Our passion is to travel around the world. It's our goal to learn about foreign cultures and to search for the contacts with the native ones. The impressions of the marvelous nature and the beautiful landscapes, the wonderful weather and much sunshine should be always our companion. It prepares to us a lot of pleasure to report from our experiences and adventures and to share this with many readers, Marco and Isabella

 

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REPORT FRACHTSCHIFFSREISE

28. Oktober 2005 - 12. November 2005

 

Travel route
Barcelona (Spanien) - Rio de Janeiro (Brasilien)
Rio de Janeiro (Brasilien) - Santos (Brasilien)
Santos (Brasilien) - Buenos Aires (Argentinien)

Barcelona (Spanien) - Rio de Janeiro (Brasilien)

Freitag 28. Oktober
Um 06.00 Uhr klingelt der Wecker. Noch etwas verschlafen, aber voller Vorfreude endlich auf die "Calaparana" zu dürfen, verlassen wir das Hotel. Am Bahnhof, "Estació Sants", der nur gerade fünf Minuten zu Fuss vom Hotel entfernt ist, nehmen wir ein Taxi. Der Taxifahrer kennt zum Glück den Hafenabschnitt "TERCAT" und das "Muelle principal de España", wo wir hin müssen. Ohne Mühe findet er das grüne Gebäude, das uns Alejandro beschrieben hat. Jetzt müssen Marco und ich nur noch das Schiff finden. Im Gebäude treffen wir einige Arbeiter an, die wir nach dem Weg fragen können. An grossen Containern vorbei geht der Weg, und wir müssen in der Dunkelheit aufpassen, dass uns die Sattelschlepper sehen, die hin und her fahren. Wir müssen gar nicht mehr gross suchen, denn gleich nachdem wir um die Ecke einer der Container zum Meer spähen, erblicken wir einen Frachter, der mit "Calaparana" angeschrieben ist. Jetzt sind wir fast am Ziel. Nun müssen wir nur noch den Weg finden, der uns auf das Schiff führt. Plötzlich sehen wir einen Mann, der nach Kapitän oder Offizier aussieht und winken ihm zu. Als er uns wahrnimmt und fragend herunterschaut, schreien Marco und ich ihm durch den Lärm: "We are passengers!" zu. Worauf er nur ganz überrascht sagt, warum wir denn nicht an Bord kommen. Als wir uns etwas hilflos anschauen und nicht so recht wissen, wo der Eingang ist, zeigt er mit dem Finger auf die Treppe, die auf das Schiff führt. Oben angekommen erwartet uns ein philippinischer Matrose. Wir müssen uns in ein Buch eintragen, damit wir als Passagiere registriert sind. Der Philippine führt uns dann in das Schiff, wo wir wiederum von einem philippinischen Steward zu unserer Kombüse (Kammer) geleitet werden. Wir stellen nur schnell unsere Rucksäcke hinein und bekommen einen ersten Eindruck von der grossen "Suite", die wir die nächsten ca. drei Wochen bewohnen dürfen. Der Steward führt uns in den Speiseraum (Messe). Hier wird uns um 07.30 Uhr bereits unser erstes Frühstück an Bord serviert. Es gibt Würstchenragout, was wir aber dankend ablehnen. Der Frühstückstisch ist aber noch mit allerlei leckeren Sachen wie frischem Brot, Konfi, Butter, Aufschnitt, Käse und Kaffee reich gedeckt. Bei dieser Stärkung lernen wir auch die zwei Franzosen kennen, die mit uns als Passagiere den Atlantik auf der "Calaparana" überqueren. Der eine ist schon das vierte Mal auf diesem Schiff und spricht ausserdem sehr gut spanisch. Der andere ist wie wir das erste Mal auf einem Frachter und spricht sehr gut englisch und etwas spanisch. Auch der Kapitän und der erste Offizier werden uns vorgestellt, als diese zum Frühstück erscheinen. Etwas später, als wir unsere Pässe abgegeben haben, machen Marco und ich einen ersten Rundgang durch und über das Schiff. Hierbei begegnen wir weiteren philippinischen Matrosen, die auf der "Calaparana" arbeiten. Beeindruckt schauen wir dem fleissigen Treiben am Hafen und auf dem Schiff zu.  Es werden immer noch Container geladen. Mit Lastkranen werden die Container auf Lkw's geladen, der Lkw fährt zu einem riesigen Kran, der die Last übernimmt und auf den Frachter lädt. Kaum ist ein Lkw abgeladen, kommt schon der nächste mit einem Container und so weiter. Marco packt die Gelegenheit beim Schopf und macht viele schöne Fotos von unserem Frachter und dem Treiben am Hafen. Das Schiff soll um 11.00 Uhr losfahren, und wir sind schon sehr gespannt, wie das vor sich geht. Nun haben wir aber noch etwas Zeit uns in unserer Kombüse heimisch einzurichten. Wir haben einen grossen Raum mit Polstergruppe, Stühlen, Clubtisch, Kommoden, Stereoanlage und Kühlschrank. Daneben ist das Schlafzimmer mit Doppelbett und Kleiderschrank. Von da aus gelangen wir auch in das Bad, das mit WC, Dusche, Spiegelschrank und Lavabo ausgestattet ist. Alles ist blitzsauber und leider auch hoch klimatisiert! Glücklicherweise können wir die Lüftung in unseren Räumen ausschalten. Dafür öffnen wir das seitliche Schifffenster einen Spalt weit. Inzwischen ist es 11.30 Uhr geworden. Aber der Frachter macht noch keine Anstalten den Hafen zu verlassen. Um 12.00 Uhr begeben wir uns also erst einmal zum Mittagessen. Antonio, der Koch und Danilo, der Steward erwarten uns schon. Es gibt eine sehr gute Gemüsesuppe, Salat, Thunfischsteak mit Zucchetti und Reis. Nach dieser vorzüglichen Mahlzeit sind wir bereit die Abfahrt zu beobachten. Dafür erklimmen wir etliche Treppen, bis wir ganz oben neben der Kommandobrücke einen superguten Überblick haben. Wir werden von einem grossen Schlepper aus dem Hafen gezogen. Nachdem der Schlepper nicht mehr nötig ist, werden wir aber noch von einem kleinen Boot begleitet, bis wir ganz aus der Hafengegend raus sind. Marco und ich stehen noch eine ganze Weile da oben und schauen fasziniert zu, wie wir uns von Barcelona entfernen. Danach machen wir die zweite Runde durch das Schiff und entdecken den Hobbyraum, der mit Tischtennistisch, zwei alten nicht mehr wirklich funktionierenden Hometrainern, alten Hanteln und einer Dartscheibe ausgestattet ist. Im Raum nebenan befindet sich der Swimmingpool, der im Moment allerdings kein Wasser enthält und die Sauna. Noch ein Raum daneben ist die Waschküche, die wir gemäss Waschplan jeweils dienstags und donnerstags nutzen können. Marco und ich spielen Tischtennis, was absolut spassig ist. Jetzt ist es Zeit für eine kleine Siesta. Wir schlafen tatsächlich tief und fest ein und erwachen erst wieder um 16.30 Uhr. Uns überrascht die Ruhe und dass kein Motorengeräusch zu hören ist. Ein Blick aus dem Fenster zeigt uns, dass wir mitten auf dem Meer still stehen. Der Frachter scheint keinen Wank zu machen. Warum? Keine Ahnung. Wir werden bei Gelegenheit mal jemanden danach fragen. Um 17.30 Uhr ist es bereits wieder Zeit für das Abendessen. Es gibt Schweinssteak, Karotten, Salzkartoffeln und Salat. Auch werden wir von Danilo informiert, dass wir heute Nacht die Uhr eine Stunde zurück stellen müssen. Um zu verdauen, begebnen Marco und ich uns in den Hobbyraum, für eine weitere Runde Tischtennis. Langsam aber sicher habe auch ich die Bälle besser im Griff, und es fängt an richtig Spass zu machen. Irgendwann werden wir dann wohl auch den Swimmingpool testen. Danilo sagte uns, dass wir nur Bescheid geben müssen, wenn wir schwimmen wollen, dann wird das Becken mit Meerwasser gefüllt. Bevor es dunkel wird, spazieren wir noch an den Bug des Schiffes. Hier ist es absolut ruhig. Es sind beinahe keine Motorengeräusche zu hören. Von hier aus sehen wir auch hinunter zum Kiel, was sehr eindrücklich ist. Jetzt erst erkennen wir so richtig, wie hoch das Schiff ist. Wir entdecken drei kleine Spatzen, die wohl in Barcelona vergessen haben den Frachter zu verlassen. Jetzt können sie nicht mehr weg, da weit und breit kein Land in Sicht ist. Arme kleine Tröpfchen. In Gibraltar werden sie aber noch eine Gelegenheit haben an Land zu kommen. Langsam bricht jetzt die Dunkelheit an, und wir machen uns auf die Suche nach Kaffee. Wir fragen einen Matrosen, ob es möglich ist, dass wir einen Kaffee machen können. In der Küche zeigt er uns, wo es heisses Wasser hat und Kaffeepulver. Mit dem schwarzen Gesöff bewaffnet begeben wir uns in den Aufenthaltsraum. Der schöne Raum ist mit Sofas, Stühlen, Tischen, einer Bar, TV-Gerät, Videos und einer Stereoanlage ausgestattet. Im Kühlschrank der Bar gibt es Getränke, die man gegen Bezahlung nehmen darf. Wir machen es uns gemütlich und schauen einen Film, den irgendjemand irgendwann einmal auf dem deutschen TV-Sender PRO7 aufgenommen hat. Nach dem gemütlichen Teil folgt noch etwas Sport in Form von Tischtennis natürlich. Jetzt wird es für uns Zeit in unsere wunderschöne Kabine zu gehen.

