die Fahrt dauert 15 Minuten und führt uns über eine kurvenreiche, bewaldete sehr schöne Strecke hinauf in das Dörfchen, das direkt am Pazifik liegt. Ausser der imposanten Aussicht auf den Ozean hat der Ort aber nicht viel zu bieten. Natürlich könnte man noch mit einem Boot über das Flussdelta auf die gegenüberliegende Seite nach "Corral" fahren und die spanischen "Castillos" aus der Kolonialzeit anschauen. Marco und ich kennen aber aus Spanien schon genug "Castillos" und machen nur einen kleinen Spaziergang durch "Niebla". Da wir nicht einmal ein Restaurant finden, um etwas zu trinken, fahren wir bald wieder nach "Valdivia" zurück. Die Zeit reicht jetzt gerade noch, um im berühmten Restaurant Haussmann ein Bier zu trinken und ein "Crudo" zu essen. Das "Cerveza negra", ein dunkles Kunstmann-Bier, das Marco bestellt, schmeckt sogar mir, und das "Crudo" ist wirklich so lecker, wie alle gesagt haben. Somit können wir jetzt der Stadt "Valdivia" getrost den Rücken kehren und mit dem Bus unserem nächsten Ziel entgegen fahren. Die Fahrt dauert nur gerade eineinhalb Stunden. "Villarica" ist eine sehr schöne Stadt am "Lago Villarica" und mit Aussicht auf den "Volcán Villarica". Wir spazieren von der Bushaltestelle durch die hübsche Stadt an den See. Beim Vorbeigehen kaufe ich in einem Schuhgeschäft ein paar Sandalen. Unten am See machen wir viele Fotos rund um den hohen Vulkan, dessen schneebedeckter Krater leider von Wolken umhüllt ist. Das Wetter ist aber glücklicherweise viel besser als in den vergangenen Tagen, und die Sonne scheint sogar. Im Restaurant "Kiel" trinken wir auf der Terrasse, mit Sicht auf See und Vulkan, einen Kaffee und schreiben Reports. Der Kellner erklärt uns noch, dass der Vulkan in der Indio Sprache der Urbevölkerung so viel heisst wie "La Casa del Diablo" = Das Haus des Teufels. Nach den interessanten Ausführungen des netten Kellners wird es Zeit zur Busstation zu gehen, und die Tickets für den nächsten Minibus nach "Temuco" zu kaufen. Fünf Minuten später, um 19.00 Uhr, fahren wir dann auch schon los, und wir sind wieder einmal sehr überrascht und erfreut, wie kurzfristig man hier in Chile Billete für den Bus kaufen kann. Das macht für uns das Reisen viel spontaner und interessanter. In "Temuco" treffen wir um 20.30 ein und lassen uns gleich von einem Taxi zum Bahnhof fahren, denn wir wollen noch heute die Tickets für die morgige Zugfahrt um 10.00 Uhr nach "Santiago" kaufen. Der Zug fährt zwar täglich, aber die Fahrpreise sind für jeden Tag anders. Wir haben wieder einmal Glück, und am Samstag sind die Tarife am günstigsten. Jetzt, wo wir die Weiterreise für morgen organisiert haben, machen wir uns auf die Suche nach einer "Hospedaje". Ganz in der Nähe des Bahnhofes finden wir ein angeschriebenes Haus, in dem wir nach einem Zimmer fragen. Mit uns zusammen ist auch eine junge, deutsche "Mochilera" auf der Suche nach einem Nachtlager, und so machen wir es nicht kompliziert und nehmen zusammen ein Drei-Bett-Zimmer. Uns kommt es etwas komisch vor, dass wir weder einen Schlüssel für unser Zimmer noch einen für die Haustüre bekommen. Wir werden vom Vermieter sehr nachdrücklich darauf hingewiesen, das wir um 24.00 Uhr zu Hause sein müssen, da er danach nicht mehr da sein wird, um uns die Türe zu öffnen. Wir ersparen uns irgendwelche unnütze Bemerkungen und gehen stattdessen ins Restaurant gleich neben dem Hostel. Mit Dania verbringen wir einen gemütlichen und interessanten Abend und tauschen Geschichten über unsere Reiseerlebnisse aus. Dania ist mit ihren 24 Jahren schon viel herumgereist, sie war schon einmal ein Jahr in Australien. Jetzt, während ihres Austauschjahres, war sie ein halbes Jahr in "Santiago gewesen und reist nun für das halbjährige Praktikum nach "Punta Arenas". Um 23.45 Uhr müssen wir das Restaurant, wo unterdessen Livemusik gespielt und gesungen wird, verlassen, denn wir wollen alle drei nicht auf der Strasse übernachten. Marco hat im Restaurant noch schnell eine Flasche Wein gekauft, die wir im Hostel mit dem Vermieter und seiner Frau teilen und dabei bis tief in die Nacht plaudern.