Samstag 29. Oktober
In der ersten Nacht an Bord haben wir recht gut geschlafen. Das Motorengeräusch und das Gerüttel erinnert uns sehr an frühere Nachtfahrten mit dem Zug. Wenn das so bleibt, haben wir beide keinerlei Bedenken seekrank zu werden. Um 07.00 Uhr klingelt der Wecker. Für mich ist Gymnastik angesagt! Ein bisschen gezielte Bewegung muss sein, bei der guten und üppigen Verköstigung an Bord. Zum Frühstück wird als warme Mahlzeit Rührei mit Würstchen serviert. Dazu gibt es wiederum frische Brötchen und das ganze Programm wie gestern. Ich probiere eine halbe Portion Rührei mit Gemüse. Marco verschlingt derweil eine ganze Portion Rührei mit zwei Würstchen und zu guter letzt noch ein Nutellabrötchen! Jetzt ist aber wieder etwas Sport angesagt! Nach einer Runde Tischtennis machen wir noch einen Spaziergang in Richtung Schiffsbug. Hier ist Grossreinigung angesagt. Zwei philippinische Matrosen sind mit Wasserschlauch und Schrupper ausgestattet und putzen und spritzen, was das Zeug hält. Sie sind es auch, die uns mitteilen, dass wir ungefähr heute Nachmittag bei Gibraltar vorbeikommen und dass es hier viele Delfine geben soll. Marco und ich freuen uns jetzt schon diesen schönen Tieren zu begegnen. Um 10.00 Uhr ist Kaffeepause, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Mit unseren Kaffeetassen gehen wir aufs Deck und lassen uns zuhinterst am Heck den Fahrtwind um die Nase wehen. Nach diesem zusätzlichen Koffeinkick bin ich voller Energie und schreibe am aktuellen Report. Marco hat die Hoffnung, dass wir in der Nähe von Gibraltar noch einen Internet Wireless Zugang finden, den wir nutzen könnten, um noch die Bilder des Frachtschiffes und diesen Bericht in den Reisebrief zu stellen. Um 12.00 Uhr ist dann Mittagspause, in der wir wieder vorzüglich bedient werden. Auf 13.00 Uhr ist eine Sicherheitsinstruktion angesagt, und wir müssen uns mit Helm bewaffnet in den Aufenthaltsraum begeben. Vom 3. Officer, Gilbert, ein Philippine und einem Matrosen werden wir über die Sicherheit an Bord instruiert. Nach einer stündigen Instruktion müssen wir noch einen kleinen Test ausfüllen zum Beweis, dass wir auch alles verstanden haben. Mit diesem neuen Wissen werden wir wieder entlassen und darauf aufmerksam gemacht, dass am nächsten Wochenende ein Probealarm durchgeführt wird. Nach der "Arbeit" geht Marco auf die Brücke. Er lässt sich von Anthony, dem 2. Officer, auch einem Philippinen, die Instrumente wie Radar, Kompass und so weiter erklären. Auch Pierre, der eine Franzose, ist hier und interessiert sich für die Arbeit auf der Brücke. Nach dieser sehr interessanten und aufschlussreichen Lektion kommt Marco zurück, und wir können noch eine kleine Siesta einschieben. Im Moment sind wir immer noch in Küstennähe, und wir können die Südküste Spaniens erkennen. Auch die Fahrt ist immer noch sehr ruhig, und das Schiff schwankt kaum. Auch das Wetter macht einen guten Eindruck. Wir fragen bei Gilbert noch einmal nach, wann wir denn nun die Strasse von Gibraltar passieren werden. Er sagt uns, dass es heute Abend ca. um 20.00 Uhr sein wird. So ein Pech aber auch, denn um diese Zeit wird es schon dunkel sein. Trotzdem nehmen Marco und ich uns vor, die Passage auf der Brücke zu beobachten. Nach dem Abendessen und einer kleinen Runde Tischtennis begeben wir uns aber erst einmal mit zwei Schokoladen bewaffnet in den Aufenthaltsraum der Arbeiter. Sie sind gerade beim Zelebrieren von Karaoke. Voller Inbrunst singen sie philippinische Lieder ab Videos mit Aufnahmen ihrer Heimat. Marco und ich werden herzlich eingeladen uns zu setzen, und alsbald finden wir uns in einer fröhlichen Runde mit einem Bier in der Hand wieder. Die von uns mitgebrachte Schokolade findet grossen Anklang und wird auch sogleich mit Genuss verschlungen. Beim Diskutieren, Lachen und Erzählen vergeht die Zeit wie im Fluge.  Plötzlich zieht es uns dann raus, denn wir wollen ja Gibraltar sehen. Wir sehen auch ein paar Lichter, die von der Küste herkommen. Oben bei der Brücke bemerken wir aber, dass wir schon an Gibraltar vorbei sind. So blöd aber auch. Natürlich haben wir jetzt auch keine Hoffnungen mehr auf ein Internetsignal. Ja nun, jetzt bleiben wir aber noch auf der Brücke und schauen Anthony und Gilbert, die wieder Dienst haben, bei ihrer Arbeit zu. Anschliessend gehen Marco und ich ca. um 21.00 Uhr in den Aufenthaltsraum. Hier suchen wir wiederum nach einem Video mit deutschsprachigem Film. Nachdem wir einige Videos durchgesehen haben, worauf sich nur Serien und anderes komisches Zeugs befindet, finden wir den Film "Ghostbusters". Den schauen wir uns an. Mitten im Film scheint es uns, dass der Frachter mehr schwankt. Mir wird es prompt etwas mulmig im Magen. Marco geht mal schnell raus, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Anscheinend befinden wir uns nun auf dem Atlantik weit weg von jeglicher Küste. Deshalb sind die Wellen etwas höher, und deshalb schwankt das Schiff mehr. Das werden wir jetzt wahrscheinlich für die nächsten zwei Wochen immer so haben. Besser wir gewöhnen uns gleich daran. Ich habe mir so oder so vorgenommen nicht seekrank zu werden, und so ignoriere ich meinen Magen, so gut es geht. Nach dem Film begebe ich mich aber gleich ins Bett. Auch Marco ist etwas schummrig zu Mute und legt sich hin. Beim Liegen merkt man das Schwanken etwas weniger und so schlafen wir dann auch relativ schnell ein und verbringen eine gute Nacht ohne Zwischenfälle.

Sonntag 30. Oktober
Als um 07.00 Uhr mein Wecker klingelt, fühle ich mich eigentlich recht gut. Vorsichtig stehe ich auf und fühle mich sogar in der Lage meine Gymnastikübungen durchzuführen. Heute verkürze ich allerdings mein Sportprogramm, da sich mit der Zeit doch wieder eine kleine Übelkeit bemerkbar macht. Dennoch begleite ich Marco zum Frühstück. Während er seinen Toast Hawaii und ein Nutellabrötchen verdrückt, nippe ich nur vorsichtig einen Tee. Nachher begebe ich mich wieder ins Bett, denn ganz so wohl fühle ich mich nicht. Anderseits ist diese Art von Unwohlsein nicht so schlimm, und ich nehme mir vor, dass es auch so bleibt. Eine Stunde später entschliessen Marco, dem jetzt auch wieder etwas schwindelig ist, und ich eine der Reistabletten zu schlucken. Nach einer weiteren halben Stunde geht es Marco wieder gut und mir schon wieder etwas besser, und wir wagen uns für einen Spaziergang auf die Brücke. Draussen ist es bewölkt und windig. Beim Mittagessen vermissen wir Pierre. Ob er wohl seekrank ist? Danilo bestätigt unseren Verdacht. Armer Kerl, hoffentlich geht es ihm bald wieder besser. Mir tut das warme Essen sehr gut, und ich fühle mich nach der ausgezeichneten Mahlzeit sehr erfrischt und mein Magen rebelliert auch weniger. Trotzdem will ich es heute nicht übertreiben und lege mich wieder ins Bett. Marco spielt mit dem Radio und empfängt tatsächlich auf offener See einen marokkanischen Sender mit schrecklicher arabischer Musik. Trotzdem schlafe ich ein und erwache erst um 15.30 wieder. Das Rauschen des Regens, der sich heftig über uns ergiesst, hat mich wohl geweckt. Der Schlaf hat mir sehr gut getan. Auch Marco scheint geschlafen zu haben, denn er schaut mich ganz erstaunt an, als ich ihm sage, dass er die Dreiuhr-Kaffeepause verpasst hat. Er lässt sich aber nicht beeindrucken davon und fragt in der Küche nach, ob er sich einen Kaffee nehmen darf. Er darf und ausserdem bekommt er auch noch seine Eiscreme, die er beim Mittagessen noch nicht gegessen hat. Er hat also immer noch einen beneidenswert gesunden Appetit! Es regnet heute mehr oder weniger den ganzen Tag. Wir machen es uns im Aufenthaltsraum gemütlich und schauen einen Film, bis es Zeit für das Abendessen wird. Wieder fehlt Pierre. Dem Armen geht es wohl immer noch nicht gut. Marco und ich lassen uns das feine Abendessen mit Frühlingsrolle, Salat, Aufschnitt und Kartoffelsalat aber schmecken. Heute werden wieder darüber informiert, dass wir um 18.00 Uhr die Uhr um eine Stunde zurück stellen müssen. Wir nähern uns also den kanarischen Inseln, von denen wir morgen hoffentlich etwas erkennen können. Schliesslich ist Gran Canaria so etwas wie unsere zweite Heimat geworden. Jetzt zieht es uns aber erst einmal auf die Brücke. Inzwischen hat es auch aufgehört zu regnen. Aber es ist überall nass und glitschig. Es ist Vorsicht geboten beim Herumlaufen! Auf der Brücke angekommen schauen wir fasziniert zu, wie in völliger Dunkelheit und höchster Konzentration gearbeitet wird. Gelüste nach Kaffe treiben uns schliesslich wieder herunter in die Küche. Während ich mit der Zubereitung des Kaffees beschäftigt bin, ruft mich Marco plötzlich ganz aufgeregt zu sich. Ich lasse den Kaffee Kaffee sein und eile zu ihm. Antonio, der Chefkoch, will uns seinen Arbeitsbereich vorstellen. Es ist sehr interessant. Im "Keller" befinden sich verschiedene Vorratsräume. Im Gemüsekühlraum lagert frisches Gemüse, wie Lauch, Karotten, Blumenkohl und Tomaten. Auch Bananen und Trauben und Salat werden hier gelagert. Antonio erklärt, dass er ca. eine Woche, nachdem das Schiff den Hafen verlassen hat, frisches Gemüse, Salat und Obst zur Verfügung hat. Danach muss er auf Tiefkühlprodukte zurückgreifen. Gleich neben dem Gemüsekühlraum befindet sich auch der Tiefkühler, der Fleisch und andere tiefgekühlte Produkte enthält. Es hat auch einen Vorratsraum, in welchem Produkte, wie Salatsauce, Öl, Essig Mehl, Zucker und so weiter aufbewahrt werden. Im Ganzen hat es Essensvorräte für drei Monate an Bord! Die meisten Produkte stammen aus Deutschland, da das Schiff einer deutschen Reederei gehört, und die Produkte in Deutschland am günstigsten bezogen werden können. Antonio erklärt uns seinen sehr verantwortungsvollen Job. Er muss genau kalkulieren, dass er alle Nahrungsmittel in richtiger Reihenfolge verwertet. Wenn er Lebensmittel verderben lässt, zahlt er 3000$ Busse, was seinem dreifachen Monatslohn entspricht und kann gefeuert werden, weil das Verlust bedeutet. Wir bedanken uns bei Antonio für die Führung und die Erklärungen, er hat noch einiges vorzubereiten für morgen. Deshalb kehren Marco und ich zu unserem Kaffee zurück und schauen uns noch einmal einen Film an. Jetzt ist uns aber wieder nach etwas Bewegung zu Mute. Da es unseren Mägen wieder hervorragend zu gehen scheint, wagen wir ein Tischtennisturnier im Hobbyraum. Nach dieser kleinen sportlichen Einlage sind wir müde genug uns schlafen zu legen.

Montag 31. Oktober
Diese Nacht haben wir hervorragend geschlafen. Ich bin die ganze Nacht nicht einmal erwacht, und Marco ist es ebenso gegangen. Frisch erholt und munter, ohne jegliche Magenprobleme, begeben wir uns erst einmal an die frische Luft. Hier treffen wir auch Pierre an, dem es wieder etwas besser zu gehen scheint. Er ist zwar immer noch etwas bleich um die Nase. Marco und ich stellen fest, dass das Meer ruhiger ist und das Schiff deswegen weniger schwankt. Wir erkennen jetzt sogar etwas von der Küste Fuerteventuras! Es ist jedoch ein wenig dunstig, aber trotzdem ist es herrlich warm. Vielleicht ist das Meer ruhiger, weil wir in Landnähe sind. Trotzdem nehme ich zur Sicherheit eine Tablette, bevor wir dann zum Frühstück gehen. Unterdessen dreht Marco unseren Radio im Zimmer auf, und prompt empfangen wir kanarische Sender. Beim Klang der Latino-Musik und den Werbeunterbrüchen mit kanarischem Spanisch kommt bei uns Wehmut auf. Immerhin fahren wir bei unserer zweiten Heimat vorbei. Während dem Frühstück haben wir das Vergnügen mit dem Master = Kapitän zu sprechen. Er kommt ursprünglich aus Polen und heisst Andrzej Popiel. Er hat anscheinend lange in Venezuela gelebt, weshalb er auch sehr gut spanisch spricht. Nachdem er herausgefunden hat, dass wir auch etwas spanisch können, wechselt er die Sprache von englisch auf spanisch. Marco und ich bekommen einen sehr sympathischen Eindruck vom sehr netten Chef dieses grossen Schiffes. Plötzlich schwankt das Schiff extrem, sodass die Kaffeekrüge und die Gewürze auf den Tischen umfallen! Der Master ruft den Steward und heisst ihn das Zeugs auf den Tischen zu sichern. Marco fragt den Master, ob das Schiff eine Kursänderung vorgenommen hat, dass es so extrem schwankt. Herr Popiel klärt uns aber darüber auf, dass wir zwischen den kanarischen Inseln durchfahren, und es hier Strömungen gibt, die sich auf diese Weise bemerkbar machen. Nach den sehr interessanten Gesprächen zieht es Marco und mich auf die Brücke. Gilbert ist bei der Arbeit, und wir fragen ihn, ob wir einen Blick auf die Seekarte werfen dürfen. Gilbert erklärt uns dann auch sogleich, wo wir uns befinden. Wir befinden uns zwischen Afrika und den Kanaren. Land können wir jedoch keines sehen, und dass wir Gran Canaria sehen werden, ist leider eher unwahrscheinlich. Nichts desto trotz ist es immer wieder interessant auf der Brücke. Gilbert klärt uns dann auch gleich noch darüber auf, dass bereits morgen eine Alarmübung stattfinden wird. Irgendwann morgen werden wir also mit einem Alarm zu dieser Übung gerufen und werden uns wie gelernt mit Helm und Schwimmweste auf dem zweiten Deck bei der Muster Station einfinden. Um die Mittagszeit scheinen wir uns soweit von den kanarischen Inseln südwärts entfernt zu haben, dass sich unser heiss geliebter Radiosender langsam verabschiedet. Wir halten auch immer wieder Ausschau nach irgendwelchen Meeressäugern. Das Glück ist uns aber ganz und gar nicht hold. Einmal erkennen wir zwar ein paar grössere Fische, die an der Wasseroberfläche erscheinen. Delfine sind es aber eher nicht. Vielleicht Thunfische oder so? Ohne Feldstecher ist das schwierig zu bestimmen, und so konzentrieren wir uns wieder auf die Weite des Meeres in der Hoffnung doch noch etwas Grösseres zu erblicken. Dafür beobachten wir einen philippinischen Matrosen, wie er mit Pinsel und Farbe alle grauen Elemente für die Befestigung des Schiffes übermalt. Nach dem Nachtessen und einer Partie Tischtennis gehen Marco und ich auf die Brücke, um uns nach unserem Standort zu erkundigen. Wir nähern uns Kap Verde und den kapverdischen Inseln. Morgen Abend ungefähr werden wir sie passieren. Die Chancen Land zu sehen stehen aber wieder einmal schlecht. Ja nun, so ist das halt auf der Weite eines Ozeans, wie der Atlantik! Nach dem Spaziergang auf die Brücke gehen wir mit warmen Kleidern ausgerüstet in den immer sehr kühlen Aufenthaltsraum, um ein Video zu schauen. Heute sind wir beide so müde, dass wir bereits um 22.00 Uhr aufgeben und uns ins Bett zurückziehen.

Dienstag 1. November
Ich habe eine ziemlich schlaflose Nacht hinter mir, und Marco geht es, glaube ich, auch nicht viel besser. Das Schiff hat die ganze Nacht extrem stark geschaukelt, so dass wir beinahe aus dem Bett gerollt sind. Ausserdem habe ich Kopfschmerzen und mir ist wieder ein bisschen übel. Ich nehme eine Kopfwehtablette und entschliesse mich trotzdem mit Marco zum Frühstück zu gehen. Nach einem Tee und einem kleinen Brötchen geht es mir etwas besser. Der Chief Officer, den wir beim Frühstücken treffen, setzt uns noch darüber in Kenntnis, dass nach der Kaffeepause um 10.30 Uhr die angekündigte Rettungsübung stattfindet. Ich lege mich bis zur Kaffeepause noch etwas hin, während Marco spazieren geht, um ein paar Fotos zu schiessen. Um 10.20 Uhr warten Marco und ich, ausgerüstet mit Helm und Schwimmweste, auf dem zweiten Deck bei der Muster-Station auf den Probealarm. Wenig später ertönt die Sirene, und aus allen Löchern und Ecken des Schiffes kommen die Crewmitarbeiter und die anderen zwei Passagiere geeilt. Der Appell wird verlesen, und jeder, der seinen Namen hört, meldet sich. Wir Passagiere werden nicht mit Namen aufgerufen, wir werden aber abgezählt, ob auch alle vier von uns da sind. Nach diesem Appell kommt Leben in die Mannschaft, jeder hat etwas zu erledigen, was der Rettung im Ernstfall dienen soll. Wir werden geheissen hier zu warten, bis alle wieder zurück sind. Wir schauen dem Treiben zu, und Marco macht noch ein paar Fotos zur Erinnerung. Als alle wieder versammelt sind, fragt uns der Chief Officer, ob wir auch in das Rettungsboot rein wollen. Natürlich wollen wir! Das besagte Rettungsboot befindet sich am Heck auf dem zweiten Deck. Es hängt mehr oder weniger über der Rehling. Das muss so sein, denn im Ernstfall kann man dieses Boot lösen, und es rutscht so zu sagen gleich ins Meer. Als wir im Boot sitzen, ist es mir in den engen Stühlen etwas komisch zu Mute, und ich bin froh, dass das Boot nicht zu Übungszwecken zu Wasser geleitet wird! Erstaunlicherweise ist mir aber im Moment, als ich wieder aus dem Rettungsboot klettere bewusst, dass mir keine Spur mehr schlecht ist und auch die Kopfschmerzen verschwunden sind. Dank der Ablenkung durch die Alarmübung bin ich nun wieder voll auf dem Damm. Die Übung geht aber noch ein bisschen weiter. Uns werden noch die wichtigsten Stationen von anderen Rettungsstationen gezeigt. Danach haben wir wieder frei, und die Crew muss wieder an die Arbeit zurück. Nach dem Mittagessen und der anschliessenden Siesta setze ich mich auf die Bank, sonne mich und lese im Buch, das ich hier in der Schiffsbibliothek gefunden habe. In der Kaffeepause um 15.00 Uhr treffen wir den Chief Ingenieur und den Elektriker an. Zusammen trinken wir Kaffee und lernen so wieder zwei sehr nette Leute der Crew an. Ion Popescu ist der Ingenieur und für den Motor des Schiffes zuständig. Er kommt ursprünglich aus Rumänien und arbeitet das erste Mal auf der Calaparana. Valeriy Sepesev ist der Elektriker und kommt aus Russland. Beide sprechen sehr gut englisch. Nachdem die beiden wieder zu ihrer Arbeit zurück gehen, gehen Marco und ich zum Bug. Auf dem Weg dorthin treffen wir einen der philippinischen Arbeiter, der dabei ist eine Strickleiter auf Fordermann zu bringen. Anscheinend wird diese am Hafen von Rio benötigt. Am Bug des Schiffes ist es herrlich ruhig. Marco und ich lassen uns auf einer der integrierten Bänke nieder, beobachten das Meer und halten Ausschau nach Delfinen. Der Himmel über uns ist wolkenlos, hellblau und bildet einen schönen Kontrast zum dunkelblauen Meer, wo die Wellen immer wieder weisse Schaumkronen bilden. Es ist richtig sommerlich warm. Leider erblicken wir aber immer noch keine Delfine oder andere Meeressäuger. Einige Flugfische können wir aber ausmachen. Das ist kein Witz, die gibt es tatsächlich. Bis zu diesem Augenblick, wo ich sie mit eigenen Augen knapp über der Wasseroberfläche fliegen sehe, habe ich immer gedacht, dass dies ein Märchen sei. Immerhin, es lebt etwas in diesem Teil des Atlantiks. Wenig später erspähe ich doch tatsächlich ein Segelschiff! Es fährt in die gleiche Richtung wie wir und profitiert vom Rückenwind und der Strömung. ich erkenne knapp, dass das Segelschiff zwei Masten hat, aber nur ein Segel am vorderen grösseren Mast gesetzt ist. Ich bin froh, dass ich auf der Calaparana bin und nicht in dieser kleinen Nussschale den Atlantik überqueren muss! Ansonsten ist kein Schiff weit und breit zu sehen, und es scheint, als seien wir das einzige Handelsschiff, dass diese Route nach Rio de Janeiro befährt. Uns wird wieder einmal mehr bewusst, welch gigantische Ausmasse der Ozean hat. Während Tagen fahren wir immer in dieselbe Richtung nach Südwesten. Jetzt wird es langsam wieder Zeit den Rückweg unter den Containern hindurch zu wagen. Wir joggen diesen Weg zurück, denn uns beiden ist nicht ganz wohl unter der knarrenden, ächzenden Last hindurch zu gehen. Selbstverständlich kommen wir heil und ohne Probleme wieder am Heck an. Damit auch der Sport an Bord ja nicht zu kurz kommt, liefern wir uns vor dem Nachtessen noch eine halbstündige Runde Tischtennis. Beim Nachtessen werden wir wieder einmal mehr darauf aufmerksam gemacht, dass wir die Uhr eine Stunde zurückstellen müssen. Das ist bereits das dritte Mal, seit wir in Barcelona auf das Schiff gekommen sind. Das Abendprogramm beginnt wie immer mit dem obligaten Gang zur Brücke, wo wir feststellen, dass wir uns in der Nähe der kapverdischen Inseln befinden. Wie befürchtet, sehen wir aber kein Land, und sogar auf dem Radar ist nicht viel von der Küste zu erspähen. Der Sonnenuntergang präsentiert sich uns in seiner ganzen facettenreichen Schönheit. Marco macht wieder einmal mehr wunderschöne Fotos mit seiner Digitalkamera. Leider sehen wir auch in der Abenddämmerung keine Delfine. In unserer Kabine haben wir tatsächlich Radioempfang. Das Signal kommt von den kapverdischen Inseln, denn der Sender ist portugiesisch. Marco hat im Encarta, der Weltatlas auf dem Notebook, nachgelesen, dass diese Inseln vor ihrer Eigenständigkeit zu Portugal gehörten, was auch die Sprache erklärt. Später am Abend entschliessen wir uns in den Kühlschrank, wie wir den Aufenthaltsraum inzwischen nennen, zu gehen, um ein weiteres Video zu sehen. Grundsätzlich wird der ganze Aufenthaltsbereich des Schiffes, d.h. alle sieben Etagen, mehr oder weniger klimatisiert. Um 21.45 Uhr beschliesst Marco noch einmal auf die Brücke zu gehen, ich schaue noch ein bisschen Video und gehe dann aber bald ins Bett, wo ich noch etwas lese, bis Marco mir Gesellschaft leistet.