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Temuco - Santiago - Viña del Mar

Samstag 7. Januar
Um 09.30 Uhr schleichen Marco und ich leise aus dem Zimmer und hinterlassen Dania noch einen schriftlichen Abschiedsgruss mit unserer E-Mail Adresse. Eine halbe Stunde später sitzen wir im wunderschönen, von Spaniern erbauten Zug. Die Strecke von "Temuco" nach "Santiago" wurde erst im Jahr 2004 elektrifiziert und neu eröffnet. Auch gibt es neu eine Verbindung bis nach "Puerto Montt". Leider ist der Zug klimatisiert, und wir müssen wieder einmal unsere Jacken anziehen, obwohl die Aussentemperaturen jetzt herrlich wären. Ansonsten ist die Fahrt sehr angenehm. Anscheinend ist am Samstag kein ausgesprochen chilenischer Reisetag, denn der Zug ist halbleer. Dania erzählte uns, dass der Zug, mit dem sie gestern aus "Santiago" gekommen ist, bis zum letzten Platz ausgebucht war. Marco und ich geniessen die Ruhe und die wunderbare Sicht aus dem Fenster. Wir staunen wieder einmal mehr über die satte grüne Vegetation und die riesigen Waldgebiete, an denen wir vorbeifahren. Der Zug verlangsamt seine Fahrt und überquert neben der "Panamericana" auf einer enorm hohen Brücke das Tal. Um die Mittagszeit herum kommt ein Angestellter mit der Speisekarte bei uns vorbei und fragt uns, ob wir ein Mittagessen serviert haben wollen. Marco und ich ziehen es aber vor den Speisewagen aufzusuchen, um etwas zu essen. Ein Blick in die Karte verrät uns, dass alles ziemlich teuer ist, und so bestellen wir nur einen Beilagensalat. Das geht aber nicht, denn der Salat wird nur als Beilage serviert! Es gibt aber einen Vorspeisenteller mit Salat, der selbstverständlich teurer ist. Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen haben, bestellen wir einen Teller für uns beide. Der Kellner macht ein saures Gesicht und bringt dann auch nur ein Gedeck. Der zweite, viel freundlichere Kellner bringt uns auf meine Bitte hin aber noch eine zweite Gabel. Als wir dann endlich in Ruhe unsere Mahlzeit geniessen können, fahren wir bei "Laja" vorbei und überqueren den wunderschönen, breiten Fluss "Rio Bio Bio". Nach etwa 5 Stunden Fahrt sind wir in "Chillán", wo die Gegend etwas flacher, aber immer noch sehr grün und bewaldet ist. In dieser Gegend gibt es unzählige Flüsse, und am Horizont kann man nun das Vorgebirge der Anden und viele hohe Vulkane, wie zum Beispiel der 3200 Meter hohe "Volcán Chillán" erkennen. Und noch immer ist die Natur von Landwirtschaft, Kuhherden und riesigen, grünen, zum Teil bewaldeten Flächen geprägt. Das Transportmittel Zug, das wir auf dieser Strecke das erste Mal nutzen können, seit wir in Südamerika sind, scheint für die Chilenen ein richtiges Statussymbol zu sein. Die Waggons sind von der ersten Sitzreihe bis zum Restaurant und den Toiletten blitzsauber! Ein Angestellter zirkuliert immer wieder mit einem Besen und einem Putzmittel durch den Zug, um die WC's zu putzen. Dann gibt es noch den Waggonchef, der regelmässig vorbei kommt und schaut, ob es seinen Fahrgästen gut geht und bei jedem Halt den Leuten beim Ein- und Aussteigen behilflich ist. Auch der Minibarmann kommt regelmässig mit seinem Wagen vorbei und versorgt die Gäste mit Erfrischungen. Wir sind absolut begeistert und beeindruckt! Nachdem wir bei "Talca" vorbeigefahren sind, verändert sich die Gegend noch einmal. Jetzt sehen wir vor allem viele "Viñas" = Rebstöcke, Obstplantagen, und wir meinen sogar Reisfelder erkennen zu können. Als wir uns langsam Santiago nähern, sind auch die Vorgebirge der Anden viel näher. Marco und ich machen noch eine kleine Planungsänderung. Wir entschliessen uns heute nicht in "Santiago" zu bleiben, sondern gleich weiter nach "Viña del Mar" zu fahren. Wir fragen den Waggonchef nach einer Anschlussmöglichkeit und können dann gleich zu unserer grossen Überraschung bei ihm das Weiterreiseticket für den Bus kaufen. "Santiago" ist eine riesige Stadt, und wir hätten wahrscheinlich Mühe gehabt in kurzer Zeit das Stadtzentrum und den richtigen Bus zu finden. So sind wir froh, das wir gleich am Bahnhof von einem Herrn empfangen werden, der uns und noch vier weitere Passagiere mit einem Shuttlebus quer durch die Stadt zum richtigen Busbahnhof bringt. Hier in "Santiago" scheint jedes Busunternehmen seinen eigenen Terminal zu haben. Am Terminal von "Tur-Bus" bekommen wir dann die bereits vorbereiteten, echten Tickets mit Sitzplatznummer für die Busfahrt. Das alles klappt wie am Schnürchen, und das System der chilenischen, öffentlichen Verkehrsmittel gefällt uns immer besser. Die Fahrt dauert eine gute Stunde, bis wir in "Viña del Mar", der Touristenhochburg von Chile, ankommen. Die Gegend wird durch viele Hügel und grüne Täler geprägt, und natürlich gibt es auch, wie der Name der Stadt verrät, viele "Viñas", denn in dieser Gegend befindet sich das Hauptanbaugebiet des chilenischen Weines. Als wir am Busterminal ankommen, ist es bereits 21.30 Uhr und wir sind froh, als wir gleich von einer Touristenagentur auf eine "Hospedaje" angesprochen werden und kurz darauf unser Doppelzimmer bei einer sehr netten Familie beziehen können.