Mittwoch 2. November
Diese Nacht war es ruhiger, und ich für meinen Teil konnte recht gut schlafen. Marco leider nicht, denn er störte sich an den knarrenden Geräuschen, die ihn anscheinend die ganze Nacht behelligten. Nach einem deftigen Frühstück und einem guten Kaffee ist aber auch er für den Tag bereit. Heute ist es etwas wolkig, aber trotzdem sehr warm draussen. Der Wind hat gewechselt. Bis gestern herrschte der trockene Passatwind aus der Wüste, der uns den schönen, wolkenlosen Himmel beschert hat. Heute kommt der Wind aus tropischen Regionen, die Luftfeuchtigkeit steigt, es wird sicher auch ab und zu regnen. Mit meinem Buch bewaffnet setze ich mich auf meine Lieblingsbank, wo sich auch schon Pierre eingefunden hat. Marco durchforstet derweil das Encarta. Nach etwa zwei Stunden wagt aber auch er sich an die Sonne und hält wieder einmal Ausschau nach grossen Fischen. Leider sieht man auch hier "nur" die fliegenden Fische, was immerhin besser ist als gar nichts. Nach dem Mittagessen bin ich zum Umfallen müde, und ich entscheide mich für eine Siesta. Auch Marco hat nichts gegen ein kleines Nickerchen einzuwenden. Wir empfangen hier sogar noch den kapverdischen Radiosender, obwohl wir schon ziemlich weit entfernt von den Inseln sind! Bald schlafen wir beide ein und erwachen erst um 14.30 wieder. Wir haben sage und schreibe eineinhalb Stunden geschlafen! Für die Kaffeepause um 15.00 Uhr sind wir aber wieder fit. Heute bringen wir eine Schweizerschokolade mit zum Kaffee. Im Pausenraum treffen wir wie erwartet den Ingenieur und den Elektriker, die sich sehr über die Schokolade freuen. Nach einer netten halben Stunde Plauderei mit den beiden, müssen diese wieder an die Arbeit. Ich mach mich auch an die Arbeit, denn ich habe noch einige Berichte zu schreiben. Marco geht derweil auf dem Schiff herum und auf die Brücke, so sind wir beide bis zum Abendessen gut beschäftigt. Nach dem Essen und einer halben Stunde Verdauungstischtennis geniessen wir die warme, ja sogar tropische Brise. Man merkt, dass wir uns langsam aber sicher dem Äquator nähern. Auf der Brücke treffen wir den Chief Officer an, der heute Abend Dienst hat. Anhand eines Sternenbuches kann er uns sagen, welchen Planeten wir schon seit drei Nächten am Himmel leuchten sehen. Es ist die Venus oder der Mars. Falls der Planet am Himmel aufsteigt, ist es die Venus, und wenn er unter geht, ist es Mars. Marco wettet mit Corneliu, dem Officer, dass er vermute, dass es die Venus sei, da er glaubt sich zu erinnern, dass der Planet die letzten Nächte aufgestiegen ist. Nach einer Stunde der Beobachtung muss Marco aber klein beigeben. Der Planet steigt ab, also ist es Mars. Das Bier gibt es dann am nächsten Samstag, für den der Kapitän ein Barbecue angekündigt hat. Hier oben auf der Brücke erkennen wir dann auch noch die Lichter eines anderen Schiffes, das etwas weiter hinter uns die selbe Route fährt. Wir plaudern noch eine gute Stunde mit Corneliu Molduvan, eben dem Chief Officer. Er teilt uns mit, dass die "Calaparana" inzwischen 10 Jahre in Betrieb ist und somit nicht mehr zu einem modernen vessel = Frachtschiff zählt. Durchschnittlich ist ein Cargoschiff 15 Jahre im Einsatz, bevor es dann als second-hand-Schiff nochmals 10 Jahre lebt. Jedoch hängt diese Zeit auch vom Unterhalt der Maschine und Elektronik ab. Das Hauptproblem für diese kurze Lebensdauer ist nicht etwa die Rostbildung, sondern die Beschaffung der Original-Ersatzteile und die sinkende Rentabilität wegen andauernden Unterhaltsarbeiten. Grundsätzlich unterscheidet man drei Qualtitätskategorien beim Bau eines Frachters: die Chinesische, die Japanische und die Deutsch-Europäische. Die "Calaparana" wurde in Deutschland gebaut, was der besten Qualitätsstufe entspricht. Es hat somit überall  ausreichend Platz für die Crew. Jedoch werden heute immer mehr Schiffe in der tieferen japanischen oder chinesischen Qualität gebaut, sodass mehr Platz für die Fracht geschaffen werden kann. Auf die Frage, was für Meeressäuger man hier wohl sehen kann, sagt uns der Officer, dass er in dieser Region des Atlantiks ausser Delfinen auch Schwertwale gesehen hat. Unsere Hoffnung, doch noch irgendwann solch schöne Tiere zu sehen, steigt wieder. Während ich mich unter die Dusche verdrücke und noch ein bisschen schreibe, geht Marco schon mal in den Kühlschrank = Aufenthaltsraum, um schon mal das Videogerät für die kommende Videonacht aufzuwärmen.

Donnerstag 3. November
In der vergangenen Nacht hat es tatsächlich geregnet. Sobald wir die Türe zum ersten Mal nach draussen öffnen, werden wir in der Sauna empfangen. Draussen ist es richtig feucht und warm. Willkommen im tropischen Gebiet um den Äquator. Nach dem Frühstück ist heute Waschtag angesagt. Von Danilo bekommen wir Waschmittel und eine kurze Instruktion für die Benutzung der Waschmaschine. Während sich die Wäsche dreht und sauber wird, spielen Marco und ich im Nebenraum Tischtennis. Nach gut zwanzig Minuten ist die Wäsche fertig. Wir stellen aber fast, dass wir das Waschpulver in den falschen Behälter gefüllt haben! Also alles noch einmal von vorne! Derweil gehen wir auf die Brücke, wo Gilbert gerade damit beschäftigt ist unseren Standort auf der Seekarte einzutragen. Er sagt zu uns verschmitzt lächelnd: "Now, we are in the middle of nowhere". Bei näherer Betrachtung der Karte scheint das tatsächlich zuzutreffen, denn wir sind nun wirklich mitten im Atlantik weit entfernt von jeglicher Küste. Nach diesem Ausflug auf die Brücke widmen wir uns wieder unserer Wäsche. Diesmal scheint alles geklappt zu haben. Als wir die Wäsche aber aus der Maschine nehmen, ist sie noch ziemlich schmierig und vollkommen nass. Also lassen wir die Wäsche noch einmal mit dem Schongang und ohne Waschmittel laufen. Noch eine halbe Stunde später sind die Kleider zwar nicht mehr schmierig aber immer noch tropfnass. Ich frage Danilo, ob das normal sei und ich die Wäsche so nass in den Trockner geben kann. Er nickt nur und sagt, es sei schon richtig so. Marco und ich entschliessen uns die Wäsche in zwei Ladungen zu teilen. Jetzt warten wir mal ab, ob unsere Kleider tatsächlich trocken werden. Nach dem Mittagessen hat es der Tumbler doch tatsächlich geschafft die erste Ladung trocken zu kriegen, und wir können die zweite Ladung trocknen lassen. Während der Tumbler arbeitet, gönnen Marco und ich uns eine Siesta. Draussen hören wir lautes Hämmern und Fräsgeräusche, was von der immer fleissig arbeitenden Crew stammt. Nach dem Fotografieren unserer Suite erscheinen Marco und ich pünktlich um 15.00 Uhr zur Kaffeepause. Heute trinken wir unseren Kaffee wieder einmal an unserer Stehbar, einer Vorrichtung für die Taubefestigung an Bord, und geniessen die Wärme, die trotz der Wolken spürbar ist. Leider sind auch heute ausser den fliegenden Fischen keine Meerestiere zu sehen. Marco zieht es nach dem Kaffee auf die Brücke, um auf seiner Kamera einen Minifilm zu drehen. Obwohl sich die Wolken unheilverkündend zusammen ziehen, regnet es zum Glück noch nicht. Die kurzen Regengüsse, die wir heute immer wieder erleben, gehören halt auch zum tropischen Klima, das um den Äquator vorherrscht. Das Abendprogramm nach dem Nachtessen wird mit Schreiben, Lesen und Videoschauen gestaltet. Spät am Abend, ca. um 23.30 Uhr, macht Marco noch einen Besuch auf der Brücke. Er unterhält sich noch mit Gilbert, der immer von 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 20.00 Uhr bis 24.00 Uhr Dienst hat. Danach geht auch er, müde von einem weiteren wunderschönen Tag auf hoher See, ins Bett.

Freitag 4. November
Durch den Regen, der immer wieder vom Himmel fällt, wird es eine etwas unruhige Nacht. Trotzdem stehen wir wie jeden Morgen um 07.00 Uhr auf. Nach dem Frühstück setzt sich Marco vors Notebook, und ich gehe an die Sonne um Musik zu hören. Heute ist wieder wunderschönes, sonniges Sommerwetter. Nur ein paar Cumuluswolken zieren den hellblauen Himmel über uns. Auf meiner Lieblingsbank bläst mich ein heftiger Wind allerdings beinahe weg! Ich suche mir also besser ein ruhigeres Plätzchen! Nach einer halben Stunde ist leider die Batterie des USB - Stick leer, und ich kann keine Musik mehr hören! Da die Sonne ziemlich intensiv auf mich niederbrennt, was meine helle Haut leider nicht so toll findet, gehe ich wieder rein, um den USB - Stick zu laden und noch etwas zu lesen. Später statten wir Gilbert noch einen kurzen Besuch auf der Brücke ab. Marco hat ihm wie versprochen einen USB - Stick mit Musik mitgebracht, die sich Gilbert auf sein Notebook kopieren will. Hier auf der Brücke können wir einen Matrosen beobachten, der in schwindelerregender Höhe den mittleren Kran reinigt. Er ist natürlich gesichert. Der heftige Wind, der uns heute begleitet, erschwert ihm die Arbeit aber deutlich. Gilbert teilt uns mit, dass wir heute morgen um 10.30 Uhr den Äquator passiert haben. Wir befinden uns jetzt also tatsächlich auf der Südhalbkugel der Erde und somit auf dem Südatlantik. Das Klima hat sich auch geändert, es ist nicht mehr so feuchtwarm, sondern eben eher windig. Gilbert hat noch einiges zu tun und so verabschieden wir uns wieder. Es ist sowieso Zeit fürs Mittagessen. Im Speiseraum hängt immer ein aktueller Menuplan. Das Mittagessen ist heute allerdings ziemlich verschlüsselt angegeben. Es steht da nämlich: "FFF / SSS and rice". Für alle , die noch nie mit einem Frachter den Atlantik überquert haben, kommt hier die Lösung des Rätsels: "Fried Fish Filet, Sweet Sour Sauce and rice". Während Marco nach dem Essen sein obligates Nickerchen hält, wage ich mich gut eingecremt noch einmal an die Sonne. Vor der nachmittäglichen Kaffeepause, wagt auch Marco sich für eine Weile nach draussen. Zu unserer Überraschung gibt es plötzlich Leben über dem Wasser. Möwenähnliche Vögel fliegen nahe des Frachters durch die Luft und halten nach Beute Ausschau. Immer wieder stürzen sich die Vogel wie Pfeile ins Meer. Sie tauchen bestimmt zwei bis drei Meter unter Wasser. Ob sie die Beute erwischen, können wir nicht erkennen. Beim Kaffee treffen wir Valeriy, den Elektriker, an. Er erzählt uns, dass er schon Albatrosse hier draussen gesehen habe. Vielleicht sind auch diese Vögel eine Art der Albatrosse. In der Encarta Enzyklopädie schauen wir nach, welcher Gattung diese Vögel mit den weissen Bäuchen, schwarzen Stellen an den Flügelenden und den gelben geraden Schnäbeln, wohl angehören mögen. Albatrosse, Sturmschwalben und Sturmtaucher können es nicht sein, denn die haben laut Beschreiung im Encarta alle gekrümmte Schnäbel. Der einzige Hochseevogel, der nicht beschrieben ist, ist der Tauchsturmvogel. Auch er zählt zu der Ordnung der Sturmvögel und zu der Familie der Hochseevögel. Beim Nachtessen erklärt uns, Antonio, der Koch, dass die Vögel, die wir heute sehen, Seagulls = Seemöven sind. Auch wenn wir nicht genau wissen, welche Namen die schönen Vögel haben, beobachten wir sie fasziniert. Sie müssen wohl sehr gute Augen haben, denn sie fliegen teilweise sehr hoch über dem Wasser und stürzen sich urplötzlich auf ihre Beute ins Meer. Andererseits können sie auch so dicht über den Wellen gleiten, dass ihre Flügel sogar das Wasser berühren. Manchmal setzen sie sich sogar ins Meer, wahrscheinlich um sich auszuruhen. Bei der nächsten Gelegenheit, wo wir Internetanschluss haben, werden Marco und ich nach diesen faszinierenden Tieren recherchieren. Jetzt befinden wir uns aber immer noch mitten auf dem Ozean, machen es uns in unseren Räumen gemütlich und lassen den wunderschönen Tag noch einmal Revue passieren.

Samstag 5. November
Wieder bricht ein neuer Tag an, und wir sind noch immer mitten auf dem südlichen Atlantik. Allerdings nähern wir uns immer mehr der brasilianischen Küste. Auch heute scheint es ein schöner Tag zu werden. Obwohl ein paar Wolken am Himmel hängen, ist es herrlich warm draussen. In den Räumen ist es durch die starke Lüftung leider teilweise recht kalt. Deshalb begebe ich mich nach dem Frühstück mit dem spanischen "Harry Potter" - Buch und dem Diccionario bewaffnet nach draussen an die Sonne. Ich stelle fest, dass hier auf dem zweiten Deck bei der Musterstation, wo normalerweise "nur" meine Lieblingsbank steht, schon Tische und noch ein paar Bänke für das Barbecue heute Abend aufgestellt wurden. Zwei Planen überdecken den Platz, so dass es hier aussieht wie in einem Festzelt. Jetzt habe ich sogar einen Tisch zur Verfügung und mache mich auch gleich an die "Arbeit" das Buch zu lesen. Kurz vor 10.00 Uhr, Marco kommt gerade, um mich zur Kaffeepause abzuholen, knirscht und knackt es plötzlich laut. Gleich darauf hört der Motor des Schiffes auf zu dröhnen, und wir verlieren sehr schnell an Geschwindigkeit, bis wir dann ganz still im Wasser treiben. Marco und ich schauen uns mit einem viel sagenden Blick an. Es gibt wohl wieder einmal ein Problem mit dem Motor. Wir hoffen nur, dass es kein sehr ernstes Problem ist, denn wir fänden es nicht sehr lustig, "in the middle of nowhere" eine Panne zu haben. Da wir zwei am wenigsten etwas an der momentanen Situation ändern können, gehen wir in den Pausenraum, um einen Kaffee zu trinken. Hier treffen wir logischerweise weder Valeriy noch Ion an. Die zwei haben jetzt wohl anderes zu tun als Kaffee zu trinken. Nach ungefähr einer halben Stunde hören wir ein schwaches Motorengeräusch. Wir fahren jetzt auch wieder langsam. Weitere fünf Minuten später hat das Schiff wieder seine normale Geschwindigkeit erreicht. Auf der Brücke treffen wir den Master an, der uns nur ausweichend erklärt, dass das Ganze ein Test gewesen sei. Wir können dies kaum glauben, denn inmitten eines Ozeans macht man doch keine solchen Tests. Wir werden Ion beim Nachmittagskaffee persönlich fragen, was da los gewesen ist. Vor dem Mittagessen ziehen wir uns noch etwas in unsere Gemächer zurück. Plötzlich ertönt ein lautes Alarmsignal, das Marco und mich jäh aus unserer Ruhe reist. Wir sind schon beide auf dem Sprung, unsere Schwimmwesten und Helme zu schnappen, um uns wie geprobt auf der Musterstation einzufinden. Aus dem Lautsprecher an der Decke unserer Stube ertönt aber in dem Moment die Stimme des Masters: "It´s only a test!" Wir setzen uns also hin und entspannen uns wieder. Gleich darauf ertönt wieder der Alarm, der uns durch Mark und Bein geht. Ich bleibe diesmal auf meinem Platz sitzen, denn es hiess ja, es sei ein Test. Marco aber springt auf und öffnet die Tür. Er lässt sie sicherheitshalber auch gleich geöffnet, denn man weiss ja nie. Der Test scheint aber vorüber zu sein, denn bis zum Mittagessen bleibt alles ruhig und friedlich. Auch während und nach dem Mittagessen werden keine Sirenen, Motoren oder sonstigen Anlagen auf dem Frachter getestet. Beim Mittagessen hat der Master etwas Zeit, und wir können ihn endlich fragen, ob wir der Crew heute Abend eine Kiste Bier spendieren dürfen. Der Master erklärt uns, dass nach seiner Erfahrung mehr Cola getrunken wird als Bier. Uns kommt es nicht darauf an, was wie spendieren, und so bestellen wir eine Kiste Cola für heute Abend. Jetzt haben wir auch das erledigt, und wir können uns beruhigt in die obligate Siesta zurück ziehen. Für die Kaffeepause sind wir natürlich wieder fit! Wir wollen schliesslich vom Chiefengineer erfahren, was da heute Morgen los war. Zuerst gehen wir aber noch etwas an die frische Luft. Draussen weht uns der Duft von gebratenem Fleisch entgegen! Auf dem zweiten Deck wird ein Spanferkel für heute Abend gegrillt. Ein philippinischer Matrose dreht das "Säuli" am Spiess über dem Feuer. Und dies auf einem Frachter! Wieder einmal mehr werden wir in Staunen versetzt. Zu unserer Freude treffen wir Ion tatsächlich beim Kaffeetrinken an. Er erklärt uns dann auch, das der Motor von Anfang an nicht sauber gearbeitet hat. Anscheinend hat der vorherige Ingenieur eine ziemlich schlampige Arbeit verrichtet und es Ion überlassen das alles wieder in den Griff zu kriegen. Ion ist sehr verärgert darüber, was wir sehr gut verstehen können. Er sagt zwar, dass er das Problem in den Griff bekommt er aber Zeit braucht dafür. Schlussendlich steht er unter enormem Zeitdruck, denn das Schiff muss Tag und Nacht fahren und kann sich nicht zu viele Aussetzer, wie der von heute morgen, erlauben. Mitten in der Kaffeepause ertönt aus dem Lautsprecher die Stimme von Gilbert. Er informiert, dass es ungefähr um 15.20 Uhr einen Drill gibt, an dem aber nur die Crew teilzunehmen hat. Wenig später ertönt auch schon die ohrenbetäubende Sirene. Marco und ich machen uns ein wenig Sorgen um das Schweinchen, das nun ganz allein und unbewacht über der Glut hängt. Wir gehen nachschauen und sehen, dass das Ferkel sorgsam, samt dem Spiess vom Feuer genommen wurde und nun in einer Ecke steht und wartet, bis der Drill vorüber ist. Wir bedauern, dass wir nicht hier gewesen sind als der Alarm ertönte, denn dann hätten wir den Spiess weiterdrehen können. Da es für uns aber im Moment nicht wirklich etwas zu tun gibt, begeben wir uns auf die Brücke, von der wir vielleicht den Drill beobachten können. Wir sehen und hören aber gar nichts. Leider sehen wir auch heute keine Delfine und auch die Vögel von gestern haben uns bis auf ein paar einzelne verlassen. Da der Master, der im Moment die Brücke hütet, beschäftigt scheint und keine Zeit hat mit uns zu reden, verdrücken wir uns bis zum Barbecue in unsere vier Wände. Pünktlich um 17.30 Uhr erscheinen wir frisch geduscht und in unseren "Schweizerkreuz - T-Shirts" auf der Musterstation, wo schon alles bereit steht und fleissig gegrillt wird. Es ist immer noch ziemlich windig, und es haben sich mehrere Wolken gebildet. Trotzdem ist es herrlich warm, und es schaut nicht nach Regen aus. Das Angebot auf dem Buffet sieht sehr lecker aus und besteht aus: Bratwürsten, Pouletbrüstchen, Rindfleisch, Gemüsereis, asiatischen Nudeln und Kartoffelsalat. Jetzt wird auch das Spanferkel vom Spiess genommen und auf die bereit gestellte Platte geschoben. Jeder kann sich selber ein Stückchen Fleisch davon abschneiden. Das Fleisch ist sehr delikat gewürzt, und wir geniessen dieses Barbecue in vollen Zügen. Wie der Master vorausgesagt hat, trinken die meisten Leute Coca Cola zum Essen. Nachdem mehr oder weniger alle gegessen haben, kommt Antonio mit einer riesigen Torte daher. Damit hat er sich einen grossen Applaus verdient! Etwas später holt Valeryi sein Notebook und zeigt uns seine Fotos, die er auf seinen "Geschäftsreisen" auf diversen Frachtern gemacht hat. Natürlich sind da auch fremde Städte, wie Tokio, Hongkong, Singapur, Kapstadt, Kairo und so weiter zu sehen. Nach der Fotosession wird Valeriys Notebook dazu benutzt Musik zu hören. Der Master hat sich bereits zurückgezogen, und jetzt fängt das Volk auch langsam an Bier zu trinken. Auch Marco und mir wird unaufgefordert ein Bier in die Hand gedrückt, was Marco gerne annimmt, ich aber höflich ablehne. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Alkohol auf einem sowieso schon schwankenden Untergrund vertrage. Die Stimmung ist heiter und entspannt. Zwei der philippinischen Matrosen und Valeriy geben ihre Stimmen zum Besten und singen und tanzen mit der Musik mit. Marco hat sich für diesen Abend zum Ziel gesetzt alle zu fragen, wie sie heissen und was für eine Funktion sie auf dem Schiff haben. Im Laufe des Abends stösst er mit allen an und weiss am Schluss tatsächlich, wer wer ist und wer was macht. Die Hälfte der Crew verabschiedet sich sehr früh, für sie ist wohl auch der Sonntag ein harter Arbeitstag. Was ich nicht ganz verstehe ist, dass auch die beiden Franzosen schon sehr früh nach dem Essen verschwinden. Marco und ich haben eh den Eindruck, als ob sie gar keinen Spass an dieser schönen Reise haben. Wir fragen uns deshalb auch immer wieder, warum sie gerade ein Frachtschiff als Transportmittel für ihre Reise gewählt haben. Es bereitet uns aber nicht wirklich Kopfzerbrechen, denn wir geniessen diese Reise und das heutige Barbecue. Mit Valeriy, Ion, einigen Philippinen und dem Chief Officer, der nach seinem Dienst auf der Brücke auch zu uns stösst, erleben wir eine wunderschöne Party mitten auf dem Atlantik. Das werden wir nicht so schnell wieder erleben. Wir spendieren etwas später am Abend noch zwei unserer mitgebrachten Schokoladen, die grossen Anklang finden. Selbst Ion, der schon den ganzen Abend den Kuchen auf dem Tisch anhimmelt, aber immer wieder betont, dass er nichts davon essen wird, weil er nicht genau wisse, wie viele Kalorien so ein Stück enthält, genehmigt sich zwei Reihen von der Nussschoki.  Das Bier geht nun schneller weg als das Cola, und die Stimmung wird immer gelöster. Sogar Danilo, der sonst sehr zurückhaltende, ruhige Steward, scheint etwas beschwippst zu sein, obwohl er nur etwa zwei Biere getrunken hat. Valeriy, der schon den ganzen Abend ein Glas Whisky nach dem anderen trinkt, spricht immer mehr und immer undeutlicher und langsamer. Um 21.30 Uhr scheint die Party zu Ende zu gehen, denn es sind ausser Marco und mir nur noch Valeryi, Danilo und zwei weitere Philippinen hier, die bereits mit dem Aufräumen beginnen. Ach ja, ich habe vergessen zu erwähnen, dass wir heute Abend die Uhr wieder um eine Stunde zurückstellen mussten. Theoretisch ist es also bereits 22.30 Uhr. Wir helfen noch ein bisschen beim Aufräumen und besuchen Gilbert auf der Brücke, bevor wir uns in unsere Kabine verdrücken. Ein ereignisreicher, schöner Tag ist vorbei, und wir sinken müde und zufrieden ins Bett.