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Viña del Mar

Sonntag 8. Januar
Gestern Nacht haben wir wieder einmal das Nachtleben geniessen können, und darum schlafen wir heute Sonntag erst einmal richtig aus, bevor wir an der herrlichen Sonne den Strand am Pazifik aufsuchen. Wir machen uns heute einen ruhigen Tag, spazieren dem Strand entlang, schauen dem Treiben der chilenischen Touristen zu und lassen die warme Sonne auf unsere Köpfe scheinen. "Viña del Mar" gefällt uns beiden sehr gut. Neben vielen hübschen Kaffees, Pubs und Restaurants bietet die Stadt eine schöne Promenade am Meer, entlang an der sich auch die Badestrände befinden. Der Strandmarkt und die Badegäste bestimmen das rege Treiben. Am späteren Nachmittag entdecken wir in Strandnähe das italienische Restaurant "Dolce Vita", in dem wir wieder einmal einen richtigen italienischen Kolbenmaschinenkaffee bekommen. Den Abend verbringen wir in unserer "Hospedaje" und schreiben Reports. Wir glauben, dass wir heute Abend die einzigen Gäste im Haus sind. Dabei lernen wir das sehr nette und freundliche, chilenische Ehepaar besser kennen. Santiago kommt ursprünglich aus Peru, ist von Beruf Elektrotechniker und erwähnt mit grossem Stolz, dass er die ganze Elektro- und TV-Verkabelung im Haus selbst installiert hat. Ausserdem plant er und seine Frau weitere Modernisierungen in den Zimmern. Auf dem Flur entdecken wir jedenfalls neue Matratzen und Fernsehgeräte. Auch besitzt er zwei ältere Computer mit Internetanbindung, die wir gratis benutzen dürfen. Somit aktualisieren wir endlich wieder einmal unsere Homepage und schreiben E-Mails.

Montag 9. Januar
Auch heute morgen empfängt uns ein stahlblauer Himmel und eine strahlende, wärmende Sonne. Endlich haben wir das so lang ersehnte, heisse Sommerwetter doch noch gefunden. Noch vor dem ersten Kaffee schnappen wir uns den Minibus, der uns in rasanter Fahrt die Schnellstrasse am Meer entlang nach "Valparaiso" befördert. Marco und mir kommt es beinahe ein bisschen vor wie in "Las Palmas", wo ebenfalls eine Hauptstrasse dem Meer entlang führt, um die beiden Stadtteile zu verbinden. "Viña del Mar" und "Valparaiso" liegen sehr nahe nebeneinander, und es ist für uns nicht erkennbar, wo sich die Stadtgrenzen befinden. Am "Plaza Sotomayor", in der Nähe des Hafens, erkundigen wir uns an einem Infostand nach dem "Paseo", einem geführten Stadtspaziergang, den uns Diana und Nina empfohlen haben. Tatsächlich gibt es zwei Möglichkeiten: Eine zweistündige Stadtrundfahrt mit Museumsbesuch, der sehr teuer ist und einen einstündigen Spaziergang ohne Museumsbesuch, dafür etwa um das dreifache günstiger. Marco und ich verabreden uns auf 13.30 Uhr für den geführten kleineren Spaziergang. In der einen Stunde, die uns bis zum "Paseo" noch bleibt, erkundigen wir den Stadtteil rund um den "Plaza Sotomayor", wo sich auch die "Iglesia Matritz", die älteste Kirche Valparaisos befindet. Weil dieser Stadtteil von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, sind hier noch viele der alten, schönen Gebäude aus der Kolonialzeit noch erhalten und werden gepflegt. Pünktlich um 13.30 Uhr wartet unsere "Guia" auf uns, und wir sind tatsächlich die einzigen Gäste für diesen "Paseo" durch die Stadt, wow! "Valparaiso" wurde 1536 von den Spaniern gegründet, ist heute mit ihren rund 270'000 Einwohnern eine der grössten Städte von Chile und hat zwar nicht den grössten, aber den wichtigsten Hafen von Chile. Nachdem unsere Stadtführerin die schönen, alten Gebäude erklärt hat, steigen wir in den "Ascensor El Peral", eine steile Standseilbahn, die uns auf den "Cerro Alegre" fährt. Der 1906 erbaute "Ascensor El Peral" ist die zweitälteste von 15 Bahnen, die einem auf 15 der über 20 Hügel = "Cerros" von Valparaiso bringt. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die ganze Stadt. Ein "Cerro" ist aber nicht nur einfach ein Aussichtspunkt in dieser Stadt, sondern zugleich auch die Altstadt. Hier stehen viel alte Wohnhäuser unter anderem auch noch alte Gebäude und Paläste aus der Kolonialzeit. Einige der Gebäude werden zu Hotels oder Loftwohnungen umgebaut, um deren Erhalt finanzieren zu können. Auf unsere Frage, warum so viele der Gebäude aus der Kolonialzeit so gut erhalten sind, antwortet die Dame, dass es mehrere Gründe sind. Einerseits ist es das Klima, weniger Wind und Temperaturwechsel, andererseits blieb die Stadt auch von stärkeren Erdbeben verschont. Zu Fuss geht der "Paseo" weiter und führt uns durch verschlungene Gässchen und Strassen zum "Ascensor Concepcion", dem ältesten Lift, der 1902 erbaut wurde. Hier ist nun die kompetente Führung zu Ende, und wir verabschieden uns von unserer "Guia" und gehen auf eigene Faust zu Fuss den Cerro wieder hinunter. Die Metro, die "Valparaiso" mit "Viña" verbindet, bietet leider keine Einzelfahrten an, und so halten wir einen der privat organisierten Busse an und fahren zurück. Bei privat organisierten Minibussen gibt es einen "Mate", der zum fahrenden Bus herausschreit, wohin er fährt. Der Fahrer muss also immer und jeder Zeit bereit sein anzuhalten und neue Fahrgäste aufzunehmen. Ansonsten unterscheiden sich die öffentlichen und die privaten Minibusse nicht. Auch die Fahrpreise sind in etwa dieselben. Marco und ich steigen bereits beim Park mit der Blumenuhr aus dem Bus, gehen das letzte Stück zu Fuss dem Meer entlang und staunen über die grossen Wellen des Pazifiks. Zurück in der "Hospedaje" erfahren wir von Santiago, dass Valparaiso und "Viña del Mar" einige Universitäten mit verschiedenen Studienrichtungen bieten. Deshalb leben in beiden Städten viele Studenten aus dem eigenen Land und auch Austauschstudenten aus der ganzen Welt. Marco und ich haben heute wieder einmal einen richtig schönen, interessanten Tag verbracht. Wir finden beide, dass "Valparaiso" die schönste südamerikanische Stadt ist, die wir bisher gesehen haben.