Sonntag 6. November
Heute morgen strahlt die Sonne schon um 05.00 Uhr zu unserem Schlafzimmerfenster rein. Ja, wir merken, dass wir immer tiefer in den Süden kommen. Da wir uns theoretisch immer mehr der Küste Brasiliens nähern, macht Marco schon vor dem Frühstück den Radiosendertest. Und siehe da, es kommt tatsächlich ein Sender rein. Der ist allerdings nicht sehr stabil und nach dem Frühstück ist da, wo vorher Musik ertönte, nur noch ein Rauschen zu hören. Während Marco die Reports formatiert und fürs Internet vorbereitet, gehe ich gut eingecremt an die herrliche Sonne. Auf dem zweiten Deck ist schon wieder alles aufgeräumt, und es erinnert nichts mehr an die gestrige Barbecueparty. Am Himmel hängen ein paar harmlose Wolken, und das Meer ist sehr ruhig und klar. Bevor ich in meinem Buch lese, halte ich wieder einmal Ausschau nach Delfinen. Aber auch heute zeigen sich keine Meeressäuger. Sogar die Seevögel haben uns, wie es scheint, verlassen. Um 10.00 Uhr holt mich Marco zur Kaffeepause ab. Die ist heute sehr gut besucht. Ion, Valeriy, der Chief Officer Corneliu, Vadym der zweite Ingenieur, der Master und wir zwei drängen uns im kleinen Raum um den Kaffee. So viele Leute auf einmal haben wir hier noch nie bei der Kaffeepause gesehen. Ich nehme an, es liegt daran, dass heute Sonntag ist und sich alle ein bisschen mehr Freizeit herausschinden können. Trotzdem leert sich der Raum um halb elf allmählich wieder, und alle müssen wieder an ihren Posten zurück. Im allgemeinen ist heute ein ruhiger Tag. Ich glaube Antonio, der uns ein exzellentes Sonntagsmenu zaubert, hat heute wieder einmal am meisten zu tun. Auch Marco und ich gönnen uns nach dem Essen eine Siesta, schauen Filme über Rio de Janeiro und Brasilien auf dem Notebook an und bereiten uns ein bisschen auf Rio vor, das wir voraussichtlich morgen Nacht erreichen werden. Aus dem Travel Guides schreiben wir einige Sehenswürdigkeiten heraus, die wir aufsuchen könnten. Unser grösster Wunsch ist es aber mit der Zahnradbahn auf den "Corcovado" zu fahren, wo auch die Jesusstatue, das Wahrzeichen Rio`s, steht. Von dort aus soll man eine tolle Aussicht auf die grosse Stadt haben. Natürlich werden wir das nur machen können, wenn wir nicht gerade um Mitternacht in Rio ankommen. Wir hoffen immer noch, das wir am Morgen früh im Hafen anlegen werden. Aber nun heisst es erst einmal abwarten und Tee, bzw. Kaffee trinken. Es ist nämlich schon wieder 15.00 Uhr. Zu unserem Erstaunen regnet es. Es giesst, als ob jemand den Wasserhahn aufgedreht hätte. Die Nachmittagskaffeepause ist nicht so gut besetzt, wie die von heute morgen, und so sind Marco und ich die einzigen, die hier sind. Wir bleiben dann auch nicht all zu lange. Der Regen hat sich auch wieder verabschiedet, und nur die Wasserlachen überall auf Deck zeugen noch von dem tropischen Schauer. Wir befinden uns nämlich ungefähr auf gleicher geografischer Breite wie das Amazonasdelta. Vor dem Abendessen spazieren Marco und ich zum Bug und geniessen die Ruhe, die hier herrscht und schauen den fliegenden Fischen zu, die knapp über dem Wasser schweben, bis sie wieder eintauchen. Andere Meeresbewohner sehen wir leider nicht. Unser heutiges Abendprogramm besteht wieder einmal aus Video schauen im "Kühlschrank". Bevor wir uns in unsere Gemächer zurückziehen, besuchen wir Gilbert auf der Brücke. Hier haben wir einen wunderbaren Blick zum südlichen Sternenhimmel. Im Moment sieht man die Sichel des aufgehenden Mondes und den Planeten Venus, die ziemlich nahe beieinander am Himmel zu erkennen sind. Der Rest der Sterne ist uns unbekannt, denn wir haben die südlichen Sternbilder vor dieser Reise noch nie gesehen. Mit unserem Staunen über die unendliche Weite des Himmels neigt sich der 6. Tag auf hoher See, ohne Land in Sicht, dem Ende zu.

Montag 7. November
Nach einer sehr ruhigen Nacht, in der wir beide sehr gut schlafen können, werden wir wieder einmal mehr von der Sonne geweckt, die durch das Fenster scheint. Den Vormittag verbringe ich auf der Musterstation an der Sonne, während Marco am Notebook arbeitet. Von Zeit zu Zeit halte ich ein bisschen Ausschau nach Meerestieren, sehe aber nur zwei Boote, die uns entgegenfahren. Eines davon ist ein kleines Boot, das andere ist etwas grösser aber auf keinen Fall ein Frachtschiff. Ich denke, dass es zwei Fischerboote sind, die eventuell sogar zusammen arbeiten. Die Zeit vergeht wie im Fluge, und wir verpassen sogar die 10.00 Uhr Kaffeepause! Ca. um 11.00 Uhr gehen Marco und ich auf die Brücke. Von hier aus meinen wir am Horizont Bohrinseln zu erkennen. Als wir an den schwimmenden Inseln vorbeifahren, betätigt sich unser Verdacht. Auch das Meer weist Verschmutzungen von Öl auf. Dicke gelbbraune Striche sind auf der Wasseroberfläche zu sehen. Hier werden wir wohl kaum irgendwelche Meeressäuger zu Gesicht bekommen. Kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, packt mich Marco plötzlich am Arm und schreit: "Delfine, ich sehe Delfine!" Und tatsächlich springen vor uns etwa fünf bis zehn dieser eleganten und schönen Meeressäuger aus dem Wasser. Wir rennen was das Zeug hält, die Treppen runter von der Brücke und gehen im Laufschritt zum Bug. Hier hoffen wir die Tiere etwas näher und besser beobachten zu können. Leider ist der Spuck aber schon wieder vorbei, und die Delfine lassen sich nicht mehr blicken. Etwas enttäuscht gehen wir wieder zurück zum Heck, wo auch schon Antonio und Danilo mit dem Essen auf uns warten. Nach dem Mittagessen planen wir eine längere Siesta ein, denn voraussichtlich werden wir um Mitternacht in Rio de Janeiro eintreffen. Die Einfahrt in den Hafen von Rio de Janeiro wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Die Nachmittagskaffeepause hilft uns dabei wieder wach zu werden. Danach ist es an der Zeit auf die Brücke zu gehen um zu schauen, ob wir schon Land erkennen können. Radioempfang haben wir bereits, und diesmal sogar recht stabil. Auf der Brücke können wir aber noch kein Land sehen, selbst auf dem Radarbild ist die Küste Brasiliens noch nicht zu erkennen. Das Wetter ist nicht mehr ganz so strahlend wie am Morgen. Ein strenger Wind ist aufgezogen, und die Sonne wird vom Dunst verdeckt. Nach dem Abendessen werden wir von Antonio in ein interessantes Gespräch verwickelt. Er erzählt ein bisschen von sich und seinem Job als Koch. Er sagt, dass es nicht ganz einfach sei, für so viel verschiedene Menschen mit verschiedenen Nationalitäten zu kochen, die teilweise bis zu neun Monaten auf dem Schiff bleiben müssen. Er sei aber immer darum bemüht, dass alle auf ihre kulinarischen Kosten kommen. Manchmal kocht er sogar zwei Menüs. Eins für die philippinischen Matrosen, die auf jedem Frachter sehr zahlreich vertreten sind, und ein Menü für die meist europäischen Officers, Ingenieure und Elektriker. Er erklärt uns auch, warum ausgerechnet so viele Philippinen auf den Schiffen arbeiten. Die meisten von ihnen finden in ihrem Heimatland keinen Job auf ihrem Beruf und sind gezwungen anderswo Arbeit zu suchen, um ihre Familie ernähren zu können. Ausserdem sind die Philippinen günstiger und fleissiger als Chinesen, denn ein Philippine erledigt die Arbeit von zwei Chinesen. So lernen die meisten Philippinen schon während der Schulzeit die englische Sprache und besitzen aufgrund ihrer Geschichte (eine ursprüngliche, spanische Kolonie) eine westliche Mentalität. Und obwohl der Lohn nicht gerade überragend ist, reicht es um in den Philippinen ein Häuschen für die Familie zu bezahlen. Etwa um 21.00 Uhr, nachdem wir uns noch etwas in unsere Kabine zurückgezogen haben, machen wir einen Besuch auf der Brücke. Marco konnte nämlich Lichter erkennen, die von der Küste herkommen. Nach einer Woche auf See, mit nur Himmel und Meer, erkennen wir nun endlich wieder Land! Wir bleiben etwa zwei Stunden hier auf der Brücke und beobachten die Lichter, die immer näher kommen. Danach entscheiden wir uns ein bisschen zu schlafen, um später die Hafeneinfahrt zu erleben.

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Rio de Janeiro (Brasilien) - Santos (Brasilien)

Dienstag 8. November
Um 01.00 Uhr ist es soweit, Marco erkennt durch das Fenster schon die Umrisse des berühmten Zuckerhutes. Also nichts wie auf die Brücke. Der Chief Officer, den wir auf der Brücke antreffen meint, dass wir eventuell Glück haben und in Rio genug Zeit hätten, um an Land zu gehen. Er empfiehlt uns auf den "Corcovado" zu gehen. Das haben wir ja sowieso vorgehabt, und wir freuen uns, dass die Hoffnung wieder besteht genau dies zu tun. Leider ist das Wetter nicht unbedingt gut. Es hängen schwere dunkle Wolken am Himmel, sodass wir nicht einmal den Mond erkennen können. Ab und zu fällt sogar ein Regentropfen, und der Wind bläst recht stark. Trotz den schlechten Wetterbedingungen erkennen wir die vielen Grashügel, die um  Rio de Janeiro aus dem Meer ragen. Einer der berühmtesten Berge der Welt ist der Zuckerhut. Er ist 394 Meter hoch und wurde von den Indios "pau-nh-Acuqua" genannt. Die Portugiesen bildeten daraus "pão de açúgar" = Zuckerhut. Laut Report ist er von der Zona Sul  der gigantischen Stadt von überall her zu sehen. Bei der nächtlichen Hafeneinfahrt sehen wir ihn majestätisch aus dem Meer ragen. Wir sehen auch die hell erleuchteten Strände Copacabana und Ipanema. Dahinter können wir Hochhäuser erkennen. Aber auch die Lichter der Behausungen in den Elendsvierteln, den Favelas, die an den steilen Hängen Rio`s kleben, sind in einem matten Schein erkennbar. Über eine Million Leute sollen in diesen Siedlungen unter erbärmlichen Umständen leben. Trotz schlechten Sichtverhältnissen und dem Wissen um das Elend mancher Menschen hier, sind Marco und ich vom Anblick der mächtigen Stadt, die sich halbkreisförmig an die Bucht schmiegt, überwältigt. Leider ist der Corcovado in dichtem Nebel eingehüllt, von der hell leuchtenden Christusstatue ist nichts zu sehen. Kurz vor der Einfahrt in den Hafen werden wir von einem Polizeiboot umfahren. Auf der Starboard Seite hängt es sich an unseren Frachter, um gleich darauf wieder wegzufahren. Später erkennen wir, dass der Lotse von Rio`s Hafen über die Strickleiter in unser Schiff gestiegen ist, um uns an den genauen Anlegeort zu navigieren. Als die "Calaparana" sicher vertaut und ruhig im Hafen liegt, ist es 03.00 Uhr. Marco und ich gehen jetzt ins Bett, um noch ein bisschen zu schlafen. Um 07.00 Uhr schrillt der Wecker. Nichts wie unter die Dusche. Leider ist das Wetter nicht besser geworden. Im Gegenteil! Es haben sich noch mehr Wolken gebildet, und es hängt dichter Nebel über der Stadt. Draussen auf dem Deck wird schon fleissig gearbeitet. Beim Frühstück fragen wir den Kapitän, ob es für uns nun möglich ist in die Stadt zu gehen. Zu unserer Enttäuschung verneint er dies aber. Er erklärt uns, dass die "Calaparana" um 10.00 Uhr wieder losfahren wird, da nur wenig Fracht ein- und auszuladen sei. Natürlich sind wir etwas enttäuscht, denn nun können wir definitiv nicht auf den "Corcovado", was uns schon ein bisschen traurig stimmt, auch wenn wir bei diesem miesen Wetter wahrscheinlich nicht wirklich viel gesehen hätten. Nun ja, es ist wie es ist, also machen wir das Beste daraus. Immerhin dürfen wir das Schiff bis 09.00 Uhr verlassen. Wir haben also eine gute Stunde Zeit, und zusammen mit Pierre machen wir einen Rundgang auf dem Hafengelände. Marco, der im Begriff ist ein paar Fotos zu machen, wird von einem brasilianischen Polizist davon abgehalten. Anscheinend ist es hier verboten zu fotografieren. Wieder zurück bei der "Calaparana" schauen wir dem fleissigen Treiben des Ein- und Ausladens der Container zu. Zum Ausladen werden die schiffseigenen Kranen gebraucht, das Einladen wird von einem dieser riesigen Hafenkranen erledigt, die wir schon in Barcelona bewundert haben. Marco, der sich nun vor dem Polizisten in Sicherheit wähnt, macht ein paar Fotos von der Arbeit am Hafen. Plötzlich kommt aber wieder ein Polizist, der ihm das Fotografieren verbietet. Zum Glück war es nicht der gleiche Mann, sonst hätte es bestimmt mächtigen Ärger gegeben. Um 09.00 Uhr gehen wir ganz brav wieder an Bord. Im Moment treffen wir hier haufenweise, fremde, brasilianische Arbeiter an, die für das Löschen der eigenen Fracht verantwortlich zu sein scheinen. Dabei beobachten wir Angelito, der Bosun auf unserem Schiff, wie er hinkt. Er verspürt grosse Schmerzen im rechten Fuss und meint, es sei eine Arthritis. Wir können ihm nachfühlen, was das heisst! Auch heute findet wie gewohnt die Kaffeepause um 10.00 Uhr statt. Hier treffen wir Ion, Corneliu und Valeriy an, mit denen wir ein bisschen tratschen. Danach gehe ich in unser Zimmer, um mich etwas aufs Ohr zu legen, denn ich habe die letzte Nacht nur gerade eine Stunde Schlaf erwischt. Um 12.00 Uhr bemerke ich ein Rucken und ich erkenne, dass die "Calaparana" bereit ist den Hafen wieder zu verlassen. Ich mache mich auf die Suche nach Marco, der, wie ich mir gedacht habe, auf der Brücke anzutreffen ist. Bevor wir zum Mittagessen gehen, beobachten wir das Abfahrtsmanöver, das für uns wiederum sehr spannend ist. Beim Mittagessen sind wir nur noch zu dritt, denn der eine Franzose, mit dem wir wenig Contact hatten, ist in Rio ausgestiegen. Nach dem Essen nutze ich den verfügbaren Handy-Empfang, um nach Hause zu telefonieren. Anschliessend ist Siesta angesagt. Heute haben wir zwar keinen Schlaf vorzuholen, dafür aber einiges nachzuholen. Beim obligaten Nachmittagskaffe treffen wir nicht wie gewohnt Valeriy und Ion an, sondern dieses Mal Vadym, den zweiten Engineer. Vadym kommt aus Russland und quetscht uns über unser Heimatland aus. Er ist sehr beeindruckt, dass es in unserem kleinen Land vier offizielle Landessprachen gibt. Nach dem Kaffee gehen Marco und ich in den Kühlschrank, um Videos zu schauen. Wir bemerken plötzlich, dass das Schiff extrem schwankt. Ein Blick nach draussen erklärt alles. Es regnet, windet und die Wellen tanzen meterhoch wild um uns herum. Wir widmen uns besser wieder unserem Film, und ich versuche nicht an die schleichende Übelkeit zu denken, die sich in mir breit machen will. Marco empfängt ebenfalls ein Signal auf seinem Handy und schreibt ein SMS nach Hause. Später gelingt auch ihm ein Anruf vom Meer in die Schweiz. Das Abendessen fällt bei mir heute sehr bescheiden aus. Marco geht es besser als mir, er hat nur ein bisschen ein komisches Gefühl im Magen, wenn er geht oder steht. Um 19.00 Uhr gebe ich auf. Ich nehme eine Reisetablette und lege mich ins Bett. Marco wagt über die Aussentreppe noch den stürmischen Aufstieg auf das 6. Deck bis zur Brücke, bis er sich dann irgendwann zu mir gesellt.

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Santos (Brasilien) - Buenos Aires (Argentinien)

Mittwoch 9. November
Etwa um 00.30 Uhr erwache ich. Auch Marco ist wach. Wir merken, dass wir nicht mehr fahren. Anscheinend sind wir irgendwo bei der Hafeneinfahrt von Santos in Warteposition. Ich habe aber gar kein Verlangen aufzustehen, um dieses Schauspiel mitzuerleben, denn mir ist immer noch etwas schummrig zu mute. Auch Marco schaut nur schnell zum Fenster raus, um gleich wieder weiter zu schlafen. Um 03.00 Uhr sind wir beide wieder wach, und jetzt scheint es uns, als ob wir nun am Hafen angelegt haben, denn der Frachter schwankt nicht mehr, dafür vernehmen wir die Stimmen der Arbeiter. Wir denken aber auch jetzt noch nicht daran aufzustehen, sondern nutzen die Ruhe, um bis 07.00 Uhr zu schlafen. Nach dem Frühstück teilt uns Pierre mit, dass er von Corneliu erfahren hat, dass wir bis 18.00 Uhr Landgang erhalten. Damit wir uns in der uns unbekannten Stadt nicht verirren, schreibt uns Corneliu auf, wie das Stadtzentrum und der Hafen heisst. Er gibt uns auch noch den Tipp, nur weisse, offizielle Taxis zu benutzen und den Taxifahrern nicht zu viel über uns und unsere europäische Herkunft zu erzählen. Auch der Master gibt uns noch ein paar Ratschläge mit auf den Weg. Ausserdem bittet er uns, ihm ein "Head and Shoulders" Shampoo zu kaufen. Um 09.00 Uhr verlassen wir die "Calaparana" und begeben uns ins Abenteuer Santos. Auch das Wetter spielt einigermassen mit, denn es dringen tatsächlich ein paar Sonnenstrahlen durch die vereinzelten Wolken hindurch, und auch die Temperatur ist angenehm warm. Am Ausgang des Hafens müssen wir uns mit der Memberkarte, die uns als Passagiere identifiziert, ausweisen. Jetzt gilt es erst einmal eines dieser offiziellen Radio-Taxis zu finden, das uns sicher ins Stadtzentrum "Zagana" von Santos bringt. Das erste Taxi, das wir anhalten, will uns für die Fahrt 10 Dollar abknöpfen. Dieser Preis scheint uns aber etwas überrissen. Wir lehnen die Fahrt ab, gehen eine Strasse weiter, wo wir ein wenig später in einem Taxi sitzen, das uns für 6 Dollars in die City bringt. Schon auf der Fahrt durch die Stadt finden wir, dass Santos zu einer der hässlichsten Städte gehört, die wir je gesehen haben. Die meisten Gebäude sind alt und manche schauen beinahe zerfallen aus. Auch das Stadtzentrum, das wir nach etwa 15 Minuten Fahrt erreichen, bietet kein schöneres Bild. Marco und ich sind beide reif für den ersten brasilianischen Kaffee. Pierre will allerdings zuerst noch ein paar Euros wechseln. Er kommt allerdings unverrichteter Dinge aus der ersten Bank wieder heraus. Marco und ich haben uns zum Glück gut auf Südamerika vorbereitet und schon in der Schweiz Dollars gewechselt. Jetzt ist also doch erst einmal Kaffee angesagt. In einem kleinen Café, zu dem auch noch ein kleiner Laden gehört, werden wir sehr nett bedient. Auf spanisch, englisch und mit Händen und Füssen plaudern wir mit den zwei Frauen, die hier arbeiten und mit ein paar anderen Gästen. Wir verstehen sogar ein paar Worte das brasilianischen portugiesisch. Auch werden uns drei verschiedene Sorten des "Cachaça", der brasilianische Zuckerrohrschnaps, präsentiert. Dieser Schnaps ist Hauptbestandteil des Cocktails "Caipirinha" oder wird hier auch pur als aguardente = Feuerwasser getrunken. Nach zwei Kaffees und einer Stunde Konversation sind wir alle drei der Meinung, dass hier sehr nette, freundliche Menschen leben. Den Kaffee bezahlen wir an der Kasse nebenan im Laden mit Dollars. Das Rückgeld bekommen wir natürlich in der Landeswährung Reais. Pierre, der schon während der Kaffeepause einen erfolglosen Versuch macht seine Euros zu wechseln, gibt nicht auf, stürzt in die nächste Bank, um im nächsten Augenblick mit hängenden Schultern und ohne Landeswährung wieder heraus zu kommen. Wir sagen ihm nun schon zum dritten Mal, dass wir Dollars bei uns haben und er nur für diesen einen Tag in Santos keine 40 Euros in Reais wechseln soll. Auf jeden Fall begeben wir uns jetzt erst einmal auf die Suche nach einem Internetcafé. Auf dem Weg durch die Stadt kaufen Marco und ich an einem Kiosk drei Ansichtskarten, die wir nach Hause schicken wollen. Wenig später finden wir auch eine Internetstation, die zugleich auch Telefonkabinen anbietet. Da im Moment leider alle Rechner besetzt sind, entschliessen wir uns im Café nebenan etwas zu trinken, die Ansichtskartenkarten zu schreiben und es später noch einmal zu probieren. Pierre nutzt die Zeit, um seine Frau anzurufen. Er kann hier sogar mit Euros bezahlen, und das Retourgeld bekommt er in der Landeswährung. Somit hat sich auch sein Problem mit dem Geldwechsel gelöst. Nach zwei weiteren Versuchen ist im Internetcafé endlich auch ein Bildschirm für Marco und mich frei. Während wir die Daten von unserem USB-Stick auf unsere Homepage laden und E-Mails schreiben, kauft sich Pierre eine Zeitung, und setzt sich mit der Lektüre in ein Café, wo wir uns später wieder treffen. Nun wollen wir endlich ein bisschen am Strand von Santos spazieren gehen. Die Strandpromenade ist auch tatsächlich das Schönste, was wir von dieser Stadt sehen. Um die Mittagszeit entschliessen wir uns ein Restaurant zu suchen und kehren deshalb in die Stadt zurück. Wir durchqueren eine Wohnsiedlung mit hohen, relativ modernen Wohnblöcken, eine denkbar schlechte Gegend, um etwas Essbares zu finden. Wir entscheiden uns aber auf dieser Strasse weiterzugehen, denn nach unserer Meinung führt sie in das Zentrum zurück. Nach der nächsten Kreuzung erkenne ich ein Restaurant gleich über der Strasse. Von aussen sieht es sehr einladend aus, und wir gehen rein. Es ist gut besetzt mit vielen einheimischen Gästen, was immer ein gutes Zeichen ist. Wir werden von einer freundlichen Lady empfangen, die englisch spricht. Von einem Kellner werden wir an einen Tisch auf der Terrasse geführt. Mit Händen und Füssen und einigen Verständnisproblemen finden wir heraus, dass wir pro Person 12,90 Reais, was ungefähr 7 Dollars entspricht, zu bezahlen haben und uns selber vom breiten Angebot der verschiedenen Speisen bedienen dürfen. Es gibt ein Salatbuffet mit mindestens zwanzig verschiedenen Salaten. Das warme Buffet ist riesig und bietet für jeden Gaumen das richtige an. Ich lasse mich beraten und esse Fisch aus der Region, speziell zubereiteten Reis mit einer mir unbekannten Beilage, die sehr gut schmeckt. Marco lässt sich mit Pasta verwöhnen, die der brasilianische Koch nach seinen Wünschen direkt am Buffet zubereitet. Auch Pierre lässt es sich schmecken. Nach drei Gängen sind wir alle satt und hell begeistert vom Restaurant "Punto 44". Schlussendlich bezahlen wir zusammen 50 Reais, was aufgerundet 25 Dollars entspricht! Zufrieden und satt gehen wir dem Meer entlang zurück zur Hauptstrasse, von der wir heute morgen mit dem Taxi gekommen sind. Marco und ich finden die Poststelle, kaufen die Marken, geben unsere Karten ab und hoffen, dass sie den Weg in die Schweiz schaffen. Nach einigen Versuchen können wir wieder ein Radio-Taxi anhalten, das uns sicher und wohlbehalten zum Hafen "Rodrimar Terminal, Saboo No. 2, Puerto 5" zurückbringt. Auf der Fahrt ruft der Taxifahrer etwas auf portugiesisch und zeigt mit dem Finger auf ein paar armselige Häuser. Marco ist der einzige, der versteht, dass hier der brasilianische Fussballstar Pele geboren wurde. Etwa um 15.00 Uhr sind wir wieder zurück auf der "Calaparana". Marco und ich verbringen den Rest des Nachmittags auf der Brücke und schauen dem fleissigen Ein- und Ausladen der Container zu. In diesem Teil des riesigen Hafengeländes gibt es keine grossen Kranen, wie wir sie in Barcelona oder auch in Rio gesehen haben. So kommen die drei schiffseigenen Kranen alle zum Einsatz, was die Arbeit mühseliger und langwieriger macht. Laut Zeitplan sollten wir heute Abend um 18.00 Uhr den Hafen wieder verlassen, aber um diese Zeit ist die Arbeit noch in vollem Gange. Währenddessen wird ein grosser schwarzer Frachter mit zwei Schleppern neben uns auf dem Kanal gewendet und an das Ufer geschoben. Dabei handelt es sich um einen Autotransporter. In der Nähe von Santos sind einige grosse Autowerke, wie z.B. auch die VW-Werke von Südamerika. Kein Wunder, begegnen wir noch weiteren solchen Riesenschiffen, die tausende von Neuwagen in alle Welt transportieren. Um 21.00 Uhr kann unser Frachter dann endlich ablegen. Für dieses Schauspiel stehen Marco und ich wieder auf der Brücke bereit. Erst jetzt beim Verlassen von Santos bemerken wir, wie gross die Stadt mit ihren 400'000 Einwohnern wirklich ist, und dass sie auf einer Insel steht, um die wir nun herumfahren müssen. Ein zweiter Teil der Stadt liegt am Meer, gegenüber auf dem Festland und wird von zwei Fährbetrieben, eine für Autos und einer Personenfähre verbunden. Im Dunkeln, durch die vielen Lichter erleuchtet, sieht Santos gleich viel reizvoller aus als bei Tageslicht. Wir erkennen auch den langen, hell erleuchteten Strand, an dem wir heute ein Stück entlang gelaufen sind. Er erinnert uns in seiner Form an die Copacabana, den Strand von Rio. Anscheinend werden alle Strände in Brasilien am Abend durch helle Scheinwerfer erleuchtet. Plötzlich werden Marco und ich auf der Brücke von einem älteren Herrn auf deutsch angesprochen. Er arbeitet bei der Reederei Schepers und ist auf Inspektionsbesuch auf der "Calaparana". Er wird uns bis Buenos Aires begleiten. Vor sieben Jahren ist er selber als Kapitän dieses Frachters unterwegs gewesen, damals allerdings Richtung Afrika. Er erzählt uns, dass er pro Jahr bei zehn Schiffen der Reederei Inspektionsbesuche abstattet. Marco wird ihn in den nächsten Tagen ein bisschen über die Schiffe und deren Technik ausquetschen. Langsam wird es mir etwas zu windig auf der Brücke, und ich gehe in unsere "Suite". Mittlerweile ist es auch schon 21.30 Uhr. Müde vom heutigen, erlebnisreichen Tag gehe ich ins Bett. Auch Marco lässt heute nicht mehr all zu lange auf sich warten.