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Viña del Mar - Santiago

Dienstag 10. Januar
Wieder einmal müssen wir uns heute von sehr lieben Menschen und einem sehr schönen Ort in Chile verabschieden. Unsere Reise geht heute weiter nach "Santiago". Von "Viña" aus fährt praktisch alle fünf Minuten ein Bus in die chilenische Hauptstadt, und so kaufen wir unsere Tickets sehr kurzfristig. Zehn Minuten später um 11.15 Uhr fahren wir bereits los. In "Santiago" angekommen kaufen wir dann sogleich zwei Tickets für die heutige Nachtfahrt weiter nach "La Serena". Nachdem wir alles Organisatorische erledigt und die Rucksäcke der Gepäckaufbewahrung anvertraut haben, rufen wir bei Alvaro und Shiomara an, die wir hier heute treffen wollen. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten und mehreren Telefonaten holt uns Shiomara um 15.30 Uhr an der Metrostation "Baquedano" am "Plaza Italia" ab. Im Mikrozentrum "Santiago" der riesigen Stadt befindet sich der "Cerro Santa Lucia" und der "Parque Baquedano", ein riesiger, kreisförmiger Platz mit Monumenten, Hochhäusern und breiten Strassen. Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen mit Shiomara, welche uns erst einmal in das authentische Stadtviertel "Bella Vista" führt, wo wir in einem der unzähligen, typisch chilenischen Restaurants auch Alvaro treffen. Wir erfahren, dass die beiden lange Zeit in diesem Viertel gewohnt haben und sich daher gut auskennen. Danach machen wir einen Spaziergang durch malerische Gassen, vorbei an schönen Wohnhäusern und feinen Restaurants und schauen auch ab und zu in eine der vielen, originellen Bars rein. Über den Tag ist es sehr ruhig hier, aber Alvaro meint, dass abends und vor allem am Wochenende einiges los ist, da "Bella Vista" das Ausgangsviertel im Zentrum von Santiago ist. Der Spaziergang führt uns weiter bis zu der Station des "Funicular" = Seilbahn, die in Kombination mit der Gondelbahn auf den "Cerro San Cristobal" führt. Wir fahren mit der Standseilbahn hoch hinauf über die Stadt und am Zoo vorbei, der sich bei der Zwischenstation befindet. An der Endstation hat man einen wunderbaren Blick auf die riesige Hauptstadt. Die Stadt wird durch viele grüne Parkanlagen und durch mit Bäumen gesäumte Strassen aufgelockert. Uns gefällt das sehr gut, obwohl uns beiden Schweizer Landeiern auch diese Stadt mit ihren 6 Millionen Einwohnern viel zu gross ist. Alvaro, der in "Santiago" aufgewachsen ist, kennt jeden Winkel und jede Gasse, und er erzählt uns viel über die Gebäude in den verschiedenen Zonen der Stadt. Hier oben auf dem Cerro ist auch ein richtiges Erholungsgebiet, das die "Santoginer" nutzen, um Sport zu treiben, sich zu erholen oder einfach dem Smog, der oft in der Stadt hängt, zu entfliehen. Auf dem Mirador = Aussichtspunkt, umgeben von einem Garten, steht eine riesige Statue einer Heiligen dieser Umgebung. Die anschliessende Gondelfahrt in den kleinen Kabinen ist eng und heiss, denn sie sind alle ohne Fensterchen ausgestattet. In der Zwischenstation steigen wir deshalb aus, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Von hier aus hat man auch einen wunderbaren Aussichtspunkt auf hohe, schneebedeckte Berge des Andengebirges, unter anderem der 6550m hohe "Volcán Tupungato", dem Santiago zu Füssen liegt. Nach ausgiebiger Fotosession setzen wir die Fahrt mit dem "Teleférico" fort, kehren zur Station der Seilbahn zurück und lassen uns in die Stadt zurück bringen. Alvaro macht mit uns noch eine kleine Stadtrundfahrt, vorbei an der "Iglesia San Francisco" und dem Präsidentenpalast "La Moneda". Anschliessend gehen wir in seine und Shiomaras Wohnung, die im Stadtteil "Providencia" liegt. Es ist eine sehr hübsche Stadtwohnung mit drei Zimmern plus Stube, Küche, Bad und Balkon. Wieder einmal sind Marco und ich sehr erstaunt darüber, dass unsere beiden chilenischen Freunde ein ziemlich ähnliches Leben führen, wie ein europäischer Städter. Zu Alvaros hervorragend gemixten "Pisco sour" schauen wir Fotos an, und erst jetzt erfahren wir, dass die beiden im November geheiratet haben und auf der Hochzeitsreise waren, als wir sie in "Frutillar" getroffen haben. Der sehr gemütliche Abend geht leider viel zu schnell vorbei. Um 23.00 Uhr fahren Alvaro und Shiomara uns noch zum Busbahnhof, wo wir den Nachtbus nach "La Serena" um 23.57 gebucht haben. In den zwei "Santoginer" haben Marco und ich zwei sehr nette, chilenische Freunde gefunden, deren Contact wir hoffentlich dank Internet aufrecht erhalten können.

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Santiago - La Serena

Mittwoch 11. Januar
Mit einer kleinen Verspätung steigen wir kurz nach Mitternacht in den "Tur-Bus" ein. Auf den sehr bequemen Sitzplätzen 7 und 8 in der zweitvordersten Reihe richten wir uns ein. Nachdem der Steward alle Formalitäten erledigt hat, löscht er auch schon das Licht für die Nachtfahrt. Die acht Stunden Fahrzeit, in denen wir einigermassen gut schlafen, gehen sehr schnell vorbei. Um ca. 07.00 Uhr erreichen wir den Terminal von "La Serena". Zum Glück ist das Terminal-Restaurant um diese Zeit schon offen, und wir können uns bei einer Tasse heissem Nescafé den letzten Rest Müdigkeit aus dem Körper treiben. Eine Stunde später kaufen wir wieder bei "Tur-Bus" zwei Tickets für die Weiterfahrt nach "Calama". Von dort aus werden wir dann nach "San Pedro de Atacama"  weiterfahren. Mit einem Taxi fahren wir zum vom Taxifahrer empfohlenen "Hotel Del Cid" an der "Calle O'Higgins". Das Hotel mit Innenhof und sehr schönen mit Satelliten TV und Bad ausgestatteten Zimmern gefällt uns sehr gut. Wir buchen hier eine Nacht, und können den Preis unseres Doppelzimmers von ursprünglich 20'000 Pesos auf 16'000 Pesos pro Person herunter markten. Am Nachmittag gehen wir zu Fuss an den Strand. Es empfiehlt sich aber, einen der zahlreichen Minibusse zu nehmen, die an der Hauptstrasse fahren. Der einzige dreiviertel Stunden lange Fussweg zur "Playa Faro" führt sowieso dieser Strasse entlang. Der natürliche, riesige Sandstrand am Pazifik ist immer einen Besuch wert. Da die Sonne hier ziemlich kräftig vom Himmel herunter scheint, sollte man sich mit Sonnencreme und Hut ausrüsten. Die Stadt "La Serena" besteht aus einem hübschen Zentrum mit vielen Einkaufsmöglichkeiten. Rund um das Zentrum gibt es viele enge, verwinkelte Strassen, wo sich Wohnhäuser, Hotels, "Hospedajes", Bars und Restaurants befinden. Auch in dieser Stadt sind noch einige der alten Gebäude aus der Kolonialzeit erhalten. Bevor wir am Abend noch einmal ausgehen, nutzen wir das Wireless-Signal, das uns ein Zimmernachbar zur Verfügung stellt und aktualisieren unsere Webseite.