Donnerstag 10. November
Ein Blick aus dem Fenster sagt mir, dass das Wetter keineswegs besser geworden ist. Immer noch hängen dicke Regenwolken am Himmel. Ein guter Tag, um Wäsche zu waschen, zu schreiben und zu lesen. In der 10.00 Uhr Kaffeepause können wir Ion endlich fragen, ob er heute oder morgen Zeit hat uns den Maschinenraum zu zeigen. Heute ist er etwas im Stress, da ihm der deutsche Inspektor auf der Pelle hockt. Er verspricht, morgen nach der Kaffeepause, sich Zeit für uns zu nehmen. Auch am Nachmittag wird das Wetter nicht besser, und es ist nicht gerade angenehm sich draussen aufzuhalten. Trotzdem ist heute kein so starker Seegang wie gestern, und die Fahrt ist im allgemeinen ruhiger. Wir machen heute einen richtig faulen Tag, den wir aber sehr geniessen. Laut Marcos Informationen sind wir nur noch zwei Tage an Bord, da wir schon am Samstag Mittag in Buenos Aires ankommen werden. Das stimmt uns etwas traurig, denn mittlerweile sind wir auf diesem Schiff schon richtig zu Hause. Beim Nachtessen ertönt die Durchsage, dass wir heute Abend die Uhr wieder um eine Stunde zurückstellen sollen. Jetzt haben wir also die argentinische Zeitzone erreicht. Etwa um 21.00 Uhr geht Marco noch auf die Brücke, seinem Lieblingsplatz auf dem Schiff. Ich bin heute unsagbar müde vom Nichtstun und verkrieche mich mit dem Buch ins Bett.

Freitag 11. November
Ich kann die ganze Nacht durchschlafen und werde erst um 06.30 Uhr von der Sonne geweckt, die auf mein Kopfkissen scheint. Ein herrlicher letzter Tag an Bord bricht an. Nach dem Frühstück kann ich mich endlich wieder einmal auf der Musterstation an die herrlich warme Sonne setzen. Der Himmel über mir ist hellblau und wolkenlos. Allerdings bläst ein kühler Wind. Ab und zu blicke ich von meiner Lektüre auf und lasse meinen Blick über das Wasser schweifen. Nein, auch heute lassen sich keine Meeressäuger sehen. Immerhin sind wir aber nicht ganz allein auf weiter Flur, denn ab und zu erkenne ich einen Frachter oder ein Boot. Um 10.00 Uhr werde ich von Marco zur Kaffeepause abgeholt. Wir informieren Pierre, dass wir nach dem Kaffee von Ion in den Maschinenraum geführt werden. Heute lässt sich Ion aber Zeit und kommt erst um 10.20 Uhr mit dem Master und dem Inspektor in die Pause. Wir plaudern über allerlei, und es wird 11.00 Uhr, bis die Pause aufgehoben wird. Pierre, Marco und ich folgen Ion in die Tiefen des Maschinenraums. Wie erwartet ist es hier sehr laut und sehr eindrücklich. Über drei Stockwerke hinunter führt uns Ion durch die riesigen Räume der verschiedenen, riesigen Maschinen, viele verschiedene Tanks bis ganz hinunter, wo wir beobachten können, wie sich die Schiffsschraube dreht. Marco macht haufenweise Fotos und lässt sich von Ion vieles erklären. Einige Infos sind auf der Seite Datenblatt festgehalten. Nach dieser interessanten Führung ist es Zeit fürs Mittagessen, wo Marco und Pierre noch ein wenig über all die Maschinen fachsimpeln. Danach setzen Marco und ich mich noch ein bisschen an die Sonne, bevor er am Notebook arbeitet und ich mich wieder in mein Buch vertiefe. Nach getaner "Arbeit" haben wir uns die Kaffeepause  um 15.00 Uhr verdient. Den Rest des Nachmittags verbringen wir auf der Brücke, wo Marco den Chief Officer über Gewicht und Ladung der "Calaparana" ausquetscht. Wenig später sehen wir von hier aus Land, die brasilianische Stadt "Porto Alegre". Später gesellt sich auch Pierre zu uns auf die Brücke, und wir sprechen übers Reisen. Vor zwei Tagen hat uns Antonio gesagt, dass er einmal pro Schifftrip zum Abendessen Pizza macht. Heute ist dieser Tag, und wir bekommen eine wirklich feine hausgemachte Pizza serviert. Übrigens muss ich noch eine Kleinigkeit korrigieren. Anfangs habe ich geschrieben, dass das frische Gemüse für etwa eine Woche reicht. Ich habe da wohl etwas falsch verstanden, denn es gibt noch immer jeden Tag eine Schüssel voll mit frischem, knackigem Salat! Um unsere Dankbarkeit für die gute Küche und den tollen Service auszudrücken, schenken wir Danilo und Toni, wie sich Antonio nennt, eine unserer zwei letzten Schweizerschokoladen. Ich glaube, es ist ihnen fast ein bisschen peinlich so gerühmt zu werden. Jetzt gehen wir wieder auf die Brücke. Wir sind nun bereits auf dem "Rio Plata", und der schwierigste Teil der Reise beginnt. Hier muss der Kapitän nämlich von Hand innerhalb eines schmalen Kanals navigieren. Ein philippinischer Matrose steuert nach den Anweisungen des Masters. Nach einer Stunde wird er abgelöst, denn es erfordert sehr viel Aufmerksamkeit das Steuer richtig zu bedienen. Vor uns auf der rechten Seite liegt nun schon die Hauptstadt von Uruguay, Montevideo. Der Master drosselt plötzlich den Motor. Corneliu erklärt, dass wir hier auf den Lotsen warten müssen. Bei Sonnenuntergang treiben wir im Fluss und beobachten die Seevögel, die uns seit einer Weile begleiten. Irgendwann ist der Lotse von uns unbemerkt an Bord gekommen. Er übernimmt nun das Zepter. Es ist wohl üblich, dass bei jeder Hafeneinfahrt ein einheimischer Lotse das Kommando übernimmt, denn dies konnten wir schon in Rio und auch in Santos beobachten. Natürlich hat auch unser Kapitän nun wieder sein offizielles Outfit, weisses Hemd und schwarze Hosen an. Nach zwei Stunden des Staunens auf der Brücke entschliessen wir uns einen Kaffee trinken zu gehen und später noch einmal zu kommen. Zuerst gehen wir aber noch in den Maschinenraum, wo Ion Nachtwache schieben muss. Er muss die Maschinen überwachen, denn es darf auf dieser letzten schwierigen Passage nichts schief gehen. Wir bringen ihm die letzte Schokolade, worauf seine Augen glänzen. Beinahe im gleichen Atemzug sagt er aber auch, dass er morgen wohl auf Frühstück und Mittagessen verzichten muss, da Schokolade ja so viele Kalorien habe. Zu seiner Beruhigung, sitzen aber noch Vadym und der Inspektor im Maschinenraum, die ihm bestimmt helfen werden mit der Schokolade fertig zu werden. Wir kennen da ausserdem noch Valeriy, der auch sehr gerne Schokolade isst. Wir überlassen Ion, Vadym und den Inspektor ihrem Schicksal und gehen Kaffee trinken. Marco stattet später noch einmal einen Besuch auf der Brücke ab, während ich noch ein bisschen schreibe. Dann wird es Zeit uns für die letzte Nacht an Bord zu rüsten und in unser Bett zu kriechen.

Samstag 12. November
Heute morgen um 07.00 Uhr klingelt der Wecker. Unser Frachtschiff hat bereits am Hafen von Buenos Aires angelegt. Für Marco und mich heisst es nun unsere Suite aufzuräumen und den Rucksack zu packen. Wir bekommen zum letzten Mal ein Frühstück an Bord und verabschieden uns anschliessend von der Crew. Etwas wehmütig verlassen wir zusammen mit Pierre, einem Franzosen, der dieselbe Route gereist ist wie wir, das Schiff.

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