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La Serena - Calama

Donnerstag 12. Januar
Marco und ich schlafen wie Engel in unserem fabelhaften Hotelbett und erwachen heute morgen erst um 10.00 Uhr. Wir packen unsere sieben Sachen, geben den Hotelschlüssel zurück und gehen auf die Suche nach einem Sammeltaxi, das uns mit Sack und Pack zur Bushaltestelle fahren soll. Die Suche dauert nicht lange, und da anscheinend auch um 11.00 Uhr noch nicht viel Betrieb ist, haben wir eine Einzelfahrt zum "Colectivo-Preis". Der nette Chauffeur plaudert mit uns und erzählt, dass er schon viel in der Welt herumgekommen ist, da er auf einem Frachtschiff gearbeitet hat. Leider ist diese Fahrt viel zu kurz, als dass wir ihm von unserer Frachtschiffsreise hätten erzählen können. Am Terminal stellen wir dann unsere Rucksäcke ein und entscheiden uns mit dem Minibus in die Nachbarstadt "Coquimbo" zu fahren. "Coquimbo" ist eine sehr schöne Stadt mit einem kleinen Fischerhafen und einem herzigen "Faro" = Leuchturm. Von einigen Stellen von der Hauptstrasse aus führen steile Wege und Treppen hinauf  nach "Coquimbo alta". Vom Hauptplatz aus nehmen auch wir den steilen Weg hinauf unter die Füsse und werden mit einem famosen Ausblick über die Stadt und den Pazifik belohnt. Auf dem Hügel steht das riesige "Cruz del 3. Milenio", ein modernes Betonkreuz. Ansonsten bietet dieser Teil der Stadt nicht viel für Touristen. Uns gefällt aber die einfache Weise, wie die Leute hier leben. Nach einem kleinen Rundgang gehen wir hinunter zum Hafen und in das Stadtzentrum. Danach fahren wir mit dem Minibus wieder zurück nach "La Serena". Mit einer knappen Stunde Verspätung beginnt die Reise in Richtung "Calama". Dieser "Semi-Cama-Bus" von Tur-Bus bietet nicht ganz so viel Platz, und man kann die Sessel nicht ganz so weit herunterstellen, wie bei unserer letzten Nachtfahrt, dafür sitzen wir aber wieder auf unseren Lieblingsplätzen 7 und 8. Die Fahrt selber ist sehr faszinierend, und wir sind sehr erfreut, dass wir einen Teil der langen Strecke bei Tageslicht erleben dürfen. Bei einer Kreuzung mit einem Fruchtladen macht der Bus einen Halt, der Chauffeur steigt aus, und ein Glacéverkäufer steigt ein. Während die Fahrgäste Gelegenheit haben sich ein Eis zu kaufen, genehmigt sich der Chauffeur ein Stück der Wassermelone, die er sich zuvor gekauft hat. Wir finden dieses Konzept, das wir ab "Valdivia" kennen gelernt haben, absolut genial. Jeder lässt jeden sein Geschäft machen, und die Busse, egal ob Minibusse oder grosse Überlandbusse, warten immer bis die Strassenverkäufer ihre Ware verkauft haben und wieder ausgestiegen sind. In der Umgebung von "La Serena" und "Coquimbo" ist die Landschaft sehr hügelig, trocken und sandig. Ein paar wenige Sträucher und Büsche sind die einzige Vegetation in dieser Gegend. Einzelne höhere "Cerros" bieten einen idealen Ort für verschiedene astronomische Einrichtungen, wie zum Beispiel das Observatorium "Tololo", das grösste der Welt. Auf der Weiterfahrt beobachten wir, wie die Umgebung immer flacher, trockener und steiniger wird. Wieder einmal sind wir "in the middle of nowhere", dieses Mal zwar nicht vom Blau des Meeres umgeben, sondern vom grau-braun der Atacamawüste. Zwischen vielen, schönen, hohen und zum Teil blühenden Kakteen sehen wir immer wieder eine Gruppe Ziegen, die sich hier in der Trockenheit anscheinend von den wenigen Stauden ernähren können. Erstaunlicherweise gibt es immer wieder eine an der Strasse errichtete "Posada" = Gasthaus, wo sich die Camionfahrer erfrischen können. Plötzlich sehen wir mitten in der Wüste ein grünes Flusstal mit Obst- und Laubbäumen, Getreidefeldern und grasenden Kühen. Eine Strassentafel klärt uns darüber auf, dass hier das Oasendorf "Vallenar" ist. Jetzt beginnt es langsam zu dämmern, und am Himmel über der flachen Landschaft erkennen wir einen wunderschönen, extrem weissen und klaren, beinahe vollen Mond. Um 23.00 Uhr treffen wir in der Wüstenstadt "Copiapó" ein. Bald darauf ist Schlafenszeit, das Licht wird gelöscht und man hört vereinzeltes lautes und weniger lautes Schnarchen. Dann mal gute Nacht!

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Calama - San Pedro de Atacama

Freitag 13. Januar
Nach einer ruhigen Nachtfahrt kommen wir um ca. 09.00 Uhr in "Calama" an. Am Terminal des Unternehmens "Tur-Bus" erkundigen wir uns nach Bussen nach "San Pedro de Atacama". Die Stadt "Calama" erinnert uns vom Baustil her sehr an "Punta Arenas", denn auch hier gibt es keine grossen und hohen Gebäude sondern nur flache, kleine, billig gebaute Häuschen. Natürlich ist die Umgebung eine komplett andere, denn hier in "Calama" sind wir in einem der trockensten Gebiete Südamerikas, der Atacamawüste. Im Stadtzentrum, das wir in einem zehnminütigen Fussmarsch erreichen, finden wir das Busunternehmen "Frontera del Norte", das auch Reisen nach Bolivien anbietet. Wir kaufen zwei Tickets für die Fahrt heute um 14.30 Uhr. Wir stellen Marco's Rucksack ein, nehmen eines der gelben "Colectivos", die gleich eine Strasse weiter nach "Chuquicamata" und der grössten Kupfermine der Welt fahren. Eine grosse doppelspurige Autobahn führ mitten durch die Wüste und verbindet "Calama" mit "Chuquicamata". Der freundliche Chauffeur des Sammeltaxis fährt uns genau vor das Touristen-Büro, wo man Touren zu den Kupferminen buchen kann. Leider ist aber das Büro noch geschlossen, und es wartet bereits eine Gruppe vor dem Gebäude. Zwei Touristen, ein Engländer und eine Deutsche, warten sogar schon seit drei Stunden! Zehn Minuten später, schlag 11.00 Uhr, kommt ein offiziell aussehender Mann und öffnet seine "Officina". Fast alle Touren für heute sind ausgebucht, nur eine Tour, die bis um 15.00 Uhr, dauert hat noch einzelne Plätze frei. Diese kommt für uns nicht in Frage, da ja unser Bus um 14.30 Uhr fährt. Anstatt wie die deutsche Touristin und der Engländer herumzumotzen, wie desorganisiert hier alles ist, bedanken wir uns bei dem netten Organisator für die gebotene Offerte. Als wir das Büro verlassen, begegnet uns ein Mann, der uns bekannt vor kommt, und Marco fragt ihn, ob er bei "Tur-Bus" als Chauffeur arbeitet. Er ist aber kein Buschauffeur, sondern arbeitet hier in einer, wie es uns scheint, führenden Position in der Kupfermine. Nachdem wir ihm auf seine Frage hin verraten, woher wir kommen und dass wir heute keinen Ausflug in die Mine machen können, bietet er uns an, mit seinem Privatauto eine kleine Tour in die Umgebung zu machen. Wir sind hocherfreut über dieses spontane und sehr nette Angebot, welches wir natürlich sogleich annehmen. Auf der Fahrt in die imposante Umgebung erzählt er uns, dass er hier geboren und aufgewachsen ist. Das Spital seiner Geburt und das Wohnhaus seiner Eltern sind aber nicht mehr bewohnbar und werden in Kürze abgebrochen, da die Kupfermine immer wieder vergrössert wird. Auch er und seine Familie werden bald, wie alle Einwohner der Stadt, nach "Calama" übersiedelt, da dieses ganze Gebiet mit allen vier Minen zu einer einzigen Riesenmulde ausgebaut und vergrössert wird. Das ist die Kehrseite der Medaille. Einerseits kann man hier viel Geld verdienen, und andererseits verliert man immer wieder ein Stück Vergangenheit. Unser Fahrer verrät noch auf Marco's Frage hin, dass die Lastwagen Brocken bis 250 Tonnen aufnehmen können, und dass er mit seiner Körpergrösse etwa bis zur Hälfte eines Reifens reicht. Zurück in "Calama" steigen wir um 14.30 Uhr in einen ziemlich alten, schmutzigen Bus und fahren durch eine staubige, trockene Landschaft bis zur Oasenstadt "San Pedro de Atacama". Im familiär geführten "Residencial Corvatsch" finden wir ein hübsches Zimmer für die nächsten paar Tage.

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San Pedro de Atacama

Samstag 14. Januar
Nach einem ruhigen Morgen machen wir heute Nachmittag um 16.00 Uhr eine geführte Tour ins "Valle de la Luna" = Mondtal. Sergio, unser Fahrer und Travel Guides der Organisation "Desert Adventure", bringt uns und 14 weitere Touristen mit seinem Minibus zuerst zum "Mirador Khari". Von hier aus haben wir einen wunderbaren Blick auf die "Cordilleros de la Sal" = Salzberge und auf den Salar de Atacama. Vor tausenden von Jahren ist hier einmal ein Salzsee gewesen, bevor sich durch die Erdfaltung diese Berge gebildet haben. Auch die hohen Berge der Anden mit dem schneebedeckten "Volcán Licancábur" (5916m), welche die Grenze zu Bolivien bilden, können wir am Horizont erkennen. Inmitten dieser trockenen, öden Landschaft liegt die Oase "San Pedro" (2438m). Sie lebt vom Wasser, das sich von der Schneeschmelze der Anden durch unterirdische Flussläufe durch diese Gegend schlängelt. "San Pedro" existiert hauptsächlich wegen des Tourismus und ein bisschen noch vom Mineralienabbau, wie Kupfer und Lithium. Jetzt geht die Fahrt über Naturstrassen weiter bis zum "Valle de la muerte", dem Tal des Todes. Dieses Tal hiess ursprünglich Marstal, weil die Landschaft hier anscheinend sehr an diesen Planeten erinnert. Durch die vielen verschiedenen Einwanderer und die verschiedenen Sprachen der Touristen änderte sich der Name von "Valle de Mars" in "Valle de la Muerte". Eine weitere Legende besagt, wenn man durch das Tal wandert und es für hässlich befindet, ist man dem Tod geweiht. Sergio hat kein Erbarmen mit uns und lässt uns durch das Tal des Todes wandern. Ehrlich gesagt, gefällt es Marco und mir besser durch Wälder und Wiesen zu wandern als durch diesen Staub und Sand, vorbei an diesen Salzbergen. Nach etwa 40 Minuten Marsch sehen wir an der Strasse unserer Reiseleiter mit dem Minibus, der auf uns wartet, um uns gleich ins nächste Abenteuer zu führen. Nach einer weiteren rumpeligen Strecke durch Naturstrassen gelangen wir ins nächste Tal, das "Valle de Khari". Sergio heisst uns leise zu sein, und tatsächlich in der Stille hören wir das Knacken des gewaltigen Felsen vor uns. Danach erreichen wir endlich das "Valle de la Luna", wo wir einen Eintritt von 1500 Pesos pro Person bezahlen müssen. Bevor wir ins Tal hinein fahren, machen wir noch einen Abenteuerrundgang durch die Salzgrotten, die sich in tausenden von Jahren durch das Wasser des Regens gebildet haben. Unglaublich eigentlich, wenn man bedenkt, dass hier nur etwa einmal im Jahr ein bisschen Regen fällt! Wir kriechen also durch die engen Grotten und Höhlen, wo es an manchen Stellen so dunkel ist, dass man nichts mehr sieht, und ich bin froh, als ich endlich wieder am Tageslicht bin. Jetzt geht die Fahrt endlich ins "Valle de la Luna", wo wir hoffen den Vollmond zu sehen. Leider ist aber der Himmel ziemlich mit Wolken behangen, und Sergio meint, dass es heute mit der Mondsicht wohl nichts wird. Marco und ich erklimmen aber trotzdem den Weg auf einen Hügel und beobachten den Sonnenuntergang in der Bergwelt der Wüste "Atacama". Der Sonnenuntergang an sich ist nicht anders als bei uns in den Bergen. Imposant ist aber der Farbwechsel an den umliegenden Felsen, die sich nach dem Untergang der Sonne kontrastreich blaurot verfärben. Für heute haben Marco und ich genug Sand und Abenteuer gehabt und sind froh, um 21.00 Uhr wieder zurück in "San Pedro" zu sein.

Sonntag 15. Januar - Montag 16. Januar
Mitten in der Oase von "San Pedro" erleben wir zwei erholsame, ruhige Tage und können uns endlich wieder einmal richtig Zeit nehmen, um Reports zu schreiben und die Fotosammlung zu erweitern. Wir empfangen sogar zwei Radiosender mit ruhiger lateinischer Volksmusik. Marco erkundigt sich nach einem Besuch in einem für Touristen zugänglichen Observatorium. Der Franzose, der die Touren zu den Sternen organisiert, macht uns allerdings wenig Hoffnung, denn in den letzten Tagen war es am Abend immer ziemlich bewölkt, sodass man gar keine Sterne sehen würde. Marco reserviert für uns trotzdem einmal zwei provisorische Plätze für Montag Abend um 21.00 Uhr. Ausserdem erklärt uns der Hobbymeteorologe, dass in der Region Atacama und im Hochland von Bolivien zu dieser Jahreszeit ein eigenes Mikroklima herrscht. Das Zusammentreffen der kalten Pazifikwinde und des schwülen Tropenklimas bedeutet Regenzeit zwischen Dezember und Februar. Diese Neuigkeiten sind nicht gerade erfreulich für unsere geplante Reise nach Bolivien. Jetzt gehen wir aber erst einmal auf die Suche nach dem Souvenirladen, wo man angeblich Cocablätter kaufen kann. Dieses Kraut ist nicht ganz legal in Chile und Argentinien, da daraus die Droge Kokain hergestellt wird. Diese Blätter sollen aber die beste Medizin gegen Höhenkrankheit sein. Und da wir morgen über einen beinahe 5000 Meter hohen Pass fahren, wollen wir vorbereitet sein. Wir kaufen ein Säcklein "Ojas de coca" und ausserdem noch vier Beutel Coca-Mate-Tee. Später treffen wir am "Plaza" Diana, ihren Kollegen Mirko und Tina, eine Österreicherin. Diana kennen wir vom Hostel in "Ushuaia", wo wir gemeinsam Weihnachten gefeiert haben. Sie war als Austauschstudentin ein halbes Jahr in "Valdivia" und hat den letzten Monat dazu genutzt, um Argentinien und Chile zu bereisen. Sie gibt uns noch den Tipp, Aspirin und Schokolade auf unsere Reise in die Höhe mitzunehmen. Wir erleben einen wunderschönen Abend zu fünft. Heute Montag begleiten wir die drei dann noch zum Bus, der sie in einem 24-Stunden Trip nach "Santiago" bringt.

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San Pedro de Atacama - Salta (Argentinien)

Dienstag 17. Januar
Wie von unseren Freunden empfohlen, trinken wir heute morgen je zwei Tassen Coca-Mate-Tee und schlucken ein Aspirin, das die Gefässe erweitern und somit vorbeugend gegen Kopfschmerzen wirken soll. Danach gehen wir pünktlich um 11.00 Uhr mit Sack und Pack ins Büro des Busunternehmens "Géminis", mit dem wir  heute über die Anden nach "Salta" (Argentinien) reisen. Wir werden von der Ticketverkäuferin informiert, dass es auf dem "Paso Jama", wo sich der argentinische Zoll befindet, letzte Nacht geschneit hat, und wir sollen um 11.30 Uhr wieder hier ins Büro kommen. Wir setzen uns also in den Park und warten die Zeit ab, bis uns die Chilenin mit sechs weiteren Passagieren zur Busstation begleitet. In der prallen Sonne müssen wir noch etwa zehn Minuten ausharren bis unser Bus aus "Calama" eintrifft. Nach zwei Minuten müssen wir dann auch schon wieder aussteigen, denn der chilenische Grenzzoll befindet sich gleich 500 Meter nach "San Pedro". Um 13.30 Uhr sind alle Grenzformalitäten erledigt, und die Reise in ein neues Abenteuer beginnt mit einem inzwischen kalt gewordenen Mittagessen im Bus. Die 160km lange, asphaltierte Passstrasse wurde erst 1991 eröffnet und ist in einem sehr guten Zustand. Während sich der Bus die Passstrasse hinaufkämpft, kauen Marco und ich Cocablätter und essen schwarze Schokolade. Wir geniessen die Fahrt vorbei am "Volcán Licancábur" und weiteren imposanten, schneebedeckten, hohen Bergen der Anden. Dank unseren Reisevorbereitungen geht es uns trotz des rasanten und extremen Höhenunterschiedes von etwa 2500 Höhemetern sehr gut. Nach unserer Schätzung erreichen wir etwa eine Höhe von 5000m, bevor es wieder leicht bergab geht. Etwa um 16.00 Uhr erreichen wir den "Paso Jama" (4200m), wo wir sage und schreibe drei Stunden warten müssen, bis jeder von uns einen argentinischen Stempel im Pass hat! Leider ist es jetzt schon dunkel, und wir können nichts mehr von der wahrscheinlich sehr schönen Fahrt erkennen. Irgendwo mitten in den Bergen machen wir um 20.15 Uhr bei dem einsamen Hostal "Pastos Chicos" in Susques einen halbstündigen "Once-Halt". "Once" bedeutet etwa so viel wie Zwischenmahlzeit. Nach einem steilen Abstieg vor "San Salvador de Jujuy" und fünf Stunden später, um 01.30 Uhr in der Nacht, erreichen wir endlich "Salta" (1187m). Marco und ich müssen jetzt noch ein Hotel oder Hostal suchen, das uns um diese Zeit noch ein Zimmer zur Verfügung stellt. Nach etwa fünf Absagen finden wir im drei Sterne-Hotel "El Portal de Salta" ein sehr schönes, ruhiges, etwas teureres Doppelzimmer mit Bad und TV. Die weiteren Berichte unserer argentinischen Abenteuer sind nun im Report Argentinien zu erfahren.

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